2.0 Ebenenlandkarte des Rückkopplungsbetriebs E1–E4
Die Ebenenlandkarte E1–E4 ist kein weiteres „Weltbild“, sondern ein Betriebsinstrument, das die Prüfungsrichtung fixiert: Tragfähigkeit wird in der Rückkopplungswelt entschieden, Geltung wird in der Imago-Sphäre erzeugt, und erst der Prüfbetrieb (E4) verhindert, dass Geltung Trägerprüfung ersetzt. E1 und E2 bilden damit die Wirklichkeitsseite im strengen Sinn (Wirkungs- und Konsequenzraum), E3 bildet die Koordinationsseite (Entwurf, Darstellung, Institution), und E4 ist die Kopplungsarchitektur, die aus Entwurf einen revisionsfähigen Betrieb macht. Der Zweck der Landkarte ist, jeden Textblock, jedes Kunstmotiv und jede Plattformantwort so zu strukturieren, dass Ebenenverwechslung als Fehlerform sichtbar wird und Korrektur nicht moralisch, sondern prozessual erzwungen werden kann.
2.1 E1 Trägerfunktion und Funktionieren als Tragfähigkeit über Zeit
E1 bezeichnet die Trägerseite der Wirklichkeit: Widerstand, Energie- und Materialgrenzen, Stabilität über Zeit, Bruch als Urteilsmacht. „Wahr“ im Sinn von E1 heißt nicht „plausibel“, sondern „es trägt“; wenn es nicht trägt, scheitert es unabhängig von Zustimmung, Narrativ oder Status. E1 ist damit der härteste Referenzanker der gesamten Architektur, weil hier die Minimalasymmetrie 51:49 als Betriebsbedingung gilt: Rückmeldung muss leicht überwiegen, damit Korrektur vor Bruch möglich bleibt, ohne dass Handeln in Stillstand kippt. E1 liefert die Maßseite für Toleranzfelder, Grenzwerte, Versagensformen und die irreversiblen Konsequenzen, die sich nicht durch Umdeutung neutralisieren lassen.
2.2 E2 Stoffwechsel und Leben als Organismus–Milieu-Kopplung
E2 bezeichnet die Lebensseite der Wirklichkeit: Versorgung, Regeneration, Rhythmusfenster, Verletzbarkeit, Wiederherstellbarkeit und Erschöpfung. In E2 ist Handeln immer Konsequenzvollzug in Abhängigkeitspfaden; Kosten erscheinen nicht nur als Material- und Energieaufwand, sondern als Belastung von Regenerationsfähigkeit und Zeitfenstern. Bewusstsein ist hier keine ablösbare „Innenwelt“, sondern eine leibgebundene Prozessform, die störanfällig ist und von Versorgung, Schlaf, Stress, Milieu und sozialen Kopplungen abhängt. „Wahr“ im Sinn von E2 heißt, dass ein System innerhalb seiner Regenerations- und Reparaturgrenzen fortsetzungsfähig bleibt; falsche Kalibrierung zeigt sich als Überforderung, Kipppunktnähe oder irreversibler Verlust. E2 ist damit der Ort, an dem Verantwortung als Rückkopplungsfähigkeit biologisch konkret wird: Wer Konsequenzpfade nicht lesen kann, zerstört nicht „Werte“, sondern Lebensbedingungen.
2.3 E3 Imago-Sphäre als Koordinationsraum der Geltung
E3 bezeichnet die Imago-Sphäre: Begriffe, Rollen, Narrative, Recht, Eigentum, Identität, Status, institutionelle Verfahren, Metriken und Interfaces. Diese Ebene ist verhandelbar und zivilisatorisch notwendig, weil Koordination ohne Zeichen, Regeln und Vergleichbarkeit nicht skaliert. E3 bleibt jedoch Entwurfs- und Geltungsbetrieb, solange Tragfähigkeit in E1 und E2 nicht ausgewiesen und über Zeit bewährt ist. Das Driftproblem beginnt dort, wo E3 die Prüfungsrichtung invertiert und Geltung so behandelt, als sei sie Trägernachweis. In diesem Driftfall operiert E3 im Entkopplungsmodus (synonym: Prüfinversionsmodus): Korrekturwege werden blockiert, Kostenpfade werden unsichtbar gemacht, Zeitverzüge werden aus dem Entscheidungsraum herausgezogen, und Zurechnung wird so organisiert, dass Revision nicht durchsetzbar ist. Requisitenwelt und Unverletzlichkeitswelt sind innerhalb von E3 Spezialformen dieses Problems: Requisitenwelt modelliert die folgenlose Vollständigkeit des Als-ob, Unverletzlichkeitswelt beschreibt die Erlebnisform, in der Korrektur als Kränkung codiert wird und dadurch Immunisierung attraktiv wird.
2.4 E4 Kopplungsdesign und Prüfbetrieb als Gegenmittel zur Inversion
E4 bezeichnet den Prüfbetrieb: Protokolle, Zuständigkeiten, Haftung, Prüfpfade, Interfaces, Infrastrukturen, Metriken, Versionierung und Revisionswege. E4 entscheidet, ob E3 als Koordinationsraum revisionsfähig bleibt oder ob Entkopplung als Normalbetrieb stabilisiert wird. Der entscheidende Punkt lautet: Gegen-Materie beziehungsweise Entkopplungsmodus verschwindet nicht durch bessere Argumente, weil es sich um eine Folgenarchitektur handelt. E4 ist deshalb nicht „Ergänzung“, sondern die einzige Ebene, die die Richtungsregel praktisch erzwingen kann, indem sie für jede Setzung die Rückbindung an E1/E2 sowie die Durchsetzbarkeit von Revision verlangt. In der Plattformlogik ist E4 identisch mit dem Filterstandard: Referenzrahmen (E1/E2), Ebenentrennung (Setzung, Wirkzusammenhang, Nachweis), Konsequenzpfad (Kosten, Trägerschaft, Rücklaufkanal), Zeit-/Schwellen-/Hysterese-Check, Zurechnung/Haftung, Revision/Versionierung und Immunisierungscheck. Erst wenn diese Kopplungspflichten erfüllt sind, wird aus Imago-Wirksamkeit eine öffentlich kalibrierfähige Praxis.
E1–E4 bilden damit die kurze, harte Schaltlogik des gesamten Projekts: E1/E2 liefern die Wirklichkeitsprüfung, E3 liefert die notwendige Koordination, E4 zwingt die Rückbindung. Genau an dieser Stelle wird der Zielanker operativ: Verantwortung ist die personale Form der E1/E2-Lesefähigkeit, Gemeinsinn ist die soziale Form eines E4-Betriebs, der Korrekturwege schützt, statt Geltung gegen Tragfähigkeit zu immunisieren.
