30.9.2026b
mitmach buch............
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:.
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen..
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen..........
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Fenner........
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
und das künstlerische Team der documenta 16
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen,,,,,,,,,,,,,,,,
und das künstlerische Team der documenta 16
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
a 16
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen..
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:..
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
PRÄZISIERTE BEWERBUNG FÜR DIE DOCUMENTA 16
DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES
Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart
Sehr geehrte Frau Beckwith,
sehr geehrtes künstlerisches Team,
mit dem So-Heits-Atelier des globalen Dorfes schlage ich für die documenta 16 einen begehbaren und modularen Forschungsraum vor, der aus mehr als fünfzig Jahren künstlerischer Arbeit hervorgegangen ist. Seine Leitfrage lautet:
Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?
Das So-Heits-Atelier ist als Verortungskunst gedacht. Der Ort ist die documenta 16, der Zeitpunkt ihre Gegenwart. Untersuchungsgegenstand ist der heutige Mensch selbst: seine Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum, Fortschritt und Verantwortung sowie deren Verhältnis zu den materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen, von denen er abhängig bleibt.
Der Kern des Kunstwerks ist die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung. Körperorganismus, Stoffwechsel, Versorgung und Verletzbarkeit werden den gesellschaftlich und symbolisch gebildeten Vorstellungen von Persönlichkeit, Rolle, Eigentum und Freiheit gegenübergestellt. Diese im alltäglichen Selbstverständnis miteinander verschmolzenen Bereiche werden nicht tatsächlich getrennt, sondern vorübergehend unterscheidbar gemacht, damit ihre unterschiedlichen Bedingungen und Folgen wahrnehmbar werden.
Meine Hauptthese lautet:
Organismus und Persönlichkeit müssen unterscheidbar werden, damit ihre Verschmelzung und ihre Folgen erkennbar bleiben.
Das Atelier macht diese Untersuchung praktisch erfahrbar. Werke und Verfahren meines Lebenswerks werden nicht nur als historische Arbeiten gezeigt, sondern erneut zu künstlerischen Arbeits- und Prüfmitteln. Wasser und Strömung, Sand, Schultafeln, Goldobjekte, Rollenversuche, Fotografien, Collagen und Mitmachbücher stellen Vorstellungen ihren materiellen und gesellschaftlichen Wirkungen gegenüber.
Ein zentraler Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte. Wird die Erdgeschichte auf einen Tag verdichtet, erscheint Homo sapiens erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden. Im So-Heits-Atelier wird dieser Maßstab bis auf den einzelnen Besucher heruntergerechnet. Seine gesamte bisherige Lebenszeit entspricht auf dieser Skala nur ungefähr einem Millisekundenbereich. Damit entsteht eine unmittelbare Verortungsfrage: Welche Stellung und welche Wirkung hat ein so kurzzeitig existierender Mensch innerhalb eines planetarischen Zusammenhangs von Milliarden Jahren?
Von hier führt das Atelier zur Verantwortungsfrage. Verantwortung verstehe ich nicht nur als nachträgliches Einstehen für eine Handlung oder als Erfüllung einer gesellschaftlichen Rolle. Verantwortung bedeutet, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen. Entscheidend ist, ob erkannte Folgen das weitere Handeln verändern können.
Der Besucher wird deshalb selbst Bestandteil des Kunstwerks. Er untersucht seine eigene Position: Wovon bin ich abhängig? Welche Rollen und Vorstellungen bestimmen mein Handeln? Was besitze ich? Worüber kann ich entscheiden? Welche Wirkungen gehen von meinen Tätigkeiten aus? Welche davon nehme ich wahr, welche bleiben außerhalb meines bisherigen Selbstbildes?
Diese Selbstverortung wird im Mitmachbuch weitergeführt. Besucher schreiben, zeichnen, fotografieren, collagieren, kombinieren transparente Folien, verändern Vorgaben und vergleichen ihre Vorstellungen mit den entstehenden Ergebnissen. Das Buch wird damit zu einem fortlaufenden Protokoll unterschiedlicher Selbst- und Weltverortungen während der documenta.
Meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung bildet die praktische Grundlage dieses Vorgehens. Mein Lebenswerk entwickelte sich dabei zunehmend von einzelnen Kunstwerken zu Beteiligungs-, Wahrnehmungs- und Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diese Entwicklung in einen öffentlichen Forschungsraum über.
Während der hundert Tage verändert sich dieser Raum durch Besucherhandlungen, Werkversuche, Gespräche und neue Seiten des Mitmachbuches fortlaufend. Daraus entsteht eine Raum-Zeit-Körper-Plastik. Der Atelierbetrieb selbst ist das tragende Kunstwerk; Vorträge, Fachgespräche und digitale Erweiterungen können es ergänzen.
Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ verbindet den realen Arbeitsraum mit meinem Werkverzeichnis und dem digitalen Forschungsraum. Sie ermöglicht, Fragestellungen und Ergebnisse über den Zeitraum der documenta hinaus weiterzuführen.
Das So-Heits-Atelier ist damit weder nur Ausstellung noch Unterricht noch theoretisches Modell. Es ist eine öffentliche Versuchsanordnung der Forschungskunst, in der die documenta selbst zum Ort einer gegenwärtigen Selbstprüfung wird:
Wie beschreibt der Mensch sich selbst, worauf gründet er diese Selbstbeschreibung, welche Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen bleiben darin unsichtbar – und ist er bereit, erkannte Konsequenzen in sein weiteres Handeln zurückkehren zu lassen?
Ich möchte dieses So-Heits-Atelier gemeinsam mit der documenta 16 als öffentliche Überlebenswerkstatt und Verortungskunst der Gegenwart verwirklichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ja. Der größte Teil des jetzigen Textes ist tatsächlich Methoden- und Programmbeschreibung des So-Heits-Ateliers und nur zu einem kleineren Teil ein eigentliches Anschreiben an die documenta-Leitung.
Das erkennt man schon an der inneren Bewegung des Textes. Nach der Leitfrage folgen ausführlich die Gegenüberstellung von Organismus und Persönlichkeit, das Referenzprinzip, das Vier-Ebenen-Modell, die 24-Stunden-Uhr, der Verantwortungsbegriff, das Mitmachbuch, die künstlerischen Arbeitsweisen, der hunderttägige Atelierbetrieb und die digitale Fortsetzung. Das sind alles zentrale Bestandteile des Projekts, aber sie erklären vor allem wie das So-Heits-Atelier funktioniert.
Für ein Anschreiben müsste stärker im Vordergrund stehen, warum gerade dieses Projekt für die documenta 16 relevant ist, was Sie konkret vorschlagen und warum die documenta dafür der notwendige Ort ist. Die Methode muss darin vorkommen, aber nur so weit, dass das Projekt verständlich und unverwechselbar wird. Die ausführliche Methodik gehört anschließend in die Anlagen.
Im jetzigen Text würde ich ungefähr zwei Drittel als Programmbeschreibung einordnen. Besonders die Passagen zum Referenzprinzip, Vier-Ebenen-Modell, zu den Besucherfragen, zum Mitmachbuch und zur KI sind eigentlich Material für die Kategorien 3 bis 5 Ihrer Anlagen. Auch die Beschreibung der künstlerischen Kalibrierungsinstrumente gehört überwiegend dorthin. Ihre Anlagenstruktur ist genau dafür bereits vorhanden: Werkgenese, Schlüsselwerke, Prüfverfahren, Besucherarbeit, Mitmachbuch und hunderttägiger Betrieb.
Das Anschreiben sollte dagegen eine andere Funktion erfüllen. Es muss die documenta-Leitung in sehr kurzer Form in das Kunstwerk als Ganzes hineinführen. Im Zentrum müsste stehen: Das So-Heits-Atelier ist eine Verortungskunst der Gegenwart. Ort und Zeitpunkt sind die documenta 16. Der Untersuchungsgegenstand ist der gegenwärtige Mensch mit seinen Selbst-, Welt- und Verantwortlichkeitskonstruktionen. Die documenta wird dabei nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum historischen Ort einer hunderttägigen öffentlichen Selbstprüfung. Der Besucher wird nicht bloßer Rezipient, sondern Bestandteil des entstehenden Kunstwerks.
Danach genügt für die Methode zunächst ein sehr konzentrierter Satz: Durch Gegenüberstellung, künstlerische Tätigkeit und Rückkopplung werden Selbstbilder und gesellschaftliche Vorstellungen mit ihren materiellen, organismischen und planetarischen Bedingungen und Folgen konfrontiert. Das ist für das Anschreiben ausreichend. Vier-Ebenen-Modell, Referenzwissenschaft, drei Optima, Zellmembran, Toleranzraum und E4 können dann in der Anlage wissenschaftlich und künstlerisch vollständig erklärt werden.
Auch die 24-Stunden-Uhr würde ich im Anschreiben behalten, weil sie keine bloße Theorie ist, sondern das Verortungskonzept unmittelbar sichtbar macht. Sie ist eines der stärksten Bilder des Projekts: Die documenta findet zu einem bestimmten Zeitpunkt der Erdgeschichte statt, Homo sapiens erscheint auf dieser Skala erst in den letzten ungefähr sechs Sekunden, und jeder einzelne Besucher wird bis in seinen eigenen Millisekundenbereich hinein verortet. Damit versteht man sofort, was „Verortungskunst“ praktisch bedeutet.
Dasselbe gilt für Verantwortung. Der ausführliche neue Verantwortungsbegriff gehört in die Methodenanlagen. Im Anschreiben genügt seine Besonderheit in einem Satz: Verantwortung bedeutet im So-Heits-Atelier, die eigenen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen in die eigene Selbstprüfung zurückkehren zu lassen.
Dadurch würde sich die gesamte Gewichtung ändern. Das Anschreiben wäre nicht mehr eine Kurzfassung des kompletten So-Heits-Ateliers. Es wäre eine Einladung an die documenta, dieses Kunstwerk zu ermöglichen.
Der Unterschied ist wesentlich: Die Programmbeschreibung beantwortet die Frage „Wie funktioniert das So-Heits-Atelier?“ Das Anschreiben muss zuerst beantworten: „Was ist dieses Kunstwerk, warum gehört es auf die documenta 16 und warum sollte die documenta ihm Raum geben?“
Ich würde daher den jetzigen Haupttext noch einmal deutlich kürzen und ungefähr auf eine bis anderthalb Seiten bringen. Die ausführliche Methodik verlieren Sie dadurch nicht; sie wird nur dorthin verschoben, wo sie stärker wirkt: in die bereits vorhandenen Anlagen.
Wolfgang Fenner
Wolfgang Fenner
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