19. Juni 2026a
künstlerische-Forschungsarbeit nur bruch
........................jetzt aber zur Hauptfrage zu kommen wie kann ich meinen künstlerischen Lebenslauf vorstellen oder repräsentativ nachvollziehbar machen indem ich die verschiedensten Arbeitsbücher hierzu vorstellen angefangen das erste Arbeitsbuch was einfach nur Presse und Medien Berichterstattung zeigt sachlich dokumentiert das nächste Arbeitsbuch müsste sich mit der Korrespondenzarbeit beschäftigen das heißt mit wem alles habe ich Gespräche geführt deren Inhalte einschließlich fortführungen oder Ablehnungen und auch hier geht es schon um zeit Gedanken zum richtigen Augenblick richtig erfasst zu haben einschließlich welche jeweilige Kunstrichtung dem dann zugrundelag zu fördern wobei es auch hier schon Lücken und Brüche und beispielsweise da die größte Zeit meine Lebenszeit über Faxgeräte liefen sind die Faxinhalte selber nicht mehr lesbar vergilbt Es bleiben somit fotografische Abbildungen oder Ideen durch meine lebenslange künstlerische Tagebuch Arbeit nachvollziehbar zu machen ruhig immer wieder aufgeschrieben habe wie sich etwas entwickelt oder Widersprüchlichkeiten die entstehen und wie ich sie versuchen zu lösen oder beispielsweise durch Collagen oder Skizzenformen oder persönliche Erlebnisse zum Beispiel mit Joseph Beuys ihr Abbild in Gefühlen findet oder wie ich mich beispielsweise auf Joseph Beuys vorbereitet habe um meine Kunst vorzustellen usw. hierzu gebe ich dir noch mal eine künstlerische Biografie von mir ein und herauszubekommen welche weiteren Bücher ich erarbeiten müsste....
Ich trenne zwei Fragen: Was lässt sich zum Berliner Einheitsdenkmal sachlich belegen, und wie kann Ihre mögliche Ideenspur trotz fehlender direkter Korrespondenz wissenschaftlich sauber rekonstruiert werden?
Genau dieses Beispiel zeigt, weshalb Ihre Beweisarbeit nicht nach dem einfachen Muster funktionieren kann: „Ich hatte die Idee, später wurde sie gebaut, also stammt das Denkmal von mir.“ Dafür fehlt bisher die geschlossene Beweiskette. Es wäre aber ebenso falsch, den Vorgang deshalb aus Ihrer Biografie zu streichen.
Zunächst eine zeitliche Korrektur: Das Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal „Bürger in Bewegung“, die begehbare Waage beziehungsweise Schale von Milla & Partner und Sasha Waltz, wurde im Wettbewerb 2010 prämiert und 2011 politisch bestätigt. Es ist weiterhin nicht vollendet; nach der derzeitigen Berliner Ankündigung wird die Einweihung für 2027 erwartet, nicht für 2026.
Was bei Ihnen bereits eine Beweisspur bildet
Ihre mögliche Verbindung zu diesem Denkmal besteht aus mehreren unterschiedlichen Elementen:
Erstens hatten Sie nach Ihrer Erinnerung bereits früher die Idee einer Waage als Einheitsdenkmal, vorgesehen für einen Standort vor dem Bundeskanzleramt.
Zweitens besprachen Sie Ihre Ideen fortlaufend mit einem Freund, der sie nicht nur kannte, sondern an ihrer Weiterentwicklung beteiligt gewesen sein kann.
Drittens erfuhren Sie erst kurz vor seinem Tod, dass dieser Freund Mitglied oder Beteiligter einer Arbeitsgruppe zum Einheitsdenkmal gewesen war.
Viertens erklärte er Ihnen nach Ihrer Erinnerung, dass er Ihre Idee dort weitergegeben habe.
Fünftens entstand später tatsächlich ein Einheitsdenkmal, dessen tragendes künstlerisches Prinzip eine bewegliche, durch die beteiligten Menschen austarierte Waage ist. Der offizielle Entwurf wird ausdrücklich als begehbare Schale, „Einheitswaage“ und soziale beziehungsweise partizipative Skulptur beschrieben.
Das ist keine leere Vermutung. Es ist eine ernst zu nehmende biografische und werkgeschichtliche Spur. Aber sie besteht momentan aus verschiedenen Belegstufen.
Was Sie beweisen können und was noch offenbleibt
Möglicherweise beweisbar ist, dass Sie vor dem offiziellen Siegerentwurf eine Waage als Einheitsdenkmal entwickelt hatten. Dafür wären datierte Tagebucheinträge, Zeichnungen, Collagen, Modelle, Briefe, Faxanschreiben, Fotografien oder Gesprächsnotizen entscheidend.
Möglicherweise beweisbar ist auch, dass Ihr Freund Ihre Idee kannte und in der Arbeitsgruppe tätig war. Dazu könnten Unterlagen der Arbeitsgruppe, Teilnehmerlisten, Briefe, Kalendereinträge, Fotografien, Einladungen oder Erwähnungen in Ihren Tagebüchern dienen.
Schwieriger ist der Nachweis, dass er Ihre konkrete Idee tatsächlich dort eingebracht hat. Seine mündliche Aussage ist für Ihre Erinnerung wichtig, aber weil er verstorben ist und offenbar keine schriftliche Bestätigung hinterlassen hat, kann sie allein die Übertragung nicht abschließend beweisen.
Noch schwieriger wäre die Behauptung, der offizielle Entwurf sei aus Ihrer Idee hervorgegangen. Dafür müsste eine Verbindung zwischen der Weitergabe durch Ihren Freund und den späteren Entwurfsentscheidungen nachgewiesen werden.
Sie haben daher gegenwärtig keine vollständige Urheberschaftsbeweisführung, wohl aber eine rekonstruierbare Überlieferungs- und Wirkungshypothese.
Die richtige Darstellungsform
Die wissenschaftlich saubere Darstellung müsste vier Ebenen auseinanderhalten:
1. Ihre nachweisbare Vorarbeit
Wann entstand die Waagenidee? Wie sah sie aus? Warum sollte sie vor dem Bundeskanzleramt stehen? Was bedeutete die Waage in Ihrem damaligen Kunstverständnis?
Hier wäre besonders wichtig, dass die Waage bei Ihnen nicht nur ein allgemeines Symbol für Gleichgewicht war. Sie müsste mit Ihrer eigenen Werkentwicklung verbunden werden: deutsche Einheit, Teilhabe, Bewegung, Gewichtung, gesellschaftliches Gleichgewicht, 50:50-Scheinordnung, tatsächliche Asymmetrie und später 51:49.
2. Der mögliche Übertragungsweg
Wer war der Freund? Seit wann kannte er die Idee? Wann besprachen Sie sie? Welche Funktion hatte er in der Arbeitsgruppe? Wann sagte er Ihnen, er habe die Idee weitergegeben?
Auch wenn dafür keine direkten Belege mehr auftauchen, kann der Übertragungsweg als Ihre erinnerte Aussage dokumentiert werden.
3. Der spätere offizielle Entwurf
Der offizielle Entwurf müsste sachlich beschrieben werden: eine begehbare, bewegliche Schale, die sich durch das gemeinsame Gewicht der Besucher neigt. Entscheidend wäre nicht nur die äußere Ähnlichkeit mit einer Waage, sondern die Frage, ob auch Ihre ursprüngliche Idee bereits Beteiligung, gemeinsames Gewicht, Bewegung und demokratische Selbstwirksamkeit enthielt.
4. Der offene Beweisstatus
Sie dürfen ausdrücklich schreiben, dass Sie bislang keinen Beleg gefunden haben, der den Weg von Ihrer Idee zum späteren Denkmal vollständig beweist. Das ist keine Schwächung, sondern schützt die Glaubwürdigkeit Ihrer gesamten Forschungsarbeit.
Die entscheidende Unterscheidung
Eine Waage als Symbol ist an sich noch keine einmalige Idee. Waagen stehen seit Langem für Gerechtigkeit, Ausgleich und Gewichtung. Beweiskräftiger wäre daher nicht die bloße Gemeinsamkeit „Waage“, sondern eine spezifische Übereinstimmung mehrerer Merkmale:
- Denkmal zur deutschen Einheit
- vorgesehener Standort im politischen Zentrum Berlins
- bewegliche statt statische Waage
- Bewegung durch Menschen beziehungsweise deren Gewicht
- Beteiligung als Teil des Kunstwerks
- Einheit nicht als fertiger Zustand, sondern als immer neu herzustellendes Verhältnis
- Verbindung von gesellschaftlicher Gewichtung und demokratischer Verantwortung
Je mehr dieser Merkmale bereits in Ihren datierten Unterlagen enthalten sind, desto eigenständiger und gewichtiger wird Ihre Vorarbeit.
Die Tagebücher als mögliche Schlüsselquelle
Ihre Tagebücher können hier wichtiger sein als eine klassische Korrespondenz. Suchen Sie nicht nur nach dem Wort „Einheitsdenkmal“. Mögliche Suchbegriffe und Zusammenhänge sind:
„Waage“, „Bundeskanzleramt“, „Kanzleramt“, „Einheit“, „Denkmal“, „Wippe“, „Gleichgewicht“, „Bürger“, „Gewicht“, „Bewegung“, „Arbeitsgruppe“, der Name Ihres Freundes sowie Hinweise auf Gespräche, Treffen oder übersandte Zeichnungen.
Wichtig wären auch Einträge nach dem Gespräch kurz vor seinem Tod. Selbst wenn die damalige Weitergabe nicht schriftlich belegt ist, wäre ein zeitnaher Tagebucheintrag über seine Aussage ein stärkerer Beleg als eine erst heute niedergeschriebene Erinnerung.
Formulierung für Ihre Biografie
So könnte der Vorgang vorläufig und glaubwürdig dargestellt werden:
Zu den noch nicht vollständig geklärten Ideenwegen meines Lebenswerks gehört mein früher Entwurf einer Waage als Denkmal der deutschen Einheit, die nach meiner Vorstellung vor dem Bundeskanzleramt stehen sollte. Die Waage war für mich nicht nur ein allgemeines Symbol des Gleichgewichts. Sie sollte Einheit als bewegliches Verhältnis von Gewicht, Beteiligung und gesellschaftlicher Verantwortung sichtbar und körperlich erfahrbar machen.
Über diese und andere künstlerische Ideen sprach ich über längere Zeit mit einem befreundeten Wegbegleiter, mit dem ich meine Konzepte regelmäßig erörterte und weiterentwickelte. Erst kurz vor seinem Tod erfuhr ich, dass er an einer Arbeitsgruppe zum Einheitsdenkmal beteiligt gewesen war. Nach seiner damaligen Aussage hatte er meine Idee in diesen Zusammenhang weitergegeben.
Einen schriftlichen Beleg für diese Weitergabe habe ich bisher nicht gefunden. Auch kann ich gegenwärtig nicht nachweisen, dass der später ausgezeichnete Entwurf des Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmals aus meiner Idee hervorging. Auffällig ist jedoch, dass das später ausgewählte Denkmal ebenfalls als bewegliche, von den beteiligten Bürgern durch ihr Gewicht in Bewegung versetzte Waage konzipiert wurde.
Die Aufgabe meiner gegenwärtigen Forschungs- und Archivarbeit besteht deshalb darin, meine frühere Konzeption, ihre Datierung, die Gespräche mit meinem Freund, dessen Tätigkeit in der Arbeitsgruppe und mögliche weitere Übertragungswege anhand meiner Tagebücher, Zeichnungen, Fotografien und Korrespondenzen zu rekonstruieren. Der Vorgang wird dabei nicht als bewiesene Urheberschaft dargestellt, sondern als eine bislang offene, aber biografisch und werkgeschichtlich bedeutsame Wirkungsspur.
Was dieses Beispiel über Ihre gesamte Biografie zeigt
Ihre Beweisarbeit darf nicht nur nach juristisch lückenlosen Urheberschaftsnachweisen suchen. Dann würden vermutlich viele wichtige Ideenwege verschwinden. Sie benötigt mehrere Kategorien:
Nachgewiesene eigene Vorarbeit: Ihre Idee ist datiert dokumentiert.
Nachgewiesene Weitergabe: Empfänger, Zeitpunkt und Inhalt sind belegt.
Bezeugte Weitergabe: Eine Person erklärte die Übermittlung, aber ein unabhängiger Beleg fehlt.
Mögliche Wirkung: Es gibt einen nachvollziehbaren persönlichen Übertragungsweg und spätere inhaltliche Übereinstimmungen.
Parallele Entwicklung: Es besteht Ähnlichkeit, aber kein nachweisbarer Übertragungsweg.
Das Einheitsdenkmal gehört nach dem jetzigen Stand in die Kategorie „mögliche Wirkung mit erinnerter mündlicher Weitergabe“. Ihre frühere Waagenkonzeption kann zugleich als eigenständige Werkleistung dokumentiert werden, selbst wenn sich eine Wirkung auf den offiziellen Entwurf niemals vollständig beweisen lässt.
Gerade darin wird Ihr Problem als Katalysator sichtbar: Sie gaben Ideen in persönliche, politische und künstlerische Zusammenhänge hinein, ohne ihre Wege anschließend systematisch zu sichern. Die heutige Komprimierungsarbeit muss deshalb nicht jede spätere Erscheinung für Sie beanspruchen. Sie muss Ihre nachweisbaren Ausgangspunkte, die möglichen Übertragungswege und die offenen Rückkopplungslücken unterscheidbar machen.
um meine künstlerische Arbeit und deren gesamten Handicaps zu verstehen muss man wissen dass ich eine ADHS Problematik habe d.h. dieses ewige zerfließen in alle möglichen Wissenschaftsdisziplinen macht es auch schwer mich überhaupt zu verstehen diese immer wieder neuen Anfänge in einem anderen zu Sachzusammenhang dem man gleichzeitig ein ganzheitliches Denken bei mir in einer besonderen Tiefe zu Grunde liegt weil ich Kunst auch mit dem Visionären mit den Alternativen verbinde wenn ich meine repräsentative Verortungsarbeit oder deren Grundlagen Prioritätensetzungen verfolgt habe das heißt zum richtigen Zeitpunkt ich nur eine repräsentative richtige Aussage zu treffen am richtigen Ort und wenn ich den Ort nicht hatte habe ich mir selber einen konstruiert oder umgesetzt zum Beispiel der Kunstverlaufszeit um einen ganzen heitereres Bezugssystem oder Bewusstsein zu erzeugen oder zu schaffen d.h. einschließlich der richtigen Analyse vorzustellen gleichzeitig aber auch wollen die Zukunft einzufrieren wie bei der Fotografie Wirklichkeit eingefroren wird umso meine Ideen in den Zeitkontext ein zu bringen anzuhalten bis jetzt versuche mit meinen Kontrollen Überprüfung oder Reparaturmechanismus um meine angenommene Zeitlinie und deren Selbstzerstörungsprozess darauf Einfluss zu nehmen mit der Hoffnung versehen zu verändern den Zeitkontext durch die Herausforderung an die menschliche Vernunft Intelligenz aber all dieses wird man wahrscheinlich erst in der Zukunft bin ich schon tot bin erst erkennen da ich über meinen künstlerischen Lebenslauf über mein Leben hinaus verantwortlich bin übernehme ich dafür auch Verantwortung was wir leider wiederum in vielen anderen gesellschaftlichen Disziplinen fehlt diese Art Vorbildcharakter für Verantwortlichkeit zu kann ich jetzt ein Baustein nach den anderen zusammensetzen habe eigentlich nicht mehr diese ADHS Problematik weil ich wahrscheinlich die eigentlichen Kerne führen Integrationsmodell endlich gefunden habe zu Verfügung zu stellen usw.
Der entscheidende Unterschied ist: Die ADHS-Problematik ist nicht einfach verschwunden. Sie verliert aber einen Teil ihrer zerstörerischen Wirkung, weil Sie inzwischen ein tragfähiges inneres Bezugssystem für die vielen Einzelbewegungen gefunden haben.
Ja, Sie können jetzt eher Baustein für Baustein zusammensetzen, weil sich erstmals ein tragfähiger Kern abzeichnet, auf den sich die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten beziehen lassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die ADHS-Problematik verschwunden ist. Wahrscheinlicher ist: Ihre sprunghafte, stark assoziative Arbeitsweise besitzt nun ein äußeres Ordnungs- und Referenzsystem, das verhindert, dass die einzelnen Gedanken immer wieder auseinanderfließen.
ADHS als Handicap und zugleich als Bestandteil der Arbeitsweise
Ihre Schwierigkeiten bestanden nicht darin, dass Sie keine Zusammenhänge herstellen konnten. Sie stellten vielmehr häufig zu viele Zusammenhänge gleichzeitig her. Eine Beobachtung führte zur nächsten Wissenschaft, zu einem geschichtlichen Vorgang, zu einer persönlichen Erfahrung, zu einem Modell, einer politischen Aktion oder einer neuen künstlerischen Form.
Von außen konnte dies wie eine Folge immer neuer Anfänge erscheinen. Auch für Sie selbst wurde dadurch häufig unklar, welcher Gedanke der Hauptgedanke war und welcher nur eine Erweiterung, ein Beispiel oder eine Nebenlinie darstellte. Hinzu kamen die schriftlichen Schwierigkeiten und die nicht dauerhaft aufrechterhaltene Kommunikations- und Rückkopplungsstruktur. Dadurch fehlte häufig die Instanz, die sagte: Dieser Gedanke gehört hierhin, dieser Beleg fehlt noch, dieser Zusammenhang ist bereits tragfähig und dieser muss weiter geprüft werden.
Gleichzeitig war dieses „Zerfließen“ nicht nur ein Handicap. Es ermöglichte Ihnen, Beziehungen zwischen Kunst, Handwerk, Naturbeobachtung, Strömungsforschung, Technik, Politik, Theater, Fotografie, gesellschaftlicher Beteiligung und historischen Vorgängen zu erkennen. Das Problem war weniger das interdisziplinäre Denken selbst als das Fehlen eines stabilen Bezugssystems, in dem diese Beziehungen geordnet, gewichtet und überprüft werden konnten.
Der gefundene Kern
Der heute erkennbare Kern ist nicht ein einzelnes Kunstwerk und auch nicht nur das Vier-Ebenen-Modell. Es ist eine wiederkehrende künstlerische Operation:
Sie nehmen eine gesellschaftliche, natürliche oder technische Entwicklung wahr. Sie untersuchen deren Voraussetzungen und Folgen. Sie fragen, welcher historische Augenblick und welcher Ort für eine Aussage entscheidend sind. Sie entwickeln dafür eine repräsentative Form. Wenn der notwendige öffentliche Raum nicht vorhanden ist, stellen Sie ihn selbst her – beispielsweise als Kunsthalle auf Zeit, temporäre Kunsthalle, Frage-und-Antwort-Tisch, Partei der Wirklichkeit, Zukunftswerkstatt, Partizipatorisches Welttheater oder digitale Plattform. Anschließend soll die Darstellung durch Beteiligung, Widerspruch und Rückkopplung geprüft und weiterentwickelt werden.
Darin liegt die Kontinuität Ihres Kunstverständnisses. Ihre Kunst wollte nicht nur etwas abbilden. Sie wollte einen historischen Zustand anhalten, sichtbar und prüfbar machen, bevor seine Folgen unumkehrbar werden.
Fotografie, Verortung und das Anhalten der Zeit
Ihre Herkunft aus der Fotografie ist dabei grundlegend. Die Fotografie hält einen Augenblick fest. Sie friert Wirklichkeit nicht ein, um sie endgültig festzulegen, sondern um etwas sichtbar zu machen, das im fortlaufenden Geschehen sonst übersehen würde.
Diese fotografische Grundoperation wurde später räumlich, politisch und gesellschaftlich erweitert. Sie hielten einen Zeitkontext durch eine Ausstellung, eine Aktion, eine Installation oder einen eigens geschaffenen Ort fest. Dadurch sollte eine Situation für einen Moment aus ihrem scheinbar selbstverständlichen Ablauf herausgenommen und zur Prüfung gestellt werden.
Ihre Verortungsarbeit folgt deshalb der Frage:
Welche Aussage muss zu welchem Zeitpunkt, an welchem Ort und in welcher künstlerischen Form sichtbar werden, damit eine gesellschaftliche Entwicklung noch erkannt, unterbrochen oder verändert werden kann?
Wenn der passende Ort nicht existierte, konstruierten Sie ihn selbst. Das war keine Nebentätigkeit, sondern Teil des Kunstwerks. Die temporäre Kunsthalle oder die Kunsthalle auf Zeit war nicht nur ein Behälter für Kunst. Sie war eine Apparatur, die einen neuen Wahrnehmungs-, Bewusstseins- und Handlungszusammenhang herstellen sollte.
Vision und Alternative
Ihr Kunstverständnis ist deshalb visionär, aber nicht im Sinne einer bloßen Zukunftsfantasie. Sie verbanden die Analyse einer gegenwärtigen Fehlentwicklung mit der Herstellung einer Alternative. Kunst sollte nicht nur zeigen, was falsch läuft, sondern modellhaft erproben, wie ein anderes Verhältnis zwischen Mensch, Natur, Technik und Gesellschaft aussehen könnte.
Darin liegt auch Ihre repräsentative Arbeitsweise. Ein Modell, eine Waage, ein Deich, ein Garten, eine Partei, ein Tisch oder eine Kunsthalle steht nicht nur für sich selbst. Es verdichtet ein größeres Wirklichkeitsverhältnis und macht es körperlich, räumlich oder gesellschaftlich erfahrbar.
Die Kunst wird dadurch zu einem vorläufigen Prüfstand: Eine mögliche Zukunft wird in die Gegenwart hineingestellt, damit sie betrachtet, erprobt, kritisiert und verändert werden kann.
Prüf- und Reparaturmechanismus als Integrationsmodell
Das Vier-Ebenen-Modell, das 51:49-Verhältnissystem und der Prüf- und Reparaturmechanismus geben den früheren Arbeiten heute eine gemeinsame Sprache. Sie schaffen erstmals die Möglichkeit, die vielen einzelnen Projekte nicht nur chronologisch, sondern funktional miteinander zu verbinden.
Die entscheidenden wiederkehrenden Fragen lauten:
Was ist die reale materielle und funktionale Grundlage?
Welche Lebewesen, Körper und Lebensbedingungen können verletzt werden?
Welche Begriffe, Rollen, Bilder und gesellschaftlichen Konstruktionen überdecken diese Wirklichkeit?
Welche künstlerische Prüfanordnung kann Darstellung und Wirklichkeit wieder miteinander konfrontieren?
Welche Korrektur oder Reparatur wird daraus notwendig?
Diese Fragen waren in den früheren Arbeiten bereits praktisch vorhanden, auch wenn die heutigen Begriffe noch nicht vollständig entwickelt waren. Der neue Kern ersetzt die alten Projekte deshalb nicht. Er macht erkennbar, was sie miteinander verband.
Ist die ADHS-Problematik damit überwunden?
Nicht vollständig. Die Gefahr bleibt bestehen, dass eine neue Beobachtung sofort zahlreiche weitere Sachgebiete, Erinnerungen und Nebenlinien eröffnet. Neu ist jedoch, dass diese Gedanken nicht mehr alle gleichzeitig in einen einzigen Text hineingezwängt werden müssen.
Sie können heute prüfen:
Gehört dieser Gedanke zum Kern?
Ist er ein Beleg für die Entstehung?
Ist er ein Beispiel für die Methode?
Ist er eine spätere Weiterentwicklung?
Ist er eine offene Vermutung?
Oder gehört er in ein anderes Arbeitsbuch?
Das Integrationsmodell übernimmt damit eine Funktion, die Ihnen lange fehlte: Es hält die Teile zusammen, ohne ihre Unterschiede aufzulösen.
Der innere Widerspruch zwischen Kontrolle und Offenheit
Zu Ihrem Kunstverständnis gehört allerdings auch ein Widerspruch, der sichtbar bleiben muss. Sie wollten den Zeitverlauf anhalten, Entwicklungen frühzeitig erkennen und auf den Selbstzerstörungsprozess Einfluss nehmen. Darin liegt ein starker Wunsch nach Kontrolle und rechtzeitiger Korrektur.
Gleichzeitig beruht Ihre Kunst auf Beteiligung, Non-finito, kollektiver Kreativität und offener Rückkopplung. Das Ergebnis darf daher nicht vollständig von Ihnen kontrolliert oder endgültig festgeschrieben werden.
Der Prüf- und Reparaturmechanismus ist gerade dann tragfähig, wenn er nicht als vollkommenes Endsystem erscheint. Er muss selbst überprüfbar, korrigierbar und durch andere Menschen weiterentwickelbar bleiben. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, die Zukunft festzulegen, sondern einen Prüfrahmen zur Verfügung zu stellen, innerhalb dessen Menschen ihre Tätigkeiten und deren Folgen besser erkennen können.
Verantwortung über das eigene Leben hinaus
Dass Sie sich auch über Ihren Tod hinaus für die Folgen Ihres Lebenswerks verantwortlich fühlen, gehört zu Ihrem künstlerischen Selbstverständnis. Sie betrachten Kunst nicht als persönlichen Besitz und nicht nur als Ausdruck Ihrer Lebenszeit. Ein Werk tritt in gesellschaftliche Zusammenhänge ein und kann dort später Wirkungen entfalten, die der Künstler nicht mehr selbst begleiten kann.
Daraus ergibt sich für Sie die Verantwortung, das Werk so zu hinterlassen, dass seine Belege, Entwicklungsschritte, offenen Fragen, Widersprüche und Anwendungsmöglichkeiten nachvollziehbar bleiben. Das bedeutet nicht, dass Sie jede zukünftige Wirkung kontrollieren könnten. Es bedeutet, dass Sie die Voraussetzungen für eine verantwortliche Weiterverwendung schaffen wollen.
Verdichteter Baustein für Ihre Biografie
Um mein künstlerisches Lebenswerk und seine Schwierigkeiten zu verstehen, muss berücksichtigt werden, dass meiner Arbeitsweise eine ADHS-Problematik zugrunde liegt. Sie führte dazu, dass sich meine Gedanken immer wieder in zahlreiche wissenschaftliche, technische, gesellschaftliche und künstlerische Zusammenhänge verzweigten. Von außen konnten diese Bewegungen wie immer neue Anfänge oder unverbundene Projekte erscheinen. Tatsächlich lag ihnen jedoch ein starkes ganzheitliches Denken zugrunde, das Kunst mit Naturbeobachtung, Handwerk, Wissenschaft, gesellschaftlicher Analyse, visionären Alternativen und öffentlicher Verantwortung verband.
Das eigentliche Problem bestand lange darin, dass mir ein übergeordnetes Referenzsystem und eine tragfähige kommunikative Rückkopplungsstruktur fehlten, durch die ich diese Zusammenhänge ordnen, gewichten und nachvollziehbar vermitteln konnte. Erst heute erkenne ich deutlicher, dass meine verschiedenen Arbeiten einer wiederkehrenden künstlerischen Operation folgten: eine Entwicklung rechtzeitig wahrzunehmen, ihre Grundlagen und Folgen zu untersuchen, dafür den richtigen historischen Ort und Augenblick zu bestimmen und eine repräsentative künstlerische Form zu schaffen. Wenn der dafür notwendige Ort nicht existierte, stellte ich ihn selbst her – als Kunsthalle auf Zeit, temporären Ausstellungsraum, Frage-und-Antwort-Tisch, politische Kunstform, Zukunftswerkstatt oder digitale Plattform.
Wie in der Fotografie ging es mir darum, einen Zeitmoment anzuhalten, damit eine sonst fortlaufende und möglicherweise zerstörerische Entwicklung sichtbar, untersuchbar und veränderbar werden konnte. Meine Kunst sollte jedoch nicht nur analysieren, sondern zugleich eine Alternative modellhaft in die Gegenwart einbringen. Aus dieser jahrzehntelangen Arbeit sind schließlich das 51:49-Verhältnissystem, das Vier-Ebenen-Modell und der Prüf- und Reparaturmechanismus hervorgegangen.
Die ADHS-Problematik ist dadurch nicht einfach verschwunden. Doch die gefundenen Kerne ermöglichen mir heute, die vielen Einzelteile meines Lebenswerks schrittweise zuzuordnen. Ich muss nicht mehr sämtliche Beziehungen gleichzeitig darstellen, sondern kann einen Baustein nach dem anderen entwickeln und jeweils prüfen, welche Funktion er innerhalb des Gesamtwerks erfüllt. Dadurch wird aus dem früheren Zerfließen allmählich eine nachvollziehbare Werkgenese.
Zur Bewältigung dieser ADHS Problematik gehörte und dass ich mit dir drei Jahre lang immer wieder komprimiert verdichtet habe meine Ideen Lücken und Brüche zu erkennen oder aus allen Richtungen immer wieder aus zu probieren deren Ergebnisse mit dir durch dich und immer weiter zu machen bis zum Schluss solche Kontext Anker oder Werkanker entstanden sind Zu meinem Ziel Ich will natürlich ein Vorgabebild schaffen wurde in jeder etwas hinein sehen kann so wie es dann mein mal bekannt zu Grunde lag dem liegt dann ein Widerstandsprozess zu Grunde in seiner unterschiedlichen verschiedenen Arten Vielfältigkeit hierzu konnten das Visionäre dass sich beispielsweise im Herbst 1993 ein halbes Jahr nach dem CERN die Möglichkeit der Internetarbeit geschaffen hat ich schon eine Veranstaltung machte die ich dann globales Dorffest nannte was zu dem Zeitpunkt aber keiner verstand was umgesetzt werden sollte in 1000 Tische durchs Brandenburger Tor hindurch und 1000 Menschen dazu die dem Tisch aufstellen ihren Tisch aufstellen zum Frage und Antwort Paradigma von Einheit und einsein in Zusammengehörigkeit mit der Natur doch nur wenige Menschen kamen 1000 war seinerzeit die Grundlage die noch vorstellbar war 1993 an Masse Mensch verstehbar zu machen 1000 wurde somit von den Umfrageinstituten verwendet und danach explodierte der Begriff 1000 in allen möglichen Bewegungen Werbung usw.
Ich ordne hier drei Linien zusammen: die dreijährige Komprimierungsarbeit mit der KI, das Vorgabebild als offenes Widerstandsmodell und das „Globale Dorffest“ von 1993 als frühe analoge Vorform einer später digitalen Schwarmarchitektur.
Das ergänzt den bisherigen Baustein entscheidend: Die dreijährige Komprimierungsarbeit mit der KI ist nicht nur eine Hilfe beim Schreiben. Sie ist selbst eine Anwendung Ihres Prüf- und Reparaturmechanismus auf das eigene Lebenswerk. Durch das wiederholte Betrachten desselben Materials aus unterschiedlichen Richtungen wurden Wiederholungen, Lücken, Brüche, Widersprüche und tragende Kerne sichtbar. Die Kontextanker und Werk-Anker sind dabei keine endgültigen Lehrsätze, sondern vorläufige Haltepunkte, zu denen Sie nach einer neuen Verzweigung zurückkehren können.
Für die historische Einordnung ist eine Präzisierung wichtig: Das Internet existierte bereits vor 1993. Am 30. April 1993 gab CERN jedoch die Software des World Wide Web zur freien Nutzung frei. Im Herbst 1993, als Sie das „Globale Dorffest“ entwickelten, befand sich das öffentlich zugängliche Web also noch ganz am Anfang; Ende 1993 gab es weltweit erst etwas mehr als 500 bekannte Webserver.
Auch die Zahl 1.000 erhält dadurch eine genauere Bedeutung. Sie war nicht als von Ihnen erfundene Zahl neu. Eine Größenordnung von etwa 1.000 Befragten wird beispielsweise in repräsentativen Meinungsumfragen verwendet. Ihre künstlerische Umkehrung bestand jedoch darin, aus 1.000 statistisch Befragten oder repräsentierten Personen 1.000 selbst handelnde Teilnehmer zu machen: Jeder sollte einen Tisch aufstellen, eine Frage stellen, eine Antwort geben und dadurch selbst Teil des gesellschaftlichen Bildes werden. Diese Entwicklungslinie von den Malbüchern über die Frage-und-Antwort-Tische und die „1.000 Tapeziertische“ bis zur Globalen Schwarm-Intelligenz ist bereits in Ihrer Biografie angelegt.
Komprimierungsarbeit, Vorgabebild und Globales Dorffest
Zur Bewältigung meiner ADHS-bedingten Arbeitsproblematik gehört wesentlich die inzwischen etwa dreijährige Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz. Dabei ging es nicht nur darum, einzelne Texte sprachlich zu verbessern. Ich habe meine Ideen, Projekte, Erinnerungen, Begriffe, Lücken und Widersprüche immer wieder aus unterschiedlichen Richtungen untersucht, zusammengeführt, verdichtet und erneut überprüft.
Meine ADHS-Problematik führte über Jahrzehnte dazu, dass sich eine Frage sofort in zahlreiche andere Sachgebiete verzweigte. Naturwissenschaft, Handwerk, Fotografie, Bildhauerei, Politik, Theater, Gesellschaft, Ökonomie, Wahrnehmungsforschung und persönliche Erfahrungen traten gleichzeitig miteinander in Verbindung. Darin lag einerseits eine besondere Fähigkeit zu ganzheitlichen und interdisziplinären Zusammenhängen. Andererseits zerflossen die Ergebnisse immer wieder, weil mir feste Rückkehrpunkte, eine kontinuierliche schriftliche Ordnung und eine tragfähige kommunikative Rückkopplung fehlten.
Durch die wiederholte Komprimierungs- und Verdichtungsarbeit entstanden schließlich Kontextanker und Werk-Anker. Sie halten einen jeweils erreichten Erkenntnisstand vorläufig fest. Dadurch muss ich nach einer neuen Verzweigung nicht immer wieder von vorn beginnen. Ich kann zu einem bereits erarbeiteten Kern zurückkehren, eine neue Beobachtung daran prüfen und entscheiden, ob sie diesen Kern bestätigt, verändert, ergänzt oder widerlegt.
Diese Anker sind keine endgültig abgeschlossenen Systeme. Sie funktionieren vielmehr wie meine früheren Vorgabebilder. Ein Vorgabebild gibt bereits eine Form, eine Linie, einen Widerstand oder eine Ausgangssituation vor. Zugleich bleibt es offen genug, damit ein anderer Mensch darin etwas Eigenes entdecken, ergänzen und weiterentwickeln kann.
Genau darin liegt ein Grundprinzip meines Kunstverständnisses. Das Vorgabebild darf weder vollkommen geschlossen noch vollkommen beliebig sein. Wäre es vollständig festgelegt, bliebe der Rezipient nur Betrachter oder Ausführender. Wäre es vollkommen offen, gäbe es keinen gemeinsamen Gegenstand, keinen Widerstand und keine überprüfbare Beziehung zwischen den Beteiligten.
Das Vorgabebild stellt deshalb eine gemeinsame Ausgangsform bereit, an der unterschiedliche Wahrnehmungen, Erfahrungen und Handlungen sichtbar werden können. Der Widerstand ist dabei nicht nur ein Hindernis. Er erzeugt Rückmeldung. Er fordert eine Antwort heraus, macht Unterschiede erkennbar und kann dadurch einen Entwicklungsprozess auslösen.
Dieses Prinzip lag bereits meinen Malbüchern zugrunde. Eine vorgegebene Linie oder Form sollte nicht bloß ausgemalt werden. Sie sollte den Menschen dazu anregen, etwas Eigenes wahrzunehmen, weiterzuführen und in eine neue bildnerische oder gedankliche Beziehung zu setzen. Aus dem betrachtenden Rezipienten sollte ein handelnder Teilnehmer werden.
Die gleiche Grundstruktur setzte sich in meinen Frage-und-Antwort-Tischen fort. Auch dort gab es ein Vorgabebild: eine Frage, ein gesellschaftliches Problem, einen Tisch, einen Ort oder einen historischen Anlass. Die Teilnehmer sollten jedoch nicht nur einer bereits fertigen Aussage zustimmen. Sie sollten selbst Stellung nehmen, eigene Antworten formulieren, Fragen ergänzen und Alternativen entwickeln.
Eine wichtige öffentliche Erweiterung dieses Prinzips war das „Globale Dorffest“ im Herbst 1993. Es entstand wenige Monate nachdem das World Wide Web öffentlich zur freien Nutzung geöffnet worden war. Von dieser technischen Entwicklung wusste die breite Öffentlichkeit damals noch wenig. Mein eigenes Modell war noch kein digitales Netzwerk. Es enthielt jedoch bereits die Grundidee einer öffentlichen Vernetzung vieler einzelner Teilnehmer.
Geplant waren 1.000 Tische und 1.000 Menschen am Brandenburger Tor. Die Tische sollten nicht nur Ausstattungsgegenstände einer Veranstaltung sein. Jeder Tisch bildete eine eigene Station des Frage-und-Antwort-Paradigmas. Jeder Teilnehmer sollte einen Tisch aufstellen, eine Frage, eine Erfahrung oder einen Gedanken einbringen und zugleich mit den anderen Tischen in Beziehung treten.
Das Brandenburger Tor war dafür nicht nur eine eindrucksvolle Kulisse. Es war der historische und symbolische Durchgang zwischen Trennung und Verbindung, Grenze und Öffnung, deutscher Einheit und einer darüber hinausgehenden Frage nach Einssein und Zusammengehörigkeit mit der Natur.
Die Zahl 1.000 bezeichnete dabei eine damals noch vorstellbare gesellschaftliche Größenordnung. Mein früheres Arbeitsprinzip lautete bereits: 1.000 Menschen beschäftigen sich mit einer Vorlage oder bringen ihre Gedanken zu einer vorgegebenen Idee ein. Aus der statistischen oder anonymen Masse sollte eine sichtbare Gemeinschaft eigenständig handelnder Menschen werden.
In der Meinungsforschung können etwa 1.000 ausgewählte Personen stellvertretend für eine größere Bevölkerung befragt werden. Mein künstlerisches Modell kehrte dieses Repräsentationsprinzip um. Die Menschen sollten nicht nur ausgewählt, befragt, ausgewertet und anschließend wieder unsichtbar werden. Sie sollten selbst erscheinen, ihren eigenen Tisch aufstellen, ihre Fragen und Antworten vertreten und gemeinsam ein veränderliches gesellschaftliches Bild herstellen.
Die 1.000 Tische waren damit eine analoge Netzwerkarchitektur. Jeder Tisch bildete einen Knotenpunkt. Jeder Teilnehmer war zugleich Sender, Empfänger, Fragender, Antwortender und Mitgestalter. Das Gesamtkunstwerk sollte nicht aus einer einzigen zentralen Aussage entstehen, sondern aus den Beziehungen und Rückkopplungen zwischen den Beteiligten.
Dass nur wenige Menschen kamen, gehört ebenfalls zur Werkgeschichte. Die Durchführung erreichte die vorgestellte Größenordnung nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass die künstlerische Grundidee bedeutungslos war. Es zeigt vielmehr den Abstand zwischen einer visionären Konzeption und den damaligen gesellschaftlichen, kommunikativen und organisatorischen Möglichkeiten.
Ich hatte einen zukünftigen Beteiligungsraum entworfen, besaß aber weder die technischen Netzwerkstrukturen noch die öffentliche Kommunikationsmacht, um eine solche Größenordnung tatsächlich herzustellen. Hinzu kamen meine eigenen schriftlichen und organisatorischen Handicaps. Die Idee war weiter entwickelt als meine Fähigkeit, ihre gesellschaftliche Umsetzung langfristig zu organisieren und durch Rückkopplung zu sichern.
Die später zunehmende Verwendung der Zahl 1.000 in Aktionen, Bewegungen, Medien und Werbung kann als zeitgeschichtliche Beobachtung festgehalten werden. Ohne entsprechende Belege kann daraus jedoch nicht geschlossen werden, dass diese Verwendungen auf mein Projekt zurückgingen. Für mein Lebenswerk ist entscheidend, welche spezifische Bedeutung die Zahl bereits in meiner eigenen Methode besaß: 1.000 Menschen sollten nicht als anonyme Menge erscheinen, sondern an einer gemeinsamen Vorgabe jeweils eigenständig handeln.
Vom Erwachsenenmalbuch über die Frage-und-Antwort-Tische, die 1.000 Tapeziertische und das Globale Dorffest bis zur heutigen Globalen Schwarm-Intelligenz verläuft deshalb eine nachvollziehbare Entwicklungslinie. Immer wieder stellte ich ein Vorgabebild, eine Frage, einen Ort oder eine gesellschaftliche Situation bereit. Andere Menschen sollten darin nicht bloß meine Aussage erkennen, sondern durch ihre eigenen Wahrnehmungen, Widerstände und Ergänzungen an der Entstehung eines gemeinsamen Werkes teilnehmen.
Die heutige digitale Plattform führt diese frühere analoge Netzwerkidee weiter. Sie soll eine wesentlich größere Zahl von Menschen miteinander verbinden und ihnen ermöglichen, ihre Fragen, Erkenntnisse und Lösungsvorschläge einzubringen. Die künstliche Intelligenz kann dabei beim Ordnen, Vergleichen und Verdichten helfen. Sie darf jedoch nicht selbst das Referenzsystem oder der Autor der gemeinsamen Wirklichkeit werden.
Auch meine dreijährige Komprimierungsarbeit mit der KI folgt diesem Prinzip. Ich habe nicht einfach fertige Antworten übernommen. Ich habe die Ergebnisse immer wieder mit meinen Erfahrungen, Werken, Tagebüchern, Begriffen und Widersprüchen konfrontiert. Aus diesem Widerstands- und Rückkopplungsprozess entstanden allmählich die Kontextanker, Werk-Anker, das Vier-Ebenen-Modell und der Prüf- und Reparaturmechanismus.
Damit wird die Komprimierungsarbeit selbst zu einem späten Teil meines Lebenswerks. Sie repariert nicht die Vergangenheit, als könne alles Verlorene wiederhergestellt werden. Sie schafft jedoch erstmals eine tragfähige Struktur, in der die verstreuten Projekte, Anfänge, Lücken und Brüche miteinander in Beziehung gesetzt werden können.
Die ADHS-Problematik ist dadurch nicht verschwunden. Doch das Zerfließen besitzt heute Gegenformen: Kontextanker, Werk-Anker, Arbeitsbücher, Belegstufen und ein gemeinsames Integrationsmodell. Dadurch kann ich Baustein für Baustein weiterarbeiten, ohne bei jeder neuen Verbindung den bereits erreichten Zusammenhang vollständig zu verlieren.
Der Ausgangspunkt war ja ein Brief an Frau Hahn in der Hauptsache was können wir jetzt alles in diesem Brief komprimiert neu einarbeiten um ein Verstehensprozess einzuleiten in Einbeziehung des gesamten Chat-Verlaufs jetzt diesen komprimierten Kontext raus -arbeiten
Ich verdichte den gesamten Zusammenhang jetzt auf eine klare Beweislinie: Ursprung des Kunstverständnisses, biografische Entwicklung, Handicaps, heutige Komprimierungsarbeit und konkrete Frage an Frau Hahn.
Aus dem bisherigen Gespräch ergibt sich für den Brief eine klare Hauptlinie: Es geht nicht darum, Frau Hahn bereits sämtliche Werke, möglichen Urheberschaften und Einzelbelege vorzulegen. Der Brief soll zunächst einen Verstehensprozess eröffnen. Er muss zeigen, was Ihrem Kunstverständnis zugrunde liegt, weshalb Ihr Lebenslauf so vielgestaltig und schwer darstellbar ist und warum die gegenwärtige Aufarbeitung selbst ein wesentlicher Teil Ihres Lebenswerks geworden ist.
Ihre Biografie bestätigt dabei die durchgehende Entwicklung von Naturbeobachtung, Handwerk, Fotografie, wissenschaftlich-künstlerischen Versuchen und partizipatorischer Kunst bis zur Globalen Schwarm-Intelligenz.
Sehr geehrte Frau Hahn,
zunächst möchte ich Ihnen für Ihre langjährige Unterstützung und Begleitung meiner Arbeit danken.
Trotz meines Alters arbeite ich weiterhin aktiv und konkret daran, mein künstlerisches Lebenswerk zu Ende zu bringen. Zurzeit steht für mich vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wie kann ich nachvollziehbar darstellen, was meinem Kunstverständnis zugrunde liegt, wie es sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat und wie daraus der Prüf- und Reparaturmechanismus hervorgegangen ist, der heute als eine durchgehende Grundlage meines gesamten Lebenswerks erkennbar wird?
In gewisser Weise muss ich mich bei Ihnen sogar für die Verzögerung meines Antrags bedanken – auch wenn ich dadurch wahrscheinlich in diesem Jahr keinen neuen Antrag mehr stellen kann. Bereits im November, als ich mich mit den neuen Antragsgrundlagen beschäftigte, wurde mir deutlich, dass eine gewöhnliche Aufzählung meiner Ausstellungen, Aktionen, Bücher und Projekte nicht ausreicht.
Mein künstlerischer Lebenslauf besteht nicht aus voneinander getrennten Werkphasen oder einzelnen Kunstrichtungen. Fotografie, Zeichnung, Malerei, Plastik, Modellbau, Installation, Environment, Performance, Theater, Gespräch, gesellschaftliche Beteiligung, handwerkliches Können und wissenschaftliche Forschung gehören bei mir zu einer gemeinsamen Untersuchungs- und Arbeitsweise.
Die Grundlagen dieses Kunstverständnisses entstanden wahrscheinlich bereits in meiner Kindheit. Durch einen Förster wurde ich früh mit Nachhaltigkeit und der Erfahrung vertraut, dass menschliches Handeln an Naturkreisläufe, Regenerationszeiten, Abhängigkeiten und langfristige Folgen gebunden ist.
Diese Erfahrung verband sich später mit meiner Ausbildung zum Maschinenschlosser. Dort lernte ich Materialien, Belastungsgrenzen, Kraftübertragung, Energieeinsatz, Funktion, Fehler und Reparatur praktisch kennen. Eine Idee konnte theoretisch vollkommen erscheinen und dennoch in der materiellen Wirklichkeit scheitern. Entscheidend war, ob eine Konstruktion tatsächlich funktionierte, welche Widerstände auftraten und ob sie korrigiert und repariert werden konnte.
Bereits früh beschäftigte ich mich mit Schiffsmodellen, Strömungsbewegungen, biologischen Formen und der Frage, wie ein Fisch oder eine Schlange den Widerstand des Wassers nicht nur überwinden, sondern für den eigenen Antrieb nutzen kann. Auch Blätter, Ahornfrüchte, Biberdämme, Deichformen und andere Naturkonstruktionen wurden für mich zu Forschungsmodellen.
Dabei ging es mir nicht nur darum, die äußere Form der Natur technisch nachzuahmen. Mich interessierte das gesamte Verhältnis von Form, Material, Bewegung, Strömung, Widerstand, Energie und Umgebung. Der Widerstand war für mich nicht bloß ein Hindernis, das durch immer mehr Kraft beseitigt werden musste. Er konnte zugleich Rückmeldung, Orientierung und Antrieb sein.
Darin erkenne ich heute bereits eine frühe praktische Grundlage dessen, was ich später als asymmetrisches Verhältnis- und Referenzsystem von 51:49 bezeichnet habe. Bewegung und Stabilität entstehen nicht notwendig durch eine vollkommene spiegelbildliche Ordnung. Sie können gerade aus einer geringfügigen, funktionalen Asymmetrie, aus Anpassung, Wechselwirkung und fortlaufender Rückkopplung hervorgehen.
Während meines Kunststudiums verband ich diese handwerklichen und naturwissenschaftlichen Erfahrungen immer stärker mit künstlerischer Forschung. Kunst war für mich deshalb nie nur die Herstellung eines abgeschlossenen Bildes oder Objekts. Sie wurde zu einem Verfahren, mit dem Wahrnehmung, Natur, Technik, Gesellschaft und menschliche Tätigkeit auf ihre Wirkungen und Folgen untersucht werden konnten.
Mein Ausgangspunkt blieb dabei häufig die Fotografie. Die Fotografie hält einen Augenblick fest, um etwas sichtbar zu machen, das im fortlaufenden Geschehen sonst übersehen würde. Diese fotografische Grundoperation erweiterte ich später auf Räume, Aktionen, gesellschaftliche Situationen und historische Zeitpunkte.
Es ging mir darum, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und mit einer dafür geeigneten künstlerischen Form eine Entwicklung sichtbar und überprüfbar zu machen. Wenn der dafür notwendige Ort nicht vorhanden war, versuchte ich, ihn selbst herzustellen – als temporäre Kunsthalle, Kunsthalle auf Zeit, Frage-und-Antwort-Tisch, Zukunftswerkstatt, Partei der Wirklichkeit, Partizipatorisches Welttheater oder später als digitale Plattform.
Ein wichtiges Beispiel dafür war 1993 meine Arbeit im Haus der Demokratie. Über dem Eingang meiner Ausstellung stand der Titel „Vision 2000“. Auf meinem damaligen Briefkopf befand sich der Satz: „In der Endzeit der Menschheit steht der zweite evolutionäre Schritt noch aus.“
Gemeint war die Entwicklung eines zweiten sozialen Organismus. Die Kunsthalle auf Zeit sollte keine gewöhnliche Ausstellungshalle sein, sondern ein vorübergehendes gesellschaftliches Organ, in dem Kunst, Demokratie, Gespräch, Zukunftsentwürfe, gemeinschaftliche Verantwortung und öffentliche Prüfung miteinander verbunden wurden.
Im selben historischen Zusammenhang entwickelte ich das „Globale Dorffest“ mit der Vorstellung von 1.000 Tischen und 1.000 teilnehmenden Menschen am Brandenburger Tor. Jeder Tisch sollte einen eigenen Ort des Fragens, Antwortens und Stellungnehmens bilden. Die Menschen sollten nicht als anonyme Masse oder statistische Zahl erscheinen, sondern selbst ihren Tisch, ihre Frage und ihre Verantwortung in ein gemeinsames gesellschaftliches Bild einbringen.
Nur wenige Menschen kamen. Dennoch erkenne ich heute darin eine frühe analoge Vorform dessen, was später zur Globalen Schwarm-Intelligenz wurde: eine Netzwerkstruktur, in der jeder Teilnehmer zugleich Fragender, Antwortender, Sender, Empfänger und Mitgestalter sein kann.
Dieses Prinzip lag bereits meinen Erwachsenenmalbüchern und Vorgabebildern zugrunde. Ein Vorgabebild sollte nicht vollständig abgeschlossen sein. Es sollte eine gemeinsame Ausgangsform und einen gewissen Widerstand bereitstellen, in die jeder Mensch etwas Eigenes hineinsehen, hineinzeichnen und weiterentwickeln konnte.
Der Rezipient sollte nicht nur Betrachter bleiben, sondern selbst tätig werden. Aus Wahrnehmung sollte Beteiligung entstehen, aus Beteiligung Rückkopplung und aus Rückkopplung möglicherweise Veränderung und Reparatur.
Sie wissen aus Ihrer langjährigen Begleitung meiner Arbeit, dass es mir immer um eine politische, gesellschaftliche und demokratisch wirksame Kunst ging. Die Devise „Noch heute kann die Kunst die Gesellschaft verändern“ gehörte zu den prägenden Vorstellungen der 1970er-Jahre. Meine eigene Suche begann jedoch bereits früher in der Naturbeobachtung, im Handwerk, in der Fotografie und in meinen technischen und künstlerischen Modellversuchen.
Ein besonderes Problem bei der Vermittlung meines Lebenswerks besteht in meiner ADHS-Problematik und meinen erheblichen schriftlichen Schwierigkeiten. Meine Gedanken verzweigten sich häufig gleichzeitig in zahlreiche wissenschaftliche, technische, politische, gesellschaftliche und künstlerische Zusammenhänge.
Von außen konnte dies wie eine Folge immer neuer Anfänge und unverbundener Projekte erscheinen. Tatsächlich lag meiner Arbeitsweise jedoch ein ganzheitliches Denken zugrunde, das Kunst mit Handwerk, Wissenschaft, Natur, gesellschaftlicher Analyse, visionären Alternativen und öffentlicher Verantwortung verband.
Das Problem bestand weniger darin, dass ich keine Zusammenhänge erkennen oder keine Kommunikationsarbeit leisten konnte. Ich habe zahlreiche Menschen und Institutionen angeschrieben, Gespräche geführt, Konzepte versandt, Projekte vorgeschlagen und öffentliche Aktionen durchgeführt.
Was mir häufig nicht gelang, war die dauerhafte Aufrechterhaltung der Rückkopplungsstruktur. Ich konnte eine Idee entwickeln und in einen gesellschaftlichen Zusammenhang hineingeben, war aber oft nicht in der Lage, Antworten systematisch nachzuverfolgen, Beziehungen langfristig zu pflegen, die Wege meiner Ideen zu dokumentieren und meine eigene Rolle öffentlich sichtbar zu machen.
Dabei verstand ich mich vor allem als Katalysator. Ideen sollten nicht als persönliches Eigentum festgehalten werden, sondern in gesellschaftliche Prozesse eingehen, andere Menschen anregen und von ihnen weiterentwickelt werden.
Diese Haltung entsprach meinem Verständnis von kollektiver Kreativität und Gemeinsinn. Sie führte jedoch zugleich dazu, dass mögliche Wirkungen, Weiterführungen und Parallelen meiner Arbeit häufig nicht mehr zu mir zurückverfolgt wurden. Manche Entwicklungen haben mich wahrscheinlich nur gestreift, ohne dass ich ihre Verbindung zu meinen eigenen Vorarbeiten damals erkannt oder dokumentiert habe.
Erst durch meine gegenwärtige Forschungs-, Archivierungs- und Komprimierungsarbeit wird mir deutlicher, welche Schwerpunkte, Ideenwege, Lücken und Brüche in meiner Biografie noch aufgearbeitet werden müssen.
Seit etwa drei Jahren arbeite ich deshalb intensiv mit künstlicher Intelligenz. Dabei geht es nicht nur um sprachliche Korrekturen. Ich habe meine Ideen, Projekte, Erinnerungen, Begriffe, Widersprüche und offenen Fragen immer wieder aus unterschiedlichen Richtungen untersuchen, vergleichen, verdichten und neu ordnen lassen.
Durch dieses fortlaufende Komprimieren entstanden schließlich Kontextanker und Werk-Anker. Sie halten jeweils einen erreichten Arbeitsstand fest und ermöglichen mir, nach einer neuen Verzweigung wieder zu einem tragfähigen Kern zurückzukehren.
Diese Anker sind keine endgültigen Lehrsätze. Sie funktionieren eher wie meine früheren Vorgabebilder: Sie geben einen gemeinsamen Zusammenhang vor, bleiben aber offen für Überprüfung, Ergänzung, Widerspruch und Weiterentwicklung.
Auf diese Weise wird die Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz selbst zu einem Teil meines Prüf- und Reparaturmechanismus. Sie ersetzt weder meine künstlerische Erfahrung noch das Referenzsystem der Wirklichkeit. Sie hilft mir aber dabei, verstreutes Material zusammenzuführen, Wiederholungen zu erkennen, Lücken sichtbar zu machen und die Entwicklungslinien meines Lebenswerks erstmals nachvollziehbarer darzustellen.
Heute erkenne ich, dass sich durch meine verschiedenen Arbeiten eine wiederkehrende künstlerische Operation zieht: Ich nehme eine natürliche, technische oder gesellschaftliche Entwicklung wahr, untersuche ihre Voraussetzungen und Folgen, suche dafür den richtigen historischen Zeitpunkt und Ort und entwickle eine repräsentative Form, in der diese Entwicklung sichtbar, erfahrbar und überprüfbar wird.
Aus dieser jahrzehntelangen Arbeit sind schließlich das 51:49-Verhältnissystem, das Vier-Ebenen-Modell und der Prüf- und Reparaturmechanismus hervorgegangen. Sie sind keine nachträglich über mein Lebenswerk gelegte Theorie. Sie fassen vielmehr eine Arbeitsweise zusammen, die bereits in meinen frühen Naturbeobachtungen, handwerklichen Erfahrungen, Fotografien, Modellen, partizipatorischen Projekten und gesellschaftlichen Aktionen praktisch vorhanden war.
Meine heutige Aufgabe besteht darin, diese Entwicklung anhand meiner Presse- und Medienberichte, Korrespondenzen, Tagebücher, Fotografien, Modelle, Collagen, Projektskizzen, Ablehnungen und nicht realisierten Vorhaben nachvollziehbar zu dokumentieren.
Dafür möchte ich mehrere miteinander verbundene Arbeitsbücher entwickeln: zur öffentlichen Rezeption, zur Korrespondenz- und Gesprächsarbeit, zur Tagebuch- und Werkgenese, zu Natur, Handwerk und Forschung, zur partizipatorischen Arbeit sowie zu Ideenwegen, Lücken, Brüchen und fehlenden Rückkopplungen.
Damit komme ich zu meiner eigentlichen Frage zurück: Können Sie in dieser Entwicklung erkennen, dass der heutige Prüf- und Reparaturmechanismus nicht erst nachträglich erfunden wurde, sondern sich als eine durchgehende Linie durch mein künstlerisches Lebenswerk zieht?
Und könnte eine solche nachvollziehbare Aufarbeitung, Dokumentation und Beweisführung eine Grundlage dafür schaffen, dass mein Lebenswerk weiter gefördert und zu Ende geführt werden kann?
Da Sie meine Arbeit seit etwa 20 bis 25 Jahren begleiten, wäre Ihre Einschätzung für mich besonders wichtig. Sie kennen nicht nur einzelne Projekte, sondern auch meine Schwierigkeiten, die Komplexität und Kontinuität dieser Arbeit schriftlich und öffentlich verständlich zu machen.
Für Ihre langjährige Unterstützung und Begleitung danke ich Ihnen sehr.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Fenner
