1 Werkzweck, Rollenverständnis und Leitfrage

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Der Werkzweck dieser Arbeit besteht darin, ein prüffähiges Verfahren zu entwickeln, mit dem sich die Entkopplung zwischen Trägerbedingungen des Lebens und symbolischen Ordnungen nicht nur beschreiben, sondern in wiederholbaren Szenen sichtbar machen lässt.

Kunst wird dabei nicht als Ausdrucksform verstanden, sondern als operative Prüfarchitektur: Sie erzeugt Setzungen, setzt sie Widerstand aus, beobachtet Konsequenzen und zwingt dadurch Rückkopplung, wo in kulturellen Routinen häufig Immunisierung stattfindet. Der Werkzweck ist damit ausdrücklich nicht die Behauptung einer neuen Weltanschauung, sondern die Einrichtung eines stabilen Prüfbetriebs, der Drift identifiziert, indem er sie materialisiert und nachvollziehbar macht.

1.1 Künstler-Forscher als Prüfautor und Darsteller im eigenen Prüfbetrieb

Der Künstler-Forscher ist in diesem System nicht Kommentator, sondern Autor von Versuchsanordnungen. Er baut die Prüfstände selbst und ist zugleich in die Prüfung eingebunden, weil seine Setzungen, seine Begriffe, seine Intuition und sein Handwerkswissen Teil des Prozesses sind. Die Rolle ist doppelt: Als Prüfautor entwirft er die Prozeduren, die die Ebenentrennung erzwingen; als Darsteller exponiert er sich selbst als Teil des Experiments, indem er zeigt, wie leicht auch der eigene Erkenntnisapparat in symbolische Selbstbestätigung kippt. Diese Doppelrolle ist nicht psychologisch gemeint, sondern methodisch: Sie verhindert, dass Kritik als Außensicht betrieben wird, und macht stattdessen die Produktionsbedingungen von Deutung transparent.

1.2 Institutsidee als Institut für Konsequenz- und Rückkopplungsforschung und öffentliche Werkform

Die Institutsidee bezeichnet keine Institution im administrativen Sinn, sondern eine funktionale Form: ein öffentlich zugängliches Labor, in dem die Kopplung von Handlungen und Folgen systematisch beobachtbar gemacht wird. „Konsequenz“ meint hierbei nicht Moral, sondern die Tatsache, dass Tätigkeiten irreversibel Spuren und Zustände erzeugen, während „Rückkopplung“ die Bedingung bezeichnet, unter der diese Folgen in Wahrnehmung, Entscheidung und Regelbildung zurückwirken können. Die Werkform des Instituts besteht darin, Module zu bauen, die als Prüffelder fungieren und sich von unterschiedlichen Personen wiederholen lassen, sodass nicht Autorität, sondern Reproduzierbarkeit die Geltung trägt.

1.3 Leitfrage der gesamten Arbeit: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen

Die Leitfrage lautet, warum ein Wesen, das über Lernfähigkeit, Technik, Sprache und Planung verfügt, systematisch Bedingungen untergräbt, von denen seine Fortsetzungsfähigkeit abhängt. In der Logik des Gesamtwerks ist dies kein Rätsel der „Bösartigkeit“, sondern ein Strukturproblem von Zuständigkeiten: Symbolische Ordnungen können sich so verselbständigen, dass sie Tragfähigkeit, Stoffwechsel und Zeitlichkeit überstimmen. Die Zerstörung erscheint dann nicht als Widerspruch, sondern als Betriebsresultat einer Ordnung, die Geltung höher bewertet als Rückkopplung. Die Leitfrage zielt deshalb auf den Mechanismus der Entkopplung und auf die Bedingungen, unter denen Rückkopplung wieder Vorrang erhält.

1.4 Dialog als Prüfmaschine und Werkspur als dokumentierter Arbeitsprozess

Der Dialog ist in dieser Arbeit nicht Gespräch im alltagssprachlichen Sinn, sondern ein Prüfverfahren, das Begriffe, Beispiele und Setzungen iterativ gegen Widerstand führt. Er fungiert als Maschine, weil er Wiederholung, Korrektur, Rekalibrierung und Versionierung erzwingt: Behauptungen müssen in Szenen übersetzt werden, Szenen müssen Konsequenzen zeigen, und Konsequenzen müssen in stabile Formulierungen zurückgeführt werden. Die Werkspur dokumentiert diesen Prozess als fortlaufenden Hypothesenpfad, sodass sichtbar bleibt, welche Begriffe wie entstanden sind, wo Brüche auftreten und welche Revisionen vorgenommen wurden. Dadurch wird der Erkenntnisapparat selbst zum Gegenstand der Arbeit, und die Konsolidierung kann strikt als Filterung laufen: kompatible Integration, markierte Abweichung, nachvollziehbare Revision.