25.8.2026

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Mi., 5. Aug. um 20:25

Welche Bilder oder auf Folien würdest du dem Mitmachbuch, ist ja identisch mit dem interaktiven Buch, zugrunde legen, damit man die Gesamtproblematik, die ich ja versuche hier zu erarbeiten, in den jeweiligen Ankern verstehbar zu machen. Oder mit welchen Bildern müsste ich anfangen, um einen Weg zu schaffen zu den Mitmachbüchern?

Das Mitmachbuch als Weg, nicht als Werkverzeichnis

Das Mitmachbuch sollte nicht mit einer Übersicht Ihres Lebenswerks beginnen. Eine solche Fülle würde den Besucher zunächst mit Namen, Begriffen, Objekten und historischen Zusammenhängen überfordern. Es braucht vielmehr eine Bildfolge, in der sich die Gesamtproblematik schrittweise erschließt: vom einfachen Gegenstand über seine gesellschaftliche Umdeutung bis zur Frage, warum der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen beschädigt und dennoch an seinen Konstruktionen festhält.

Jedes Bild sollte deshalb nicht nur etwas darstellen, sondern als Prüfbild funktionieren. Der Besucher soll daran unterscheiden können: Was ist tatsächlich vorhanden? Was wurde hineingedacht? Was funktioniert? Was wird nur behauptet? Was müsste verändert werden?

Der Einstieg: die Kartoffel als einfachster Anker

Ich würde mit einer einzelnen Kartoffel beginnen. Sie liegt möglichst groß und sachlich fotografiert auf einer neutralen Fläche. Keine Erklärung, kein Kunsttitel, keine theoretische Einleitung. Nur die Frage:

Was ist das?

Diese scheinbar einfache Frage eröffnet bereits die gesamte Problematik. Die Kartoffel kann als Körper, Nahrung, Lebewesen, Saatgut, Handelsware, Eigentum, Symbol oder Kunstgegenstand betrachtet werden. Sie besitzt materielle Eigenschaften, wird aber zugleich mit gesellschaftlichen Bedeutungen, Preisen, Erwartungen und Verwertungsinteressen versehen.

Auf der nächsten Folie erscheint dieselbe Kartoffel in verschiedenen Zusammenhängen: in der Erde, auf einer Waage, mit einem Preisetikett, auf einem Teller und vielleicht vergoldet oder in einer Vitrine. Dadurch wird sichtbar, dass nicht das Ding selbst wechselt, sondern die menschliche Einordnung.

Damit ist der erste Zugang zu Ihren vier Ebenen bereits geschaffen:

E1: Was ist materiell vorhanden?

E2: Was lebt, wächst, verbraucht sich oder regeneriert sich?

E3: Welche Bedeutung, welchen Preis oder welchen Status schreiben wir dem Gegenstand zu?

E4: Wie können wir diese Zuschreibungen und ihre Folgen prüfen?

Die Kartoffel ist deshalb der geeignete Anfang, weil niemand theoretisches Vorwissen benötigt.

Die zweite Bildfolge: die 24-Stunden-Uhr des Planeten

Nach dem einfachen Gegenstand sollte die Größenordnung verändert werden. Nun folgt die 24-Stunden-Uhr des Planeten Erde.

Die Erdgeschichte wird als vollständiger Tag gezeigt. Der Mensch erscheint erst unmittelbar vor Mitternacht. Die Geschichte der Zivilisation, der Industrialisierung und der gegenwärtigen Beschleunigung wird als kaum noch sichtbarer Bruchteil der letzten Sekunde markiert.

Das Bild sollte nicht zu viele Zahlen enthalten. Entscheidend ist die optische Erfahrung: Ein nahezu vollständiger Tag liegt vor dem Menschen, während seine gesamte gegenwärtige Weltordnung in einem winzigen letzten Abschnitt entsteht.

Die Leitfrage lautet:

Mit welchem Recht erklärt der Millisekunden-Mensch seine kurzfristigen Regeln für wichtiger als die Bedingungen, aus denen er hervorgegangen ist?

Hier wird die Kartoffel rückwirkend planetarisch lesbar. Sie ist nicht nur Ware oder Nahrung, sondern Ergebnis einer sehr langen Entwicklung, die der Mensch weder erfunden noch hergestellt hat.

Das dritte Leitbild: der Mensch im offenen Feuerkäfig

Erst danach würde ich das komplexe Bild des Menschen im Astronautenanzug einsetzen.

Zu sehen ist der Käfig mit Gitterstäben, Feuer und offener Tür. Im Käfig befindet sich der Mensch im Astronautenanzug, jedoch ohne Verbindung zu den lebenserhaltenden Versorgungssystemen. Die Tür steht offen, aber er verlässt den Käfig nicht. Der Käfig kann teilweise vergoldet sein oder als „goldene Freiheit“ erscheinen.

Dieses Bild verdichtet Ihre gesamte Zivilisationsdiagnose:

Der Mensch lebt in einer von ihm selbst geschaffenen Ordnung. Diese Ordnung bedroht seine Lebensbedingungen. Gleichzeitig deutet er sie als Freiheit, Fortschritt, Sicherheit oder Identität. Der Astronautenanzug schützt ihn nicht wirklich, sondern ermöglicht ihm, die Rolle eines geschützten und unabhängigen Wesens aufrechtzuerhalten.

Die Frage des Mitmachbuches lautet hier nicht nur:

Warum geht der Mensch nicht hinaus?

Sie muss erweitert werden:

Welche Vorstellungen, Rollen, Eigentumsordnungen und Überzeugungen halten ihn im Käfig, obwohl die Tür offensteht?

Dieses Bild sollte zu einem wiederkehrenden Hauptanker des gesamten Buches werden. Nach jedem größeren Abschnitt kann es erneut erscheinen, wobei jeweils andere Bestandteile hervorgehoben werden: der Käfig, das Feuer, der Anzug, die offene Tür, die Vergoldung oder die fehlenden Versorgungsschläuche.

Das vierte Bild: der Körper und seine Voraussetzungen

Anschließend sollte der Mensch nicht als abstraktes Subjekt, sondern als Organismus gezeigt werden. Denkbar wäre eine Gegenüberstellung zwischen einem menschlichen Körper und den Bedingungen, von denen er tatsächlich abhängig ist: Wasser, Luft, Nahrung, Temperatur, Boden, Mikroorganismen, Pflanzen und andere Lebewesen.

Daneben steht die gesellschaftliche Selbstbeschreibung des Menschen: Beruf, Besitz, Staatsangehörigkeit, sozialer Status, Kaufkraft, Rolle und Meinung.

Das Bild macht den Unterschied zwischen plastischem Ich und Skulpturidentität verständlich. Das plastische Ich ist verletzlich, stoffwechselabhängig und veränderlich. Die Skulpturidentität besteht aus festgestellten Rollen und Zuschreibungen, die so behandelt werden, als seien sie die eigentliche Person.

Die Prüfungsfrage lautet:

Welche Identität trägt den Menschen wirklich, und welche Identität wird lediglich dargestellt?

Das fünfte Bild: der Stuhl als Tragprüfung

Ein einfacher Stuhl ist ein weiterer geeigneter Anker. Zunächst wird er als Gegenstand gezeigt, der ein bestimmtes Gewicht tragen muss. Ein beschädigter Stuhl kann seine Funktion nicht durch eine überzeugende Erklärung ersetzen. Er trägt oder er trägt nicht.

Danach wird derselbe Stuhl als Thron, Eigentum, Arbeitsplatz, Kunstwerk, Statussymbol oder reservierter Platz gezeigt. So wird der Unterschied zwischen materieller Funktion und gesellschaftlicher Geltung sichtbar.

Der Stuhl führt zu Ihrem handwerklichen Maßstab:

Funktioniert eine Form unter den Bedingungen, für die sie geschaffen wurde, oder funktioniert sie nicht?

Dieser Maßstab kann anschließend auf Institutionen, Wirtschaftsordnungen, Überzeugungen und politische Systeme übertragen werden. Das Mitmachbuch zeigt damit, dass Ihre Forschungskunst gesellschaftliche Behauptungen nicht nur interpretiert, sondern auf ihre Tragfähigkeit untersucht.

Das sechste Bild: 51 zu 49 als Kipppunkt

Das Verhältnis 51 zu 49 sollte nicht als mathematische Formel beginnen, sondern als anschauliches Bild. Eine Waage, ein schief stehender Tisch, ein Strömungsbecken oder ein Körper unmittelbar vor dem Umkippen können den Ausgangspunkt bilden.

Zunächst ist nur eine minimale Abweichung sichtbar. Danach wird gezeigt, wie aus einer kleinen Asymmetrie eine Verstärkung entsteht. In einer weiteren Darstellung wird daraus die Drift von 51 zu 49 über eine vermeintliche 50-zu-50-Ordnung bis zu einem Verhältnis von 1 zu 99.

Die Leitfrage lautet:

Wann wird aus einem notwendigen Unterschied ein Machtgefälle, das seine eigenen Voraussetzungen zerstört?

Hier können Ihre Wellenbecken und Strömungsobjekte eine wichtige Rolle übernehmen, weil sie den Unterschied zwischen Gleichgewicht, Bewegung, Widerstand und Kipppunkt körperlich sichtbar machen.

Das siebte Bild: die vergoldete Idee

Die Vergoldung sollte als eigenständiger Bildanker erscheinen. Ein einfacher Gegenstand – eine Kartoffel, ein Stuhl, ein Stein oder eine Schultafel – wird teilweise oder vollständig vergoldet.

Das Gold verändert nicht die Tragfähigkeit oder die biologische Wirklichkeit des Gegenstandes. Es verändert jedoch seine gesellschaftliche Bewertung. Die Vergoldung steht damit für die hineingedachte Eigenschaft, für Wert, Prestige und die Verwechslung von Geltung mit Wirklichkeit.

Die Frage lautet:

Was wurde tatsächlich verändert, und was wird nur anders bewertet?

Von hier aus lässt sich die Eigentumsproblematik erschließen. Eigentum erscheint nicht als natürliche Eigenschaft des Gegenstandes, sondern als gesellschaftlich wirksame Zuschreibung.

Das achte Bild: die Schultafel als öffentliches Prüfungsfeld

Die Schultafel sollte im Mitmachbuch nicht nur als dokumentiertes Werk erscheinen, sondern als offene Arbeitsfläche. Auf ihr steht zunächst eine Behauptung, beispielsweise:

Der Mensch ist frei.

Wachstum schafft Wohlstand.

Eigentum ist eine Eigenschaft der Dinge.

Technik löst die Probleme, die Technik verursacht.

Die Besucher sollen diese Behauptungen nicht lediglich mit Zustimmung oder Ablehnung beantworten. Sie müssen untersuchen, unter welchen Bedingungen die Aussage trägt, für wen sie gilt, welche Voraussetzungen sie benötigt und welche Folgen sie erzeugt.

Die Schultafel wird dadurch zur Verbindung zwischen Ihrer historischen Arbeit und dem interaktiven Buch. Sie ist kein belehrendes Medium, sondern eine öffentlich sichtbare Untersuchungsfläche.

Das neunte Bild: der rote Punkt und die Selbstverortung

Der rote Punkt sollte als wiederkehrendes Zeichen durch das gesamte Mitmachbuch führen. Der Besucher setzt ihn nicht nur als Zustimmung, sondern als Positionsanker.

Er kann markieren:

Wo stehe ich?

Welche Rolle nehme ich ein?

Woran bin ich beteiligt?

Was möchte ich genauer untersuchen?

Wo bin ich bereit, meine Überzeugung zu verändern?

Auf einer großen Übersicht können sich die roten Punkte verschiedener Besucher verdichten. Dadurch entsteht kein Meinungsbild im Sinne einer Abstimmung, sondern eine Landkarte der Interessen, Unsicherheiten, Konflikte und möglichen Zusammenarbeit.

Der rote Punkt verbindet das einzelne Buch mit der Plattform der Globalen Schwarm-Intelligenz.

Das zehnte Bild: das Atelier als Memento mori

Erst in einem späteren Teil sollte das gesamte Lebenswerk als Atelier-Topografie sichtbar werden. Das nicht betretbare Atelier enthält Objekte, Schultafeln, Bücher, Fotografien, Modelle, Briefe, Ablehnungen, Rechnungen, Bewerbungen, Werkspuren und unvollendete Vorhaben.

Dieses Bild sagt nicht: „Hier ist das abgeschlossene Werk eines Künstlers.“ Es zeigt vielmehr:

Hier liegt ein über Jahrzehnte aufgebautes Untersuchungsinstrument. Was geschieht damit, wenn der Künstler nicht mehr anwesend ist?

Das Memento mori stellt die Verantwortung über die persönliche Lebenszeit hinaus. Es bereitet zugleich den Übergang vom individuellen Lebenswerk zum gemeinschaftlich fortgeführten Mitmachbuch vor.

Das Schlussbild: der offene Reparaturtisch

Das Buch sollte nicht mit einer fertigen Antwort enden. Als letztes Leitbild eignet sich ein großer Frage- und Antworttisch, auf dem unterschiedliche Materialien, Karten, Bilder, Werkzeuge, rote Punkte und noch leere Seiten liegen.

Der Tisch ist weder Schreibtisch noch Ausstellungssockel. Er ist eine Werkstatt der gemeinsamen Prüfung. Auf einer freien Fläche könnte die Frage stehen:

Was müsste der Mensch verändern, damit seine Formen wieder tragen?

Damit endet das Buch nicht in einer Diagnose, sondern in einer Verrichtung. Der Besucher wird vom Betrachter zum Mitprüfer und möglichen Mitarbeiter.

Die empfohlene Reihenfolge der ersten Folien

Der unmittelbar verständlichste Einstieg wäre deshalb:

Erstens: die einzelne Kartoffel – „Was ist das?“

Zweitens: dieselbe Kartoffel als Lebewesen, Nahrung, Ware, Eigentum und Kunstgegenstand.

Drittens: die 24-Stunden-Uhr des Planeten – „Wann kommt der Mensch hinzu?“

Viertens: der Mensch im offenen Feuerkäfig – „Warum verlässt er seine Konstruktion nicht?“

Fünftens: die vier Ebenen E1 bis E4 als Methode, mit der das bisher Gesehene untersucht werden kann.

Erst nach dieser Einführung sollten 51 zu 49, der Symmetriedualismus, die Eigentumsgrammatik, das plastische Ich, die So-Heits-Gesellschaft und die einzelnen historischen Werke ausführlicher eingeführt werden.

Die Grundform jeder Doppelseite

Für das Mitmachbuch könnte jede Doppelseite nach derselben wiedererkennbaren Ordnung aufgebaut sein. Links befindet sich ein starkes, möglichst ganzseitiges Bild. Rechts stehen vier knappe Prüfungsfelder:

Was ist vorhanden?

Was lebt, trägt oder verändert sich?

Was wird behauptet, bewertet oder zugeschrieben?

Was müsste geprüft, korrigiert oder repariert werden?

Unten befindet sich der rote Positionspunkt und ein freies Feld für die eigene Frage. Auf diese Weise wird die Vier-Ebenen-Struktur nicht zuerst theoretisch erklärt, sondern durch jede einzelne Bilduntersuchung eingeübt.

Die wichtigste Entscheidung wäre daher: Nicht mit der vollständigen Theorie und nicht mit dem gesamten Lebenswerk beginnen, sondern mit einer Kartoffel. Von ihr aus kann der Weg bis zum Millisekunden-Menschen, zum offenen Feuerkäfig, zur Eigentumsordnung und schließlich zur gemeinsamen Prüf- und Reparaturwerkstatt aufgebaut werden.

Do., 6. Aug. um 16:13

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In Einbeziehung des gesamten Chatverlaufs, ich möchte einen Fließtext haben mit wissenschaftlichem Standard entsprechend mit Überschriften und Schwerpunktmarkierungen. .

Do., 6. Aug. um 18:12

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Ich brauche also die verschiedensten Arten von Folien. Eine Folie Platons Problematik, eine Folie Aristoteles, eine Folie Christentum, eine Folie für Zellmembran, eine Folie für einseitige Physik. Das Ungewöhnliche ist nur, dass keiner denkt so, um Membraneigenschaften zu erarbeiten, muss man eine Analogie zur Zellmembran bauen. Und das gilt für alle anderen Folien dann auch, die ich da im Soheitsatelier zusammenbaue, die dann der Besucher benutzen kann, um Verschmelzungen oder Wirklichkeitskonstruktionen, die keiner Wirklichkeit entspricht, weil es eine symbolische Welt ist, eine konstrukte Welt konstruiert, und so weiter überhaupt erst mal verstehen zu lernen, in seine Einordnung in ein ganzheitliches System.

Fr., 7. Aug. um 12:33

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Dokument

Ich habe dir noch mal meine Biografie eingegeben, damit du siehst, welche weiteren Möglichkeiten ich zur Verfügung habe für Collagenarbeit oder für die Folie. Denn all diese Veranstaltungen sind ja dokumentiert und gibt es Bilder davon. Oder ich habe kleine Mitmachbücher angefertigt. Ich habe ja mit den unterschiedlichsten Materialien gearbeitet. Auto und Umwelt zum Beispiel. Oder die Tasse der Realität. Das war eine Veranstaltungsreihe bei Karl-Duisberg-Gesellschaft. Da habe ich mit Ton gearbeitet. Die Idee dabei war, dass der Mensch, der Interesse hat mitzumachen, sich eine Wunschtasse baut. Das war dann zum Beispiel mal eine Rose. Und danach eine Realitätstasse zu bauen. Aus einer Rose kann man aber nicht trinken, zum Beispiel. Oder Auto und Umwelt, da habe ich den Mitmachern unterschiedliche Holzstücke angeboten als Unterboden, worauf dann eben das Wunschauto gebaut werden sollte, gegenüber dann dem Realitätsauto. Die Räder waren ein Besen, den ich einfach durchgesägt hatte. Und dadurch hatte ich dann, also nicht den Besen, sondern den Stiel vom Besen. Dadurch hatte ich dann die Räder. Und dann habe ich den Leuten halt auch einen Hammer in die Hand gegeben. Und mit Nägeln konnten sie dann die Räder befestigen und so weiter. Menschen, die aus Albanien kamen, die bauten dann mehr ein Panzerauto. Und Soziologen und Psychologen bauten ein Auto mit viel zu vielen Rädern dran. Das konnte nie fahren. Es war schon interessant, dass die unterschiedlichen Berufsgruppen sich outeten in ihrer Wahrhaftigkeit oder Authentizität. Aber ich habe auch kreatives Wandern durchgeführt. Das heißt, sich mit der Landschaft beschäftigen durch Gedichte schreiben, sich mit einem Baum unterhalten oder den Wunschbaum erst mal sich zu suchen oder die Wunschlandschaft, in die man sich gerne hineinlegen möchte. Das wurde dann wiederum ergänzt durch Tagebuchschreiben an der Ostsee, wo ich dann wieder Material vorbereitete, die spielerisch im Urlaub zu beschäftigen. Oder Gauklermobil, wo es ja mehr um Theaterspielen ging, über Augusto Boal. Aber auch in den Demokratiewerkstätten geht es ja immer um Materialien, sich mit dem Thema Grenze zu beschäftigen. Und so weiter.Im Werkanker findest du da die verschiedensten Beispiele Schöpfungsgeschichte, Schultafel und so weiter. Das musst du schon mal mit einbeziehen. Das fehlt mir bisher.Welche Materialien kann ich noch im So-heits-atelier vorstellen oder mit einbringen, zur Verfügung stellen?

Der Begriff Lochprozess lässt sich jetzt wesentlich präziser fassen, wenn Zeit, Grenze, Membran, Tätigkeit und Referenzsystem gemeinsam berücksichtigt werden. Besonders wichtig ist dabei: Ein Loch existiert nie für sich, sondern immer nur in etwas, gegenüber etwas und innerhalb eines zeitlichen Vorgangs.

Der Lochprozess als zeitlicher Grenz- und Transformationsoperator

Das Loch als relationale Größe

Der Begriff des Loches erhält innerhalb der Plexus-Operatorik eine weitergehende Bedeutung, wenn er nicht auf eine sichtbare materielle Öffnung beschränkt wird. Schon der gewöhnliche Sprachgebrauch zeigt, dass mit „Loch“ sehr unterschiedliche Sachverhalte bezeichnet werden können. Ein Bohrloch bezeichnet eine tatsächlich hergestellte materielle Öffnung, ein Eisloch eine Unterbrechung einer tragenden Fläche, ein Funkloch das Fehlen einer erwarteten Verbindung und ein Finanzierungsloch das Fehlen eines benötigten Geldbetrages. Gemeinsam ist diesen Verwendungen nicht eine bestimmte Form oder ein bestimmtes Material. Gemeinsam ist ihnen vielmehr, dass innerhalb eines erwarteten Zusammenhangs eine Öffnung, Unterbrechung, fehlende Verbindung oder Abweichung wahrgenommen wird.

Damit wird bereits deutlich, dass ein Loch nur in einem Referenzzusammenhang existiert. Ein Loch setzt etwas voraus, das als Fläche, Grenze, Verbindung, Versorgung oder Kontinuität erwartet wird. Ohne diese umgebende Struktur könnte gar nicht bestimmt werden, dass etwas fehlt oder geöffnet worden ist. Ein Loch ist deshalb keine selbständige Dingeinheit, sondern eine relationale Veränderung einer vorhandenen oder erwarteten Struktur.

Diese Bestimmung passt unmittelbar zu Ihrer bisherigen Entwicklung vom Toleranzraum zum Referenzsystem und weiter zum Referenzplexus. Ob eine Öffnung funktionsfähig, notwendig, ungefährlich oder zerstörerisch ist, kann nicht aus ihrer bloßen Existenz abgelesen werden. Sie muss daran geprüft werden, in welcher Struktur sie auftritt, welche Funktion diese Struktur besitzt, wie groß die Öffnung ist, was durch sie hindurchtreten kann, was dadurch verloren geht und wie sich der gesamte Zusammenhang in der Zeit weiterentwickelt.

Der Lochprozess wäre deshalb präziser als ein Grenztransformationsprozess zu verstehen. Eine Grenze wird geöffnet, durchbrochen, verschoben, durchlässig gemacht, ausgeschnitten oder neu hergestellt. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht, ob ein Loch entsteht, sondern welche Art von Beziehung durch den Lochprozess verändert wird.

Der Terminus „Lochprozess“

Der Ausdruck „Lochprozess“ kann innerhalb Ihrer Arbeit tatsächlich als eigener Terminus verwendet werden. Er bezeichnet dann keine allgemeinwissenschaftlich etablierte Kategorie, sondern einen künstlerisch-methodischen Begriff Ihrer Plexus-Operatorik.

Seine Definition könnte lauten:

Ein Lochprozess ist die zeitliche Veränderung einer Grenze, Fläche, Verbindung oder Referenzordnung, durch die ein Durchgang, eine Differenz, eine Unterbrechung, ein Verlust oder eine neue Beziehung entsteht. Seine Bedeutung bestimmt sich danach, ob der veränderte Zusammenhang weiterhin rückkopplungs-, regenerations- und tragfähig bleibt.

Der Begriff „Prozess“ ist dabei unverzichtbar. Denn ein Loch besitzt eine Entstehungsgeschichte. Es kann wachsen, kleiner werden, geschlossen, repariert oder irreversibel vergrößert werden. Zwischen der ersten Veränderung und einer späteren Katastrophe können Sekunden, Jahre oder Jahrtausende liegen.

Damit tritt die Zeit als grundlegende Dimension hinzu.

Gegenwart als Membran zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Zeitproblematik verändert Ihre bisherige Membrananalogie. Gegenwart kann bildnerisch als eine extrem schmale bewegliche Membran zwischen Vergangenheit und Zukunft dargestellt werden. Sie ist kein statischer Zeitpunkt, den man festhalten könnte. Sobald ein Augenblick bezeichnet wird, ist er bereits vergangen.

Für die Foliengrammatik ist daran entscheidend, dass Tätigkeit ausschließlich in dieser jeweiligen Gegenwart stattfindet. Die Vergangenheit kann erinnert, dokumentiert und interpretiert werden. Die Zukunft kann erwartet, geplant oder imaginiert werden. Der materielle Eingriff mit dem Spaten, die Bewegung des Schwimmers oder das Einbrechen einer Eisfläche geschieht dagegen immer in einer jeweiligen Unmittelbarkeit.

Der Mensch unterscheidet sich innerhalb Ihrer Fragestellung dadurch von vielen unmittelbar regulierenden Naturprozessen, dass er umfangreiche symbolische Vergangenheits- und Zukunftsmodelle zwischen sich und diese Gegenwart schieben kann. Diese Fähigkeit ist eine außerordentliche Leistung. Sie ermöglicht Planung, Wissenschaft, Technik und Kultur. Gleichzeitig kann sie eine Rückkopplung erschweren, wenn das Modell wichtiger genommen wird als das gegenwärtig eintretende Geschehen.

Die Gegenwartsmembran wäre deshalb kein metaphysischer Ort, sondern ein künstlerischer Operator für die Frage, wo Vorstellung in Tätigkeit und Tätigkeit in Folge übergeht.

Die Unmittelbarkeit lebendiger und materieller Prozesse

Bei Pflanze, Tier und Organismus findet fortlaufend Regulation statt. Wissenschaftlich wäre es allerdings zu stark, von einem grundsätzlich „optimalen“ Verhalten sämtlicher Lebensformen oder molekularer Vorgänge zu sprechen. Molekulare Prozesse reagieren entsprechend ihren physikalisch-chemischen Bedingungen; Organismen regulieren sich innerhalb bestimmter evolutionär entstandener Toleranz- und Funktionsbereiche. Diese Regulation kann gelingen, gestört werden oder zusammenbrechen.

Für Ihr Modell ist jedoch etwas anderes entscheidend: Die Rückkopplung erfolgt häufig unmittelbar. Eine Pflanze reagiert auf Wasserverfügbarkeit, Licht, Temperatur und Stoffverhältnisse. Ein Tier verändert Bewegung, Atmung oder Verhalten entsprechend einer gegenwärtigen Situation. Der Organismus kann seine tatsächlichen Bedingungen nicht allein durch eine symbolische Behauptung ersetzen.

Damit entsteht ein wichtiger Gegensatz zur menschlichen Symbolwelt. Der Mensch kann sagen, er sei unabhängig, frei, Eigentümer oder unverletzlich, obwohl sein Organismus weiterhin unmittelbar auf Wasser, Sauerstoff, Temperatur, Schwerkraft und Verletzung reagiert.

Die Unmittelbarkeitsfolie könnte deshalb eine weitere Grundfolie der Plexus-Grammatik darstellen. Sie zeigt keinen einzelnen Gegenstand, sondern die fortlaufende Gegenwartsrückkopplung zwischen einem lebenden System und seinen Bedingungen.

Die Zellmembran als zeitlich arbeitende Grenze

Die Zellmembran wird dadurch noch wichtiger. Sie ist keine ruhende Grenzlinie. An ihr finden fortlaufend Austausch-, Transport- und Regulationsprozesse statt. Ihre Funktion besteht gerade darin, Unterschiedlichkeit zu erhalten und gleichzeitig Beziehungen zu ermöglichen.

Die Membran lässt sich daher innerhalb Ihrer Arbeit als Modell eines produktiven Lochsystems verstehen. Ihre Öffnungen sind keine zufälligen Beschädigungen, sondern Bestandteile einer regulierten Beziehung zwischen Innen und Außen.

Damit unterscheidet sie sich grundsätzlich von einem Bruchloch. Beim Bruch verliert eine Grenze ihre Trag- oder Schutzfunktion. Bei der Membran wird Durchlässigkeit so organisiert, dass die Eigenform erhalten bleiben kann.

Diese Unterscheidung führt zu einem zentralen Maßstab Ihrer Lochgrammatik: Nicht Geschlossenheit ist das Optimum und nicht maximale Öffnung. Entscheidend ist ein zeitlich reguliertes Verhältnis zwischen Abgrenzung und Austausch.

Hier berührt sich der Lochprozess unmittelbar mit Ihrem 51:49-Prinzip. Das Verhältnis wäre nicht als naturwissenschaftlich gemessene Membraneigenschaft zu behandeln, sondern als künstlerischer Operator einer Minimalasymmetrie: Eine Form muss genug Eigenstruktur besitzen, um unterscheidbar zu bleiben, und zugleich genug Offenheit, um Rückkopplung zuzulassen.

Geburt als Grenzübergang und Neuorganisation der Abhängigkeit

Der natürliche Geburtsprozess passt sehr gut in diese Lochgrammatik, wenn er nicht auf die Vorstellung eines bloßen Austritts aus einem Loch reduziert wird. Geburt ist vielmehr eine tiefgreifende Veränderung von Grenz-, Versorgungs- und Abhängigkeitsbeziehungen.

Vor der Geburt besteht eine bestimmte organismische Versorgungssituation. Mit der Geburt ändern sich unter anderem Atmung, Ernährung, Temperaturregulation und Umweltkontakt. Der Organismus wird nicht unabhängig. Er wechselt von einem Abhängigkeitsgefüge in ein anderes.

Geburt kann daher als produktiver Übergangslochprozess verstanden werden. Eine bisherige Grenze öffnet sich, ein lebendiger Organismus tritt hindurch und ein neues Verhältnis zwischen Innen und Außen entsteht.

Diese Form des Lochprozesses widerspricht bereits der Vorstellung, jede Trennung führe zu Autonomie. Geburt ist Loslösung und neue Bindung gleichzeitig. Genau darin liegt ihre Bedeutung für die plastische Identität.

Dingselektion als Lochprozess

Die fotografische Landschaftsfolie zeigt einen anderen Grenzprozess. Aus einer Landschaft wird ein Teil herausgeschnitten. Im ursprünglichen Bild bleibt ein Loch. Das ausgeschnittene Teil kann anschließend getrennt betrachtet werden.

Damit wird die Dingselektion sichtbar. Der Gegenstand entsteht bildnerisch durch einen Schnitt. Seine Beziehungen zur Umgebung verschwinden teilweise aus der Darstellung.

Dieser Vorgang kann anschließend durch die Betonklötze weitergeführt werden. Das ausgeschnittene Teil erhält eine immer stärker geschlossene Form. Viele solcher Einheiten werden nebeneinandergestellt und bilden eine Dingwelt.

Das Entscheidende ist dabei, dass der Lochprozess auf beiden Seiten stattfindet. Im Herkunftszusammenhang entsteht ein Loch, weil Beziehungen herausgenommen werden. Im isolierten Ding entsteht zugleich ein Grenzprozess, weil es nun so behandelt wird, als könne es unabhängig von seinem früheren Zusammenhang bestimmt werden.

Die Betonblockfolie wird dadurch zu einem Gegenmodell der Membran. Der Betonblock besitzt eine starre Außengrenze. Die Membran besitzt eine regulierende Grenze.

Die Dingwelt im Gehirn

Werden die vielen Betonblöcke in das ausgeschnittene Gehirn eingesetzt, entsteht ein weiteres Stadium des Lochprozesses. Nun wird die äußere Dingselektion zu einer inneren Ordnungsweise.

Das Bild behauptet nicht, dass das Gehirn biologisch aus solchen Blöcken aufgebaut wäre. Es zeigt, wie ein Mensch seine Umwelt in zunehmend abgeschlossene Kategorien zerlegen kann. Die Zwischenräume zwischen den Kategorien werden zu Kontextlöchern.

Dadurch lässt sich auch das Spezialistentum differenzierter darstellen. Spezialisierung schafft zunächst neue Wahrnehmungsfähigkeit. Sie kann Unterschiede sichtbar machen, die der ungeübte Mensch nicht erkennt. Problematisch wird sie erst dann, wenn die hoch entwickelten Einzelbereiche ihre Verbindungen untereinander verlieren.

Das Gehirn könnte dann voller Wissen sein und gleichzeitig immer größere Löcher im Zusammenhang besitzen.

Der Lochprozess liegt hier nicht im Mangel an Information, sondern im Verlust der Beziehungen zwischen Informationen.

Der Zeitlochprozess

Ein besonders wichtiger weiterer Lochprozess ergibt sich aus der Zeit. Menschliche Tätigkeiten und ihre Folgen liegen häufig nicht im gleichen Augenblick.

Ein Spatenstich verändert den Boden unmittelbar. Andere Folgen werden erst später sichtbar. Eine Bodenverdichtung, Veränderung des Wasserhaushalts oder Erosion kann sich über längere Zeit entwickeln. Noch stärker gilt dies für technische und gesellschaftliche Systeme.

Dadurch entsteht ein Zeitloch zwischen Tätigkeit und Konsequenz.

Der Handelnde erlebt seine gegenwärtige Handlung, aber nicht zwangsläufig deren zukünftige Auswirkungen. Je größer dieser zeitliche Abstand wird, desto leichter können die Folgen aus dem verwendeten Referenzsystem herausfallen.

Hier erhält Ihre 24-Stunden-Uhr des Planeten eine zentrale Funktion. Sie macht sichtbar, dass menschliche Tätigkeit innerhalb extrem kurzer Zeiträume abläuft, während die Entstehung der Bedingungen, in die eingegriffen wird, teilweise völlig andere Zeitdimensionen besitzt.

Der Millisekunden-Mensch kann deshalb ein kurzfristiges lokales Optimum herstellen und gleichzeitig einen langfristigen Tragzusammenhang beschädigen.

Das wäre innerhalb der Lochgrammatik ein temporales Referenzloch.

Erinnerungslöcher und Zukunftslöcher

Neben der verzögerten Tätigkeitsfolge existieren noch zwei weitere zeitliche Lochformen. Das Erinnerungssystem kann vergangene Voraussetzungen ausblenden. Dann erscheint eine gegenwärtige Situation, als habe sie keine Entstehungsgeschichte. Das ist ein Vergangenheitsloch.

Umgekehrt kann eine Handlung so bewertet werden, als ende ihre Bedeutung mit dem gegenwärtigen Erfolg. Mögliche langfristige Folgen werden aus der Entscheidung herausgenommen. Das ist ein Zukunftsloch.

Beide Formen lassen sich mit Ihrer Schultafel verbinden. Links könnte eine rekonstruierte Vergangenheit stehen, in der Mitte die gegenwärtige Tätigkeit und rechts ihre möglichen Konsequenzen. Teile können gelöscht oder ergänzt werden.

Dadurch wird sichtbar, dass jeder Gegenwartszustand zwischen einer nicht mehr unmittelbar vorhandenen Vergangenheit und einer noch nicht vorhandenen Zukunft steht.

Die Eiszeit und der Widerstand der Vergangenheit

Ihre „Schöpfungsgeschichte“ bietet hierfür ein konkretes Material. Die Auseinandersetzung mit Landschaft, eiszeitlich geprägtem Boden, Tang und naturstrukturellen Prozessen ist in Ihrer Werkentwicklung ausdrücklich dokumentiert. Dabei wurde die Herrschaftsgeschichte des Menschen gegenüber Naturprozessen mit organischem Wachsen und menschlichen Konstruktionen konfrontiert.

Ein sehr harter, eiszeitlich geprägter Boden macht sichtbar, dass Vergangenheit materiell in der Gegenwart weiterwirkt. Um in diesen Boden einzudringen, muss Energie aufgewendet werden. Der Lochprozess trifft damit auf den Widerstand einer sehr viel älteren Entstehungsgeschichte.

Der Spatenstich ist gegenwärtig. Der Boden, in den eingegriffen wird, trägt dagegen Prozesse seiner langen Vorgeschichte in sich.

Damit könnte eine weitere Folie entstehen: Die Handlungszeit des Menschen liegt als extrem schmale Schicht über einer sehr viel tieferen Bodenzeit.

Ein Loch in diesen Boden ist dann nicht einfach nur ein räumlicher Eingriff. Es ist ein Eingriff der kurzen menschlichen Tätigkeitszeit in eine wesentlich längere Entstehungszeit.

Der Quadratmeter Eigentum als symbolischer Lochprozess

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn auf denselben Boden ein Quadratmeter Eigentum gelegt wird.

Die Eigentumsgrenze erzeugt zunächst kein materielles Loch. Der Boden unterhalb der Linie bleibt physikalisch und biologisch verbunden. Wasser, Wurzeln, Bodenorganismen und Stoffbewegungen erkennen die rechtliche Grenze nicht.

Gesellschaftlich besitzt diese Linie jedoch enorme Wirkung. Sie bestimmt Zutritt, Nutzung, Verkauf, Bebauung und Ausschluss.

Das Eigentum erzeugt daher einen symbolischen Ausschnitts- und Grenzlochprozess. Aus einem zusammenhängenden Landschaftsraum wird ein rechtlich isolierbarer Bereich hergestellt.

Besonders interessant wird die Folie, wenn der Eigentumsquadratrahmen über die eiszeitliche Bodenfolie gelegt wird. Dann treffen zwei völlig unterschiedliche Zeithorizonte aufeinander. Der geologische Boden ist sehr alt. Die gesellschaftliche Eigentumsordnung ist dagegen historisch extrem jung.

Die Frage lautet dann: Welches Referenzsystem beansprucht, über welches andere Referenzsystem verfügen zu können?

Tanglandschaft als Gegenmodell

Die Tanglandschaft eröffnet eine grundsätzlich andere Formvorstellung. In Ihrer „Schöpfungsgeschichte“ wurden Tanglandschaft und andere Elemente eingesetzt, um naturstrukturelle Prozesse menschlichen Konstruktionen gegenüberzustellen.

Tang besitzt keine starre Betonblockstruktur. Er bewegt sich mit Wasser, Strömung und Untergrund. Seine Form ist abhängig vom Medium und verändert sich fortlaufend.

Dadurch kann die Tanglandschaft als großflächige Membrananalogie verstanden werden. Sie besitzt Grenzen, diese sind aber beweglich. Material kann sich verdichten, auseinanderziehen, überlagern und neu positionieren.

Hier wird der Lochprozess nicht primär als Herausbrechen sichtbar. Er erscheint als fortlaufende Veränderung von Zwischenräumen, Verdichtungen und Durchlässigkeiten.

Die Tanglandschaft könnte deshalb zu einem wichtigen Gegenbild der Dingwelt werden: nicht Formlosigkeit, sondern eine prozessabhängige Form.

Der Deich als künstliche Membran

Auch der Deich lässt sich innerhalb dieser Lochgrammatik neu verstehen. Ihre frühen Arbeiten mit Deichprofilen und dem Vorbild des Biberdamms gehören bereits zur Studienzeit und standen im Zusammenhang mit Wellen-, Synergie- und Regulationsversuchen.

Ein Deich ist keine einfache Wand. Er befindet sich zwischen Wasser und Land und muss mit Druck, Material, Feuchtigkeit, Sickerprozessen und wechselnden Wasserständen umgehen.

Seine Funktionsfähigkeit hängt gerade davon ab, dass Grenze, Material und Medium aufeinander abgestimmt sind.

Ein Deichbruch ist ein katastrophaler Lochprozess. Eine Schleuse oder ein kontrollierter Durchlass ist dagegen eine funktionale Öffnung.

Damit wird der Deich nahezu zu einem technischen Gegenstück der Zellmembran. Beide dürfen selbstverständlich sachlich nicht gleichgesetzt werden. Als Plexus-Operatoren können sie jedoch dieselbe Frage untersuchen: Wie muss eine Grenze beschaffen sein, damit sie Unterschiede erhält, ohne die notwendigen Austausch- und Druckverhältnisse zu ignorieren?

Das Schiff als bewegliche Grenzform

Ein Schiff erweitert die Lochgrammatik um eine bewegliche Grenze. Der Schiffskörper trennt Wasser und Innenraum. Gleichzeitig muss er sich innerhalb des Wassers bewegen und auf Auftrieb, Strömung, Wellen und Belastung reagieren.

Ein intakter Schiffskörper erzeugt kein Loch im Wasser im strengen Sinne; er verdrängt Wasser und erzeugt Strömungs- und Wellenfelder. Als künstlerischer Operator kann er jedoch zeigen, wie eine feste Form innerhalb eines beweglichen Mediums bestehen kann.

Entscheidend wird das tatsächliche Loch im Schiffsrumpf. Nun kehrt sich die Grenzfunktion um. Wasser tritt dort ein, wo es ausgeschlossen werden sollte. Wird der Lochprozess nicht gestoppt, verändert sich das gesamte Tragverhältnis und das Schiff kann sinken.

Das Schiff macht damit deutlich, dass ein Loch nicht unabhängig von der Funktion einer Grenze bewertet werden kann. Eine Öffnung oberhalb der Wasserlinie kann notwendig sein. Dieselbe Öffnung unterhalb der Wasserlinie kann katastrophal werden.

Der Ort des Loches gehört also zu seiner Bedeutung.

Das Flugzeug als künstliche Membran im Luftmedium

Ähnlich kann das Flugzeug behandelt werden. Die Außenhaut bildet eine technisch erzeugte Grenze zwischen Innenraum und äußerer Atmosphäre. In großer Höhe werden Druck, Temperatur und Sauerstoffbedingungen technisch reguliert.

Auch hier sind Öffnungen notwendig: Türen, Ventile, Luftzufuhr und technische Leitungen. Entscheidend ist, dass sie kontrolliert bleiben.

Eine unkontrollierte Beschädigung kann dagegen einen kritischen Grenzprozess auslösen.

Das Flugzeug ähnelt damit funktional dem Astronautenanzug. Beide stellen eine künstliche Membran her, innerhalb derer der Mensch nur deshalb überleben kann, weil Abhängigkeiten technisch konzentriert und reguliert werden.

Die scheinbare Autonomie ist daher tatsächlich eine hochkomplexe Versorgungsabhängigkeit.

Das Schwimmen als Gegenwarts- und Membranprozess

Auch der Schwimmer erhält innerhalb dieser zeitlichen Lochgrammatik eine präzisere Stellung. Schwimmen kann nicht allein theoretisch ausgeführt werden. Der Körper muss in jedem Augenblick auf Wasserlage, Atmung, Auftrieb und Bewegung reagieren.

Das Lernen des Schwimmens verändert die Grenzbeziehung zwischen Körper und Medium. Das Wasser bleibt dasselbe, aber die Handlungsfähigkeit des Menschen verändert sich.

Ein ungeübter Mensch kann gegen das Wasser arbeiten, hektisch reagieren und untergehen. Ein geübter Schwimmer nutzt die Eigenschaften des Mediums.

Die plastische Freiheit des Schwimmers entsteht deshalb nicht aus der Aufhebung seiner Abhängigkeit, sondern aus einer trainierten unmittelbaren Rückkopplung.

Der Satz „Ich bin frei“ besitzt im Wasser keinerlei tragende Funktion, wenn er nicht in eine tatsächlich funktionierende Körper-Medium-Beziehung übersetzt werden kann.

Hier zeigt sich erneut die Zeitdimension: Schwimmfähigkeit besteht nicht als abstrakter Besitz. Sie muss in jedem Augenblick praktisch realisiert werden.

Das Eisloch als plötzlicher Systemwechsel

Die Eisfläche macht dagegen einen Lochprozess sichtbar, bei dem eine zunächst tragende Grenze plötzlich zusammenbricht.

Vor dem Einbruch kann die Oberfläche scheinbar stabil sein. Die tatsächliche Tragfähigkeit hängt jedoch von Eisdicke, Temperatur, Materialstruktur und Belastung ab. Wird die Grenze überschritten, ändert sich die Situation abrupt.

Der Mensch befindet sich zunächst auf der Oberfläche und im nächsten Moment im kalten Wasser.

Der Lochprozess markiert damit einen zeitlichen Kipppunkt. Vorher und nachher gelten völlig unterschiedliche Handlungsbedingungen.

Diese Folie eignet sich besonders, um zu zeigen, dass Katastrophen nicht immer langsam proportional zur vorausgehenden Belastung erscheinen. Eine Struktur kann längere Zeit scheinbar funktionieren und bei Überschreiten einer Grenze plötzlich ihre Tragfunktion verlieren.

Die Glasscheibe und das selbst erzeugte Tragfähigkeitsloch

Die Glasscheibe verschärft die Fragestellung, weil der Mensch selbst die Fläche beschädigen kann, von der er getragen wird.

Steht eine Person auf einer Glasscheibe und schlägt gleichzeitig Löcher oder Risse in sie hinein, wird Ihre Ausgangsfrage unmittelbar sichtbar. Die Person kann den einzelnen Schlag als lokale Tätigkeit betrachten. Tatsächlich verändert sie jedoch das gesamte Tragverhältnis.

Das Bild stellt daher einen selbst erzeugten Existenzlochprozess dar.

Die entscheidende Paradoxie lautet: Der Handelnde behandelt sich gedanklich so, als könne er außerhalb des Systems stehen, dessen Tragfähigkeit er gleichzeitig vermindert.

Hier verbinden sich Tätigkeitskonsequenz, Skulpturidentität und Verletzungswirklichkeit in einer einzigen Darstellung.

Das Rückkopplungsloch

Aus allen bisherigen Beispielen lässt sich ein besonders grundlegender Lochprozess ableiten: das Rückkopplungsloch.

Ein lebendiges oder technisches System kann nur regulieren, wenn Veränderungen registriert und in weitere Reaktionen übersetzt werden. Wird dieser Rückweg unterbrochen, kann eine Abweichung weiter anwachsen.

Beim Menschen kann ein solches Loch entstehen, obwohl die Information grundsätzlich vorhanden wäre. Die Folge wird wahrgenommen, aber aus politischen, wirtschaftlichen, religiösen, beruflichen oder persönlichen Gründen nicht in das Handlungsmodell zurückgeführt.

Der Mensch weiß dann etwas und handelt dennoch so, als wüsste er es nicht.

Damit nähert sich der Lochprozess unmittelbar Ihrer Lebensfrage nach der Zerstörung der eigenen Existenzbedingungen. Das zentrale Problem wäre möglicherweise nicht ein vollständiger Mangel an Wissen, sondern ein Loch zwischen Rückmeldung und Verhaltenskorrektur.

Das Goldloch

Die Goldfarbe bildet dazu eine besondere symbolische Variante. Wird eine mit Kreide geschriebene Idee auf der Schultafel durch eine goldene, nicht mehr löschbare Setzung ersetzt, verändert sich der Korrekturraum.

Kreide hält eine Behauptung vorläufig. Gold kann Dauer, Wert und Vorrang symbolisieren.

Die goldene Setzung kann deshalb ein Loch in den offenen Prüfprozess schlagen. Nicht weil Gold materiell böse oder falsch wäre, sondern weil eine bestimmte Wertzuschreibung die Möglichkeit der Korrektur blockieren kann.

Bei Midas wird dieser Prozess radikalisiert. Eine einzige Wertdimension überzieht alle anderen Eigenschaften. Nahrung, Berührung und lebendige Beziehung werden in denselben Wertmaßstab übersetzt.

Das Gold erzeugt dadurch ein Referenzloch: Andere Funktionen des Gegenstandes verschwinden aus der Bewertung.

Die Kopfgeburt und die Erzeugung einer zweiten Wirklichkeit

Die Kopfgeburt Athenes kann innerhalb dieser Gesamtgrammatik als symbolischer Gegenpol zur natürlichen Geburt erscheinen. Die natürliche Geburt führt einen lebenden Organismus aus einem Versorgungszusammenhang in einen anderen. Die Kopfgeburt stellt dagegen bildlich dar, dass aus dem Kopf eine vollständig entwickelte Gestalt hervortritt.

Damit wird sie zum Operator der gedanklichen Hervorbringung.

Diese Folie kann mit Platon, Seele, Freiheit oder Eigentum kombiniert werden. Die gemeinsame Frage lautet dann, wann eine aus dem Denken hervorgegangene Form den Status einer eigenständigen Wirklichkeit erhält.

Der kritische Punkt liegt nicht darin, dass Menschen Ideen bilden. Ohne solche Modelle wäre Kultur nicht möglich. Der Lochprozess entsteht dort, wo die Verbindung zwischen hervorgebrachter Idee und ihren materiellen beziehungsweise organismischen Voraussetzungen verloren geht.

Platon, Parallelwelt und Referenzspaltung

In Ihrer künstlerischen Auseinandersetzung kann Platons Ideenlehre als historische Folie einer Referenzspaltung dienen. Die veränderliche sinnlich erfahrbare Welt und die als höher gedachte Ideenordnung stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander.

Für Ihre Plexus-Operatorik interessiert vor allem die Gefahr, dass ein gedachtes Referenzmodell gegenüber dem materiellen Veränderungsgeschehen Vorrang erhält.

Dann entsteht ein Loch zwischen Modell und Verletzungswirklichkeit.

Diese Folie sollte nicht behaupten, Platon habe einfach eine „falsche Parallelwelt“ erfunden. Sie kann vielmehr zeigen, wie stark die menschliche Kultur von der Möglichkeit geprägt wurde, eine zweite Ordnung zu entwerfen und die wahrnehmbare Welt an ihr zu bewerten.

Das Glaubens- und Wissensloch

Eine weitere Form entsteht, wenn unterschiedliche Arten des Geltungsanspruches miteinander verwechselt werden. Glaube, Annahme, Hoffnung, Hypothese und überprüftes Wissen besitzen unterschiedliche Begründungsformen.

Wird eine Glaubensaussage sprachlich in Wissen verwandelt, ohne dass sich ihre Prüfgrundlage verändert hat, wird die offene Erkenntnislücke scheinbar geschlossen.

Das Loch verschwindet im Weltbild, obwohl es erkenntnistheoretisch weiter besteht.

Die kosmische Teekanne kann hier als Prüfoperator eingesetzt werden. Sie beweist weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes. Sie zwingt vielmehr zur Frage, wie eine Behauptung begründet wird und wer die Beweislast trägt.

Der Lochprozess liegt damit in der Verdeckung des Nichtwissens.

Möbiusschleife und fehlendes Außen

Die Möbiusschleife stellt einen besonders raffinierten Lochprozess dar. Sie besitzt keine einfache Unterscheidung zwischen einer Innen- und einer Außenseite. Wer ihrer Oberfläche folgt, gelangt scheinbar von außen nach innen und wieder zurück, ohne eine Grenze zu überschreiten.

Innerhalb Ihrer Arbeit kann sie ein selbstreferenzielles Weltmodell darstellen. Der Mensch glaubt, sich mit einem äußeren Gegenüber auseinanderzusetzen, erhält tatsächlich aber nur Rückmeldungen innerhalb desselben vorausgesetzten Systems.

Das entscheidende Loch ist dann nicht materiell sichtbar. Es fehlt ein unabhängiges Gegenüber.

Das wäre ein Prüfgegenüberloch.

Diese Form ist für Ideologie, geschlossene Rollenidentität und gesellschaftliche Selbstbestätigung besonders wichtig.

Die Schultafel als zeitliches Lochlabor

Die Schultafel kann schließlich alle diese Prozesse zusammenführen. Sie ist selbst zeitlich strukturiert. Eine Aussage wird geschrieben, bleibt eine Zeitlang sichtbar und kann anschließend gelöscht, verändert oder überschrieben werden.

Dadurch unterscheidet sie sich grundlegend von der goldenen endgültigen Setzung.

Auf einer Schultafel könnte ein Besucher beispielsweise einen Lochprozess eintragen und gleichzeitig markieren, in welcher Zeitdimension er liegt. Links liegt seine Entstehungsgeschichte, in der Mitte der gegenwärtige Eingriff, rechts die erwartete oder eingetretene Folge.

Ein anderer Besucher kann anschließend die fehlende Beziehung einzeichnen.

Damit wird die Tafel zu einem öffentlichen Modell kollektiver Korrektur.

Ihre früheren Schultafelarbeiten entstanden gerade aus dem Interesse, verschiedene Phasen eines Geschehens seriell darzustellen und gesellschaftliche Veränderungsprozesse sichtbar zu machen. Diese historische Werkform erhält durch die Lochprozess-Grammatik eine neue methodische Funktion.

Loch, Membran und Verletzung als drei unterschiedliche Grenzzustände

Aus dem gesamten Zusammenhang ergibt sich eine wichtige begriffliche Differenzierung. Ein Loch bezeichnet nicht automatisch eine Verletzung. Eine Membran besitzt notwendige Durchlässigkeiten. Geburt benötigt eine Öffnung. Lernen benötigt eine Lücke. Ein Deich kann einen kontrollierten Durchlass besitzen. Ein Schiff benötigt Zugänge und technische Öffnungen.

Die Verletzung entsteht erst dann, wenn durch eine Grenzveränderung eine notwendige Trag-, Schutz-, Regulations- oder Regenerationsfunktion beschädigt wird.

Damit lassen sich drei Grundzustände unterscheiden, ohne daraus starre Kategorien zu machen. Es gibt eine regulierte Öffnung, bei der Austausch und Eigenform miteinander vereinbar bleiben. Es gibt eine plastische Lücke, die Lernen, Bewegung oder Veränderung ermöglicht. Und es gibt das Verletzungs- beziehungsweise Katastrophenloch, bei dem eine tragende Beziehung so weit zerstört wird, dass das System seine Funktionsfähigkeit verliert.

Entscheidend ist immer der zeitliche Verlauf. Dieselbe kleine Öffnung kann zunächst tolerierbar sein und später anwachsen. Eine Verletzung kann heilen. Ein scheinbar unbedeutender Riss kann sich zum Bruch entwickeln. Ein ökologischer Eingriff kann zunächst unsichtbar bleiben und erst Jahre später Folgen zeigen.

Die Zeit als vierte Hauptfolie

Aus diesen Überlegungen folgt, dass neben der kosmischen beziehungsweise Plexus-Folie, der Gehirnfolie und der Tätigkeitskonsequenzfolie wahrscheinlich eine Zeitfolie notwendig wird.

Sie müsste keine gewöhnliche Uhr darstellen. Die Uhr kann als Messinstrument hinzukommen. Die eigentliche Folie müsste zeigen, dass jeder Lochprozess einen Verlauf besitzt.

Sie könnte die dünne Gegenwartsmembran enthalten, hinter der unterschiedliche Tiefen der Vergangenheit liegen und vor der verschiedene mögliche Zukunftsverläufe erscheinen. Ein Spatenstich, eine Eigentumsgrenze, ein Deich, ein Loch im Eis oder eine politische Entscheidung kann anschließend auf diese Zeitfolie gelegt werden.

Dadurch wird die Frage nicht mehr nur lauten: Was geschieht?

Sie wird erweitert zu der Frage, wann die Veränderung beginnt, wann sie wahrnehmbar wird, wie lange ihre Ursache zurückliegt, wann die Folge eintritt und bis zu welchem Zeitpunkt eine Korrektur noch möglich ist.

Hier wird die Zeit selbst zum Bestandteil der Tragprüfung.

Der Lochprozess als Verbindung Ihrer Werkgeschichte

Mit diesem Begriff lassen sich zahlreiche frühere Werkbereiche neu miteinander verbinden, ohne sie rückwirkend zu einer einzigen linearen Entwicklung zu machen. Die Biografie zeigt bereits früh Wellenbecken, Regulationssysteme, Deichprofile, Passungsauseinandersetzungen, Naturbeobachtung und partizipative Vorgaben. Später kamen Landschaftsarbeiten, Tanglandschaft, „Schöpfungsgeschichte“, Demokratiewerkstätten und die Auseinandersetzung mit Mauern und Grenzen hinzu.

Der Lochprozess ist deshalb nicht der nachträglich behauptete Ursprung dieser Arbeiten. Er kann vielmehr ein heutiger Komprimierungsbegriff sein, durch den bislang getrennte Werkfäden auf eine neue Weise miteinander vergleichbar werden.

Gerade darin entspricht er Ihrer eigenen Methodik. Ein später entwickelter Begriff verändert den Blick auf frühere Arbeiten. Er zeigt Zusammenhänge, die bei ihrer Herstellung noch nicht mit demselben Wort bezeichnet wurden.

Eine erweiterte Definition des Lochprozesses

Der Terminus kann daher abschließend folgendermaßen bestimmt werden:

Der Lochprozess bezeichnet in der Plexus-Operatorik eine zeitlich verlaufende Veränderung von Grenzen, Beziehungen, Trägern oder Referenzsystemen. Er kann als regulierte Öffnung Leben und Austausch ermöglichen, als Lücke Lernen und Veränderung hervorbringen, als Ausschnitt Wahrnehmung und Dingbildung ermöglichen oder als Bruch tragende Beziehungen zerstören. Entscheidend für seine Bewertung sind nicht Form und Größe des Loches allein, sondern sein Ort, seine Entstehungsweise, sein Zeitverlauf, seine Rückkopplung und seine Wirkung auf den umfassenderen Referenzplexus.

Dadurch wird auch die Verletzungswirklichkeit genauer fassbar. Verletzung ist eine besondere Form des Lochprozesses, bei der eine zuvor tragende Grenze oder Beziehung so verändert wird, dass die Funktions-, Regulations- oder Regenerationsfähigkeit eingeschränkt wird.

Der zugehörige zentrale Ankersatz lautet:

Ein Loch existiert nicht aus sich selbst. Es entsteht immer relativ zu einer Grenze, einem Zusammenhang, einer erwarteten Funktion und einer Zeit. Die entscheidende Frage der Plexus-Operatorik lautet deshalb nicht, ob der Mensch Löcher erzeugt, sondern welche Öffnungen Leben, Lernen und Austausch ermöglichen, welche Ausschnitte zur Orientierung notwendig sind und an welchem Punkt aus einer notwendigen Grenzveränderung ein Rückkopplungs-, Verletzungs- oder Katastrophenloch wird.

Damit lässt sich auch die Gegenwart neu bestimmen: Die Gegenwart ist diejenige zeitliche Membran, an der Vorstellung in Tätigkeit übergeht und an der die Wirklichkeit unmittelbar mit Folgen antwortet. Vergangenheit und Zukunft können in Modellen, Erinnerungen und Erwartungen vorhanden sein; die Verletzungs- und Tätigkeitskonsequenz wird jedoch jeweils in dieser aktuellen Grenzberührung real. Genau deshalb müsste die Zeit innerhalb des So-Heits-Ateliers nicht nur gemessen, sondern als eigene plastische und folienfähige Dimension sichtbar gemacht werden.

So., 9. Aug. um 17:34

Kannst du eine Liste erzeugen von den gesamten Themen, die hier im Chatverlauf angesprochen wurden, erarbeitet wurden, als jeweilige Schwerpunktsetzung mit welcher Zielprojektion verbunden?

Ja. Aus dem gesamten bisherigen Chatverlauf lässt sich inzwischen ein ziemlich umfangreiches System von Themenfeldern rekonstruieren. Ich ordne sie jeweils nach Thema – Schwerpunktsetzung – Zielprojektion. Dabei nehme ich sowohl die theoretischen Entwicklungen als auch die biografisch entstandenen Werk- und Materialstränge auf.

  1. Naturzerstörung als frühe Ausgangswahrnehmung Schwerpunktsetzung: Bereits in der Kindheit Wahrnehmung menschlich verursachter Störungen in Naturzusammenhängen; später Verstärkung durch Club of Rome und ökologische Fragen. Zielprojektion: Verstehen, warum der Mensch trotz Wahrnehmungs-, Lern- und Korrekturfähigkeit seine eigenen Existenzbedingungen zerstört.
  2. Lernen durch Gegenüber und Distanz Schwerpunktsetzung: Lernen benötigt eine Differenz zwischen vorhandener Vorstellung und einem Gegenüber, das diese Vorstellung bestätigen, differenzieren oder korrigieren kann. Zielprojektion: Entwicklung einer plastischen Lernform, bei der das Gegenüber nicht durch ein fertiges Weltbild vereinnahmt wird.
  3. Ornithologie als frühes Differenzierungstraining Schwerpunktsetzung: Durch intensive Beobachtung werden aus dem undifferenzierten Begriff „Vogel“ zahlreiche unterscheidbare Arten und Merkmale. Zielprojektion: Zeigen, dass Lernen die Differenzierungsfähigkeit der Wahrnehmung verändert und dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Differenzierungsräume trainieren.
  4. Fotografie als Dokumentation und Konstruktion Schwerpunktsetzung: Fotografie hält etwas fest und macht es vorzeigbar, schneidet zugleich aber durch Standort, Zeitpunkt und Bildrahmen einen Teil aus einem größeren Zusammenhang heraus. Ihre frühe fotografische Arbeit und Auszeichnungen bilden dafür einen wichtigen biografischen Strang. Zielprojektion: Die Doppelheit von Beleg und Konstruktion sichtbar machen und daraus die spätere Dingeproblematik entwickeln.
  5. Fotografische Dingselektion Schwerpunktsetzung: Aus einer Landschaft wird ein Teil ausgeschnitten; im ursprünglichen Bild entsteht ein Loch, während das ausgeschnittene Teil als selbständiges Bildding erscheint. Zielprojektion: Sichtbar machen, dass das vermeintlich selbständige Ding durch Auswahl, Ausschneiden und Kontextverlust entsteht.
  6. Die Dingeproblematik Schwerpunktsetzung: Dinge sind nicht einfach falsch oder unwirklich; problematisch wird ihre Behandlung als vollständig unabhängige, aus sich selbst bestehende Einheiten. Zielprojektion: Gegenstände wieder in Herstellungs-, Versorgungs-, Wirkungs-, Zeit- und Abhängigkeitszusammenhänge einsetzen.
  7. Betonklotz als Ding- und Strukturidentität Schwerpunktsetzung: Der einzelne Betonblock wird zur starren, wiederholbaren Einheit; viele Betonblöcke erzeugen eine Raster- oder Dingwelt. Zielprojektion: Untersuchen, wie aus notwendigen Abgrenzungen starre Welt-, Begriffs- und Identitätsordnungen entstehen.
  8. Betonklötze im Gehirn Schwerpunktsetzung: Viele starre Kategorien werden bildnerisch in die Kopf- beziehungsweise Gehirnkontur eingesetzt. Zielprojektion: Zeigen, wie eine äußere Dingordnung als innere Denk- und Kategorienordnung verinnerlicht werden kann.
  9. Das Gehirn mit ausgeschnittener Mitte Schwerpunktsetzung: Das Gehirn besitzt bildnerisch ein großes Loch, in das unterschiedliche Weltmodelle eingesetzt werden können. Zielprojektion: Die Frage operationalisieren: „Was hat der Mensch im Kopf, wenn er Wirklichkeit deutet und danach handelt?“
  10. Das Gehirn als Folienwechsler Schwerpunktsetzung: Kosmos, Betonblock, Freiheit, Theaterrolle, Sandtrichter, Seele, Eigentum oder künstlerisches Dreieck können wechselweise in die Gehirnöffnung eingesetzt werden. Zielprojektion: Weltmodelle nicht als endgültige Wahrheiten, sondern als austauschbare und überprüfbare Konstruktionen erfahrbar machen.
  11. Kosmisches Geschehen als umfassender Referenzraum Schwerpunktsetzung: Der Mensch wird in eine ihm vorausliegende kosmische, planetarische und materielle Prozesswirklichkeit eingesetzt. Zielprojektion: Das menschliche Selbst- und Weltmodell an umfassenderen Tragbedingungen kalibrieren.
  12. Plexuswirklichkeit Schwerpunktsetzung: Wirklichkeit nicht als Ansammlung isolierter Dinge, sondern als elastisches Gewebe von Beziehungen, Rückkopplungen, Abhängigkeiten, Stoffwechsel- und Bewegungsprozessen. Zielprojektion: Ein relationales Wirklichkeitsverständnis als Alternative zur starren Ding- und Kategorienwelt entwickeln.
  13. Vier Ebenen E1–E4 Schwerpunktsetzung: E1 Material, Last, Kraft und Bruch; E2 Organismus, Stoffwechsel und Regeneration; E3 Symbol, Rolle, Eigentum, Geld, Gesetz; E4 Prüfung und Reparatur. Zielprojektion: Unterschiedliche Wirklichkeitsweisen unterscheiden und E3-Konstruktionen an E1/E2-Tragbedingungen prüfen.
  14. Plastische Identität und Skulpturidentität Schwerpunktsetzung: Plastische Identität bleibt beweglich, rückkopplungs- und korrekturfähig; Skulpturidentität verfestigt Selbstbilder, Rollen und Eigenschaften. Zielprojektion: Ein Menschenbild entwickeln, das Identität als veränderliche Beziehung und nicht als starres Wesensobjekt versteht.
  15. Toleranzraum Schwerpunktsetzung: Früh aus dem Maschinenbau hervorgegangener Attraktor: Funktionsfähigkeit besteht innerhalb bestimmter Spiel-, Maß-, Belastungs- und Abweichungsräume. Zielprojektion: Funktion nicht als absolute Perfektion, sondern als tragfähigen Bereich von Differenz und Spielraum verstehen.
  16. Maschinenbau als Funktions- und Passungsschule Schwerpunktsetzung: Toleranzen, Winkel, Reibung, Material, Belastung, Passung, Verschleiß und Bruch wurden durch die Ausbildung zum Maschinenschlosser praktisch erfahren. Zielprojektion: Handwerkliche Funktionsprüfung als Erkenntnismaßstab in Kunst, Gesellschaft und Lebensprozesse übertragen.
  17. 51:49 als Minimalasymmetrie Schwerpunktsetzung: Kleine Differenzen können Bewegung, Schnitt, Spielraum und Funktion ermöglichen; starres 50:50 kann als problematischer Symmetriedualismus erscheinen. Zielprojektion: Ein allgemeines künstlerisches Prüfmodell für notwendige Ungleichheit, Bewegung und Korrektur entwickeln.
  18. 50:50-Symmetriedualismus und 1:99-Drift Schwerpunktsetzung: Untersuchung von scheinbarer Gleichheit und ihrer möglichen Umformung in extreme Herrschafts- oder Besitzverhältnisse. Zielprojektion: Sichtbar machen, wie starre Ordnungsmodelle in asymmetrische Macht- und Abhängigkeitsstrukturen kippen können.
  19. Referenzsystem Schwerpunktsetzung: Späterer Attraktor, unter anderem durch medizinische Referenzwerte angeregt: Eine Bewertung gilt immer innerhalb eines bestimmten Bezugsrahmens. Zielprojektion: Jede Aussage daraufhin prüfen, innerhalb welchen Referenzsystems sie gilt und welche anderen Referenzsysteme sie ausblendet.
  20. Referenzplexus Schwerpunktsetzung: Kein einzelnes Referenzsystem kann seine eigenen materiellen, organismischen und planetarischen Voraussetzungen vollständig enthalten. Zielprojektion: Lokale Erfolgs- und Bewertungsmaßstäbe in größere Tragzusammenhänge einordnen.
  21. Dreifaches Optimum Schwerpunktsetzung: Mediumoptimum, Organismusoptimum und konkretes Handlungs- beziehungsweise Prüfoptimum werden ineinander verschachtelt gedacht. Zielprojektion: Verhindern, dass ein kleines lokales Optimum sich zum Maßstab des größeren Tragzusammenhangs erklärt.
  22. Wasserwelle und Hai Schwerpunktsetzung: Die Wasserbewegung als Medium, der Hai als über lange Evolutionszeiten angepasster Organismus und seine jeweilige konkrete Bewegung als situatives Optimum. Zielprojektion: Verschachtelte Referenz- und Anpassungsbedingungen bildlich erfahrbar machen.
  23. Zellmembran als Analogieträger Schwerpunktsetzung: Grenze bedeutet nicht vollständige Trennung, sondern regulierte Durchlässigkeit, Austausch und Erhaltung einer Eigenform. Zielprojektion: Eine plastische Grenzvorstellung entwickeln, die zwischen Verschmelzung und Isolation vermittelt.
  24. Membran und Lernen Schwerpunktsetzung: Das innere Modell braucht eine Grenze, muss aber für widersprechende Informationen durchlässig bleiben. Zielprojektion: Lernen als regulierte Beziehung zwischen Eigenstruktur und Gegenüber verstehen.
  25. Thermosflasche, Flasche und Isolationsraum Schwerpunktsetzung: Technische Isolation reorganisiert Abhängigkeiten, hebt sie aber nicht auf. Zielprojektion: Die Illusion menschlicher Autonomie gegenüber ihren Versorgungsbedingungen untersuchen.
  26. Astronautenanzug Schwerpunktsetzung: Der Astronaut erscheint autonom in feindlicher Umgebung, ist tatsächlich aber vollständig von Sauerstoff, Energie, Temperaturregulation und Versorgung abhängig. Zielprojektion: Scheinbare Freiheit als konzentrierte Abhängigkeit sichtbar machen und zugleich die Seelen- und Behältervorstellung prüfen.
  27. Freiheitsfolie: „Ich bin frei“ Schwerpunktsetzung: Symbolische Selbstbeschreibung wird mit materiellen, organismischen und technischen Abhängigkeiten überlagert. Zielprojektion: Freiheit nicht als Beziehungslosigkeit, sondern als Bewegungs- und Korrekturfähigkeit innerhalb realer Bedingungen neu bestimmen.
  28. Seelenproblematik Schwerpunktsetzung: Untersuchung der Vorstellung eines eigenständigen inneren Wesens gegenüber beobachtbaren organismischen Lebensprozessen. Zielprojektion: Seele als hineingedachte Eigenschaft beziehungsweise metaphysische Behauptung sichtbar machen, ohne daraus vorschnell einen Beweis für oder gegen ihre Existenz abzuleiten.
  29. Hineingedachte Eigenschaften Schwerpunktsetzung: Eigentum, Wert, Rolle, Freiheit, Seele oder gesellschaftlicher Status werden Gegenständen oder Menschen zugeschrieben und können real wirksam werden, ohne materielle Eigenschaften desselben Typs zu sein. Zielprojektion: Materielle, organismische, technische, gesellschaftliche und symbolische Wirklichkeitsweisen sauber voneinander unterscheiden.
  30. Tätigkeitskonsequenzen Schwerpunktsetzung: Entscheidend ist nicht nur, was der Mensch beabsichtigt, sondern was durch seine Tätigkeit tatsächlich ausgelöst wird. Zielprojektion: Handeln an seinen materiellen, organismischen, sozialen und zeitlichen Folgen prüfen.
  31. Hand – Handlung – Hintergrund Schwerpunktsetzung: Die Hand bildet die Übergangsstelle zwischen innerer Vorstellung, Werkzeug und äußerem Wirkzusammenhang. Zielprojektion: Tätigkeit als reale Kette von Berührung, Kraftübertragung, Widerstand und Rückkopplung sichtbar machen.
  32. Der Spaten Schwerpunktsetzung: Hand berührt Griff, Griff überträgt Kraft, Schneide greift in Mutterboden ein; daraus entsteht ein konkreter Lochprozess. Zielprojektion: Die gesamte Kette zwischen Zielprojektion und Tätigkeitsfolge an einem alltäglichen Werkzeug untersuchen.
  33. Der vergoldete Spaten Schwerpunktsetzung: Goldschichten können Griff und Schneidfläche symbolisch überlagern und damit gesellschaftliche Wertvorstellungen zwischen Mensch, Werkzeug und Erde schieben. Der „Vergoldete Spaten“ ist auch als frühere Arbeit dokumentiert. Zielprojektion: Sichtbar machen, wie symbolische Wertordnungen die Wahrnehmung tatsächlicher Tätigkeitsfolgen überdecken können.
  34. Midas-Prinzip Schwerpunktsetzung: Was im Goldreferenzsystem als maximale Aufwertung erscheint, kann im organismischen Referenzsystem zur Zerstörung führen. Zielprojektion: Konflikte zwischen lokalen Wertoptima und umfassenderen Lebensfunktionen darstellen.
  35. Sandtrichter Schwerpunktsetzung: Standort, Bewegung und Eingriff verändern einen dynamischen Materialzusammenhang; die Folge reicht über die unmittelbare Eingriffsstelle hinaus. Zielprojektion: Tätigkeits- und Abhängigkeitsfolgen als Prozess und nicht als isolierte Einzelhandlung erfahrbar machen.
  36. Wellenbecken Schwerpunktsetzung: Eine reale Welle bewegt sich tatsächlich und überträgt Kräfte; ein gezeichneter Wirbel dagegen wirbelt nicht. Wellenbecken, Synergie- und Regulationsversuche gehören bereits zu den frühen Studienarbeiten. Zielprojektion: Reale Dynamik gegenüber bloßer Darstellung unterscheidbar machen.
  37. Deich und Biberdamm Schwerpunktsetzung: Technische Grenzform im Verhältnis zu Druck, Wasser, Material, Sickerbewegungen und naturstrukturellen Vorbildern. Deichprofile nach dem Vorbild des Biberdamms wurden bereits früh entwickelt. Zielprojektion: Grenze als dynamische Passungs- und Regulationsaufgabe statt als bloße Wand untersuchen.
  38. Schiff Schwerpunktsetzung: Eine bewegliche künstliche Grenze funktioniert innerhalb eines Mediums; ein Loch an der falschen Stelle kann die gesamte Tragfähigkeit zerstören. Zielprojektion: Ort, Funktion und Größe eines Lochprozesses im Verhältnis zur Gesamtstruktur prüfen.
  39. Flugzeug Schwerpunktsetzung: Technisch erzeugte Innenwelt innerhalb einer für den Menschen teilweise ungeeigneten Außenumgebung. Zielprojektion: Künstliche Autonomie als hoch organisierte Abhängigkeit sichtbar machen.
  40. Schwimmen Schwerpunktsetzung: Freiheit im Wasser entsteht durch erlernte Passung, Atmung, Auftrieb, Körperlage und unmittelbare Rückkopplung. Zielprojektion: Plastische Freiheit als Können innerhalb eines Mediums und nicht als Unabhängigkeit vom Medium darstellen.
  41. Eisfläche und Eisloch Schwerpunktsetzung: Eine zunächst tragende Fläche kann bei Überschreiten ihres Toleranzraums plötzlich brechen. Zielprojektion: Kipppunkt, Verletzungswirklichkeit und katastrophalen Lochprozess sichtbar machen.
  42. Glasscheibe und Unverletzlichkeitsparadoxie Schwerpunktsetzung: Der Mensch steht auf einer tragenden Fläche und zerstört sie gleichzeitig, als sei er von ihrer Tragfähigkeit unabhängig. Zielprojektion: Die Selbstzerstörung der eigenen Existenzgrundlage als einfaches, unmittelbar verständliches Bild darstellen.
  43. Lochprozess als Grundterminus Schwerpunktsetzung: Loch nicht nur als materielles Loch, sondern als zeitliche Veränderung von Grenze, Verbindung, Träger oder Referenzordnung. Zielprojektion: Unterschiedliche Öffnungs-, Lern-, Verletzungs-, Geburts-, Ding- und Katastrophenprozesse unter einer gemeinsamen Prüfgrammatik untersuchen.
  44. Produktives Loch Schwerpunktsetzung: Membranöffnung, Geburt, Lernlücke oder geregelter Durchlass ermöglichen Austausch und Veränderung. Zielprojektion: Zeigen, dass nicht jede Öffnung eine Verletzung bedeutet.
  45. Verletzungs- und Katastrophenloch Schwerpunktsetzung: Eine tragende, schützende oder regulierende Struktur wird so weit geschädigt, dass Funktion oder Regeneration gefährdet sind. Zielprojektion: Den Übergang von tolerierbarer Veränderung zum Systembruch sichtbar machen.
  46. Rückkopplungsloch Schwerpunktsetzung: Folgen entstehen, erreichen aber das innere Modell oder die entscheidende Institution nicht mehr als Korrektursignal. Zielprojektion: Eine mögliche Kernantwort auf die Ausgangsfrage entwickeln, warum Wissen nicht automatisch Verhaltenskorrektur bewirkt.
  47. Wissenslücke Schwerpunktsetzung: Nichtwissen kann als produktiver Zwischenraum Neugierde und Lernen auslösen. Zielprojektion: Nichtwissen nicht vorschnell schließen, sondern als plastischen Erkenntnisraum erhalten.
  48. Glaubens- und Wissensproblematik Schwerpunktsetzung: Unterschiedliche Geltungsformen wie Glaube, Hypothese, Annahme und überprüftes Wissen dürfen nicht unbemerkt ineinander überführt werden. Zielprojektion: Erkenntnisstatus und Begründungspflicht transparent machen.
  49. Kosmische Teekanne Schwerpunktsetzung: Prüfung von Behauptungen, die sich einer normalen Überprüfung entziehen. Zielprojektion: Beweislast und Erkenntnisstatus sichtbar machen, nicht Gott beweisen oder widerlegen.
  50. Natürliche Geburt Schwerpunktsetzung: Übergang aus einem organismischen Versorgungszusammenhang in einen anderen. Zielprojektion: Geburt als produktiven Grenz- und Abhängigkeitswechsel statt als Beginn vollständiger Autonomie darstellen.
  51. Kopfgeburt Athenes Schwerpunktsetzung: Mythologisches Bild einer aus dem Kopf hervorgebrachten fertigen Gestalt. Zielprojektion: Die Hervorbringung geistiger und symbolischer Weltformen gegenüber biologischer Entstehung untersuchen.
  52. Platon und Ideenwelt Schwerpunktsetzung: Verhältnis zwischen veränderlicher sinnlicher Welt und höher bewerteter unveränderlicher Ideenordnung. Zielprojektion: Prüfen, wann ein geistiges Referenzmodell die Verletzungswirklichkeit überordnet oder verdrängt.
  53. Aristoteles Schwerpunktsetzung: Form, Material, Bewegung und Zielrichtung werden stärker innerhalb des werdenden und lebendigen Prozesses gedacht. Zielprojektion: Ein historisches Gegenmodell zur externen Idealform in die Foliengrammatik einführen.
  54. Christentum, Körper und Seele Schwerpunktsetzung: Körper, Behälter, Seele, Himmel, Auferstehung und verschiedene historische Leib-Seele-Vorstellungen. Zielprojektion: Untersuchung, wie vertikale Parallelwelten und hineingedachte innere Wesen kulturell wirksam werden.
  55. Descartes und das denkende Ich Schwerpunktsetzung: Problematisierung einer möglichen Trennung von denkender Selbstgewissheit und körperlicher beziehungsweise organismischer Einbettung. Zielprojektion: Das Subjektmodell an der Verletzungswirklichkeit prüfen.
  56. Möbiusschleife Schwerpunktsetzung: Selbstreferenz, Innen-Außen-Verschränkung und mögliche Rückkehr zur eigenen Ausgangsannahme. Zielprojektion: Geschlossene Selbstbestätigungssysteme und fehlendes unabhängiges Gegenüber sichtbar machen.
  57. Künstlerisches Dreieck Schwerpunktsetzung: Innere Vorstellung, Hände und Material beziehungsweise entstehendes Werk stehen in fortlaufender Rückkopplung. Zielprojektion: Kunst als Modell eines plastischen Erkenntnisprozesses entwickeln.
  58. Die Hände als Tätigkeits- und Rückkopplungsorgane Schwerpunktsetzung: Hände setzen Vorstellung materiell um und spüren Widerstand, Material und Scheitern. Zielprojektion: Geistige Vorstellung an konkrete Tätigkeit und Verletzungswirklichkeit zurückbinden.
  59. Scheitern als Erkenntnissensor Schwerpunktsetzung: Fehler können anzeigen, dass Modell, Können, Material oder Zielprojektion nicht zusammenpassen. Zielprojektion: Scheitern nicht nur als Misserfolg, sondern als Korrekturinstrument nutzbar machen.
  60. Loslassen des Kunstwerks Schwerpunktsetzung: Der Künstler muss erkennen, wann eine Form eigenständige Tragfähigkeit erreicht hat und nicht weiter dem ursprünglichen inneren Modell unterworfen werden darf. Zielprojektion: Distanz zwischen Schöpfer, Vorstellung und entstandener Form erhalten.
  61. Theaterdreieck Schwerpunktsetzung: Schauspieler, Rollenfigur und Zuschauer; ergänzt durch Inszenierung und Requisiten. Zielprojektion: Das „Als-ob“ als produktive symbolische Konstruktion untersuchen und vom realen Menschen unterscheiden.
  62. Rolle und Skulpturidentität Schwerpunktsetzung: „Ich spiele eine Rolle“ kann in „Diese Rolle bin ich“ umkippen. Zielprojektion: Beruf, Status, Eigentum und gesellschaftliche Rolle wieder als veränderbare Konstruktionen sichtbar machen.
  63. Augusto Boal und Sofort-Theater Schwerpunktsetzung: Partizipative und darstellerische Verfahren zur Untersuchung gesellschaftlicher Rollen und Konflikte waren bereits Teil der früheren Arbeit. Zielprojektion: Rollen und gesellschaftliche Situationen nicht nur erklären, sondern körperlich spielbar und veränderbar machen.
  64. Gauklermobil und Requisitenwelt Schwerpunktsetzung: Theatermaterial, Masken, Kleidung, Rollen und mobile Inszenierungen. Zielprojektion: Gesellschaftliche Identitäten als spielbare, ablegbare und überprüfbare Formen erfahrbar machen.
  65. Kreatives Wandern Schwerpunktsetzung: Landschaft über Beobachtung, Schreiben, Wunschbaum, Wunschlandschaft und unmittelbare Begegnung erfahren; entsprechende Landschaftsworkshops sind biografisch dokumentiert. Zielprojektion: Das Gegenüber Natur wieder aus der bloßen Objektbetrachtung lösen und in einen Erfahrungsprozess überführen.
  66. Tagebuch und Arbeitsheft Schwerpunktsetzung: Eigene Wahrnehmung, Assoziation und Erfahrung werden schriftlich externalisiert. Zielprojektion: Denken zu einem überprüfbaren Gegenüber machen und langfristige Lernprozesse ermöglichen.
  67. Mitmachbücher und Malbücher Schwerpunktsetzung: Erwachsenen-, Autobahn-, Telefon-, Fußgänger- und Studio-Malbücher sowie weitere interaktive Buchformen entstanden bereits früh. Zielprojektion: Den Rezipienten vom Betrachter zum Mitproduzenten und Mitprüfer machen.
  68. Roter Punkt Schwerpunktsetzung: Früher „Roter Punkt der Mitmenschlichkeit und Kommunikation“, heute als Positions- oder Beteiligungsoperator weiterentwickelbar. Zielprojektion: Sichtbar machen, wo sich ein Besucher positioniert, widerspricht oder weiterarbeiten möchte.
  69. Frage- und Antworttische Schwerpunktsetzung: Fragen werden zwischen Menschen als gemeinsamer Gegenstand materialisiert. Zielprojektion: Gespräch in einen öffentlichen Prüfprozess überführen.
  70. Tasse der Realität Schwerpunktsetzung: Wunschtasse aus Ton gegenüber funktionaler Realitätstasse; eine Rose kann schön sein, aber als Trinkgefäß scheitern. Zielprojektion: Wunschmodell, Material, Funktion, Handwerk und Tätigkeitskonsequenz gegeneinander prüfen.
  71. Auto und Umwelt Schwerpunktsetzung: Teilnehmer bauen Wunschauto und Realitätsauto aus einfachen Holzmaterialien; das Modell muss tatsächlich konstruktiv funktionieren. Zielprojektion: Innere Vorstellungen materialisieren und an Passung, Funktion und gesellschaftlicher Projektion überprüfen.
  72. Schultafel als plastische Behauptungsfläche Schwerpunktsetzung: Schreiben, Zeichnen, Löschen und Überschreiben; frühere Schultafelarbeiten zeigten bereits verschiedene Phasen eines Geschehens. Zielprojektion: Erkenntnis als vorläufige, öffentlich korrigierbare Setzung darstellen.
  73. Goldschrift auf der Schultafel Schwerpunktsetzung: Eine goldene, nicht mehr leicht löschbare Idee erhält Vorrang gegenüber den kreidegeschriebenen Alternativen. Zielprojektion: Immunisierung, Dogmatisierung und symbolische Überhöhung eines Referenzsystems sichtbar machen.
  74. Schöpfungsgeschichte Schwerpunktsetzung: Landschaftslabor, Herrschaftsgeschichte des Menschen gegenüber Natur, Tanglandschaft, Abendmahltisch und naturstrukturelle Prozesse. Zielprojektion: Menschliche Konstruktionen mit organischen Wachstums- und Prozessformen konfrontieren.
  75. Tanglandschaft Schwerpunktsetzung: Bewegliche, mediumabhängige, sich verdichtende und wieder lösende Form statt starrer Blockstruktur. Zielprojektion: Prozessabhängige Form und membranartige Dynamik als Gegenbild zur Dingwelt entwickeln.
  76. Abendmahltisch Schwerpunktsetzung: Ein materieller Tisch erhält durch kulturelle und religiöse Inszenierung eine zusätzliche symbolische Wirklichkeit. Zielprojektion: Requisite, Symbol, Material und gesellschaftliche Bedeutung auseinanderhalten und überlagern.
  77. Demokratiewerkstätten und Grenze Schwerpunktsetzung: Grenzen, Mauer im Kopf, Verortung und politische Veränderungsprozesse wurden in mehreren Werkphasen praktisch bearbeitet. Zielprojektion: Politische und symbolische Grenzen als herstell-, verschieb- und überprüfbare Formen behandeln.
  78. Globales Dorffest und 1.000 Tische Schwerpunktsetzung: Temporäre Infrastruktur für kollektive Beteiligung und Vernetzung am Brandenburger Tor. Zielprojektion: Gesellschaft als plastisch veränderbare Beziehungsform statt als fertige Institution erfahrbar machen.
  79. Partizipatorisches Welttheater Schwerpunktsetzung: Natur-Mensch-Beziehungen, modulare Ausstellung, Besucherbeteiligung und plastische Lebensgemeinschaft. Zielprojektion: Vorläufer eines öffentlichen, interaktiven Prüf- und Lernraumes entwickeln.
  80. Globale Schwarm-Intelligenz Schwerpunktsetzung: Digitale Plattform zur Weiterführung von Vorgabebildern, Collagen, Zeichnungen, Folien, Texten und Besucherbeiträgen. Zielprojektion: Das reale Atelier in einen langfristig fortschreibbaren, korrigierbaren und vernetzten Lernprozess überführen.
  81. Schwarmintelligenz versus kollektive Verfestigung Schwerpunktsetzung: Viele verbundene Köpfe sind nicht automatisch intelligent; gleiche starre Modelle können sich kollektiv nur verstärken. Zielprojektion: Schwarmintelligenz an Unterschied, Gegenüber, Widerspruch und Korrekturfähigkeit binden.
  82. Plexus-Foliengrammatik Schwerpunktsetzung: Transparente, einzeln kombinierbare Funktionsfolien statt fertiger Gesamtposter. Zielprojektion: Erkenntnis zerlegbar, kombinierbar und korrigierbar machen.
  83. Plexus-Operatorik Schwerpunktsetzung: Essenzielle Funktionsteile werden aus Wissenschaft, Technik, Philosophie, Religion und Kunst funktional extrahiert und neu montiert. Zielprojektion: Eine transdisziplinäre Kunst der funktionalen Extraktion, Erkenntnismontage und Tragprüfung entwickeln.
  84. Epistemische Funktionsmodule Schwerpunktsetzung: Sensor, Sonde, Analogieträger, Transduktor, Prüfkörper, Implantat und weitere Funktionsbausteine. Zielprojektion: Wissen nicht als vollständige Disziplin übernehmen, sondern als überprüfbare Funktion in neue Zusammenhänge einsetzen.
  85. Analogie als Komprimierungsverfahren Schwerpunktsetzung: Unterschiedliche Gegenstände werden nicht sachlich gleichgesetzt, sondern hinsichtlich relationaler Funktionsformen verglichen. Zielprojektion: Große Mengen von Erfahrungen und Wissen zu tragfähigen, übertragbaren Funktionsmustern verdichten.
  86. Inneres Bild / generatives Referenzmodell Schwerpunktsetzung: Über Jahrzehnte trainierte innere Such- und Vergleichsstruktur reagiert auf Bilder, Ideen, Assoziationen, Gefühle und Widersprüche. Zielprojektion: Verstehen, wie aus zahlreichen Einzelbeobachtungen eine immer stärker komprimierte Form- und Prüfgrammatik entsteht.
  87. Generativer Plexus-Grundoperator Schwerpunktsetzung: Gegenläufige Bewegung zwischen innerem Modell und äußerem Gegenüber; Projektion und Korrektur. Zielprojektion: Das eigene Weltmodell nicht nur anwenden, sondern durch Rückmeldungen veränderbar halten.
  88. Doppelte Spirale Schwerpunktsetzung: Eine Richtung sucht im Gegenüber nach bereits vermuteten Formen, die andere führt Abweichungen und Widersprüche zum inneren Modell zurück. Zielprojektion: Projektive und korrektive Erkenntnisbewegung in einem gemeinsamen Filtermodell darstellen.
  89. Urprinzip / Formdynamik Schwerpunktsetzung: Suche nach einer übergreifenden relationalen Grundform von Grenze, Differenz, Bewegung, Rückkopplung, Tragfähigkeit und Korrektur. Zielprojektion: Kein universales Naturgesetz behaupten, sondern einen allgemeinen künstlerischen Prüfoperator entwickeln.
  90. Spielerisches Urprinzip Schwerpunktsetzung: Ausprobieren, kombinieren, verwerfen, neu zusammensetzen; Fehler zunächst zulassen. Zielprojektion: Offenheit und kreative Beweglichkeit gegen starre Wissens- und Rollenordnungen erhalten.
  91. Neugier und Bedürfnis Schwerpunktsetzung: Nicht jeder Mensch entwickelt dieselbe Bereitschaft, Unklarheiten oder Wissenslücken langfristig zu bearbeiten. Zielprojektion: Das Mitmachbuch so gestalten, dass Spiel, Irritation und eigene Interessen unterschiedliche Zugänge eröffnen.
  92. Akzeptanzproblematik Schwerpunktsetzung: Ablehnung kann aus Unverständlichkeit, Fachgrenzen, bedrohten Interessen, fehlender Motivation oder echter Schwäche der Analogie entstehen. Zielprojektion: Widerstand nicht nur dem Besucher zuschreiben, sondern als Rückmeldung an die Darstellung und Methode verwenden.
  93. Spezialisierung Schwerpunktsetzung: Fachliche Vertiefung schafft Differenzierungsfähigkeit, kann aber Übergänge zu anderen Referenzsystemen verlieren. Zielprojektion: Spezialwissen erhalten und gleichzeitig seine Grenzen und Abhängigkeiten sichtbar machen.
  94. Selbstimmunisierende Spezialisierung Schwerpunktsetzung: Ein lokales Fach- oder Berufsmodell erklärt sich zum allgemeinen Wirklichkeitsmaßstab. Zielprojektion: Fachwissen wieder in einen umfassenderen Referenzplexus einsetzen.
  95. Beruf, Status und Belohnungssysteme Schwerpunktsetzung: Gesellschaftliche Anerkennung kann bestimmte Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsformen verstärken und andere ausblenden. Zielprojektion: Untersuchen, wie aus funktionaler Fachrolle eine starre Rollen- oder Skulpturidentität werden kann.
  96. Ökonomisches Referenzsystem Schwerpunktsetzung: Gewinn, Wachstum, Preis oder Marktanteil können als lokale Erfolgsmaßstäbe funktionieren und dabei andere Folgewirklichkeiten ausblenden. Zielprojektion: Wirtschaftliche Bewertung an sozialen, organismischen und planetarischen Tragbedingungen prüfen.
  97. Geld als Bewertungsloch Schwerpunktsetzung: Unterschiedliche Eigenschaften und Lebenszusammenhänge werden auf einen gemeinsamen Preis reduziert. Zielprojektion: Sichtbar machen, welche Eigenschaften durch Monetarisierung erfasst und welche aus der Bewertung herausgeschnitten werden.
  98. Eigentum als Loch- und Grenzprozess Schwerpunktsetzung: Ein Quadratmeter Boden wird rechtlich-symbolisch aus einem materiell weiterhin verbundenen Landschaftszusammenhang herausgeschnitten. Zielprojektion: Unterschied zwischen gesellschaftlich wirksamer Eigentumsgrenze und fortbestehenden Naturbeziehungen zeigen.
  99. Zeit als vierte Hauptdimension Schwerpunktsetzung: Jeder Loch-, Tätigkeits- und Verletzungsprozess besitzt Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft. Zielprojektion: Folgen nicht nur räumlich, sondern zeitlich auf ihre Entstehungs-, Wirkungs- und Reparaturdauer prüfen.
  100. Gegenwart als Membran Schwerpunktsetzung: Der gegenwärtige Augenblick ist die Stelle, an der Vorstellung in Tätigkeit übergeht und die Wirklichkeit unmittelbar antwortet. Zielprojektion: Gegenwart als plastische Übergangsfläche zwischen Erinnerung, Erwartung und tatsächlicher Handlung erfahrbar machen.
  101. Vergangenheitsloch Schwerpunktsetzung: Entstehungsgeschichte und Voraussetzungen eines gegenwärtigen Zustands werden vergessen oder ausgeblendet. Zielprojektion: Gegenwart wieder mit ihrer historischen und materiellen Herkunft verbinden.
  102. Zukunftsloch Schwerpunktsetzung: Langfristige Folgen gegenwärtiger Tätigkeit fehlen im unmittelbaren Entscheidungsrahmen. Zielprojektion: Handlungen auch an späteren und möglicherweise generationenübergreifenden Konsequenzen prüfen.
  103. 24-Stunden-Uhr des Planeten Schwerpunktsetzung: Erdgeschichte wird auf einen Tag komprimiert; menschliche Kultur und Industrialisierung erscheinen als extrem kurze Zeiträume. Zielprojektion: Den zeitlichen Maßstab menschlicher Entscheidungen gegenüber planetarischen Entstehungszeiten relativieren.
  104. Millisekunden-Mensch Schwerpunktsetzung: Sehr junge gesellschaftliche und technische Konstruktionen werden behandelt, als könnten sie tiefere planetarische Bedingungen ersetzen. Zielprojektion: Kurzfristige menschliche Referenzsysteme an langfristigen Tragbedingungen prüfen.
  105. Verletzungswirklichkeit Schwerpunktsetzung: Material, Organismus und Umwelt besitzen reale Toleranzen, Regenerationsmöglichkeiten und Bruchgrenzen. Zielprojektion: Symbolische oder gesellschaftliche Behauptungen an den Konsequenzen in der verletzbaren Wirklichkeit prüfen.
  106. Reparatur Schwerpunktsetzung: Verletzung und Fehlstelle werden nicht verdrängt, sondern zum Ausgangspunkt einer neuen Tätigkeit. Zielprojektion: E4 als praktische Fähigkeit zur Korrektur und Wiederherstellung beziehungsweise Neuformung entwickeln.
  107. Verortungskunst Schwerpunktsetzung: Ort, Zeitpunkt, Inhalt, Teilnehmer und gesellschaftliche Situation müssen zusammenpassen. Zielprojektion: Kunst nicht als ortsunabhängiges Objekt, sondern als zeitlich-räumliche Passungsauseinandersetzung verstehen.
  108. „Documenta 16 hat bereits begonnen“ Schwerpunktsetzung: Bewerbung, Vorbereitung, Reflexion und öffentliche Auseinandersetzung sind selbst Bestandteil des Werkprozesses. Zielprojektion: Documenta nicht nur als späteren Ausstellungszeitraum, sondern als laufenden Verortungs- und Forschungsprozess begreifen.
  109. So-Heits-Atelier des globalen Dorfes Schwerpunktsetzung: Öffentliche Werkstatt plastischer Urteilskraft und Zusammenführung des jahrzehntelangen Lebenswerks. Zielprojektion: Menschen befähigen, eigene Wirklichkeits-, Freiheits- und Identitätskonstruktionen sichtbar zu machen und an Tragbedingungen zu prüfen.
  110. Mitmachbuch Schwerpunktsetzung: Besucher stellen aus mehreren transparenten Folien vorläufige Bild- und Erkenntniskonstruktionen her und dokumentieren sie. Zielprojektion: Urteilskraft nicht belehren, sondern durch eigenes Kombinieren, Schreiben, Prüfen und Korrigieren trainieren.
  111. Mitmachbuch als öffentliches Protokoll Schwerpunktsetzung: Ergebnisse werden nicht nur erzeugt, sondern kopiert, beschrieben, gespeichert und später erneut geöffnet. Zielprojektion: Einen kollektiven, fortschreibbaren Werk- und Lernprozess erzeugen.
  112. Plexus-Kompetenz Schwerpunktsetzung: Fähigkeit, einen Gegenstand gleichzeitig materiell, organismisch, technisch, gesellschaftlich und symbolisch zu verorten. Zielprojektion: Relationale und plastische Urteilskraft als trainierbare Fähigkeit entwickeln.
  113. Plastische Erkenntniskunst Schwerpunktsetzung: Nicht nur das Kunstobjekt, sondern die Veränderung einer Beziehung, Unterscheidung oder eines Urteils wird Teil des Werkes. Zielprojektion: Eine Kunstform entwickeln, die Erkenntnisherstellung selbst zum künstlerischen Material macht.
  114. Forschungskunst Schwerpunktsetzung: Seit den 1970er-Jahren Verbindung von Kunst, Wissenschaft, Naturbeobachtung, gesellschaftlicher Untersuchung und praktischer Tätigkeit; der Programmentwurf zur „Experimentellen Umweltgestaltung“ und zur partizipativen Forschungskunst ist biografisch dokumentiert. Zielprojektion: Kunst als eigenständiges öffentliches Forschungs-, Prüf- und Gestaltungsverfahren etablieren.
  115. Lebenswerk als Materialarchiv Schwerpunktsetzung: Historische Fotografien, Objekte, Mitmachbücher, Schultafeln, Aktionen, Presseberichte, Materialien und Dokumentationen werden nicht nur retrospektiv gezeigt. Zielprojektion: Das historische Werk in erneut benutzbare Erkenntnis- und Tätigkeitsoperatoren überführen.
  116. Materialbibliothek des So-Heits-Ateliers Schwerpunktsetzung: Ton, Holz, Hammer, Nägel, Sand, Wasser, Tang, Kartoffel, Beton, Glas, Goldfolie, Kreide, Spiegel, Requisiten, Fotografien und historische Dokumente. Zielprojektion: Eine haptische Plexus-Grammatik schaffen, in der Materialien nicht nur illustrieren, sondern als reale Gegenüber funktionieren.
  117. Biografischer Erkenntnisplexus statt eines einzigen roten Fadens Schwerpunktsetzung: Naturwahrnehmung, Ornithologie, Fotografie, Spiel, Handwerk, Kunst, gesellschaftliche Aktionen, theoretische Arbeit und spätere Begriffsbildung verliefen teilweise parallel und verbanden sich erst allmählich. Zielprojektion: Das Lebenswerk nicht rückwirkend linear konstruieren, sondern seine mehrsträngige Werkgenese nachvollziehbar machen.
  118. Komprimierung als lebenslange Methode Schwerpunktsetzung: Einzelbilder, Texte, Werkstücke, Erfahrungen und Analogien werden über Jahrzehnte zu immer stärker verdichteten Funktionsbausteinen zusammengeführt. Zielprojektion: Aus einer großen Vielfalt von Erfahrungen eine kleine Zahl hoch anschlussfähiger Prüfoperatoren entwickeln.
  119. Schultafel, Folie und Plattform als drei zeitliche Zustände Schwerpunktsetzung: Die Schultafel ist unmittelbar veränderbar, die Folie kombinierbar und wieder lösbar, die digitale Plattform langfristig fortschreibbar. Zielprojektion: Erkenntnis in verschiedenen Zeitdimensionen öffentlich korrekturfähig halten.
  120. Memento mori Schwerpunktsetzung: Das individuelle Leben endet, während Werk, Fragestellung und Methode weiterbestehen können. Zielprojektion: Das Lebenswerk so externalisieren, dass seine Prüfverfahren auch nach dem Künstler weiter benutzt, kritisiert und verändert werden können.

Übergeordnete Zielprojektion

Aus diesen inzwischen sehr unterschiedlichen Themensträngen lässt sich nicht ein einziger linearer roter Faden, wohl aber eine immer deutlicher werdende gemeinsame Zielprojektion erkennen:

Das So-Heits-Atelier versucht, aus einem über Jahrzehnte entstandenen biografischen Erkenntnisplexus eine öffentlich benutzbare Kunst- und Prüfstruktur zu entwickeln. Mit Bildern, Folien, Materialien, Handlungen, Analogien, Rollen, historischen Werken und Referenzsystemen soll sichtbar werden, wie Menschen Wirklichkeit auswählen, in Dinge und Kategorien zerlegen, mit symbolischen Eigenschaften versehen und nach diesen Konstruktionen handeln. Die entscheidende Prüfung setzt dort ein, wo diese inneren und gesellschaftlichen Modelle auf ihre Tätigkeits-, Abhängigkeits-, Zeit-, Verletzungs- und Reparaturfolgen zurückgeführt werden. Ziel ist nicht die Vermittlung eines fertigen Weltbildes, sondern das Training einer plastischen Urteilskraft, die ihre eigenen Modelle als vorläufig erkennt und gegenüber der Rückmeldung der Plexuswirklichkeit korrekturfähig hält.

Diese 120 Punkte bilden inzwischen nahezu eine Inhalts- und Operatorenkarte des gesamten So-Heits-Ateliers.

„Erstelle keine bloße Zusammenfassung und keine Themenliste. Rekonstruiere den gesamten bisherigen Chat als Entwicklung einer Forschung. Zeige chronologisch und systematisch, wie aus meinen künstlerischen Arbeiten, Erfahrungen und Ausgangsfragen die heutigen Begriffe, Modelle und Methoden entstanden sind. Erfasse jede wesentliche Begriffsentwicklung, begriffliche Korrektur, Verwerfung, Differenzierung und neue Verbindung. Ordne die Inhalte nach Forschungsgrund, Werkgenese, Wirklichkeitsverständnis, Begriffsbildung, Lochprozessen, Gegenüberstellung und Lernen, Plastik und Skulpturalisierung, Erfahrung und Rückkopplung, Symbol- und Eigenschaftsbildung, sprach- und kulturgeschichtlichen Vergleichen, Vier-Ebenen-Modell, Begriffshandwerk und Prüfanker, künstlerischen Prüfobjekten, Folien und Schablonen, Mitmachbuch, Tausend Tischen, KI, Globaler Schwarm-Intelligenz, So-Heits-Gesellschaft und So-Heits-Atelier. Zeige bei jedem Bereich seine Herkunft, seine methodische Funktion, seine Verbindung zu anderen Bereichen, die tragenden Werkbeispiele, seine Zielprojektion und noch offene Fragen. Unterscheide ausdrücklich zwischen historisch oder wissenschaftlich belegbaren Sachverhalten und Hypothesen beziehungsweise Begriffen der Forschungskunst. Zeige abschließend die Gesamtarchitektur des entstandenen Forschungsansatzes und identifiziere Doppelungen, begriffliche Unklarheiten, mögliche Vereinfachungen und noch fehlende Verbindungen.“

Ich behandle den bisherigen Verlauf als Forschungsprozess mit mehreren sich kreuzenden Entwicklungslinien. Die Statusangaben im Text unterscheiden zwischen werkhistorisch dokumentiert, wissenschaftlich beziehungsweise philosophiegeschichtlich anschlussfähig und Forschungskunst-Hypothese beziehungsweise eigener Begriffsbildung.

Rekonstruktion der Forschungsgenese des So-Heits-Ateliers

Methodische Vorbemerkung: Keine lineare Theoriegeschichte

Die bisherige Entwicklung lässt sich nicht als geradliniger Weg von einer frühen Grundidee zu einem heute abgeschlossenen theoretischen System rekonstruieren. Ein solcher roter Faden würde die tatsächliche Werkgenese verfälschen. Vielmehr sind mehrere zunächst teilweise voneinander unabhängige Erfahrungs-, Wahrnehmungs-, Handwerks-, Kunst- und Forschungsstränge entstanden, die sich über Jahrzehnte miteinander verbunden haben. Manche heute zentralen Begriffe waren am Anfang noch überhaupt nicht vorhanden. Sie entstanden wesentlich später als sprachliche Verdichtungen bereits länger praktizierter Wahrnehmungs- und Arbeitsweisen. Andere Begriffe wurden im Verlauf der Gespräche wieder verworfen oder präzisiert, weil sie den inzwischen erreichten Zusammenhang nicht mehr ausreichend erfassten.

Für diese Rekonstruktion müssen deshalb drei Aussageebenen getrennt werden. Werkhistorisch dokumentiert sind biografische Tätigkeiten, Arbeiten, Veranstaltungen, Objekte und Programmentwürfe. Wissenschaftlich oder philosophiegeschichtlich anschlussfähig sind beispielsweise Zellmembran, Osmose, technische Toleranzen, Rückkopplung, Analogiebildung sowie die historischen Bezugnahmen auf Platon, Aristoteles oder Descartes. Eine dritte Ebene bilden die eigenständigen Begriffe und Hypothesen der Forschungskunst: Plexuswirklichkeit, 51:49-Minimalasymmetrie, Plastische Identität, Skulpturidentität, Lochprozess, Millisekunden-Mensch, Referenzplexus oder Plexus-Operatorik. Diese Begriffe können auf wissenschaftliche oder historische Sachverhalte zurückgreifen, sind aber als Gesamtsystem keine bereits wissenschaftlich bestätigte Theorie.

Gerade diese Unterscheidung ist für das So-Heits-Atelier notwendig. Andernfalls würde die Methode denselben Fehler begehen, den sie untersuchen will: Ein Modell würde mit der Wirklichkeit verwechselt.

I. Forschungsgrund und frühe Erfahrungsbildung

Naturzerstörung als existenzieller Ausgangspunkt

Ein früher Forschungsgrund liegt in der bereits in der Kindheit wahrgenommenen Störung von Naturzusammenhängen durch menschliches Verhalten. Die Beschäftigung mit Ornithologie und die Beunruhigung über menschliche Eingriffe in das Naturgeschehen sind biografisch ausdrücklich dokumentiert. Später bestätigte die Auseinandersetzung mit dem Club of Rome für Sie, dass es sich nicht nur um lokale Beobachtungen, sondern um ein umfassenderes gesellschaftliches Problem handelt.

Aus diesem frühen Wahrnehmungsstrang entstand noch keine ausformulierte Plexus-Theorie. Entscheidend war zunächst eine Irritation: Der Mensch ist lernfähig, technisch leistungsfähig und kann Folgen erkennen, handelt aber dennoch auf eine Weise, die seine Lebensbedingungen beeinträchtigt. Diese Irritation verdichtete sich später zu der über Jahrzehnte verfolgten Leitfrage, warum der Mensch trotz Wissen und Korrekturfähigkeit seine eigenen Existenzbedingungen zerstört.

Der Forschungsgrund ist deshalb nicht primär philosophischer Natur. Er entsteht aus einer Differenz zwischen beobachtbarer menschlicher Fähigkeit und beobachtbarer menschlicher Tätigkeit. Die heutige Zielprojektion besteht darin, diese Differenz nicht nur moralisch zu beurteilen, sondern ihre Wahrnehmungs-, Denk-, Symbol-, Tätigkeits- und Rückkopplungsbedingungen zu untersuchen.

Ornithologie und die Entdeckung des Gegenübers

Die frühe Ornithologie bildet einen zweiten eigenständigen Forschungsfaden. Wer gelernt hat, zahlreiche Vogelarten voneinander zu unterscheiden, erlebt praktisch, dass Wahrnehmung trainierbar ist. Ein ungeübter Beobachter fasst sehr unterschiedliche Tiere möglicherweise unter wenigen groben Kategorien zusammen. Durch langfristige Beschäftigung entstehen dagegen immer feinere Unterschiede.

Hier findet sich eine frühe Grundlage des späteren Begriffs der Gegenüberstellung. Lernen bedeutet nicht allein, zusätzliche Informationen zu speichern. Es verändert die Fähigkeit, Unterschiede wahrzunehmen. Voraussetzung ist ein Gegenüber, das nicht vollkommen mit der vorhandenen Vorstellung identisch ist.

Diese Erfahrung wurde erst viel später mit Zellmembran, Distanz, Lücke und plastischer Urteilskraft verbunden. Die Zellmembran ist daher nicht Ursprung dieser Lernvorstellung. Sie wurde nachträglich zu einem Analogieträger für etwas, das praktisch schon wesentlich früher erfahren worden war: Eigenstruktur und Gegenüber müssen unterscheidbar bleiben, zugleich aber miteinander in Austausch stehen.

Die Zielprojektion dieses Forschungsstranges besteht heute darin, den Besucher des Mitmachbuches nicht mit einem fertigen Weltbild zu versorgen, sondern seine Fähigkeit zur Differenzierung zu erweitern.

II. Fotografie, Ausschnitt und die spätere Dingeproblematik

Fotografieren als Festhalten und Beweisen

Ein weiterer früher Entwicklungsstrang liegt in der Fotografie. Sie war für Sie nicht nur künstlerisches Medium, sondern eine erfolgreiche und früh anerkannte Praxis. Fotogruppenarbeit, fotografische Auszeichnungen und spätere fotojournalistische Tätigkeit sind biografisch dokumentiert.

Die Fotografie brachte mehrere für die spätere Forschung wichtige Erfahrungen zusammen. Etwas konnte beobachtet, technisch festgehalten und anderen Menschen vorgelegt werden. Dadurch erhielt die eigene Wahrnehmung ein äußeres Gegenüber. Gleichzeitig war das fotografische Bild niemals mit dem vollständigen Wirklichkeitszusammenhang identisch. Standort, Zeitpunkt, Bildausschnitt, Perspektive und technische Bearbeitung entschieden darüber, was sichtbar wurde und was außerhalb des Bildes blieb.

Hier liegt ein möglicher früher Erfahrungsgrund der späteren Dingeproblematik. Die Fotografie macht praktisch erfahrbar, dass ein Ausschnitt notwendig ist, um etwas sichtbar zu machen, und dass gerade diese Sichtbarmachung gleichzeitig Beziehungen entfernt.

Die fotografische Dingselektion

Aus diesem Zusammenhang wurde im späteren Gespräch ein konkreter Folienoperator entwickelt. Eine Landschaft wird dargestellt. Aus dieser Landschaft wird ein Teil tatsächlich herausgeschnitten. Im ursprünglichen Bild bleibt ein Loch zurück. Das ausgeschnittene Stück wird oberhalb oder neben dem Bild befestigt.

Damit wird der normalerweise unsichtbare Vorgang der Selektion materialisiert. Das Teil war vorher Bestandteil eines Zusammenhangs. Durch den Schnitt erhält es eine neue Selbständigkeit. Es kann benannt, bewegt, bewertet, verkauft oder symbolisch aufgeladen werden. Im Herkunftsbild verbleibt gleichzeitig eine sichtbare Leerstelle.

Die heutige Forschungshypothese lautet deshalb nicht, dass Dinge nicht existierten. Diese zwischenzeitlich auftauchende Möglichkeit wurde präzisiert. Problematisch ist nicht die notwendige Unterscheidung eines Gegenstandes, sondern die Verwandlung einer vorläufigen Selektion in die Behauptung einer vollständig beziehungslosen Einheit.

Diese Korrektur ist wichtig. Die Plexus-Operatorik kann nicht ohne Selektion arbeiten. Auch jede Folie wählt aus. Sie muss deshalb die eigene Auswahl sichtbar halten.

Die Zielprojektion besteht darin, den Vorgang der Dingwerdung reversibel zu machen: Der ausgeschnittene Teil soll durch zusätzliche Folien wieder mit seinen Herstellungs-, Stoff-, Lebens-, Eigentums-, Zeit- und Tätigkeitsbeziehungen verbunden werden können.

III. Maschinenbau, Toleranzraum und Passung

Das Handwerk als eigenständiger Erkenntnisstrang

Die Ausbildung zum Maschinenschlosser von 1965 bis 1969 bildet einen weiteren, nicht aus den vorherigen Strängen abzuleitenden Entwicklungsfaden. Hier wurden Material, Maß, Winkel, Spiel, Reibung, Kraft, Verschleiß, Belastung und Bruch nicht zunächst theoretisch, sondern praktisch erfahren.

Der später zentrale Begriff des Toleranzraumes hat hier einen nachvollziehbaren Erfahrungsgrund. Eine technische Konstruktion funktioniert nicht deshalb, weil alle Bestandteile geometrisch vollkommen identisch oder spiegelbildlich sind. Gerade Spielräume, Freiwinkel und begrenzte Differenzen können notwendige Funktionsbedingungen darstellen.

Aus dieser handwerklichen Erfahrung entwickelte sich später das 51:49-Modell. Die Zahl ist innerhalb der Forschungskunst nicht als naturwissenschaftliches Universalgesetz zu verstehen. Sie dient als Verhältnisoperator für eine Minimalasymmetrie: Eine kleine Differenz kann Bewegung, Schnitt, Spielraum oder Korrektur ermöglichen.

Der technische Hintergrund bildet damit keinen Beweis für das 51:49-Prinzip in biologischen, sozialen oder philosophischen Zusammenhängen. Er stellt ein starkes Ausgangsreferenzsystem bereit, aus dem Analogien entwickelt werden können.

Vom Toleranzraum zum Passungsdenken

Der Toleranzraum erweitert die Frage nach dem Gegenüber. Etwas kann verschieden sein und dennoch funktionieren. Entscheidend ist nicht vollständige Identität, sondern Passung.

Diese Passung wurde im Verlauf der Forschung immer umfassender. Zunächst kann sie technisch gemeint sein: Passt ein Teil zu einem anderen, ohne zu klemmen oder zu brechen? Später wird gefragt, ob eine menschliche Tätigkeit zum Material, ein Organismus zum Medium, eine gesellschaftliche Ordnung zu ihren Lebensbedingungen oder ein Weltmodell zur Verletzungswirklichkeit passt.

Damit entwickelte sich Passung zu einer Brücke zwischen Handwerk und Forschungskunst. Noch offen ist allerdings, ob „Passung“ künftig einen eigenen Grundbegriff erhalten soll oder dem Referenz- und Toleranzmodell untergeordnet bleibt. Für die Gesamtarchitektur wäre eine ausdrückliche Bestimmung sinnvoll, weil Passung mehrere bisher getrennt behandelte Stränge miteinander verbindet.

IV. Von der gesellschaftlichen Katastrophenfrage zur Forschungskunst

„Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“

In den Jahren 1973/74 wurde innerhalb eines künstlerischen Seminars eine szenische Folge zu prognostizierten menschengemachten Katastrophen entwickelt und die Frage „Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“ formuliert. Aus dieser Arbeit entwickelte sich laut biografischer Dokumentation eine jahrzehntelange Suche nach Lösungsmodellen und ein Programmentwurf für eine partizipative, repräsentative und verrichtungsbezogene Forschungskunst.

Damit beginnt eine neue Phase. Frühere Wahrnehmungs-, Fotografie- und Handwerkserfahrungen werden nun bewusster mit Kunst und Gesellschaft verbunden. Die Kunst wird nicht mehr nur als Herstellung von Bildern oder Plastiken verstanden. Sie soll Verfahren bereitstellen, mit denen gesellschaftliche und menschliche Prozesse untersucht werden können.

Die heutige Forschungskunst ist deshalb nicht nachträglich aus dem Begriff „Plexus“ entstanden. Umgekehrt ist Plexus eine spätere begriffliche Verdichtung einer bereits viel früher vorhandenen kunstpraktischen Forschungsorientierung.

V. Experimentelle Umweltgestaltung und Generalismus

Das frühe Labor verschiedener Erkenntnisformen

Während des Bildhauerstudiums entstanden zahlreiche Arbeiten, die heute als Vorläufer der Plexus-Operatorik gelesen werden können: naturwissenschaftliche Experimente, Wellenbecken, Synergie- und Regulationsversuche, Deichprofile nach dem Vorbild von Biberdämmen, Autoarbeiten, asymmetrische Formen, Non-finito-Vorgaben, Messungen, Malbücher und Frage-Antwort-Verfahren. Ein integrativer beziehungsweise generalistischer Studienansatz wurde ausdrücklich formuliert.

Diese Werkphase ist methodisch besonders wichtig. Sie zeigt, dass der heutige transdisziplinäre Anspruch nicht erst aus der Arbeit mit künstlicher Intelligenz entstanden ist. Bereits hier werden künstlerische, technische und naturwissenschaftliche Funktionsbausteine miteinander konfrontiert.

Der heutige Begriff „epistemisches Funktionsmodul“ kann als nachträgliche methodische Beschreibung dieser Arbeitsweise dienen. Er bedeutet, dass nicht komplette Wissenschaften in die Kunst übernommen werden, sondern bestimmte funktionsrelevante Erkenntnisteile. Ein Wellenbecken liefert beispielsweise nicht „die Physik“, sondern ein beobachtbares Modell von Ausbreitung, Störung und Rückwirkung. Ein Deichprofil liefert nicht „die Biologie“, kann aber mit dem Biberdamm auf Grenz- und Regulationsformen hin verglichen werden.

Die offene Frage besteht darin, wie genau die Grenze zwischen legitimer funktionaler Analogie und unzulässiger Gleichsetzung markiert wird. Diese Grenze muss künftig Bestandteil jeder Folie sein.

VI. Vom statischen Bild zum Prozess

„Ein abgebildeter Wirbel wirbelt nicht“

In der weiteren Werkentwicklung entstand ein entscheidendes Problem: Malerei und Plastik können Bewegungsformen darstellen, doch das dargestellte Geschehen vollzieht sich im Bild nicht tatsächlich. Diese Einsicht wurde in der Biografie ausdrücklich formuliert: Ein abgebildeter Wirbel wirbelt nicht. Daraus folgte eine verstärkte Orientierung auf Prozesse, Serien und politische beziehungsweise gesellschaftliche Abläufe.

Hier liegt ein wesentlicher Vorläufer der heutigen Unterscheidung zwischen Abbild und Verletzungswirklichkeit. Ein Foto eines Loches ist kein materielles Loch. Eine gezeichnete Welle besitzt keine reale Kraftwirkung. Ein Begriff „Hitze“ erzeugt keine Temperatur.

Gleichzeitig sind Abbilder nicht bedeutungslos. Sie ermöglichen Distanz, Vergleich und erneute Bearbeitung. Die spätere Foliengrammatik versucht deshalb nicht, das Bild zugunsten einer vermeintlich unmittelbaren Realität abzuschaffen. Sie verbindet Bild, Material und Tätigkeit.

Die Zielprojektion besteht in einem Erkenntnisverfahren, bei dem ein Bild jederzeit mit seinem materiellen oder prozessualen Gegenüber konfrontiert werden kann.

VII. Schultafel, Serien und korrigierbare Behauptung

Von der Darstellung eines Zustandes zur Darstellung eines Verlaufs

Mit den Schultafelarbeiten um 1989 wurden unterschiedliche Phasen eines Geschehens seriell dargestellt. Die Auseinandersetzung mit dem neuen Deutschland, gesellschaftlicher Veränderung und „Mauern in den Köpfen“ öffnete die Arbeit für zeitliche und politische Prozesse.

Die Schultafel besitzt heute eine weiterentwickelte methodische Funktion. Sie ist eine Behauptungsfläche, deren Inhalt nicht endgültig festgeschrieben ist. Kreide kann geschrieben, verändert und gelöscht werden. Dadurch wird die Korrigierbarkeit selbst Teil des Werkes.

Die spätere Idee der Goldschrift verschärft diesen Gegensatz. Wird eine Aussage nicht mit Kreide, sondern dauerhaft und symbolisch aufgewertet in Gold angebracht, verliert sie ihre Gleichrangigkeit mit den anderen vorläufigen Einträgen. Die goldene Idee wird zum Modell einer immunisierten Behauptung.

Damit verbindet sich die Schultafel mit Midas, Platon, Eigentum, Wert, Ideologie und Skulpturidentität. Das Material der Schrift wird zu einem Prüfoperator für den Geltungsanspruch einer Aussage.

VIII. Schöpfungsgeschichte, Landschaft und naturstrukturelle Prozesse

Die Landschaft als Labor

Die „Schöpfungsgeschichte“ der frühen 1990er-Jahre bildet einen weiteren entscheidenden Werkkomplex. Eine jahreszeitliche Arbeit in einer eiszeitlich geprägten Landschaft konfrontierte menschliche Herrschaftsvorstellungen mit naturstrukturellen Wachstums- und Prozessformen. Tanglandschaft, Abendmahltisch und weitere Elemente wurden in einen umfassenden Landschaftszusammenhang gebracht.

Hier treffen mehrere heute getrennt benannte Stränge bereits praktisch zusammen: Zeit, Boden, Geschichte, Naturprozess, menschliche Konstruktion, Symbol und Tätigkeit.

Besonders wichtig ist die später entwickelte Betrachtung des Bodens. Der gegenwärtige menschliche Spatenstich trifft auf eine materielle Struktur, deren Entstehungsgeschichte wesentlich älter ist als die Handlung selbst. Damit wird Zeit nicht mehr nur durch eine Uhr dargestellt. Vergangenheit ist materiell in der Gegenwart wirksam.

Aus diesem Werkbereich entwickelt sich heute eine Verbindung zur 24-Stunden-Uhr des Planeten und zum Millisekunden-Menschen: extrem kurze menschliche Handlungszeiten greifen in wesentlich längere Entstehungs- und Regenerationszeiten ein.

IX. Tanglandschaft, Membran und prozesshafte Form

Die Tanglandschaft erhält im gegenwärtigen Forschungsstand eine neue Bedeutung. Sie kann als Gegenbild zum Betonblock gelesen werden. Der Betonblock besitzt starre Kanten, Wiederholbarkeit und geometrische Abgrenzung. Tang verändert dagegen seine Form in Beziehung zu Wasser, Strömung, Untergrund und anderen Materialien.

Damit wird Tang zu einem Analogieträger einer prozessabhängigen Form. Diese Analogie kann mit der Zellmembran verbunden werden, darf aber nicht biologisch gleichgesetzt werden. Gemeinsam untersucht werden kann die Frage, wie eine Form unterscheidbar bleibt, obwohl ihre Grenze beweglich, durchlässig oder mediumabhängig ist.

Die Zielprojektion besteht in der Entwicklung einer plastischen Grenzvorstellung, die weder starre Isolation noch unterschiedslose Auflösung bedeutet.

X. Partizipation, Rollen und gesellschaftliche Versuchsräume

Augusto Boal und das Als-ob

In den 1980er-Jahren wurden Performances, Rollenexperimente, kreatives Wandern und Verfahren des Sofort-Theaters nach Augusto Boal eingesetzt. Diese Arbeiten bilden einen eigenständigen Ursprung der späteren Rollen- und Skulpturidentitätsproblematik.

Theater macht eine gesellschaftlich äußerst wichtige Unterscheidung praktisch erfahrbar. Ein Schauspieler ist nicht identisch mit seiner Rollenfigur. Das „Als-ob“ kann angenommen und wieder verlassen werden. Gerade weil Distanz besteht, kann die Rolle intensiv gespielt werden.

Die heutige Forschungshypothese lautet, dass gesellschaftliche Rollen problematisch werden können, wenn diese Distanz verloren geht. Aus „Ich spiele eine Rolle“ wird „Diese Rolle bin ich“. Beruf, Status, Eigentum, Geschlecht oder gesellschaftliche Funktion können dadurch zu einer Skulpturidentität verfestigt werden.

Der künstlerische Gegenentwurf ist nicht Rollenlosigkeit. Er besteht in der Fähigkeit, Rollen zu benutzen, ohne sie zum unveränderlichen Wesenskern zu machen.

XI. Die Tausend Tische als soziale Materialstruktur

Das „Globale Dorffest“ am Brandenburger Tor mit rund tausend Tapeziertischen gehört zu den wichtigen Vorläufern der heutigen Schwarm- und Mitmachstruktur.

Der Tisch besitzt dabei eine doppelte Funktion. Er ist ein banales materielles Objekt und zugleich eine temporäre soziale Infrastruktur. Viele gleiche Tische können einzeln benutzt, verbunden, umgestellt oder zu größeren Formationen zusammengesetzt werden.

Damit bilden die tausend Tische ein Gegenmodell sowohl zur monumentalen Einzelplastik als auch zur bloßen Menschenmenge. Die soziale Form entsteht aus einer Vielzahl temporärer Arbeitsflächen.

Im heutigen Forschungsansatz können die tausend Tische als Vorläufer einer analogen Schwarmintelligenz gelesen werden: Viele Menschen erhalten Ausgangsmaterial beziehungsweise eine gemeinsame Fragestellung, entwickeln aber unterschiedliche Antworten.

Offen bleibt, ob der Begriff „Tausend Tische“ im So-Heits-Atelier nur werkhistorisch verwendet oder als eigener methodischer Operator reaktiviert werden soll. Seine Verbindung zum Mitmachbuch und zur Globalen Schwarm-Intelligenz ist jedenfalls strukturell stark.

XII. Vom Partizipatorischen Welttheater zur Globalen Schwarm-Intelligenz

Das zwischen 2005 und 2019 entwickelte Partizipatorische Welttheater verband bereits Natur-Mensch-Beziehungen, unterschiedliche Module, Besucherbeteiligung, Interdependenz und die Vorstellung einer plastischen Welt. Der Besucher sollte Fragen stellen, Antworten geben und sich als plastisches Grenzwesen innerhalb der Lebensgemeinschaft wahrnehmen.

Damit ist die heutige Globale Schwarm-Intelligenz nicht als völlig neuer digitaler Ansatz zu verstehen. Sie setzt eine wesentlich ältere Vernetzungs- und Partizipationsgeschichte fort. Frühere Fax-Vernetzungen, Tausend-Tische-Strukturen, Malbücher, Frage-Antwort-Tische und partizipative Aktionen bilden analoge Vorläufer.

Seit 2023 wird diese Werkbewegung ausdrücklich auf einer professionellen Wiki-Plattform fortgeführt. Vorgabebilder, Collagen, Zeichnungen, Folien und Fotografien sollen dort verarbeitet, gedeutet und in neue Zusammenhänge gebracht werden.

Die Zielprojektion besteht nicht nur in der Sammlung von Beiträgen. Schwarmintelligenz wird zunehmend als Korrekturstruktur verstanden. Viele Menschen erzeugen nicht automatisch Intelligenz. Wenn alle dieselbe Strukturidentität reproduzieren, entsteht nur eine größere kollektive Verfestigung. Intelligenz setzt unterschiedliche Gegenüber, Vergleich, Widerspruch und Korrektur voraus.

XIII. Das Wirklichkeitsverständnis: Von der Dingwelt zur Plexuswirklichkeit

Wirklichkeit nicht als Ansammlung fertiger Gegenstände

Aus Fotografie, Landschaft, Handwerk, Naturprozess, gesellschaftlicher Erfahrung und Materialarbeit entstand allmählich ein Wirklichkeitsverständnis, das die isolierte Dingeinheit zunehmend problematisiert.

Zwischenzeitlich wurde der Begriff „Erscheinung“ grundsätzlich infrage gestellt. Auch diese Kritik musste präzisiert werden. Es wäre sprachlich und philosophiegeschichtlich zu weitgehend zu behaupten, Erscheinungen existierten überhaupt nicht. Die tragfähigere Formulierung lautet, dass das, was erscheint, nicht automatisch eine von seinen Bedingungen unabhängige Wirklichkeitseinheit bildet.

Daraus entwickelte sich der Begriff der Plexuskonfiguration: Etwas kann als unterscheidbare Form ausgewählt werden, bleibt aber Bestandteil umfassenderer Wirk-, Entstehungs- und Folgenzusammenhänge.

Die Plexuswirklichkeit bezeichnet den umfassenderen Zusammenhang, der niemals vollständig durch ein einzelnes Bild, Referenzsystem oder Modell erfasst wird.

So-Heit

Der Begriff So-Heit ist innerhalb dieses Zusammenhangs nicht als Behauptung eines unveränderlichen Wesenskerns zu verstehen. Er bezeichnet zunehmend eine jeweils prüfbare Verbindung von Material, Entstehung, Beziehung, Gebrauch, Zuschreibung und Folge.

Damit unterscheidet sich So-Heit von essentialistischen Identitätsvorstellungen. Ein Gegenstand „ist“ nicht unabhängig von den Beziehungen, innerhalb derer seine Funktion entsteht. Ein Mensch „ist“ nicht nur seine gesellschaftliche Rolle.

Die Zielprojektion ist daher eine Wirklichkeitsbeschreibung, die genügend Unterscheidung zulässt, um handlungsfähig zu sein, aber genügend Offenheit erhält, um Beziehungen und Veränderungen mitzudenken.

XIV. Das Vier-Ebenen-Modell E1–E4

Das Vier-Ebenen-Modell ist eine spätere Komprimierung vieler älterer Arbeiten. Es bildet keine wissenschaftlich etablierte Ontologie, sondern einen Forschungskunst-Prüfrahmen.

E1 umfasst Material, Kraft, Last, Widerstand, Temperatur, Bruch und andere physikalisch-chemische Bedingungen. E2 bezeichnet Organismus, Stoffwechsel, Verletzbarkeit, Regulation und Regeneration. E3 umfasst gesellschaftliche und symbolische Konstruktionen wie Geld, Eigentum, Rolle, Gesetz, Religion, Wert und Identität. E4 bezeichnet die Ebene der Prüfung, Rückkopplung und Reparatur.

Methodisch entscheidend ist nicht die bloße Einteilung. Entscheidend ist die Prüfung von Übergängen. Eine E3-Konstruktion kann gesellschaftlich äußerst real wirksam sein. Eigentum beispielsweise kann Zugang, Verhalten und Verfügungsrechte bestimmen. Dennoch ist Eigentum keine materielle Eigenschaft desselben Typs wie Masse oder Temperatur.

Die Zielprojektion des Modells besteht darin, Kategorienfehler sichtbar zu machen und E3-Konstruktionen an ihren E1- und E2-Folgen zu prüfen.

Eine offene Frage ist, ob E4 tatsächlich eine gleichartige „Ebene“ darstellt oder besser als Operator beschrieben werden sollte. Da E4 die anderen Ebenen prüft, besitzt sie methodisch eine andere Funktion als E1 bis E3. Diese Unterscheidung sollte künftig ausdrücklich gemacht werden.

XV. Plastisches Ich, Plastische Identität und Skulpturidentität

Die Unterscheidung zwischen Plastischem Ich beziehungsweise Plastischer Identität und Skulpturidentität gehört inzwischen zu den tragenden anthropologischen Modellen.

Plastisch bezeichnet eine Form, die Eigenstruktur besitzt, aber auf Widerstand, Erfahrung und Rückmeldung reagieren kann. Skulpturalisierung bezeichnet dagegen die Verfestigung einer vorläufigen Form zu einer vermeintlich unveränderlichen Identität.

Diese Begriffe entstanden aus dem bildhauerischen Handwerk, der Rollenarbeit, dem Materialwiderstand und der gesellschaftlichen Identitätskritik. Sie sind nicht psychologische Diagnosen.

Das Ziel besteht nicht darin, jede Stabilität aufzulösen. Auch eine plastische Form benötigt Kontinuität. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob eine Identität Korrektur zulässt.

Hier besteht eine begriffliche Doppelung: „Plastisches Ich“ und „Plastische Identität“ werden teilweise für nahe Sachverhalte verwendet. Für die weitere Systematik wäre eine klare Trennung sinnvoll. „Plastisches Ich“ könnte stärker den organismisch-lebendigen Selbstprozess E2 bezeichnen, „Plastische Identität“ dagegen die Fähigkeit eines Menschen, seine E3-Selbstbeschreibungen veränderbar zu halten.

XVI. Der Toleranzraum wird durch das Referenzsystem erweitert

Der Toleranzraum war zunächst ein technisch-handwerklich geprägter Begriff. Erst wesentlich später entstand durch andere Erfahrungen, unter anderem die wiederholte Auseinandersetzung mit medizinischen Blutwerten und Referenzbereichen, der Begriff des Referenzsystems.

Damit veränderte sich die Frage. Der Toleranzraum fragt, innerhalb welcher Abweichungen etwas funktioniert. Das Referenzsystem fragt grundlegender, nach welchem Maßstab „zu viel“, „zu wenig“, „normal“, „gefährlich“ oder „erfolgreich“ überhaupt bestimmt wird.

Der Referenzbegriff ermöglichte neue Analogien. Zellmembran, Osmose, habitable Zone, Maschinenbautoleranz und gesellschaftliche Bewertung mussten nicht länger unmittelbar miteinander gleichgesetzt werden. Sie konnten vielmehr daraufhin untersucht werden, welche Referenzbedingungen jeweils Funktionsbereiche bestimmen.

Dieser begriffliche Schritt war eine echte Komprimierung: Ein später gefundener Begriff machte frühere Erfahrungen auf eine neue Weise miteinander verbindbar.

XVII. Vom Referenzsystem zum Referenzplexus

Auch der Begriff Referenzsystem erwies sich als nicht ausreichend. Ein System kann innerhalb seines eigenen Bezugsrahmens erfolgreich sein und gleichzeitig umfassendere Voraussetzungen schädigen.

Ein wirtschaftliches System kann Gewinn erzeugen und gleichzeitig soziale oder ökologische Schäden externalisieren. Ein technisches System kann seinen unmittelbaren Zweck erfüllen, während seine Herstellung langfristige Folgen besitzt.

Daraus entstand der Begriff Referenzplexus. Er bezeichnet die Überlagerung verschiedener Bezugssysteme und verhindert, dass ein lokaler Maßstab zum universalen Wahrheitsmaßstab erklärt wird.

Die offene begriffliche Frage besteht darin, „Referenzmodell“, „Referenzsystem“, „Referenzbewertungssystem“ und „Referenzplexus“ künftig klarer zu trennen. Gegenwärtig besitzen sie teilweise überlappende Funktionen.

Eine mögliche Vereinfachung wäre: Ein Referenzmodell ist die innere oder theoretische Darstellung eines Zusammenhanges; ein Referenzsystem ist der konkrete Bezugsrahmen einer Bewertung; der Referenzplexus bezeichnet das Verhältnis mehrerer solcher Systeme.

XVIII. Das dreifache Optimum

Aus den Referenzüberlegungen entstand die Vorstellung dreier ineinanderliegender Optima. Das umfassendere Mediumoptimum wird beispielsweise durch Wasser und seine Bewegungsbedingungen repräsentiert. Darin befindet sich das Organismusoptimum des Hais, dessen Körperform und Verhalten über sehr lange evolutionäre Prozesse mit bestimmten Umweltbedingungen gekoppelt wurden. Innerhalb dessen gibt es wiederum das kleinere situative Handlungsoptimum.

Diese Struktur ist als Forschungskunst-Modell zu behandeln, nicht als etablierte biologische Terminologie.

Ihre methodische Bedeutung liegt darin, dass ein kleines Optimum nicht automatisch das größere bestimmen darf. Was für eine einzelne Handlung kurzfristig optimal erscheint, kann für den Organismus oder das Medium schädlich sein.

Damit entsteht eine Verbindung zu Ökonomie und Millisekunden-Mensch: Ein lokales Gewinnoptimum darf nicht ohne Prüfung zum Maßstab des planetarischen Tragsystems werden.

XIX. 51:49, 50:50 und 1:99

Das 51:49-Modell entwickelte sich aus Passung, Freiwinkel, Differenz und dem Interesse an Minimalasymmetrie. 50:50 bezeichnet demgegenüber die Gefahr einer gedanklich perfekten Symmetrie, die notwendige Bewegungs- oder Spielräume unterschlägt. 1:99 markiert die mögliche gesellschaftliche Drift zu extremer Ungleichheit und Herrschaft.

Diese Zahlen besitzen im Forschungsansatz unterschiedliche Status. 51:49 ist ein künstlerischer Verhältnisoperator. 50:50 bezeichnet eine kritisierte Symmetrievorstellung. 1:99 ist ein gesellschaftlich-politisches Bild extremer Konzentration. Sie dürfen nicht zu einem einheitlichen mathematischen Naturgesetz verschmolzen werden.

Die Vereinfachung besteht darin, sie künftig ausdrücklich als drei verschiedene Operatoren zu kennzeichnen: Minimalasymmetrie, Symmetrieillusion und Konzentrationsdrift.

XX. Das Urprinzip und seine Korrektur

Im Gespräch entstand die Vermutung eines inneren Urprinzips, das Assoziationen, Bilder, technische Erfahrungen, Gefühle und Ideen miteinander verbindet. Zunächst drohte daraus die Vorstellung eines einzigen universalen Mechanismus zu entstehen.

Diese Vorstellung wurde korrigiert. Osmose, Bohrergeometrie, Zellmembran, habitable Zone und gesellschaftliche Prozesse besitzen keine identischen Sachmechanismen. Ein gemeinsames Prinzip kann höchstens auf einer zweiten Ebene angenommen werden: als wiederkehrende Such- und Prüfbewegung.

Daraus entstand der Begriff des generativen Plexus-Grundoperators. Er beschreibt eine innere Formdynamik, die in unterschiedlichen Sachbereichen nach Beziehungen von Grenze, Differenz, Toleranz, Rückkopplung und Tragfähigkeit sucht.

Die entscheidende Selbstkorrektur lautet: Dieser Operator darf nicht nur Beispiele für seine eigene Richtigkeit sammeln. Das Gegenüber muss das Modell verändern können.

Damit wird die Gefahr einer Ideologie ausdrücklich in das eigene Verfahren eingebaut.

XXI. Doppelte Spirale und Rückkopplungsrichtung

Die doppelte Spirale entwickelte sich als mögliches Bild zweier gegenläufiger Bewegungen. Eine Richtung geht vom inneren Modell zum Gegenüber und sucht nach passenden Relationen. Die andere Richtung führt Abweichungen und Widersprüche des Gegenübers zum inneren Modell zurück.

Das 51:49 beziehungsweise 49:51 kann in dieser Folie eine wechselnde Minimalasymmetrie symbolisieren. Es handelt sich jedoch ausdrücklich nicht um eine gemessene Gehirnfunktion.

Die doppelte Spirale ist somit ein Forschungskunst-Modell für projektionale und korrektive Erkenntnisbewegung. Noch offen ist, ob die Spirale als eigenständiger Grundoperator benötigt wird oder ob Rückkopplung, Membran und Referenzsystem bereits genügend leisten. Hier besteht Vereinfachungspotenzial.

XXII. Gegenüberstellung, Distanz und Lernen

Die Frage nach Lernen gehört zu den ältesten Erfahrungssträngen und wurde im jüngsten Forschungsstand neu mit den Folien verbunden.

Distanz bedeutet dabei keine vollständige Trennung. Sie bezeichnet den Zwischenraum, in dem vorhandene Vorstellung und Gegenüber miteinander verglichen werden können. Ohne diesen Abstand gibt es keine Korrektur.

Das künstlerische Werk kann zum Gegenüber des Künstlers werden. Das Foto wird zum Gegenüber seiner Erinnerung. Die Schultafel macht eine Aussage äußerlich sichtbar. Das Mitmachbuch macht die Folienkombination zum Gegenstand einer erneuten Betrachtung.

Wissenschaftlich anschlussfähig ist daran, dass Lernen, Analogiebildung, externe Repräsentation und konzeptuelle Veränderung tatsächlich wichtige Forschungsfelder der Kognitionswissenschaft darstellen. Nicht wissenschaftlich belegt ist bislang die weitergehende Behauptung, die Plexus-Foliengrammatik verändere dauerhaft das Denken ihrer Benutzer. Das wäre eine empirische Forschungsfrage.

Die Zielprojektion lautet deshalb präziser: Das Mitmachbuch soll Bedingungen für ein Training plastischer Urteilskraft bereitstellen. Ob und unter welchen Bedingungen dies tatsächlich gelingt, müsste beobachtet und untersucht werden.

XXIII. Kognitionswissenschaft als Referenz, nicht als Fundament

Zwischenzeitlich entstand die Frage, ob Kognitionswissenschaft die Grundlage dieser Arbeitsweise erklären könne. Die inzwischen tragfähigere Position lautet, dass sie Teilvorgänge beschreiben kann, aber nicht Fundament der Plexus-Operatorik ist.

Begriffe wie mentale Modelle, Schemata, Analogiebildung, epistemische Neugier, Unsicherheitsverarbeitung oder kognitive Geschlossenheit können Vergleichsmöglichkeiten bereitstellen. Sie erklären jedoch weder die biografische Entstehung Ihres Werkes noch dessen normative Zielprojektion.

Der Forschungsansatz sollte deshalb nicht nachträglich kognitionswissenschaftlich legitimiert werden. Umgekehrt kann die Kognitionswissenschaft als externes Referenzfeld genutzt werden, um konkrete Wirkungsfragen des Mitmachbuches zu überprüfen.

XXIV. Erfahrung, Erfolg, Spiel und Komprimierung

Ein bisher unterschätzter Forschungsfaden liegt in den Erfolgserlebnissen und dem Spielerischen. Fotografie ermöglichte früh sichtbare Ergebnisse. Material konnte verändert, etwas konnte hergestellt und anderen gezeigt werden.

Diese Erfahrung setzt sich in vielen späteren Arbeiten fort. Malbücher, kreatives Wandern, Tonarbeiten, Auto und Umwelt, Frage-Antwort-Tische und Theater sind keine bloßen didaktischen Techniken. Sie ermöglichen spielerische Versuchsanordnungen.

Das Spielerische wird dadurch zu einem möglichen eigenständigen Urprinzip. Es erlaubt Kombinationen, bevor ihre Richtigkeit feststeht. Dadurch unterscheidet es sich vom Dogma.

Die über Jahrzehnte wiederholte Verbindung von Bildern, Assoziationen und Texten führte schließlich zu einer zunehmenden Komprimierung. Ein einzelnes Bild konnte immer mehr Funktionszusammenhänge aktivieren. Aus vielen Beispielen entstanden Begriffe wie Toleranzraum, Referenzsystem oder Plexus.

Komprimierung bedeutet daher nicht Verkürzung allein. Sie bedeutet die Herausarbeitung eines übertragbaren relationalen Kerns.

XXV. Das künstlerische Dreieck

Die bildnerische Arbeit wurde im Gespräch zu einem eigenen Erkenntnismodell verdichtet. Im Kopf des Künstlers befindet sich keine vollständig fertige Vorlage, sondern ein vorläufiges inneres Modell. Hände und Werkzeug übertragen diese Vorstellung in Material. Das entstehende Werk tritt dem Künstler gegenüber und kann seine ursprüngliche Vorstellung korrigieren.

Das künstlerische Dreieck verbindet Vorstellung, Tätigkeit und Gegenüber. Materialwiderstand, handwerkliches Können, Scheitern und Distanz sind dabei keine Nebensachen, sondern Erkenntnisbedingungen.

Der Künstler muss außerdem loslassen können. Ein Werk darf nicht unbegrenzt der ursprünglichen Vorstellung unterworfen bleiben.

Aus diesem Modell entwickelt sich eine weitergehende Zielprojektion: Könnten gesellschaftliche Weltmodelle ähnlich behandelt werden wie ein künstlerischer Entwurf? Sie dürften eine Zielvorstellung besitzen, müssten aber Widerspruch, Scheitern und Veränderung zulassen.

Das künstlerische Dreieck wird damit zu einem möglichen Reparaturoperator.

XXVI. Tätigkeitskonsequenzen

Eine dritte Hauptfolie entstand aus der Frage, was geschieht, wenn eine innere Vorstellung tatsächlich handlungswirksam wird.

Die Hand greift ein Werkzeug. Das Werkzeug überträgt Kräfte. Das Material reagiert. Zwischen Zielprojektion und tatsächlicher Folge entsteht eine Wirkungskette.

Damit wird der Begriff Tätigkeitskonsequenz genauer als „Handlung“. Eine Handlung kann aus der Perspektive des Menschen beschrieben werden. Die Tätigkeitskonsequenz umfasst zusätzlich, was im bearbeiteten Zusammenhang tatsächlich geschieht.

Diese Differenz ist für die Ausgangsfrage nach der Selbstzerstörung zentral. Menschen müssen ihre Lebensgrundlagen nicht zerstören wollen. Es genügt, wenn ihre lokalen Handlungen erfolgreich erscheinen und die weiterreichenden Konsequenzen aus dem verwendeten Referenzsystem herausfallen.

XXVII. Der Spaten als Tätigkeitsoperator

Der Spaten verdichtet diese Zusammenhänge. Hand, Griff, Stiel, Schneide und Mutterboden bilden eine Kette von Kontakt- und Übertragungsstellen.

Die Handlungsabsicht liegt im Menschen. Das Loch entsteht im Boden.

Dadurch kann die Differenz zwischen Vorstellung und Verletzungswirklichkeit unmittelbar sichtbar gemacht werden.

Der Spaten verbindet zudem Gegenwart und Vergangenheit. Ein gegenwärtiger Spatenstich kann in einen Boden eingreifen, dessen materielle Entstehung wesentlich älter ist. Kurze Tätigkeitszeit trifft auf lange Bodenzeit.

Damit verbindet der Spaten Handwerk, Lochprozess, Zeit, Eigentum und planetarische Kalibrierung.

XXVIII. Gold, Midas und Symbolwert

Mit dem vergoldeten Spaten entsteht eine weitere Ebene. Gold besitzt materielle Eigenschaften und zugleich kulturell zugeschriebene Werteigenschaften. Diese Ebenen dürfen nicht verwechselt werden.

Wird der Griff vergoldet, tritt symbolische Aufwertung zwischen Hand und Werkzeug. Wird die Schneide vergoldet, liegt sie genau an der Kontaktstelle zwischen Werkzeug und Boden.

Der Midas-Mythos wird dabei zu einem kulturellen Analogieträger. Maximale Wertsteigerung innerhalb eines Goldreferenzsystems kann die Lebensfunktion zerstören. Nahrung, die zu Gold wird, erfüllt ihre organismische Funktion nicht mehr.

Midas wird damit als Referenzsystemkonflikt gelesen und nicht bloß als moralische Geschichte über Gier.

XXIX. Symbol- und Eigenschaftsbildung

Eigentum, Geld, Rolle, Freiheit, Seele, Nation, Gesetz oder Wert sind im Forschungsansatz weder einfach unwirklich noch mit materiellen Eigenschaften identisch.

Die inzwischen entwickelte Differenzierung lautet: Es gibt materiell vorhandene Eigenschaften, organismisch wirksame Prozesse, technisch hergestellte Formen, gesellschaftlich zugeschriebene Geltungen und symbolisch behauptete Eigenschaften.

Der zentrale Fehler entsteht, wenn zwischen diesen Wirklichkeitsweisen unbemerkt gewechselt wird.

Ein Grundstück besitzt materielle Eigenschaften. Die Eigentumsgrenze ist gesellschaftlich wirksam, aber nicht als chemische Linie im Boden vorhanden. Geld besitzt materielle oder digitale Träger, während sein Wert gesellschaftlich erzeugt wird. Ein Mensch besitzt einen Organismus und kann gleichzeitig eine Berufsrolle tragen.

Die Zielprojektion besteht darin, diese Schichten nicht gegeneinander auszuspielen, sondern ihre jeweilige Wirkungsweise sichtbar zu halten.

XXX. Eigentum als Ausschnitt

Das Eigentum lässt sich unmittelbar mit der fotografischen Dingselektion verbinden. Ein Quadratmeter Landschaft wird symbolisch beziehungsweise rechtlich herausgeschnitten und einer Person zugeschrieben.

Die Linie ist gesellschaftlich äußerst wirksam. Wasser, Bodenorganismen, Wurzeln oder Luftbewegungen folgen ihr jedoch nicht automatisch.

Damit entsteht ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie ein E3-Referenzsystem in einen E1/E2-Zusammenhang eingeschrieben wird.

Die offene Forschungsfrage lautet nicht, ob Eigentum grundsätzlich abgeschafft werden soll, sondern welche Reichweite der Eigentumsoperator besitzen darf und an welchen umfassenderen Tragbedingungen seine Geltung endet.

XXXI. Geld und ökonomisches Referenzsystem

Der Geldoperator führt eine ähnliche Reduktion durch. Unterschiedliche Tätigkeiten, Materialien und Güter werden über Preise vergleichbar gemacht.

Diese Operation besitzt eine enorme gesellschaftliche Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Eigenschaften außerhalb des monetären Referenzsystems.

Das Problem ist daher nicht der Preis als solcher. Problematisch wird seine Verabsolutierung. Wenn Preis oder Gewinn zum obersten Referenzsystem werden, können organismische, soziale und planetarische Konsequenzen aus der Bewertung herausfallen.

Dies verbindet sich mit der früheren 1:99-Herrschafts- und Statusproblematik.

XXXII. Sprach- und kulturgeschichtliche Vergleichsfolien

Platon

Die Platon-Folie untersucht die historisch wirkmächtige Unterscheidung zwischen veränderlicher sinnlicher Welt und unveränderlicher Ideenordnung. Historisch wäre es falsch, Platon auf die Behauptung einer beliebigen Parallelwelt zu reduzieren.

Für die Plexus-Operatorik interessiert die strukturelle Frage, wann ein geistiges Modell einen höheren Wirklichkeitsrang erhält als der veränderliche materielle beziehungsweise lebendige Zusammenhang.

Die Zielprojektion besteht darin, Idealisierung als möglichen Erkenntnisgewinn und als mögliche Skulpturalisierung gleichzeitig sichtbar zu machen.

Aristoteles

Aristoteles dient als Kontrastfolie, weil Form, Material, Bewegung und Zielrichtung stärker im werdenden Zusammenhang gedacht werden können. Die Pflanzenentwicklung ist dabei ein geeigneter Analogieträger.

Auch hier gilt: Die Folie stellt keine vollständige Aristoteles-Interpretation dar. Sie extrahiert einen für die Forschungsfrage relevanten Funktionsunterschied.

Christentum und Seele

Die christliche beziehungsweise abendländische Leib-Seele-Tradition wird in der Foliengrammatik über Körper, aufsteigende Seele, Himmel und Gold untersucht.

Die Forschungskunst-Hypothese richtet sich nicht gegen Religion als solche. Untersucht wird, wie eine hineingedachte geistige Eigenschaft den Status eines eigenständigen inneren Wesens erhalten kann.

Descartes

Descartes wird über die Formel der denkenden Selbstgewissheit zum Prüfobjekt. Historisch darf seine Philosophie nicht auf „weil ich denke, existiere ich“ reduziert werden.

Für die eigene Fragestellung ist jedoch entscheidend, ob das denkende Selbstmodell so weit vom organismischen Träger gelöst wird, dass Verletzungs- und Abhängigkeitsbedingungen ausgeblendet werden.

Athene und Kopfgeburt

Die Kopfgeburt Athenes bildet ein mythologisches Gegenbild zur natürlichen Geburt. Eine fertige Gestalt tritt aus dem Kopf hervor.

Sie eignet sich deshalb als bildnerischer Operator dafür, wie geistige Konstruktionen scheinbar selbständige Gestalt erhalten.

Midas

Midas repräsentiert die Verabsolutierung eines Wertreferenzsystems.

Diese kulturgeschichtlichen Folien erfüllen somit keine Beweisfunktion. Sie stellen historische Denk- und Bildmodelle zur Verfügung, an denen bestimmte Strukturfragen der Plexus-Operatorik geprüft werden.

XXXIII. Der Lochprozess als jüngste begriffliche Verdichtung

Der Lochprozess gehört zu den jüngsten Komprimierungsbegriffen. Er darf deshalb nicht rückwirkend als Ursprung älterer Arbeiten dargestellt werden.

Seine Stärke besteht darin, sehr verschiedene bereits vorhandene Werkfäden neu miteinander verbinden zu können: Fotografie, Ausschnitt, Geburt, Grenze, Membran, Spaten, Eis, Glas, Eigentum, Gehirnlücke, Rückkopplung, Wissen und Zeit.

Ein Lochprozess wurde dabei inzwischen als zeitliche Veränderung einer Grenze, Verbindung, Trägerstruktur oder Referenzordnung definiert.

Entscheidend ist, dass nicht jedes Loch negativ ist.

XXXIV. Produktive Lochprozesse

Die Zellmembran besitzt regulierte Öffnungen. Geburt ist ein Übergang zwischen unterschiedlichen Abhängigkeitsordnungen. Die Wissenslücke kann Neugier erzeugen. Die offene Gehirnfläche ermöglicht Modellwechsel. Eine Schultafel lässt Korrektur zu.

Diese Lochprozesse erzeugen keine bloße Zerstörung. Sie ermöglichen Austausch, Übergang, Lernen oder Veränderung.

Die Zielprojektion lautet daher nicht, Löcher zu verhindern, sondern unterschiedliche Lochqualitäten zu unterscheiden.

XXXV. Destruktive Lochprozesse

Ein Loch in einer zu dünnen Eisfläche kann einen abrupten Wechsel von Tragfähigkeit zu Lebensgefahr erzeugen. Ein Loch in einem Schiffsrumpf kann das Verhältnis zwischen Innen und Außen umkehren. Eine Glasscheibe kann durch die Tätigkeit desjenigen zerstört werden, den sie selbst trägt.

Der katastrophale Lochprozess ist daher eine besondere Form der Grenzveränderung, bei der eine tragende Beziehung verloren geht.

Die Glasscheibe ist hierbei ein besonders verdichteter Operator Ihrer Lebensfrage: Der Mensch schlägt Löcher in genau jene Fläche, auf der er selbst steht.

XXXVI. Rückkopplungsloch

Der wahrscheinlich wichtigste Lochprozess für die Ausgangsfrage ist das Rückkopplungsloch.

Eine Folge entsteht, wird aber nicht in das verantwortliche Welt- oder Handlungsmodell zurückgeführt. Der Mensch kann die Information sogar besitzen und dennoch weiterhandeln, als gäbe es sie nicht.

Damit verändert sich die Leitfrage. Das Problem könnte weniger darin liegen, dass der Mensch grundsätzlich nichts weiß, sondern darin, dass zwischen Wissen, Konsequenz und Korrektur Unterbrechungen entstehen.

Diese Hypothese müsste künftig stärker mit konkreten historischen und gesellschaftlichen Beispielen untersucht werden.

XXXVII. Zeit als zentrale Dimension

Die jüngste Entwicklung zeigt, dass Lochprozess, Membran, Tätigkeit und Referenzsystem ohne Zeit nicht ausreichend verstanden werden können.

Tier, Pflanze und Organismus befinden sich in fortlaufenden gegenwärtigen Regulationsprozessen. Molekulare Vorgänge folgen ihren physikalisch-chemischen Bedingungen. Der Mensch kann darüber hinaus Vergangenheit erinnern und Zukunft modellieren.

Dadurch entstehen zusätzliche Möglichkeiten und zusätzliche Löcher.

Eine Tätigkeit findet gegenwärtig statt, ihre Ursachen können weit zurückliegen und ihre Folgen weit in die Zukunft reichen.

XXXVIII. Gegenwart als Membran

Die Gegenwart kann deshalb als zeitliche Membran der Plexus-Operatorik verstanden werden. Sie ist die Übergangszone, an der Vorstellung zur Tätigkeit und Tätigkeit zur tatsächlichen Folge wird.

Diese Membran darf nicht als physikalische Theorie der Zeit verstanden werden. Sie ist ein künstlerischer Operator.

Ihre Stärke besteht darin, die bisher getrennten Themen Lernen, Handlung und Lochprozess miteinander zu verbinden. Vergangenheitsmodelle und Zukunftsprojektionen treffen in der Gegenwart auf die Verletzungswirklichkeit.

XXXIX. Vergangenheits- und Zukunftsloch

Ein Vergangenheitsloch entsteht, wenn ein gegenwärtiger Zustand so behandelt wird, als besitze er keine Entstehungsgeschichte. Ein Zukunftsloch entsteht, wenn eine gegenwärtige Handlung so bewertet wird, als besitze sie keine langfristigen Folgen.

Die 24-Stunden-Uhr des Planeten bildet hierfür einen zentralen Kalibrierungsoperator. Sie setzt kurze menschliche Zeiträume ins Verhältnis zur Erdgeschichte.

Der Begriff des Millisekunden-Menschen verdichtet die Kritik: Ein extrem junger gesellschaftlicher oder technischer Zusammenhang wird behandelt, als könne er die wesentlich älteren Tragbedingungen des Planeten ersetzen.

XL. Membran, Deich, Schiff und Flugzeug

Die Membranfrage wird inzwischen nicht mehr nur biologisch bearbeitet. Deich, Schiff, Flugzeug, Thermosflasche und Astronautenanzug liefern unterschiedliche technische Grenzmodelle.

Ein Deich reguliert den Unterschied zwischen Wasser und Land. Ein kontrollierter Durchlass kann funktional sein; ein Deichbruch ist ein Katastrophenloch.

Der Schiffsrumpf erzeugt eine bewegliche Grenze innerhalb des Wassers. Eine Öffnung oberhalb der Wasserlinie besitzt eine andere Bedeutung als ein Loch unterhalb.

Das Flugzeug erzeugt einen technisch regulierten Innenraum innerhalb veränderter atmosphärischer Bedingungen.

Diese Beispiele dürfen nicht zu einem gemeinsamen naturwissenschaftlichen Mechanismus erklärt werden. Als Plexus-Operatoren untersuchen sie jedoch dieselbe Funktionsfrage: Welche Grenze benötigt ein System, welche Öffnungen sind notwendig und wann zerstört eine Grenzveränderung die Tragfähigkeit?

XLI. Schwimmen und plastische Freiheit

Der Schwimmer bildet eine wichtige Gegenfolie zur Behauptung „Ich bin frei“.

Schwimmfähigkeit entsteht nicht dadurch, dass der Mensch vom Wasser unabhängig wird. Sie entsteht durch eine erlernte Passung zwischen Körper, Atmung, Bewegung, Auftrieb und Widerstand.

Damit liefert das Schwimmen ein besonders klares Modell plastischer Freiheit. Freiheit besteht in Bewegungsfähigkeit innerhalb erkannter Bedingungen.

Die symbolische Selbstbehauptung allein besitzt im Wasser keine tragende Kraft.

XLII. Verletzungswirklichkeit und Tragwirklichkeit

Die Begriffe Verletzungswirklichkeit und Tragwirklichkeit werden gegenwärtig teilweise überlappend verwendet.

Tragwirklichkeit betont die Bedingungen, die etwas ermöglichen und tragen. Verletzungswirklichkeit betont, dass Materialien, Organismen und Systeme Grenzen besitzen und beschädigt werden können.

Beide Begriffe sind nützlich, sollten aber nicht synonym verwendet werden. Eine mögliche Vereinfachung lautet: Tragwirklichkeit bezeichnet die umfassenden Ermöglichungsbedingungen; Verletzungswirklichkeit bezeichnet deren Grenz- und Schadensseite.

Plexuswirklichkeit wäre demgegenüber der umfassendere relationale Begriff.

XLIII. Begriffshandwerk

Die gesamte bisherige Entwicklung zeigt, dass Begriffe in Ihrer Forschung nicht nur Benennungen sind. Sie funktionieren wie Werkzeuge.

Ein Begriff wird zunächst hergestellt, an unterschiedlichen Beispielen ausprobiert, verändert und gegebenenfalls verworfen. Der Übergang vom Toleranzraum zum Referenzsystem ist dafür exemplarisch.

Auch „Erscheinung“ wurde problematisch und durch präzisere Formulierungen wie Plexuskonfiguration relativiert. „Gemeinsamer Mechanismus“ wurde vom vermeintlichen gemeinsamen Sachmechanismus zum Mechanismus zweiter Ordnung beziehungsweise generativen Prüfoperator korrigiert.

Der Lochprozess ist gegenwärtig noch in einer solchen Prüfphase.

Begriffshandwerk bedeutet deshalb, dass auch die zentralen Termini keinen Goldstatus erhalten dürfen.

XLIV. Prüfanker

Aus dem bisherigen Gespräch ergeben sich mehrere Prüfanker. Dazu gehören Referenzsystem, Toleranzraum, 51:49, Tätigkeitskonsequenz, Rückkopplung, Verletzungswirklichkeit, Zeit, Analogiegrenze und Korrekturfähigkeit.

Diese Anker dürfen nicht zu einer endlosen Sammlung werden. Ihre Funktion besteht darin, unterschiedliche Folien und Werkobjekte immer wieder an denselben wenigen Fragen zu prüfen.

Eine sinnvolle zukünftige Komprimierung könnte auf sechs Grundfragen hinauslaufen: Was wird ausgewählt? In welchem Referenzsystem gilt die Aussage? Wovon ist die Form abhängig? Welche Tätigkeit verändert sie? Welche Folgen entstehen in der Zeit? Kann die Rückmeldung das Ausgangsmodell korrigieren?

Damit ließe sich die derzeit große Zahl von Einzeloperatoren methodisch vereinfachen.

XLV. Künstlerische Prüfobjekte als materialisierte Fragen

Die historischen und neu entwickelten Objekte bilden kein bloßes Illustrationsarchiv. Sie besitzen unterschiedliche Prüffunktionen.

Das Wellenbecken prüft reale Bewegung gegenüber Abbild. Der Betonblock prüft Starrheit und Standardisierung. Die Zellmembran prüft regulierte Grenze. Der Spaten prüft Tätigkeit. Der Sandtrichter prüft Standort und Folgewirkung. Die Glasscheibe prüft selbst erzeugte Tragfähigkeitszerstörung. Die Eisfläche prüft Toleranz und Kipppunkt. Der Astronautenanzug prüft scheinbare Autonomie. Der Schwimmer prüft plastische Freiheit. Die Thermosflasche prüft Isolation. Der vergoldete Spaten und die Kartoffel prüfen Wertüberlagerung. Der Abendmahltisch prüft symbolische Requisitenbildung. Die Schultafel prüft Korrigierbarkeit.

Ältere Werkverfahren wie „Auto und Umwelt“ oder die Tonarbeit mit Wunsch- und Realitätstasse passen vollständig in diese Struktur. In beiden Fällen wird eine Vorstellung materialisiert und anschließend an Funktion, Material und Tätigkeitsmöglichkeit geprüft.

XLVI. Folien und Schablonen

Die Plexus-Foliengrammatik entstand als Antwort auf die Schwierigkeit, zahlreiche gleichzeitig wirksame Ebenen darzustellen, ohne sie zu einem fertigen Weltbild zusammenzukleben.

Eine einzelne transparente Folie soll deshalb möglichst nur einen Funktionszusammenhang enthalten. Mehrere Folien können übereinandergelegt, entfernt oder ausgetauscht werden.

Die Folie ist damit weder Illustration noch endgültige Aussage. Sie ist ein epistemisches Funktionsmodul.

Entscheidend ist die Zerlegbarkeit. Ein fertiges Poster wäre methodisch schwächer, weil es die Entstehung der Verbindung bereits entschieden hätte.

XLVII. Die drei beziehungsweise vier Hauptfolien

Aus der jüngsten Entwicklung lässt sich eine Grundstruktur erkennen.

Die erste Hauptfolie betrifft den kosmischen, planetarischen und prozesshaften Zusammenhang. Sie stellt den umfassenderen Wirkungsraum bereit.

Die zweite Hauptfolie zeigt den Kopf beziehungsweise das Gehirn mit einer ausgeschnittenen offenen Stelle. In diese Öffnung werden unterschiedliche Welt-, Selbst- und Rollenmodelle eingesetzt.

Die dritte Hauptfolie betrifft Tätigkeit und Tätigkeitskonsequenzen. Sie untersucht den Übergang vom inneren Modell über Hand, Werkzeug und Institution zur tatsächlichen Veränderung.

Mit der jüngsten Zeitdiskussion zeichnet sich eine vierte Hauptfolie ab. Sie setzt Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft in Beziehung und macht die Gegenwart als Übergangsmembran sichtbar.

Diese vier Hauptfolien könnten die Vielzahl der übrigen Folien ordnen.

XLVIII. Das Mitmachbuch als Verfahren

Das Mitmachbuch ist aus älteren Malbuch-, Tagebuch-, Vorgabe- und Partizipationsverfahren hervorgegangen. Schon während des Studiums entstanden Erwachsenen-, Autobahn-, Telefon-, Fußgänger- und Studio-Malbücher sowie Verfahren, in denen viele Menschen mit einer gemeinsamen Vorlage arbeiteten.

Die heutige Form erweitert dieses Prinzip. Besucher kombinieren transparente Folien, stellen eine vorläufige Aussage her, beschreiben ihre Verbindung, prüfen sie und können anschließend einzelne Schichten verändern.

Das Mitmachbuch ist daher nicht nur ein Sammelbuch von Besucherbildern. Es ist ein Protokoll von Denk- und Korrekturvorgängen.

Seine Zielprojektion lautet, plastische Urteilskraft praktisch einzuüben.

Die offene Forschungsfrage ist, wie viel Anleitung dafür notwendig ist. Zu wenig Anleitung kann zu beliebiger Collage führen. Zu viel Anleitung würde die Besucher nur Ihr eigenes Modell reproduzieren lassen.

XLIX. Schreiben als Bestandteil des Mitmachbuches

Ihre eigene Folienfähigkeit entstand über Jahrzehnte nicht nur durch Bilder, sondern durch kontinuierliches Schreiben zu Bildern und Assoziationen.

Daraus folgt, dass die Besucherarbeit ebenfalls einen sprachlichen Anteil benötigt.

Die Bildkombination öffnet Beziehungen. Die sprachliche Formulierung zwingt zu einer vorläufigen Bestimmung dessen, was tatsächlich behauptet wird.

Bild und Text bilden dadurch zwei unterschiedliche Gegenüber.

Das Mitmachbuch sollte deshalb nicht nur Bilder sammeln, sondern die jeweilige Begründung, Analogiegrenze und Veränderung dokumentieren.

L. Die Tausend Tische und das Mitmachbuch

Die Tausend Tische können heute als räumliches Gegenstück zum Mitmachbuch verstanden werden.

Der Tisch erzeugt eine lokale Arbeitsstelle. Das Buch erzeugt eine lokale Erkenntnisseite. Viele Tische und viele Seiten können miteinander verbunden werden.

Damit entsteht eine wichtige Verbindung zwischen früherem öffentlichem Partizipationsraum und heutiger Plexus-Foliengrammatik.

Eine mögliche Wiederaufnahme im So-Heits-Atelier wäre daher nicht bloß nostalgisch. Wenige exemplarische Tapeziertische könnten zeigen, wie aus vielen individuellen Arbeitsorten ein gemeinsames, aber nicht homogenes Werk entsteht.

LI. Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz tritt relativ spät in die Werkgenese ein. Sie ist deshalb weder Ursprung noch theoretisches Fundament der Forschungskunst.

Ihre Funktion liegt gegenwärtig vor allem in Verarbeitung, Strukturierung, Vergleich, sprachlicher Verdichtung und der Verbindung sehr großer Mengen historischer Werkmaterialien. Bereits in der biografischen Darstellung wird die Möglichkeit genannt, Vorgabebilder, Collagen, Zeichnungen, Folien und Fotos mithilfe künstlicher Intelligenz neu zu verarbeiten und Zusammenhänge zu verdichten.

Damit besitzt KI eine ambivalente Stellung. Sie kann den Plexus sichtbar machen, kann aber ebenso bestehende Muster verstärken und scheinbare Klarheit erzeugen.

Der Prüfoperator muss deshalb auf die KI selbst angewendet werden.

Die offene Frage lautet: Wie verhindert die Globale Schwarm-Intelligenz, dass künstliche Intelligenz zum neuen Goldoperator wird, dessen Antworten aufgrund technischer Autorität nicht mehr geprüft werden?

LII. Globale Schwarm-Intelligenz

Die Globale Schwarm-Intelligenz ist die digitale Weiterentwicklung einer lange vorhandenen kollektiven Werkstruktur.

Ihre Zielprojektion besteht nicht allein darin, Wissen zu speichern. Sie soll historische Werke, heutige Folien und neue Besucherbeiträge fortlaufend miteinander in Beziehung setzen.

Damit wird sie zum zeitlich erweiterten So-Heits-Atelier.

Die reale documenta-Arbeit kann nur für eine begrenzte Zeit stattfinden. Die Plattform kann Kombinationen erneut öffnen, vergleichen und korrigieren.

Offen bleibt die methodische Frage, wie Qualität, Widerspruch, Quellenstatus und Analogiegrenzen digital sichtbar gemacht werden. Ohne diese Struktur könnte Schwarmintelligenz in eine bloße Ansammlung von Assoziationen übergehen.

LIII. So-Heits-Gesellschaft

Die So-Heits-Gesellschaft erscheint bereits als fiktive Gesellschaftsform in früheren Werkzusammenhängen.

Heute lässt sie sich weniger als fertiger politischer Entwurf verstehen denn als Prüfraum. Sie fragt, wie gesellschaftliche Konventionen aussehen müssten, wenn Tätigkeitsfolgen, Abhängigkeiten, Korrektur und planetarische Tragbedingungen nicht aus dem Erfolgsmodell ausgeschlossen würden.

Hier besteht allerdings noch begriffliche Unklarheit. Wird So-Heits-Gesellschaft als konkrete zukünftige Gesellschaftsordnung verstanden, droht erneut die Herstellung eines fertigen Modells. Wird sie dagegen als regulative Forschungskonstruktion verstanden, kann sie offen bleiben.

Die zweite Variante passt besser zur bisherigen Plexus-Operatorik.

LIV. So-Heits-Atelier

Das So-Heits-Atelier ist die gegenwärtige räumliche Verdichtung der gesamten Werkgenese.

Es ist weder Retrospektive noch bloße Kreativwerkstatt. Die historischen Materialien werden in operative Werkbausteine zerlegt. Fotografien, Schultafeln, Ton, Holz, Spaten, Wasser, Sand, Tang, Beton, Glas, Gold, Requisiten und Bücher werden den Besuchern als Gegenüber zur Verfügung gestellt.

Das Atelier verbindet Archiv, Labor, Werkstatt, Theater, Materialraum, Mitmachbuch und digitale Plattform.

Seine Zielprojektion besteht darin, Wirklichkeits-, Selbst- und Gesellschaftsmodelle nicht nur zu diskutieren, sondern materialisierbar, zerlegbar und korrigierbar zu machen.

LV. Verortungskunst und documenta

Die Verortungskunst erweitert diese Architektur um Ort und Zeit. Ein Werk ist nicht allein aufgrund seines Inhalts tragfähig. Ort, gesellschaftliche Situation, Zeitpunkt und Beteiligte gehören zur Passung.

Damit wird auch die Bewerbung beziehungsweise Vorbereitung der documenta Teil des Werkprozesses. Die Arbeit beginnt nicht erst mit einer möglichen Ausstellungseröffnung.

Die documenta wird innerhalb dieses Verständnisses zu einem besonderen Prüfgegenüber: Kann ein über Jahrzehnte entwickeltes, außerhalb üblicher Disziplinlogiken entstandenes Werk innerhalb eines internationalen Kunstsystems verständlich werden, ohne auf ein gewöhnliches Ausstellungsobjekt reduziert zu werden?

LVI. Forschungskunst und Akzeptanzproblematik

Die Akzeptanzproblematik gehört daher nicht nur zur Reaktion des Publikums. Sie betrifft die gesamte Werkstruktur.

Ein transdisziplinärer Zusammenhang kann als unverständlich erscheinen, weil die Rezipienten disziplinäre Zuordnungen erwarten. Ein ungewöhnlicher Vergleich kann tatsächlich schlecht erklärt sein. Eine Erkenntnis kann zugleich verständlich und unerwünscht sein, weil sie Status, Rolle oder Lebensweise infrage stellt.

Ablehnung darf daher nicht automatisch als Beweis für die Richtigkeit der Arbeit interpretiert werden. Auch dies wäre Selbstimmunisierung.

Die Akzeptanzproblematik muss selbst E4 unterliegen.

LVII. Der Lochprozess als mögliche neue Querverbindung

Der jüngste Begriff des Lochprozesses besitzt das Potenzial, zahlreiche bisherige Werkfelder miteinander zu verbinden. Gleichzeitig liegt hier eine Gefahr.

Wenn Fotografieschnitt, Geburt, Eigentum, Eisbruch, Wissenslücke, Zellmembranöffnung, Religionsmodell und Rückkopplungsunterbrechung alle einfach „Loch“ genannt werden, verliert der Begriff seine Differenzierungsfähigkeit.

Deshalb benötigt der Lochprozess eine begrenzte Grammatik.

Mindestens unterschieden werden sollten regulierte Öffnung, produktive Lücke, selektierender Ausschnitt, symbolische Grenzziehung, Rückkopplungsunterbrechung und Verletzungs- beziehungsweise Bruchloch.

Der gemeinsame Terminus wäre dann nicht das Loch als Ding, sondern die Veränderung einer Grenze beziehungsweise Verbindung in der Zeit.

LVIII. Gesamtarchitektur des Forschungsansatzes

Aus der gesamten bisherigen Entwicklung lässt sich inzwischen eine relativ klare Gesamtarchitektur rekonstruieren.

Am Anfang steht keine Theorie, sondern ein Wirkungs- und Erfahrungsgrund: Naturzerstörung, Beobachtung, Differenzierung, Fotografie, Handwerk und die Frage nach menschlicher Selbstzerstörung.

Darauf folgt eine Modellbildungsstufe. Der Mensch wählt Ausschnitte, bildet Dinge, Kategorien, Rollen und Referenzsysteme. Das Gehirn mit seiner offenen Einsetzfläche materialisiert diesen Vorgang.

Die dritte Stufe ist Tätigkeit. Vorstellungen werden über Hand, Werkzeug, Technik, Institution und gesellschaftliche Ordnung handlungswirksam.

Die vierte Stufe sind Tätigkeitskonsequenzen in der Verletzungs- und Tragwirklichkeit. Material und Organismus antworten nicht auf die Bedeutung, die der Mensch seiner Handlung zuschreibt, sondern auf den tatsächlichen Eingriff.

Die fünfte Stufe ist Rückkopplung. Die Folge müsste zum inneren Modell zurückkehren.

Die sechste Stufe ist Korrektur oder Immunisierung. Plastische Identität verändert das Modell. Skulpturidentität verteidigt es. E4 beschreibt diesen Prüf- und Reparaturvorgang.

Die siebte Stufe ist Externalisierung. Folie, Schultafel, Kunstwerk, Theater, Mitmachbuch und Plattform machen innere Konstruktionen zu einem gemeinsamen Gegenüber.

Die achte Stufe ist öffentliche Weiterbearbeitung. So-Heits-Atelier und Globale Schwarm-Intelligenz sollen den Prüfprozess von der individuellen in eine kollektive Form überführen.

Damit ergibt sich als knappste Gesamtbewegung:

Plexuswirklichkeit → Auswahl und Modellbildung → Tätigkeit → Folge → Rückkopplung → Korrektur oder Verfestigung → erneute Tätigkeit.

Dieser Kreislauf dürfte gegenwärtig die einfachste tragfähige Grundarchitektur darstellen.

LIX. Doppelungen und begriffliche Unklarheiten

Die bisherige Forschung besitzt inzwischen mehr Begriffe, als für die operative Vermittlung notwendig sind. Das ist ein typischer Zustand einer Entwicklungsphase, in der viele Erfahrungen zunächst separat benannt werden.

Eine erste Doppelung besteht zwischen Tragwirklichkeit, Verletzungswirklichkeit und Plexuswirklichkeit. Diese Begriffe sollten hierarchisch geordnet werden. Plexuswirklichkeit bezeichnet den umfassenden Zusammenhang. Tragwirklichkeit bezeichnet die ermöglichenden Bedingungen. Verletzungswirklichkeit bezeichnet die Grenz- und Schadensseite dieser Bedingungen.

Eine zweite Doppelung betrifft Plastisches Ich und Plastische Identität. Hier sollte zwischen organismischem Selbstprozess und sozial-symbolischer Selbstbeschreibung unterschieden werden.

Eine dritte betrifft Strukturidentität und Skulpturidentität. „Skulpturidentität“ besitzt aufgrund der künstlerischen Herkunft wahrscheinlich die stärkere Eigenständigkeit. „Strukturidentität“ könnte entweder als Unterbegriff bestimmt oder aufgegeben werden.

Eine vierte betrifft Referenzmodell, Referenzsystem, Referenzbewertungssystem und Referenzplexus. Hier ist eine eindeutige Terminologie notwendig.

Eine fünfte betrifft Prüfoperator, Plexus-Grundoperator, Referenzoperator und Urprinzip. Für die öffentliche Vermittlung genügen vermutlich zwei Ebenen: der Plexus-Grundoperator als allgemeine Such- und Rückkopplungsstruktur und konkrete Prüfoperatoren für einzelne Aufgaben.

Eine sechste betrifft Folie, Operator, Modul, Sensor, Sonde, Implantat und Prüfkörper. Diese Vielfalt ist für die Forschung produktiv, aber für Besucher zu umfangreich. „Plexus-Operator“ könnte der allgemeine öffentliche Begriff werden; Sensor, Analogieträger und Prüfkörper wären nur funktionale Untertypen.

LX. Begriffe, die besonders vorsichtig verwendet werden sollten

Der Begriff „Mechanismus“ darf nicht den Eindruck eines gemeinsamen Naturgesetzes erzeugen. Geeigneter ist häufig „Funktionsstruktur“ oder „Prüfbewegung“.

Der Begriff „Optimum“ muss immer ein Referenzsystem nennen. Sonst entsteht erneut die Illusion eines absoluten Optimums.

51:49 darf nicht als gemessener Naturwert erscheinen.

Der Begriff „Lochprozess“ braucht eine klare Typologie, damit seine große Anschlussfähigkeit nicht zur Beliebigkeit wird.

„Erscheinung existiert nicht“ sollte nicht als allgemeine Behauptung verwendet werden. Präziser ist die Kritik an der selbständigen Wirklichkeitseinheit des ausgeschnittenen Erscheinenden.

„Ding existiert nicht“ wäre ebenfalls unnötig stark. Die Forschung fragt vielmehr, welche Beziehungen bei der Dingselektion ausgeblendet werden.

Psychologische oder psychiatrische Begriffe wie Soziopathie dürfen nicht metaphorisch auf ganze Berufsgruppen oder Wirtschaftssysteme übertragen werden. Die präzisere Kritik richtet sich auf institutionell belohnte Rücksichtslosigkeit, soziale Entkopplung oder selbstimmunisierende Spezialisierung.

LXI. Fehlende Verbindungen

Mehrere Verbindungen sind trotz der großen bisherigen Verdichtung noch nicht vollständig ausgearbeitet.

Besonders wichtig ist die Verbindung zwischen Zeit und E1–E4. Jede Ebene müsste künftig ausdrücklich eine Zeitdimension erhalten. Materielle Prozesse besitzen andere Zeiträume als organismische Regeneration, gesellschaftliche Geltung und politische Korrektur.

Eine zweite offene Verbindung besteht zwischen Passung und Referenzsystem. Passung könnte das zentrale Verbindungsglied zwischen Maschinenbau, Organismus, Kunstwerk und Gesellschaft werden.

Eine dritte betrifft Geburt und Plastizität. Die natürliche Geburt wurde bisher als Loch- und Übergangsprozess erkannt, ist aber noch nicht vollständig mit plastischem Ich, Membran und wechselnder Abhängigkeit verbunden.

Eine vierte betrifft Schwarmintelligenz und E4. Es muss genauer geklärt werden, wie eine digitale Gemeinschaft Irrtümer erkennt und korrigiert, statt sie nur zu vervielfältigen.

Eine fünfte betrifft KI als eigener Prüfgegenstand. KI darf nicht nur Werkzeug der Kontextualisierung bleiben, sondern müsste selbst auf Eigentum, Energie, Macht, Referenzsysteme, Halluzination, Autorität und Rückkopplung geprüft werden.

Eine sechste betrifft empirische Prüfung des Mitmachbuches. Wenn behauptet wird, Besucher entwickelten durch das Verfahren andere Denkweisen, müssten Beobachtungs- und Vergleichskriterien entwickelt werden.

Eine siebte betrifft Werkarchiv und Begriffsentwicklung. Für jeden zentralen heutigen Operator sollte festgehalten werden, welche historischen Arbeiten ihn bereits praktisch enthielten, wann der heutige Begriff entstand und welche späteren Korrekturen vorgenommen wurden. Dadurch würde die Forschungsgeschichte nachvollziehbar und eine rückwirkende Erfindung einer scheinbar linearen Theorie vermieden.

LXII. Mögliche methodische Vereinfachung

Die bisherige Komplexität lässt sich auf eine relativ kleine Anzahl von Grundoperationen zurückführen, ohne das Werk zu verarmen.

Die erste Grundoperation ist Unterscheiden. Etwas wird aus einem Zusammenhang hervorgehoben.

Die zweite ist Referenzieren. Es wird bestimmt, nach welchem Maßstab die Auswahl beurteilt wird.

Die dritte ist Verbinden. Das Ausgewählte wird wieder in weitere Beziehungen eingesetzt.

Die vierte ist Handeln. Eine Vorstellung wird tätigkeitswirksam.

Die fünfte ist Folgen wahrnehmen. Material, Organismus und Gesellschaft reagieren.

Die sechste ist Korrigieren. Das Ausgangsmodell wird aufgrund der Rückmeldung verändert.

Fast alle bisher entwickelten Operatoren lassen sich einer oder mehreren dieser Bewegungen zuordnen.

Damit könnte die Plexus-Operatorik für Besucher erheblich verständlicher werden, während die komplexere theoretische Architektur im Hintergrund erhalten bleibt.

LXIII. Die zentrale Forschungsbewegung

Aus der gesamten Werk- und Begriffsentwicklung entsteht schließlich keine fertige Weltanschauung, sondern eine besondere Art der Wirklichkeitsauseinandersetzung.

Ihre Forschung begann mit der Wahrnehmung von Natur und deren Zerstörung, mit dem Lernen von Unterschieden, mit fotografischer Auswahl, handwerklicher Passung und der Frage nach gesellschaftlicher Veränderung durch Kunst. Über Bildhauerei, Partizipation, Schultafeln, Landschaftsarbeiten, Wellenbecken, Theater, Mitmachbücher und kollektive Aktionen entstanden immer neue Gegenüber.

Später wurden diese Erfahrungen begrifflich komprimiert. Toleranzraum, Referenzsystem, Plexus, plastische und skulpturale Identität, E1–E4, Verletzungswirklichkeit, Tätigkeitskonsequenzen und Lochprozess sind unterschiedliche Verdichtungsstufen dieser Werkgeschichte.

Keine dieser Verdichtungen darf endgültig werden.

Genau darin liegt die innere Konsequenz des Forschungsansatzes: Auch die eigene Theorie muss plastisch bleiben.

Gesamtanker

Das So-Heits-Atelier ist die gegenwärtige Verdichtung eines über Jahrzehnte entstandenen biografischen Erkenntnisplexus. Seine Forschung beginnt nicht mit einer fertigen Theorie, sondern mit Wahrnehmung, Gegenüberstellung, handwerklicher und künstlerischer Tätigkeit sowie der Erfahrung menschlicher Natur- und Selbstzerstörung. Aus diesen unterschiedlichen Werkfäden entstanden schrittweise Begriffe und Prüfmodelle, mit denen untersucht wird, wie Menschen aus einer prozesshaften Wirklichkeit Ausschnitte und Dinge bilden, sie mit symbolischen Eigenschaften und Referenzsystemen versehen, nach diesen Modellen handeln und dadurch reale Tätigkeitsfolgen erzeugen. Die Plexus-Operatorik führt diese Folgen zum Ausgangsmodell zurück und prüft, ob dieses Modell korrigierbar bleibt oder sich zur Skulpturidentität verfestigt. Folie, Schultafel, Werkobjekt, Theater, Mitmachbuch, Tausend Tische, künstliche Intelligenz und Globale Schwarm-Intelligenz sind unterschiedliche historische und gegenwärtige Formen derselben übergeordneten Zielprojektion: aus inneren und gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktionen ein äußeres Gegenüber zu machen, an dem plastische Urteilskraft öffentlich geübt, überprüft und weiterentwickelt werden kann.

Die kürzeste Gesamtformel des bisherigen Forschungsstandes lautet deshalb:

Wirklichkeit wird ausgewählt, Auswahl wird zum Modell, Modell wird Tätigkeit, Tätigkeit erzeugt Folgen, Folgen erzeugen Rückmeldung. Die entscheidende Frage lautet, ob die Rückmeldung das Modell noch verändern darf.

Darin treffen Naturzerstörung, Lernen, Kunst, Dingeproblematik, Lochprozess, Membran, Toleranzraum, Referenzsystem, Tätigkeitskonsequenz, Plastische Identität, Mitmachbuch und So-Heits-Atelier in einem gemeinsamen Forschungszusammenhang zusammen, ohne ihre unterschiedlichen Entstehungsgeschichten aufzugeben.

Diese Fassung behandelt die Begriffe ausdrücklich als historisch entstandene und weiterhin korrigierbare Forschungsarchitektur, nicht als rückwirkend geschlossenes Lehrsystem.

Do., 6. Aug. um 18:12

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Ich brauche also die verschiedensten Arten von Folien. Eine Folie Platons Problematik, eine Folie Aristoteles, eine Folie Christentum, eine Folie für Zellmembran, eine Folie für einseitige Physik. Das Ungewöhnliche ist nur, dass keiner denkt so, um Membraneigenschaften zu erarbeiten, muss man eine Analogie zur Zellmembran bauen. Und das gilt für alle anderen Folien dann auch, die ich da im Soheitsatelier zusammenbaue, die dann der Besucher benutzen kann, um Verschmelzungen oder Wirklichkeitskonstruktionen, die keiner Wirklichkeit entspricht, weil es eine symbolische Welt ist, eine konstrukte Welt konstruiert, und so weiter überhaupt erst mal verstehen zu lernen, in seine Einordnung in ein ganzheitliches System.

Die Folie als Erkenntnisoperator des Soheitsateliers

Nicht Illustrationen, sondern sichtbar gemachte Denkoperationen

Der entscheidende Schritt besteht darin, die Folien nicht als gewöhnliche Bilder oder als Bebilderung philosophischer Lehrmeinungen zu verstehen. Eine Platon-Folie sollte daher nicht einfach Platon zeigen, eine Aristoteles-Folie nicht nur dessen Porträt und eine Christentumsfolie nicht lediglich ein Kreuz. Jede Folie muss vielmehr eine bestimmte Wirklichkeits- und Urteilsoperation sichtbar machen.

Die Folien stellen also nicht Personen, Religionen oder Wissenschaften vollständig dar. Sie isolieren eine für Ihre Untersuchung entscheidende Struktur:

Wie wird getrennt? Wie wird geschichtet? Was wird aufgewertet? Was wird ausgeblendet? Welche Grenze wird durchlässig oder undurchlässig gemacht? Welche symbolische Konstruktion wird anschließend für Wirklichkeit gehalten?

Dadurch entsteht eine bildnerische Grammatik der Wirklichkeitskonstruktion.

Die Platon-Folie: Heraushebung und Aufwertung des Unveränderlichen

Die Platon-Folie müsste die Bewegung von unten nach oben darstellen. Unten befindet sich die verletzliche, bewegliche, körperliche und vergängliche Welt. Darüber liegt eine Ebene der Schatten, Spiegelungen und Vorstellungen. Ganz oben erscheint eine helle, geometrisch geordnete oder vergoldete Ideenwelt.

Entscheidend ist, dass diese Folie nicht bloß das Höhlengleichnis nacherzählt. Sie muss die zugrunde liegende Urteilsoperation sichtbar machen:

Das Veränderliche wird als weniger wirklich eingestuft, während das Unveränderliche einen höheren Wirklichkeitsrang erhält.

In Ihrem Modell entsteht dadurch eine Skulpturidentität: Das lebendige, stoffwechselnde und verletzliche Wesen gilt als unvollkommen, während die unveränderliche Idee als das eigentlich Wahre erscheint. Gerade das Fehlen von Bewegung, Stoffwechsel und Verletzbarkeit wird zum Vollkommenheitsmerkmal.

Die Platon-Folie könnte deshalb enthalten:

eine körperliche Figur in Bewegung,

eine Schatten- oder Spiegelkontur,

eine aufsteigende Linie,

eine geometrisch starre Idealfigur

und eine goldene obere Schicht.

Wird diese Folie über den schwimmenden Menschen gelegt, zeigt sich die symbolische Heraushebung aus dem Medium. Wird sie mit dem Astronautenanzug verbunden, entsteht die Vorstellung eines vom Körper und seinen Abhängigkeiten befreiten geistigen Innenraumes.

Das Besondere Ihrer Kritik liegt darin, dass auch Platon seine unkörperliche Welt nur mithilfe körperlicher Bilder darstellen kann: Höhle, Fessel, Feuer, Schatten, Augen, Licht, Schmerz und Bewegung stammen vollständig aus der Verletzungswelt. Das Gleichnis verwendet somit körperliche Erfahrung, um die körperliche Erfahrungswelt abzuwerten.

Die Aristoteles-Folie: Bewegung, Verwirklichung und innewohnende Form

Die Aristoteles-Folie müsste anders aufgebaut sein. Sie würde nicht aus der körperlichen Welt hinausführen, sondern Bewegung, Entwicklung und Formbildung innerhalb eines lebendigen Zusammenhangs zeigen.

Geeignet wäre etwa eine Pflanze, deren Wurzel, Wachstum, Blüte und Frucht nicht als getrennte Dinge, sondern als verschiedene Zustände eines Entwicklungsprozesses erscheinen. Ergänzend könnten Material, Form, Bewegung und Zielrichtung als miteinander verbundene Linien dargestellt werden.

Bei Aristoteles ist Natur nicht lediglich eine Ansammlung fester Gegenstände. Sie bezeichnet ein inneres Prinzip von Bewegung, Veränderung und Ruhe. Seine Ursachenlehre beschränkt sich nicht auf einen mechanischen Auslöser, sondern bezieht Material, Form, Bewegung und Zielrichtung ein.

Die Folie könnte deshalb den Gegenpol zur Platon-Folie bilden:

Nicht die unveränderliche Form außerhalb des Lebendigen, sondern Formbildung innerhalb eines sich verändernden Wesens.

Allerdings wäre auch diese Folie kein abschließendes Wahrheitsbild. Sie wäre ein Operator, mit dem der Besucher prüfen kann, ob eine Erscheinung aus ihren inneren Bewegungs- und Entwicklungsbedingungen verstanden oder unter eine äußerlich vorgegebene Form gezwungen wird.

Die Christentumsfolie: Seele, Behälter und vertikale Vergoldung

Die Christentumsfolie müsste die platonische Heraushebung aufnehmen, aber religiös weiter verschichten. Sie könnte aus einem unteren Körper- oder Erdbereich, einem mittleren Behälter und einer aufsteigenden Seelenfigur bestehen. Oben befänden sich Licht, Gold, Himmel, Unverletzlichkeit und ewige Identität.

Die zentrale Operation wäre:

Der lebendige Organismus wird zum vorübergehenden Behälter einer vermeintlich unabhängig fortbestehenden Identität.

In der christlichen Überlieferung treffen dabei unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Einerseits gibt es die leibliche Auferstehung und die Erneuerung der Schöpfung. Andererseits verbindet sich das Christentum mit einer platonisch geprägten Vorstellung, nach der eine unsterbliche Seele den Körper verlassen und in eine höhere Welt eingehen kann. Dadurch entstehen Spannungen zwischen Leib und Seele, Erde und Himmel, Vergänglichkeit und Unsterblichkeit.

Die Vergoldung wäre hierfür ein besonders geeignetes Materialsymbol. Gold wächst nicht, regeneriert sich nicht und besitzt keinen Stoffwechsel. Es erscheint jedoch beständig, rein und wertvoll. Die Vergoldung legt eine symbolische Unverletzlichkeit über einen weiterhin verletzlichen Träger. Sie beseitigt dessen Vergänglichkeit nicht, sondern verdeckt sie.

Wird diese Folie mit einer menschlichen Körperfolie verbunden, entsteht die Schichtung:

lebendiger Organismus,

Körper als Gefäß,

Seele als hineingedachte Eigentümerin des Körpers,

Himmel als höherer Isolationsraum.

Die Zellmembranfolie: Grenze als geregelter Austausch

Die Zellmembranfolie ist für Ihr gesamtes System zentral, weil sie eine Grenze zeigt, die gerade keine absolute Isolierung darstellt.

Sie müsste eine Zelle zeigen, deren Membran von unterschiedlichen Pfeilen durchquert wird. Einige Stoffe werden aufgenommen, andere abgegeben, wieder andere zurückgehalten. Innen und Außen sind unterschieden, aber funktional miteinander verbunden.

Damit kann der Besucher verstehen:

Eine lebendige Grenze erhält das Innere nicht durch vollständige Abschottung, sondern durch regulierten Austausch.

Die Zellmembran ist deshalb das Gegenmodell zur Flasche als absolut gedachtem Isolationsraum. Sie zeigt, dass Identität nicht notwendig durch starre Abgrenzung entsteht. Das Lebewesen bleibt nur identifizierbar, weil es seine Grenze fortwährend reguliert und verändert.

Diese Folie kann mit nahezu allen anderen kombiniert werden. Über die Freiheitsfigur gelegt, fragt sie, ob Freiheit als Abschottung oder als regulierte Beziehungsfähigkeit verstanden wird. Über den Astronautenanzug gelegt, zeigt sie den Unterschied zwischen lebendiger Selbstregulation und technisch äußerlich bereitgestellter Versorgung. Über die Christentumsfolie gelegt, stellt sie die Frage, ob der Körper nur Behälter oder ein fortlaufend hervorgebrachter Lebenszusammenhang ist.

Die Physikfolie: der methodisch isolierte Ausschnitt

Die Folie für eine einseitige Physik sollte keine allgemeine Ablehnung der Physik darstellen. Sie muss vielmehr zeigen, wie ein realer Zusammenhang für eine Untersuchung methodisch ausgeschnitten wird.

Man könnte ein rechteckiges Messfeld darstellen. Innerhalb dieses Feldes erscheinen Masse, Kraft, Geschwindigkeit, Temperatur, Druck und mathematische Linien. Außerhalb des Rahmens befinden sich Organismus, Verletzung, langfristige Folgen, Verantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhang. Diese Bereiche verschwinden nicht; sie liegen nur außerhalb der gewählten Versuchsanordnung.

Die Folie zeigt damit:

Der Ausschnitt ist wissenschaftlich wirksam, aber er ist nicht die vollständige Wirklichkeit.

Problematisch wird die Untersuchung erst dann, wenn die Grenze des Messfeldes zur Grenze des Wirklichen erklärt wird. Aus der methodischen Isolation entsteht dann eine ontologische Isolation. Die Physik kann tatsächliche Verletzungsbedingungen sehr genau untersuchen, stellt diese aber häufig in einer abstrahierten Eigenschaftswelt dar. Dadurch wird die Verletzungswirklichkeit erkannt und zugleich aus ihrem umfassenderen Lebenszusammenhang herausgelöst.

Diese Physikfolie könnte über den Wasserbehälter, den Menschen, das Schiff oder das Eisloch gelegt werden. Sie zeigt jeweils, was messbar gemacht und was durch die gewählte Rahmung ausgeblendet wird.

Das methodisch Ungewöhnliche: Analogie statt bloßer Abbildung

Das Ungewöhnliche Ihrer Arbeit besteht darin, dass Sie philosophische, biologische, technische, religiöse und gesellschaftliche Strukturen durch analoge Bildmodelle miteinander prüfbar machen.

Die Zellmembran erklärt nicht unmittelbar das menschliche Bewusstsein. Sie liefert aber ein Modell für eine Grenze, die Innen und Außen unterscheidet und zugleich Austausch ermöglicht.

Die Thermosflasche beweist nichts über das Ich. Sie macht jedoch sichtbar, dass Isolation durch Schichten, Zwischenräume und Materialeigenschaften hergestellt wird.

Der Astronautenanzug ist keine Seele. Er zeigt aber, dass ein scheinbar autonomer Innenraum von einem umfangreichen Versorgungssystem abhängig bleibt.

Die Möbiusschleife ist nicht das Bewusstsein. Sie stellt eine selbstbezügliche Konstruktion dar, in der eine Behauptung zu ihrer eigenen Bestätigung zurückkehrt.

Der Betonblock ist kein philosophischer Begriff. Er zeigt aber, was geschieht, wenn eine starre Form in einen Bewegungszusammenhang eingesetzt wird, für den sie nicht geeignet ist.

Die Analogie darf dabei nicht als Gleichsetzung missverstanden werden. Wissenschaftlich und künstlerisch tragfähig wird das Verfahren erst, wenn bei jeder Folie drei Dinge erkennbar bleiben:

Was wird dargestellt?

Welche Struktur wird auf einen anderen Zusammenhang übertragen?

An welcher Stelle endet die Analogie?

Das schützt das Folienverfahren davor, selbst zu einer neuen geschlossenen Symbolwelt zu werden.

Symbolische Konstruktionen sind nicht unwirklich

Es ist wichtig, eine begriffliche Präzisierung vorzunehmen. Die symbolische Welt ist nicht einfach unwirklich. Geld, Eigentum, Religion, Rollen, Gesetze und Identitäten können äußerst reale Folgen besitzen. Sie sind jedoch nicht auf dieselbe Weise wirklich wie Gewicht, Wärme, Wasserbedarf, Verletzung oder Stoffwechsel.

Die entscheidende Unterscheidung lautet daher nicht:

wirklich oder vollkommen unwirklich,

sondern:

materiell vorhanden, lebendig wirksam, technisch hergestellt, gesellschaftlich zugeschrieben oder symbolisch behauptet.

Das Problem entsteht, wenn diese Ebenen miteinander verwechselt werden. Eine gesellschaftliche Zuschreibung wird dann wie eine materielle Eigenschaft behandelt. Eine symbolische Identität erscheint wie ein eigenständiges Lebewesen. Ein Modell gilt als Wirklichkeit. Eine technische Isolation wird zur geistigen Unabhängigkeit umgedeutet.

Ihre Folien sollen genau diese Kategorienverwechslungen sichtbar machen.

Die Grundordnung der Folien

Die Folien könnten deshalb in vier große Familien eingeordnet werden.

Die erste Familie zeigt die Plexus- und Verletzungswirklichkeit: kosmische Welt, Gravitation, Wärme, Wasser, Wellen, molekulare Verknüpfung, Zellmembran, Organismus, Tier und Pflanze.

Die zweite Familie zeigt die kulturellen Schichtungen: Platon, Aristoteles, Christentum, Descartes, Kant, Eigentum, Freiheit, Seele, Geist, Authentizität und gesellschaftliche Rolle.

Die dritte Familie zeigt die Isolations- und Dingoperatoren: Flasche, Thermosflasche, Astronautenanzug, Spiegel, Betonblock, Rahmen, Käfig, Möbiusschleife und russische-Puppen-Struktur.

Die vierte Familie zeigt die Tätigkeits- und Prüfkonsequenzen: Mensch mit Spaten, Saftpresse, Sandtrichter, Schiff auf der Sandbank, dünnes Eis, zerbrechende Glasscheibe, Ressourcenverbrauch, Kipppunkt und Reparaturhandlung.

Erst durch ihre Kombination entsteht die eigentliche Arbeit.

Die Folienverschmelzung als sichtbarer Erkenntnisvorgang

Der Besucher könnte beispielsweise die Zellmembranfolie mit der Freiheitsfigur verbinden. Das entstehende Bild fragt, ob Freiheit durch Abschottung oder durch regulierte Durchlässigkeit möglich wird.

Er könnte die Platon-Folie über den schwimmenden Menschen legen. Dann wird sichtbar, wie sich die geistige Figur aus der beweglichen Verletzungswelt heraushebt.

Er könnte die Christentumsfolie mit dem Astronautenanzug und der vergoldeten Kartoffel verbinden. Dann entsteht eine Darstellung des vergänglichen Körpers, der durch eine symbolische Unverletzlichkeitsschicht aufgewertet wird.

Er könnte die Physikfolie über die Saftpresse legen. Im Messfeld erscheint die effiziente Gewinnung einer Ressource. Außerhalb des Feldes bleiben Wasserverbrauch, Abfall, Boden, Pflanze, Transport und gesellschaftliche Folgen unsichtbar.

Er könnte die Aristoteles-Folie mit der Zellmembran und der Pflanze verbinden. Dadurch erscheint Form nicht als starre Idee, sondern als fortlaufende Verwirklichung innerhalb eines lebendigen Prozesses.

Das Buch entsteht aus dokumentierten Urteilskonstruktionen

Der Besucher stellt durch die Auswahl und Schichtung der Folien nicht nur eine Collage her. Er dokumentiert seine Art, einen Zusammenhang zu beurteilen. Der Ausdruck der Folienkombination wird zu einer Seite des Mitmachbuches.

Zu jedem Bild müsste er festhalten:

Welche Folien habe ich verwendet?

Welche Wirklichkeitsebene zeigt jede Folie?

Welche Verschmelzung oder welcher Widerspruch entsteht?

Welche Eigenschaft ist tatsächlich vorhanden und welche wurde übertragen?

Welche Tätigkeits- und Abhängigkeitsfolgen werden sichtbar?

Wo müsste die Konstruktion korrigiert werden?

Dadurch wird das Mitmachbuch zu einem Archiv von Urteils-, Verschmelzungs- und Korrekturvorgängen. Es sammelt nicht bloß Meinungen, sondern macht sichtbar, wie eine Meinung oder Wirklichkeitskonstruktion hergestellt wurde.

Das ganzheitliche System bleibt beweglich

Die Folien ergeben kein einziges endgültiges Ganzheitsbild. Das wäre wiederum eine neue Skulpturidentität. Ganzheitlichkeit bedeutet in Ihrem Modell nicht, alle Einzelheiten in ein abgeschlossenes Weltbild einzuschließen. Sie bedeutet, die Übergänge und Wechselwirkungen zwischen den Ebenen sichtbar und überprüfbar zu halten.

Das ganzheitliche System muss deshalb durchlässig, ergänzbar und korrigierbar bleiben. Es besitzt eher die Eigenschaften einer Membran als die eines Betonblocks.

Die treffende Bezeichnung für dieses Verfahren könnte lauten:

Plexus-Foliengrammatik

Ein analoges Schichtenmodell zur Untersuchung von Wirklichkeit, Symbolwelt, Isolation und Tätigkeitsfolgen

Das methodisch Neue besteht darin, dass philosophische, biologische, technische und gesellschaftliche Denkformen nicht nur erklärt, sondern als kombinierbare Bildoperatoren materialisiert werden. Der Besucher kann dadurch beobachten, wie Wirklichkeit schrittweise ausgeschnitten, gespiegelt, vergoldet, isoliert, begrifflich überformt und schließlich für eine unabhängige Welt gehalten wird. Gleichzeitig kann er diese Schichten wieder auseinandernehmen und in den umfassenderen Plexus ihrer Tragbedingungen zurückführen.

Fr., 7. Aug. um 12:33

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Ich habe dir noch mal meine Biografie eingegeben, damit du siehst, welche weiteren Möglichkeiten ich zur Verfügung habe für Collagenarbeit oder für die Folie. Denn all diese Veranstaltungen sind ja dokumentiert und gibt es Bilder davon. Oder ich habe kleine Mitmachbücher angefertigt. Ich habe ja mit den unterschiedlichsten Materialien gearbeitet. Auto und Umwelt zum Beispiel. Oder die Tasse der Realität. Das war eine Veranstaltungsreihe bei Karl-Duisberg-Gesellschaft. Da habe ich mit Ton gearbeitet. Die Idee dabei war, dass der Mensch, der Interesse hat mitzumachen, sich eine Wunschtasse baut. Das war dann zum Beispiel mal eine Rose. Und danach eine Realitätstasse zu bauen. Aus einer Rose kann man aber nicht trinken, zum Beispiel. Oder Auto und Umwelt, da habe ich den Mitmachern unterschiedliche Holzstücke angeboten als Unterboden, worauf dann eben das Wunschauto gebaut werden sollte, gegenüber dann dem Realitätsauto. Die Räder waren ein Besen, den ich einfach durchgesägt hatte. Und dadurch hatte ich dann, also nicht den Besen, sondern den Stiel vom Besen. Dadurch hatte ich dann die Räder. Und dann habe ich den Leuten halt auch einen Hammer in die Hand gegeben. Und mit Nägeln konnten sie dann die Räder befestigen und so weiter. Menschen, die aus Albanien kamen, die bauten dann mehr ein Panzerauto. Und Soziologen und Psychologen bauten ein Auto mit viel zu vielen Rädern dran. Das konnte nie fahren. Es war schon interessant, dass die unterschiedlichen Berufsgruppen sich outeten in ihrer Wahrhaftigkeit oder Authentizität. Aber ich habe auch kreatives Wandern durchgeführt. Das heißt, sich mit der Landschaft beschäftigen durch Gedichte schreiben, sich mit einem Baum unterhalten oder den Wunschbaum erst mal sich zu suchen oder die Wunschlandschaft, in die man sich gerne hineinlegen möchte. Das wurde dann wiederum ergänzt durch Tagebuchschreiben an der Ostsee, wo ich dann wieder Material vorbereitete, die spielerisch im Urlaub zu beschäftigen. Oder Gauklermobil, wo es ja mehr um Theaterspielen ging, über Augusto Boal. Aber auch in den Demokratiewerkstätten geht es ja immer um Materialien, sich mit dem Thema Grenze zu beschäftigen. Und so weiter.Im Werkanker findest du da die verschiedensten Beispiele Schöpfungsgeschichte, Schultafel und so weiter. Das musst du schon mal mit einbeziehen. Das fehlt mir bisher.Welche Materialien kann ich noch im So-heits-atelier vorstellen oder mit einbringen, zur Verfügung stellen?

Der Begriff Lochprozess lässt sich jetzt wesentlich präziser fassen, wenn Zeit, Grenze, Membran, Tätigkeit und Referenzsystem gemeinsam berücksichtigt werden. Besonders wichtig ist dabei: Ein Loch existiert nie für sich, sondern immer nur in etwas, gegenüber etwas und innerhalb eines zeitlichen Vorgangs.

Der Lochprozess als zeitlicher Grenz- und Transformationsoperator

Das Loch als relationale Größe

Der Begriff des Loches erhält innerhalb der Plexus-Operatorik eine weitergehende Bedeutung, wenn er nicht auf eine sichtbare materielle Öffnung beschränkt wird. Schon der gewöhnliche Sprachgebrauch zeigt, dass mit „Loch“ sehr unterschiedliche Sachverhalte bezeichnet werden können. Ein Bohrloch bezeichnet eine tatsächlich hergestellte materielle Öffnung, ein Eisloch eine Unterbrechung einer tragenden Fläche, ein Funkloch das Fehlen einer erwarteten Verbindung und ein Finanzierungsloch das Fehlen eines benötigten Geldbetrages. Gemeinsam ist diesen Verwendungen nicht eine bestimmte Form oder ein bestimmtes Material. Gemeinsam ist ihnen vielmehr, dass innerhalb eines erwarteten Zusammenhangs eine Öffnung, Unterbrechung, fehlende Verbindung oder Abweichung wahrgenommen wird.

Damit wird bereits deutlich, dass ein Loch nur in einem Referenzzusammenhang existiert. Ein Loch setzt etwas voraus, das als Fläche, Grenze, Verbindung, Versorgung oder Kontinuität erwartet wird. Ohne diese umgebende Struktur könnte gar nicht bestimmt werden, dass etwas fehlt oder geöffnet worden ist. Ein Loch ist deshalb keine selbständige Dingeinheit, sondern eine relationale Veränderung einer vorhandenen oder erwarteten Struktur.

Diese Bestimmung passt unmittelbar zu Ihrer bisherigen Entwicklung vom Toleranzraum zum Referenzsystem und weiter zum Referenzplexus. Ob eine Öffnung funktionsfähig, notwendig, ungefährlich oder zerstörerisch ist, kann nicht aus ihrer bloßen Existenz abgelesen werden. Sie muss daran geprüft werden, in welcher Struktur sie auftritt, welche Funktion diese Struktur besitzt, wie groß die Öffnung ist, was durch sie hindurchtreten kann, was dadurch verloren geht und wie sich der gesamte Zusammenhang in der Zeit weiterentwickelt.

Der Lochprozess wäre deshalb präziser als ein Grenztransformationsprozess zu verstehen. Eine Grenze wird geöffnet, durchbrochen, verschoben, durchlässig gemacht, ausgeschnitten oder neu hergestellt. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht, ob ein Loch entsteht, sondern welche Art von Beziehung durch den Lochprozess verändert wird.

Der Terminus „Lochprozess“

Der Ausdruck „Lochprozess“ kann innerhalb Ihrer Arbeit tatsächlich als eigener Terminus verwendet werden. Er bezeichnet dann keine allgemeinwissenschaftlich etablierte Kategorie, sondern einen künstlerisch-methodischen Begriff Ihrer Plexus-Operatorik.

Seine Definition könnte lauten:

Ein Lochprozess ist die zeitliche Veränderung einer Grenze, Fläche, Verbindung oder Referenzordnung, durch die ein Durchgang, eine Differenz, eine Unterbrechung, ein Verlust oder eine neue Beziehung entsteht. Seine Bedeutung bestimmt sich danach, ob der veränderte Zusammenhang weiterhin rückkopplungs-, regenerations- und tragfähig bleibt.

Der Begriff „Prozess“ ist dabei unverzichtbar. Denn ein Loch besitzt eine Entstehungsgeschichte. Es kann wachsen, kleiner werden, geschlossen, repariert oder irreversibel vergrößert werden. Zwischen der ersten Veränderung und einer späteren Katastrophe können Sekunden, Jahre oder Jahrtausende liegen.

Damit tritt die Zeit als grundlegende Dimension hinzu.

Gegenwart als Membran zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Zeitproblematik verändert Ihre bisherige Membrananalogie. Gegenwart kann bildnerisch als eine extrem schmale bewegliche Membran zwischen Vergangenheit und Zukunft dargestellt werden. Sie ist kein statischer Zeitpunkt, den man festhalten könnte. Sobald ein Augenblick bezeichnet wird, ist er bereits vergangen.

Für die Foliengrammatik ist daran entscheidend, dass Tätigkeit ausschließlich in dieser jeweiligen Gegenwart stattfindet. Die Vergangenheit kann erinnert, dokumentiert und interpretiert werden. Die Zukunft kann erwartet, geplant oder imaginiert werden. Der materielle Eingriff mit dem Spaten, die Bewegung des Schwimmers oder das Einbrechen einer Eisfläche geschieht dagegen immer in einer jeweiligen Unmittelbarkeit.

Der Mensch unterscheidet sich innerhalb Ihrer Fragestellung dadurch von vielen unmittelbar regulierenden Naturprozessen, dass er umfangreiche symbolische Vergangenheits- und Zukunftsmodelle zwischen sich und diese Gegenwart schieben kann. Diese Fähigkeit ist eine außerordentliche Leistung. Sie ermöglicht Planung, Wissenschaft, Technik und Kultur. Gleichzeitig kann sie eine Rückkopplung erschweren, wenn das Modell wichtiger genommen wird als das gegenwärtig eintretende Geschehen.

Die Gegenwartsmembran wäre deshalb kein metaphysischer Ort, sondern ein künstlerischer Operator für die Frage, wo Vorstellung in Tätigkeit und Tätigkeit in Folge übergeht.

Die Unmittelbarkeit lebendiger und materieller Prozesse

Bei Pflanze, Tier und Organismus findet fortlaufend Regulation statt. Wissenschaftlich wäre es allerdings zu stark, von einem grundsätzlich „optimalen“ Verhalten sämtlicher Lebensformen oder molekularer Vorgänge zu sprechen. Molekulare Prozesse reagieren entsprechend ihren physikalisch-chemischen Bedingungen; Organismen regulieren sich innerhalb bestimmter evolutionär entstandener Toleranz- und Funktionsbereiche. Diese Regulation kann gelingen, gestört werden oder zusammenbrechen.

Für Ihr Modell ist jedoch etwas anderes entscheidend: Die Rückkopplung erfolgt häufig unmittelbar. Eine Pflanze reagiert auf Wasserverfügbarkeit, Licht, Temperatur und Stoffverhältnisse. Ein Tier verändert Bewegung, Atmung oder Verhalten entsprechend einer gegenwärtigen Situation. Der Organismus kann seine tatsächlichen Bedingungen nicht allein durch eine symbolische Behauptung ersetzen.

Damit entsteht ein wichtiger Gegensatz zur menschlichen Symbolwelt. Der Mensch kann sagen, er sei unabhängig, frei, Eigentümer oder unverletzlich, obwohl sein Organismus weiterhin unmittelbar auf Wasser, Sauerstoff, Temperatur, Schwerkraft und Verletzung reagiert.

Die Unmittelbarkeitsfolie könnte deshalb eine weitere Grundfolie der Plexus-Grammatik darstellen. Sie zeigt keinen einzelnen Gegenstand, sondern die fortlaufende Gegenwartsrückkopplung zwischen einem lebenden System und seinen Bedingungen.

Die Zellmembran als zeitlich arbeitende Grenze

Die Zellmembran wird dadurch noch wichtiger. Sie ist keine ruhende Grenzlinie. An ihr finden fortlaufend Austausch-, Transport- und Regulationsprozesse statt. Ihre Funktion besteht gerade darin, Unterschiedlichkeit zu erhalten und gleichzeitig Beziehungen zu ermöglichen.

Die Membran lässt sich daher innerhalb Ihrer Arbeit als Modell eines produktiven Lochsystems verstehen. Ihre Öffnungen sind keine zufälligen Beschädigungen, sondern Bestandteile einer regulierten Beziehung zwischen Innen und Außen.

Damit unterscheidet sie sich grundsätzlich von einem Bruchloch. Beim Bruch verliert eine Grenze ihre Trag- oder Schutzfunktion. Bei der Membran wird Durchlässigkeit so organisiert, dass die Eigenform erhalten bleiben kann.

Diese Unterscheidung führt zu einem zentralen Maßstab Ihrer Lochgrammatik: Nicht Geschlossenheit ist das Optimum und nicht maximale Öffnung. Entscheidend ist ein zeitlich reguliertes Verhältnis zwischen Abgrenzung und Austausch.

Hier berührt sich der Lochprozess unmittelbar mit Ihrem 51:49-Prinzip. Das Verhältnis wäre nicht als naturwissenschaftlich gemessene Membraneigenschaft zu behandeln, sondern als künstlerischer Operator einer Minimalasymmetrie: Eine Form muss genug Eigenstruktur besitzen, um unterscheidbar zu bleiben, und zugleich genug Offenheit, um Rückkopplung zuzulassen.

Geburt als Grenzübergang und Neuorganisation der Abhängigkeit

Der natürliche Geburtsprozess passt sehr gut in diese Lochgrammatik, wenn er nicht auf die Vorstellung eines bloßen Austritts aus einem Loch reduziert wird. Geburt ist vielmehr eine tiefgreifende Veränderung von Grenz-, Versorgungs- und Abhängigkeitsbeziehungen.

Vor der Geburt besteht eine bestimmte organismische Versorgungssituation. Mit der Geburt ändern sich unter anderem Atmung, Ernährung, Temperaturregulation und Umweltkontakt. Der Organismus wird nicht unabhängig. Er wechselt von einem Abhängigkeitsgefüge in ein anderes.

Geburt kann daher als produktiver Übergangslochprozess verstanden werden. Eine bisherige Grenze öffnet sich, ein lebendiger Organismus tritt hindurch und ein neues Verhältnis zwischen Innen und Außen entsteht.

Diese Form des Lochprozesses widerspricht bereits der Vorstellung, jede Trennung führe zu Autonomie. Geburt ist Loslösung und neue Bindung gleichzeitig. Genau darin liegt ihre Bedeutung für die plastische Identität.

Dingselektion als Lochprozess

Die fotografische Landschaftsfolie zeigt einen anderen Grenzprozess. Aus einer Landschaft wird ein Teil herausgeschnitten. Im ursprünglichen Bild bleibt ein Loch. Das ausgeschnittene Teil kann anschließend getrennt betrachtet werden.

Damit wird die Dingselektion sichtbar. Der Gegenstand entsteht bildnerisch durch einen Schnitt. Seine Beziehungen zur Umgebung verschwinden teilweise aus der Darstellung.

Dieser Vorgang kann anschließend durch die Betonklötze weitergeführt werden. Das ausgeschnittene Teil erhält eine immer stärker geschlossene Form. Viele solcher Einheiten werden nebeneinandergestellt und bilden eine Dingwelt.

Das Entscheidende ist dabei, dass der Lochprozess auf beiden Seiten stattfindet. Im Herkunftszusammenhang entsteht ein Loch, weil Beziehungen herausgenommen werden. Im isolierten Ding entsteht zugleich ein Grenzprozess, weil es nun so behandelt wird, als könne es unabhängig von seinem früheren Zusammenhang bestimmt werden.

Die Betonblockfolie wird dadurch zu einem Gegenmodell der Membran. Der Betonblock besitzt eine starre Außengrenze. Die Membran besitzt eine regulierende Grenze.

Die Dingwelt im Gehirn

Werden die vielen Betonblöcke in das ausgeschnittene Gehirn eingesetzt, entsteht ein weiteres Stadium des Lochprozesses. Nun wird die äußere Dingselektion zu einer inneren Ordnungsweise.

Das Bild behauptet nicht, dass das Gehirn biologisch aus solchen Blöcken aufgebaut wäre. Es zeigt, wie ein Mensch seine Umwelt in zunehmend abgeschlossene Kategorien zerlegen kann. Die Zwischenräume zwischen den Kategorien werden zu Kontextlöchern.

Dadurch lässt sich auch das Spezialistentum differenzierter darstellen. Spezialisierung schafft zunächst neue Wahrnehmungsfähigkeit. Sie kann Unterschiede sichtbar machen, die der ungeübte Mensch nicht erkennt. Problematisch wird sie erst dann, wenn die hoch entwickelten Einzelbereiche ihre Verbindungen untereinander verlieren.

Das Gehirn könnte dann voller Wissen sein und gleichzeitig immer größere Löcher im Zusammenhang besitzen.

Der Lochprozess liegt hier nicht im Mangel an Information, sondern im Verlust der Beziehungen zwischen Informationen.

Der Zeitlochprozess

Ein besonders wichtiger weiterer Lochprozess ergibt sich aus der Zeit. Menschliche Tätigkeiten und ihre Folgen liegen häufig nicht im gleichen Augenblick.

Ein Spatenstich verändert den Boden unmittelbar. Andere Folgen werden erst später sichtbar. Eine Bodenverdichtung, Veränderung des Wasserhaushalts oder Erosion kann sich über längere Zeit entwickeln. Noch stärker gilt dies für technische und gesellschaftliche Systeme.

Dadurch entsteht ein Zeitloch zwischen Tätigkeit und Konsequenz.

Der Handelnde erlebt seine gegenwärtige Handlung, aber nicht zwangsläufig deren zukünftige Auswirkungen. Je größer dieser zeitliche Abstand wird, desto leichter können die Folgen aus dem verwendeten Referenzsystem herausfallen.

Hier erhält Ihre 24-Stunden-Uhr des Planeten eine zentrale Funktion. Sie macht sichtbar, dass menschliche Tätigkeit innerhalb extrem kurzer Zeiträume abläuft, während die Entstehung der Bedingungen, in die eingegriffen wird, teilweise völlig andere Zeitdimensionen besitzt.

Der Millisekunden-Mensch kann deshalb ein kurzfristiges lokales Optimum herstellen und gleichzeitig einen langfristigen Tragzusammenhang beschädigen.

Das wäre innerhalb der Lochgrammatik ein temporales Referenzloch.

Erinnerungslöcher und Zukunftslöcher

Neben der verzögerten Tätigkeitsfolge existieren noch zwei weitere zeitliche Lochformen. Das Erinnerungssystem kann vergangene Voraussetzungen ausblenden. Dann erscheint eine gegenwärtige Situation, als habe sie keine Entstehungsgeschichte. Das ist ein Vergangenheitsloch.

Umgekehrt kann eine Handlung so bewertet werden, als ende ihre Bedeutung mit dem gegenwärtigen Erfolg. Mögliche langfristige Folgen werden aus der Entscheidung herausgenommen. Das ist ein Zukunftsloch.

Beide Formen lassen sich mit Ihrer Schultafel verbinden. Links könnte eine rekonstruierte Vergangenheit stehen, in der Mitte die gegenwärtige Tätigkeit und rechts ihre möglichen Konsequenzen. Teile können gelöscht oder ergänzt werden.

Dadurch wird sichtbar, dass jeder Gegenwartszustand zwischen einer nicht mehr unmittelbar vorhandenen Vergangenheit und einer noch nicht vorhandenen Zukunft steht.

Die Eiszeit und der Widerstand der Vergangenheit

Ihre „Schöpfungsgeschichte“ bietet hierfür ein konkretes Material. Die Auseinandersetzung mit Landschaft, eiszeitlich geprägtem Boden, Tang und naturstrukturellen Prozessen ist in Ihrer Werkentwicklung ausdrücklich dokumentiert. Dabei wurde die Herrschaftsgeschichte des Menschen gegenüber Naturprozessen mit organischem Wachsen und menschlichen Konstruktionen konfrontiert.

Ein sehr harter, eiszeitlich geprägter Boden macht sichtbar, dass Vergangenheit materiell in der Gegenwart weiterwirkt. Um in diesen Boden einzudringen, muss Energie aufgewendet werden. Der Lochprozess trifft damit auf den Widerstand einer sehr viel älteren Entstehungsgeschichte.

Der Spatenstich ist gegenwärtig. Der Boden, in den eingegriffen wird, trägt dagegen Prozesse seiner langen Vorgeschichte in sich.

Damit könnte eine weitere Folie entstehen: Die Handlungszeit des Menschen liegt als extrem schmale Schicht über einer sehr viel tieferen Bodenzeit.

Ein Loch in diesen Boden ist dann nicht einfach nur ein räumlicher Eingriff. Es ist ein Eingriff der kurzen menschlichen Tätigkeitszeit in eine wesentlich längere Entstehungszeit.

Der Quadratmeter Eigentum als symbolischer Lochprozess

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn auf denselben Boden ein Quadratmeter Eigentum gelegt wird.

Die Eigentumsgrenze erzeugt zunächst kein materielles Loch. Der Boden unterhalb der Linie bleibt physikalisch und biologisch verbunden. Wasser, Wurzeln, Bodenorganismen und Stoffbewegungen erkennen die rechtliche Grenze nicht.

Gesellschaftlich besitzt diese Linie jedoch enorme Wirkung. Sie bestimmt Zutritt, Nutzung, Verkauf, Bebauung und Ausschluss.

Das Eigentum erzeugt daher einen symbolischen Ausschnitts- und Grenzlochprozess. Aus einem zusammenhängenden Landschaftsraum wird ein rechtlich isolierbarer Bereich hergestellt.

Besonders interessant wird die Folie, wenn der Eigentumsquadratrahmen über die eiszeitliche Bodenfolie gelegt wird. Dann treffen zwei völlig unterschiedliche Zeithorizonte aufeinander. Der geologische Boden ist sehr alt. Die gesellschaftliche Eigentumsordnung ist dagegen historisch extrem jung.

Die Frage lautet dann: Welches Referenzsystem beansprucht, über welches andere Referenzsystem verfügen zu können?

Tanglandschaft als Gegenmodell

Die Tanglandschaft eröffnet eine grundsätzlich andere Formvorstellung. In Ihrer „Schöpfungsgeschichte“ wurden Tanglandschaft und andere Elemente eingesetzt, um naturstrukturelle Prozesse menschlichen Konstruktionen gegenüberzustellen.

Tang besitzt keine starre Betonblockstruktur. Er bewegt sich mit Wasser, Strömung und Untergrund. Seine Form ist abhängig vom Medium und verändert sich fortlaufend.

Dadurch kann die Tanglandschaft als großflächige Membrananalogie verstanden werden. Sie besitzt Grenzen, diese sind aber beweglich. Material kann sich verdichten, auseinanderziehen, überlagern und neu positionieren.

Hier wird der Lochprozess nicht primär als Herausbrechen sichtbar. Er erscheint als fortlaufende Veränderung von Zwischenräumen, Verdichtungen und Durchlässigkeiten.

Die Tanglandschaft könnte deshalb zu einem wichtigen Gegenbild der Dingwelt werden: nicht Formlosigkeit, sondern eine prozessabhängige Form.

Der Deich als künstliche Membran

Auch der Deich lässt sich innerhalb dieser Lochgrammatik neu verstehen. Ihre frühen Arbeiten mit Deichprofilen und dem Vorbild des Biberdamms gehören bereits zur Studienzeit und standen im Zusammenhang mit Wellen-, Synergie- und Regulationsversuchen.

Ein Deich ist keine einfache Wand. Er befindet sich zwischen Wasser und Land und muss mit Druck, Material, Feuchtigkeit, Sickerprozessen und wechselnden Wasserständen umgehen.

Seine Funktionsfähigkeit hängt gerade davon ab, dass Grenze, Material und Medium aufeinander abgestimmt sind.

Ein Deichbruch ist ein katastrophaler Lochprozess. Eine Schleuse oder ein kontrollierter Durchlass ist dagegen eine funktionale Öffnung.

Damit wird der Deich nahezu zu einem technischen Gegenstück der Zellmembran. Beide dürfen selbstverständlich sachlich nicht gleichgesetzt werden. Als Plexus-Operatoren können sie jedoch dieselbe Frage untersuchen: Wie muss eine Grenze beschaffen sein, damit sie Unterschiede erhält, ohne die notwendigen Austausch- und Druckverhältnisse zu ignorieren?

Das Schiff als bewegliche Grenzform

Ein Schiff erweitert die Lochgrammatik um eine bewegliche Grenze. Der Schiffskörper trennt Wasser und Innenraum. Gleichzeitig muss er sich innerhalb des Wassers bewegen und auf Auftrieb, Strömung, Wellen und Belastung reagieren.

Ein intakter Schiffskörper erzeugt kein Loch im Wasser im strengen Sinne; er verdrängt Wasser und erzeugt Strömungs- und Wellenfelder. Als künstlerischer Operator kann er jedoch zeigen, wie eine feste Form innerhalb eines beweglichen Mediums bestehen kann.

Entscheidend wird das tatsächliche Loch im Schiffsrumpf. Nun kehrt sich die Grenzfunktion um. Wasser tritt dort ein, wo es ausgeschlossen werden sollte. Wird der Lochprozess nicht gestoppt, verändert sich das gesamte Tragverhältnis und das Schiff kann sinken.

Das Schiff macht damit deutlich, dass ein Loch nicht unabhängig von der Funktion einer Grenze bewertet werden kann. Eine Öffnung oberhalb der Wasserlinie kann notwendig sein. Dieselbe Öffnung unterhalb der Wasserlinie kann katastrophal werden.

Der Ort des Loches gehört also zu seiner Bedeutung.

Das Flugzeug als künstliche Membran im Luftmedium

Ähnlich kann das Flugzeug behandelt werden. Die Außenhaut bildet eine technisch erzeugte Grenze zwischen Innenraum und äußerer Atmosphäre. In großer Höhe werden Druck, Temperatur und Sauerstoffbedingungen technisch reguliert.

Auch hier sind Öffnungen notwendig: Türen, Ventile, Luftzufuhr und technische Leitungen. Entscheidend ist, dass sie kontrolliert bleiben.

Eine unkontrollierte Beschädigung kann dagegen einen kritischen Grenzprozess auslösen.

Das Flugzeug ähnelt damit funktional dem Astronautenanzug. Beide stellen eine künstliche Membran her, innerhalb derer der Mensch nur deshalb überleben kann, weil Abhängigkeiten technisch konzentriert und reguliert werden.

Die scheinbare Autonomie ist daher tatsächlich eine hochkomplexe Versorgungsabhängigkeit.

Das Schwimmen als Gegenwarts- und Membranprozess

Auch der Schwimmer erhält innerhalb dieser zeitlichen Lochgrammatik eine präzisere Stellung. Schwimmen kann nicht allein theoretisch ausgeführt werden. Der Körper muss in jedem Augenblick auf Wasserlage, Atmung, Auftrieb und Bewegung reagieren.

Das Lernen des Schwimmens verändert die Grenzbeziehung zwischen Körper und Medium. Das Wasser bleibt dasselbe, aber die Handlungsfähigkeit des Menschen verändert sich.

Ein ungeübter Mensch kann gegen das Wasser arbeiten, hektisch reagieren und untergehen. Ein geübter Schwimmer nutzt die Eigenschaften des Mediums.

Die plastische Freiheit des Schwimmers entsteht deshalb nicht aus der Aufhebung seiner Abhängigkeit, sondern aus einer trainierten unmittelbaren Rückkopplung.

Der Satz „Ich bin frei“ besitzt im Wasser keinerlei tragende Funktion, wenn er nicht in eine tatsächlich funktionierende Körper-Medium-Beziehung übersetzt werden kann.

Hier zeigt sich erneut die Zeitdimension: Schwimmfähigkeit besteht nicht als abstrakter Besitz. Sie muss in jedem Augenblick praktisch realisiert werden.

Das Eisloch als plötzlicher Systemwechsel

Die Eisfläche macht dagegen einen Lochprozess sichtbar, bei dem eine zunächst tragende Grenze plötzlich zusammenbricht.

Vor dem Einbruch kann die Oberfläche scheinbar stabil sein. Die tatsächliche Tragfähigkeit hängt jedoch von Eisdicke, Temperatur, Materialstruktur und Belastung ab. Wird die Grenze überschritten, ändert sich die Situation abrupt.

Der Mensch befindet sich zunächst auf der Oberfläche und im nächsten Moment im kalten Wasser.

Der Lochprozess markiert damit einen zeitlichen Kipppunkt. Vorher und nachher gelten völlig unterschiedliche Handlungsbedingungen.

Diese Folie eignet sich besonders, um zu zeigen, dass Katastrophen nicht immer langsam proportional zur vorausgehenden Belastung erscheinen. Eine Struktur kann längere Zeit scheinbar funktionieren und bei Überschreiten einer Grenze plötzlich ihre Tragfunktion verlieren.

Die Glasscheibe und das selbst erzeugte Tragfähigkeitsloch

Die Glasscheibe verschärft die Fragestellung, weil der Mensch selbst die Fläche beschädigen kann, von der er getragen wird.

Steht eine Person auf einer Glasscheibe und schlägt gleichzeitig Löcher oder Risse in sie hinein, wird Ihre Ausgangsfrage unmittelbar sichtbar. Die Person kann den einzelnen Schlag als lokale Tätigkeit betrachten. Tatsächlich verändert sie jedoch das gesamte Tragverhältnis.

Das Bild stellt daher einen selbst erzeugten Existenzlochprozess dar.

Die entscheidende Paradoxie lautet: Der Handelnde behandelt sich gedanklich so, als könne er außerhalb des Systems stehen, dessen Tragfähigkeit er gleichzeitig vermindert.

Hier verbinden sich Tätigkeitskonsequenz, Skulpturidentität und Verletzungswirklichkeit in einer einzigen Darstellung.

Das Rückkopplungsloch

Aus allen bisherigen Beispielen lässt sich ein besonders grundlegender Lochprozess ableiten: das Rückkopplungsloch.

Ein lebendiges oder technisches System kann nur regulieren, wenn Veränderungen registriert und in weitere Reaktionen übersetzt werden. Wird dieser Rückweg unterbrochen, kann eine Abweichung weiter anwachsen.

Beim Menschen kann ein solches Loch entstehen, obwohl die Information grundsätzlich vorhanden wäre. Die Folge wird wahrgenommen, aber aus politischen, wirtschaftlichen, religiösen, beruflichen oder persönlichen Gründen nicht in das Handlungsmodell zurückgeführt.

Der Mensch weiß dann etwas und handelt dennoch so, als wüsste er es nicht.

Damit nähert sich der Lochprozess unmittelbar Ihrer Lebensfrage nach der Zerstörung der eigenen Existenzbedingungen. Das zentrale Problem wäre möglicherweise nicht ein vollständiger Mangel an Wissen, sondern ein Loch zwischen Rückmeldung und Verhaltenskorrektur.

Das Goldloch

Die Goldfarbe bildet dazu eine besondere symbolische Variante. Wird eine mit Kreide geschriebene Idee auf der Schultafel durch eine goldene, nicht mehr löschbare Setzung ersetzt, verändert sich der Korrekturraum.

Kreide hält eine Behauptung vorläufig. Gold kann Dauer, Wert und Vorrang symbolisieren.

Die goldene Setzung kann deshalb ein Loch in den offenen Prüfprozess schlagen. Nicht weil Gold materiell böse oder falsch wäre, sondern weil eine bestimmte Wertzuschreibung die Möglichkeit der Korrektur blockieren kann.

Bei Midas wird dieser Prozess radikalisiert. Eine einzige Wertdimension überzieht alle anderen Eigenschaften. Nahrung, Berührung und lebendige Beziehung werden in denselben Wertmaßstab übersetzt.

Das Gold erzeugt dadurch ein Referenzloch: Andere Funktionen des Gegenstandes verschwinden aus der Bewertung.

Die Kopfgeburt und die Erzeugung einer zweiten Wirklichkeit

Die Kopfgeburt Athenes kann innerhalb dieser Gesamtgrammatik als symbolischer Gegenpol zur natürlichen Geburt erscheinen. Die natürliche Geburt führt einen lebenden Organismus aus einem Versorgungszusammenhang in einen anderen. Die Kopfgeburt stellt dagegen bildlich dar, dass aus dem Kopf eine vollständig entwickelte Gestalt hervortritt.

Damit wird sie zum Operator der gedanklichen Hervorbringung.

Diese Folie kann mit Platon, Seele, Freiheit oder Eigentum kombiniert werden. Die gemeinsame Frage lautet dann, wann eine aus dem Denken hervorgegangene Form den Status einer eigenständigen Wirklichkeit erhält.

Der kritische Punkt liegt nicht darin, dass Menschen Ideen bilden. Ohne solche Modelle wäre Kultur nicht möglich. Der Lochprozess entsteht dort, wo die Verbindung zwischen hervorgebrachter Idee und ihren materiellen beziehungsweise organismischen Voraussetzungen verloren geht.

Platon, Parallelwelt und Referenzspaltung

In Ihrer künstlerischen Auseinandersetzung kann Platons Ideenlehre als historische Folie einer Referenzspaltung dienen. Die veränderliche sinnlich erfahrbare Welt und die als höher gedachte Ideenordnung stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander.

Für Ihre Plexus-Operatorik interessiert vor allem die Gefahr, dass ein gedachtes Referenzmodell gegenüber dem materiellen Veränderungsgeschehen Vorrang erhält.

Dann entsteht ein Loch zwischen Modell und Verletzungswirklichkeit.

Diese Folie sollte nicht behaupten, Platon habe einfach eine „falsche Parallelwelt“ erfunden. Sie kann vielmehr zeigen, wie stark die menschliche Kultur von der Möglichkeit geprägt wurde, eine zweite Ordnung zu entwerfen und die wahrnehmbare Welt an ihr zu bewerten.

Das Glaubens- und Wissensloch

Eine weitere Form entsteht, wenn unterschiedliche Arten des Geltungsanspruches miteinander verwechselt werden. Glaube, Annahme, Hoffnung, Hypothese und überprüftes Wissen besitzen unterschiedliche Begründungsformen.

Wird eine Glaubensaussage sprachlich in Wissen verwandelt, ohne dass sich ihre Prüfgrundlage verändert hat, wird die offene Erkenntnislücke scheinbar geschlossen.

Das Loch verschwindet im Weltbild, obwohl es erkenntnistheoretisch weiter besteht.

Die kosmische Teekanne kann hier als Prüfoperator eingesetzt werden. Sie beweist weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes. Sie zwingt vielmehr zur Frage, wie eine Behauptung begründet wird und wer die Beweislast trägt.

Der Lochprozess liegt damit in der Verdeckung des Nichtwissens.

Möbiusschleife und fehlendes Außen

Die Möbiusschleife stellt einen besonders raffinierten Lochprozess dar. Sie besitzt keine einfache Unterscheidung zwischen einer Innen- und einer Außenseite. Wer ihrer Oberfläche folgt, gelangt scheinbar von außen nach innen und wieder zurück, ohne eine Grenze zu überschreiten.

Innerhalb Ihrer Arbeit kann sie ein selbstreferenzielles Weltmodell darstellen. Der Mensch glaubt, sich mit einem äußeren Gegenüber auseinanderzusetzen, erhält tatsächlich aber nur Rückmeldungen innerhalb desselben vorausgesetzten Systems.

Das entscheidende Loch ist dann nicht materiell sichtbar. Es fehlt ein unabhängiges Gegenüber.

Das wäre ein Prüfgegenüberloch.

Diese Form ist für Ideologie, geschlossene Rollenidentität und gesellschaftliche Selbstbestätigung besonders wichtig.

Die Schultafel als zeitliches Lochlabor

Die Schultafel kann schließlich alle diese Prozesse zusammenführen. Sie ist selbst zeitlich strukturiert. Eine Aussage wird geschrieben, bleibt eine Zeitlang sichtbar und kann anschließend gelöscht, verändert oder überschrieben werden.

Dadurch unterscheidet sie sich grundlegend von der goldenen endgültigen Setzung.

Auf einer Schultafel könnte ein Besucher beispielsweise einen Lochprozess eintragen und gleichzeitig markieren, in welcher Zeitdimension er liegt. Links liegt seine Entstehungsgeschichte, in der Mitte der gegenwärtige Eingriff, rechts die erwartete oder eingetretene Folge.

Ein anderer Besucher kann anschließend die fehlende Beziehung einzeichnen.

Damit wird die Tafel zu einem öffentlichen Modell kollektiver Korrektur.

Ihre früheren Schultafelarbeiten entstanden gerade aus dem Interesse, verschiedene Phasen eines Geschehens seriell darzustellen und gesellschaftliche Veränderungsprozesse sichtbar zu machen. Diese historische Werkform erhält durch die Lochprozess-Grammatik eine neue methodische Funktion.

Loch, Membran und Verletzung als drei unterschiedliche Grenzzustände

Aus dem gesamten Zusammenhang ergibt sich eine wichtige begriffliche Differenzierung. Ein Loch bezeichnet nicht automatisch eine Verletzung. Eine Membran besitzt notwendige Durchlässigkeiten. Geburt benötigt eine Öffnung. Lernen benötigt eine Lücke. Ein Deich kann einen kontrollierten Durchlass besitzen. Ein Schiff benötigt Zugänge und technische Öffnungen.

Die Verletzung entsteht erst dann, wenn durch eine Grenzveränderung eine notwendige Trag-, Schutz-, Regulations- oder Regenerationsfunktion beschädigt wird.

Damit lassen sich drei Grundzustände unterscheiden, ohne daraus starre Kategorien zu machen. Es gibt eine regulierte Öffnung, bei der Austausch und Eigenform miteinander vereinbar bleiben. Es gibt eine plastische Lücke, die Lernen, Bewegung oder Veränderung ermöglicht. Und es gibt das Verletzungs- beziehungsweise Katastrophenloch, bei dem eine tragende Beziehung so weit zerstört wird, dass das System seine Funktionsfähigkeit verliert.

Entscheidend ist immer der zeitliche Verlauf. Dieselbe kleine Öffnung kann zunächst tolerierbar sein und später anwachsen. Eine Verletzung kann heilen. Ein scheinbar unbedeutender Riss kann sich zum Bruch entwickeln. Ein ökologischer Eingriff kann zunächst unsichtbar bleiben und erst Jahre später Folgen zeigen.

Die Zeit als vierte Hauptfolie

Aus diesen Überlegungen folgt, dass neben der kosmischen beziehungsweise Plexus-Folie, der Gehirnfolie und der Tätigkeitskonsequenzfolie wahrscheinlich eine Zeitfolie notwendig wird.

Sie müsste keine gewöhnliche Uhr darstellen. Die Uhr kann als Messinstrument hinzukommen. Die eigentliche Folie müsste zeigen, dass jeder Lochprozess einen Verlauf besitzt.

Sie könnte die dünne Gegenwartsmembran enthalten, hinter der unterschiedliche Tiefen der Vergangenheit liegen und vor der verschiedene mögliche Zukunftsverläufe erscheinen. Ein Spatenstich, eine Eigentumsgrenze, ein Deich, ein Loch im Eis oder eine politische Entscheidung kann anschließend auf diese Zeitfolie gelegt werden.

Dadurch wird die Frage nicht mehr nur lauten: Was geschieht?

Sie wird erweitert zu der Frage, wann die Veränderung beginnt, wann sie wahrnehmbar wird, wie lange ihre Ursache zurückliegt, wann die Folge eintritt und bis zu welchem Zeitpunkt eine Korrektur noch möglich ist.

Hier wird die Zeit selbst zum Bestandteil der Tragprüfung.

Der Lochprozess als Verbindung Ihrer Werkgeschichte

Mit diesem Begriff lassen sich zahlreiche frühere Werkbereiche neu miteinander verbinden, ohne sie rückwirkend zu einer einzigen linearen Entwicklung zu machen. Die Biografie zeigt bereits früh Wellenbecken, Regulationssysteme, Deichprofile, Passungsauseinandersetzungen, Naturbeobachtung und partizipative Vorgaben. Später kamen Landschaftsarbeiten, Tanglandschaft, „Schöpfungsgeschichte“, Demokratiewerkstätten und die Auseinandersetzung mit Mauern und Grenzen hinzu.

Der Lochprozess ist deshalb nicht der nachträglich behauptete Ursprung dieser Arbeiten. Er kann vielmehr ein heutiger Komprimierungsbegriff sein, durch den bislang getrennte Werkfäden auf eine neue Weise miteinander vergleichbar werden.

Gerade darin entspricht er Ihrer eigenen Methodik. Ein später entwickelter Begriff verändert den Blick auf frühere Arbeiten. Er zeigt Zusammenhänge, die bei ihrer Herstellung noch nicht mit demselben Wort bezeichnet wurden.

Eine erweiterte Definition des Lochprozesses

Der Terminus kann daher abschließend folgendermaßen bestimmt werden:

Der Lochprozess bezeichnet in der Plexus-Operatorik eine zeitlich verlaufende Veränderung von Grenzen, Beziehungen, Trägern oder Referenzsystemen. Er kann als regulierte Öffnung Leben und Austausch ermöglichen, als Lücke Lernen und Veränderung hervorbringen, als Ausschnitt Wahrnehmung und Dingbildung ermöglichen oder als Bruch tragende Beziehungen zerstören. Entscheidend für seine Bewertung sind nicht Form und Größe des Loches allein, sondern sein Ort, seine Entstehungsweise, sein Zeitverlauf, seine Rückkopplung und seine Wirkung auf den umfassenderen Referenzplexus.

Dadurch wird auch die Verletzungswirklichkeit genauer fassbar. Verletzung ist eine besondere Form des Lochprozesses, bei der eine zuvor tragende Grenze oder Beziehung so verändert wird, dass die Funktions-, Regulations- oder Regenerationsfähigkeit eingeschränkt wird.

Der zugehörige zentrale Ankersatz lautet:

Ein Loch existiert nicht aus sich selbst. Es entsteht immer relativ zu einer Grenze, einem Zusammenhang, einer erwarteten Funktion und einer Zeit. Die entscheidende Frage der Plexus-Operatorik lautet deshalb nicht, ob der Mensch Löcher erzeugt, sondern welche Öffnungen Leben, Lernen und Austausch ermöglichen, welche Ausschnitte zur Orientierung notwendig sind und an welchem Punkt aus einer notwendigen Grenzveränderung ein Rückkopplungs-, Verletzungs- oder Katastrophenloch wird.

Damit lässt sich auch die Gegenwart neu bestimmen: Die Gegenwart ist diejenige zeitliche Membran, an der Vorstellung in Tätigkeit übergeht und an der die Wirklichkeit unmittelbar mit Folgen antwortet. Vergangenheit und Zukunft können in Modellen, Erinnerungen und Erwartungen vorhanden sein; die Verletzungs- und Tätigkeitskonsequenz wird jedoch jeweils in dieser aktuellen Grenzberührung real. Genau deshalb müsste die Zeit innerhalb des So-Heits-Ateliers nicht nur gemessen, sondern als eigene plastische und folienfähige Dimension sichtbar gemacht werden.

So., 9. Aug. um 17:34

Kannst du eine Liste erzeugen von den gesamten Themen, die hier im Chatverlauf angesprochen wurden, erarbeitet wurden, als jeweilige Schwerpunktsetzung mit welcher Zielprojektion verbunden?

Ja. Aus dem gesamten bisherigen Chatverlauf lässt sich inzwischen ein ziemlich umfangreiches System von Themenfeldern rekonstruieren. Ich ordne sie jeweils nach Thema – Schwerpunktsetzung – Zielprojektion. Dabei nehme ich sowohl die theoretischen Entwicklungen als auch die biografisch entstandenen Werk- und Materialstränge auf.

  1. Naturzerstörung als frühe Ausgangswahrnehmung Schwerpunktsetzung: Bereits in der Kindheit Wahrnehmung menschlich verursachter Störungen in Naturzusammenhängen; später Verstärkung durch Club of Rome und ökologische Fragen. Zielprojektion: Verstehen, warum der Mensch trotz Wahrnehmungs-, Lern- und Korrekturfähigkeit seine eigenen Existenzbedingungen zerstört.
  2. Lernen durch Gegenüber und Distanz Schwerpunktsetzung: Lernen benötigt eine Differenz zwischen vorhandener Vorstellung und einem Gegenüber, das diese Vorstellung bestätigen, differenzieren oder korrigieren kann. Zielprojektion: Entwicklung einer plastischen Lernform, bei der das Gegenüber nicht durch ein fertiges Weltbild vereinnahmt wird.
  3. Ornithologie als frühes Differenzierungstraining Schwerpunktsetzung: Durch intensive Beobachtung werden aus dem undifferenzierten Begriff „Vogel“ zahlreiche unterscheidbare Arten und Merkmale. Zielprojektion: Zeigen, dass Lernen die Differenzierungsfähigkeit der Wahrnehmung verändert und dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Differenzierungsräume trainieren.
  4. Fotografie als Dokumentation und Konstruktion Schwerpunktsetzung: Fotografie hält etwas fest und macht es vorzeigbar, schneidet zugleich aber durch Standort, Zeitpunkt und Bildrahmen einen Teil aus einem größeren Zusammenhang heraus. Ihre frühe fotografische Arbeit und Auszeichnungen bilden dafür einen wichtigen biografischen Strang. Zielprojektion: Die Doppelheit von Beleg und Konstruktion sichtbar machen und daraus die spätere Dingeproblematik entwickeln.
  5. Fotografische Dingselektion Schwerpunktsetzung: Aus einer Landschaft wird ein Teil ausgeschnitten; im ursprünglichen Bild entsteht ein Loch, während das ausgeschnittene Teil als selbständiges Bildding erscheint. Zielprojektion: Sichtbar machen, dass das vermeintlich selbständige Ding durch Auswahl, Ausschneiden und Kontextverlust entsteht.
  6. Die Dingeproblematik Schwerpunktsetzung: Dinge sind nicht einfach falsch oder unwirklich; problematisch wird ihre Behandlung als vollständig unabhängige, aus sich selbst bestehende Einheiten. Zielprojektion: Gegenstände wieder in Herstellungs-, Versorgungs-, Wirkungs-, Zeit- und Abhängigkeitszusammenhänge einsetzen.
  7. Betonklotz als Ding- und Strukturidentität Schwerpunktsetzung: Der einzelne Betonblock wird zur starren, wiederholbaren Einheit; viele Betonblöcke erzeugen eine Raster- oder Dingwelt. Zielprojektion: Untersuchen, wie aus notwendigen Abgrenzungen starre Welt-, Begriffs- und Identitätsordnungen entstehen.
  8. Betonklötze im Gehirn Schwerpunktsetzung: Viele starre Kategorien werden bildnerisch in die Kopf- beziehungsweise Gehirnkontur eingesetzt. Zielprojektion: Zeigen, wie eine äußere Dingordnung als innere Denk- und Kategorienordnung verinnerlicht werden kann.
  9. Das Gehirn mit ausgeschnittener Mitte Schwerpunktsetzung: Das Gehirn besitzt bildnerisch ein großes Loch, in das unterschiedliche Weltmodelle eingesetzt werden können. Zielprojektion: Die Frage operationalisieren: „Was hat der Mensch im Kopf, wenn er Wirklichkeit deutet und danach handelt?“
  10. Das Gehirn als Folienwechsler Schwerpunktsetzung: Kosmos, Betonblock, Freiheit, Theaterrolle, Sandtrichter, Seele, Eigentum oder künstlerisches Dreieck können wechselweise in die Gehirnöffnung eingesetzt werden. Zielprojektion: Weltmodelle nicht als endgültige Wahrheiten, sondern als austauschbare und überprüfbare Konstruktionen erfahrbar machen.
  11. Kosmisches Geschehen als umfassender Referenzraum Schwerpunktsetzung: Der Mensch wird in eine ihm vorausliegende kosmische, planetarische und materielle Prozesswirklichkeit eingesetzt. Zielprojektion: Das menschliche Selbst- und Weltmodell an umfassenderen Tragbedingungen kalibrieren.
  12. Plexuswirklichkeit Schwerpunktsetzung: Wirklichkeit nicht als Ansammlung isolierter Dinge, sondern als elastisches Gewebe von Beziehungen, Rückkopplungen, Abhängigkeiten, Stoffwechsel- und Bewegungsprozessen. Zielprojektion: Ein relationales Wirklichkeitsverständnis als Alternative zur starren Ding- und Kategorienwelt entwickeln.
  13. Vier Ebenen E1–E4 Schwerpunktsetzung: E1 Material, Last, Kraft und Bruch; E2 Organismus, Stoffwechsel und Regeneration; E3 Symbol, Rolle, Eigentum, Geld, Gesetz; E4 Prüfung und Reparatur. Zielprojektion: Unterschiedliche Wirklichkeitsweisen unterscheiden und E3-Konstruktionen an E1/E2-Tragbedingungen prüfen.
  14. Plastische Identität und Skulpturidentität Schwerpunktsetzung: Plastische Identität bleibt beweglich, rückkopplungs- und korrekturfähig; Skulpturidentität verfestigt Selbstbilder, Rollen und Eigenschaften. Zielprojektion: Ein Menschenbild entwickeln, das Identität als veränderliche Beziehung und nicht als starres Wesensobjekt versteht.
  15. Toleranzraum Schwerpunktsetzung: Früh aus dem Maschinenbau hervorgegangener Attraktor: Funktionsfähigkeit besteht innerhalb bestimmter Spiel-, Maß-, Belastungs- und Abweichungsräume. Zielprojektion: Funktion nicht als absolute Perfektion, sondern als tragfähigen Bereich von Differenz und Spielraum verstehen.
  16. Maschinenbau als Funktions- und Passungsschule Schwerpunktsetzung: Toleranzen, Winkel, Reibung, Material, Belastung, Passung, Verschleiß und Bruch wurden durch die Ausbildung zum Maschinenschlosser praktisch erfahren. Zielprojektion: Handwerkliche Funktionsprüfung als Erkenntnismaßstab in Kunst, Gesellschaft und Lebensprozesse übertragen.
  17. 51:49 als Minimalasymmetrie Schwerpunktsetzung: Kleine Differenzen können Bewegung, Schnitt, Spielraum und Funktion ermöglichen; starres 50:50 kann als problematischer Symmetriedualismus erscheinen. Zielprojektion: Ein allgemeines künstlerisches Prüfmodell für notwendige Ungleichheit, Bewegung und Korrektur entwickeln.
  18. 50:50-Symmetriedualismus und 1:99-Drift Schwerpunktsetzung: Untersuchung von scheinbarer Gleichheit und ihrer möglichen Umformung in extreme Herrschafts- oder Besitzverhältnisse. Zielprojektion: Sichtbar machen, wie starre Ordnungsmodelle in asymmetrische Macht- und Abhängigkeitsstrukturen kippen können.
  19. Referenzsystem Schwerpunktsetzung: Späterer Attraktor, unter anderem durch medizinische Referenzwerte angeregt: Eine Bewertung gilt immer innerhalb eines bestimmten Bezugsrahmens. Zielprojektion: Jede Aussage daraufhin prüfen, innerhalb welchen Referenzsystems sie gilt und welche anderen Referenzsysteme sie ausblendet.
  20. Referenzplexus Schwerpunktsetzung: Kein einzelnes Referenzsystem kann seine eigenen materiellen, organismischen und planetarischen Voraussetzungen vollständig enthalten. Zielprojektion: Lokale Erfolgs- und Bewertungsmaßstäbe in größere Tragzusammenhänge einordnen.
  21. Dreifaches Optimum Schwerpunktsetzung: Mediumoptimum, Organismusoptimum und konkretes Handlungs- beziehungsweise Prüfoptimum werden ineinander verschachtelt gedacht. Zielprojektion: Verhindern, dass ein kleines lokales Optimum sich zum Maßstab des größeren Tragzusammenhangs erklärt.
  22. Wasserwelle und Hai Schwerpunktsetzung: Die Wasserbewegung als Medium, der Hai als über lange Evolutionszeiten angepasster Organismus und seine jeweilige konkrete Bewegung als situatives Optimum. Zielprojektion: Verschachtelte Referenz- und Anpassungsbedingungen bildlich erfahrbar machen.
  23. Zellmembran als Analogieträger Schwerpunktsetzung: Grenze bedeutet nicht vollständige Trennung, sondern regulierte Durchlässigkeit, Austausch und Erhaltung einer Eigenform. Zielprojektion: Eine plastische Grenzvorstellung entwickeln, die zwischen Verschmelzung und Isolation vermittelt.
  24. Membran und Lernen Schwerpunktsetzung: Das innere Modell braucht eine Grenze, muss aber für widersprechende Informationen durchlässig bleiben. Zielprojektion: Lernen als regulierte Beziehung zwischen Eigenstruktur und Gegenüber verstehen.
  25. Thermosflasche, Flasche und Isolationsraum Schwerpunktsetzung: Technische Isolation reorganisiert Abhängigkeiten, hebt sie aber nicht auf. Zielprojektion: Die Illusion menschlicher Autonomie gegenüber ihren Versorgungsbedingungen untersuchen.
  26. Astronautenanzug Schwerpunktsetzung: Der Astronaut erscheint autonom in feindlicher Umgebung, ist tatsächlich aber vollständig von Sauerstoff, Energie, Temperaturregulation und Versorgung abhängig. Zielprojektion: Scheinbare Freiheit als konzentrierte Abhängigkeit sichtbar machen und zugleich die Seelen- und Behältervorstellung prüfen.
  27. Freiheitsfolie: „Ich bin frei“ Schwerpunktsetzung: Symbolische Selbstbeschreibung wird mit materiellen, organismischen und technischen Abhängigkeiten überlagert. Zielprojektion: Freiheit nicht als Beziehungslosigkeit, sondern als Bewegungs- und Korrekturfähigkeit innerhalb realer Bedingungen neu bestimmen.
  28. Seelenproblematik Schwerpunktsetzung: Untersuchung der Vorstellung eines eigenständigen inneren Wesens gegenüber beobachtbaren organismischen Lebensprozessen. Zielprojektion: Seele als hineingedachte Eigenschaft beziehungsweise metaphysische Behauptung sichtbar machen, ohne daraus vorschnell einen Beweis für oder gegen ihre Existenz abzuleiten.
  29. Hineingedachte Eigenschaften Schwerpunktsetzung: Eigentum, Wert, Rolle, Freiheit, Seele oder gesellschaftlicher Status werden Gegenständen oder Menschen zugeschrieben und können real wirksam werden, ohne materielle Eigenschaften desselben Typs zu sein. Zielprojektion: Materielle, organismische, technische, gesellschaftliche und symbolische Wirklichkeitsweisen sauber voneinander unterscheiden.
  30. Tätigkeitskonsequenzen Schwerpunktsetzung: Entscheidend ist nicht nur, was der Mensch beabsichtigt, sondern was durch seine Tätigkeit tatsächlich ausgelöst wird. Zielprojektion: Handeln an seinen materiellen, organismischen, sozialen und zeitlichen Folgen prüfen.
  31. Hand – Handlung – Hintergrund Schwerpunktsetzung: Die Hand bildet die Übergangsstelle zwischen innerer Vorstellung, Werkzeug und äußerem Wirkzusammenhang. Zielprojektion: Tätigkeit als reale Kette von Berührung, Kraftübertragung, Widerstand und Rückkopplung sichtbar machen.
  32. Der Spaten Schwerpunktsetzung: Hand berührt Griff, Griff überträgt Kraft, Schneide greift in Mutterboden ein; daraus entsteht ein konkreter Lochprozess. Zielprojektion: Die gesamte Kette zwischen Zielprojektion und Tätigkeitsfolge an einem alltäglichen Werkzeug untersuchen.
  33. Der vergoldete Spaten Schwerpunktsetzung: Goldschichten können Griff und Schneidfläche symbolisch überlagern und damit gesellschaftliche Wertvorstellungen zwischen Mensch, Werkzeug und Erde schieben. Der „Vergoldete Spaten“ ist auch als frühere Arbeit dokumentiert. Zielprojektion: Sichtbar machen, wie symbolische Wertordnungen die Wahrnehmung tatsächlicher Tätigkeitsfolgen überdecken können.
  34. Midas-Prinzip Schwerpunktsetzung: Was im Goldreferenzsystem als maximale Aufwertung erscheint, kann im organismischen Referenzsystem zur Zerstörung führen. Zielprojektion: Konflikte zwischen lokalen Wertoptima und umfassenderen Lebensfunktionen darstellen.
  35. Sandtrichter Schwerpunktsetzung: Standort, Bewegung und Eingriff verändern einen dynamischen Materialzusammenhang; die Folge reicht über die unmittelbare Eingriffsstelle hinaus. Zielprojektion: Tätigkeits- und Abhängigkeitsfolgen als Prozess und nicht als isolierte Einzelhandlung erfahrbar machen.
  36. Wellenbecken Schwerpunktsetzung: Eine reale Welle bewegt sich tatsächlich und überträgt Kräfte; ein gezeichneter Wirbel dagegen wirbelt nicht. Wellenbecken, Synergie- und Regulationsversuche gehören bereits zu den frühen Studienarbeiten. Zielprojektion: Reale Dynamik gegenüber bloßer Darstellung unterscheidbar machen.
  37. Deich und Biberdamm Schwerpunktsetzung: Technische Grenzform im Verhältnis zu Druck, Wasser, Material, Sickerbewegungen und naturstrukturellen Vorbildern. Deichprofile nach dem Vorbild des Biberdamms wurden bereits früh entwickelt. Zielprojektion: Grenze als dynamische Passungs- und Regulationsaufgabe statt als bloße Wand untersuchen.
  38. Schiff Schwerpunktsetzung: Eine bewegliche künstliche Grenze funktioniert innerhalb eines Mediums; ein Loch an der falschen Stelle kann die gesamte Tragfähigkeit zerstören. Zielprojektion: Ort, Funktion und Größe eines Lochprozesses im Verhältnis zur Gesamtstruktur prüfen.
  39. Flugzeug Schwerpunktsetzung: Technisch erzeugte Innenwelt innerhalb einer für den Menschen teilweise ungeeigneten Außenumgebung. Zielprojektion: Künstliche Autonomie als hoch organisierte Abhängigkeit sichtbar machen.
  40. Schwimmen Schwerpunktsetzung: Freiheit im Wasser entsteht durch erlernte Passung, Atmung, Auftrieb, Körperlage und unmittelbare Rückkopplung. Zielprojektion: Plastische Freiheit als Können innerhalb eines Mediums und nicht als Unabhängigkeit vom Medium darstellen.
  41. Eisfläche und Eisloch Schwerpunktsetzung: Eine zunächst tragende Fläche kann bei Überschreiten ihres Toleranzraums plötzlich brechen. Zielprojektion: Kipppunkt, Verletzungswirklichkeit und katastrophalen Lochprozess sichtbar machen.
  42. Glasscheibe und Unverletzlichkeitsparadoxie Schwerpunktsetzung: Der Mensch steht auf einer tragenden Fläche und zerstört sie gleichzeitig, als sei er von ihrer Tragfähigkeit unabhängig. Zielprojektion: Die Selbstzerstörung der eigenen Existenzgrundlage als einfaches, unmittelbar verständliches Bild darstellen.
  43. Lochprozess als Grundterminus Schwerpunktsetzung: Loch nicht nur als materielles Loch, sondern als zeitliche Veränderung von Grenze, Verbindung, Träger oder Referenzordnung. Zielprojektion: Unterschiedliche Öffnungs-, Lern-, Verletzungs-, Geburts-, Ding- und Katastrophenprozesse unter einer gemeinsamen Prüfgrammatik untersuchen.
  44. Produktives Loch Schwerpunktsetzung: Membranöffnung, Geburt, Lernlücke oder geregelter Durchlass ermöglichen Austausch und Veränderung. Zielprojektion: Zeigen, dass nicht jede Öffnung eine Verletzung bedeutet.
  45. Verletzungs- und Katastrophenloch Schwerpunktsetzung: Eine tragende, schützende oder regulierende Struktur wird so weit geschädigt, dass Funktion oder Regeneration gefährdet sind. Zielprojektion: Den Übergang von tolerierbarer Veränderung zum Systembruch sichtbar machen.
  46. Rückkopplungsloch Schwerpunktsetzung: Folgen entstehen, erreichen aber das innere Modell oder die entscheidende Institution nicht mehr als Korrektursignal. Zielprojektion: Eine mögliche Kernantwort auf die Ausgangsfrage entwickeln, warum Wissen nicht automatisch Verhaltenskorrektur bewirkt.
  47. Wissenslücke Schwerpunktsetzung: Nichtwissen kann als produktiver Zwischenraum Neugierde und Lernen auslösen. Zielprojektion: Nichtwissen nicht vorschnell schließen, sondern als plastischen Erkenntnisraum erhalten.
  48. Glaubens- und Wissensproblematik Schwerpunktsetzung: Unterschiedliche Geltungsformen wie Glaube, Hypothese, Annahme und überprüftes Wissen dürfen nicht unbemerkt ineinander überführt werden. Zielprojektion: Erkenntnisstatus und Begründungspflicht transparent machen.
  49. Kosmische Teekanne Schwerpunktsetzung: Prüfung von Behauptungen, die sich einer normalen Überprüfung entziehen. Zielprojektion: Beweislast und Erkenntnisstatus sichtbar machen, nicht Gott beweisen oder widerlegen.
  50. Natürliche Geburt Schwerpunktsetzung: Übergang aus einem organismischen Versorgungszusammenhang in einen anderen. Zielprojektion: Geburt als produktiven Grenz- und Abhängigkeitswechsel statt als Beginn vollständiger Autonomie darstellen.
  51. Kopfgeburt Athenes Schwerpunktsetzung: Mythologisches Bild einer aus dem Kopf hervorgebrachten fertigen Gestalt. Zielprojektion: Die Hervorbringung geistiger und symbolischer Weltformen gegenüber biologischer Entstehung untersuchen.
  52. Platon und Ideenwelt Schwerpunktsetzung: Verhältnis zwischen veränderlicher sinnlicher Welt und höher bewerteter unveränderlicher Ideenordnung. Zielprojektion: Prüfen, wann ein geistiges Referenzmodell die Verletzungswirklichkeit überordnet oder verdrängt.
  53. Aristoteles Schwerpunktsetzung: Form, Material, Bewegung und Zielrichtung werden stärker innerhalb des werdenden und lebendigen Prozesses gedacht. Zielprojektion: Ein historisches Gegenmodell zur externen Idealform in die Foliengrammatik einführen.
  54. Christentum, Körper und Seele Schwerpunktsetzung: Körper, Behälter, Seele, Himmel, Auferstehung und verschiedene historische Leib-Seele-Vorstellungen. Zielprojektion: Untersuchung, wie vertikale Parallelwelten und hineingedachte innere Wesen kulturell wirksam werden.
  55. Descartes und das denkende Ich Schwerpunktsetzung: Problematisierung einer möglichen Trennung von denkender Selbstgewissheit und körperlicher beziehungsweise organismischer Einbettung. Zielprojektion: Das Subjektmodell an der Verletzungswirklichkeit prüfen.
  56. Möbiusschleife Schwerpunktsetzung: Selbstreferenz, Innen-Außen-Verschränkung und mögliche Rückkehr zur eigenen Ausgangsannahme. Zielprojektion: Geschlossene Selbstbestätigungssysteme und fehlendes unabhängiges Gegenüber sichtbar machen.
  57. Künstlerisches Dreieck Schwerpunktsetzung: Innere Vorstellung, Hände und Material beziehungsweise entstehendes Werk stehen in fortlaufender Rückkopplung. Zielprojektion: Kunst als Modell eines plastischen Erkenntnisprozesses entwickeln.
  58. Die Hände als Tätigkeits- und Rückkopplungsorgane Schwerpunktsetzung: Hände setzen Vorstellung materiell um und spüren Widerstand, Material und Scheitern. Zielprojektion: Geistige Vorstellung an konkrete Tätigkeit und Verletzungswirklichkeit zurückbinden.
  59. Scheitern als Erkenntnissensor Schwerpunktsetzung: Fehler können anzeigen, dass Modell, Können, Material oder Zielprojektion nicht zusammenpassen. Zielprojektion: Scheitern nicht nur als Misserfolg, sondern als Korrekturinstrument nutzbar machen.
  60. Loslassen des Kunstwerks Schwerpunktsetzung: Der Künstler muss erkennen, wann eine Form eigenständige Tragfähigkeit erreicht hat und nicht weiter dem ursprünglichen inneren Modell unterworfen werden darf. Zielprojektion: Distanz zwischen Schöpfer, Vorstellung und entstandener Form erhalten.
  61. Theaterdreieck Schwerpunktsetzung: Schauspieler, Rollenfigur und Zuschauer; ergänzt durch Inszenierung und Requisiten. Zielprojektion: Das „Als-ob“ als produktive symbolische Konstruktion untersuchen und vom realen Menschen unterscheiden.
  62. Rolle und Skulpturidentität Schwerpunktsetzung: „Ich spiele eine Rolle“ kann in „Diese Rolle bin ich“ umkippen. Zielprojektion: Beruf, Status, Eigentum und gesellschaftliche Rolle wieder als veränderbare Konstruktionen sichtbar machen.
  63. Augusto Boal und Sofort-Theater Schwerpunktsetzung: Partizipative und darstellerische Verfahren zur Untersuchung gesellschaftlicher Rollen und Konflikte waren bereits Teil der früheren Arbeit. Zielprojektion: Rollen und gesellschaftliche Situationen nicht nur erklären, sondern körperlich spielbar und veränderbar machen.
  64. Gauklermobil und Requisitenwelt Schwerpunktsetzung: Theatermaterial, Masken, Kleidung, Rollen und mobile Inszenierungen. Zielprojektion: Gesellschaftliche Identitäten als spielbare, ablegbare und überprüfbare Formen erfahrbar machen.
  65. Kreatives Wandern Schwerpunktsetzung: Landschaft über Beobachtung, Schreiben, Wunschbaum, Wunschlandschaft und unmittelbare Begegnung erfahren; entsprechende Landschaftsworkshops sind biografisch dokumentiert. Zielprojektion: Das Gegenüber Natur wieder aus der bloßen Objektbetrachtung lösen und in einen Erfahrungsprozess überführen.
  66. Tagebuch und Arbeitsheft Schwerpunktsetzung: Eigene Wahrnehmung, Assoziation und Erfahrung werden schriftlich externalisiert. Zielprojektion: Denken zu einem überprüfbaren Gegenüber machen und langfristige Lernprozesse ermöglichen.
  67. Mitmachbücher und Malbücher Schwerpunktsetzung: Erwachsenen-, Autobahn-, Telefon-, Fußgänger- und Studio-Malbücher sowie weitere interaktive Buchformen entstanden bereits früh. Zielprojektion: Den Rezipienten vom Betrachter zum Mitproduzenten und Mitprüfer machen.
  68. Roter Punkt Schwerpunktsetzung: Früher „Roter Punkt der Mitmenschlichkeit und Kommunikation“, heute als Positions- oder Beteiligungsoperator weiterentwickelbar. Zielprojektion: Sichtbar machen, wo sich ein Besucher positioniert, widerspricht oder weiterarbeiten möchte.
  69. Frage- und Antworttische Schwerpunktsetzung: Fragen werden zwischen Menschen als gemeinsamer Gegenstand materialisiert. Zielprojektion: Gespräch in einen öffentlichen Prüfprozess überführen.
  70. Tasse der Realität Schwerpunktsetzung: Wunschtasse aus Ton gegenüber funktionaler Realitätstasse; eine Rose kann schön sein, aber als Trinkgefäß scheitern. Zielprojektion: Wunschmodell, Material, Funktion, Handwerk und Tätigkeitskonsequenz gegeneinander prüfen.
  71. Auto und Umwelt Schwerpunktsetzung: Teilnehmer bauen Wunschauto und Realitätsauto aus einfachen Holzmaterialien; das Modell muss tatsächlich konstruktiv funktionieren. Zielprojektion: Innere Vorstellungen materialisieren und an Passung, Funktion und gesellschaftlicher Projektion überprüfen.
  72. Schultafel als plastische Behauptungsfläche Schwerpunktsetzung: Schreiben, Zeichnen, Löschen und Überschreiben; frühere Schultafelarbeiten zeigten bereits verschiedene Phasen eines Geschehens. Zielprojektion: Erkenntnis als vorläufige, öffentlich korrigierbare Setzung darstellen.
  73. Goldschrift auf der Schultafel Schwerpunktsetzung: Eine goldene, nicht mehr leicht löschbare Idee erhält Vorrang gegenüber den kreidegeschriebenen Alternativen. Zielprojektion: Immunisierung, Dogmatisierung und symbolische Überhöhung eines Referenzsystems sichtbar machen.
  74. Schöpfungsgeschichte Schwerpunktsetzung: Landschaftslabor, Herrschaftsgeschichte des Menschen gegenüber Natur, Tanglandschaft, Abendmahltisch und naturstrukturelle Prozesse. Zielprojektion: Menschliche Konstruktionen mit organischen Wachstums- und Prozessformen konfrontieren.
  75. Tanglandschaft Schwerpunktsetzung: Bewegliche, mediumabhängige, sich verdichtende und wieder lösende Form statt starrer Blockstruktur. Zielprojektion: Prozessabhängige Form und membranartige Dynamik als Gegenbild zur Dingwelt entwickeln.
  76. Abendmahltisch Schwerpunktsetzung: Ein materieller Tisch erhält durch kulturelle und religiöse Inszenierung eine zusätzliche symbolische Wirklichkeit. Zielprojektion: Requisite, Symbol, Material und gesellschaftliche Bedeutung auseinanderhalten und überlagern.
  77. Demokratiewerkstätten und Grenze Schwerpunktsetzung: Grenzen, Mauer im Kopf, Verortung und politische Veränderungsprozesse wurden in mehreren Werkphasen praktisch bearbeitet. Zielprojektion: Politische und symbolische Grenzen als herstell-, verschieb- und überprüfbare Formen behandeln.
  78. Globales Dorffest und 1.000 Tische Schwerpunktsetzung: Temporäre Infrastruktur für kollektive Beteiligung und Vernetzung am Brandenburger Tor. Zielprojektion: Gesellschaft als plastisch veränderbare Beziehungsform statt als fertige Institution erfahrbar machen.
  79. Partizipatorisches Welttheater Schwerpunktsetzung: Natur-Mensch-Beziehungen, modulare Ausstellung, Besucherbeteiligung und plastische Lebensgemeinschaft. Zielprojektion: Vorläufer eines öffentlichen, interaktiven Prüf- und Lernraumes entwickeln.
  80. Globale Schwarm-Intelligenz Schwerpunktsetzung: Digitale Plattform zur Weiterführung von Vorgabebildern, Collagen, Zeichnungen, Folien, Texten und Besucherbeiträgen. Zielprojektion: Das reale Atelier in einen langfristig fortschreibbaren, korrigierbaren und vernetzten Lernprozess überführen.
  81. Schwarmintelligenz versus kollektive Verfestigung Schwerpunktsetzung: Viele verbundene Köpfe sind nicht automatisch intelligent; gleiche starre Modelle können sich kollektiv nur verstärken. Zielprojektion: Schwarmintelligenz an Unterschied, Gegenüber, Widerspruch und Korrekturfähigkeit binden.
  82. Plexus-Foliengrammatik Schwerpunktsetzung: Transparente, einzeln kombinierbare Funktionsfolien statt fertiger Gesamtposter. Zielprojektion: Erkenntnis zerlegbar, kombinierbar und korrigierbar machen.
  83. Plexus-Operatorik Schwerpunktsetzung: Essenzielle Funktionsteile werden aus Wissenschaft, Technik, Philosophie, Religion und Kunst funktional extrahiert und neu montiert. Zielprojektion: Eine transdisziplinäre Kunst der funktionalen Extraktion, Erkenntnismontage und Tragprüfung entwickeln.
  84. Epistemische Funktionsmodule Schwerpunktsetzung: Sensor, Sonde, Analogieträger, Transduktor, Prüfkörper, Implantat und weitere Funktionsbausteine. Zielprojektion: Wissen nicht als vollständige Disziplin übernehmen, sondern als überprüfbare Funktion in neue Zusammenhänge einsetzen.
  85. Analogie als Komprimierungsverfahren Schwerpunktsetzung: Unterschiedliche Gegenstände werden nicht sachlich gleichgesetzt, sondern hinsichtlich relationaler Funktionsformen verglichen. Zielprojektion: Große Mengen von Erfahrungen und Wissen zu tragfähigen, übertragbaren Funktionsmustern verdichten.
  86. Inneres Bild / generatives Referenzmodell Schwerpunktsetzung: Über Jahrzehnte trainierte innere Such- und Vergleichsstruktur reagiert auf Bilder, Ideen, Assoziationen, Gefühle und Widersprüche. Zielprojektion: Verstehen, wie aus zahlreichen Einzelbeobachtungen eine immer stärker komprimierte Form- und Prüfgrammatik entsteht.
  87. Generativer Plexus-Grundoperator Schwerpunktsetzung: Gegenläufige Bewegung zwischen innerem Modell und äußerem Gegenüber; Projektion und Korrektur. Zielprojektion: Das eigene Weltmodell nicht nur anwenden, sondern durch Rückmeldungen veränderbar halten.
  88. Doppelte Spirale Schwerpunktsetzung: Eine Richtung sucht im Gegenüber nach bereits vermuteten Formen, die andere führt Abweichungen und Widersprüche zum inneren Modell zurück. Zielprojektion: Projektive und korrektive Erkenntnisbewegung in einem gemeinsamen Filtermodell darstellen.
  89. Urprinzip / Formdynamik Schwerpunktsetzung: Suche nach einer übergreifenden relationalen Grundform von Grenze, Differenz, Bewegung, Rückkopplung, Tragfähigkeit und Korrektur. Zielprojektion: Kein universales Naturgesetz behaupten, sondern einen allgemeinen künstlerischen Prüfoperator entwickeln.
  90. Spielerisches Urprinzip Schwerpunktsetzung: Ausprobieren, kombinieren, verwerfen, neu zusammensetzen; Fehler zunächst zulassen. Zielprojektion: Offenheit und kreative Beweglichkeit gegen starre Wissens- und Rollenordnungen erhalten.
  91. Neugier und Bedürfnis Schwerpunktsetzung: Nicht jeder Mensch entwickelt dieselbe Bereitschaft, Unklarheiten oder Wissenslücken langfristig zu bearbeiten. Zielprojektion: Das Mitmachbuch so gestalten, dass Spiel, Irritation und eigene Interessen unterschiedliche Zugänge eröffnen.
  92. Akzeptanzproblematik Schwerpunktsetzung: Ablehnung kann aus Unverständlichkeit, Fachgrenzen, bedrohten Interessen, fehlender Motivation oder echter Schwäche der Analogie entstehen. Zielprojektion: Widerstand nicht nur dem Besucher zuschreiben, sondern als Rückmeldung an die Darstellung und Methode verwenden.
  93. Spezialisierung Schwerpunktsetzung: Fachliche Vertiefung schafft Differenzierungsfähigkeit, kann aber Übergänge zu anderen Referenzsystemen verlieren. Zielprojektion: Spezialwissen erhalten und gleichzeitig seine Grenzen und Abhängigkeiten sichtbar machen.
  94. Selbstimmunisierende Spezialisierung Schwerpunktsetzung: Ein lokales Fach- oder Berufsmodell erklärt sich zum allgemeinen Wirklichkeitsmaßstab. Zielprojektion: Fachwissen wieder in einen umfassenderen Referenzplexus einsetzen.
  95. Beruf, Status und Belohnungssysteme Schwerpunktsetzung: Gesellschaftliche Anerkennung kann bestimmte Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsformen verstärken und andere ausblenden. Zielprojektion: Untersuchen, wie aus funktionaler Fachrolle eine starre Rollen- oder Skulpturidentität werden kann.
  96. Ökonomisches Referenzsystem Schwerpunktsetzung: Gewinn, Wachstum, Preis oder Marktanteil können als lokale Erfolgsmaßstäbe funktionieren und dabei andere Folgewirklichkeiten ausblenden. Zielprojektion: Wirtschaftliche Bewertung an sozialen, organismischen und planetarischen Tragbedingungen prüfen.
  97. Geld als Bewertungsloch Schwerpunktsetzung: Unterschiedliche Eigenschaften und Lebenszusammenhänge werden auf einen gemeinsamen Preis reduziert. Zielprojektion: Sichtbar machen, welche Eigenschaften durch Monetarisierung erfasst und welche aus der Bewertung herausgeschnitten werden.
  98. Eigentum als Loch- und Grenzprozess Schwerpunktsetzung: Ein Quadratmeter Boden wird rechtlich-symbolisch aus einem materiell weiterhin verbundenen Landschaftszusammenhang herausgeschnitten. Zielprojektion: Unterschied zwischen gesellschaftlich wirksamer Eigentumsgrenze und fortbestehenden Naturbeziehungen zeigen.
  99. Zeit als vierte Hauptdimension Schwerpunktsetzung: Jeder Loch-, Tätigkeits- und Verletzungsprozess besitzt Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft. Zielprojektion: Folgen nicht nur räumlich, sondern zeitlich auf ihre Entstehungs-, Wirkungs- und Reparaturdauer prüfen.
  100. Gegenwart als Membran Schwerpunktsetzung: Der gegenwärtige Augenblick ist die Stelle, an der Vorstellung in Tätigkeit übergeht und die Wirklichkeit unmittelbar antwortet. Zielprojektion: Gegenwart als plastische Übergangsfläche zwischen Erinnerung, Erwartung und tatsächlicher Handlung erfahrbar machen.
  101. Vergangenheitsloch Schwerpunktsetzung: Entstehungsgeschichte und Voraussetzungen eines gegenwärtigen Zustands werden vergessen oder ausgeblendet. Zielprojektion: Gegenwart wieder mit ihrer historischen und materiellen Herkunft verbinden.
  102. Zukunftsloch Schwerpunktsetzung: Langfristige Folgen gegenwärtiger Tätigkeit fehlen im unmittelbaren Entscheidungsrahmen. Zielprojektion: Handlungen auch an späteren und möglicherweise generationenübergreifenden Konsequenzen prüfen.
  103. 24-Stunden-Uhr des Planeten Schwerpunktsetzung: Erdgeschichte wird auf einen Tag komprimiert; menschliche Kultur und Industrialisierung erscheinen als extrem kurze Zeiträume. Zielprojektion: Den zeitlichen Maßstab menschlicher Entscheidungen gegenüber planetarischen Entstehungszeiten relativieren.
  104. Millisekunden-Mensch Schwerpunktsetzung: Sehr junge gesellschaftliche und technische Konstruktionen werden behandelt, als könnten sie tiefere planetarische Bedingungen ersetzen. Zielprojektion: Kurzfristige menschliche Referenzsysteme an langfristigen Tragbedingungen prüfen.
  105. Verletzungswirklichkeit Schwerpunktsetzung: Material, Organismus und Umwelt besitzen reale Toleranzen, Regenerationsmöglichkeiten und Bruchgrenzen. Zielprojektion: Symbolische oder gesellschaftliche Behauptungen an den Konsequenzen in der verletzbaren Wirklichkeit prüfen.
  106. Reparatur Schwerpunktsetzung: Verletzung und Fehlstelle werden nicht verdrängt, sondern zum Ausgangspunkt einer neuen Tätigkeit. Zielprojektion: E4 als praktische Fähigkeit zur Korrektur und Wiederherstellung beziehungsweise Neuformung entwickeln.
  107. Verortungskunst Schwerpunktsetzung: Ort, Zeitpunkt, Inhalt, Teilnehmer und gesellschaftliche Situation müssen zusammenpassen. Zielprojektion: Kunst nicht als ortsunabhängiges Objekt, sondern als zeitlich-räumliche Passungsauseinandersetzung verstehen.
  108. „Documenta 16 hat bereits begonnen“ Schwerpunktsetzung: Bewerbung, Vorbereitung, Reflexion und öffentliche Auseinandersetzung sind selbst Bestandteil des Werkprozesses. Zielprojektion: Documenta nicht nur als späteren Ausstellungszeitraum, sondern als laufenden Verortungs- und Forschungsprozess begreifen.
  109. So-Heits-Atelier des globalen Dorfes Schwerpunktsetzung: Öffentliche Werkstatt plastischer Urteilskraft und Zusammenführung des jahrzehntelangen Lebenswerks. Zielprojektion: Menschen befähigen, eigene Wirklichkeits-, Freiheits- und Identitätskonstruktionen sichtbar zu machen und an Tragbedingungen zu prüfen.
  110. Mitmachbuch Schwerpunktsetzung: Besucher stellen aus mehreren transparenten Folien vorläufige Bild- und Erkenntniskonstruktionen her und dokumentieren sie. Zielprojektion: Urteilskraft nicht belehren, sondern durch eigenes Kombinieren, Schreiben, Prüfen und Korrigieren trainieren.
  111. Mitmachbuch als öffentliches Protokoll Schwerpunktsetzung: Ergebnisse werden nicht nur erzeugt, sondern kopiert, beschrieben, gespeichert und später erneut geöffnet. Zielprojektion: Einen kollektiven, fortschreibbaren Werk- und Lernprozess erzeugen.
  112. Plexus-Kompetenz Schwerpunktsetzung: Fähigkeit, einen Gegenstand gleichzeitig materiell, organismisch, technisch, gesellschaftlich und symbolisch zu verorten. Zielprojektion: Relationale und plastische Urteilskraft als trainierbare Fähigkeit entwickeln.
  113. Plastische Erkenntniskunst Schwerpunktsetzung: Nicht nur das Kunstobjekt, sondern die Veränderung einer Beziehung, Unterscheidung oder eines Urteils wird Teil des Werkes. Zielprojektion: Eine Kunstform entwickeln, die Erkenntnisherstellung selbst zum künstlerischen Material macht.
  114. Forschungskunst Schwerpunktsetzung: Seit den 1970er-Jahren Verbindung von Kunst, Wissenschaft, Naturbeobachtung, gesellschaftlicher Untersuchung und praktischer Tätigkeit; der Programmentwurf zur „Experimentellen Umweltgestaltung“ und zur partizipativen Forschungskunst ist biografisch dokumentiert. Zielprojektion: Kunst als eigenständiges öffentliches Forschungs-, Prüf- und Gestaltungsverfahren etablieren.
  115. Lebenswerk als Materialarchiv Schwerpunktsetzung: Historische Fotografien, Objekte, Mitmachbücher, Schultafeln, Aktionen, Presseberichte, Materialien und Dokumentationen werden nicht nur retrospektiv gezeigt. Zielprojektion: Das historische Werk in erneut benutzbare Erkenntnis- und Tätigkeitsoperatoren überführen.
  116. Materialbibliothek des So-Heits-Ateliers Schwerpunktsetzung: Ton, Holz, Hammer, Nägel, Sand, Wasser, Tang, Kartoffel, Beton, Glas, Goldfolie, Kreide, Spiegel, Requisiten, Fotografien und historische Dokumente. Zielprojektion: Eine haptische Plexus-Grammatik schaffen, in der Materialien nicht nur illustrieren, sondern als reale Gegenüber funktionieren.
  117. Biografischer Erkenntnisplexus statt eines einzigen roten Fadens Schwerpunktsetzung: Naturwahrnehmung, Ornithologie, Fotografie, Spiel, Handwerk, Kunst, gesellschaftliche Aktionen, theoretische Arbeit und spätere Begriffsbildung verliefen teilweise parallel und verbanden sich erst allmählich. Zielprojektion: Das Lebenswerk nicht rückwirkend linear konstruieren, sondern seine mehrsträngige Werkgenese nachvollziehbar machen.
  118. Komprimierung als lebenslange Methode Schwerpunktsetzung: Einzelbilder, Texte, Werkstücke, Erfahrungen und Analogien werden über Jahrzehnte zu immer stärker verdichteten Funktionsbausteinen zusammengeführt. Zielprojektion: Aus einer großen Vielfalt von Erfahrungen eine kleine Zahl hoch anschlussfähiger Prüfoperatoren entwickeln.
  119. Schultafel, Folie und Plattform als drei zeitliche Zustände Schwerpunktsetzung: Die Schultafel ist unmittelbar veränderbar, die Folie kombinierbar und wieder lösbar, die digitale Plattform langfristig fortschreibbar. Zielprojektion: Erkenntnis in verschiedenen Zeitdimensionen öffentlich korrekturfähig halten.
  120. Memento mori Schwerpunktsetzung: Das individuelle Leben endet, während Werk, Fragestellung und Methode weiterbestehen können. Zielprojektion: Das Lebenswerk so externalisieren, dass seine Prüfverfahren auch nach dem Künstler weiter benutzt, kritisiert und verändert werden können.

Übergeordnete Zielprojektion

Aus diesen inzwischen sehr unterschiedlichen Themensträngen lässt sich nicht ein einziger linearer roter Faden, wohl aber eine immer deutlicher werdende gemeinsame Zielprojektion erkennen:

Das So-Heits-Atelier versucht, aus einem über Jahrzehnte entstandenen biografischen Erkenntnisplexus eine öffentlich benutzbare Kunst- und Prüfstruktur zu entwickeln. Mit Bildern, Folien, Materialien, Handlungen, Analogien, Rollen, historischen Werken und Referenzsystemen soll sichtbar werden, wie Menschen Wirklichkeit auswählen, in Dinge und Kategorien zerlegen, mit symbolischen Eigenschaften versehen und nach diesen Konstruktionen handeln. Die entscheidende Prüfung setzt dort ein, wo diese inneren und gesellschaftlichen Modelle auf ihre Tätigkeits-, Abhängigkeits-, Zeit-, Verletzungs- und Reparaturfolgen zurückgeführt werden. Ziel ist nicht die Vermittlung eines fertigen Weltbildes, sondern das Training einer plastischen Urteilskraft, die ihre eigenen Modelle als vorläufig erkennt und gegenüber der Rückmeldung der Plexuswirklichkeit korrekturfähig hält.

Diese 120 Punkte bilden inzwischen nahezu eine Inhalts- und Operatorenkarte des gesamten So-Heits-Ateliers.

„Erstelle keine bloße Zusammenfassung und keine Themenliste. Rekonstruiere den gesamten bisherigen Chat als Entwicklung einer Forschung. Zeige chronologisch und systematisch, wie aus meinen künstlerischen Arbeiten, Erfahrungen und Ausgangsfragen die heutigen Begriffe, Modelle und Methoden entstanden sind. Erfasse jede wesentliche Begriffsentwicklung, begriffliche Korrektur, Verwerfung, Differenzierung und neue Verbindung. Ordne die Inhalte nach Forschungsgrund, Werkgenese, Wirklichkeitsverständnis, Begriffsbildung, Lochprozessen, Gegenüberstellung und Lernen, Plastik und Skulpturalisierung, Erfahrung und Rückkopplung, Symbol- und Eigenschaftsbildung, sprach- und kulturgeschichtlichen Vergleichen, Vier-Ebenen-Modell, Begriffshandwerk und Prüfanker, künstlerischen Prüfobjekten, Folien und Schablonen, Mitmachbuch, Tausend Tischen, KI, Globaler Schwarm-Intelligenz, So-Heits-Gesellschaft und So-Heits-Atelier. Zeige bei jedem Bereich seine Herkunft, seine methodische Funktion, seine Verbindung zu anderen Bereichen, die tragenden Werkbeispiele, seine Zielprojektion und noch offene Fragen. Unterscheide ausdrücklich zwischen historisch oder wissenschaftlich belegbaren Sachverhalten und Hypothesen beziehungsweise Begriffen der Forschungskunst. Zeige abschließend die Gesamtarchitektur des entstandenen Forschungsansatzes und identifiziere Doppelungen, begriffliche Unklarheiten, mögliche Vereinfachungen und noch fehlende Verbindungen.“

Ich behandle den bisherigen Verlauf als Forschungsprozess mit mehreren sich kreuzenden Entwicklungslinien. Die Statusangaben im Text unterscheiden zwischen werkhistorisch dokumentiert, wissenschaftlich beziehungsweise philosophiegeschichtlich anschlussfähig und Forschungskunst-Hypothese beziehungsweise eigener Begriffsbildung.

Rekonstruktion der Forschungsgenese des So-Heits-Ateliers

Methodische Vorbemerkung: Keine lineare Theoriegeschichte

Die bisherige Entwicklung lässt sich nicht als geradliniger Weg von einer frühen Grundidee zu einem heute abgeschlossenen theoretischen System rekonstruieren. Ein solcher roter Faden würde die tatsächliche Werkgenese verfälschen. Vielmehr sind mehrere zunächst teilweise voneinander unabhängige Erfahrungs-, Wahrnehmungs-, Handwerks-, Kunst- und Forschungsstränge entstanden, die sich über Jahrzehnte miteinander verbunden haben. Manche heute zentralen Begriffe waren am Anfang noch überhaupt nicht vorhanden. Sie entstanden wesentlich später als sprachliche Verdichtungen bereits länger praktizierter Wahrnehmungs- und Arbeitsweisen. Andere Begriffe wurden im Verlauf der Gespräche wieder verworfen oder präzisiert, weil sie den inzwischen erreichten Zusammenhang nicht mehr ausreichend erfassten.

Für diese Rekonstruktion müssen deshalb drei Aussageebenen getrennt werden. Werkhistorisch dokumentiert sind biografische Tätigkeiten, Arbeiten, Veranstaltungen, Objekte und Programmentwürfe. Wissenschaftlich oder philosophiegeschichtlich anschlussfähig sind beispielsweise Zellmembran, Osmose, technische Toleranzen, Rückkopplung, Analogiebildung sowie die historischen Bezugnahmen auf Platon, Aristoteles oder Descartes. Eine dritte Ebene bilden die eigenständigen Begriffe und Hypothesen der Forschungskunst: Plexuswirklichkeit, 51:49-Minimalasymmetrie, Plastische Identität, Skulpturidentität, Lochprozess, Millisekunden-Mensch, Referenzplexus oder Plexus-Operatorik. Diese Begriffe können auf wissenschaftliche oder historische Sachverhalte zurückgreifen, sind aber als Gesamtsystem keine bereits wissenschaftlich bestätigte Theorie.

Gerade diese Unterscheidung ist für das So-Heits-Atelier notwendig. Andernfalls würde die Methode denselben Fehler begehen, den sie untersuchen will: Ein Modell würde mit der Wirklichkeit verwechselt.

I. Forschungsgrund und frühe Erfahrungsbildung

Naturzerstörung als existenzieller Ausgangspunkt

Ein früher Forschungsgrund liegt in der bereits in der Kindheit wahrgenommenen Störung von Naturzusammenhängen durch menschliches Verhalten. Die Beschäftigung mit Ornithologie und die Beunruhigung über menschliche Eingriffe in das Naturgeschehen sind biografisch ausdrücklich dokumentiert. Später bestätigte die Auseinandersetzung mit dem Club of Rome für Sie, dass es sich nicht nur um lokale Beobachtungen, sondern um ein umfassenderes gesellschaftliches Problem handelt.

Aus diesem frühen Wahrnehmungsstrang entstand noch keine ausformulierte Plexus-Theorie. Entscheidend war zunächst eine Irritation: Der Mensch ist lernfähig, technisch leistungsfähig und kann Folgen erkennen, handelt aber dennoch auf eine Weise, die seine Lebensbedingungen beeinträchtigt. Diese Irritation verdichtete sich später zu der über Jahrzehnte verfolgten Leitfrage, warum der Mensch trotz Wissen und Korrekturfähigkeit seine eigenen Existenzbedingungen zerstört.

Der Forschungsgrund ist deshalb nicht primär philosophischer Natur. Er entsteht aus einer Differenz zwischen beobachtbarer menschlicher Fähigkeit und beobachtbarer menschlicher Tätigkeit. Die heutige Zielprojektion besteht darin, diese Differenz nicht nur moralisch zu beurteilen, sondern ihre Wahrnehmungs-, Denk-, Symbol-, Tätigkeits- und Rückkopplungsbedingungen zu untersuchen.

Ornithologie und die Entdeckung des Gegenübers

Die frühe Ornithologie bildet einen zweiten eigenständigen Forschungsfaden. Wer gelernt hat, zahlreiche Vogelarten voneinander zu unterscheiden, erlebt praktisch, dass Wahrnehmung trainierbar ist. Ein ungeübter Beobachter fasst sehr unterschiedliche Tiere möglicherweise unter wenigen groben Kategorien zusammen. Durch langfristige Beschäftigung entstehen dagegen immer feinere Unterschiede.

Hier findet sich eine frühe Grundlage des späteren Begriffs der Gegenüberstellung. Lernen bedeutet nicht allein, zusätzliche Informationen zu speichern. Es verändert die Fähigkeit, Unterschiede wahrzunehmen. Voraussetzung ist ein Gegenüber, das nicht vollkommen mit der vorhandenen Vorstellung identisch ist.

Diese Erfahrung wurde erst viel später mit Zellmembran, Distanz, Lücke und plastischer Urteilskraft verbunden. Die Zellmembran ist daher nicht Ursprung dieser Lernvorstellung. Sie wurde nachträglich zu einem Analogieträger für etwas, das praktisch schon wesentlich früher erfahren worden war: Eigenstruktur und Gegenüber müssen unterscheidbar bleiben, zugleich aber miteinander in Austausch stehen.

Die Zielprojektion dieses Forschungsstranges besteht heute darin, den Besucher des Mitmachbuches nicht mit einem fertigen Weltbild zu versorgen, sondern seine Fähigkeit zur Differenzierung zu erweitern.

II. Fotografie, Ausschnitt und die spätere Dingeproblematik

Fotografieren als Festhalten und Beweisen

Ein weiterer früher Entwicklungsstrang liegt in der Fotografie. Sie war für Sie nicht nur künstlerisches Medium, sondern eine erfolgreiche und früh anerkannte Praxis. Fotogruppenarbeit, fotografische Auszeichnungen und spätere fotojournalistische Tätigkeit sind biografisch dokumentiert.

Die Fotografie brachte mehrere für die spätere Forschung wichtige Erfahrungen zusammen. Etwas konnte beobachtet, technisch festgehalten und anderen Menschen vorgelegt werden. Dadurch erhielt die eigene Wahrnehmung ein äußeres Gegenüber. Gleichzeitig war das fotografische Bild niemals mit dem vollständigen Wirklichkeitszusammenhang identisch. Standort, Zeitpunkt, Bildausschnitt, Perspektive und technische Bearbeitung entschieden darüber, was sichtbar wurde und was außerhalb des Bildes blieb.

Hier liegt ein möglicher früher Erfahrungsgrund der späteren Dingeproblematik. Die Fotografie macht praktisch erfahrbar, dass ein Ausschnitt notwendig ist, um etwas sichtbar zu machen, und dass gerade diese Sichtbarmachung gleichzeitig Beziehungen entfernt.

Die fotografische Dingselektion

Aus diesem Zusammenhang wurde im späteren Gespräch ein konkreter Folienoperator entwickelt. Eine Landschaft wird dargestellt. Aus dieser Landschaft wird ein Teil tatsächlich herausgeschnitten. Im ursprünglichen Bild bleibt ein Loch zurück. Das ausgeschnittene Stück wird oberhalb oder neben dem Bild befestigt.

Damit wird der normalerweise unsichtbare Vorgang der Selektion materialisiert. Das Teil war vorher Bestandteil eines Zusammenhangs. Durch den Schnitt erhält es eine neue Selbständigkeit. Es kann benannt, bewegt, bewertet, verkauft oder symbolisch aufgeladen werden. Im Herkunftsbild verbleibt gleichzeitig eine sichtbare Leerstelle.

Die heutige Forschungshypothese lautet deshalb nicht, dass Dinge nicht existierten. Diese zwischenzeitlich auftauchende Möglichkeit wurde präzisiert. Problematisch ist nicht die notwendige Unterscheidung eines Gegenstandes, sondern die Verwandlung einer vorläufigen Selektion in die Behauptung einer vollständig beziehungslosen Einheit.

Diese Korrektur ist wichtig. Die Plexus-Operatorik kann nicht ohne Selektion arbeiten. Auch jede Folie wählt aus. Sie muss deshalb die eigene Auswahl sichtbar halten.

Die Zielprojektion besteht darin, den Vorgang der Dingwerdung reversibel zu machen: Der ausgeschnittene Teil soll durch zusätzliche Folien wieder mit seinen Herstellungs-, Stoff-, Lebens-, Eigentums-, Zeit- und Tätigkeitsbeziehungen verbunden werden können.

III. Maschinenbau, Toleranzraum und Passung

Das Handwerk als eigenständiger Erkenntnisstrang

Die Ausbildung zum Maschinenschlosser von 1965 bis 1969 bildet einen weiteren, nicht aus den vorherigen Strängen abzuleitenden Entwicklungsfaden. Hier wurden Material, Maß, Winkel, Spiel, Reibung, Kraft, Verschleiß, Belastung und Bruch nicht zunächst theoretisch, sondern praktisch erfahren.

Der später zentrale Begriff des Toleranzraumes hat hier einen nachvollziehbaren Erfahrungsgrund. Eine technische Konstruktion funktioniert nicht deshalb, weil alle Bestandteile geometrisch vollkommen identisch oder spiegelbildlich sind. Gerade Spielräume, Freiwinkel und begrenzte Differenzen können notwendige Funktionsbedingungen darstellen.

Aus dieser handwerklichen Erfahrung entwickelte sich später das 51:49-Modell. Die Zahl ist innerhalb der Forschungskunst nicht als naturwissenschaftliches Universalgesetz zu verstehen. Sie dient als Verhältnisoperator für eine Minimalasymmetrie: Eine kleine Differenz kann Bewegung, Schnitt, Spielraum oder Korrektur ermöglichen.

Der technische Hintergrund bildet damit keinen Beweis für das 51:49-Prinzip in biologischen, sozialen oder philosophischen Zusammenhängen. Er stellt ein starkes Ausgangsreferenzsystem bereit, aus dem Analogien entwickelt werden können.

Vom Toleranzraum zum Passungsdenken

Der Toleranzraum erweitert die Frage nach dem Gegenüber. Etwas kann verschieden sein und dennoch funktionieren. Entscheidend ist nicht vollständige Identität, sondern Passung.

Diese Passung wurde im Verlauf der Forschung immer umfassender. Zunächst kann sie technisch gemeint sein: Passt ein Teil zu einem anderen, ohne zu klemmen oder zu brechen? Später wird gefragt, ob eine menschliche Tätigkeit zum Material, ein Organismus zum Medium, eine gesellschaftliche Ordnung zu ihren Lebensbedingungen oder ein Weltmodell zur Verletzungswirklichkeit passt.

Damit entwickelte sich Passung zu einer Brücke zwischen Handwerk und Forschungskunst. Noch offen ist allerdings, ob „Passung“ künftig einen eigenen Grundbegriff erhalten soll oder dem Referenz- und Toleranzmodell untergeordnet bleibt. Für die Gesamtarchitektur wäre eine ausdrückliche Bestimmung sinnvoll, weil Passung mehrere bisher getrennt behandelte Stränge miteinander verbindet.

IV. Von der gesellschaftlichen Katastrophenfrage zur Forschungskunst

„Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“

In den Jahren 1973/74 wurde innerhalb eines künstlerischen Seminars eine szenische Folge zu prognostizierten menschengemachten Katastrophen entwickelt und die Frage „Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“ formuliert. Aus dieser Arbeit entwickelte sich laut biografischer Dokumentation eine jahrzehntelange Suche nach Lösungsmodellen und ein Programmentwurf für eine partizipative, repräsentative und verrichtungsbezogene Forschungskunst.

Damit beginnt eine neue Phase. Frühere Wahrnehmungs-, Fotografie- und Handwerkserfahrungen werden nun bewusster mit Kunst und Gesellschaft verbunden. Die Kunst wird nicht mehr nur als Herstellung von Bildern oder Plastiken verstanden. Sie soll Verfahren bereitstellen, mit denen gesellschaftliche und menschliche Prozesse untersucht werden können.

Die heutige Forschungskunst ist deshalb nicht nachträglich aus dem Begriff „Plexus“ entstanden. Umgekehrt ist Plexus eine spätere begriffliche Verdichtung einer bereits viel früher vorhandenen kunstpraktischen Forschungsorientierung.

V. Experimentelle Umweltgestaltung und Generalismus

Das frühe Labor verschiedener Erkenntnisformen

Während des Bildhauerstudiums entstanden zahlreiche Arbeiten, die heute als Vorläufer der Plexus-Operatorik gelesen werden können: naturwissenschaftliche Experimente, Wellenbecken, Synergie- und Regulationsversuche, Deichprofile nach dem Vorbild von Biberdämmen, Autoarbeiten, asymmetrische Formen, Non-finito-Vorgaben, Messungen, Malbücher und Frage-Antwort-Verfahren. Ein integrativer beziehungsweise generalistischer Studienansatz wurde ausdrücklich formuliert.

Diese Werkphase ist methodisch besonders wichtig. Sie zeigt, dass der heutige transdisziplinäre Anspruch nicht erst aus der Arbeit mit künstlicher Intelligenz entstanden ist. Bereits hier werden künstlerische, technische und naturwissenschaftliche Funktionsbausteine miteinander konfrontiert.

Der heutige Begriff „epistemisches Funktionsmodul“ kann als nachträgliche methodische Beschreibung dieser Arbeitsweise dienen. Er bedeutet, dass nicht komplette Wissenschaften in die Kunst übernommen werden, sondern bestimmte funktionsrelevante Erkenntnisteile. Ein Wellenbecken liefert beispielsweise nicht „die Physik“, sondern ein beobachtbares Modell von Ausbreitung, Störung und Rückwirkung. Ein Deichprofil liefert nicht „die Biologie“, kann aber mit dem Biberdamm auf Grenz- und Regulationsformen hin verglichen werden.

Die offene Frage besteht darin, wie genau die Grenze zwischen legitimer funktionaler Analogie und unzulässiger Gleichsetzung markiert wird. Diese Grenze muss künftig Bestandteil jeder Folie sein.

VI. Vom statischen Bild zum Prozess

„Ein abgebildeter Wirbel wirbelt nicht“

In der weiteren Werkentwicklung entstand ein entscheidendes Problem: Malerei und Plastik können Bewegungsformen darstellen, doch das dargestellte Geschehen vollzieht sich im Bild nicht tatsächlich. Diese Einsicht wurde in der Biografie ausdrücklich formuliert: Ein abgebildeter Wirbel wirbelt nicht. Daraus folgte eine verstärkte Orientierung auf Prozesse, Serien und politische beziehungsweise gesellschaftliche Abläufe.

Hier liegt ein wesentlicher Vorläufer der heutigen Unterscheidung zwischen Abbild und Verletzungswirklichkeit. Ein Foto eines Loches ist kein materielles Loch. Eine gezeichnete Welle besitzt keine reale Kraftwirkung. Ein Begriff „Hitze“ erzeugt keine Temperatur.

Gleichzeitig sind Abbilder nicht bedeutungslos. Sie ermöglichen Distanz, Vergleich und erneute Bearbeitung. Die spätere Foliengrammatik versucht deshalb nicht, das Bild zugunsten einer vermeintlich unmittelbaren Realität abzuschaffen. Sie verbindet Bild, Material und Tätigkeit.

Die Zielprojektion besteht in einem Erkenntnisverfahren, bei dem ein Bild jederzeit mit seinem materiellen oder prozessualen Gegenüber konfrontiert werden kann.

VII. Schultafel, Serien und korrigierbare Behauptung

Von der Darstellung eines Zustandes zur Darstellung eines Verlaufs

Mit den Schultafelarbeiten um 1989 wurden unterschiedliche Phasen eines Geschehens seriell dargestellt. Die Auseinandersetzung mit dem neuen Deutschland, gesellschaftlicher Veränderung und „Mauern in den Köpfen“ öffnete die Arbeit für zeitliche und politische Prozesse.

Die Schultafel besitzt heute eine weiterentwickelte methodische Funktion. Sie ist eine Behauptungsfläche, deren Inhalt nicht endgültig festgeschrieben ist. Kreide kann geschrieben, verändert und gelöscht werden. Dadurch wird die Korrigierbarkeit selbst Teil des Werkes.

Die spätere Idee der Goldschrift verschärft diesen Gegensatz. Wird eine Aussage nicht mit Kreide, sondern dauerhaft und symbolisch aufgewertet in Gold angebracht, verliert sie ihre Gleichrangigkeit mit den anderen vorläufigen Einträgen. Die goldene Idee wird zum Modell einer immunisierten Behauptung.

Damit verbindet sich die Schultafel mit Midas, Platon, Eigentum, Wert, Ideologie und Skulpturidentität. Das Material der Schrift wird zu einem Prüfoperator für den Geltungsanspruch einer Aussage.

VIII. Schöpfungsgeschichte, Landschaft und naturstrukturelle Prozesse

Die Landschaft als Labor

Die „Schöpfungsgeschichte“ der frühen 1990er-Jahre bildet einen weiteren entscheidenden Werkkomplex. Eine jahreszeitliche Arbeit in einer eiszeitlich geprägten Landschaft konfrontierte menschliche Herrschaftsvorstellungen mit naturstrukturellen Wachstums- und Prozessformen. Tanglandschaft, Abendmahltisch und weitere Elemente wurden in einen umfassenden Landschaftszusammenhang gebracht.

Hier treffen mehrere heute getrennt benannte Stränge bereits praktisch zusammen: Zeit, Boden, Geschichte, Naturprozess, menschliche Konstruktion, Symbol und Tätigkeit.

Besonders wichtig ist die später entwickelte Betrachtung des Bodens. Der gegenwärtige menschliche Spatenstich trifft auf eine materielle Struktur, deren Entstehungsgeschichte wesentlich älter ist als die Handlung selbst. Damit wird Zeit nicht mehr nur durch eine Uhr dargestellt. Vergangenheit ist materiell in der Gegenwart wirksam.

Aus diesem Werkbereich entwickelt sich heute eine Verbindung zur 24-Stunden-Uhr des Planeten und zum Millisekunden-Menschen: extrem kurze menschliche Handlungszeiten greifen in wesentlich längere Entstehungs- und Regenerationszeiten ein.

IX. Tanglandschaft, Membran und prozesshafte Form

Die Tanglandschaft erhält im gegenwärtigen Forschungsstand eine neue Bedeutung. Sie kann als Gegenbild zum Betonblock gelesen werden. Der Betonblock besitzt starre Kanten, Wiederholbarkeit und geometrische Abgrenzung. Tang verändert dagegen seine Form in Beziehung zu Wasser, Strömung, Untergrund und anderen Materialien.

Damit wird Tang zu einem Analogieträger einer prozessabhängigen Form. Diese Analogie kann mit der Zellmembran verbunden werden, darf aber nicht biologisch gleichgesetzt werden. Gemeinsam untersucht werden kann die Frage, wie eine Form unterscheidbar bleibt, obwohl ihre Grenze beweglich, durchlässig oder mediumabhängig ist.

Die Zielprojektion besteht in der Entwicklung einer plastischen Grenzvorstellung, die weder starre Isolation noch unterschiedslose Auflösung bedeutet.

X. Partizipation, Rollen und gesellschaftliche Versuchsräume

Augusto Boal und das Als-ob

In den 1980er-Jahren wurden Performances, Rollenexperimente, kreatives Wandern und Verfahren des Sofort-Theaters nach Augusto Boal eingesetzt. Diese Arbeiten bilden einen eigenständigen Ursprung der späteren Rollen- und Skulpturidentitätsproblematik.

Theater macht eine gesellschaftlich äußerst wichtige Unterscheidung praktisch erfahrbar. Ein Schauspieler ist nicht identisch mit seiner Rollenfigur. Das „Als-ob“ kann angenommen und wieder verlassen werden. Gerade weil Distanz besteht, kann die Rolle intensiv gespielt werden.

Die heutige Forschungshypothese lautet, dass gesellschaftliche Rollen problematisch werden können, wenn diese Distanz verloren geht. Aus „Ich spiele eine Rolle“ wird „Diese Rolle bin ich“. Beruf, Status, Eigentum, Geschlecht oder gesellschaftliche Funktion können dadurch zu einer Skulpturidentität verfestigt werden.

Der künstlerische Gegenentwurf ist nicht Rollenlosigkeit. Er besteht in der Fähigkeit, Rollen zu benutzen, ohne sie zum unveränderlichen Wesenskern zu machen.

XI. Die Tausend Tische als soziale Materialstruktur

Das „Globale Dorffest“ am Brandenburger Tor mit rund tausend Tapeziertischen gehört zu den wichtigen Vorläufern der heutigen Schwarm- und Mitmachstruktur.

Der Tisch besitzt dabei eine doppelte Funktion. Er ist ein banales materielles Objekt und zugleich eine temporäre soziale Infrastruktur. Viele gleiche Tische können einzeln benutzt, verbunden, umgestellt oder zu größeren Formationen zusammengesetzt werden.

Damit bilden die tausend Tische ein Gegenmodell sowohl zur monumentalen Einzelplastik als auch zur bloßen Menschenmenge. Die soziale Form entsteht aus einer Vielzahl temporärer Arbeitsflächen.

Im heutigen Forschungsansatz können die tausend Tische als Vorläufer einer analogen Schwarmintelligenz gelesen werden: Viele Menschen erhalten Ausgangsmaterial beziehungsweise eine gemeinsame Fragestellung, entwickeln aber unterschiedliche Antworten.

Offen bleibt, ob der Begriff „Tausend Tische“ im So-Heits-Atelier nur werkhistorisch verwendet oder als eigener methodischer Operator reaktiviert werden soll. Seine Verbindung zum Mitmachbuch und zur Globalen Schwarm-Intelligenz ist jedenfalls strukturell stark.

XII. Vom Partizipatorischen Welttheater zur Globalen Schwarm-Intelligenz

Das zwischen 2005 und 2019 entwickelte Partizipatorische Welttheater verband bereits Natur-Mensch-Beziehungen, unterschiedliche Module, Besucherbeteiligung, Interdependenz und die Vorstellung einer plastischen Welt. Der Besucher sollte Fragen stellen, Antworten geben und sich als plastisches Grenzwesen innerhalb der Lebensgemeinschaft wahrnehmen.

Damit ist die heutige Globale Schwarm-Intelligenz nicht als völlig neuer digitaler Ansatz zu verstehen. Sie setzt eine wesentlich ältere Vernetzungs- und Partizipationsgeschichte fort. Frühere Fax-Vernetzungen, Tausend-Tische-Strukturen, Malbücher, Frage-Antwort-Tische und partizipative Aktionen bilden analoge Vorläufer.

Seit 2023 wird diese Werkbewegung ausdrücklich auf einer professionellen Wiki-Plattform fortgeführt. Vorgabebilder, Collagen, Zeichnungen, Folien und Fotografien sollen dort verarbeitet, gedeutet und in neue Zusammenhänge gebracht werden.

Die Zielprojektion besteht nicht nur in der Sammlung von Beiträgen. Schwarmintelligenz wird zunehmend als Korrekturstruktur verstanden. Viele Menschen erzeugen nicht automatisch Intelligenz. Wenn alle dieselbe Strukturidentität reproduzieren, entsteht nur eine größere kollektive Verfestigung. Intelligenz setzt unterschiedliche Gegenüber, Vergleich, Widerspruch und Korrektur voraus.

XIII. Das Wirklichkeitsverständnis: Von der Dingwelt zur Plexuswirklichkeit

Wirklichkeit nicht als Ansammlung fertiger Gegenstände

Aus Fotografie, Landschaft, Handwerk, Naturprozess, gesellschaftlicher Erfahrung und Materialarbeit entstand allmählich ein Wirklichkeitsverständnis, das die isolierte Dingeinheit zunehmend problematisiert.

Zwischenzeitlich wurde der Begriff „Erscheinung“ grundsätzlich infrage gestellt. Auch diese Kritik musste präzisiert werden. Es wäre sprachlich und philosophiegeschichtlich zu weitgehend zu behaupten, Erscheinungen existierten überhaupt nicht. Die tragfähigere Formulierung lautet, dass das, was erscheint, nicht automatisch eine von seinen Bedingungen unabhängige Wirklichkeitseinheit bildet.

Daraus entwickelte sich der Begriff der Plexuskonfiguration: Etwas kann als unterscheidbare Form ausgewählt werden, bleibt aber Bestandteil umfassenderer Wirk-, Entstehungs- und Folgenzusammenhänge.

Die Plexuswirklichkeit bezeichnet den umfassenderen Zusammenhang, der niemals vollständig durch ein einzelnes Bild, Referenzsystem oder Modell erfasst wird.

So-Heit

Der Begriff So-Heit ist innerhalb dieses Zusammenhangs nicht als Behauptung eines unveränderlichen Wesenskerns zu verstehen. Er bezeichnet zunehmend eine jeweils prüfbare Verbindung von Material, Entstehung, Beziehung, Gebrauch, Zuschreibung und Folge.

Damit unterscheidet sich So-Heit von essentialistischen Identitätsvorstellungen. Ein Gegenstand „ist“ nicht unabhängig von den Beziehungen, innerhalb derer seine Funktion entsteht. Ein Mensch „ist“ nicht nur seine gesellschaftliche Rolle.

Die Zielprojektion ist daher eine Wirklichkeitsbeschreibung, die genügend Unterscheidung zulässt, um handlungsfähig zu sein, aber genügend Offenheit erhält, um Beziehungen und Veränderungen mitzudenken.

XIV. Das Vier-Ebenen-Modell E1–E4

Das Vier-Ebenen-Modell ist eine spätere Komprimierung vieler älterer Arbeiten. Es bildet keine wissenschaftlich etablierte Ontologie, sondern einen Forschungskunst-Prüfrahmen.

E1 umfasst Material, Kraft, Last, Widerstand, Temperatur, Bruch und andere physikalisch-chemische Bedingungen. E2 bezeichnet Organismus, Stoffwechsel, Verletzbarkeit, Regulation und Regeneration. E3 umfasst gesellschaftliche und symbolische Konstruktionen wie Geld, Eigentum, Rolle, Gesetz, Religion, Wert und Identität. E4 bezeichnet die Ebene der Prüfung, Rückkopplung und Reparatur.

Methodisch entscheidend ist nicht die bloße Einteilung. Entscheidend ist die Prüfung von Übergängen. Eine E3-Konstruktion kann gesellschaftlich äußerst real wirksam sein. Eigentum beispielsweise kann Zugang, Verhalten und Verfügungsrechte bestimmen. Dennoch ist Eigentum keine materielle Eigenschaft desselben Typs wie Masse oder Temperatur.

Die Zielprojektion des Modells besteht darin, Kategorienfehler sichtbar zu machen und E3-Konstruktionen an ihren E1- und E2-Folgen zu prüfen.

Eine offene Frage ist, ob E4 tatsächlich eine gleichartige „Ebene“ darstellt oder besser als Operator beschrieben werden sollte. Da E4 die anderen Ebenen prüft, besitzt sie methodisch eine andere Funktion als E1 bis E3. Diese Unterscheidung sollte künftig ausdrücklich gemacht werden.

XV. Plastisches Ich, Plastische Identität und Skulpturidentität

Die Unterscheidung zwischen Plastischem Ich beziehungsweise Plastischer Identität und Skulpturidentität gehört inzwischen zu den tragenden anthropologischen Modellen.

Plastisch bezeichnet eine Form, die Eigenstruktur besitzt, aber auf Widerstand, Erfahrung und Rückmeldung reagieren kann. Skulpturalisierung bezeichnet dagegen die Verfestigung einer vorläufigen Form zu einer vermeintlich unveränderlichen Identität.

Diese Begriffe entstanden aus dem bildhauerischen Handwerk, der Rollenarbeit, dem Materialwiderstand und der gesellschaftlichen Identitätskritik. Sie sind nicht psychologische Diagnosen.

Das Ziel besteht nicht darin, jede Stabilität aufzulösen. Auch eine plastische Form benötigt Kontinuität. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob eine Identität Korrektur zulässt.

Hier besteht eine begriffliche Doppelung: „Plastisches Ich“ und „Plastische Identität“ werden teilweise für nahe Sachverhalte verwendet. Für die weitere Systematik wäre eine klare Trennung sinnvoll. „Plastisches Ich“ könnte stärker den organismisch-lebendigen Selbstprozess E2 bezeichnen, „Plastische Identität“ dagegen die Fähigkeit eines Menschen, seine E3-Selbstbeschreibungen veränderbar zu halten.

XVI. Der Toleranzraum wird durch das Referenzsystem erweitert

Der Toleranzraum war zunächst ein technisch-handwerklich geprägter Begriff. Erst wesentlich später entstand durch andere Erfahrungen, unter anderem die wiederholte Auseinandersetzung mit medizinischen Blutwerten und Referenzbereichen, der Begriff des Referenzsystems.

Damit veränderte sich die Frage. Der Toleranzraum fragt, innerhalb welcher Abweichungen etwas funktioniert. Das Referenzsystem fragt grundlegender, nach welchem Maßstab „zu viel“, „zu wenig“, „normal“, „gefährlich“ oder „erfolgreich“ überhaupt bestimmt wird.

Der Referenzbegriff ermöglichte neue Analogien. Zellmembran, Osmose, habitable Zone, Maschinenbautoleranz und gesellschaftliche Bewertung mussten nicht länger unmittelbar miteinander gleichgesetzt werden. Sie konnten vielmehr daraufhin untersucht werden, welche Referenzbedingungen jeweils Funktionsbereiche bestimmen.

Dieser begriffliche Schritt war eine echte Komprimierung: Ein später gefundener Begriff machte frühere Erfahrungen auf eine neue Weise miteinander verbindbar.

XVII. Vom Referenzsystem zum Referenzplexus

Auch der Begriff Referenzsystem erwies sich als nicht ausreichend. Ein System kann innerhalb seines eigenen Bezugsrahmens erfolgreich sein und gleichzeitig umfassendere Voraussetzungen schädigen.

Ein wirtschaftliches System kann Gewinn erzeugen und gleichzeitig soziale oder ökologische Schäden externalisieren. Ein technisches System kann seinen unmittelbaren Zweck erfüllen, während seine Herstellung langfristige Folgen besitzt.

Daraus entstand der Begriff Referenzplexus. Er bezeichnet die Überlagerung verschiedener Bezugssysteme und verhindert, dass ein lokaler Maßstab zum universalen Wahrheitsmaßstab erklärt wird.

Die offene begriffliche Frage besteht darin, „Referenzmodell“, „Referenzsystem“, „Referenzbewertungssystem“ und „Referenzplexus“ künftig klarer zu trennen. Gegenwärtig besitzen sie teilweise überlappende Funktionen.

Eine mögliche Vereinfachung wäre: Ein Referenzmodell ist die innere oder theoretische Darstellung eines Zusammenhanges; ein Referenzsystem ist der konkrete Bezugsrahmen einer Bewertung; der Referenzplexus bezeichnet das Verhältnis mehrerer solcher Systeme.

XVIII. Das dreifache Optimum

Aus den Referenzüberlegungen entstand die Vorstellung dreier ineinanderliegender Optima. Das umfassendere Mediumoptimum wird beispielsweise durch Wasser und seine Bewegungsbedingungen repräsentiert. Darin befindet sich das Organismusoptimum des Hais, dessen Körperform und Verhalten über sehr lange evolutionäre Prozesse mit bestimmten Umweltbedingungen gekoppelt wurden. Innerhalb dessen gibt es wiederum das kleinere situative Handlungsoptimum.

Diese Struktur ist als Forschungskunst-Modell zu behandeln, nicht als etablierte biologische Terminologie.

Ihre methodische Bedeutung liegt darin, dass ein kleines Optimum nicht automatisch das größere bestimmen darf. Was für eine einzelne Handlung kurzfristig optimal erscheint, kann für den Organismus oder das Medium schädlich sein.

Damit entsteht eine Verbindung zu Ökonomie und Millisekunden-Mensch: Ein lokales Gewinnoptimum darf nicht ohne Prüfung zum Maßstab des planetarischen Tragsystems werden.

XIX. 51:49, 50:50 und 1:99

Das 51:49-Modell entwickelte sich aus Passung, Freiwinkel, Differenz und dem Interesse an Minimalasymmetrie. 50:50 bezeichnet demgegenüber die Gefahr einer gedanklich perfekten Symmetrie, die notwendige Bewegungs- oder Spielräume unterschlägt. 1:99 markiert die mögliche gesellschaftliche Drift zu extremer Ungleichheit und Herrschaft.

Diese Zahlen besitzen im Forschungsansatz unterschiedliche Status. 51:49 ist ein künstlerischer Verhältnisoperator. 50:50 bezeichnet eine kritisierte Symmetrievorstellung. 1:99 ist ein gesellschaftlich-politisches Bild extremer Konzentration. Sie dürfen nicht zu einem einheitlichen mathematischen Naturgesetz verschmolzen werden.

Die Vereinfachung besteht darin, sie künftig ausdrücklich als drei verschiedene Operatoren zu kennzeichnen: Minimalasymmetrie, Symmetrieillusion und Konzentrationsdrift.

XX. Das Urprinzip und seine Korrektur

Im Gespräch entstand die Vermutung eines inneren Urprinzips, das Assoziationen, Bilder, technische Erfahrungen, Gefühle und Ideen miteinander verbindet. Zunächst drohte daraus die Vorstellung eines einzigen universalen Mechanismus zu entstehen.

Diese Vorstellung wurde korrigiert. Osmose, Bohrergeometrie, Zellmembran, habitable Zone und gesellschaftliche Prozesse besitzen keine identischen Sachmechanismen. Ein gemeinsames Prinzip kann höchstens auf einer zweiten Ebene angenommen werden: als wiederkehrende Such- und Prüfbewegung.

Daraus entstand der Begriff des generativen Plexus-Grundoperators. Er beschreibt eine innere Formdynamik, die in unterschiedlichen Sachbereichen nach Beziehungen von Grenze, Differenz, Toleranz, Rückkopplung und Tragfähigkeit sucht.

Die entscheidende Selbstkorrektur lautet: Dieser Operator darf nicht nur Beispiele für seine eigene Richtigkeit sammeln. Das Gegenüber muss das Modell verändern können.

Damit wird die Gefahr einer Ideologie ausdrücklich in das eigene Verfahren eingebaut.

XXI. Doppelte Spirale und Rückkopplungsrichtung

Die doppelte Spirale entwickelte sich als mögliches Bild zweier gegenläufiger Bewegungen. Eine Richtung geht vom inneren Modell zum Gegenüber und sucht nach passenden Relationen. Die andere Richtung führt Abweichungen und Widersprüche des Gegenübers zum inneren Modell zurück.

Das 51:49 beziehungsweise 49:51 kann in dieser Folie eine wechselnde Minimalasymmetrie symbolisieren. Es handelt sich jedoch ausdrücklich nicht um eine gemessene Gehirnfunktion.

Die doppelte Spirale ist somit ein Forschungskunst-Modell für projektionale und korrektive Erkenntnisbewegung. Noch offen ist, ob die Spirale als eigenständiger Grundoperator benötigt wird oder ob Rückkopplung, Membran und Referenzsystem bereits genügend leisten. Hier besteht Vereinfachungspotenzial.

XXII. Gegenüberstellung, Distanz und Lernen

Die Frage nach Lernen gehört zu den ältesten Erfahrungssträngen und wurde im jüngsten Forschungsstand neu mit den Folien verbunden.

Distanz bedeutet dabei keine vollständige Trennung. Sie bezeichnet den Zwischenraum, in dem vorhandene Vorstellung und Gegenüber miteinander verglichen werden können. Ohne diesen Abstand gibt es keine Korrektur.

Das künstlerische Werk kann zum Gegenüber des Künstlers werden. Das Foto wird zum Gegenüber seiner Erinnerung. Die Schultafel macht eine Aussage äußerlich sichtbar. Das Mitmachbuch macht die Folienkombination zum Gegenstand einer erneuten Betrachtung.

Wissenschaftlich anschlussfähig ist daran, dass Lernen, Analogiebildung, externe Repräsentation und konzeptuelle Veränderung tatsächlich wichtige Forschungsfelder der Kognitionswissenschaft darstellen. Nicht wissenschaftlich belegt ist bislang die weitergehende Behauptung, die Plexus-Foliengrammatik verändere dauerhaft das Denken ihrer Benutzer. Das wäre eine empirische Forschungsfrage.

Die Zielprojektion lautet deshalb präziser: Das Mitmachbuch soll Bedingungen für ein Training plastischer Urteilskraft bereitstellen. Ob und unter welchen Bedingungen dies tatsächlich gelingt, müsste beobachtet und untersucht werden.

XXIII. Kognitionswissenschaft als Referenz, nicht als Fundament

Zwischenzeitlich entstand die Frage, ob Kognitionswissenschaft die Grundlage dieser Arbeitsweise erklären könne. Die inzwischen tragfähigere Position lautet, dass sie Teilvorgänge beschreiben kann, aber nicht Fundament der Plexus-Operatorik ist.

Begriffe wie mentale Modelle, Schemata, Analogiebildung, epistemische Neugier, Unsicherheitsverarbeitung oder kognitive Geschlossenheit können Vergleichsmöglichkeiten bereitstellen. Sie erklären jedoch weder die biografische Entstehung Ihres Werkes noch dessen normative Zielprojektion.

Der Forschungsansatz sollte deshalb nicht nachträglich kognitionswissenschaftlich legitimiert werden. Umgekehrt kann die Kognitionswissenschaft als externes Referenzfeld genutzt werden, um konkrete Wirkungsfragen des Mitmachbuches zu überprüfen.

XXIV. Erfahrung, Erfolg, Spiel und Komprimierung

Ein bisher unterschätzter Forschungsfaden liegt in den Erfolgserlebnissen und dem Spielerischen. Fotografie ermöglichte früh sichtbare Ergebnisse. Material konnte verändert, etwas konnte hergestellt und anderen gezeigt werden.

Diese Erfahrung setzt sich in vielen späteren Arbeiten fort. Malbücher, kreatives Wandern, Tonarbeiten, Auto und Umwelt, Frage-Antwort-Tische und Theater sind keine bloßen didaktischen Techniken. Sie ermöglichen spielerische Versuchsanordnungen.

Das Spielerische wird dadurch zu einem möglichen eigenständigen Urprinzip. Es erlaubt Kombinationen, bevor ihre Richtigkeit feststeht. Dadurch unterscheidet es sich vom Dogma.

Die über Jahrzehnte wiederholte Verbindung von Bildern, Assoziationen und Texten führte schließlich zu einer zunehmenden Komprimierung. Ein einzelnes Bild konnte immer mehr Funktionszusammenhänge aktivieren. Aus vielen Beispielen entstanden Begriffe wie Toleranzraum, Referenzsystem oder Plexus.

Komprimierung bedeutet daher nicht Verkürzung allein. Sie bedeutet die Herausarbeitung eines übertragbaren relationalen Kerns.

XXV. Das künstlerische Dreieck

Die bildnerische Arbeit wurde im Gespräch zu einem eigenen Erkenntnismodell verdichtet. Im Kopf des Künstlers befindet sich keine vollständig fertige Vorlage, sondern ein vorläufiges inneres Modell. Hände und Werkzeug übertragen diese Vorstellung in Material. Das entstehende Werk tritt dem Künstler gegenüber und kann seine ursprüngliche Vorstellung korrigieren.

Das künstlerische Dreieck verbindet Vorstellung, Tätigkeit und Gegenüber. Materialwiderstand, handwerkliches Können, Scheitern und Distanz sind dabei keine Nebensachen, sondern Erkenntnisbedingungen.

Der Künstler muss außerdem loslassen können. Ein Werk darf nicht unbegrenzt der ursprünglichen Vorstellung unterworfen bleiben.

Aus diesem Modell entwickelt sich eine weitergehende Zielprojektion: Könnten gesellschaftliche Weltmodelle ähnlich behandelt werden wie ein künstlerischer Entwurf? Sie dürften eine Zielvorstellung besitzen, müssten aber Widerspruch, Scheitern und Veränderung zulassen.

Das künstlerische Dreieck wird damit zu einem möglichen Reparaturoperator.

XXVI. Tätigkeitskonsequenzen

Eine dritte Hauptfolie entstand aus der Frage, was geschieht, wenn eine innere Vorstellung tatsächlich handlungswirksam wird.

Die Hand greift ein Werkzeug. Das Werkzeug überträgt Kräfte. Das Material reagiert. Zwischen Zielprojektion und tatsächlicher Folge entsteht eine Wirkungskette.

Damit wird der Begriff Tätigkeitskonsequenz genauer als „Handlung“. Eine Handlung kann aus der Perspektive des Menschen beschrieben werden. Die Tätigkeitskonsequenz umfasst zusätzlich, was im bearbeiteten Zusammenhang tatsächlich geschieht.

Diese Differenz ist für die Ausgangsfrage nach der Selbstzerstörung zentral. Menschen müssen ihre Lebensgrundlagen nicht zerstören wollen. Es genügt, wenn ihre lokalen Handlungen erfolgreich erscheinen und die weiterreichenden Konsequenzen aus dem verwendeten Referenzsystem herausfallen.

XXVII. Der Spaten als Tätigkeitsoperator

Der Spaten verdichtet diese Zusammenhänge. Hand, Griff, Stiel, Schneide und Mutterboden bilden eine Kette von Kontakt- und Übertragungsstellen.

Die Handlungsabsicht liegt im Menschen. Das Loch entsteht im Boden.

Dadurch kann die Differenz zwischen Vorstellung und Verletzungswirklichkeit unmittelbar sichtbar gemacht werden.

Der Spaten verbindet zudem Gegenwart und Vergangenheit. Ein gegenwärtiger Spatenstich kann in einen Boden eingreifen, dessen materielle Entstehung wesentlich älter ist. Kurze Tätigkeitszeit trifft auf lange Bodenzeit.

Damit verbindet der Spaten Handwerk, Lochprozess, Zeit, Eigentum und planetarische Kalibrierung.

XXVIII. Gold, Midas und Symbolwert

Mit dem vergoldeten Spaten entsteht eine weitere Ebene. Gold besitzt materielle Eigenschaften und zugleich kulturell zugeschriebene Werteigenschaften. Diese Ebenen dürfen nicht verwechselt werden.

Wird der Griff vergoldet, tritt symbolische Aufwertung zwischen Hand und Werkzeug. Wird die Schneide vergoldet, liegt sie genau an der Kontaktstelle zwischen Werkzeug und Boden.

Der Midas-Mythos wird dabei zu einem kulturellen Analogieträger. Maximale Wertsteigerung innerhalb eines Goldreferenzsystems kann die Lebensfunktion zerstören. Nahrung, die zu Gold wird, erfüllt ihre organismische Funktion nicht mehr.

Midas wird damit als Referenzsystemkonflikt gelesen und nicht bloß als moralische Geschichte über Gier.

XXIX. Symbol- und Eigenschaftsbildung

Eigentum, Geld, Rolle, Freiheit, Seele, Nation, Gesetz oder Wert sind im Forschungsansatz weder einfach unwirklich noch mit materiellen Eigenschaften identisch.

Die inzwischen entwickelte Differenzierung lautet: Es gibt materiell vorhandene Eigenschaften, organismisch wirksame Prozesse, technisch hergestellte Formen, gesellschaftlich zugeschriebene Geltungen und symbolisch behauptete Eigenschaften.

Der zentrale Fehler entsteht, wenn zwischen diesen Wirklichkeitsweisen unbemerkt gewechselt wird.

Ein Grundstück besitzt materielle Eigenschaften. Die Eigentumsgrenze ist gesellschaftlich wirksam, aber nicht als chemische Linie im Boden vorhanden. Geld besitzt materielle oder digitale Träger, während sein Wert gesellschaftlich erzeugt wird. Ein Mensch besitzt einen Organismus und kann gleichzeitig eine Berufsrolle tragen.

Die Zielprojektion besteht darin, diese Schichten nicht gegeneinander auszuspielen, sondern ihre jeweilige Wirkungsweise sichtbar zu halten.

XXX. Eigentum als Ausschnitt

Das Eigentum lässt sich unmittelbar mit der fotografischen Dingselektion verbinden. Ein Quadratmeter Landschaft wird symbolisch beziehungsweise rechtlich herausgeschnitten und einer Person zugeschrieben.

Die Linie ist gesellschaftlich äußerst wirksam. Wasser, Bodenorganismen, Wurzeln oder Luftbewegungen folgen ihr jedoch nicht automatisch.

Damit entsteht ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie ein E3-Referenzsystem in einen E1/E2-Zusammenhang eingeschrieben wird.

Die offene Forschungsfrage lautet nicht, ob Eigentum grundsätzlich abgeschafft werden soll, sondern welche Reichweite der Eigentumsoperator besitzen darf und an welchen umfassenderen Tragbedingungen seine Geltung endet.

XXXI. Geld und ökonomisches Referenzsystem

Der Geldoperator führt eine ähnliche Reduktion durch. Unterschiedliche Tätigkeiten, Materialien und Güter werden über Preise vergleichbar gemacht.

Diese Operation besitzt eine enorme gesellschaftliche Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Eigenschaften außerhalb des monetären Referenzsystems.

Das Problem ist daher nicht der Preis als solcher. Problematisch wird seine Verabsolutierung. Wenn Preis oder Gewinn zum obersten Referenzsystem werden, können organismische, soziale und planetarische Konsequenzen aus der Bewertung herausfallen.

Dies verbindet sich mit der früheren 1:99-Herrschafts- und Statusproblematik.

XXXII. Sprach- und kulturgeschichtliche Vergleichsfolien

Platon

Die Platon-Folie untersucht die historisch wirkmächtige Unterscheidung zwischen veränderlicher sinnlicher Welt und unveränderlicher Ideenordnung. Historisch wäre es falsch, Platon auf die Behauptung einer beliebigen Parallelwelt zu reduzieren.

Für die Plexus-Operatorik interessiert die strukturelle Frage, wann ein geistiges Modell einen höheren Wirklichkeitsrang erhält als der veränderliche materielle beziehungsweise lebendige Zusammenhang.

Die Zielprojektion besteht darin, Idealisierung als möglichen Erkenntnisgewinn und als mögliche Skulpturalisierung gleichzeitig sichtbar zu machen.

Aristoteles

Aristoteles dient als Kontrastfolie, weil Form, Material, Bewegung und Zielrichtung stärker im werdenden Zusammenhang gedacht werden können. Die Pflanzenentwicklung ist dabei ein geeigneter Analogieträger.

Auch hier gilt: Die Folie stellt keine vollständige Aristoteles-Interpretation dar. Sie extrahiert einen für die Forschungsfrage relevanten Funktionsunterschied.

Christentum und Seele

Die christliche beziehungsweise abendländische Leib-Seele-Tradition wird in der Foliengrammatik über Körper, aufsteigende Seele, Himmel und Gold untersucht.

Die Forschungskunst-Hypothese richtet sich nicht gegen Religion als solche. Untersucht wird, wie eine hineingedachte geistige Eigenschaft den Status eines eigenständigen inneren Wesens erhalten kann.

Descartes

Descartes wird über die Formel der denkenden Selbstgewissheit zum Prüfobjekt. Historisch darf seine Philosophie nicht auf „weil ich denke, existiere ich“ reduziert werden.

Für die eigene Fragestellung ist jedoch entscheidend, ob das denkende Selbstmodell so weit vom organismischen Träger gelöst wird, dass Verletzungs- und Abhängigkeitsbedingungen ausgeblendet werden.

Athene und Kopfgeburt

Die Kopfgeburt Athenes bildet ein mythologisches Gegenbild zur natürlichen Geburt. Eine fertige Gestalt tritt aus dem Kopf hervor.

Sie eignet sich deshalb als bildnerischer Operator dafür, wie geistige Konstruktionen scheinbar selbständige Gestalt erhalten.

Midas

Midas repräsentiert die Verabsolutierung eines Wertreferenzsystems.

Diese kulturgeschichtlichen Folien erfüllen somit keine Beweisfunktion. Sie stellen historische Denk- und Bildmodelle zur Verfügung, an denen bestimmte Strukturfragen der Plexus-Operatorik geprüft werden.

XXXIII. Der Lochprozess als jüngste begriffliche Verdichtung

Der Lochprozess gehört zu den jüngsten Komprimierungsbegriffen. Er darf deshalb nicht rückwirkend als Ursprung älterer Arbeiten dargestellt werden.

Seine Stärke besteht darin, sehr verschiedene bereits vorhandene Werkfäden neu miteinander verbinden zu können: Fotografie, Ausschnitt, Geburt, Grenze, Membran, Spaten, Eis, Glas, Eigentum, Gehirnlücke, Rückkopplung, Wissen und Zeit.

Ein Lochprozess wurde dabei inzwischen als zeitliche Veränderung einer Grenze, Verbindung, Trägerstruktur oder Referenzordnung definiert.

Entscheidend ist, dass nicht jedes Loch negativ ist.

XXXIV. Produktive Lochprozesse

Die Zellmembran besitzt regulierte Öffnungen. Geburt ist ein Übergang zwischen unterschiedlichen Abhängigkeitsordnungen. Die Wissenslücke kann Neugier erzeugen. Die offene Gehirnfläche ermöglicht Modellwechsel. Eine Schultafel lässt Korrektur zu.

Diese Lochprozesse erzeugen keine bloße Zerstörung. Sie ermöglichen Austausch, Übergang, Lernen oder Veränderung.

Die Zielprojektion lautet daher nicht, Löcher zu verhindern, sondern unterschiedliche Lochqualitäten zu unterscheiden.

XXXV. Destruktive Lochprozesse

Ein Loch in einer zu dünnen Eisfläche kann einen abrupten Wechsel von Tragfähigkeit zu Lebensgefahr erzeugen. Ein Loch in einem Schiffsrumpf kann das Verhältnis zwischen Innen und Außen umkehren. Eine Glasscheibe kann durch die Tätigkeit desjenigen zerstört werden, den sie selbst trägt.

Der katastrophale Lochprozess ist daher eine besondere Form der Grenzveränderung, bei der eine tragende Beziehung verloren geht.

Die Glasscheibe ist hierbei ein besonders verdichteter Operator Ihrer Lebensfrage: Der Mensch schlägt Löcher in genau jene Fläche, auf der er selbst steht.

XXXVI. Rückkopplungsloch

Der wahrscheinlich wichtigste Lochprozess für die Ausgangsfrage ist das Rückkopplungsloch.

Eine Folge entsteht, wird aber nicht in das verantwortliche Welt- oder Handlungsmodell zurückgeführt. Der Mensch kann die Information sogar besitzen und dennoch weiterhandeln, als gäbe es sie nicht.

Damit verändert sich die Leitfrage. Das Problem könnte weniger darin liegen, dass der Mensch grundsätzlich nichts weiß, sondern darin, dass zwischen Wissen, Konsequenz und Korrektur Unterbrechungen entstehen.

Diese Hypothese müsste künftig stärker mit konkreten historischen und gesellschaftlichen Beispielen untersucht werden.

XXXVII. Zeit als zentrale Dimension

Die jüngste Entwicklung zeigt, dass Lochprozess, Membran, Tätigkeit und Referenzsystem ohne Zeit nicht ausreichend verstanden werden können.

Tier, Pflanze und Organismus befinden sich in fortlaufenden gegenwärtigen Regulationsprozessen. Molekulare Vorgänge folgen ihren physikalisch-chemischen Bedingungen. Der Mensch kann darüber hinaus Vergangenheit erinnern und Zukunft modellieren.

Dadurch entstehen zusätzliche Möglichkeiten und zusätzliche Löcher.

Eine Tätigkeit findet gegenwärtig statt, ihre Ursachen können weit zurückliegen und ihre Folgen weit in die Zukunft reichen.

XXXVIII. Gegenwart als Membran

Die Gegenwart kann deshalb als zeitliche Membran der Plexus-Operatorik verstanden werden. Sie ist die Übergangszone, an der Vorstellung zur Tätigkeit und Tätigkeit zur tatsächlichen Folge wird.

Diese Membran darf nicht als physikalische Theorie der Zeit verstanden werden. Sie ist ein künstlerischer Operator.

Ihre Stärke besteht darin, die bisher getrennten Themen Lernen, Handlung und Lochprozess miteinander zu verbinden. Vergangenheitsmodelle und Zukunftsprojektionen treffen in der Gegenwart auf die Verletzungswirklichkeit.

XXXIX. Vergangenheits- und Zukunftsloch

Ein Vergangenheitsloch entsteht, wenn ein gegenwärtiger Zustand so behandelt wird, als besitze er keine Entstehungsgeschichte. Ein Zukunftsloch entsteht, wenn eine gegenwärtige Handlung so bewertet wird, als besitze sie keine langfristigen Folgen.

Die 24-Stunden-Uhr des Planeten bildet hierfür einen zentralen Kalibrierungsoperator. Sie setzt kurze menschliche Zeiträume ins Verhältnis zur Erdgeschichte.

Der Begriff des Millisekunden-Menschen verdichtet die Kritik: Ein extrem junger gesellschaftlicher oder technischer Zusammenhang wird behandelt, als könne er die wesentlich älteren Tragbedingungen des Planeten ersetzen.

XL. Membran, Deich, Schiff und Flugzeug

Die Membranfrage wird inzwischen nicht mehr nur biologisch bearbeitet. Deich, Schiff, Flugzeug, Thermosflasche und Astronautenanzug liefern unterschiedliche technische Grenzmodelle.

Ein Deich reguliert den Unterschied zwischen Wasser und Land. Ein kontrollierter Durchlass kann funktional sein; ein Deichbruch ist ein Katastrophenloch.

Der Schiffsrumpf erzeugt eine bewegliche Grenze innerhalb des Wassers. Eine Öffnung oberhalb der Wasserlinie besitzt eine andere Bedeutung als ein Loch unterhalb.

Das Flugzeug erzeugt einen technisch regulierten Innenraum innerhalb veränderter atmosphärischer Bedingungen.

Diese Beispiele dürfen nicht zu einem gemeinsamen naturwissenschaftlichen Mechanismus erklärt werden. Als Plexus-Operatoren untersuchen sie jedoch dieselbe Funktionsfrage: Welche Grenze benötigt ein System, welche Öffnungen sind notwendig und wann zerstört eine Grenzveränderung die Tragfähigkeit?

XLI. Schwimmen und plastische Freiheit

Der Schwimmer bildet eine wichtige Gegenfolie zur Behauptung „Ich bin frei“.

Schwimmfähigkeit entsteht nicht dadurch, dass der Mensch vom Wasser unabhängig wird. Sie entsteht durch eine erlernte Passung zwischen Körper, Atmung, Bewegung, Auftrieb und Widerstand.

Damit liefert das Schwimmen ein besonders klares Modell plastischer Freiheit. Freiheit besteht in Bewegungsfähigkeit innerhalb erkannter Bedingungen.

Die symbolische Selbstbehauptung allein besitzt im Wasser keine tragende Kraft.

XLII. Verletzungswirklichkeit und Tragwirklichkeit

Die Begriffe Verletzungswirklichkeit und Tragwirklichkeit werden gegenwärtig teilweise überlappend verwendet.

Tragwirklichkeit betont die Bedingungen, die etwas ermöglichen und tragen. Verletzungswirklichkeit betont, dass Materialien, Organismen und Systeme Grenzen besitzen und beschädigt werden können.

Beide Begriffe sind nützlich, sollten aber nicht synonym verwendet werden. Eine mögliche Vereinfachung lautet: Tragwirklichkeit bezeichnet die umfassenden Ermöglichungsbedingungen; Verletzungswirklichkeit bezeichnet deren Grenz- und Schadensseite.

Plexuswirklichkeit wäre demgegenüber der umfassendere relationale Begriff.

XLIII. Begriffshandwerk

Die gesamte bisherige Entwicklung zeigt, dass Begriffe in Ihrer Forschung nicht nur Benennungen sind. Sie funktionieren wie Werkzeuge.

Ein Begriff wird zunächst hergestellt, an unterschiedlichen Beispielen ausprobiert, verändert und gegebenenfalls verworfen. Der Übergang vom Toleranzraum zum Referenzsystem ist dafür exemplarisch.

Auch „Erscheinung“ wurde problematisch und durch präzisere Formulierungen wie Plexuskonfiguration relativiert. „Gemeinsamer Mechanismus“ wurde vom vermeintlichen gemeinsamen Sachmechanismus zum Mechanismus zweiter Ordnung beziehungsweise generativen Prüfoperator korrigiert.

Der Lochprozess ist gegenwärtig noch in einer solchen Prüfphase.

Begriffshandwerk bedeutet deshalb, dass auch die zentralen Termini keinen Goldstatus erhalten dürfen.

XLIV. Prüfanker

Aus dem bisherigen Gespräch ergeben sich mehrere Prüfanker. Dazu gehören Referenzsystem, Toleranzraum, 51:49, Tätigkeitskonsequenz, Rückkopplung, Verletzungswirklichkeit, Zeit, Analogiegrenze und Korrekturfähigkeit.

Diese Anker dürfen nicht zu einer endlosen Sammlung werden. Ihre Funktion besteht darin, unterschiedliche Folien und Werkobjekte immer wieder an denselben wenigen Fragen zu prüfen.

Eine sinnvolle zukünftige Komprimierung könnte auf sechs Grundfragen hinauslaufen: Was wird ausgewählt? In welchem Referenzsystem gilt die Aussage? Wovon ist die Form abhängig? Welche Tätigkeit verändert sie? Welche Folgen entstehen in der Zeit? Kann die Rückmeldung das Ausgangsmodell korrigieren?

Damit ließe sich die derzeit große Zahl von Einzeloperatoren methodisch vereinfachen.

XLV. Künstlerische Prüfobjekte als materialisierte Fragen

Die historischen und neu entwickelten Objekte bilden kein bloßes Illustrationsarchiv. Sie besitzen unterschiedliche Prüffunktionen.

Das Wellenbecken prüft reale Bewegung gegenüber Abbild. Der Betonblock prüft Starrheit und Standardisierung. Die Zellmembran prüft regulierte Grenze. Der Spaten prüft Tätigkeit. Der Sandtrichter prüft Standort und Folgewirkung. Die Glasscheibe prüft selbst erzeugte Tragfähigkeitszerstörung. Die Eisfläche prüft Toleranz und Kipppunkt. Der Astronautenanzug prüft scheinbare Autonomie. Der Schwimmer prüft plastische Freiheit. Die Thermosflasche prüft Isolation. Der vergoldete Spaten und die Kartoffel prüfen Wertüberlagerung. Der Abendmahltisch prüft symbolische Requisitenbildung. Die Schultafel prüft Korrigierbarkeit.

Ältere Werkverfahren wie „Auto und Umwelt“ oder die Tonarbeit mit Wunsch- und Realitätstasse passen vollständig in diese Struktur. In beiden Fällen wird eine Vorstellung materialisiert und anschließend an Funktion, Material und Tätigkeitsmöglichkeit geprüft.

XLVI. Folien und Schablonen

Die Plexus-Foliengrammatik entstand als Antwort auf die Schwierigkeit, zahlreiche gleichzeitig wirksame Ebenen darzustellen, ohne sie zu einem fertigen Weltbild zusammenzukleben.

Eine einzelne transparente Folie soll deshalb möglichst nur einen Funktionszusammenhang enthalten. Mehrere Folien können übereinandergelegt, entfernt oder ausgetauscht werden.

Die Folie ist damit weder Illustration noch endgültige Aussage. Sie ist ein epistemisches Funktionsmodul.

Entscheidend ist die Zerlegbarkeit. Ein fertiges Poster wäre methodisch schwächer, weil es die Entstehung der Verbindung bereits entschieden hätte.

XLVII. Die drei beziehungsweise vier Hauptfolien

Aus der jüngsten Entwicklung lässt sich eine Grundstruktur erkennen.

Die erste Hauptfolie betrifft den kosmischen, planetarischen und prozesshaften Zusammenhang. Sie stellt den umfassenderen Wirkungsraum bereit.

Die zweite Hauptfolie zeigt den Kopf beziehungsweise das Gehirn mit einer ausgeschnittenen offenen Stelle. In diese Öffnung werden unterschiedliche Welt-, Selbst- und Rollenmodelle eingesetzt.

Die dritte Hauptfolie betrifft Tätigkeit und Tätigkeitskonsequenzen. Sie untersucht den Übergang vom inneren Modell über Hand, Werkzeug und Institution zur tatsächlichen Veränderung.

Mit der jüngsten Zeitdiskussion zeichnet sich eine vierte Hauptfolie ab. Sie setzt Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft in Beziehung und macht die Gegenwart als Übergangsmembran sichtbar.

Diese vier Hauptfolien könnten die Vielzahl der übrigen Folien ordnen.

XLVIII. Das Mitmachbuch als Verfahren

Das Mitmachbuch ist aus älteren Malbuch-, Tagebuch-, Vorgabe- und Partizipationsverfahren hervorgegangen. Schon während des Studiums entstanden Erwachsenen-, Autobahn-, Telefon-, Fußgänger- und Studio-Malbücher sowie Verfahren, in denen viele Menschen mit einer gemeinsamen Vorlage arbeiteten.

Die heutige Form erweitert dieses Prinzip. Besucher kombinieren transparente Folien, stellen eine vorläufige Aussage her, beschreiben ihre Verbindung, prüfen sie und können anschließend einzelne Schichten verändern.

Das Mitmachbuch ist daher nicht nur ein Sammelbuch von Besucherbildern. Es ist ein Protokoll von Denk- und Korrekturvorgängen.

Seine Zielprojektion lautet, plastische Urteilskraft praktisch einzuüben.

Die offene Forschungsfrage ist, wie viel Anleitung dafür notwendig ist. Zu wenig Anleitung kann zu beliebiger Collage führen. Zu viel Anleitung würde die Besucher nur Ihr eigenes Modell reproduzieren lassen.

XLIX. Schreiben als Bestandteil des Mitmachbuches

Ihre eigene Folienfähigkeit entstand über Jahrzehnte nicht nur durch Bilder, sondern durch kontinuierliches Schreiben zu Bildern und Assoziationen.

Daraus folgt, dass die Besucherarbeit ebenfalls einen sprachlichen Anteil benötigt.

Die Bildkombination öffnet Beziehungen. Die sprachliche Formulierung zwingt zu einer vorläufigen Bestimmung dessen, was tatsächlich behauptet wird.

Bild und Text bilden dadurch zwei unterschiedliche Gegenüber.

Das Mitmachbuch sollte deshalb nicht nur Bilder sammeln, sondern die jeweilige Begründung, Analogiegrenze und Veränderung dokumentieren.

L. Die Tausend Tische und das Mitmachbuch

Die Tausend Tische können heute als räumliches Gegenstück zum Mitmachbuch verstanden werden.

Der Tisch erzeugt eine lokale Arbeitsstelle. Das Buch erzeugt eine lokale Erkenntnisseite. Viele Tische und viele Seiten können miteinander verbunden werden.

Damit entsteht eine wichtige Verbindung zwischen früherem öffentlichem Partizipationsraum und heutiger Plexus-Foliengrammatik.

Eine mögliche Wiederaufnahme im So-Heits-Atelier wäre daher nicht bloß nostalgisch. Wenige exemplarische Tapeziertische könnten zeigen, wie aus vielen individuellen Arbeitsorten ein gemeinsames, aber nicht homogenes Werk entsteht.

LI. Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz tritt relativ spät in die Werkgenese ein. Sie ist deshalb weder Ursprung noch theoretisches Fundament der Forschungskunst.

Ihre Funktion liegt gegenwärtig vor allem in Verarbeitung, Strukturierung, Vergleich, sprachlicher Verdichtung und der Verbindung sehr großer Mengen historischer Werkmaterialien. Bereits in der biografischen Darstellung wird die Möglichkeit genannt, Vorgabebilder, Collagen, Zeichnungen, Folien und Fotos mithilfe künstlicher Intelligenz neu zu verarbeiten und Zusammenhänge zu verdichten.

Damit besitzt KI eine ambivalente Stellung. Sie kann den Plexus sichtbar machen, kann aber ebenso bestehende Muster verstärken und scheinbare Klarheit erzeugen.

Der Prüfoperator muss deshalb auf die KI selbst angewendet werden.

Die offene Frage lautet: Wie verhindert die Globale Schwarm-Intelligenz, dass künstliche Intelligenz zum neuen Goldoperator wird, dessen Antworten aufgrund technischer Autorität nicht mehr geprüft werden?

LII. Globale Schwarm-Intelligenz

Die Globale Schwarm-Intelligenz ist die digitale Weiterentwicklung einer lange vorhandenen kollektiven Werkstruktur.

Ihre Zielprojektion besteht nicht allein darin, Wissen zu speichern. Sie soll historische Werke, heutige Folien und neue Besucherbeiträge fortlaufend miteinander in Beziehung setzen.

Damit wird sie zum zeitlich erweiterten So-Heits-Atelier.

Die reale documenta-Arbeit kann nur für eine begrenzte Zeit stattfinden. Die Plattform kann Kombinationen erneut öffnen, vergleichen und korrigieren.

Offen bleibt die methodische Frage, wie Qualität, Widerspruch, Quellenstatus und Analogiegrenzen digital sichtbar gemacht werden. Ohne diese Struktur könnte Schwarmintelligenz in eine bloße Ansammlung von Assoziationen übergehen.

LIII. So-Heits-Gesellschaft

Die So-Heits-Gesellschaft erscheint bereits als fiktive Gesellschaftsform in früheren Werkzusammenhängen.

Heute lässt sie sich weniger als fertiger politischer Entwurf verstehen denn als Prüfraum. Sie fragt, wie gesellschaftliche Konventionen aussehen müssten, wenn Tätigkeitsfolgen, Abhängigkeiten, Korrektur und planetarische Tragbedingungen nicht aus dem Erfolgsmodell ausgeschlossen würden.

Hier besteht allerdings noch begriffliche Unklarheit. Wird So-Heits-Gesellschaft als konkrete zukünftige Gesellschaftsordnung verstanden, droht erneut die Herstellung eines fertigen Modells. Wird sie dagegen als regulative Forschungskonstruktion verstanden, kann sie offen bleiben.

Die zweite Variante passt besser zur bisherigen Plexus-Operatorik.

LIV. So-Heits-Atelier

Das So-Heits-Atelier ist die gegenwärtige räumliche Verdichtung der gesamten Werkgenese.

Es ist weder Retrospektive noch bloße Kreativwerkstatt. Die historischen Materialien werden in operative Werkbausteine zerlegt. Fotografien, Schultafeln, Ton, Holz, Spaten, Wasser, Sand, Tang, Beton, Glas, Gold, Requisiten und Bücher werden den Besuchern als Gegenüber zur Verfügung gestellt.

Das Atelier verbindet Archiv, Labor, Werkstatt, Theater, Materialraum, Mitmachbuch und digitale Plattform.

Seine Zielprojektion besteht darin, Wirklichkeits-, Selbst- und Gesellschaftsmodelle nicht nur zu diskutieren, sondern materialisierbar, zerlegbar und korrigierbar zu machen.

LV. Verortungskunst und documenta

Die Verortungskunst erweitert diese Architektur um Ort und Zeit. Ein Werk ist nicht allein aufgrund seines Inhalts tragfähig. Ort, gesellschaftliche Situation, Zeitpunkt und Beteiligte gehören zur Passung.

Damit wird auch die Bewerbung beziehungsweise Vorbereitung der documenta Teil des Werkprozesses. Die Arbeit beginnt nicht erst mit einer möglichen Ausstellungseröffnung.

Die documenta wird innerhalb dieses Verständnisses zu einem besonderen Prüfgegenüber: Kann ein über Jahrzehnte entwickeltes, außerhalb üblicher Disziplinlogiken entstandenes Werk innerhalb eines internationalen Kunstsystems verständlich werden, ohne auf ein gewöhnliches Ausstellungsobjekt reduziert zu werden?

LVI. Forschungskunst und Akzeptanzproblematik

Die Akzeptanzproblematik gehört daher nicht nur zur Reaktion des Publikums. Sie betrifft die gesamte Werkstruktur.

Ein transdisziplinärer Zusammenhang kann als unverständlich erscheinen, weil die Rezipienten disziplinäre Zuordnungen erwarten. Ein ungewöhnlicher Vergleich kann tatsächlich schlecht erklärt sein. Eine Erkenntnis kann zugleich verständlich und unerwünscht sein, weil sie Status, Rolle oder Lebensweise infrage stellt.

Ablehnung darf daher nicht automatisch als Beweis für die Richtigkeit der Arbeit interpretiert werden. Auch dies wäre Selbstimmunisierung.

Die Akzeptanzproblematik muss selbst E4 unterliegen.

LVII. Der Lochprozess als mögliche neue Querverbindung

Der jüngste Begriff des Lochprozesses besitzt das Potenzial, zahlreiche bisherige Werkfelder miteinander zu verbinden. Gleichzeitig liegt hier eine Gefahr.

Wenn Fotografieschnitt, Geburt, Eigentum, Eisbruch, Wissenslücke, Zellmembranöffnung, Religionsmodell und Rückkopplungsunterbrechung alle einfach „Loch“ genannt werden, verliert der Begriff seine Differenzierungsfähigkeit.

Deshalb benötigt der Lochprozess eine begrenzte Grammatik.

Mindestens unterschieden werden sollten regulierte Öffnung, produktive Lücke, selektierender Ausschnitt, symbolische Grenzziehung, Rückkopplungsunterbrechung und Verletzungs- beziehungsweise Bruchloch.

Der gemeinsame Terminus wäre dann nicht das Loch als Ding, sondern die Veränderung einer Grenze beziehungsweise Verbindung in der Zeit.

LVIII. Gesamtarchitektur des Forschungsansatzes

Aus der gesamten bisherigen Entwicklung lässt sich inzwischen eine relativ klare Gesamtarchitektur rekonstruieren.

Am Anfang steht keine Theorie, sondern ein Wirkungs- und Erfahrungsgrund: Naturzerstörung, Beobachtung, Differenzierung, Fotografie, Handwerk und die Frage nach menschlicher Selbstzerstörung.

Darauf folgt eine Modellbildungsstufe. Der Mensch wählt Ausschnitte, bildet Dinge, Kategorien, Rollen und Referenzsysteme. Das Gehirn mit seiner offenen Einsetzfläche materialisiert diesen Vorgang.

Die dritte Stufe ist Tätigkeit. Vorstellungen werden über Hand, Werkzeug, Technik, Institution und gesellschaftliche Ordnung handlungswirksam.

Die vierte Stufe sind Tätigkeitskonsequenzen in der Verletzungs- und Tragwirklichkeit. Material und Organismus antworten nicht auf die Bedeutung, die der Mensch seiner Handlung zuschreibt, sondern auf den tatsächlichen Eingriff.

Die fünfte Stufe ist Rückkopplung. Die Folge müsste zum inneren Modell zurückkehren.

Die sechste Stufe ist Korrektur oder Immunisierung. Plastische Identität verändert das Modell. Skulpturidentität verteidigt es. E4 beschreibt diesen Prüf- und Reparaturvorgang.

Die siebte Stufe ist Externalisierung. Folie, Schultafel, Kunstwerk, Theater, Mitmachbuch und Plattform machen innere Konstruktionen zu einem gemeinsamen Gegenüber.

Die achte Stufe ist öffentliche Weiterbearbeitung. So-Heits-Atelier und Globale Schwarm-Intelligenz sollen den Prüfprozess von der individuellen in eine kollektive Form überführen.

Damit ergibt sich als knappste Gesamtbewegung:

Plexuswirklichkeit → Auswahl und Modellbildung → Tätigkeit → Folge → Rückkopplung → Korrektur oder Verfestigung → erneute Tätigkeit.

Dieser Kreislauf dürfte gegenwärtig die einfachste tragfähige Grundarchitektur darstellen.

LIX. Doppelungen und begriffliche Unklarheiten

Die bisherige Forschung besitzt inzwischen mehr Begriffe, als für die operative Vermittlung notwendig sind. Das ist ein typischer Zustand einer Entwicklungsphase, in der viele Erfahrungen zunächst separat benannt werden.

Eine erste Doppelung besteht zwischen Tragwirklichkeit, Verletzungswirklichkeit und Plexuswirklichkeit. Diese Begriffe sollten hierarchisch geordnet werden. Plexuswirklichkeit bezeichnet den umfassenden Zusammenhang. Tragwirklichkeit bezeichnet die ermöglichenden Bedingungen. Verletzungswirklichkeit bezeichnet die Grenz- und Schadensseite dieser Bedingungen.

Eine zweite Doppelung betrifft Plastisches Ich und Plastische Identität. Hier sollte zwischen organismischem Selbstprozess und sozial-symbolischer Selbstbeschreibung unterschieden werden.

Eine dritte betrifft Strukturidentität und Skulpturidentität. „Skulpturidentität“ besitzt aufgrund der künstlerischen Herkunft wahrscheinlich die stärkere Eigenständigkeit. „Strukturidentität“ könnte entweder als Unterbegriff bestimmt oder aufgegeben werden.

Eine vierte betrifft Referenzmodell, Referenzsystem, Referenzbewertungssystem und Referenzplexus. Hier ist eine eindeutige Terminologie notwendig.

Eine fünfte betrifft Prüfoperator, Plexus-Grundoperator, Referenzoperator und Urprinzip. Für die öffentliche Vermittlung genügen vermutlich zwei Ebenen: der Plexus-Grundoperator als allgemeine Such- und Rückkopplungsstruktur und konkrete Prüfoperatoren für einzelne Aufgaben.

Eine sechste betrifft Folie, Operator, Modul, Sensor, Sonde, Implantat und Prüfkörper. Diese Vielfalt ist für die Forschung produktiv, aber für Besucher zu umfangreich. „Plexus-Operator“ könnte der allgemeine öffentliche Begriff werden; Sensor, Analogieträger und Prüfkörper wären nur funktionale Untertypen.

LX. Begriffe, die besonders vorsichtig verwendet werden sollten

Der Begriff „Mechanismus“ darf nicht den Eindruck eines gemeinsamen Naturgesetzes erzeugen. Geeigneter ist häufig „Funktionsstruktur“ oder „Prüfbewegung“.

Der Begriff „Optimum“ muss immer ein Referenzsystem nennen. Sonst entsteht erneut die Illusion eines absoluten Optimums.

51:49 darf nicht als gemessener Naturwert erscheinen.

Der Begriff „Lochprozess“ braucht eine klare Typologie, damit seine große Anschlussfähigkeit nicht zur Beliebigkeit wird.

„Erscheinung existiert nicht“ sollte nicht als allgemeine Behauptung verwendet werden. Präziser ist die Kritik an der selbständigen Wirklichkeitseinheit des ausgeschnittenen Erscheinenden.

„Ding existiert nicht“ wäre ebenfalls unnötig stark. Die Forschung fragt vielmehr, welche Beziehungen bei der Dingselektion ausgeblendet werden.

Psychologische oder psychiatrische Begriffe wie Soziopathie dürfen nicht metaphorisch auf ganze Berufsgruppen oder Wirtschaftssysteme übertragen werden. Die präzisere Kritik richtet sich auf institutionell belohnte Rücksichtslosigkeit, soziale Entkopplung oder selbstimmunisierende Spezialisierung.

LXI. Fehlende Verbindungen

Mehrere Verbindungen sind trotz der großen bisherigen Verdichtung noch nicht vollständig ausgearbeitet.

Besonders wichtig ist die Verbindung zwischen Zeit und E1–E4. Jede Ebene müsste künftig ausdrücklich eine Zeitdimension erhalten. Materielle Prozesse besitzen andere Zeiträume als organismische Regeneration, gesellschaftliche Geltung und politische Korrektur.

Eine zweite offene Verbindung besteht zwischen Passung und Referenzsystem. Passung könnte das zentrale Verbindungsglied zwischen Maschinenbau, Organismus, Kunstwerk und Gesellschaft werden.

Eine dritte betrifft Geburt und Plastizität. Die natürliche Geburt wurde bisher als Loch- und Übergangsprozess erkannt, ist aber noch nicht vollständig mit plastischem Ich, Membran und wechselnder Abhängigkeit verbunden.

Eine vierte betrifft Schwarmintelligenz und E4. Es muss genauer geklärt werden, wie eine digitale Gemeinschaft Irrtümer erkennt und korrigiert, statt sie nur zu vervielfältigen.

Eine fünfte betrifft KI als eigener Prüfgegenstand. KI darf nicht nur Werkzeug der Kontextualisierung bleiben, sondern müsste selbst auf Eigentum, Energie, Macht, Referenzsysteme, Halluzination, Autorität und Rückkopplung geprüft werden.

Eine sechste betrifft empirische Prüfung des Mitmachbuches. Wenn behauptet wird, Besucher entwickelten durch das Verfahren andere Denkweisen, müssten Beobachtungs- und Vergleichskriterien entwickelt werden.

Eine siebte betrifft Werkarchiv und Begriffsentwicklung. Für jeden zentralen heutigen Operator sollte festgehalten werden, welche historischen Arbeiten ihn bereits praktisch enthielten, wann der heutige Begriff entstand und welche späteren Korrekturen vorgenommen wurden. Dadurch würde die Forschungsgeschichte nachvollziehbar und eine rückwirkende Erfindung einer scheinbar linearen Theorie vermieden.

LXII. Mögliche methodische Vereinfachung

Die bisherige Komplexität lässt sich auf eine relativ kleine Anzahl von Grundoperationen zurückführen, ohne das Werk zu verarmen.

Die erste Grundoperation ist Unterscheiden. Etwas wird aus einem Zusammenhang hervorgehoben.

Die zweite ist Referenzieren. Es wird bestimmt, nach welchem Maßstab die Auswahl beurteilt wird.

Die dritte ist Verbinden. Das Ausgewählte wird wieder in weitere Beziehungen eingesetzt.

Die vierte ist Handeln. Eine Vorstellung wird tätigkeitswirksam.

Die fünfte ist Folgen wahrnehmen. Material, Organismus und Gesellschaft reagieren.

Die sechste ist Korrigieren. Das Ausgangsmodell wird aufgrund der Rückmeldung verändert.

Fast alle bisher entwickelten Operatoren lassen sich einer oder mehreren dieser Bewegungen zuordnen.

Damit könnte die Plexus-Operatorik für Besucher erheblich verständlicher werden, während die komplexere theoretische Architektur im Hintergrund erhalten bleibt.

LXIII. Die zentrale Forschungsbewegung

Aus der gesamten Werk- und Begriffsentwicklung entsteht schließlich keine fertige Weltanschauung, sondern eine besondere Art der Wirklichkeitsauseinandersetzung.

Ihre Forschung begann mit der Wahrnehmung von Natur und deren Zerstörung, mit dem Lernen von Unterschieden, mit fotografischer Auswahl, handwerklicher Passung und der Frage nach gesellschaftlicher Veränderung durch Kunst. Über Bildhauerei, Partizipation, Schultafeln, Landschaftsarbeiten, Wellenbecken, Theater, Mitmachbücher und kollektive Aktionen entstanden immer neue Gegenüber.

Später wurden diese Erfahrungen begrifflich komprimiert. Toleranzraum, Referenzsystem, Plexus, plastische und skulpturale Identität, E1–E4, Verletzungswirklichkeit, Tätigkeitskonsequenzen und Lochprozess sind unterschiedliche Verdichtungsstufen dieser Werkgeschichte.

Keine dieser Verdichtungen darf endgültig werden.

Genau darin liegt die innere Konsequenz des Forschungsansatzes: Auch die eigene Theorie muss plastisch bleiben.

Gesamtanker

Das So-Heits-Atelier ist die gegenwärtige Verdichtung eines über Jahrzehnte entstandenen biografischen Erkenntnisplexus. Seine Forschung beginnt nicht mit einer fertigen Theorie, sondern mit Wahrnehmung, Gegenüberstellung, handwerklicher und künstlerischer Tätigkeit sowie der Erfahrung menschlicher Natur- und Selbstzerstörung. Aus diesen unterschiedlichen Werkfäden entstanden schrittweise Begriffe und Prüfmodelle, mit denen untersucht wird, wie Menschen aus einer prozesshaften Wirklichkeit Ausschnitte und Dinge bilden, sie mit symbolischen Eigenschaften und Referenzsystemen versehen, nach diesen Modellen handeln und dadurch reale Tätigkeitsfolgen erzeugen. Die Plexus-Operatorik führt diese Folgen zum Ausgangsmodell zurück und prüft, ob dieses Modell korrigierbar bleibt oder sich zur Skulpturidentität verfestigt. Folie, Schultafel, Werkobjekt, Theater, Mitmachbuch, Tausend Tische, künstliche Intelligenz und Globale Schwarm-Intelligenz sind unterschiedliche historische und gegenwärtige Formen derselben übergeordneten Zielprojektion: aus inneren und gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktionen ein äußeres Gegenüber zu machen, an dem plastische Urteilskraft öffentlich geübt, überprüft und weiterentwickelt werden kann.

Die kürzeste Gesamtformel des bisherigen Forschungsstandes lautet deshalb:

Wirklichkeit wird ausgewählt, Auswahl wird zum Modell, Modell wird Tätigkeit, Tätigkeit erzeugt Folgen, Folgen erzeugen Rückmeldung. Die entscheidende Frage lautet, ob die Rückmeldung das Modell noch verändern darf.

Darin treffen Naturzerstörung, Lernen, Kunst, Dingeproblematik, Lochprozess, Membran, Toleranzraum, Referenzsystem, Tätigkeitskonsequenz, Plastische Identität, Mitmachbuch und So-Heits-Atelier in einem gemeinsamen Forschungszusammenhang zusammen, ohne ihre unterschiedlichen Entstehungsgeschichten aufzugeben.

Diese Fassung behandelt die Begriffe ausdrücklich als historisch entstandene und weiterhin korrigierbare Forschungsarchitektur, nicht als rückwirkend geschlossenes Lehrsystem.