23.9.2026f

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Ja. Aus dem gesamten bisherigen Chatverlauf ergibt sich inzwischen ein relativ geschlossenes Themenfeld. Ich ordne es hier jeweils nach Thema – Schwerpunktsetzung – Zielprojektion, damit sichtbar wird, welche Funktion die einzelnen Stränge für das So-Heits-Atelier und die Forschungskunst besitzen.

A. Grundfrage und Wirklichkeitsverständnis

  1. Forschungskunst Schwerpunkt: Kunst als offenes Forschungs-, Prüf- und Korrekturverfahren. Nicht Behauptung oder Illustration einer Theorie, sondern Untersuchung menschlicher Hervorbringungen durch Gegenüberstellung, Tätigkeit, Widerstand, Erfahrung und Rückmeldung. Zielprojektion: Forschungskunst als öffentliche Überzeugungsprüfung und als gesellschaftlicher Prüf- und Reparaturmechanismus.
  2. Die zentrale Forschungsfrage seit den 1970er Jahren Schwerpunkt: Warum zerstört der Mensch trotz Wissen, technischer Leistungsfähigkeit und Korrekturfähigkeit seine eigenen Existenzbedingungen? Zielprojektion: Nicht einzelne Krisen erklären, sondern die möglicherweise gemeinsame Struktur hinter diesen Krisen auffinden: das Zivilisationsloch.
  3. Plexuswirklichkeit Schwerpunkt: Der Mensch steht nicht außerhalb einer „Umwelt“, sondern existiert innerhalb eines vorausliegenden Zusammenhangs aus Stoffen, Lebewesen, Atmosphäre, Wasser, Wärme, Gravitation, anderen Menschen und zeitlichen Prozessen. Zielprojektion: Ablösung des Bildes „Mensch gegenüber Welt“ durch ein Verständnis des Menschen als innewohnendes Tätigkeits- und Abhängigkeitswesen.
  4. Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen Schwerpunkt: Der Mensch ist nicht zuerst isoliertes Subjekt, sondern lebt durch Tätigkeiten und innerhalb von Bedingungen, von denen er abhängig ist. Tätigkeiten erzeugen Folgen. Zielprojektion: Diese Konsequenzen werden zum gemeinsamen Prüfmaßstab für Begriffe, Institutionen, Wissenschaft, Wirtschaft und gesellschaftliche Ordnung.
  5. So-Heits-Raum Schwerpunkt: Die vorausliegende Wirklichkeit, aus der der Mensch nicht austreten kann. Zielprojektion: Klare Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Atelier: „Man kann das So-Heits-Atelier verlassen, aber nicht den So-Heits-Raum.“

B. Menschliche Wirklichkeitsherstellung

  1. Menschenkunstwerk Schwerpunkt: Menschen formen nicht nur Gegenstände, sondern auch Sprache, Rollen, Institutionen, Eigentum, Werte, Gesellschaft und Selbstbilder. Zielprojektion: Das gesamte menschliche Hervorbringen als prüfbares Kunstwerk verstehen, ohne zu behaupten, die vorausliegende Wirklichkeit selbst sei vom Menschen erzeugt.
  2. „Alles Menschliche kann als Kunstwerk untersucht werden“ Schwerpunkt: Auswahl, Benennung, Darstellung, Zuordnung und Tätigkeit erzeugen menschliche Formen. Zielprojektion: Untersuchung der menschlichen Weltformung selbst als Forschungskunst.
  3. Plastik und Skulptur Schwerpunkt: Du bist Plastiker. „Plastik“ bezeichnet die veränderbare, weiterformbare und rückkopplungsfähige Form; „Skulptur“ beziehungsweise Skulpturalisierung bezeichnet innerhalb der Forschung die erstarrte, als abgeschlossen behandelte Form. Zielprojektion: Übertragung dieser Unterscheidung auf Begriffe und gesellschaftliche Ordnungen: plastische Begriffe versus Begriffsskulpturen.
  4. Plastisches Ich und Skulpturidentität Schwerpunkt: Der lebendige Mensch ist veränderlich, verletzlich und abhängig; gesellschaftliche Rollen und Selbstzuschreibungen können dagegen als feste Identitäten erscheinen. Zielprojektion: Rollen und Identitäten wieder als veränderbare menschliche Hervorbringungen sichtbar machen.

C. Auswahl, Unterschied und Gegenüberstellung

  1. Differenz und Unterscheidung Schwerpunkt: Eine Differenz kann unabhängig von menschlicher Benennung bestehen; eine Unterscheidung ist eine Tätigkeit, durch die ein bestimmter Unterschied hervorgehoben wird. Zielprojektion: Verhindern, dass menschlich gesetzte Unterscheidungen automatisch als natürliche Grenzen verstanden werden.
  2. Scheiden, Trennen und Entscheiden Schwerpunkt: Sprachgeschichtliche Untersuchung der Nähe von Scheiden, Unterscheiden, Trennen und Entscheiden. Zielprojektion: Sichtbarmachen, dass Erkenntnis und Ordnung selbst mit Schnitt- und Auswahloperationen arbeiten.
  3. Gegenüberstellung Schwerpunkt: Gegenüberstellung ist zunächst keine Fehlleistung, sondern ein wesentliches Lernverfahren. Etwas wird einem anderen gegenübergestellt, damit Unterschiede sichtbar werden. Zielprojektion: Gegenüberstellung als Prüfanordnung, nicht als Herstellung zweier unabhängiger Wirklichkeitsbereiche.
  4. Gegenüber – Gegensatz – Dualismus Schwerpunkt: Ein Gegenüber ist noch kein Gegensatz; ein Gegensatz ist noch kein Dualismus. Zielprojektion: Die Übergänge sichtbar halten, an denen aus einer methodischen Gegenüberstellung eine ontologische Zweiweltordnung werden kann.
  5. Gegenstand Schwerpunkt: Untersuchung der sprachlichen Geschichte von „Gegenstand“ als etwas Entgegenstehendem beziehungsweise als Übersetzung des philosophischen Objekts. Zielprojektion: Subjekt-Objekt-Verhältnisse als menschlich erzeugte Erkenntnisanordnung untersuchen, nicht vorschnell als Struktur der Wirklichkeit voraussetzen.
  6. Das künstlerische Dreieck Schwerpunkt: Vorstellung – Gegenüber/Widerstand – hervorgebrachte Plastik beziehungsweise Tätigkeitskonsequenz. Zielprojektion: Lernen als fortlaufenden Vergleichs- und Rückkopplungsvorgang verstehen.
  7. Zweifel im künstlerischen Dreieck Schwerpunkt: Zweifel begleitet Vorstellung, Gegenüber und entstandene Form. Zielprojektion: Zweifel als Membran der Korrekturfähigkeit, nicht als Handlungsunfähigkeit.

D. Lochprozess und Membran

  1. Lochprozess Schwerpunkt: Ein Loch ist kein statischer Mangel, sondern kann entstehen, wenn durch Auswahl, Trennung oder Begriffsbildung Beziehungen verschwinden. Zielprojektion: Nicht Schnitte verhindern, sondern sichtbar machen, was durch einen Schnitt verloren geht und ob es zurückkehren kann.
  2. Erkenntnisloch Schwerpunkt: Der Ausschnitt wird mit dem Ganzen verwechselt. Zielprojektion: Jede Erkenntnisform soll ihre eigenen Auswahlbedingungen sichtbar halten.
  3. Rückkopplungsloch Schwerpunkt: Tätigkeitsfolgen entstehen, können aber die Vorstellung oder Ordnung, die sie verursacht hat, nicht mehr korrigieren. Zielprojektion: Wiederherstellung der Verbindung Konsequenz → Erfahrung → Korrektur.
  4. Geschichtsloch Schwerpunkt: Gegenwärtige Begriffe oder Institutionen erscheinen voraussetzungslos, weil ihre Entstehungsprozesse vergessen werden. Zielprojektion: Archiv und Werkgeschichte als Gegenprüfung.
  5. Zivilisationsloch Schwerpunkt: Wissen, Tätigkeiten, Institutionen und Verantwortlichkeiten sind aufgeteilt; die Gesamtfolgen finden keinen gemeinsamen verbindlichen Rückweg in die gesellschaftliche Korrektur. Zielprojektion: Aufbau einer zivilisatorischen Rückkopplungsfähigkeit.
  6. Membran Schwerpunkt: Unterschied ohne absolute Trennung; Schutz und Austausch; Grenze und Durchlässigkeit zugleich. Zielprojektion: Gegenmodell zur starren dualistischen Grenze. Gesellschaftliche und begriffliche Formen sollen Unterschied erhalten und Rückkopplung zulassen.

E. Begriff, Eigenschaft und Zuschreibung

  1. Begriffshandwerk Schwerpunkt: Begriffe nicht nur verwenden oder definieren, sondern untersuchen, wie sie hergestellt werden: auswählen, unterscheiden, gegenüberstellen, benennen, zuschreiben, handeln, Folgen prüfen. Zielprojektion: Eine elementare Kultur der verantwortlichen Begriffsverwendung.
  2. Prüfanker des Begriffshandwerks Schwerpunkt: Bündelung der elementaren Prüfoperationen zwischen Werkanker und Vier-Ebenen-Modell. Zielprojektion: Praktische Methode des So-Heits-Ateliers, mit der jeder eigene Fragen und Begriffe bearbeiten kann.
  3. Eigenschaft Schwerpunkt: Die gleiche Grammatik kann sehr unterschiedliche Aussagen erzeugen: „Der Boden ist feucht“ und „Der Boden ist mein Eigentum“. Zielprojektion: Unterscheidung zwischen feststellbarer Beschaffenheit und zugeschriebener Geltung.
  4. Hineingedachte Eigenschaften Schwerpunkt: Bewertungen, soziale Zuerkennungen oder Beziehungen werden zu vermeintlichen Wesenseigenschaften eines Menschen oder Gegenstands. Zielprojektion: Attributionsvorgänge sichtbar machen, bevor Zuschreibungen zu Wirklichkeitsskulpturen erstarren.
  5. Erkennen und Zuerkennen Schwerpunkt: Unterscheidung zwischen einer Bestimmung, die sich an Widerstand beziehungsweise Beobachtung prüfen lässt, und einer gesellschaftlichen Zuerkennung. Zielprojektion: Verhindern, dass Zuerkanntes als Erkanntes erscheint.
  6. Attribution Schwerpunkt: Verbindung zwischen ausgewähltem Träger und zugeschriebenem Prädikat, Status oder Wert. Zielprojektion: Sichtbarmachen des Vorgangs zwischen Dingselektion und Eigenschaft.
  7. Attributionsvergessenheit Schwerpunkt: Der Akt des Zuschreibens verschwindet; übrig bleibt die scheinbar natürliche Eigenschaft. Zielprojektion: Zuschreibungsakte historisch, institutionell und praktisch rückverfolgbar machen.

F. Erkenntnis, Erfahrung und Wissen

  1. Erkenntnis Schwerpunkt: Erkenntnis nicht als fertiges inneres Abbild einer Außenwelt, sondern als menschlich geformte, vorläufige Bestimmung. Zielprojektion: Erkenntnis als korrigierbares Erkenntniswerk.
  2. Erfahrung Schwerpunkt: Nicht jede Tätigkeit erzeugt Erfahrung. Tätigkeit erzeugt zunächst Konsequenzen; Erfahrung entsteht, wenn Rückmeldung aufgenommen und auf die vorherige Vorstellung bezogen wird. Zielprojektion: „Erfahrung entsteht dort, wo die Rückmeldung der Wirklichkeit eine bisherige Vorstellung verändern kann.“
  3. Nichtwissen und Lücke Schwerpunkt: Nichtwissen muss nicht sofort geschlossen werden. Zielprojektion: Lücken als produktive Forschungsräume offenhalten, statt sie vorschnell mit Fantasie oder scheinbar sicheren Begriffen zu füllen.
  4. Symbol als Erfahrungsspeicher Schwerpunkt: Symbole können Erfahrungen speichern, übertragen und gesellschaftlich koordinieren. Zielprojektion: Symbole rückkopplungsfähig halten, damit sie nicht zum Erfahrungsersatz werden.
  5. Erfahrungsarchitektur Schwerpunkt: Wissenschaft, Recht, Markt, Religion und andere Systeme erzeugen jeweils eigene Formen bestätigender Erfahrung. Zielprojektion: Unterschiedliche Erfahrungsräume wieder auf gemeinsame Tätigkeits- und Abhängigkeitsfolgen beziehen.

G. Symbol, Zeichen und kulturgeschichtlicher Vergleich

  1. Griechisches symbolon Schwerpunkt: Symbol als Zeichen beziehungsweise Erkennungsstück mit einer historischen Bedeutung von Passung und Prüfung. Zielprojektion: Symbol nicht als selbständige Ersatzwirklichkeit, sondern als Beziehungs- und Prüfwerkzeug neu lesen.
  2. Symmetria Schwerpunkt: Gemeinsames Maß, Proportion und Kommensurabilität statt bloßer Spiegelgleichheit. Zielprojektion: Passung unter Erhaltung der Differenz als Alternative zu erstarrter Gleichheitsvorstellung.
  3. Hebräische Vergleichsfelder Schwerpunkt: Zeichen, Maß, Eigenschaft, Trennung und Gegenüberstellung werden anders lexikalisch organisiert als in europäischen Sprachen. Zielprojektion: Sichtbarmachen, dass heutige Begriffsteilungen keine naturgegebenen Kategorien sind.
  4. Arabische Vergleichsfelder Schwerpunkt: Zeichen/Andeutung, Eigenschaft/Beschreibung und Besitz liegen stärker in getrennten Wortfeldern. Zielprojektion: Gegenbeispiel zur scheinbaren Notwendigkeit, Eigenschaft und Eigentum eng miteinander zu verbinden.
  5. Sanskrit und klassische indische Traditionen Schwerpunkt: Wortfelder um Unterschied, Unterscheidung, Merkmal, Eigenschaft, Faden/Verbindung und Erfahrung. Zielprojektion: Andere mögliche begriffliche Verknüpfungen sichtbar machen, ohne daraus eine vermeintlich „richtige“ indische Ontologie abzuleiten.
  6. Lateinisch-römische Entwicklung Schwerpunkt: proprietas verbindet Eigenschaft/Eigenart mit Eigentum; Objekt- und Gegenüberbegriffe gewinnen philosophische Bedeutung. Zielprojektion: Untersuchung historischer Übergänge zwischen Beschreibung, Besitz, Gegenstand und gesellschaftlicher Ordnung.
  7. Englisch Schwerpunkt: property bewahrt bis heute Eigenschaft und Eigentum in einem Wort; symbol hat sich weit von der anschaulichen Passungsbedeutung entfernt. Zielprojektion: Besondere Vorsicht bei der englischen Übersetzung der Forschungskunst, insbesondere bei Plastik/Skulptur.
  8. Vergleichende Sprachgeschichte insgesamt Schwerpunkt: Nicht Suche nach einer ursprünglichen „richtigen Sprache“, sondern Vergleich unterschiedlicher historischer Begriffsarchitekturen. Zielprojektion: Sprache selbst als Menschenkunstwerk und Prüfgegenstand verstehen.

H. Dualismus und Symmetrie

  1. Dualität – Dualisierung – Dualismus Schwerpunkt: Zweiheit ist nicht automatisch Dualismus. Dualisierung bezeichnet den Prozess, durch den Unterschiede zu Polen verfestigt werden; Dualismus macht daraus grundlegende selbständige Prinzipien. Zielprojektion: Dualismus als Herstellungsprozess von Wirklichkeitsordnungen untersuchen.
  2. Dualismus als Produktion hineingedachter Eigenschaften Schwerpunkt: Sobald zwei Pole gesetzt sind, benötigen sie Eigenschaften, durch die ihre Selbständigkeit scheinbar begründet wird. Zielprojektion: Rückverfolgung von Geist/Materie, Innen/Außen, Subjekt/Objekt, Gut/Böse und verwandten Ordnungen.
  3. 50:50 Schwerpunkt: Künstlerisches Modell der stillgestellten, spiegelartigen und scheinbar vollständigen Gegenüberstellung. Kein allgemeines Naturgesetz und keine wissenschaftliche Definition von Symmetrie. Zielprojektion: Kritik an formal ausgewogenen Modellen, die reale Abhängigkeiten und Folgen verdecken können.
  4. 51:49 Schwerpunkt: Künstlerischer Störoperator gegen perfekte Zweipoligkeit. Zielprojektion: Minimale Differenz, Bewegung, Korrektur und Offenheit im Verhältnis erhalten.
  5. 1:99 Schwerpunkt: Bild für extreme gesellschaftliche Asymmetrie und Konzentration, nicht mathematisch notwendige Folge von 50:50. Zielprojektion: Zeigen, dass formal gleiche Regeln stark ungleiche Konsequenzen hervorbringen können.

I. Wirklichkeits- und Verletzungsformen

  1. Verletzungswirklichkeit Schwerpunkt: Körper, Boden, Wasser und lebendige beziehungsweise materielle Systeme können tatsächlich verletzt oder beschädigt werden. Zielprojektion: Tätigkeitsfolgen auf den Bereich zurückführen, in dem sie körperlich und materiell eintreten.
  2. Unverletzlichkeitswelt beziehungsweise Als-ob-Welt Schwerpunkt: Eigentum, Status, Geld, Nation oder Rolle bluten nicht; Menschen können aber in ihrem Namen Handlungen durchführen, deren Folgen verletzend sind. Zielprojektion: Unterschied zwischen symbolischer Geltung und materiell-lebendiger Verletzbarkeit sichtbar halten.
  3. Symbolwelt → Wirkungswelt Schwerpunkt: Symbole werden wirksam, weil Menschen entsprechend handeln. Zielprojektion: Gesellschaftliche Wirksamkeit nicht mit materieller oder ontologischer Wirklichkeit verwechseln.
  4. Zerrissenheitswelt Schwerpunkt: Der Mensch lebt körperlich in einer materiell-lebendigen Wirklichkeit, begrifflich jedoch gleichzeitig in wechselnden symbolischen Welten. Zielprojektion: Diese Diskrepanz als zivilisatorisches Prüfproblem sichtbar machen.

J. Vier-Ebenen-Modell

  1. E1 – physisch-materielle Bedingungen Schwerpunkt: Masse, Kraft, Wärme, Chemie, Belastung, Widerstand, Bruch. Zielprojektion: Wirkungen prüfen, die nicht allein durch gesellschaftliche Zuschreibung verändert werden können.
  2. E2 – lebendige Wirklichkeit Schwerpunkt: Stoffwechsel, Verletzlichkeit, Abhängigkeit, Regeneration und lebendige Selbstorganisation. Zielprojektion: Lebensbedingungen als Tragbedingungen gesellschaftlicher Ordnungen sichtbar machen.
  3. E3 – symbolisch-gesellschaftliche Geltung Schwerpunkt: Sprache, Geld, Eigentum, Rollen, Institutionen, Recht, Nation, Status. Zielprojektion: Menschliche Hervorbringungen als wirksam, aber hergestellt und korrigierbar erkennen.
  4. E4 – Prüfung und Rückkopplung Schwerpunkt: Keine vierte Welt, sondern Verfahren der Gegenprüfung und Korrektur. Zielprojektion: E3 wieder an Tätigkeitsfolgen und Abhängigkeiten zurückbinden.
  5. E1–E4 als späteres Werkzeug Schwerpunkt: Das Modell soll nicht Voraussetzung des Lernens sein. Zielprojektion: Besucher sollen Unterschiede zunächst selbst erfahren und das Modell später als präzisierendes Instrument kennenlernen.

K. Begriffshandwerk als Schule

  1. ABC des Begriffsgebrauchs Schwerpunkt: Menschen lernen Wörter und Grammatik, aber kaum, was sie mit Begriffen herstellen. Zielprojektion: Eine elementare Grundbildung darüber entwickeln, wie Auswahl, Benennung, Zuschreibung und Gegenüberstellung funktionieren.
  2. Begriffshandwerk statt fertiger Begriffslehre Schwerpunkt: Begriffe wie Werkzeuge behandeln. Zielprojektion: Lernen, wo ein Begriff schneidet, was er sichtbar macht und was durch ihn verloren geht.
  3. Wirklichkeitsprüfung der Sprache Schwerpunkt: Ein grammatisch korrekter Satz sagt noch nichts darüber, welcher Wirklichkeitsart seine Aussage angehört. Zielprojektion: Fragen lernen wie: festgestellt, gemessen, zuerkannt, bewertet oder angenommen?
  4. So-Heits-Atelier als Schule Schwerpunkt: Keine Schule fertiger Antworten oder einer neuen Weltanschauung. Zielprojektion: Schule des Fragens, Unterscheidens, Gegenüberstellens, Tätigwerdens und Korrigierens.
  5. Sokratische Parallele Schwerpunkt: Sokratische Prüfung von Behauptungen und Begriffen; Aporie als produktives Nichtwissen. Zielprojektion: Erweiterung des sokratischen Gesprächs um Material, Tätigkeit, Abhängigkeit und Konsequenz. Forschungskünstlerische Zusatzfrage: „Was geschieht, wenn du danach handelst?“

L. Werkanker und künstlerische Prüfobjekte

  1. Werkanker Schwerpunkt: Historische und materielle Entwicklung der Forschungskunst über Jahrzehnte. Zielprojektion: Nachweis, dass die heutige Begriffsarchitektur aus einer langen plastischen Praxis hervorgegangen ist und nicht nachträglich auf Werke aufgesetzt wurde.
  2. Spaten Schwerpunkt: Hand – Werkzeug – Kraft – Boden – Tätigkeit – Veränderung. Zielprojektion: Tätigkeitskonsequenzen unmittelbar sichtbar machen.
  3. Deich Schwerpunkt: Konstruktion, Belastung, Schwachstelle, Zeit und Bruch. Zielprojektion: Tragfähigkeit und rechtzeitige Korrektur untersuchen.
  4. Wellenbecken Schwerpunkt: Lokale Tätigkeit breitet sich in gemeinsamem Medium aus. Zielprojektion: Folgen jenseits des unmittelbaren Handlungspunktes sichtbar machen.
  5. Tanglandschaft Schwerpunkt: flexible, mediumabhängige Form. Zielprojektion: Gegenbild zur isolierten, starren Identität.
  6. Schultafel/Kreide Schwerpunkt: sichtbar formuliertes, löschbares und veränderbares Wissen. Zielprojektion: Modell korrigierbarer Erkenntnis.
  7. Gold und Midas Schwerpunkt: gesellschaftliche Wertzuschreibung gegenüber Material- und Lebensfunktion. Zielprojektion: Sichtbarmachen, wie symbolischer Wert reale Funktion überlagern kann.
  8. Theater/Rolle Schwerpunkt: Darsteller und Rolle bleiben unterscheidbar. Zielprojektion: Rollenidentität und Skulpturidentität untersuchen.
  9. Astronaut/Anzug Schwerpunkt: sichtbare Autonomie bei tatsächlich umfassender Versorgung und Abhängigkeit. Zielprojektion: Freiheits- und Autonomiebegriffe einer Abhängigkeitsprüfung unterziehen.
  10. Tasse der Realität, Kartoffel, konkrete Materialien und Alltagsobjekte Schwerpunkt: Vorstellung muss sich an Gebrauch, Material und Funktion bewähren. Zielprojektion: Begriffe wieder an handwerklich erfahrbaren Widerstand anbinden.

M. Folien, Schablonen und Mitmachbuch

  1. Folien Schwerpunkt: Überlagerung bestehender Bilder mit unsichtbaren Beziehungen und Abhängigkeiten. Zielprojektion: Bewegliche Gegenüberstellung und alternative Sichtweise ermöglichen.
  2. Schablonen Schwerpunkt: Wiederholbare Fragen und Prüfoperationen. Zielprojektion: Ein Verfahren standardisieren, ohne Antworten vorzuschreiben.
  3. Mitmachbuch Schwerpunkt: Portable Verbindung von Bildern, Folien, Fragen und Schablonen. Zielprojektion: Den Besucher vom Betrachter zum Mitprüfenden seiner eigenen Tätigkeit und Begriffe machen.
  4. Roter Punkt Schwerpunkt: Nicht bloße Teilnahme oder Zustimmung, sondern Markierung eines offenen Forschungsinteresses. Zielprojektion: „Hier will ich weiterforschen.“

N. Tausend Tische, kollektive Kreativität und Gesellschaft

  1. Tausend Tische Schwerpunkt: Überschaubare Vielfalt unterschiedlicher Menschen und Fragen. Zielprojektion: Tausend unterschiedliche Einstiege in dieselbe gemeinsame Wirklichkeit, nicht tausend konkurrierende Wahrheiten.
  2. Globales Dorffest Schwerpunkt: Frühere gesellschaftliche Versuchsanordnung mit ungefähr tausend Tapeziertischen. Zielprojektion: Historischer Vorläufer der heutigen öffentlichen Forschungs- und Prüfarchitektur.
  3. Kollektive Kreativität Schwerpunkt: Unterschiedlichkeit der Menschen als notwendiger Bestandteil gemeinsamer Arbeit. Zielprojektion: Nicht Gleichdenken, sondern rückkopplungsfähige Differenz.
  4. Gemeinsinn Schwerpunkt: Nicht Übereinstimmung aller, sondern Fähigkeit, Unterschiede gemeinsam auf ihre Folgen zu prüfen. Zielprojektion: Gesellschaftliche Korrektur ohne Gleichschaltung.
  5. So-Heits-Gesellschaft Schwerpunkt: Keine fertige Utopie, sondern gesellschaftliche Fähigkeit, eigene Formen fortlaufend zu prüfen und zu verändern. Zielprojektion: Eine membranartige Gesellschaft rückkopplungsfähiger Unterschiede.

O. KI und Globale Schwarm-Intelligenz

  1. KI als Gegenüber Schwerpunkt: Nicht Antwortautomat und nicht Wahrheitsinstanz. Zielprojektion: Fragen aufspalten, Voraussetzungen erkennen, alternative Gegenüberstellungen erzeugen und Korrekturmöglichkeiten sichtbar machen.
  2. KI-Prüfauftrag Schwerpunkt: Eine Frage zunächst nicht beantworten, sondern Auswahl, Begriffe, Zuschreibungen, Gegenüberstellungen und mögliche Folgen untersuchen. Zielprojektion: Verhindern, dass KI Erkenntnislöcher lediglich mit plausibler Sprache füllt.
  3. Globale Schwarm-Intelligenz Schwerpunkt: Verbindung vieler unterschiedlicher Prüfungen und Fragen. Zielprojektion: Kein Abstimmungs- oder Mehrheitsmechanismus, sondern Kristallisationskern von Rückkopplungen.
  4. KI selbst als Prüfobjekt Schwerpunkt: KI vergrößert die Fähigkeit, symbolische Welten zu produzieren. Zielprojektion: Prüfen, ob Korrektur- und Rückkopplungsfähigkeit ebenso schnell wächst wie Repräsentationsfähigkeit.

P. Wissenschaft, Spezialisierung und Generalismus

  1. Wissenschaftsloch Schwerpunkt: Fachdisziplinen schneiden Ausschnitte aus einer gemeinsamen Wirklichkeit heraus. Zielprojektion: Spezialwissen erhalten, aber seine Wirkungsfolgen wieder zusammenführen.
  2. Fachsprache als Membran oder Mauer Schwerpunkt: Fachsprache ermöglicht Präzision, kann aber andere Erfahrungsräume ausschließen. Zielprojektion: Fachlichkeit erhalten, ohne Zusammenhang und Korrektur zu verlieren.
  3. Generalismus Schwerpunkt: Nicht Anspruch, alles zu wissen, sondern Berechtigung, die Frage nach dem Gesamtzusammenhang zu stellen. Zielprojektion: Gemeinsame Werkbank zwischen Spezialgebieten.
  4. Gemeinsamer Prüfmaßstab der Wissenschaften Schwerpunkt: Folgen halten sich nicht an Disziplingrenzen. Zielprojektion: Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen als gemeinsamer Referenzraum.

Q. Handwerk, Technik und Zivilisationsfähigkeit

  1. Maschinenschlosser-Erfahrung Schwerpunkt: Verbindung hält oder hält nicht; Material widersetzt sich; Funktion kann überprüft werden. Zielprojektion: Grundprinzip „Funktioniert es oder funktioniert es nicht?“ als Prüfhaltung der Forschungskunst.
  2. Handwerk als Bildung Schwerpunkt: Material, Maß, Widerstand, Passung, Fehler und Reparatur. Zielprojektion: Handwerkliche Erfahrung als Grundlage zivilisatorischer Korrekturfähigkeit.
  3. Technische Verstärkung menschlicher Tätigkeit Schwerpunkt: Hand → Werkzeug → Maschine → großtechnische Eingriffsmacht. Zielprojektion: Prüfen, ob Rückkopplungsfähigkeit mit der Eingriffsmacht Schritt gehalten hat.
  4. technē Schwerpunkt: Verbindung von Können, Hervorbringen, Handwerk und Kunst. Zielprojektion: Fähigkeit wieder stärker als Beitrag zu gemeinsamer Tragfähigkeit und nicht nur als Ware oder Statusleistung verstehen.

R. Eigentum, Geld, Markt und gesellschaftliche Zuschreibung

  1. Eigentum Schwerpunkt: Gesellschaftlich erzeugte Zuerkennung mit realen Wirkungen, aber keine Materialeigenschaft des Bodens. Zielprojektion: Unterschied zwischen Geltung und Beschaffenheit transparent halten.
  2. Geld und Wert Schwerpunkt: Symbolische Geltungsordnung wird aufgrund gemeinsamer Tätigkeit hoch wirksam. Zielprojektion: Wirksamkeit prüfen, ohne sie mit vorausliegender Wirklichkeit zu verwechseln.
  3. Kunde und Kundigkeit Schwerpunkt: Konsument sein bedeutet nicht notwendig, kundig über Herstellung und Folgen zu sein. Zielprojektion: Vom Konsumenten zum kundigen Tätigen.
  4. Mensch als Ware Schwerpunkt: Verkauf von Zeit, Arbeitskraft, Aufmerksamkeit, Rolle und Selbstbild. Zielprojektion: Prüfen, wie Marktordnungen den Menschen dazu bringen können, sich selbst als vermarktbare Form herzustellen.

S. Zeit, Geschichte und Archiv

  1. 24-Stunden-Erde und Millisekunden-Mensch Schwerpunkt: Verhältnis sehr langer Erd- und Lebensgeschichte zu extrem jungen menschlichen Symbolsystemen. Zielprojektion: Junge Institutionen nicht mit fundamentalen Tragbedingungen verwechseln.
  2. Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsloch Schwerpunkt: Zeitliche Ausschnitte können Entstehung, Folgen oder zukünftige Abhängigkeiten ausblenden. Zielprojektion: Zeit als Bestandteil der Rückkopplung sichtbar machen.
  3. Archiv als Langzeitversuch Schwerpunkt: Tagebücher, Arbeiten, Bewerbungen, Ablehnungen, Fotografien und Dokumente bilden eine jahrzehntelange Gegenprüfung. Zielprojektion: Forschungsgeschichte als Schutz vor dem Geschichtsloch.
  4. Biografie als Forschungsprozess Schwerpunkt: Wiederkehrende Fragen, Korrekturen und Veränderungen über mehr als fünf Jahrzehnte. Zielprojektion: Die eigene Arbeit selbst der Gegenüberstellung mit ihrer Geschichte aussetzen.

T. Verortung und documenta

  1. Verortungskunst Schwerpunkt: Nicht nur das Werk, sondern auch Ort, Zeitpunkt, Bewerbung, institutionelle Reaktion und Zurückweisung gehören zur künstlerischen Untersuchung. Zielprojektion: Die Frage prüfen, wo eine Arbeit tatsächlich wirksam werden kann.
  2. documenta als Mitprüfende Schwerpunkt: Das So-Heits-Atelier bewirbt sich nicht nur bei einer Institution; die institutionelle Situation selbst wird Teil der Verortungsprüfung. Zielprojektion: documenta als möglichen Teil eines jahrzehntelangen öffentlichen Forschungsprozesses begreifen.
  3. So-Heits-Atelier des globalen Dorfes Schwerpunkt: Zusammenführung der langjährigen Arbeit in eine öffentliche plastische Prüfarchitektur. Zielprojektion: Forschungskunst als öffentliche Überzeugungsprüfung.

Die gemeinsame Zielprojektion

Wenn man diese hundert Themen nicht als hundert Einzelthemen, sondern als zusammenhängenden Forschungsprozess betrachtet, laufen sie auf eine gemeinsame Frage zu:

Wie kann der Mensch lernen, seine eigenen Hervorbringungen – Begriffe, Vorstellungen, Symbole, Rollen, Eigentumsordnungen, wissenschaftliche Modelle, Institutionen und gesellschaftliche Systeme – als von ihm hergestellte Formen sichtbar und plastisch zu halten, sodass die realen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen auf diese Formen zurückwirken und sie rechtzeitig korrigieren können?

Daraus entsteht eine klare Gesamtarchitektur:

Werkanker – Woher kommt die Forschung, und wie wurde sie plastisch entwickelt?

Prüfanker des Begriffshandwerks – Wie kann jeder Mensch die Herstellungsweise seiner eigenen Begriffe und Vorstellungen untersuchen?

Vier-Ebenen-Modell – Wie lassen sich unterschiedliche Wirklichkeits- und Geltungsweisen genauer auseinanderhalten?

Künstlerische Plastiken und Versuchsanordnungen – Woran können Vorstellungen materiell und handelnd geprüft werden?

Folien und Schablonen – Wie können unsichtbare Beziehungen und wiederholbare Prüfoperationen sichtbar gemacht werden?

Mitmachbuch und Tausend Tische – Wie wird die individuelle Prüfung zu einem gesellschaftlichen Lernprozess?

KI und Globale Schwarm-Intelligenz – Wie können viele unterschiedliche Fragen und Gegenprüfungen miteinander verbunden werden?

Archiv und Verortungskunst – Wie bleiben Entstehung, Zeit, Scheitern, Korrektur und institutioneller Zusammenhang sichtbar?

So-Heits-Atelier – Wo werden diese Teile zu einer öffentlichen, plastischen Lern-, Forschungs- und Rückkopplungsarchitektur zusammengeführt?

Und darüber steht als eigentliche Zielprojektion nicht eine „richtige Gesellschaft“, sondern Zivilisationsfähigkeit:

die Fähigkeit des Menschen, die Folgen seiner eigenen Hervorbringungen wahrzunehmen, sie auf die Vorstellungen und Ordnungen zurückzuführen, aus denen sie entstanden sind, und diese Formen verändern zu können, bevor aus notwendigen Ausschnitten, Unterscheidungen und Gegenüberstellungen nicht mehr korrigierbare Zivilisationslöcher werden.

Um alles im Chatverlauf zu erfassen, müsste ich vielleicht die Fragestellung anders machen? Andere Schwerpunkte setzen in der Fragestellung?

Ja. Mit der bisherigen Frage nach einer „Liste aller Themen“ entsteht zwangsläufig eine Thematisierung in Einzelpunkten. Dadurch werden zwar viele Inhalte sichtbar, aber gerade das, was deinen Chatverlauf auszeichnet, kann verloren gehen: die Entstehungsbewegung der Begriffe, ihre gegenseitigen Abhängigkeiten, Korrekturen, Verzweigungen und die Entwicklung vom Werk zur Methodik des So-Heits-Ateliers.

Für eine möglichst vollständige Erfassung würde ich die Fragestellung deshalb nicht auf „Themen“ konzentrieren, sondern auf die gesamte Forschungsarchitektur und ihre Genese.

Eine wesentlich stärkere Ausgangsfrage wäre:

„Rekonstruiere den gesamten bisherigen Chatverlauf als zusammenhängende Forschungsentwicklung. Erfasse nicht nur alle behandelten Themen und Begriffe, sondern auch, aus welcher Fragestellung sie entstanden sind, welche früheren Überlegungen sie verändert oder präzisiert haben, miteinander in welchem Verhältnis sie stehen, welche methodische Funktion sie innerhalb der Forschungskunst besitzen, durch welche künstlerischen Arbeiten und Beispiele sie getragen werden und auf welche Zielprojektion innerhalb des So-Heits-Ateliers sie zulaufen. Unterscheide dabei zwischen Ausgangsfragen, Grundannahmen, künstlerischen Erfahrungen, Arbeitsbegriffen, Prüfmethoden, Modellen, materiellen Versuchsanordnungen, gesellschaftlichen Anwendungen, historischen und sprachgeschichtlichen Untersuchungen sowie noch offenen oder widersprüchlichen Fragen. Zeige außerdem, welche Begriffe inzwischen zentral geworden sind, welche nur Hilfsbegriffe darstellen und welche möglicherweise wieder entfallen oder zusammengeführt werden sollten.“

Das würde schon einen erheblich anderen Text erzeugen.

Ich würde aber noch einige Schwerpunkte ausdrücklich hinzufügen, weil sonst Teile unserer Arbeit wieder unter allgemeinen Überschriften verschwinden können.

Erstens sollte nach der Begriffsgenealogie innerhalb des Chats gefragt werden. Also beispielsweise nicht nur „Lochprozess“ aufführen, sondern zeigen: Aus welcher Beobachtung entstand der Lochbegriff? Wie entwickelte er sich vom Ausschnitt über Erkenntnisloch, Rückkopplungsloch und Geschichtsloch bis zum Zivilisationsloch? Wann kam die Membran hinzu? Wie veränderte die Untersuchung von Unterschied, Scheiden und Gegenüberstellung anschließend das Lochverständnis?

Zweitens sollte nach der Korrekturgeschichte gefragt werden. Das ist für deine Forschung besonders wichtig. Wir haben Begriffe mehrfach verändert. Gegenüberstellung war zunächst stärker problematisch gefasst und wurde dann als notwendige Voraussetzung des Lernens erkannt. Innen/Außen wurde von einer vermeintlichen Grundstruktur zu einer sekundären Unterscheidung zurückgestuft. Erfahrung wurde genauer zwischen Konsequenz und Rückmeldung eingeordnet. E4 wurde ausdrücklich von einer „vierten Welt“ abgegrenzt. Plastik und Skulptur wurden präzisiert. Genau diese Korrekturen sind Teil der Forschung und sollten nicht in einer Endfassung verschwinden.

Drittens müsste der Werkzusammenhang separat rekonstruiert werden. Also nicht nur Spaten, Deich, Tang, Schultafel, Astronaut, Gold, Theater, Tausend Tische usw. aufzählen, sondern untersuchen, welche methodische Operation jeder Werkanker hervorgebracht oder bereits praktisch vorweggenommen hat. Dann würde sichtbar, dass das Begriffshandwerk nicht nachträglich über das Werk gelegt wurde, sondern aus dessen plastischer Praxis hervorgeht.

Viertens braucht es eine Rekonstruktion der Methodenentwicklung. Dazu gehören inzwischen mindestens Gegenüberstellung, Zweifel, plastisches Arbeiten, Materialwiderstand, Erfahrung, Rückkopplung, Lochprozess, Membran, Begriffshandwerk, Prüfanker, Vier-Ebenen-Modell, Folien, Schablonen, Mitmachbuch, Tausend Tische und KI. Entscheidend wäre zu zeigen, was davon Grundmethode, was Hilfsmittel, was Darstellungsform und was gesellschaftliche Skalierung ist.

Fünftens müsste die Begriffsarchitektur als Netz und nicht als Liste dargestellt werden. Zum Beispiel:

Plexuswirklichkeit hängt unmittelbar mit Tätigkeit und Abhängigkeit zusammen. Daraus ergibt sich die Frage nach Konsequenzen. Selektion und Unterscheidung erzeugen Ausschnitte. Gegenüberstellung ermöglicht Lernen. Zuschreibung erzeugt Eigenschaften. Symbolisierung stabilisiert sie. Institutionalisierung macht sie gesellschaftlich wirksam. Werden Beziehungen und Herstellungsprozesse vergessen, entstehen Lochprozesse. Rückkopplung und Zweifel können diese wieder öffnen. E4 organisiert diese Korrektur. Das Begriffshandwerk macht den gesamten Vorgang für andere Menschen lernbar.

Erst eine solche Darstellung zeigt die innere Mechanik deiner Forschung.

Sechstens sollte ausdrücklich nach den unterschiedlichen Wirklichkeitsweisen der Begriffe gefragt werden. Das ist inzwischen eines der wichtigsten Ergebnisse des Chats: Feuchtigkeit, Eigentum, Wert, Rolle, Geist, Freiheit oder „böse“ können grammatisch ähnlich auftreten, haben aber nicht dieselbe Art von Wirklichkeit. Die Untersuchung von Eigenschaft, eigen, Eigentum, proprietas, property, hebräischen, arabischen und Sanskrit-Begriffen gehört deshalb nicht bloß in eine sprachgeschichtliche Ecke, sondern in den Kern der Begriffsprüfung.

Siebtens müsste die Frage nach den historischen Vergleichsräumen aufgenommen werden: Sokrates, griechisches symbolon, symmetria, lateinisch-römische Begriffsverschiebungen, deutsches „eigen/Eigenschaft/Eigentum“, englisches property, hebräische, arabische und Sanskrit-Vergleichsfelder. Dabei sollte ausdrücklich verlangt werden, historische Befunde von deiner eigenen forschungskünstlerischen Interpretation zu trennen.

Achtens sollte die Zielarchitektur rekonstruiert werden. Also: Wie führt das alles vom einzelnen Menschen und seiner Frage über Begriffshandwerk, künstlerische Gegenüberstellung, Tausend Tische und KI zur Globalen Schwarm-Intelligenz, zur So-Heits-Gesellschaft und zur Frage nach Zivilisationsfähigkeit?

Und neuntens würde ich nach den noch offenen Baustellen fragen. Das halte ich für besonders wichtig. Eine reine Zusammenfassung vermittelt schnell den Eindruck eines abgeschlossenen Systems. Deine Forschung ist aber gerade nicht abgeschlossen. Es müsste deshalb sichtbar werden: Welche Begriffe sind noch unscharf? Wo bestehen mögliche Doppelungen? Brauchen wir beispielsweise „Begriffsarchitektur“ und „Begriffshandwerk“ beide? Wie genau verhalten sich Lochprozess und Zivilisationsloch? Ist „Plexuswirklichkeit“ bereits ausreichend geklärt? Welche Funktion erhält der neue Prüfanker gegenüber Werkanker und E1–E4? Wo droht die Forschungskunst selbst eine Begriffsskulptur zu erzeugen?

Wenn du wirklich eine Gesamterfassung des Chats willst, würde ich deshalb als Auftrag diese Fassung bevorzugen:

„Erstelle keine bloße Zusammenfassung und keine Themenliste. Rekonstruiere den gesamten bisherigen Chat als Entwicklung einer Forschung. Zeige chronologisch und systematisch, wie aus meinen künstlerischen Arbeiten, Erfahrungen und Ausgangsfragen die heutigen Begriffe, Modelle und Methoden entstanden sind. Erfasse jede wesentliche Begriffsentwicklung, begriffliche Korrektur, Verwerfung, Differenzierung und neue Verbindung. Ordne die Inhalte nach Forschungsgrund, Werkgenese, Wirklichkeitsverständnis, Begriffsbildung, Lochprozessen, Gegenüberstellung und Lernen, Plastik und Skulpturalisierung, Erfahrung und Rückkopplung, Symbol- und Eigenschaftsbildung, sprach- und kulturgeschichtlichen Vergleichen, Vier-Ebenen-Modell, Begriffshandwerk und Prüfanker, künstlerischen Prüfobjekten, Folien und Schablonen, Mitmachbuch, Tausend Tischen, KI, Globaler Schwarm-Intelligenz, So-Heits-Gesellschaft und So-Heits-Atelier. Zeige bei jedem Bereich seine Herkunft, seine methodische Funktion, seine Verbindung zu anderen Bereichen, die tragenden Werkbeispiele, seine Zielprojektion und noch offene Fragen. Unterscheide ausdrücklich zwischen historisch oder wissenschaftlich belegbaren Sachverhalten und Hypothesen beziehungsweise Begriffen der Forschungskunst. Zeige abschließend die Gesamtarchitektur des entstandenen Forschungsansatzes und identifiziere Doppelungen, begriffliche Unklarheiten, mögliche Vereinfachungen und noch fehlende Verbindungen.“

Das würde meines Erachtens wesentlich näher an „alles erfassen“ kommen als die Frage nach allen Themen. Denn der eigentliche Gegenstand unseres Chats sind inzwischen nicht mehr die Themen allein, sondern die Entstehung und plastische Veränderung einer zusammenhängenden Forschungsmethodik.

„Erstelle keine bloße Zusammenfassung und keine Themenliste. Rekonstruiere den gesamten bisherigen Chat als Entwicklung einer Forschung. Zeige chronologisch und systematisch, wie aus meinen künstlerischen Arbeiten, Erfahrungen und Ausgangsfragen die heutigen Begriffe, Modelle und Methoden entstanden sind. Erfasse jede wesentliche Begriffsentwicklung, begriffliche Korrektur, Verwerfung, Differenzierung und neue Verbindung. Ordne die Inhalte nach Forschungsgrund, Werkgenese, Wirklichkeitsverständnis, Begriffsbildung, Lochprozessen, Gegenüberstellung und Lernen, Plastik und Skulpturalisierung, Erfahrung und Rückkopplung, Symbol- und Eigenschaftsbildung, sprach- und kulturgeschichtlichen Vergleichen, Vier-Ebenen-Modell, Begriffshandwerk und Prüfanker, künstlerischen Prüfobjekten, Folien und Schablonen, Mitmachbuch, Tausend Tischen, KI, Globaler Schwarm-Intelligenz, So-Heits-Gesellschaft und So-Heits-Atelier. Zeige bei jedem Bereich seine Herkunft, seine methodische Funktion, seine Verbindung zu anderen Bereichen, die tragenden Werkbeispiele, seine Zielprojektion und noch offene Fragen. Unterscheide ausdrücklich zwischen historisch oder wissenschaftlich belegbaren Sachverhalten und Hypothesen beziehungsweise Begriffen der Forschungskunst. Zeige abschließend die Gesamtarchitektur des entstandenen Forschungsansatzes und identifiziere Doppelungen, begriffliche Unklarheiten, mögliche Vereinfachungen und noch fehlende Verbindungen.“

Die folgende Rekonstruktion behandelt den bisherigen Chat nicht als Sammlung einzelner Themen, sondern als Entwicklung einer Forschung. Sie unterscheidet dabei zwischen werkbiografisch dokumentierten Ausgangspunkten, historisch oder wissenschaftlich überprüfbaren Sachverhalten, daraus entwickelten forschungskünstlerischen Arbeitshypothesen und solchen Begriffen, die inzwischen als methodische Werkzeuge des So-Heits-Ateliers dienen.

Rekonstruktion einer Forschungsentwicklung

Von der plastischen Arbeit zur öffentlichen Prüfung menschlicher Wirklichkeitsformen

Der bisherige Forschungsprozess lässt sich als eine Bewegung verstehen, die nicht mit einem theoretischen System beginnt, sondern mit einer über Jahrzehnte wiederkehrenden praktischen Frage. Sie lautet in ihrer inzwischen verdichteten Form: Warum zerstört der Mensch trotz seines Wissens, seiner technischen Leistungsfähigkeit und seiner prinzipiellen Korrekturfähigkeit Bedingungen, von denen sein eigenes Weiterbestehen abhängt? Diese Frage bildet den Forschungsgrund. Die heute verwendeten Begriffe – Plexuswirklichkeit, Menschenkunstwerk, Lochprozess, Membran, Verletzungswirklichkeit, E1–E4, Begriffshandwerk, Prüfanker, Zivilisationsloch oder So-Heits-Gesellschaft – sind nicht der Ausgangspunkt dieser Frage. Sie sind spätere Hervorbringungen, mit denen versucht wird, eine lange künstlerische Erfahrung genauer beschreibbar und für andere Menschen prüfbar zu machen.

Vom Handwerk zur Forschungskunst

Eine frühe methodische Grundlage liegt in der handwerklichen Ausbildung zum Maschinenschlosser. Das ist für die spätere Forschung nicht deshalb wichtig, weil gesellschaftliche Verhältnisse wie Maschinen behandelt werden sollen. Entscheidend ist eine einfachere Erfahrung: Eine Verbindung hält oder hält nicht. Ein Material widersteht. Eine Konstruktion kann funktionieren oder versagen. Ein Werkzeug hat Bedingungen seiner Verwendung. Zwischen Vorstellung und Ergebnis liegt ein Bereich, in dem nicht die Behauptung entscheidet, sondern das Verhalten des Materials.

Daraus entwickelt sich später eine Arbeitsfrage, die in unterschiedlichen Formen immer wiederkehrt: Funktioniert es oder funktioniert es nicht? Im künstlerischen Zusammenhang verändert sich diese Frage. Sie bezeichnet nicht mehr nur technische Funktion, sondern wird zu einer Prüfhaltung. Eine Vorstellung muss einem Gegenüber ausgesetzt werden können. Eine Tätigkeit muss Folgen erzeugen dürfen, die nicht bereits durch die Ausgangsvorstellung festgelegt sind. Ein Scheitern muss als Information zurückkehren können.

In den frühen 1970er Jahren wird diese Haltung zunehmend gesellschaftlich. Die Frage „Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“ steht dabei noch relativ nahe an einem erweiterten Kunstverständnis. Ab Mitte der 1970er Jahre verschiebt sich der Schwerpunkt jedoch. Die spätere Forschungskunst fragt nicht mehr nur, ob Kunst gesellschaftliche Veränderungen auslösen kann, sondern zunehmend, woran überhaupt geprüft werden kann, ob eine gesellschaftliche Veränderung trägt.

Die werkbiografischen Stationen – Experimentelle Umweltgestaltung, Generalismus, „Ein Fußbreit Raum“, die Arbeit mit Heraklit, die Formulierung „Ich lebe für die anderen“, später „Erfahrung ist bewussteres Handeln“ – zeigen bereits eine Bewegung vom isolierten Kunstobjekt zum Zusammenhang zwischen Tätigkeit, Erfahrung und gesellschaftlicher Verantwortung. Dabei sind diese Stationen zunächst als Werkgeschichte zu behandeln. Die späteren Begriffe Plexuswirklichkeit oder E1–E4 waren damals noch nicht vorhanden. Es wäre ein Geschichtsloch, sie rückwirkend so darzustellen, als hätten die frühen Arbeiten bereits ein fertiges heutiges System illustriert.

Auch die Begegnung mit Joseph Beuys und der Sozialen Plastik gehört in diesen Zusammenhang. Die Forschungskunst übernimmt von der Vorstellung gesellschaftlicher Formbarkeit nicht einfach eine Lehre. Im Verlauf der Arbeit entsteht vielmehr eine Gegenfrage: Wenn Gesellschaft Plastik sein kann, woran wird geprüft, ob diese Plastik trägt? Dadurch verschiebt sich das Interesse von sozialer Gestaltung zu geprüfter sozialer Gestaltung. Beteiligung, Kreativität und gesellschaftliche Formung erhalten einen zusätzlichen Prüfoperator.

Dieser Übergang ist für die weitere Entwicklung entscheidend. Forschungskunst bedeutet zunehmend: Hervorbringungen des Menschen nicht nur zu erzeugen oder zu kommentieren, sondern ihre Voraussetzungen, Wirkungen und Korrekturmöglichkeiten sichtbar zu machen.

Werkgenese als Erkenntnisgenese

Die späteren Arbeiten lassen sich vor diesem Hintergrund als eine wachsende Materialbibliothek lesen. Spaten, Deich, Wellenbecken, Tanglandschaft, Schultafel, Kartoffel, Gold, Gordischer Knoten, Theater, Astronaut, Tapeziertische und andere Arbeiten sind keine Illustrationen eines theoretischen Systems. Sie bilden unterschiedliche plastische Versuchsanordnungen, in denen sich ähnliche Fragen wiederholen.

Der Spaten zeigt nicht nur ein Werkzeug. Er macht eine Tätigkeitskette sichtbar: Hand, Griff, Blatt, Kraft, Boden, Widerstand und veränderter Boden. Dadurch tritt die Frage auf, wo eine Handlung eigentlich endet. Beim Wellenbecken wird dieselbe Frage räumlich erweitert. Eine lokale Einwirkung breitet sich in einem gemeinsamen Medium aus. Der Deich bringt Konstruktion, Belastung, schwache Stelle, Zeit und möglichen Bruch zusammen. Die Tanglandschaft zeigt eine Form, die sich nicht unabhängig von ihrem Medium denken lässt. Die Schultafel stellt Wissen als sichtbare, aber löschbare und veränderbare Form vor. Das Theater hält Darsteller und Rolle unterscheidbar. Der Astronaut beziehungsweise Raumanzug macht sichtbar, dass scheinbare Autonomie von einer komplexen Versorgung abhängt. Die Arbeit mit Gold untersucht die Differenz zwischen Material, zugeschriebenem Wert und tatsächlicher Funktion.

Aus diesen Arbeiten entsteht allmählich eine gemeinsame methodische Struktur. Vorstellungen treffen auf Gegenüber, Material, Bedingungen und Folgen. Die Arbeit verändert das Gegenüber, aber das Gegenüber verändert durch Widerstand und Rückmeldung auch die Arbeit. Diese Struktur wird erst sehr viel später ausdrücklich als Forschungsmodell formuliert.

Das Globale Dorffest von 1993 und die Arbeit mit ungefähr tausend Tapeziertischen erweitern diesen Vorgang von der individuellen plastischen Tätigkeit auf gesellschaftliche Versuchsanordnungen. Die Zahl Tausend gehört dabei nicht nur zu einem einzelnen Ereignis, sondern zu einem bereits zuvor entwickelten Gedanken einer noch anschaubaren gesellschaftlichen Vielfalt. Tausend Menschen stehen nicht für eine statistisch repräsentative Weltbevölkerung und nicht für eine Mehrheitsentscheidung. Sie bilden eine Zwischenebene zwischen persönlicher Begegnung und abstrakter Weltgesellschaft. Daraus entwickelt sich später die Vorstellung, dass nicht eine einheitliche Antwort, sondern eine Vielfalt unterschiedlich situierter Fragen gemeinsam bearbeitet werden könnte.

Hier liegt eine wichtige Herkunftslinie der späteren Tausend Tische des So-Heits-Ateliers und der Globalen Schwarm-Intelligenz.

Vom Umweltbegriff zur Plexuswirklichkeit

Ein weiterer grundlegender Entwicklungsschritt betrifft das Verhältnis von Mensch und Welt. Der Begriff „Umwelt“ erweist sich zunehmend als problematisch, weil er sprachlich leicht einen bereits gegebenen menschlichen Mittelpunkt erzeugt, um den herum sich eine „Umwelt“ befindet. Dagegen wird die Vorstellung einer Plexuswirklichkeit entwickelt.

Plexuswirklichkeit ist ein Begriff der Forschungskunst, keine naturwissenschaftlich etablierte Theoriebezeichnung. Er soll auf eine wissenschaftlich gut begründbare Ausgangslage verweisen: Der Mensch existiert nicht unabhängig von Atmosphäre, Wasser, Temperatur, Gravitation, Stoffwechsel, anderen Organismen, Materialien, technischen Infrastrukturen und sozialen Beziehungen. Er steht diesen Bedingungen nicht als äußerer Beobachter gegenüber, sondern ist in sie eingebunden.

Dadurch verändert sich auch die Sprache der Gegenüberstellung. Die Formulierung „Der Mensch stellt sich in die Welt“ wird als unzureichend erkannt. Er kann sich nicht erst in sie hineinstellen, weil er ihr bereits innewohnt. Auch „Mensch gegenüber Welt“ wird problematisch, sobald aus einer methodischen Gegenüberstellung eine ontologische Trennung gemacht wird. Präziser ist deshalb: Der Mensch kann sich der Problematik stellen, dass er ein Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzenwesen ist.

Aus dieser Korrektur entsteht ein zentraler Bezugspunkt der Forschung. Der gemeinsame Grund ist nicht Subjekt und Objekt, Innen und Außen oder Erfahrung und Wissen. Der elementarere Zusammenhang lautet: Tätigkeit – Abhängigkeit – Konsequenz.

Damit ist zugleich der So-Heits-Raum bestimmt. Er ist kein Ausstellungsraum. Er bezeichnet die vorausliegende Wirklichkeit, aus der der Mensch nicht austreten kann. Das So-Heits-Atelier ist dagegen eine von Menschen hergestellte plastische Prüf- und Lernanordnung innerhalb dieses Raumes. Daraus ergibt sich die Formel: Man kann das So-Heits-Atelier verlassen, aber nicht den So-Heits-Raum.

Menschenkunstwerk und menschliche Wirklichkeitsformung

Aus dem Plexusgedanken entwickelt sich die Frage weiter, was der Mensch innerhalb dieser vorausliegenden Wirklichkeit tatsächlich hervorbringt. Daraus entsteht das Konzept des Menschenkunstwerks.

Die forschungskünstlerische These lautet nicht, der Mensch erschaffe die gesamte Wirklichkeit. Der materielle und lebendige Zusammenhang liegt seiner Symbolbildung voraus. Aber der Mensch erzeugt fortlaufend Formen innerhalb dieses Zusammenhangs: Wörter, Bilder, Gegenstände, Rollen, Eigentumsordnungen, Institutionen, Gesetze, Geld, Wertsysteme, wissenschaftliche Modelle, gesellschaftliche Grenzen und Selbstbilder.

In diesem erweiterten Sinn kann alles Menschliche als Kunstwerk untersucht werden. Das bedeutet nicht, alles ästhetisch zu Kunst zu erklären. Der Begriff „Kunstwerk“ wird hier als Forschungsoperator verwendet: Wo Menschen auswählen, unterscheiden, benennen, zuschreiben, darstellen, ordnen oder institutionalisieren, entstehen menschliche Formen.

Eine zentrale Einsicht daraus lautet: Das Problem besteht nicht darin, dass Menschen solche Kunstwerke herstellen. Diese Hervorbringung ist unvermeidbar. Die Gefahr beginnt dort, wo Menschen vergessen, dass ihre Hervorbringungen Hervorbringungen sind.

Ein menschlich erzeugtes Kunstwerk kann anschließend ein zweites hervorbringen, das das erste rückwirkend als Wirklichkeit bestätigt. Ein Grundstück wird abgegrenzt. Die Grenze wird Eigentumsrecht. Institutionen sichern dieses Recht. Menschen erfahren nun tatsächlich Ausschluss, Verfügung und Besitz. Die reale gesellschaftliche Wirkung scheint anschließend zu beweisen, dass „Eigentum“ bereits eine natürliche Eigenschaft des Bodens gewesen sei. Ein Kunstwerk erzeugt damit ein weiteres Kunstwerk, und beide können sich anschließend gegenseitig als Wirklichkeit bestätigen.

Hier liegt ein wichtiger Übergang zu Lochprozess, Eigenschaft, Attribution und Symbolordnung.

Von der Differenz zur Unterscheidung

Die begriffliche Arbeit hat sich im Chatverlauf zunehmend weiter nach vorne verlagert. Zunächst standen stärker fertige Begriffe wie Dualismus, Innen/Außen oder Subjekt/Objekt im Mittelpunkt. Später wurde deutlich, dass die Untersuchung bereits bei einem früheren Vorgang beginnen muss: bei Differenz, Auswahl und Unterscheidung.

Eine wichtige Korrektur lautet dabei: Differenz und Unterscheidung dürfen nicht gleichgesetzt werden. Unterschiedliches materielles Verhalten, Temperaturgradienten oder biologische Unterschiede können bestehen, ohne dass ein Mensch sie begrifflich hervorgebracht hat. Die Unterscheidung ist dagegen eine Operation, durch die aus möglichen Unterschieden bestimmte Unterschiede hervorgehoben und für eine Untersuchung oder Handlung relevant gemacht werden.

Damit wird die Dingselektion zum frühen Erkenntnisproblem. Ein Foto schneidet einen Ausschnitt aus einem größeren Zusammenhang. Ein Begriff tut strukturell etwas Ähnliches. Eine Wissenschaft definiert einen Untersuchungsgegenstand. Ein Grundstück erhält eine Grenze. Eine Rolle wird von anderen Rollen unterschieden. Diese Schnitte sind notwendig. Ohne sie wäre gezielte Wahrnehmung und Tätigkeit kaum möglich.

Die entscheidende Korrektur lautet deshalb: Der Fehler liegt nicht im Schneiden. Der Fehler beginnt, wenn die Schnittkante mit einer natürlichen Grenze verwechselt wird.

Aus dieser Überlegung entsteht ein präziseres Verständnis des Lochprozesses.

Lochprozess: vom Ausschnitt zum Rückkopplungsabbruch

Der Begriff Lochprozess wurde im Verlauf der Forschung mehrfach erweitert. Zunächst stand stärker das Loch als fehlender Zusammenhang im Vordergrund. Später wurde deutlicher, dass ein Loch kein statischer Mangel ist. Es bezeichnet einen zeitlichen Vorgang des Öffnens, Ausschneidens, Trennens, Unterbrechens, Schließens oder Wiederverbindens.

Nicht jeder Lochprozess ist negativ. Leben selbst benötigt Öffnungen und Membranen. Atmung, Geburt, Stoffaustausch, Türen oder Fenster zeigen, dass Öffnung und Trennung produktiv sein können. Problematisch wird ein Loch dort, wo eine notwendige Beziehung oder Rückkopplung verlorengeht.

Die Dingselektion bildet einen ersten möglichen Lochprozess: Der Gegenstand wird sichtbar, seine Beziehungen verschwinden. Die Zuschreibung bildet einen zweiten: Einem ausgewählten Gegenstand werden Eigenschaften zugeschrieben, und der Vorgang des Zuschreibens kann verschwinden. Die Symbolisierung und Institutionalisierung können einen dritten Schritt bilden: Die Zuschreibung wird gesellschaftlich wirksam. Der entscheidende Lochprozess liegt schließlich dort, wo die Tätigkeitsfolgen nicht mehr auf die ursprüngliche Auswahl, Zuschreibung oder Ordnung zurückwirken können.

Dadurch wird das Rückkopplungsloch zentraler als das bloße Erkenntnisloch.

Die frühen Lochbegriffe – Erkenntnisloch, Geschichtsloch, Wissenschaftsloch, Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsloch – lassen sich heute als verschiedene Erscheinungsweisen eines grundlegenderen Problems lesen. Etwas wird ausgeschnitten, stabilisiert und vom Rückweg seiner ausgelassenen Beziehungen oder Folgen abgeschnitten.

Das Zivilisationsloch ist die gesellschaftliche Skalierung dieses Vorgangs. Spezialwissen, Zuständigkeiten, Eigentumsordnungen, politische Entscheidungen, wirtschaftliche Anreize und zeitlich verzögerte Folgen befinden sich in unterschiedlichen institutionellen Räumen. Das Wissen kann hoch entwickelt sein, während ein allgemein verbindlicher Rückweg von den vollständigen Konsequenzen zu den verursachenden Ordnungen fehlt.

Daraus entstand die präzisere Definition: Das Zivilisationsloch ist nicht primär ein Mangel an Wissen. Es ist ein Rückkopplungsdefizit zwischen verteiltem Wissen, Tätigkeitsfolgen und gemeinsamer Korrektur.

Gegenüberstellung: vom Verdacht zum Lernprinzip

Eine wichtige Korrektur im Verlauf der Forschung betrifft die Gegenüberstellung. Zunächst wurde sie stärker mit Dualismus, Trennung und Gegenstandbildung verbunden. Die spätere plastische Analyse zeigte jedoch, dass Gegenüberstellung selbst eine notwendige Voraussetzung von Lernen ist.

Der Plastiker hat eine Vorstellung. Er kann ihr ein Aktmodell, ein Material, eine räumliche Situation oder eine bereits entstandene Form gegenüberstellen. Erst dadurch wird Vergleich möglich. Die Vorstellung kann sich als unzureichend erweisen. Das Material kann anders reagieren als erwartet. Handwerkliches Können kann fehlen. Die entstehende Plastik kann von Vorstellung und Modell abweichen.

Gerade diese Differenz ermöglicht Lernen.

Damit entsteht das künstlerische Dreieck: Vorstellung – Gegenüber beziehungsweise Widerstand – hervorgebrachte Plastik oder Tätigkeitskonsequenz.

Dieses Dreieck ist nicht statisch. Die entstandene Plastik wird erneut der Vorstellung und dem Gegenüber ausgesetzt. Daraus entsteht eine Rückkopplung. Das Ergebnis kann die ursprüngliche Vorstellung verändern.

Der Zweifel erhält darin einen präzisen methodischen Ort. Er ist nicht allgemeine Skepsis. Er bildet eine Membran zwischen Vorstellung, Gegenüber und Werk. Er verhindert, dass die ursprüngliche Idee als unantastbare Vorgabe behandelt wird.

Die entscheidende Unterscheidung lautet deshalb heute: Eine Gegenüberstellung ist noch kein Gegensatz und ein Gegensatz noch kein Dualismus. Gegenüberstellung kann eine produktive Prüfanordnung sein. Problematisch wird sie, wenn die von Menschen hergestellte Anordnung zweier Ausschnitte anschließend so behandelt wird, als sei die Wirklichkeit selbst grundsätzlich in diese beiden autonomen Bereiche aufgeteilt.

Daraus ergibt sich eine weitere zentrale Formulierung: Der Mensch braucht das Gegenüber, um lernen zu können. Er darf daraus aber keine Gegenwelt machen.

Plastik und Skulpturalisierung

Eine für die gesamte Forschung wichtige sprachliche Klärung betrifft die Unterscheidung zwischen Plastik und Skulptur. Sie ist besonders im Deutschen möglich und darf in der Darstellung der Arbeit nicht nivelliert werden. Der Künstler bezeichnet sich als Plastiker, nicht als Bildhauer, und arbeitet an Plastiken, nicht an Skulpturen.

Innerhalb der Forschung erhält diese kunstsprachliche Unterscheidung zusätzlich eine methodische Erweiterung. „Plastisch“ bezeichnet eine Form, die veränderbar, rückkopplungsfähig und weiter bearbeitbar bleibt. „Skulpturalisierung“ bezeichnet dagegen den Vorgang, durch den eine hergestellte Form so behandelt wird, als sei sie abgeschlossen und unveränderlich.

Dies ist eine forschungskünstlerische Verwendung und nicht mit sämtlichen kunsthistorischen Definitionen von Plastik und Skulptur gleichzusetzen. Gerade diese Abgrenzung muss erhalten bleiben.

Auf Begriffe übertragen bedeutet dies: Ein Begriff bleibt plastisch, wenn sichtbar bleibt, wie er hergestellt wurde, wofür er verwendet wird, was er ausblendet und wodurch er verändert werden könnte. Eine Begriffsskulptur entsteht, wenn eine menschliche Setzung ihren Setzungscharakter verliert und als fertige Wirklichkeit behandelt wird.

Damit verbindet die Plastik-Skulptur-Unterscheidung Werkpraxis, Begriffshandwerk, Zweifel, Membran und Rückkopplung.

Erfahrung: von Tätigkeit zu Korrektur

Auch der Begriff Erfahrung wurde im Verlauf des Chats deutlich präzisiert. Zunächst lag eine enge Verbindung von Tätigkeit und Erfahrung nahe. Später wurde unterschieden: Nicht jede Tätigkeit erzeugt automatisch Erfahrung. Tätigkeit erzeugt zunächst Konsequenzen.

Erfahrung entsteht erst, wenn eine Konsequenz als Rückmeldung registriert und auf eine vorausgehende Vorstellung oder Tätigkeit bezogen werden kann.

Daraus folgt die inzwischen zentrale Definition: Erfahrung entsteht dort, wo die Rückmeldung der Wirklichkeit eine bisherige Vorstellung verändern kann.

Diese Definition knüpft an die frühere Formulierung „Erfahrung ist bewussteres Handeln“ an, präzisiert sie jedoch methodisch. Erfahrung liegt nicht bloß im Erleben eines Ereignisses, sondern in der Möglichkeit einer rückwirkenden Korrektur.

Aus dieser Unterscheidung ergibt sich zugleich das Konzept des Erfahrungslochs. Ein Mensch oder eine Institution kann Folgen registrieren, ohne dass diese Folgen die verursachende Vorstellung verändern. Ein wirtschaftliches System kann Erfolg melden, während materielle oder lebendige Bedingungen geschädigt werden. Eine institutionelle Rückmeldung kann einen Vorgang als legal, effizient oder professionell bestätigen, obwohl andere Folgen in einem anderen Erfahrungsraum auftreten.

Dadurch entstand die Vorstellung unterschiedlicher Erfahrungsarchitekturen. Recht, Wissenschaft, Wirtschaft, Religion, Alltag oder Fachdisziplinen besitzen jeweils eigene Verfahren der Bestätigung. Das Problem besteht nicht darin, dass diese unterschiedlichen Erfahrungsräume existieren. Problematisch wird ihre Dissoziation, wenn ihre Rückmeldungen nicht mehr auf einen gemeinsamen Tätigkeits- und Abhängigkeitszusammenhang zurückgeführt werden können.

Der daraus entwickelte Begriff der Rückkopplungsdissoziation beschreibt deshalb möglicherweise genauer als „zu wenig Rückkopplung“ das gegenwärtige Problem: Es gibt zahlreiche Rückkopplungssysteme, aber sie verfügen über unterschiedliche Geschwindigkeit, Reichweite und institutionelle Macht.

Erkenntnis, Denken und die Kritik an der Verdinglichung

Die Diskussion um Erkenntnis führte ebenfalls zu mehreren Korrekturen. Ausgangspunkt war die Kritik an Definitionen, die Erkenntnis als „Widerspiegelung einer Außenwelt im Bewusstsein“ darstellen. Eine solche Formulierung setzt bereits mehrere Begriffe voraus, die eigentlich erst geprüft werden müssten: Außenwelt, Innenraum, Bewusstsein, Spiegelung, Subjekt und Objekt.

Die Forschungskunst verschiebt deshalb die Frage. Statt zuerst zu fragen, wie eine Außenwelt in ein Bewusstsein gelangt, wird gefragt: Wie entstehen aus Tätigkeits- und Abhängigkeitszusammenhängen menschliche Unterscheidungen und Beschreibungen, und wann werden diese Beschreibungen mit dem beschriebenen Wirkungszusammenhang verwechselt?

Dabei wurde eine wichtige wissenschaftliche Vorsicht eingebaut. Die Kritik an „Geist“ oder „Denken“ darf nicht behaupten, Denken existiere nicht. Der Vorgang des Denkens wird nicht bestritten. Bestritten beziehungsweise geprüft wird seine Verdinglichung zu einer selbständigen Substanz oder einem unabhängigen inneren Bereich.

Entsprechend wurde auch die Descartes-Kritik präzisiert. Das Cogito allein darf nicht einfach so dargestellt werden, als beweise es unmittelbar eine denkende Substanz. Der Forschungsgegenstand ist vielmehr die weitere Architektur, innerhalb der benannte Denkprozesse zu einem denkenden Träger und schließlich zu einer eigenständigen res cogitans verfestigt werden können.

Die forschungskünstlerische Gegenformulierung lautet sinngemäß: Nicht weil der Mensch denkt, existiert er, sondern weil er innerhalb einer vorausliegenden Wirklichkeit existiert, abhängig ist, tätig wird und Rückmeldungen erfährt, können diejenigen Vorgänge stattfinden, die er anschließend als Denken, Vorstellen oder Erkennen bezeichnet.

Diese Formulierung ist als philosophisch-künstlerische Umstellung zu behandeln, nicht als naturwissenschaftlicher Beweis.

Erkenntnis selbst wird damit zum Menschenkunstwerk: eine vorläufige menschliche Bestimmung, die aus Erfahrung, Beobachtung, Vergleich und begrifflicher Verdichtung hervorgeht. Der kritische Punkt liegt nicht darin, Erkenntnisse abzuwerten, sondern darin, Erkenntniswerke nicht mit Wirklichkeit selbst zu verwechseln.

Eigenschaft, Attribution und Zuerkennung

Die Untersuchung von „Eigenschaft“, „eigen“, „Eigentum“, „erkennen“ und „zuerkennen“ führte zu einer der zentralsten begrifflichen Verschiebungen des gesamten Chats.

Die gleiche Grammatik kann Aussagen unterschiedlicher Wirklichkeitsweise erzeugen. „Der Boden ist feucht“ und „Der Boden ist mein Eigentum“ haben eine ähnliche Satzstruktur. Dennoch ist Feuchtigkeit unter bestimmten Bedingungen eine mess- und beobachtbare Bestimmung, während Eigentum eine gesellschaftlich und rechtlich erzeugte Zuerkennung darstellt.

Diese Unterscheidung darf nicht in eine naive Gegenüberstellung von „wirklich“ und „unwirklich“ münden. Eigentum ist gesellschaftlich außerordentlich wirksam. Menschen handeln danach, Institutionen setzen es durch, Ressourcen werden verteilt, Menschen werden ein- oder ausgeschlossen. Aber diese Wirksamkeit macht Eigentum noch nicht zu einer chemischen, biologischen oder physikalischen Eigenschaft des Bodens.

Daraus entsteht die wichtige Membran zwischen feststellbarer Beschaffenheit und zugeschriebener Geltung.

Die Attribution wird dabei zum Operator zwischen ausgewähltem Gegenstand und Eigenschaft. Ein Ausschnitt wird erzeugt. Diesem Ausschnitt wird etwas zugeschrieben. Die Zuschreibung kann beschreibend, bewertend oder gesellschaftlich konstitutiv sein. Der gefährliche Schritt ist die Attributionsvergessenheit: Der Vorgang des Zuschreibens verschwindet, und die zugeschriebene Eigenschaft erscheint als selbständige Eigenschaft des Gegenstandes oder Menschen.

So kann aus „diese Tätigkeit schadet“ „dieser Mensch ist böse“ werden. Eine Bewertung von Tätigkeit und Konsequenz wird zu einer Wesenseigenschaft der Person.

Eine zentrale Kurzformel aus dieser Entwicklung lautet: Das Zuerkannte wird zum Eigenen.

Damit verbindet sich Eigenschaftsdenken mit Identität, Eigentum, Status und gesellschaftlicher Hierarchie. Der Gegenbegriff ist kein Verzicht auf Eigenschaften. Er ist ein stärkeres Beziehungsdenken: Wie verhält sich etwas innerhalb eines Wirkungszusammenhangs? Wovon hängt es ab? Unter welchen Bedingungen zeigt es welches Verhalten? Welche Folgen erzeugt eine bestimmte Zuschreibung?

Symbol und Wirkungswelt

Die Symbolfrage wurde zunächst von der Beobachtung bestimmt, dass Menschen in symbolischen Welten leben, deren gesellschaftliche Wirksamkeit leicht mit vorausliegender Wirklichkeit verwechselt werden kann. Im Verlauf der Forschung wurde diese Sicht differenziert.

Symbole sind nicht grundsätzlich Täuschungen. Sie können Erfahrungen speichern, Beziehungen organisieren, Wissen übertragen und gemeinsames Handeln ermöglichen. Sprache, Bilder, Regeln und Zeichen können deshalb als Erfahrungsspeicher verstanden werden.

Der kritische Vorgang beginnt, wenn der Symbolspeicher sich gegenüber den Erfahrungen verselbständigt, aus denen er hervorgegangen ist. Die Bewegungsrichtung kann sich dann umkehren. Nicht mehr Wirklichkeit – Erfahrung – Symbol – neue Prüfung, sondern Symbol – Wirklichkeitsdeutung – Tätigkeit – Konsequenz – Rechtfertigung – erneute Bestätigung des Symbols.

Daraus entstand die Unterscheidung zwischen Symbolwelt, Wirkungswelt und Tätigkeitswelt. Eine Symbolwelt wird zur Wirkungswelt, weil Menschen aufgrund ihrer Symbole tätig werden. Das Symbol selbst muss nicht materiell dieselbe Wirklichkeitsweise besitzen wie seine Folgen.

Hier wurde die Unterscheidung zwischen Verletzungswirklichkeit und einer symbolischen Unverletzlichkeits- beziehungsweise Als-ob-Welt entwickelt. Ein Eigentumsrecht, ein Status, eine Nation oder ein Geldwert blutet nicht, verdurstet nicht und verbrennt nicht. Menschen und andere Lebewesen können jedoch aufgrund von Handlungen, die durch diese Symbole organisiert werden, verletzt werden.

Die forschungskünstlerische These lautet deshalb nicht, E3 sei unwirklich. E3 ist eine wirksame menschliche Geltungswelt. Die Prüfung richtet sich darauf, wann diese Geltungsweise als materielle oder lebendige Eigenschaft missverstanden wird und wann ihre Folgen gegenüber den Bedingungen, von denen sie abhängt, keine ausreichende Korrekturmacht besitzen.

Sprach- und kulturgeschichtliche Gegenprüfung

Die Untersuchung von Griechisch, Latein, Deutsch, Englisch, Hebräisch, Arabisch und Sanskrit hatte innerhalb des Chats keine antiquarische Funktion. Sie sollte prüfen, ob heutige begriffliche Verschaltungen selbstverständlich oder historisch geworden sind.

Ein wichtiges Ergebnis lautet: Unterschiedliche Sprachen ordnen Zeichen, Maß, Eigenschaft, Besitz, Gegenüberstellung und Erfahrung unterschiedlich. Daraus folgt nicht, dass eine Sprache die Wirklichkeit „richtiger“ ausdrückt. Der Vergleich zeigt vielmehr den Werkcharakter der Begriffswelten.

Beim griechischen symbolon wurde auf die historisch belegte Bedeutung eines Erkennungszeichens oder zusammenpassenden Gegenstücks aufmerksam gemacht. Für die Forschungskunst wurde daraus kein etymologischer Wahrheitsbeweis, sondern ein strukturelles Gegenmodell entwickelt: Symbol kann als Beziehung verstanden werden, deren Passung prüfbar bleibt.

Bei symmetria wurde die moderne Gleichsetzung mit perfekter Spiegelgleichheit korrigiert. Historisch umfasst der griechische Begriff unter anderem gemeinsames Maß, Kommensurabilität und angemessene Proportion. Daraus entstand für die Forschungskunst die Figur der Passung unter Erhaltung der Differenz.

Im Lateinischen erwies sich proprietas als besonders interessant, weil das Wortfeld sowohl Eigenart beziehungsweise Qualität als auch Eigentum und Besitzrecht umfassen kann. Im Englischen bleibt diese Nähe in property erhalten: Das Wort kann sowohl Eigenschaft als auch Eigentum bezeichnen. Im Deutschen zeigt sich eine verwandte historische Nähe von „eigen“, „Eigenschaft“ und „Eigentum“.

Hebräische Wortfelder führten unter anderem zur Beobachtung, dass middah Maß und später auch Eigenschaft beziehungsweise Charakter bezeichnen kann. Im Arabischen liegen Zeichen, Beschreibung/Eigenschaft und Besitz stärker in unterschiedlichen Wortfeldern. Sanskrit bietet mit Begriffen wie lakṣaṇa, guṇa oder anubhava andere Verbindungen zwischen Zeichen, Eigenschaft, Faden/Verbindung, Erfahrung und Ergebnis.

Diese sprachlichen Befunde sind historisch beziehungsweise lexikografisch prüfbar. Die daraus entwickelte Interpretation als Material für das Menschenkunstwerk ist dagegen forschungskünstlerisch. Es wäre ein methodischer Fehler, aus der Etymologie eines Wortes eine notwendige Ontologie abzuleiten.

Der vergleichende Befund ist deshalb bescheidener und zugleich wichtiger: Die Aufteilung von Zeichen, Eigenschaft, Besitz, Maß, Erfahrung und Erkenntnis ist selbst historisch verschieden hergestellt worden.

Dualismus, Symmetrie und die verlorene Beziehung

Die Dualismusdiskussion begann zunächst relativ breit und wurde im weiteren Verlauf stark präzisiert. Eine wichtige Korrektur lautet: Dualität ist nicht Dualismus.

Eine Zweiheit oder eine methodische Zweiteilung kann produktiv sein. Dualisierung bezeichnet den Prozess, durch den eine Differenz zu zwei stabilen Polen organisiert wird. Dualismus bezeichnet eine weitergehende Deutung, in der die beiden Bereiche als grundlegende und weitgehend selbständige Prinzipien behandelt werden.

Damit konnte auch die frühere Tendenz korrigiert werden, sehr unterschiedliche Zweiheiten unter „Dualismus“ zusammenzufassen. Die von dir eingebrachten Qualitätsdiskussionen zum entsprechenden Wikipedia-Artikel waren gerade hierfür aufschlussreich: Schon dort wurde kritisiert, dass zu viele heterogene Phänomene allein deshalb unter einem Begriff zusammengeführt werden, weil sie irgendwie „zwei“ enthalten. Für die Forschungskunst wird daraus eine weitere Lektion über Klassifikation: Eine Kategorie kann zunächst Phänomene gruppieren und anschließend so erscheinen, als habe sie eine vorher vorhandene gemeinsame Eigenschaft entdeckt.

Die forschungskünstlerische These lautet deshalb präziser: Dualismus kann ein Produktionsverfahren hineingedachter Eigenschaften werden. Wenn zwei Pole als selbständig erscheinen sollen, werden ihnen Eigenschaften zugeordnet, die ihre Trennung stabilisieren: Geist immateriell, Materie ausgedehnt; Subjekt erkennend, Objekt erkannt; innen subjektiv, außen objektiv.

Der Fehler liegt nicht im Unterschied selbst. Er entsteht dort, wo eine Beziehung in autonome Dinge verwandelt wird.

Die Membran wird deshalb zum Gegenmodell der dualistischen Mauer. Sie unterscheidet und verbindet zugleich. Sie lässt Unterschied zu, ohne aus dem Unterschied Unabhängigkeit zu machen.

Die Modelle 50:50, 51:49 und 1:99 wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls korrigiert. 50:50 darf nicht als falsches naturwissenschaftliches Prinzip dargestellt werden. Exakte und annähernde Symmetrien sind wissenschaftlich legitime und wichtige Instrumente. Die forschungskünstlerische Kritik richtet sich gegen die Übertragung einer formalen, spiegelartigen Ausgewogenheit auf gesellschaftliche oder ontologische Verhältnisse, als garantiere formal gleiche Ordnung bereits gleiche Folgen.

51:49 ist kein Naturgesetz. Es ist ein künstlerischer Störoperator, der eine vollständig geschlossene Zweipoligkeit minimal verschiebt und dadurch Bewegung, Unterschied und Nachregelung sichtbar hält.

1:99 ist ebenfalls keine mathematisch notwendige Folge von 50:50. Es bezeichnet eine künstlerische Diagnose extremer gesellschaftlicher Asymmetrie. Die präzisere These lautet: Formal gleiche Regeln können sehr ungleiche Konsequenzen hervorbringen. Eine symbolisch behauptete Gleichordnung kann reale Einseitigkeiten verdecken.

Damit verbindet sich 50:50 nicht kausal, sondern kritisch mit 1:99: Die Symmetrie der Regeln garantiert keine Symmetrie ihrer Folgen.

Vier-Ebenen-Modell: vom Erklärungsmodell zum Prüfwerkzeug

Das Vier-Ebenen-Modell entstand aus dem Bedürfnis, unterschiedliche Wirklichkeitsweisen transparenter zu machen. Es darf aber nach der jüngsten Entwicklung nicht mehr als vorausgesetztes Erklärungssystem am Anfang stehen.

E1 bezeichnet physisch-materielle Bedingungen: Masse, Kraft, Wärme, chemische Reaktionen, Belastung, Widerstand und Bruch. E2 richtet sich auf lebendige Prozesse: Stoffwechsel, Verletzlichkeit, Regeneration, Abhängigkeit. E3 bezeichnet menschlich erzeugte symbolische und gesellschaftliche Geltungsformen: Sprache, Eigentum, Geld, Rolle, Status, Gesetz, Institution, Nation und verwandte Ordnungen. E4 bezeichnet keine vierte ontologische Welt, sondern das Verfahren der Prüfung, Rückkopplung, Revision und Reparatur.

Die wesentliche methodische Korrektur lautet heute: E1–E4 soll nicht das ABC des So-Heits-Ateliers sein.

Der Besucher soll nicht zuerst lernen, alles in vier Ebenen einzuordnen. Das könnte sofort wieder eine neue Begriffsskulptur erzeugen. Stattdessen soll er zunächst selbst Unterschiede erfahren. Wenn er bei einem Stück Boden entdeckt, dass Feuchtigkeit und Eigentum nicht dieselbe Art von Bestimmung darstellen, kann E1–E4 später helfen, diese Erfahrung genauer zu ordnen.

Das Vier-Ebenen-Modell ist deshalb heute als späteres differenzierendes Prüfwerkzeug zu verstehen.

Eine offene Frage bleibt dabei, wie stark die Grenzen zwischen E1 und E2 beziehungsweise zwischen E2 und E3 theoretisch fixiert werden sollen. Die bisherige Entwicklung spricht eher dagegen, daraus Schubladen zu machen. E1–E4 muss selbst plastisch bleiben und an Grenzfällen überprüft werden.

Vom Begriffssystem zum Begriffshandwerk

Die jüngste Entwicklung verschiebt den Zugang des So-Heits-Ateliers noch einmal grundlegend. Wenn ein Besucher E1–E4 zunächst nicht kennt, braucht er eine einfachere Einstiegsmethode. Daraus entstand die Vorstellung eines Begriffshandwerks.

Der Ausgangspunkt ist eine Analogie zur Schule. Menschen lernen Buchstaben, Wörter, Sätze und Grammatik. Sie lernen jedoch wesentlich seltener, wie Begriffe Wirklichkeit ausschneiden, ordnen und gesellschaftlich wirksam machen.

Das Begriffshandwerk soll deshalb kein neues Vokabular auswendig lernen lassen. Es behandelt Begriffe wie Werkzeuge und Werkstücke. Ein Mensch nimmt einen eigenen Begriff oder Satz – Freiheit, Eigentum, Erfolg, Heimat, Intelligenz, Geld, „Ich bin frei“, „Dieser Mensch ist böse“, „Mein Grundstück gehört mir“ – und untersucht, was er mit dieser Formulierung bereits hergestellt hat.

Die elementaren Operationen lauten: auswählen, unterscheiden, gegenüberstellen, benennen, zuschreiben, tätig werden, Folgen verfolgen, zweifeln und korrigieren.

Damit kehrt die Forschung zur plastischen Ausgangserfahrung zurück. Ein Begriff wird nicht theoretisch von außen analysiert. Er wird bearbeitet.

Die zentralen Fragen lauten: Was habe ich ausgewählt? Was stelle ich wem gegenüber? Welche Eigenschaft schreibe ich zu? Was habe ich festgestellt, was wurde gesellschaftlich zuerkannt, was bewertet und was angenommen? Welche Beziehung verschwindet? Was geschieht, wenn Menschen nach dieser Vorstellung handeln? Wo landen ihre Folgen? Welche Rückmeldung würde meine ursprüngliche Vorstellung verändern?

Damit entsteht eine Grundschule des Wirklichkeitslesens, allerdings ohne den Anspruch, „die Wirklichkeit richtig“ zu lehren. Gelehrt wird vielmehr, die eigenen Verfahren des Lesens, Schneidens, Benennens und Zuschreibens wahrzunehmen.

Prüfanker des Begriffshandwerks

Aus dieser Entwicklung entstand der neue Prüfanker des Begriffshandwerks. Seine Aufgabe besteht darin, die inzwischen verstreuten begrifflichen Operationen zu bündeln, ohne daraus ein weiteres geschlossenes Theoriegebäude zu machen.

Der Werkanker und der Prüfanker besitzen unterschiedliche Funktionen.

Der Werkanker beantwortet die Frage: Wie ist diese Forschung über Jahrzehnte aus plastischen Arbeiten, Materialien, Aktionen, Orten und Erfahrungen entstanden?

Der Prüfanker beantwortet: Welche elementaren Arbeitsoperationen lassen sich aus dieser Forschung herauslösen und anderen Menschen zur Verfügung stellen?

Das Vier-Ebenen-Modell beantwortet wiederum: Wie können innerhalb dieser Prüfungen unterschiedliche Wirklichkeits- und Geltungsweisen genauer differenziert werden?

Damit bilden Werkanker, Prüfanker und E1–E4 keine drei konkurrierenden Modelle, sondern drei unterschiedliche Perspektiven derselben Forschung.

Der Prüfanker ist zugleich der Ort, an dem Lochprozess, Membran, Gegenüberstellung, Eigenschaft, Attribution, Zweifel und Rückkopplung zusammengeführt werden. Seine elementare These lautet: Ein Loch entsteht nicht schon dadurch, dass Menschen auswählen oder unterscheiden. Es entsteht dort, wo der Ausschnitt seinen Ausschnittscharakter verliert und die ausgeschlossenen Beziehungen beziehungsweise Rückmeldungen nicht mehr zurückkehren können.

Der Prüfanker hält deshalb Begriffe plastisch.

Folien, Schablonen und Mitmachbuch

Folien und Schablonen erhalten innerhalb dieser Architektur einen deutlich bestimmbaren methodischen Ort.

Eine Folie erzeugt keine endgültige Erklärung. Sie überlagert eine vorhandene Darstellung und macht dadurch andere Beziehungen sichtbar. Sie ist eine bewegliche Gegenüberstellung. Auf die Figur eines scheinbar autonomen Menschen können beispielsweise Abhängigkeiten von Atmosphäre, Wasser, Wärme, Gravitation oder Stoffwechsel gelegt werden. Die Folie verändert die Sicht, ohne zu behaupten, sie liefere die vollständige Wirklichkeit.

Eine Schablone hat eine andere Funktion. Sie stellt eine wiederholbare Prüfoperation bereit. Dasselbe Fragemuster kann auf Eigentum, Freiheit, Erfolg, Arbeit, Natur oder Intelligenz angewendet werden. Die Schablone standardisiert also nicht die Antwort, sondern das Fragen.

Das Mitmachbuch verbindet Folien, Schablonen, Bilder, Fragen und kleine Versuchsanordnungen zu einer portablen Werkbank. Der Benutzer soll dadurch nicht bloß Teilnehmer oder Konsument des Werkes sein, sondern Mitprüfender seiner eigenen Begriffe und Tätigkeiten.

Damit erhält auch der Rote Punkt eine weiterentwickelte Funktion. Er ist nicht nur Zeichen der Beteiligung. Er kann markieren: Hier bleibt eine Frage offen. Hier möchte jemand weiterforschen.

So-Heits-Atelier als Schule ohne fertige Lehre

Aus Begriffshandwerk, Werkanker und künstlerischen Prüfobjekten entsteht zunehmend ein neues Verständnis des So-Heits-Ateliers als Schule.

Diese Schule beginnt nicht mit Lehrsätzen. Sie beginnt mit der eigenen Frage.

„Was beschäftigt dich wirklich?“

Die Frage kann aus Beruf, Alltag, Angst, Konflikt, Neugier, Arbeit, Besitz, Familie, Wissenschaft oder einem abstrakten Begriff hervorgehen. Es gibt keinen notwendigen fachlichen Einstieg.

Die eigene Frage wird zunächst sichtbar gemacht. Dadurch wird sie selbst zu einer Hervorbringung, die dem Fragenden gegenübergestellt werden kann. Anschließend wird untersucht, welche Voraussetzungen bereits in ihr enthalten sind.

Damit verändert sich auch die klassische pädagogische Situation. Der Lehrende besitzt nicht die richtige Antwort. Er organisiert den Prüfprozess.

Hier besteht eine interessante Parallele zum sokratischen Fragen. Die populäre Erzählung von den „drei Sieben des Sokrates“ ist historisch nicht zuverlässig als authentische sokratische Überlieferung gesichert. Die tragfähigere Parallele liegt im sokratischen elenchos: Behauptungen werden durch Fragen, Beispiele und Widersprüche geprüft; häufig bleibt am Ende eine aporia, also ein produktives Nichtwissen.

Die Forschungskunst erweitert dieses Verfahren um einen entscheidenden Schritt. Sie fragt nicht nur: Kannst du begründen, was du sagst? Sie fragt zusätzlich: Was geschieht, wenn du danach handelst?

Damit treten Material, Körper, Abhängigkeit, Tätigkeit und Konsequenz in die Begriffsprüfung ein.

Tausend Tische: von der individuellen Frage zur gemeinsamen Wirklichkeit

Die Tausend Tische erhalten innerhalb dieser neuen Schulstruktur eine klarere Funktion. Sie sollen nicht primär tausend Berufsgruppen repräsentieren und auch nicht tausend Meinungen sammeln. Jeder Tisch kann mit einer realen menschlichen Frage beginnen.

Ein Kind fragt nach Arbeit. Ein Unternehmer nach Wachstum. Ein Landwirt nach Boden. Ein Arzt nach Gesundheit. Ein Wissenschaftler nach der Tragfähigkeit eines Modells. Ein Arbeitsloser nach Leistung. Ein Künstler nach Vorstellung und Plastik. Ein anderer Mensch nach Angst, Freiheit oder Heimat.

Die Person wird damit nicht auf eine Persona reduziert. Ein Arzt ist zugleich Patient, Angehöriger, Mieter, Käufer, Bürger und verletzlicher Mensch. Gerade diese Mehrfachzugehörigkeit verhindert, dass die Tische zu neuen Fachschubladen werden.

Die Tausend Tische bilden deshalb unterschiedliche Ausschnitte einer gemeinsamen Tätigkeits- und Abhängigkeitswirklichkeit.

Das gemeinsame Verfahren besteht nicht darin, eine gemeinsame Meinung herzustellen, sondern die jeweils verwendeten Begriffe, Ausschnitte und Konsequenzen wieder miteinander in Beziehung zu bringen.

Hier erhält die frühere Idee der Kollektiven Kreativität eine neue methodische Schärfe. Gemeinsinn bedeutet nicht Gleichdenken. Er bezeichnet die Fähigkeit, Differenz rückkopplungsfähig zu halten.

KI: Werkzeug und Prüfobjekt

Die KI wird in dieser Architektur sowohl Werkzeug als auch Untersuchungsgegenstand.

Als Werkzeug kann sie eine eigene Frage auffächern, Begriffsvoraussetzungen markieren, alternative Gegenüberstellungen erzeugen und Perspektiven aus unterschiedlichen Lebens- oder Fachbereichen einbringen. Ihre Rolle darf jedoch nicht darin bestehen, jedes Nichtwissen sofort mit einer sprachlich überzeugenden Antwort zu schließen. Sonst würde sie genau jenen Lochprozess beschleunigen, den die Forschung untersucht: Ein offener Bereich wird durch sprachliche Form gefüllt, die anschließend wie Wissen erscheint.

Der Grundauftrag an die KI lautet deshalb sinngemäß: Beantworte meine Frage zunächst nicht. Untersuche, welche Auswahl, Unterscheidung, Gegenüberstellung, Eigenschaftszuschreibung und Voraussetzung bereits darin enthalten sind. Unterscheide Beobachtung, Messung, gesellschaftliche Zuerkennung, Bewertung und Vermutung. Frage anschließend nach Tätigkeit, Konsequenz und möglicher Korrektur.

Damit wird die KI zu einem variablen Gegenüber innerhalb des plastischen Prüfprozesses.

Gleichzeitig muss sie selbst geprüft werden. KI erhöht in bislang kaum gekanntem Umfang die Geschwindigkeit menschlicher Symbolproduktion. Daraus ergibt sich die Frage, ob die Geschwindigkeit der Rückkopplung, Widerlegung und Korrektur mit der Geschwindigkeit der Repräsentation wächst.

Diese Frage verbindet KI unmittelbar mit dem Zivilisationsloch.

Globale Schwarm-Intelligenz

Die Globale Schwarm-Intelligenz ergibt sich aus dieser Entwicklung nicht als kollektive Superintelligenz und nicht als Mehrheitsentscheidungsmaschine. Sie ist als überörtliche Rückkopplungs- und Verbindungsstruktur gedacht.

Die Ergebnisse unterschiedlicher Tische, Fragen und Prüfungen können miteinander in Beziehung gebracht werden. Die KI kann Gemeinsamkeiten, Widersprüche und wiederkehrende Begriffsprobleme sichtbar machen. Ein einzelner Tisch arbeitet an Freiheit, ein anderer an Eigentum, ein dritter an Wasser, ein vierter an Arbeit. Die Plattform kann zeigen, wo ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen sich berühren.

Dadurch könnte ein Kristallisationskern der Rückkopplungen entstehen.

Der entscheidende Maßstab wäre nicht Zustimmung, sondern die Qualität der Verbindung zwischen Behauptung, Tätigkeit, Konsequenz und Korrektur.

Wissenschaft und das Problem der Fachlöcher

Die Diskussion um Wissenschaft hat sich ebenfalls differenziert. Die Forschungskunst richtet sich nicht gegen Spezialisierung. Spezialdisziplinen sind für Präzision unverzichtbar. Das Problem entsteht dort, wo die Grenzen der Fachzuständigkeiten mit den Grenzen des untersuchten Wirkungszusammenhangs verwechselt werden.

Die vorausliegende Wirklichkeit ist nicht diszipliniert. Die Disziplinierung geschieht im menschlichen Zugriff.

Eine Wissenschaft kann hervorragendes Wissen über einen Ausschnitt produzieren. Eine andere untersucht einen angrenzenden Ausschnitt. Eine dritte die gesellschaftlichen Folgen. Das Zivilisationsproblem entsteht, wenn es keine ebenso starke gemeinsame Struktur gibt, in der diese getrennten Ergebnisse auf die vollständigen Tätigkeits- und Abhängigkeitsfolgen zurückgeführt werden.

Der Generalist erhält darin eine besondere, aber begrenzte Funktion. Er weiß nicht alles. Seine Aufgabe besteht darin, die Frage nach dem Gesamtzusammenhang nicht allein deshalb aufzugeben, weil niemand alle Fachkenntnisse besitzen kann.

Kunst soll dabei keine Superwissenschaft werden. Ihre besondere Möglichkeit liegt darin, unterschiedliche Material-, Bild-, Sprach-, Körper-, Zeit- und Erfahrungsbereiche in einer gemeinsamen Versuchsanordnung zusammenzubringen, ohne sie vollständig in eine Fachsprache übersetzen zu müssen.

Das So-Heits-Atelier wäre damit keine Konkurrenz zu den Wissenschaften, sondern eine gemeinsame Werkbank zwischen Zuständigkeiten.

So-Heits-Gesellschaft: von der Utopie zur Fähigkeit

Auch die Vorstellung einer So-Heits-Gesellschaft wurde im Verlauf der Forschung verändert. Sie soll keine fertige richtige Gesellschaft bezeichnen. Eine solche Vorstellung würde leicht selbst zur Begriffsskulptur.

So-Heits-Gesellschaft bezeichnet zunehmend eine Fähigkeit: Können Menschen ihre eigenen Institutionen, Rollen, Eigentumsordnungen, Technologien und Lebensformen als veränderbare Hervorbringungen behandeln? Können Tätigkeitsfolgen auf die Formen zurückwirken, die sie verursacht haben? Kann eine Gesellschaft Fehler anerkennen, ohne dass ihre gesamte Identität zusammenbricht?

Damit wird Zivilisationsfähigkeit zum übergeordneten Zielbegriff.

Zivilisationsfähigkeit bedeutet nicht primär höheren technischen Entwicklungsstand oder größeren Wissensumfang. Sie bezeichnet die Fähigkeit einer Gesellschaft, die Folgen ihrer eigenen Hervorbringungen wahrzunehmen und die verursachenden Hervorbringungen rechtzeitig zu korrigieren.

Die forschungskünstlerische Kurzform lautet: Nicht wie viel eine Zivilisation weiß, entscheidet über ihre Zivilisationsfähigkeit, sondern ob ihr Wissen rechtzeitig in Korrektur überführt werden kann.

Das So-Heits-Atelier als Gesamtarchitektur

Aus allen bisherigen Entwicklungen ergibt sich inzwischen eine erkennbare Gesamtarchitektur.

Am Grund liegt keine Theorie, sondern eine Frage innerhalb der vorausliegenden Plexuswirklichkeit: Der Mensch ist tätig, abhängig und erzeugt Folgen.

Der Werkanker zeigt, wie aus einer jahrzehntelangen plastischen Praxis Versuchsanordnungen entstanden sind, in denen Vorstellung, Widerstand, Material, Tätigkeit und Rückmeldung untersucht werden.

Aus dieser Praxis entstehen Begriffe, zunächst als Arbeitshypothesen: Lochprozess, Membran, Menschenkunstwerk, Verletzungswirklichkeit, Symbolwelt, Plexuswirklichkeit.

Das Begriffshandwerk zieht die Forschungsbewegung noch weiter an den Anfang zurück. Es fragt bereits bei Auswahl, Unterscheidung, Gegenüberstellung, Benennung und Zuschreibung danach, wie menschliche Wirklichkeitsformen hergestellt werden.

Der Prüfanker des Begriffshandwerks bündelt diese elementaren Operationen zu einer allgemein benutzbaren Methode.

E1–E4 hilft später, innerhalb der Prüfung unterschiedliche materielle, lebendige und symbolisch-gesellschaftliche Wirklichkeits- und Geltungsweisen auseinanderzuhalten und ihre Rückkopplung zu untersuchen.

Künstlerische Plastiken, Objekte und Versuchsanordnungen liefern Widerstand und konkrete Gegenüber.

Folien öffnen andere Ausschnitte.

Schablonen machen Prüfbewegungen wiederholbar.

Das Mitmachbuch macht sie transportabel.

Die Tausend Tische bringen unterschiedliche menschliche Fragen miteinander in Beziehung.

KI erzeugt zusätzliche Gegenüberstellungen und wird selbst zum Prüfgegenstand.

Die Globale Schwarm-Intelligenz verbindet getrennte Prüfprozesse über Orte und Zeiten hinweg.

Archiv und Biografie ermöglichen die zeitliche Gegenprüfung und verhindern, dass heutige Begriffe ihre Entstehungsgeschichte verlieren.

Verortungskunst prüft zusätzlich Ort, Zeitpunkt, Institution und gesellschaftlichen Zusammenhang.

Das So-Heits-Atelier führt diese Bestandteile zu einer öffentlichen plastischen Forschungs- und Lernarchitektur zusammen.

Seine Zielprojektion ist nicht eine fertige Weltanschauung, sondern die Erhöhung menschlicher und gesellschaftlicher Korrekturfähigkeit.

Begriffliche Doppelungen und mögliche Vereinfachungen

Gerade weil die Forschung inzwischen viele Begriffe hervorgebracht hat, muss sie ihre eigene Begriffsproduktion mitprüfen. An mehreren Stellen ist eine Vereinfachung sinnvoll.

„Begriffsarchitektur“ und „Begriffshandwerk“ sollten nicht als zwei konkurrierende Methoden geführt werden. Begriffsarchitektur kann das entstandene Gefüge bezeichnen; Begriffshandwerk bezeichnet die Tätigkeit, mit der an diesem Gefüge gearbeitet wird.

Die Vielzahl der Lochbegriffe sollte möglicherweise auf wenige Grundprozesse zurückgeführt werden. Besonders tragfähig erscheinen derzeit drei Grundformen: das Selektionsloch, bei dem Ausschnitt und Zusammenhang auseinanderfallen; das Attributionsloch, bei dem Zuschreibung und zugeschriebene Eigenschaft verwechselt werden; und das Rückkopplungsloch, bei dem Folgen die verursachende Vorstellung nicht mehr korrigieren können. Erkenntnisloch, Wissenschaftsloch, Geschichtsloch und Zivilisationsloch könnten dann als besondere Erscheinungsformen beziehungsweise Skalierungen dieser Grundprozesse beschrieben werden. Ob dafür tatsächlich die neuen Namen „Selektionsloch“ und „Attributionsloch“ gebraucht werden, sollte allerdings offenbleiben; möglicherweise genügt die Beschreibung des Vorgangs, um unnötige Begriffsinflation zu vermeiden.

Auch „Symbolwelt“, „Unverletzlichkeitswelt“, „Als-ob-Welt“, „Wirkungswelt“ und „Tätigkeitswelt“ benötigen weitere Klärung. Zu viele parallele Begriffe könnten den Vorgang verdunkeln, den sie transparent machen sollen. Zentral bleiben sollte die Unterscheidung zwischen gesellschaftlich erzeugter Geltung und den materiell-lebendigen Bedingungen beziehungsweise Konsequenzen des Handelns.

„Plexuswirklichkeit“ besitzt inzwischen eine tragende Funktion, muss aber ausdrücklich Arbeitsbegriff bleiben. Er darf nicht selbst zu einer neuen metaphysischen Gesamtbezeichnung werden, die behauptet, die Wirklichkeit abschließend zu erfassen.

Dasselbe gilt für E1–E4. Das Modell muss an seinen eigenen Grenzfällen überprüfbar bleiben.

„Plastik“ und „Skulpturalisierung“ sind für die Forschung dagegen zentral, solange eindeutig kenntlich bleibt, dass die Unterscheidung aus deiner plastischen Arbeitsweise hervorgeht und in der Forschung zusätzlich methodisch erweitert wird.

51:49 und 1:99 sollten klar als künstlerische Prüf- und Diagnosefiguren gekennzeichnet bleiben. Ihre Stärke liegt gerade darin, dass sie keine naturwissenschaftlichen Gesetze sein müssen.

Symbolon und symmetria sollten weiterhin als historische Resonanz- und Gegenmodelle verwendet werden, nicht als Behauptung, die Griechen hätten bereits die Forschungskunst gekannt oder eine ursprüngliche richtige Begriffswelt besessen.

Die kulturvergleichenden Sprachuntersuchungen sollten ebenfalls nicht als lineare Entwicklung von einer „richtigen“ alten Sprache zu einer „falschen“ modernen Sprache erzählt werden. Ihre Funktion ist der Nachweis, dass begriffliche Ordnungen geschichtlich variieren und deshalb selbst zum Gegenstand der Forschung gemacht werden können.

Noch offene Verbindungen

Eine zentrale offene Aufgabe liegt in der genaueren Verbindung des Werkankers mit dem Prüfanker. Für jede zentrale plastische Arbeit wäre systematisch zu zeigen, welche Operation des Begriffshandwerks dort bereits praktisch vorkommt. Dadurch könnte verhindert werden, dass das Begriffshandwerk wie eine nachträglich entwickelte Theorie über die Werke gelegt erscheint.

Eine zweite offene Aufgabe betrifft die Dramaturgie des So-Heits-Ateliers. Die Bestandteile sind inzwischen relativ klar, aber der Weg eines Besuchers durch diese Bestandteile muss noch genauer erprobt werden. Beginnt er mit einer eigenen Frage, einem Objekt, einer Folie oder einer überraschenden Gegenüberstellung? Wann erscheint die KI? Wann E1–E4? Wann werden andere Tische einbezogen? Wann endet eine Prüfung, und wie wird ihr offener Rest dokumentiert?

Eine dritte offene Frage betrifft das Verhältnis von persönlichem Bedürfnis und gesellschaftlicher Forschung. Die Tausend Tische können bei Beruf, Interesse, Konflikt, Angst, Wunsch oder Motivation beginnen. Noch genauer zu entwickeln ist, wie aus einer sehr persönlichen Frage eine Untersuchung gesellschaftlicher Tätigkeits- und Abhängigkeitszusammenhänge werden kann, ohne die persönliche Erfahrung zu instrumentalisieren.

Eine vierte Aufgabe betrifft die Rückkopplungsrechte. Bisher wurde stark gefragt, ob Folgen zurückwirken können. Weiter zu untersuchen ist, wer oder was gesellschaftlich tatsächlich die Macht besitzt, eine Ordnung aufgrund dieser Folgen zu verändern. Das könnte eine wichtige Präzisierung des Zivilisationsloches darstellen: Nicht nur Rückmeldungen sind ungleich verteilt, sondern auch die Rechte und Möglichkeiten, aus ihnen Konsequenzen zu ziehen.

Eine fünfte Aufgabe betrifft die Selbstprüfung der Forschungskunst. Wenn das So-Heits-Atelier verlangt, dass menschliche Begriffe plastisch und korrigierbar bleiben, muss dasselbe für seine eigenen Begriffe gelten. Jeder zentrale Begriff braucht deshalb eine eingebaute Möglichkeit seiner Revision. Der Zweifel darf nicht nur auf andere Weltbilder angewendet werden.

Gesamtformel der entstandenen Forschung

Die bisherige Entwicklung lässt sich schließlich in einer zusammenhängenden Bewegung darstellen.

Der Mensch lebt innerhalb einer vorausliegenden Wirklichkeit, von deren Bedingungen er abhängig ist. Um handeln zu können, muss er auswählen und unterscheiden. Er stellt Unterschiede gegenüber, benennt Ausschnitte und schreibt ihnen Eigenschaften zu. Aus diesen Hervorbringungen entstehen Begriffe, Symbole, Rollen, Modelle und Institutionen. Diese menschlichen Werke können Tätigkeiten organisieren und dadurch außerordentlich reale Folgen erzeugen. Problematisch wird der Vorgang dort, wo der Herstellungscharakter der menschlichen Formen vergessen wird, Beziehungen aus dem Ausschnitt verschwinden und die Folgen der daraus hervorgehenden Tätigkeiten nicht mehr auf die ursprünglichen Vorstellungen und Ordnungen zurückwirken können. Aus notwendigen Erkenntnis- und Gestaltungsoperationen entstehen dann Lochprozesse und in gesellschaftlicher Skalierung Zivilisationslöcher.

Die Forschungskunst versucht deshalb nicht, dem Menschen eine neue richtige Wirklichkeit zu erklären. Sie entwickelt plastische Verfahren, durch die der Mensch seine eigenen Hervorbringungen wieder einem Gegenüber aussetzen kann. Material, andere Menschen, Geschichte, Tätigkeitsfolgen, wissenschaftliches Wissen, künstlerische Versuchsanordnungen und künstliche Intelligenz können dabei unterschiedliche Formen der Gegenprüfung bereitstellen. Der Zweifel hält die Grenze zwischen Vorstellung und vorausliegendem Wirkungszusammenhang als Membran offen.

Der Werkanker dokumentiert die Herkunft dieser Arbeitsweise. Der Prüfanker des Begriffshandwerks macht ihre elementaren Operationen zugänglich. Das Vier-Ebenen-Modell differenziert innerhalb der Prüfung verschiedene Wirklichkeits- und Geltungsweisen. Die künstlerischen Plastiken geben den Begriffen Widerstand. Folien und Schablonen machen Beziehungen und Prüfbewegungen sichtbar. Mitmachbuch und Tausend Tische übertragen die individuelle Prüfung in einen gesellschaftlichen Lernprozess. KI erweitert die Möglichkeiten der Gegenüberstellung und muss gleichzeitig selbst auf ihre symbolische Überproduktionskraft geprüft werden. Die Globale Schwarm-Intelligenz soll getrennte Fragen und Rückmeldungen miteinander verbinden. Archiv und Verortungskunst halten Zeit, Entstehung, Scheitern und institutionellen Zusammenhang sichtbar. Das So-Heits-Atelier führt diese Teile in einer öffentlichen plastischen Prüfarchitektur zusammen.

Die Zielprojektion lautet damit nicht, eine endgültig richtige Gesellschaft zu entwerfen. Sie besteht darin, Zivilisationsfähigkeit als Korrekturfähigkeit gegenüber den Folgen der eigenen Hervorbringungen auszubilden.

In der knappsten Form lässt sich die Entwicklung deshalb so zusammenfassen:

Der Mensch muss unterscheiden, um lernen und handeln zu können. Er muss Vorstellungen hervorbringen, um gestalten zu können. Er muss Begriffe und Symbole erzeugen, um Erfahrungen zu speichern und gemeinsam tätig werden zu können. Das Zivilisationsproblem beginnt nicht mit diesen Hervorbringungen, sondern dort, wo ihre menschliche Herstellung vergessen wird und ihre Tätigkeitsfolgen sie nicht mehr korrigieren können. Forschungskunst versucht, diese verlorene Rückkopplung plastisch wieder zu öffnen.

Das So-Heits-Atelier wäre in diesem Sinn keine Ausstellung einer fertigen Forschung und keine Schule einer neuen Weltanschauung. Es wäre eine öffentliche Werkstatt, in der Menschen lernen können, ihre Fragen, Begriffe, Überzeugungen, Rollen, Institutionen und Tätigkeiten als eigene, veränderbare Hervorbringungen zu untersuchen und sie den Folgen auszusetzen, die sie innerhalb der gemeinsamen Tätigkeits- und Abhängigkeitswirklichkeit erzeugen.

Diese Rekonstruktion zeigt zugleich, dass der nächste notwendige Arbeitsschritt weniger die Erfindung weiterer Grundbegriffe als eine Reduktion und Zuordnung ist: Welche wenigen Grundoperationen tragen tatsächlich alles, und welche bisherigen Begriffe können als Unterformen, Beispiele oder Werkzeuge darunter eingeordnet werden?