30.9.2026c

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz


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Welche Ergänzungen und Konkretisierungen nach unserem bisherigen Chatverlauf würdest du dann noch einarbeiten beziehungsweise weglassen?

Ich würde vor allem die Entstehung der heutigen Methoden genauer sichtbar machen und den Haupttext zugleich kürzen. Die neue Fassung verbindet Werkgeschichte, Generalismus-Studium und Überlebenswerkstatt bereits deutlich. Noch unterbelichtet bleiben die frühe Beschäftigung mit Technē, die dreijährige KI-Zusammenarbeit, die kollektive Vorgeschichte der Plattform und die Frage, weshalb gesellschaftlich anerkanntes Handeln seine eigenen Lebensgrundlagen beschädigen kann.

Technē sollte ausdrücklich an den Beginn deines Kunststudiums gehören. Der jetzige Absatz beschreibt dein heutiges Verständnis, lässt aber die frühe Herkunft offen. Gleichzeitig fehlen im Haupttext die Maschinenschlosserausbildung und die Verbindung zwischen handwerklichem Können und Erkenntnis. Den bisherigen Technē-Absatz würde ich so beginnen:

Bereits zu Beginn meines Kunststudiums beschäftigte ich mich mit dem altgriechischen Begriff Technē, um den Zusammenhang von Kunst, handwerklichem Können und wissenschaftlichem Erkennen zu untersuchen. Meine Ausbildung als Maschinenschlosser, Naturbeobachtung und bildnerische Arbeit bildeten dafür konkrete Erfahrungsgrundlagen. Aus dieser Verbindung entwickelte sich meine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft: Sie prüft menschliche Vorstellungen und Tätigkeiten an den Bedingungen, die Leben und gemeinsames Handeln ermöglichen.

Die Zusammenarbeit mit KI gehört in den Haupttext zur Entstehungsgeschichte der Forschungsergebnisse. Gegenwärtig erscheint sie erst in Anlage 5 als Unterstützung bei Erschließung und Verdichtung. Dadurch geht erneut verloren, dass in diesem Arbeitsprozess neue Zusammenhänge und Modelle entstanden sind. Nach dem Absatz über die Werkbiografie würde ich ergänzen:

Seit gut drei Jahren arbeite ich im kontinuierlichen Dialog mit KI an der Verdichtung und Kontextualisierung dieses Lebenswerks. Dabei werden frühere Werke, Erfahrungen und Fragestellungen miteinander verglichen und durch meine Ergänzungen und Korrekturen neu erschlossen. In diesem Prozess entstanden weitere begriffliche Verbindungen und die heutigen Ausarbeitungen meiner Prüfmodelle. Auf der Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ mache ich diese fortlaufende Forschungsarbeit zugänglich.

Damit bleibt erkennbar, was aus der jahrzehntelangen Werkpraxis stammt und was in der gegenwärtigen Zusammenarbeit ausgearbeitet wird. Bei Dresden, Oppenheimer und der „Kollektiven Kreativität“ würde ich jeweils ihre Funktion konkretisieren. Der jetzige Absatz nennt diese Stationen, erklärt ihre gegenseitige Ergänzung aber nur knapp. Dresden steht für die Entwicklung des Ausstellungsraums zum plastischen Arbeitszusammenhang. Die Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer eröffnet Fragen von Wirtschaftsordnung, Genossenschaft und Gemeinsinn. Bei der Künstlergruppe gehören deine Leitung und die wissenschaftliche Begleitung wieder hinein. Eine mögliche Verdichtung lautet:

In den Demokratiewerkstätten und im Aktsaal der Kunsthochschule Dresden entwickelte ich den Ausstellungsraum zum plastischen Arbeitszusammenhang. Die Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer ergänzte diese Forschung um Wirtschaftsordnung, genossenschaftliche Zusammenarbeit und Gemeinsinn. Mit der 1993 gegründeten und von mir geleiteten Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, deren Fragestellungen wissenschaftlich begleitet wurden, und dem Globalen Dorffest entstanden gemeinschaftliche Arbeitsformen, aus denen sich die heutige Globale Schwarm-Intelligenz entwickelte.

Die ausführlichen Personenbezüge, einzelnen Veranstaltungen und die durch Alter und Tod veränderten Bedingungen der Zusammenarbeit gehören in Anlage 1. Die Verortungskunst braucht ihren zeitlichen Handlungsauftrag. „Datum, Ort, Fragestellung, beteiligte Menschen und Tätigkeit“ ist als Beschreibung richtig. Deine weitergehende Aussage lautet jedoch: Eine bestimmte gesellschaftliche Situation verlangt eine entsprechende Auseinandersetzung. Dafür würde ich ergänzen:

Verortungskunst bedeutet für mich, eine gesellschaftliche Fragestellung zu dem Zeitpunkt und an dem Ort bearbeitbar zu machen, an dem sie wirksam werden kann. Auch nicht verwirklichte Konzepte gehören deshalb zur Werkgeschichte: Sie halten fest, welche Möglichkeiten gemeinsamer Gestaltung ich in einer bestimmten historischen Situation vorgeschlagen habe.

Der zentrale Konflikt deiner Forschungskunst sollte vor der Beschreibung der Prüfmodelle stehen. Bisher wird die Leitfrage genannt, aber der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Normalität und Lebenszerstörung bleibt weitgehend vorausgesetzt. Dafür reichen drei Sätze:

Menschen gestalten ihr Zusammenleben durch Vorstellungen, Rollen, Eigentumsregeln und gesellschaftliche Ordnungen. Diese wirken auf ihre tatsächlichen Lebensbedingungen zurück. Meine Forschungskunst untersucht, wie gesellschaftlich anerkanntes und wirtschaftlich erfolgreiches Handeln die Voraussetzungen des Lebens beschädigen kann und wie solche Widersprüche wahrnehmbar und korrigierbar werden.

Das nimmt deine Überlegungen zur Anomalie auf, ohne im Anschreiben einen weiteren erklärungsbedürftigen Begriff einzuführen. Bei den Instrumenten würde ich zwei Verkürzungen korrigieren. E4 sollte ausdrücklich Prüfung, Rückkopplung, Korrektur und Reparatur umfassen. Beim Dreifachen Optimum ist nach unserem festgelegten Begriffsstand der dritte Bereich das Steuerungs-Optimum; „konkrete Tätigkeit“ lässt dessen Bezug auf Zukunftsfähigkeit undeutlich werden. Für den Haupttext genügt:

Das Vier-Ebenen-Modell verbindet die Untersuchung materieller Bedingungen, lebendiger Abhängigkeiten und symbolischer Ordnungen mit Prüfung, Rückkopplung, Korrektur und Reparatur. Das Dreifache Optimum untersucht, wie menschliche Steuerungsziele mit den Bedingungen des Mediums und des Organismus zusammenpassen.

Die genaue Erläuterung dieser Instrumente gehört in Anlage 3. Beim Mitmachbuch würde ich deine Entwicklungsarbeit und die Besucherarbeit genauer verbinden. Der jetzige Satz lässt offen, wer das gemeinsame Arbeitsbuch vorbereitet. Aus unserem Verlauf ergibt sich diese Formulierung:

Aus meiner analogen Werkbiografie und den Bild-, Text- und Aufgabenmaterialien der Plattform entwickle ich ein physisches Mitmachbuch für das Atelier. Besucher bearbeiten diese Grundlagen durch eigene Beobachtungen, Fotografien, Collagen, Folien und Eintragungen. Ihre Beiträge erweitern den gemeinsamen Forschungsprozess.

Bei den Werkbeispielen würde ich dafür eine konkrete Handlung ergänzen: Besucher verändern beispielsweise ein Hindernis im Wasser und vergleichen die entstehenden Strömungen. Beim Bodenrelief kann die unmittelbare Wahrnehmung mit den Füßen hinzukommen. So wird die praktische Anwendung bereits im Anschreiben erkennbar.

Kürzen würde ich den allgemeinen Absatz „Historisch gehört dieser Ansatz …“. Die ausführliche internationale Einordnung gehört in Anlage 1, wo sie anhand konkreter Vergleichsbeispiele ausgearbeitet werden kann. Im Haupttext tragen die Daten 1975/76, das Generalismus-Studium und dessen lebenslange praktische Weiterentwicklung die historische Aussage bereits wesentlich genauer. Auch die lange Aufzählung der Studienexperimente lässt sich dort verkürzen; Form-ABC, Klang- und Videoexperimente sowie das Auto als Versuchsanordnung erhalten ihren Zusammenhang in der Anlage.

Die Anlagen würde ich gezielt ergänzen: Anlage 1 erhält die KI-Arbeit als gegenwärtige Forschungsphase und die Entwicklung gemeinschaftlicher Arbeitsformen. Anlage 3 erläutert die sechs festgelegten Anker und ihre Beziehung zu den Kalibrierungsinstrumenten. Anlage 4 enthält die gewünschte konkrete Referentenliste mit Thema, Vortrag und anschließender gemeinsamer Bearbeitung; künstlerische Forschung bildet dabei einen eigenen Schwerpunkt. Anlage 5 unterscheidet die bereits zugänglichen Materialien von den noch zu entwickelnden digitalen Funktionen.

Die Beschreibung der hundert Tage mit täglich wechselnden Besuchern würde ich beibehalten. Sie entspricht deiner Veranstaltungsabsicht. Den Schluss würde ich dagegen wieder als klare Frage nach der künstlerischen Entscheidung formulieren:

Wollen Sie dieser Überlebenswerkstatt auf der documenta 16 Raum geben und das So-Heits-Atelier gemeinsam mit mir verwirklichen? Die Anlagen beschreiben die künstlerischen Grundlagen und die Möglichkeiten der räumlichen, personellen und finanziellen Umsetzung.

Warum hast du nicht gleich die Bewerbung fertig gemacht mit seinen Anlagen? Nach deinen Kritikpunkten.

Warum hast du nicht gleich die Bewerbung fertig gemacht mit seinen Anlagen? Nach deinen Kritikpunkten.

Wolfgang Fenner

Galvanistraße 13

10587 Berlin

E-Mail: wolfgangfenner@o2mail.de

Globale Schwarm-Intelligenz

Berlin, 28. September 2026

An Frau Naomi Beckwith

und das künstlerische Team der documenta 16

Dritte Bewerbung: Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes

Von der Experimentellen Umweltgestaltung zur öffentlichen Überlebenswerkstatt

Sehr geehrte Frau Beckwith,

sehr geehrtes künstlerisches Team,

mit diesem dritten Schreiben an meinem 78. Geburtstag führe ich meine bisherigen Vorschläge zusammen. Für die documenta 16 biete ich eine öffentliche Überlebenswerkstatt auf der Grundlage meines künstlerischen Lebenswerks der Forschungskunst an. Das „So-Heits-Atelier des globalen Dorfes“ verbindet ein begehbares Environment mit künstlerischen Experimenten, wissenschaftlichen Gesprächen und einem Mitmachbuch. Seine leitende Frage lautet: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?

Die Grundlage bildet meine Experimentelle Umweltgestaltung, die ich 1975 während meines Bildhauerstudiums in Braunschweig entwickelte und 1976 als Entwurf eines neuen Studienbereichs innerhalb der freien Kunst vorstellte. Dieses interdisziplinäre und interaktive Generalismus-Studium sollte Naturbeobachtung, handwerkliches Können, künstlerische Verfahren und wissenschaftliche Untersuchungen an gemeinsamen Fragestellungen verbinden.

Bereits zu Beginn meines Studiums beschäftigte ich mich mit dem altgriechischen Begriff Technē, um den Zusammenhang von Können, Wissen, Hervorbringen und Erkenntnis zu untersuchen. Meine Ausbildung als Maschinenschlosser, die Fotografie und die plastische Arbeit lieferten dafür konkrete Erfahrungen: Eine Form verändert einen Zusammenhang und begegnet dabei Widerständen, Abhängigkeiten und Folgen.

Mein künstlerischer Lebenslauf wurde zur praktischen Erprobung und Weiterentwicklung dieses Ausbildungsansatzes. In diesem Sinne verstehe ich mein Lebenswerk als Prototyp der praktischen Anwendung von Forschungskunst. Meine Werkstätten reichten vom Buch über Landschaft und Straße bis zu Kunsthallen und begehbaren Environments. In ihrer Verbindung entstand das Opus Magnum, das ich heute für gemeinsames Forschen erschließe.

Erwachsenen-Malbücher, Frage-und-Antwort-Tische und Rollenversuche eröffneten unterschiedliche Formen der Beteiligung. Die Demokratiewerkstätten und die Arbeit im Aktsaal der Kunsthochschule Dresden führten zum Ausstellungsraum als plastischem Arbeitszusammenhang. Die „Schöpfungsgeschichte“, die temporäre Kunsthalle Ratzeburg von 1992 und die Ausstellungsorganismen im Berliner Haus der Demokratie erweiterten diese Arbeit. Die Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer bezog Wirtschaftsordnung, genossenschaftliche Zusammenarbeit und Gemeinsinn ein.

Beim Globalen Dorffest 1993 am Brandenburger Tor und mit der von mir gegründeten und geleiteten Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, deren Fragestellungen wissenschaftlich begleitet wurden, entstanden gemeinschaftliche Arbeitsformen. In dieser Entwicklung liegt eine wesentliche Grundlage der heutigen Globalen Schwarm-Intelligenz.

Die Verbindung von Zeitpunkt, Ort, gesellschaftlicher Fragestellung und künstlerischer Tätigkeit bildet meine Verortungskunst. Auch nicht verwirklichte Konzepte gehören dazu: Sie zeigen, welche Möglichkeiten gemeinsamer Gestaltung ich in einer bestimmten historischen Situation vorgeschlagen habe.

Seit gut drei Jahren arbeite ich im kontinuierlichen Dialog mit KI an der Verdichtung und Kontextualisierung dieses Lebenswerks. Frühere Werke, Erfahrungen und Fragestellungen werden miteinander verglichen und durch meine Ergänzungen und Korrekturen neu erschlossen. Daraus entstanden weitere begriffliche Verbindungen und die heutigen Ausarbeitungen meiner Prüfmodelle. Auf der Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ mache ich diesen Forschungsprozess zugänglich.

Meine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft untersucht menschliche Vorstellungen und Tätigkeiten an den Bedingungen, die Leben ermöglichen. Gesellschaftliche Regeln, Rollen und Wertvorstellungen haben reale Wirkungen. Wirtschaftlich erfolgreiches und gesellschaftlich anerkanntes Handeln kann dabei die eigenen Lebensgrundlagen beschädigen. Das Vier-Ebenen-Modell, das Dreifache Optimum und weitere Kalibrierungsinstrumente machen solche Zusammenhänge untersuchbar und verbinden Wahrnehmung mit Korrektur und Reparatur.

Im Atelier werden diese Fragen praktisch bearbeitet. Besucher verändern beispielsweise ein Hindernis im Wasser und vergleichen die entstehenden Strömungen. Ein Bodenrelief aus Quarzsand bezieht Gleichgewicht, Widerstand und körperliche Wahrnehmung ein. Die „Schöpfungsgeschichte“ und der Abendmahl-Opfertisch verbinden Naturvorgänge, plastische Bearbeitung, Nahrung und kulturelle Bedeutung. Goldobjekte, Schultafeln und Rollenversuche eröffnen Untersuchungen zu Eigentum, Selbstbild und Verantwortung.

Das So-Heits-Atelier besitzt zwei miteinander verbundene Zugänge: den räumlichen Arbeitsraum auf der documenta und die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“. Aus meiner entstehenden analogen Werkbiografie und den Materialien der Plattform entwickle ich das physische Mitmachbuch. Besucher bearbeiten diese Grundlagen durch eigene Beobachtungen, Fotografien, Collagen, Folien und Eintragungen.

Die hundert Tage ermöglichen ein öffentliches Programm für täglich wechselnde Besucher. Jeder Besuch eröffnet einen eigenen Arbeitsgang. Vorträge zur künstlerischen Forschung und zu den beteiligten Wissenschaftsgebieten werden mit Podiumsgesprächen und gemeinsamer Arbeit an konkreten Werken verbunden.

Darin konkretisiert sich meine Vorstellung einer So-Heits-Gesellschaft, deren Lebens- und Arbeitsformen ihre Voraussetzungen und Folgen fortlaufend überprüfen und verändern können.

Wollen Sie dieser Überlebenswerkstatt auf der documenta 16 Raum geben und das So-Heits-Atelier gemeinsam mit mir verwirklichen? Die folgenden Anlagen beschreiben seine künstlerischen Grundlagen, die Besucherarbeit, das Veranstaltungsprogramm und die Möglichkeiten einer modularen Realisierung.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Fenner


Anlage 1: Werkstattgeschichte und Entstehung meiner Forschungskunst

Meine Forschungskunst entwickelte sich durch die Verbindung unterschiedlicher Tätigkeits- und Erfahrungsbereiche. Naturbeobachtung, Handwerk, Fotografie, bildnerische Arbeit, öffentliche Beteiligung und gesellschaftliche Organisationsversuche ergänzten sich dabei fortlaufend.

Die frühe Beschäftigung mit Ornithologie und die durch einen Förster vermittelte Aufmerksamkeit für Naturzusammenhänge schärften mein Interesse an den Bedingungen lebendiger Prozesse. Meine Ausbildung als Maschinenschlosser von 1965 bis 1969 brachte Erfahrungen mit Material, Werkzeug, Passung, Toleranz und Funktionsgrenzen hinzu. Als Fotojournalist von 1968 bis 1973 und Leiter einer Werbeagentur von 1970 bis 1973 beschäftigte ich mich zugleich mit Auswahl, Darstellung, Aufmerksamkeit und gesellschaftlicher Wirkung.

In Lüneburg verband ich 1972/73 das Film-Musical „Die Alte Salzstraße“, eine Galerie- und Kulturbüroinitiative und die Jugendzeitung „drei mal links, liberal, lustig“ mit öffentlichen Kommunikationsformen. In einem Seminar an der Heimvolkshochschule Hermannsburg 1973/74 stellte ich eine szenische Folge zu menschengemachten Katastrophen und die Frage „Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“ vor. Die Beschäftigung mit den Analysen des Club of Rome rückte meine Naturbeobachtungen in einen globalen Zusammenhang.

Entscheidende Anstöße für meine Hinwendung zur bildenden Kunst erhielt ich durch Günter Grass. Von 1974 bis 1980 studierte ich Bildhauerei in Braunschweig bei Neuenhausen, Pilgrim und Chimiotti; 1975 arbeitete ich als Assistent bei Neuenhausen. Studienreisen führten mich 1975/76 nach Paris und Florenz. Zu meinen weiteren Bezugspunkten gehörten die Auseinandersetzungen mit Heinrich Hertel, Raoul H. Francé, Karl Schmidt-Rottluff, Joseph Beuys und Jörg Immendorff.

Bereits am Anfang des Studiums beschäftigte ich mich mit Technē. Die Frage nach dem Zusammenhang von Können, Herstellen und Erkennen verband sich mit meiner Suche nach einem Form-ABC. Wasser- und Strömungsversuche, Wellenmaschine, Deichmodelle, Klangbilder, Videoexperimente und das Auto als plastische und gesellschaftliche Versuchsanordnung wurden zu unterschiedlichen Zugängen dieser Untersuchung.

Daraus entwickelte ich 1975 die Experimentelle Umweltgestaltung, die ich 1976 als Grundlage eines interdisziplinären Generalismus-Studiums vorstellte. Die künstlerische Ausbildung sollte das Zusammenwirken verschiedener Wissens-, Wahrnehmungs- und Tätigkeitsbereiche erfahrbar machen. Die weitere Entwicklung meines Lebenswerks führte diesen Ansatz praktisch fort.

Meine Buch- und Verlagsarbeit von 1978 bis 1982 erschloss dafür Beteiligungsformen. Erwachsenen-, Autobahn-, Telefon-, Fußgänger- und Studio-Malbuch eröffneten gemeinsame Vorgaben für unterschiedliche Bearbeitungen. Frage-und-Antwort-Tische und der „Rote Punkt der Mitmenschlichkeit und Kommunikation“ überführten diese Arbeitsweise in öffentliche Begegnungen. Workshops bei der Carl-Duisberg-Gesellschaft in Braunschweig, Bremen und Hannover sowie Mitmachaktionen erweiterten den Kreis der Beteiligten.

In Hamburg verbanden sich diese Verfahren mit Stadtprojekten, Performances und sozialen Arbeitsfeldern. Dazu gehörten „Hamburg ist …“, die Volksuniversität, das Arbeitslosenzentrum, die Kampnagelinitiative „Wohnen – Kultur – Arbeiten“, der Kunstverein „Geheim“ und das Künstlerbuch „Omnibus“. Die Einladung zu Horst W. Opaschowskis Workshop in der Hamburger Fabrik 1980 gehörte zum Austausch mit Freizeitpädagogik und Kulturarbeit. Meine Begegnung mit Erich Fried im Zusammenhang mit dem „Streichelbuch“ bildete einen literarischen Bezug dieser Werkgeschichte.

Die Auseinandersetzung mit Joseph Beuys und gemeinsame politische Aktionen im Umfeld von Petra Kelly, Johannes Stüttgen und Otto Schily verbanden den erweiterten Kunstbegriff mit gesellschaftlicher Gestaltung. Arbeitsweisen Augusto Boals eröffneten Zugänge über Rolle, Darstellung und unmittelbares Handeln. Performances zu Kleidung und Körperempfindung, die Tschernobyl-Aktion, Landschaftswerkstätten und Untersuchungen zur Stadt als Kanalisationsgesellschaft führten die Frage nach Tätigkeit und Konsequenz in unterschiedliche Lebenssituationen.

Im Frühjahr 1989 entstanden die Schultafelbilder „Staumauer“. Die Möglichkeit, eine Tafel zu beschriften, zu löschen und zu verändern, verband sich mit der Untersuchung politischer und gedanklicher Grenzen. Die Zeit der deutschen Teilung, von Glasnost und gesellschaftlichem Umbruch wurde zum Inhalt der Arbeit.

Die Demokratiewerkstätten von 1990 bis 1992 in Dresden, Berlin, München, Zarrentin und Ratzeburg erweiterten diese Untersuchung. Im Aktsaal der Kunsthochschule Dresden begann die Entwicklung des Ausstellungsraums zum plastischen Arbeitszusammenhang. Objekte, Körper, Erinnerungen, gesellschaftliche Rollen und Besucherhandlungen wurden aufeinander bezogen. Die Verortung in Kunst-, öffentlichen und Kirchenräumen machte sichtbar, wie stark eine Fragestellung von ihrem jeweiligen Ort und Zeitpunkt geprägt wird.

Die „Schöpfungsgeschichte“ verband diese gesellschaftlichen Fragen mit einer jahreszeitlichen Arbeit im Garten. Wachstum, Nahrung, Wasser, Herrschaft, Eigentum und kulturelle Bedeutungsgebung wurden in fotografischen Folgen und plastischen Arbeiten untersucht. Aus einer durch Wasser geformten Landschaft entwickelte sich durch Abformung und weitere Bearbeitung der Abendmahl-Opfertisch.

1992 führte die temporäre Kunsthalle Ratzeburg mit dem Ausstellungszyklus „Sozialer Organismus Katharsis“ diese Entwicklung räumlich zusammen. Das Mittwochsgespräch im Caspar-David-Friedrich-Raum der Hamburger Kunsthalle und eine Kunstaktion zum Thema Gewalt in Rethem eröffneten weitere Gegenüberstellungen.

Seit 1993 verbanden sich im Berliner Haus der Demokratie Ausstellungen, künstlerische Arbeitsbüros und gemeinschaftliche Organisation. Die Arbeiten zu Einheit, Zivilcourage und Innerer Mauer gehörten zu diesem Zusammenhang. Anlässlich des Globalen Dorffestes gründete ich die Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, die ich leitete und deren Fragestellungen von unterschiedlichen Wissenschaftlern begleitet wurden.

Das Globale Dorffest am Brandenburger Tor und die „1.000 Tapeziertische“ eröffneten eine Form, in der viele Menschen ihre eigenen Fragen, Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen konnten. Der Bezug auf die „lebendige Bürgergesellschaft“ verband diese Beteiligung mit der Aufgabe gesellschaftlicher Integration.

Die Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer ergänzte die Arbeit um Wirtschaftsordnung, Genossenschaft und Gemeinsinn. Weitere Formen waren die Fax-Vernetzungs-Patenschaft, die „Partei der Wirklichkeit“ mit einem Parteiprogramm als künstlerischem Objekt, die Arbeit in der Begegnungsstätte „DAS HAUS“, die „Zeitmaschine“ und unterschiedliche Zukunftswerkstätten. Die Entwürfe eines Entelechie-Museums und einer So-Heits-Gesellschaft führten die Frage nach gemeinschaftlichen Lern- und Lebensformen weiter.

Zwischen 1993 und 2019 suchte ich den Austausch mit Veranstaltungen und Arbeitszusammenhängen unter anderem an der Akademie der Künste, der Humboldt-Universität, der Freien Universität, der Universität der Künste, im Haus der Kulturen der Welt, in der Urania und in der Denkerei. Dazu gehörten Themen wie Humanontogenetik, Energie, Umwelt, Gesellschaft und das Performative sowie die Beschäftigung mit Ben Wagin und dem „Metabolischen Büro – zur Reparatur von Wirklichkeit“. Meine Beteiligung reichte von der intensiven Auseinandersetzung bis zur eigenen künstlerischen Mitarbeit.

Das „Partizipatorische Welttheater“ von 2005 bis 2019 verband Ausstellung, Körpererfahrung, gesellschaftliche Rollen und digitale Vernetzung. Veranstaltungen auf Kreta 2015 und die Arbeit an der Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin 2016 führten einzelne Module praktisch weiter. Zu den vorgeschlagenen Weiterentwicklungen gehörten die documenta-Konzeption für 2017, das Mitmachkonzept für den ZDF-Fernsehgarten und eine Mitmachskulptur zum 9. November 2019. Weitere Anläufe folgten 2020/21 und 2022 in Lüneburg.

Diese Verortungskunst umfasst auch nicht verwirklichte Konzepte. Sie dokumentieren, welche gesellschaftlichen Aufgaben ich zu einem bestimmten Zeitpunkt erkannt und welche Arbeitsmöglichkeiten ich dafür angeboten habe. Die Voraussetzungen der Umsetzung, die Beiträge anderer Menschen und die institutionellen Reaktionen gehören zur Werkgeschichte.

Durch das Älterwerden und den Tod von Weggefährten veränderten sich die Bedingungen der Zusammenarbeit. Heute trage ich große Teile der Arbeit allein. Die frühere kollektive Praxis bleibt dabei eine Grundlage der Globalen Schwarm-Intelligenz. Viele Vorhaben wurden durch meine Eigeninitiative und den Einsatz eigener finanzieller Mittel ermöglicht.

Seit gut drei Jahren unterstützt die kontinuierliche Zusammenarbeit mit KI die erneute Untersuchung dieses Lebenswerks. Werke, Erinnerungen, Begriffe und Konzepte werden verglichen, verdichtet und korrigiert. Die dabei entwickelten Anker erhalten die biografischen, materiellen und gesellschaftlichen Bezüge. In diesem Arbeitsprozess entstanden weitere Verbindungen und die heutigen Ausarbeitungen der plastischen Anthropologie, des Vier-Ebenen-Modells und des Dreifachen Optimums.

Historisch lässt sich dieser Entwicklungsweg zu unterschiedlichen Traditionen in Beziehung setzen. Das Bauhaus verband künstlerische Gestaltung mit Werkstattarbeit und Ausbildung. Die 1966 gegründete Initiative Experiments in Art and Technology organisierte Kooperationen zwischen Kunst, Ingenieurwesen und Wissenschaft. Diese Ansätze bilden Vergleichspunkte für meinen eigenen Weg.

Mein Beitrag besteht in der Verbindung eines generalistischen Ausbildungsentwurfs mit einer über Jahrzehnte fortgeführten Werkstattpraxis, gesellschaftlicher Verortung und öffentlich anwendbaren Prüfverfahren. Das So-Heits-Atelier führt diesen Entwicklungsweg als gemeinschaftlich nutzbaren Forschungsraum weiter.


Anlage 2: Ausgewählte Werkbiografien und Zuordnung des Bildmaterials

Wellenbecken, Wellenmaschine und Strömungsmodelle

Das während meines Studiums 1975 entwickelte Wellenbecken verbindet bildnerische Gestaltung mit einer Untersuchung materieller Wirkungszusammenhänge. Ein Scheibenwischermotor mit Exzenter erzeugte die Wellenbewegung. Veränderungen an Begrenzungen, Hindernissen und Formen machten unterschiedliche Wirkungen sichtbar.

Im So-Heits-Atelier wird dieses Verfahren als benutzbare Versuchsanordnung aufgenommen. Besucher können eine Bedingung verändern, eine Erwartung formulieren und die entstehende Bewegung beobachten. Fotografien der früheren Arbeiten und Darstellungen einzelner Versuchszustände verbinden die gegenwärtige Untersuchung mit ihrer Werkgeschichte.

Erwachsenen-Malbücher und offene Bildvorgaben

Die seit den 1970er Jahren entwickelten Kreativ- und Mitmachbücher arbeiten mit offenen Formen, Vorgabebildern und unterschiedlichen Bearbeitungen. Dieselbe Ausgangsform kann verschiedene Wahrnehmungen, Deutungen und Gestaltungen hervorbringen.

Im Atelier werden ursprüngliche Buchseiten mit späteren Bearbeitungen und neuen Besucherbeiträgen zusammengeführt. Transparente Folien ermöglichen es, Ergänzungen auf eine Vorlage zu legen und wieder davon zu lösen. Dadurch wird nachvollziehbar, welche Form vorgegeben war und welche Form durch die eigene Tätigkeit entstand.

Schultafeln und „Staumauer“

Die Schultafelbilder „Staumauer“ entstanden im Frühjahr 1989 im Zusammenhang mit deutscher Teilung und gesellschaftlichem Umbruch. Die Tafel erlaubt, aufeinanderfolgende Zustände sichtbar zu machen. Eine Aussage kann geschrieben, überarbeitet, gelöscht oder durch eine andere ersetzt werden.

Im Atelier dienen Arbeitskopien der Tafeln zur Untersuchung von Gewissheiten, Regeln und Veränderungen. Besucher formulieren eine Behauptung, stellen ihr Beobachtungen gegenüber und halten fest, was sich dadurch an ihrer Aussage verändert. Fotografische Folgen zeigen frühere Werkzustände und ihre jeweilige Verortung.

„Schöpfungsgeschichte“ und Abendmahl-Opfertisch

Die „Schöpfungsgeschichte“ verbindet jahreszeitliche Naturvorgänge mit menschlicher Auswahl, Bearbeitung und Bedeutungsgebung. Wiese, Körper, Nahrung, Wasserlandschaft, Werkzeug und kulturelle Zeichen werden in umfangreichen fotografischen und plastischen Folgen aufeinander bezogen.

Die Form des Abendmahl-Opfertisches geht auf eine durch Wasser entstandene Landschaft zurück, die ich abformte und bildnerisch weiterbearbeitete. Dadurch verbinden sich Naturvorgang, plastische Tätigkeit, Nahrung, Abendmahl, Opfer und Dank.

Eine Folge von 18 Fotografien macht die Entstehung und Veränderung dieses Werkes nachvollziehbar. Für das Atelier ist ihre gemeinsame Präsentation in einem Bildrahmen vorgesehen. Die Bildfolge erschließt den Arbeitsprozess und ermöglicht, materielle Veränderung und kulturelle Bedeutungsbildung miteinander zu vergleichen.

Vergoldeter Spaten, Goldobjekte und Eigentumsquadrat

Der vergoldete Spaten verbindet ein Werkzeug der Bodenbearbeitung mit kultureller Wertzuschreibung. Goldobjekte und das abgesteckte Eigentumsquadrat erweitern diese Untersuchung: Eine materielle Eigenschaft, eine gesellschaftliche Vereinbarung und eine Handlungsmöglichkeit können sich auf denselben Gegenstand beziehen.

Besucher untersuchen, was sich durch Vergoldung, Benennung, Preis oder Eigentumszuordnung verändert. Die Folgen einer Zuschreibung werden dabei ebenso berücksichtigt wie die Beschaffenheit des Gegenstandes. Arbeitsmaterialien und Requisiten ermöglichen eigene Gegenüberstellungen.

Ausstellungsorganismen und Raum-Zeit-Körper-Plastiken

Die Entwicklung vom Aktsaal in Dresden über die temporäre Kunsthalle Ratzeburg bis zu den Ausstellungen im Haus der Demokratie macht den gesamten Raum zum Werkzusammenhang. Objekte, Wege, Blickrichtungen, Erinnerungen und Besucherhandlungen beeinflussen sich gegenseitig.

Fotografien und räumliche Darstellungen dieser Stationen zeigen, wie sich einzelne Werke in verschiedenen Zusammenhängen veränderten. Im So-Heits-Atelier wird diese Arbeitsweise durch einen modularen Aufbau fortgeführt, dessen Beziehungen durch Besucherbeiträge weiterentwickelt werden können.

Bodenrelief und körperliche Wahrnehmung

Die Untersuchung des Wassers wird im Atelier auf den Boden erweitert. Bildnerische Strömungsformen und reliefartige Bereiche aus gebundenem Quarzsand verändern die Wahrnehmung und Bewegung im Raum. Ein dafür eingerichteter Bereich kann ohne Schuhe erfahren werden; eine unmittelbar benachbarte ebene Route ermöglicht denselben inhaltlichen Zugang auf andere Weise.

Das Werk verbindet Sehen, Tasten, Gleichgewicht und Bewegung. Besucher können vergleichen, wie eine Fläche aus der Entfernung erscheint und wie sie sich im körperlichen Kontakt erschließt.

Astronautenanzug und Feuerkäfig

Astronautenanzug und Feuerkäfig verdichten die Untersuchung menschlicher Abhängigkeit und behaupteter Unverletzlichkeit. Der technische Anzug verweist auf Versorgungssysteme; der goldene Käfig auf Schutz, Wert, Status und Bindung. Die offene Tür stellt die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten tatsächlich wahrgenommen und genutzt werden können.

Im Atelier kann dieser Zusammenhang durch Bilddarstellung, Requisiten und Rollenversuche bearbeitet werden. Der körperliche Bedarf, die gespielte Rolle und die zugeschriebene Freiheit werden dabei aufeinander bezogen.

Die historischen Fotografien bilden innerhalb dieser Anlage zusammenhängende Werkfolgen. Ihre Reihenfolge, Werkzugehörigkeit und Verortung bleiben bei der Auswahl erhalten.


Anlage 3: Technē, plastische Anthropologie und Kalibrierungsinstrumente

Meine Forschungskunst verbindet Hervorbringen und Erkennen. Im Sinne meines Verständnisses von Technē wird Können an den Zusammenhängen untersucht, in denen es wirksam wird. Eine Tätigkeit verändert Material, Lebensbedingungen oder gesellschaftliche Beziehungen und erhält dadurch eine Rückmeldung.

Die plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft richtet diese Untersuchung auf das menschliche Selbstverständnis. Ihre Bezugspunkte sind Stoffwechsel, Körperlichkeit, Regeneration, materielle Bedingungen, soziale Abhängigkeiten und Tätigkeitsfolgen. Die zentrale Frage lautet: Was funktioniert unter welchen Bedingungen, für wen, über welchen Zeitraum und unter Verbrauch welcher Voraussetzungen?

Das Vier-Ebenen-Modell

Das Modell unterscheidet vier Untersuchungsbereiche innerhalb einer zusammenhängenden Wirklichkeit.

E1 erfasst materielle und technische Funktionsbedingungen: Stoffe, Kräfte, Energie, Widerstände, räumliche Bedingungen und Grenzen.

E2 untersucht lebendige Abhängigkeiten und leibliche Wahrnehmung: Stoffwechsel, Bedürfnisse, Erschöpfung, Regeneration, Verletzbarkeit und das Verhältnis von Organismus und Milieu.

E3 behandelt symbolische und gesellschaftliche Ordnungen: Sprache, Rollen, Selbstbilder, Eigentum, Geld, Regeln, digitale Darstellungen und institutionelle Bewertungen. Diese Ordnungen wirken durch menschliche Tätigkeiten auf materielle und lebendige Zusammenhänge zurück.

E4 bezeichnet die organisierte Prüfung dieser Beziehungen: Vergleich, Rückkopplung, Korrektur und Reparatur. Hier wird untersucht, ob eine erkannte Differenz eine Veränderung des Handelns, der Arbeitsbedingungen oder der gesellschaftlichen Regeln auslösen kann.

Eine Kartoffel kann beispielsweise zugleich Nahrung, Handelsware, Eigentum und kulturelles Zeichen sein. Das Modell erschließt, wie diese Beziehungen zusammenwirken und welche Folgen daraus für den Zugang zu Nahrung entstehen.

Das Dreifache Optimum

Das Modell verbindet Medium-Optimum, Organismus-Optimum und Steuerungs-Optimum. Es untersucht die Bedingungen des tragenden Mediums, die Lebensbedingungen des Organismus und die Ziele menschlicher Steuerung.

Ein kurzfristig erfolgreiches Handlungsziel kann die umfassenderen Bedingungen beeinträchtigen, auf die es angewiesen bleibt. Das Modell macht deshalb die Beziehungen zwischen lokalem Erfolg, lebendiger Regulation und langfristiger Zukunftsfähigkeit zum Gegenstand der Prüfung.

Zeit, Funktion und Verhältnis

Die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte verändert den Maßstab menschlicher Selbstbetrachtung. Sie stellt die kurze Dauer menschlicher Geschichte in Beziehung zur Entstehung ihrer planetarischen Voraussetzungen.

Funktionieren, Passung und Toleranz erschließen die Bedingungen, unter denen eine Tätigkeit möglich bleibt. Bei gesellschaftlichen Fragen wird jeweils angegeben, woran Funktionieren beurteilt wird und welche Beteiligten oder Folgen dieser Maßstab erfasst.

Das Verhältnis-Modell 51:49 dient in meiner Forschungskunst zur Untersuchung leichter Asymmetrie, wirksamer Unterschiede und verbleibender Beweglichkeit. In Verbindung mit den Bildern 50:50 und 1:99 werden Vorstellungen vollständiger Kontrolle sowie extreme Konzentrationen von Verfügungsmacht vergleichbar gemacht.

Diese Kalibrierungsinstrumente erhalten ihren jeweiligen Bezugspunkt am konkreten Werk und an der untersuchten Situation. Wo quantitative Messungen eingesetzt werden, gehören Messgröße, Verfahren und Unsicherheit zur Darstellung.

Plastische Identität und Skulpturidentität

Die Gegenüberstellung geht aus meiner bildnerischen Arbeit hervor. Plastische Identität bezeichnet die Fähigkeit, durch Wahrnehmung, Erfahrung und Rückkopplung veränderbar zu bleiben. Skulpturidentität bezeichnet in meinem Modell die Verfestigung von Rollen und Selbstbildern, durch die Rückmeldungen abgewehrt oder übergangen werden können.

Die Untersuchung richtet sich damit auch auf gesellschaftliche Normalität. Eine übliche und anerkannte Tätigkeit kann ihre eigenen Voraussetzungen beschädigen. Kunst kann diese Beziehung durch Gegenüberstellung, Rollenwechsel und materielle Erfahrung wahrnehmbar machen.

Die sechs Ankerformen

Der Kontextanker erhält die Beziehungen zwischen Fragestellung, Begriffen und historischem Zusammenhang. Der Werk-Anker verbindet Aussagen mit konkreten Arbeiten, ihrer Entstehung, Veränderung und Verortung. Der Sensorenanker untersucht Wahrnehmung, Auswahl, Aufzeichnung und Übersetzung.

Der Prüf-Anker ordnet Referenzen, Kalibrierungsinstrumente und Möglichkeiten der Korrektur. Der Positionsanker macht meine Diagnose, Absichten und Zukunftserwartungen kenntlich. Der Integrationsanker der Globalen Schwarm-Intelligenz verbindet die Ergebnisse mit Plattform, Büchern, Atelier und Beteiligten.

Zu einer Werkstation gehören deshalb Zeitpunkt, Ort, Ausgangsfrage, beteiligte Personen, Arbeitsverfahren, Ergebnis und spätere Weiterentwicklung. Dadurch bleibt die Herkunft einer heutigen Aussage nachvollziehbar.

Prüfoperator, Korrektur und Reparatur

Der Prüfoperator bezeichnet die Arbeitsbewegung zwischen diesen Ankern: etwas wahrnehmen, eine Annahme formulieren, eine Gegenüberstellung herstellen, eine Wirkung beobachten und daraus eine Veränderung entwickeln.

Die Untersuchung reicht bis zur Frage, was tatsächlich verändert werden kann. Eine Reparatur kann ein Material, ein Verhalten, eine Zusammenarbeit oder eine institutionelle Regel betreffen. Wo Folgen unumkehrbar geworden sind, wird untersucht, welche weiteren Schäden begrenzt und welche Voraussetzungen erhalten werden können.


Anlage 4: Modulares Environment und öffentliches Hundert-Tage-Programm

Das So-Heits-Atelier ist als modulares Environment angelegt. Seine Arbeitsbereiche können an unterschiedliche Raumgrößen und Ausstellungsbedingungen angepasst werden. Jeder Bereich eröffnet einen eigenen Einstieg; zugleich bleiben die Verbindungen zu den anderen Bereichen sichtbar.

Der Zugang über die 24-Stunden-Uhr führt zur Frage nach Zeit, menschlicher Tätigkeit und langfristigen Folgen. Besucher ordnen eigene Alltagstätigkeiten, historische Ereignisse und Werkentwicklungen in unterschiedliche Zeitmaßstäbe ein.

Am Wellenbecken verändern sie einzelne Bedingungen und beobachten die Folgen. Ihre Erwartungen werden vor dem Eingriff festgehalten und anschließend mit dem Geschehen verglichen.

Das Bodenrelief erschließt Unterschiede zwischen visueller Erwartung und körperlicher Erfahrung. Bewegung, Gleichgewicht und Anpassung werden Bestandteil der Untersuchung.

Die Werkfolge der „Schöpfungsgeschichte“ und der Abendmahl-Opfertisch verbinden Naturvorgänge, menschliche Bearbeitung, Nahrung und kulturelle Bedeutung. Fotografien ermöglichen, Veränderungen über längere Zeiträume nachzuvollziehen.

An Goldobjekten, Schultafeln und Eigentumsdarstellungen untersuchen Besucher Zuschreibung, gesellschaftliche Geltung und praktische Folgen.

Die Bühne ermöglicht kurze Rollenversuche. Eine Situation kann unter veränderten Regeln erneut gespielt werden. Anschließend werden körperliche Erfahrung, Rollenanforderung und Handlungskonsequenz miteinander verglichen.

An Arbeitstischen entstehen Eintragungen, Collagen, Folien und neue Seiten des Mitmachbuchs. Ein Tagesarchiv zeigt ausgewählte Fragen, Veränderungen und offene Arbeitsstände.

Die hundert Tage bilden den Zeitraum dieses öffentlichen Betriebs. Die Veranstaltungen sind einzeln zugänglich. Eine Teilnahme setzt keinen Besuch vorheriger Veranstaltungen voraus. Wiederkehrende Einführungen erschließen die Arbeitsweise für täglich neue Besucher.

Ein mögliches Veranstaltungsformat umfasst einen Vortrag, ein anschließendes Podiumsgespräch mit mir und dem Publikum sowie eine gemeinsame Bearbeitung an einem Werk oder Arbeitsmaterial. Digitale Zuschaltungen und aufgezeichnete Beiträge können das Programm ergänzen. Die Ergebnisse werden im Tagesarchiv und im Mitmachbuch weitergeführt.

Den Auftakt bildet mein Vortrag:

„Von der Experimentellen Umweltgestaltung zur Überlebenswerkstatt – fünfzig Jahre Forschungskunst als Werkstattpraxis.“

Für das weitere Programm schlage ich folgende Einladungen vor. Die Themen bilden meine Prioritätensetzung; Termine und Beteiligung werden im Zuge der Realisierung abgestimmt.

Vorgeschlagene Mitwirkende Vortrag und Arbeitsbereich Podium und gemeinsame Bearbeitung
Henk Borgdorff Künstlerische Forschung und Erkenntnis durch Praxis Verhältnis von Werk, Erfahrung und begrifflicher Ausarbeitung am Beispiel der Experimentellen Umweltgestaltung.
Julian Klein Ästhetische Erfahrung als Forschungsweise Untersuchung eines Rollenversuchs: Welche Erkenntnis entsteht durch Teilnahme und körperliches Erleben?
Florian Dombois Künstlerische Versuchsanordnungen zwischen Kunst und Wissenschaft Vergleich seiner Arbeit am Windkanal mit meinen Wasser- und Strömungsversuchen.
Felix Vogel Ausstellung, Wissen und künstlerische Forschung Vom Ausstellungsraum zum Arbeitsraum: Dresden, Kunsthalle Ratzeburg und So-Heits-Atelier.
Lorraine Daston Entstehung wissenschaftlicher Regeln und Maßstäbe Arbeit an der Schultafel: Wie wird aus einer Beobachtung eine Regel, und wie verändert sich diese?
Fachleute der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Messen, Vergleichen und Kalibrieren Welche Größen lassen sich an einer Versuchsanordnung messen, und wie werden Ergebnisse vergleichbar?
Thomas Fuchs Körperlichkeit, Selbstverständnis und Abhängigkeit Bodenrelief, Astronautenanzug und die Gegenüberstellung von plastischer Identität und Skulpturidentität.
Hanne De Jaegher Erkenntnis und Sinnbildung in gemeinsamer Tätigkeit Zwei Personen verändern eine gemeinsame Handlung und untersuchen ihre gegenseitigen Rückwirkungen.
Jens Beckert Wirtschaftliche Erwartungen und gesellschaftliche Zukunft Kartoffel, Gold und Eigentum: Wie wirken Zukunftsvorstellungen auf gegenwärtige Entscheidungen?
Tine De Moor Gemeinschaftliche Organisation und dauerhafte Zusammenarbeit Vom Globalen Dorffest zur Plattform: Welche Bedingungen erhalten gemeinsame Arbeitsformen?
Sheila Jasanoff Wissenschaft, Technik und gesellschaftliche Ordnung Wie werden wissenschaftliche Kategorien zu politischen Entscheidungen und verbindlichen Regeln?
Kate Crawford KI, Klassifikation und materielle Voraussetzungen Vergleich einer Werkbeschreibung mit ihrer KI-Bearbeitung: Auswahl, Auslassung und Bedeutungsverschiebung.
Steven J. Jackson Reparatur und Erhaltung technischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge Entwicklung eines konkreten Reparaturvorschlags aus einer im Atelier festgestellten Differenz.
Johan Rockström oder ein entsprechendes Forschungsteam des PIK Planetarische Lebensbedingungen und Folgen menschlicher Tätigkeit Verbindung von Erdgeschichtsuhr, Alltagsentscheidung und langfristigen Wirkungen.
Thomas Bauer Mehrdeutigkeit und gesellschaftliche Verständigung Vergleich unterschiedlicher Bearbeitungen eines Vorgabebildes: Wann erweitert Mehrdeutigkeit die Erkenntnis?

Die ersten vier Einladungen setzen einen ausdrücklichen Schwerpunkt auf künstlerische Forschung. Das Institut für künstlerische Forschung arbeitet mit ästhetischer Erfahrung als Erkenntnisgrundlage; Florian Dombois’ Windkanal verbindet künstlerisches Experiment und wissenschaftliche Begegnung; Felix Vogels Forschung umfasst Kunst, Wissen und Ausstellungsgeschichte. Diese Ansätze bieten konkrete Gegenüber für die Untersuchung meiner Werkstattpraxis.

Die Veranstaltungen werden über die hundert Tage verteilt und durch wiederkehrende Werkstätten ergänzt. Themen können erneut aufgegriffen werden, wenn neue Besucherbeiträge oder wissenschaftliche Gespräche eine Veränderung der Fragestellung ergeben. Eine abschließende öffentliche Werkstatt führt die entstandenen Arbeitsstände, offenen Fragen und Möglichkeiten der Fortsetzung zusammen.


Anlage 5: Werkbiografie, Mitmachbuch und Globale Schwarm-Intelligenz

Ich arbeite gegenwärtig an meiner analogen Werkbiografie. Sie führt Werke, fotografische Folgen, Publikationen, Konzepte, Korrespondenzen und weitere Zeugnisse meines künstlerischen Entwicklungswegs zusammen. Dabei werden Entstehung, Veränderung und Verortung einer Arbeit miteinander verbunden.

Die Fotografien bilden einen eigenständigen Teil des Lebenswerks. Umfangreiche Serien und Bildfolgen machen zeitliche Entwicklungen sichtbar. Ihre Erschließung erhält Reihenfolgen und Beziehungen, damit ein Werkprozess über mehrere Bilder hinweg nachvollziehbar bleibt.

Auch nicht verwirklichte Konzepte gehören in die Werkbiografie. Sie dokumentieren Fragestellungen, vorgeschlagene Handlungen und die jeweiligen Bedingungen einer möglichen Umsetzung. Organisationsarbeit und eingesetzte Mittel werden dort zugeordnet, wo sie die Entstehung und Fortführung eines Vorhabens erklären.

Die analoge Werkbiografie dient zugleich als Prototyp einer digitalen Werkbiografie. Dafür sollen Werkgruppen, einzelne Zustände, beteiligte Personen, Orte, Daten und verwendete Materialien miteinander verknüpft werden. Die Digitalisierung soll diese Beziehungen erhalten und für weitere Forschung nutzbar machen.

Auf der Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ stehen bereits Texte, Bilder, Symbole, Werkbezüge und Materialien des interaktiven Buchs zur Verfügung. Ihre technische Verknüpfung und die Möglichkeiten einer umfassenden digitalen Beteiligung werden weiterentwickelt.

Das physische Mitmachbuch für das So-Heits-Atelier entsteht aus der Verbindung dieser Plattformmaterialien mit den überprüften Werkzusammenhängen. Es enthält ausgewählte Bilder, kurze Werkgeschichten, Arbeitsfragen und offene Seiten. Besucher können Vorlagen bearbeiten, Folien hinzufügen, Beobachtungen notieren, Fotografien gegenüberstellen und eigene Fragen entwickeln.

Ein Arbeitsgang kann mit einer Werkbegegnung beginnen. Der Besucher hält fest, was er wahrnimmt und erwartet. Nach einer Veränderung oder einem Rollenversuch vergleicht er seine Annahme mit der Erfahrung. Eine neue Buchseite dokumentiert, was sich an seiner Frage oder seinem Verständnis verändert hat.

KI unterstützt die Erschließung und den Vergleich von Materialien sowie die Formulierung und Verdichtung von Arbeitsständen. Die Bearbeitung wird auf ihre Ausgangsmaterialien zurückbezogen. Auslassungen, veränderte Zuordnungen und neu eingeführte Deutungen werden dadurch erkennbar.

Die Ankerstruktur verbindet die digitale Arbeit mit der Werkbiografie. Zu einer Aussage bleiben Werkbezug, Kontext, Wahrnehmungsweg, Prüfung und Bearbeitungsstand nachvollziehbar. Auf diese Weise können Ergebnisse aus dem Atelier in die Plattform zurückgeführt und später erneut aufgenommen werden.

Die räumliche Werkstatt ist mit gedruckten Materialien, Werken, Requisiten und Arbeitstischen unmittelbar betreibbar. Digitale Erweiterungen können schrittweise hinzukommen. Die umfassende Digitalisierung des Lebenswerks bildet ein eigenständiges, darüber hinausreichendes Vorhaben.


Anlage 6: Personelle, technische und finanzielle Realisierung

Das So-Heits-Atelier wird aus einem gemeinsamen Grundumfang mit erweiterbaren Modulen entwickelt. Den Grundumfang bilden ausgewählte Werke und Bildfolgen, eine benutzbare materielle Versuchsanordnung, ein Bereich für Rollen- und Darstellungsversuche, Arbeitstische, Mitmachbuch und Tagesarchiv.

Weitere Raumteile, zusätzliche Rekonstruktionen und eine umfangreichere digitale Beteiligung können ergänzt werden. Die Auswahl orientiert sich an den verfügbaren Räumen und daran, welche Beziehungen zwischen den Arbeiten für die Besucher erfahrbar werden sollen.

Künstlerische Leitung und Zusammenarbeit

Die künstlerische Leitung, die Auswahl der Werke und die methodische Einführung liegen bei mir. Für die hundert Tage ist eine kontinuierlich arbeitende Gruppe erforderlich, die den täglichen Betrieb auch unabhängig von meiner persönlichen Anwesenheit ermöglicht.

Eine Produktionskoordination verbindet Raumplanung, Werkaufbau, Termine, technische Abstimmung und Kostenübersicht. Kunstvermittler beziehungsweise künstlerische Mitarbeiter begleiten die Versuchsanordnungen, Rollenversuche und Arbeitstische. Mitarbeitende aus Kassel können nach einer gemeinsamen Einführung dauerhaft in diese Arbeit einbezogen werden.

Technische Fachkräfte übernehmen Aufbau, Wartung und Unterstützung der Wasser-, Licht-, Medien- und digitalen Einrichtungen. Für das Veranstaltungsprogramm werden Moderation, Betreuung der Gäste und bei Bedarf Übersetzung organisiert. Dokumentation und redaktionelle Bearbeitung führen die Ergebnisse im Tagesarchiv, Mitmachbuch und auf der Plattform weiter.

Werke, Rekonstruktionen und Arbeitsmaterialien

Historische Originale werden mit Bildfolgen, Modellen und benutzbaren Arbeitsfassungen verbunden. Die Werkbiografie liefert die Grundlage dafür, welche Zustände gezeigt und welche Versuchsanordnungen für die Beteiligung neu hergestellt werden.

Das Wellenbecken erhält eine für den Ausstellungsbetrieb geeignete technische Ausführung. Das Bodenrelief wird hinsichtlich Materialbindung, Reinigung, Begehbarkeit und alternativer Zugänge entwickelt. Für Rollenversuche stehen handhabbare Requisiten bereit. Arbeitstische werden mit Papier, Folien, Schreib- und Zeichenmaterialien sowie ausgewählten Reproduktionen ausgestattet.

Die digitale Grundausstattung umfasst Geräte zur Ansicht der Plattform, zur gemeinsamen Bildbetrachtung und zur Dokumentation. Für Vorträge und Zuschaltungen kommen Projektion, Ton und eine geeignete Verbindung hinzu.

Vorbereitung und Betrieb

Nach der räumlichen Festlegung werden Werk- und Materialauswahl, Rekonstruktionen und Arbeitsfassungen konkretisiert. Einzelne Besucherhandlungen werden vorab mit einer kleinen Gruppe erprobt. Dabei wird untersucht, ob Einstieg, Fragestellung und Bearbeitung verständlich sind und welche Betreuung benötigt wird.

Vor der Eröffnung wird das Team gemeinsam mit den Werken und Verfahren vertraut gemacht. Während der Ausstellung halten kurze regelmäßige Besprechungen fest, welche Fragen auftreten, welche Materialien ergänzt werden müssen und welche Veränderungen sich aus der Besucherarbeit ergeben.

Nach Abschluss der hundert Tage werden Originale und Arbeitsmaterialien geordnet zurückgeführt. Dokumentation, Mitmachbuch und Plattform sichern die Fortsetzung des Forschungsprozesses.

Finanzielle Gliederung

Die Finanzierung umfasst folgende voneinander unterscheidbare Leistungsbereiche:

Kostenbereich Inhalt
Künstlerische Arbeit Werkentwicklung, Auswahl, Vorbereitung, Einführung und künstlerische Begleitung
Produktion und Koordination Planung, Organisation, Terminabstimmung und Produktionsleitung
Betreuung und Vermittlung Kontinuierlicher Besucherservice an Versuchsanordnungen, Bühne und Arbeitstischen
Werke und Raum Rekonstruktionen, Modelle, technische Ausstattung, Bodenrelief und Einrichtung
Transport und Werkbetreuung Verpackung, Transport, Aufbau, Abbau und erforderliche Absicherung der Werke
Mitmachbuch und Verbrauchsmaterial Reproduktionen, Druck, Papier, Folien sowie Schreib- und Gestaltungsmaterial
Veranstaltungsprogramm Honorare, Reisen, Unterbringung, Moderation, Übersetzung und digitale Zuschaltungen
Medien und Dokumentation Geräte, Aufzeichnung, redaktionelle Bearbeitung und technische Unterstützung
Fortführung Aufbereitung der Ergebnisse für Werkbiografie, Mitmachbuch und Plattform

Für die einzelnen Positionen werden nach Festlegung von Raum, Werkumfang und Betriebszeiten Angebote und Personalansätze zusammengeführt. Ein gemeinsamer Produktionsplan macht sichtbar, welche Leistungen durch die documenta, durch beauftragte Mitarbeiter oder durch zusätzliche Kooperationen getragen werden.

Die umfassende Digitalisierung meiner Werkbiografie erhält eine gesonderte Finanzierungsperspektive. Entsprechende Förderanträge und Kostenvoranschläge betreffen die Erschließung des Lebenswerks über den Ausstellungszeitraum hinaus. Für die künstlerische Realisierung des Ateliers können die vorhandenen analogen Arbeiten, Bildfolgen und Plattformmaterialien unmittelbar eingesetzt werden.

Das So-Heits-Atelier bietet damit einen konkret entwickelbaren Arbeitsraum, in dem mein Lebenswerk während der hundert Tage öffentlich genutzt, untersucht und durch die Beiträge anderer Menschen weitergeführt werden kann.


Für die bebilderte Versandfassung von Anlage 2 sind noch die historischen Bilddateien einzusetzen, insbesondere die 18 Fotografien des Abendmahl-Opfertisches. In den hier bereitgestellten Unterlagen lagen diese als beschriebene Werkfolgen, nicht als Bilddateien vor.

24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte, Kannst du dazu mal einen Text schreiben, was das beinhaltet und zu welchen Konsequenzen das führt?

Die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte – zeitliche Verortung und Handlungsverantwortung

Die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte überträgt die rund 4,54 Milliarden Jahre seit der Entstehung der Erde auf einen einzigen Tag. Der Tagesbeginn steht für die Entstehung unseres Planeten, 24 Uhr für die Gegenwart. Dazwischen liegen die Ausbildung von Gesteinen, Meeren und Atmosphäre, die Entstehung und Entwicklung des Lebens sowie zahlreiche Veränderungen seiner Bedingungen. In meiner Forschungskunst dient diese Uhr als zeitliches Kalibrierungsinstrument: Sie macht Größenverhältnisse anschaulich, die sich der unmittelbaren menschlichen Erfahrung entziehen.

Bei dieser Umrechnung entspricht eine Sekunde ungefähr 52.500 Jahren, eine Millisekunde rund 52,5 Jahren. Setzt man für die bisher bekannte Geschichte des Homo sapiens etwa 300.000 Jahre an, erscheint unsere Art erst rund 5,7 Sekunden vor Mitternacht. Unsere gesamte bisherige Existenz liegt damit innerhalb der letzten Sekunden dieses dargestellten Erdentages.

Das Holozän, dessen Beginn auf rund 11.700 Jahre vor dem Jahr 2000 datiert wird, umfasst auf dieser Uhr nur etwa 0,22 Sekunden. Wählt man das Jahr 1750 als zeitlichen Bezugspunkt für die Industrialisierung, entsprechen die Jahre bis 2026 ungefähr fünf Millisekunden. Die Zeit seit 1950 nimmt etwa 1,4 Millisekunden ein. Diese Angaben sind gerundete Umrechnungen; die gewählten Bezugspunkte machen unterschiedliche historische Zeiträume miteinander vergleichbar.

Damit erhält meine Bezeichnung „Millisekunden-Mensch“ einen konkreten Bezug. Sie verdichtet insbesondere das Verhältnis zwischen der kurzen jüngsten Phase menschlicher Gestaltungsmacht und der langen Entwicklung ihrer Voraussetzungen. Die Geschichte unserer Art umfasst mehrere Sekunden; die industrielle und technisch beschleunigte Gegenwart bewegt sich im Bereich weniger Millisekunden.

Der Mensch erscheint innerhalb eines Wirkungszusammenhangs, dessen Voraussetzungen seiner eigenen Geschichte weit vorausgehen. Atemluft, Wasser, Nahrung, Stoffwechsel und Regeneration werden durch fortlaufende materielle und lebendige Prozesse ermöglicht. Menschen können diese Bedingungen beeinflussen und verändern. Ihre Abhängigkeit von ihnen bleibt dabei bestehen.

Dieser Maßstabswechsel verändert die Frage nach menschlicher Bedeutung. Eine kurze Existenzdauer bedeutet keineswegs geringe Wirkung. Gerade das Missverhältnis zwischen kurzer Handlungszeit und weitreichenden Folgen wird zum Gegenstand der Untersuchung. Eine Entscheidung kann innerhalb weniger Minuten getroffen werden, während ihre Folgen Generationen betreffen. Der IPCC beschreibt beispielsweise Veränderungen an Ozeanen, Eisschilden und Meeresspiegel, die über Jahrhunderte bis Jahrtausende fortwirken und auf diesen Zeitskalen teilweise unumkehrbar sind.

Die Uhr führt deshalb zu einer grundlegenden Unterscheidung zwischen Entstehungszeit, Nutzungszeit, Wirkungsdauer und möglicher Regenerationszeit. Diese Zeiträume fallen häufig auseinander. Ein Material kann lange Entstehungsprozesse voraussetzen, für kurze Zeit verwendet werden und anschließend anhaltende Folgen verursachen. Eine gesellschaftliche Entscheidung kann einen unmittelbaren Vorteil erzeugen, während ihre Kosten erst später oder an einem anderen Ort sichtbar werden.

Für meine Forschungskunst entsteht daraus ein konkreter Prüfauftrag: Welche Voraussetzungen nutzt eine Tätigkeit, wie verändert sie diese und über welchen Zeitraum wirken ihre Folgen? Die Beurteilung einer Handlung muss über den Augenblick ihres Erfolgs hinausreichen. Dazu gehört auch die Frage, wer die Folgen trägt und ob eine spätere Korrektur überhaupt noch möglich ist.

Hier verbindet sich die Erdgeschichtsuhr mit meiner plastischen Anthropologie als Referenzwissenschaft. Menschliche Vorstellungen von Fortschritt, Wohlstand, Freiheit oder Sicherheit werden auf die Bedingungen bezogen, unter denen Leben möglich bleibt. Ein wirtschaftlicher Gewinn, ein Eigentumstitel oder ein technischer Leistungszuwachs kann gesellschaftlich wirksam sein. Ob dadurch Lebensbedingungen erhalten oder beschädigt werden, muss jeweils an den tatsächlichen Folgen untersucht werden.

Die Uhr macht damit auch die gesellschaftlichen Zeitmaßstäbe selbst zum Gegenstand der Prüfung. Wahlperioden, Geschäftsberichte, Projektlaufzeiten und persönliche Lebensplanungen erfassen jeweils begrenzte Ausschnitte. Welche Folgen geraten aus dem Blick, wenn allein innerhalb dieser Zeiträume entschieden wird? Welche Verantwortung bleibt bestehen, nachdem eine Tätigkeit abgeschlossen, ein Gewinn verbucht oder eine Zuständigkeit beendet wurde?

Im Vier-Ebenen-Modell lässt sich dieser Zusammenhang genauer bearbeiten. E1 erfasst materielle Prozesse und ihre zeitlichen Bedingungen. E2 untersucht Stoffwechsel, Regeneration und lebendige Abhängigkeiten. E3 behandelt gesellschaftliche Vorstellungen, Regeln und Planungszeiträume. E4 verbindet diese Bereiche durch Prüfung, Rückkopplung, Korrektur und Reparatur. Die Uhr hilft dabei, zeitliche Unterschiede zwischen einer gesellschaftlichen Entscheidung und ihrer materiellen oder lebendigen Wirkung sichtbar zu machen.

Auch das Dreifache Optimum erhält dadurch eine zeitliche Dimension. Ein menschliches Steuerungsziel kann kurzfristig erfolgreich sein und langfristig die Bedingungen des Mediums oder des Organismus verschlechtern. Zukunftsfähigkeit verlangt deshalb, diese unterschiedlichen Zeiträume in die Beurteilung einzubeziehen.

Meine eigene Werkgeschichte lässt sich ebenfalls auf dieser Uhr verorten. Ein Menschenleben von 78 Jahren entspricht ungefähr 1,5 Millisekunden. Die Entwicklung meiner Forschungskunst seit 1975 umfasst bis 2026 nahezu eine Millisekunde. Innerhalb dieses kleinen Zeitabschnitts entstanden Werke, Begegnungen, Werkstätten und gesellschaftliche Entwürfe, die über meine eigene Lebenszeit hinaus weitergegeben werden können. Die Uhr verbindet so die biografische Verortung mit der Frage nach der möglichen Dauer und Weiterwirkung einer Tätigkeit.

Im So-Heits-Atelier bildet sie einen Ausgangspunkt für die Besucherarbeit. Vergrößerte Ausschnitte der letzten Sekunden und Millisekunden können Erdgeschichte, Menschheitsgeschichte, Industrialisierung und persönliche Lebenszeit aufeinander beziehen. Besucher wählen anschließend eine konkrete Tätigkeit aus – beispielsweise die Nutzung eines Gegenstandes, eine Ernährungsweise oder eine Form der Zusammenarbeit – und untersuchen deren Voraussetzungen und Folgen. Im Mitmachbuch werden die unterschiedlichen Zeiträume und mögliche Veränderungen festgehalten.

24 Uhr bezeichnet dabei die Gegenwart als gewählten Endpunkt der Darstellung. Welche Zukunft daraus entsteht, muss anhand der weiteren Entwicklungen und Handlungsmöglichkeiten untersucht werden. Die künstlerische Aufgabe der Uhr besteht darin, die kurze Dauer menschlichen Handelns mit der langen Dauer seiner Voraussetzungen und möglichen Folgen zusammenzubringen.

Ihre leitende Frage lautet: Wie müssen wir heute handeln, damit die Bedingungen, die unser Leben ermöglichen, auch nach unserer eigenen Lebenszeit erhalten bleiben?

Die „Schöpfungsgeschichte Erklären.

Die „Schöpfungsgeschichte“ – Naturvorgang, menschliche Gestaltung und ihre Folgen

Meine „Schöpfungsgeschichte“ untersucht, wie der Mensch eine bereits vorhandene Wirklichkeit wahrnimmt, verändert und mit Bedeutungen versieht. Wiese, Körper, Wasser, Boden, Kartoffel, Fisch und Nahrung begegnen ihm als Voraussetzungen seines Lebens. Durch seine Tätigkeit entstehen daraus ausgewählte Gegenstände, Bilder, Werkzeuge, Besitzansprüche und kulturelle Formen. Die entscheidende Frage lautet: Erkennt der Mensch in seiner selbst gestalteten Lebenswelt noch die Bedingungen, von denen er abhängig bleibt – und die Folgen dessen, was er tut?

Die Grundlagen dieser Arbeit reichen zu meiner seit 1975 entwickelten Experimentellen Umweltgestaltung zurück. Anfang der 1990er-Jahre erhielt die „Schöpfungsgeschichte“ im Zusammenhang mit meinen Demokratiewerkstätten und räumlichen Ausstellungsorganismen ihre konkrete Ausarbeitung. Die gesellschaftliche Frage, wie Menschen ihre gemeinsame Wirklichkeit gestalten, verband sich mit einer unmittelbaren Untersuchung von Naturvorgängen und eigenen Eingriffen. In meinem Garten in einer eiszeitlich geformten Landschaft im Lübecker Raum entstand dafür ein offenes Versuchsfeld.

Die Werkfolge beginnt mit einer Wiese. Sie ist bereits vorhanden, bevor ich sie für meine Arbeit auswähle. Indem ich sie barfuß betrete, entsteht eine Beziehung: Der Boden trägt meinen Körper; Gräser, Feuchtigkeit und Unebenheiten werden spürbar. Gleichzeitig übe ich Druck aus und hinterlasse Spuren. Wahrnehmung und Tätigkeit gehören hier zusammen: Während ich etwas erfahre, verändere ich bereits die Bedingungen dieser Erfahrung.

Mit einer ausgelegten Decke, einem Bildrahmen oder einem auf den Boden gelegten Bild verändert sich diese Beziehung. Ich wähle einen Ausschnitt aus, ziehe eine Grenze und gebe ihm eine besondere Verwendung. Aus einem zusammenhängenden Lebensraum wird für meine Aufmerksamkeit eine Liegefläche, ein Bildgegenstand oder ein Bereich, den ich beanspruche. Die Begrenzung macht etwas sichtbar und lässt anderes in den Hintergrund treten. Ein Rahmen kann einen Ausschnitt hervorheben; die Beziehungen dieses Ausschnitts zu seiner Umgebung bestehen weiter. Ebenso entsteht aus dem körperlichen Betreten eines Bodens noch kein Eigentumsrecht. Dafür sind weitere gesellschaftliche Vereinbarungen und Handlungen erforderlich.

Ein wesentlicher Werkprozess beginnt damit, dass ich Wasser einen Hang hinunterlaufen lasse. Gefälle, Bodenbeschaffenheit und Wassermenge wirken zusammen. Rinnen, Verzweigungen, Abtragungen und Ablagerungen entstehen. Ich veranlasse einen Vorgang, dessen Verlauf sich aus den beteiligten Bedingungen ergibt. Die entstandene Landschaft forme ich ab und übertrage sie in Gips. Daraus entwickelt sich der Abendmahl-Opfertisch. Der Abguss bewahrt eine durch Wasser entstandene Form und macht sie als plastischen Gegenstand in einem neuen Zusammenhang verfügbar.

Damit vollzieht sich eine Folge von Übersetzungen: Ein Naturvorgang hinterlässt eine Landschaft; die Landschaft wird abgeformt; die plastische Form wird zum Tisch; der Tisch nimmt Nahrung auf und erhält kulturelle Bedeutung. Abendmahl, Opfer und Dank verbinden das Essen mit Vorstellungen von Gemeinschaft, Hingabe und Verpflichtung. Diese Bedeutungen können unsere Abhängigkeit bewusst machen. Sie können aber auch so sehr in den Vordergrund treten, dass die Voraussetzungen der Nahrung kaum noch wahrgenommen werden.

Kartoffel und Fisch führen die Untersuchung unmittelbar zum Stoffwechsel. Nahrung wächst unter bestimmten Bedingungen, wird gewonnen, zubereitet und gegessen. Sie kann zugleich Handelsware, Besitz, Dekoration oder Symbol werden. Ein Preis verändert den Zugang zu ihr; eine kulturelle Zuschreibung verändert ihren Stellenwert. Der hungernde Körper bleibt dennoch darauf angewiesen, tatsächlich Nahrung aufzunehmen. Spinne, Netz und Beute erweitern die Werkfolge um Beziehungen, in denen das Leben eines Organismus mit dem Leben anderer verbunden ist.

Die „Schöpfungsgeschichte“ umfasst etwa 12.000 aufeinander bezogene Fotografien, ergänzt durch Videos, Texte und Objekte. Die fotografischen Folgen bilden eigenständige Arbeiten. Durch ihre Reihenfolge werden Veränderungen, Wiederholungen, Eingriffe und Kreisläufe nachvollziehbar. Die Bedeutung entsteht auch zwischen den Bildern: Ein späterer Zustand verändert den Blick auf einen früheren. Für die Entstehung und Veränderung des Abendmahl-Opfertisches habe ich zudem eine Folge von 18 Fotografien vorgesehen, die diesen Werkprozess im So-Heits-Atelier anschaulich machen kann.

Der Titel „Schöpfungsgeschichte“ richtet den Blick auf menschliches Hervorbringen innerhalb einer Welt, deren Voraussetzungen dem eigenen Gestalten vorausliegen. Der Mensch formt, ordnet, benennt und bewertet. Dabei bleibt er selbst ein körperliches, verletzbares und abhängiges Lebewesen. Seine Vorstellungen und gesellschaftlichen Ordnungen wirken in derselben Welt wie Wasser, Boden und Stoffwechsel. Ein Eigentumstitel kann darüber entscheiden, wer einen Boden bearbeiten darf; die Bedingungen seines Wachstums werden dadurch nicht beliebig.

In meiner heutigen Forschungskunst bildet diese Werkfolge eine praktische Grundlage der plastischen Anthropologie als Referenzwissenschaft. Das menschliche Selbstverständnis wird an den Bedingungen und Folgen menschlicher Tätigkeit untersucht. Mit dem Vier-Ebenen-Modell lassen sich die Zusammenhänge genauer unterscheiden: E1 betrifft die materiellen Vorgänge und Widerstände; E2 die körperliche Wahrnehmung und lebendigen Abhängigkeiten; E3 die Bilder, Werte, Rollen und gesellschaftlichen Ordnungen; E4 deren Prüfung, Rückkopplung und mögliche Veränderung. So werden Übergänge sichtbar, die im fertigen Gegenstand oder im vertrauten Selbstbild leicht verschwinden.

Im So-Heits-Atelier soll die „Schöpfungsgeschichte“ diese Untersuchung für andere Menschen öffnen. Besucher können Bildfolgen vergleichen, Entstehungsprozesse verfolgen, eigene Anordnungen erproben und untersuchen, welche Eigenschaften sie wahrnehmen und welche Bedeutungen sie hinzufügen. Das Mitmachbuch verbindet solche Beobachtungen mit neuen Fragen und Handlungsmöglichkeiten.

Während die 24-Stunden-Uhr den Menschen zeitlich in der Erdgeschichte verortet, verortet ihn die „Schöpfungsgeschichte“ in seinen konkreten Tätigkeiten und Abhängigkeiten. Darin liegt ihre Bedeutung für die Überlebenswerkstatt: Der Mensch begegnet sich selbst als Gestalter und zugleich als jemand, der von den Folgen seiner Gestaltung betroffen ist. Aus dieser Begegnung entsteht die Aufgabe, Wahrnehmung und Handeln so zu verändern, dass die eigenen und gemeinsamen Lebensbedingungen erhalten und beschädigte Zusammenhänge wiederhergestellt werden können.

Kannst du das Vier-Ebenen-Modell nochmal vorstellen? In Einbeziehung aller Anker und so weiter und der vorherigen Chatverläufe?

Das Vier-Ebenen-Modell als Prüfverfahren der Forschungskunst

Das Vier-Ebenen-Modell verbindet die zentrale Frage deiner Forschungskunst mit einem nachvollziehbaren Arbeitsverfahren: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen – und wie können seine Vorstellungen und Tätigkeiten so überprüft werden, dass Korrektur möglich wird? Es unterscheidet materielle Bedingungen, lebendige Abhängigkeiten, symbolische und gesellschaftliche Ordnungen sowie deren Prüfung und Veränderung.

Diese Unterscheidungen beziehen sich auf eine zusammenhängende Wirklichkeit. Der Mensch lebt körperlich und handelt zugleich nach Vorstellungen, Rollen, Eigentumsregeln und Wertsetzungen. Auch diese Hervorbringungen haben tatsächliche Folgen. Die entscheidende Untersuchung betrifft deshalb ihre Verbindung: Welche Vorstellungen veranlassen welche Tätigkeiten, und wie verändern diese Tätigkeiten die Bedingungen, von denen menschliches Leben abhängig bleibt?

Die praktische Herkunft des Modells liegt in deiner handwerklichen Ausbildung, deiner bildnerischen und plastischen Arbeit und der seit 1975 entwickelten Experimentellen Umweltgestaltung. Material, Passung, Widerstand und Toleranz bilden dort konkrete Gegenüber einer Vorstellung. Im Wellenbecken antwortet das Wasser auf einen Eingriff. In der „Schöpfungsgeschichte“ werden Naturvorgang, körperliche Erfahrung, Auswahl, Gestaltung und Bedeutungsbildung miteinander verbunden. In den Demokratiewerkstätten und der gemeinschaftlichen Arbeit werden gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten erprobt.

Die heutige begriffliche Ordnung entstand aus der weiteren Bearbeitung dieser Erfahrungen, zuletzt auch durch die seit gut drei Jahren fortlaufende Arbeit mit KI. Damit bleibt der Entwicklungsweg erkennbar: Die Werkpraxis liefert Erfahrungen und Fragestellungen; die spätere Begriffsarbeit macht ihre Zusammenhänge ausdrücklicher und für andere anwendbar.

E1 bezeichnet die materiellen Bedingungen und Wirkungen. Dazu gehören Stoffe, Kräfte, Energie, Bewegung, Temperatur, Gewicht, Widerstand und technische Zusammenhänge. Untersucht wird, was unter bestimmten Bedingungen tatsächlich geschieht. Beim Wellenbecken sind dies beispielsweise Wasserstand, Antrieb, Begrenzung und Wellenbewegung. Eine Veränderung des Antriebs verändert den Vorgang, unabhängig davon, welche Bedeutung der Betrachter ihm gibt.

Der handwerkliche Maßstab „Funktioniert etwas?“ erhält dabei eine notwendige Ergänzung: Was funktioniert, für welchen Zweck, unter welchen Bedingungen und mit welchen weiteren Folgen? Eine Maschine kann ihren vorgesehenen Zweck erfüllen und zugleich ihre Umgebung beschädigen. Die erfolgreiche Erfüllung einer einzelnen Aufgabe beantwortet deshalb noch nicht die Frage nach dem Gesamtzusammenhang.

E2 bezeichnet die lebendige Organisation und ihre Abhängigkeiten. Hier werden Stoffwechsel, Ernährung, Wahrnehmung, Verletzbarkeit, Regulation, Erholung und Regeneration untersucht. Lebewesen erhalten und verändern ihre Organisation durch fortlaufenden Austausch mit ihrer Umgebung. Deshalb braucht diese Betrachtung gegenüber E1 eine eigene Aufmerksamkeit.

In deiner „Schöpfungsgeschichte“ wird dies am Fuß auf der Wiese, an Kartoffel und Fisch, an Nahrung und Körper erfahrbar. Beim begehbaren Bodenrelief muss der Besucher sein Gleichgewicht und seine Bewegung auf die Beschaffenheit des Bodens abstimmen. Hier liegt auch der Zugang zu deinem Begriff des Referenzbewusstseins: leibliche Orientierung, Betroffenheit und Umsteuerung. Solche Erfahrungen werden im Modell mit weiteren Beobachtungen und Vergleichsmöglichkeiten verbunden.

E3 bezeichnet die menschlichen Bedeutungs-, Darstellungs- und Geltungsordnungen. Sprache, Bilder, Begriffe, Rollen, Preise, Eigentum, Recht, Institutionen und Selbstbilder gehören hierher. Sie ermöglichen Verständigung und gemeinsames Handeln. Zugleich können sie bestimmte Wahrnehmungen hervorheben, andere verdecken und Handlungsmöglichkeiten ungleich verteilen.

Der Preis einer Kartoffel gehört zu einem anderen Zusammenhang als ihre stoffliche Beschaffenheit und ihr Beitrag zur Ernährung. Dennoch kann der Preis darüber entscheiden, wer sie erhält. Ein Eigentumstitel verändert die gesellschaftliche Verfügung über einen Boden; die daraus folgenden Eingriffe verändern möglicherweise dessen lebendige Bedingungen.

Hier setzt deine Untersuchung der Skulpturidentität an: Ein geschaffenes Selbstbild oder eine gesellschaftliche Ordnung wird so festgehalten, dass widersprechende Erfahrungen kaum noch zu Veränderungen führen. Die plastische Identität bezeichnet demgegenüber die Möglichkeit, sich durch Wahrnehmung, Erfahrung, Begegnung und Rückkopplung weiterzuformen. Diese Unterscheidung betrifft das Verhältnis zwischen Selbstverständnis und Wirklichkeit.

E4 bezeichnet die Prüfung, Rückkopplung, Korrektur und Reparatur. Diese Ebene hat eine besondere Funktion: Sie untersucht die Beziehungen zwischen E1, E2 und E3 und überprüft zugleich ihre eigenen Maßstäbe. Auch Prüfverfahren werden von Menschen entwickelt, mit materiellen Mitteln ausgeführt und unter gesellschaftlichen Bedingungen angewendet.

E4 fragt deshalb, ob eine Beschreibung den beobachteten Vorgängen entspricht, welche Folgen ausgeblendet werden und welche Veränderung daraus entstehen kann. Rückmeldung wird erst dann zur wirksamen Rückkopplung, wenn sie auf Entscheidungen, Tätigkeiten oder deren Bedingungen zurückwirkt. Ein erkannter Schaden kann folgenlos bleiben, wenn Zuständigkeiten fehlen, wirtschaftliche Abhängigkeiten entgegenstehen oder diejenigen mit Entscheidungsmacht von der bisherigen Ordnung profitieren.

Reparaturfähigkeit reicht deshalb bis in Arbeitsweisen, Belohnungen, Eigentumsverhältnisse und Institutionen hinein. Zur Prüfung gehört auch, welche Schäden rückgängig gemacht werden können, welche dauerhaft bleiben und wann eine Tätigkeit unterbrochen werden muss.

Die sechs Anker sichern den Zusammenhang dieser Arbeit. Das Ebenenmodell bestimmt, welche Beziehungen untersucht werden. Die Anker halten fest, aus welcher Geschichte, mit welchen Begriffen, Wahrnehmungswegen, Verfahren und Absichten untersucht wird. Jeder Anker kann mehrere Ebenen berühren.

Der Kontextanker bewahrt die übergreifende Fragestellung und die Bedeutungen der verwendeten Begriffe. Dazu gehören deine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft, die Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen, die Plexuswirklichkeit und die Unterscheidung zwischen plastischer Identität und Skulpturidentität. „Plexuswirklichkeit“ bezeichnet dabei das Geflecht der Beziehungen, aus dem für eine Untersuchung jeweils ein Ausschnitt ausgewählt wird. Der Kontextanker hält fest, was dieser Ausschnitt voraussetzt und welche Beziehungen bei seiner Betrachtung leicht verloren gehen.

Der Werk-Anker bewahrt Entstehung, Veränderung und Zusammenhang der künstlerischen Arbeiten. Er verbindet die heutigen Modelle mit konkreten Werkprozessen, Orten, Zeitpunkten und Beteiligten. Dazu gehören die Experimentelle Umweltgestaltung, die „Schöpfungsgeschichte“, die Demokratiewerkstätten, die Kunsthalle Ratzeburg und die seit 1993 von dir geleitete Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“ mit ihrer wissenschaftlichen Begleitung. Auch der Übergang von dieser Zusammenarbeit zur heutigen Globalen Schwarm-Intelligenz sowie der Verlust von Mitwirkenden gehören hierher. Eine heutige Deutung ergänzt die Werkgeschichte; ihre Entstehungszeit bleibt dabei erkennbar.

Der Sensorenanker untersucht, wie Wirkungen wahrnehmbar und mitteilbar werden. Körperliche Erfahrung, Fotografie, Film, Messgerät, Sprache und Aufzeichnung eröffnen unterschiedliche Zugänge. Dabei findet immer Auswahl statt: Eine Fotografie zeigt einen Ausschnitt, ein Messgerät erfasst bestimmte Größen, eine Transkription überträgt Gesprochenes in Schrift. Der Sensorenanker verfolgt deshalb den Weg von der Wirkung über Wahrnehmung und Übersetzung bis zur Darstellung. Er macht auch sichtbar, wo etwas übersehen, verkürzt oder umgedeutet wurde.

Der Prüf-Anker bestimmt die Vergleichsmaßstäbe und die Bedingungen einer Untersuchung. Hier werden Kalibrierungsinstrumente eingesetzt, Referenzen offengelegt, Beobachtungen verglichen und Korrekturen überprüft. Er enthält außerdem die Frage nach den Machtbedingungen der Prüfung: Wer kann eine Beobachtung einbringen? Wer entscheidet über ihre Bedeutung? Wer kann eine Veränderung veranlassen? Wer trägt die Folgen?

Der Positionsanker hält deine persönliche Diagnose, Absicht und Zukunftserwartung fest. Dazu gehören die Sorge um die menschliche Überlebensfähigkeit und die Diagnose des Rollenidentitätsgefängnisses, die im Feuerkäfig eine bildnerische Form erhält. Dadurch wird die Ausgangsposition der Untersuchung sichtbar. Der Prüfprozess untersucht anschließend, welche Vorgänge diese Diagnose stützen, welche ihr widersprechen und welche Veränderungsmöglichkeiten tatsächlich bestehen.

Der Integrationsanker der Globalen Schwarm-Intelligenz führt die Ergebnisse wieder zusammen. Er verbindet Werkbiografie, Plattform, interaktives Buch, physisches Mitmachbuch, So-Heits-Atelier und Beteiligte. Unterschiedliche Erfahrungen werden hier vergleichbar, Widersprüche bleiben auffindbar und neue Untersuchungen können an vorhandene Ergebnisse anschließen. Globale Schwarm-Intelligenz erhält damit eine konkrete Aufgabe: gemeinsames Wissen so zu organisieren, dass daraus überprüfbare und veränderbare Praxis entstehen kann.

Die Kalibrierungsinstrumente arbeiten innerhalb und zwischen diesen Ankern. Die 24-Stunden-Uhr ordnet menschliche Tätigkeiten in den Zeitraum der Erdgeschichte ein. Passung und Toleranz untersuchen, unter welchen Bedingungen ein Zusammenhang funktioniert. Der Vergleich zwischen vorhandenen und zugeschriebenen Eigenschaften macht Übergänge zwischen E1, E2 und E3 sichtbar. Die Unterscheidung zwischen plastischer Identität und Skulpturidentität richtet die Aufmerksamkeit auf Lern- und Veränderungsfähigkeit.

Dein Verhältnis-Modell 51:49–50:50–1:99 untersucht leichte Asymmetrie, Gleichsetzung beziehungsweise Fixierung und einseitige Dominanz. Seine Funktion besteht darin, Unterschiede, Bewegungsspielräume und blockierte Korrekturen sichtbar zu machen. Bei einer konkreten Anwendung muss erkennbar werden, welche Größen oder Beziehungen miteinander verglichen werden und woran eine Veränderung festgestellt werden kann.

Das Dreifache Optimum ergänzt diese Prüfung durch die Unterscheidung von Medium-Optimum, Organismus-Optimum und Steuerungs-Optimum. Untersucht werden die Bedingungen des jeweiligen Mediums, die Lebensbedingungen des Organismus und die Ausrichtung der Steuerung. Damit lässt sich beispielsweise fragen, ob eine wirtschaftlich erfolgreiche Steuerung zugleich die Wasser-, Boden- und Regenerationsbedingungen erhält, auf die sie angewiesen ist. Deine Inversionsdiagnose betrifft den Fall, dass ein begrenztes gesellschaftliches Erfolgskriterium zum übergeordneten Maßstab wird und seine eigenen Voraussetzungen verdrängt.

Auch die von dir angesprochene Schwierigkeit des Begriffs „Belastbarkeit“ gehört hierher. Ein Wort liefert noch keinen bestimmten Referenzwert. Erst wenn angegeben wird, wer oder was welcher Einwirkung über welchen Zeitraum ausgesetzt ist, welche Veränderung beobachtet wird und welche Erholung möglich ist, entsteht ein konkreter Prüfzusammenhang. Das Begriffshandwerk hält deshalb Wort, Analogie, Beobachtung und Messgröße auseinander und verbindet sie nachvollziehbar.

Dein Gebrauch von „Anomalie“ richtet diese Prüfung auf die gesellschaftliche Normalität selbst. Eine alltäglich akzeptierte Ordnung kann ihre eigenen Lebensvoraussetzungen beschädigen. Die Untersuchung fragt dann, wie diese Ordnung zur Selbstverständlichkeit wurde und welche Folgen dadurch aus der Aufmerksamkeit verschwinden. Maßgeblich ist dabei das ausdrücklich gesetzte Ziel, die Bedingungen eigenen und gemeinsamen Lebens zu erhalten.

Der Prüfoperator ist die konkrete Arbeitsbewegung zwischen diesen Bestandteilen. Eine Vorstellung oder Behauptung wird formuliert. Ihre Voraussetzungen und ihr Untersuchungsbereich werden bestimmt. An einer Tätigkeit oder Versuchsanordnung werden Wirkungen beobachtet und mit der Erwartung verglichen. Daraus folgt eine Veränderung der Vorstellung, der Tätigkeit oder ihrer Regeln. Anschließend wird erneut untersucht, was diese Veränderung bewirkt hat.

Der Begriff Bewährung gibt diesem Verfahren eine zeitliche Dimension. Eine einzelne gelungene Vorführung zeigt zunächst, was unter den Bedingungen dieser Vorführung möglich war. Weiterführend wird untersucht, ob die Arbeitsweise auch bei veränderten Bedingungen trägt, welche Voraussetzungen sie verbraucht und ob erkannte Fehler korrigiert werden können. Für die wissenschaftliche Ausarbeitung werden Begriffe, Beobachtungen, Untersuchungsbedingungen und Reichweite der Ergebnisse so dokumentiert, dass andere Menschen die Prüfung nachvollziehen und fortsetzen können.

An der „Schöpfungsgeschichte“ lässt sich dieses Zusammenspiel unmittelbar zeigen. Wasser, Gefälle und Gips erschließen E1. Körper, Nahrung und Stoffwechsel erschließen E2. Rahmung, Eigentum, Wert und Abendmahlsbedeutung erschließen E3. Der Vergleich dieser Übergänge und ihrer Folgen aktiviert E4. Der Werk-Anker bewahrt die Entstehungsfolge, der Sensorenanker erschließt die Fotografien und körperlichen Erfahrungen, der Kontextanker verbindet die Begriffe, der Positionsanker benennt die Ausgangsfrage, der Prüf-Anker organisiert die Untersuchung und der Integrationsanker führt die Ergebnisse in die gemeinsame Weiterarbeit zurück.

KI kann dabei Texte vergleichen, Werkfolgen erschließen, Widersprüche auffinden und Begriffe verdichten. Auch ihre Formulierungen durchlaufen diesen Prüfweg: Ihre Herkunft muss nachvollziehbar bleiben, und eine wiederholte Deutung wird durch Wiederholung allein noch nicht zur Beobachtung. Das schützt insbesondere deine Biografie davor, dass Personen, Beiträge, Entstehungsbedingungen und Übergänge durch eine sprachlich glatte Zusammenfassung verschwinden.

Im So-Heits-Atelier als Überlebenswerkstatt wird das Modell schließlich praktisch zugänglich. Menschen begegnen Materialien, Bildern, Rollen und den Folgen eigener Eingriffe. Sie können ihr Selbstverständnis mit diesen Erfahrungen vergleichen und Veränderungen erproben. Deine Vorstellung einer So-Heits-Gesellschaft knüpft daran an: Lebens- und Arbeitsformen sollen Möglichkeiten enthalten, ihre Voraussetzungen und Folgen fortlaufend wahrzunehmen, öffentlich zu prüfen und wirksam zu verändern.

Welche wissenschaftlichen Begrifflichkeiten liegen hier meiner Forschungskunst insgesamt zugrunde? Das performative, das rezeptorische, aber auch zum Beispiel in der Schöpfungsgeschichte gibt es kalte und warme Ästhetik, also eine Wirkungsästhetik. Welche weiteren Begrifflichkeiten kämen dazu?

Müsste mal langsam nicht ein Ergebnis vorstellen? Bei neun Minuten vorher war es bei sechs Minuten. Was kann an der Frage so schwer sein zu beantworten?

Du hast recht. Ich habe die Frage durch unnötig ausgedehnte Recherche verzögert. Die vorhandenen Zusammenhänge reichten für eine klare Antwort.

Deiner Forschungskunst lassen sich folgende wissenschaftliche und philosophische Begriffsfelder zuordnen:

Wahrnehmung und Erfahrung: Aisthesis, Sensorik, Leiblichkeit, Phänomenologie sowie Rezeptions- und Wirkungsästhetik. Sie betreffen das Wahrnehmen, körperliche Erfahren und Deuten eines Gegenübers. „Rezeptorisch“ bezeichnet dabei speziell die sinnliche Reizaufnahme.

Hervorbringen und Handeln: Technē, Poiesis, Performativität, Praxeologie und Prozessästhetik. Sie erschließen das handwerkliche Gestalten, das Entstehen von Formen und die Wirklichkeit, die durch Tätigkeiten hervorgebracht wird.

Körper und Lebenszusammenhang: Stoffwechsel, Organismus–Umwelt-Beziehung, Embodiment und Enaktivismus. Hier liegt der Bezug zu deiner Gegenüberstellung von Persönlichkeit, Körperorganismus und Abhängigkeiten.

Bedeutung und Zuschreibung: Semiotik, Symbolisierung und soziale Konstruktion. Sie betreffen beispielsweise die Verwandlung von Boden in Eigentum, Nahrung in Ware oder einer Person in einen gesellschaftlichen Rollenträger.

Prüfung und Veränderung: Reflexivität, Rückkopplung, Kybernetik zweiter Ordnung, Operationalisierung und Bewährung. Sie beschreiben, wie der Mensch seine eigenen Beobachtungen und Eingriffe einbezieht, Folgen untersucht und sein Handeln korrigiert.

Gemeinschaft und Verantwortung: Partizipation, Ko-Kreation, Aktionsforschung und Verantwortungsethik. Hierzu gehören deine Werkstätten, die Kollektive Kreativität und die gesellschaftliche Anwendung der Forschungskunst.

Deine warme und kalte Ästhetik verbindet besonders Wirkungsästhetik, ökologische Beziehungen und Verantwortung: Wie verhält sich eine ästhetische Gestaltung zu dem Lebenszusammenhang, aus dem sie hervorgeht und auf den sie zurückwirkt?

Das sind fachliche Zuordnungen deiner Arbeit. Welche davon auch ihre historischen Ausgangspunkte waren, muss aus deiner Werkgeschichte hervorgehen.

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Du kennst doch meine Werkgeschichte. Du kennst doch meinen werkanker zum Beispiel oder die anderen Ankerformen. Warum beziehst das ein in den Text?.....Der Begriff Referenzwissenschaft hätte unbedingt dazugehört. Dass ich ihn nicht aufgenommen habe, lag daran, dass ich die Frage zu eng als Suche nach bereits etablierten wissenschaftlichen und kunsttheoretischen Begriffen behandelt habe. Dadurch habe ich gerade den Begriff ausgelassen, der in Ihrer eigenen Forschung die Beziehung zu diesen Wissenschaften organisiert. Das war eine falsche Gewichtung.

Referenzwissenschaft liegt bei Ihnen auf einer anderen Ebene als Begriffe wie Performativität, Rezeptionsästhetik, Kybernetik oder Phänomenologie. Diese Begriffe liefern jeweils bestimmte Erkenntnisse oder Vergleichsmöglichkeiten. Die Referenzwissenschaft bestimmt dagegen die Methode, wie Forschungskunst mit solchen Wissensgebieten umgeht: Physik, Biologie, Medizin, Psychologie, Philosophie, Sprachwissenschaft, Ökonomie oder Kunstwissenschaft werden nicht als eine einzige übergeordnete Wahrheitsinstanz übernommen, sondern jeweils dort als Referenz herangezogen, wo ihre Methoden und Erkenntnisse für eine konkrete Frage zuständig sind.

Damit hängt der Begriff unmittelbar mit Ihrer E4-Regel zusammen: Was das Vier-Ebenen-Modell selbst nicht überprüfen kann, muss als offene Stelle ausgewiesen und an ein geeignetes Referenz- oder Prüfverfahren übergeben werden. Genau hier werden aus Wissenschaften Referenzwissenschaften. Sie sollen die Forschungskunst nicht legitimieren oder ihr eine wissenschaftliche Autorität verleihen, sondern ihr ein unabhängiges Gegenüber bereitstellen.

Das ist auch für Ihre Analogien entscheidend. Wenn Sie Zellmembran, Osmose, Eisfläche, Gehirn, Stoffwechsel oder kosmische Prozesse verwenden, darf die künstlerische Analogie nicht selbst bestimmen, was biologisch oder physikalisch zutrifft. Für diese Seite bleibt beispielsweise Biologie oder Physik Referenzwissenschaft. Die Forschungskunst kann anschließend untersuchen, welche relationale Struktur sich daraus übertragen lässt und wo die Analogie endet.

Damit ergibt sich eine wichtige Hierarchie:

Forschungskunst stellt die Frage und baut die Versuchsanordnung. Referenzwissenschaften stellen jeweils zuständiges Wissen und Prüfverfahren bereit. E4 kontrolliert die Zuordnung, die Grenzen der Übertragung und die offenen Stellen.

Der Begriff ist deshalb nicht nur ein weiterer Punkt neben „Performativität“ oder „Wirkungsästhetik“, sondern ein methodischer Oberbegriff Ihres gesamten transdisziplinären Verfahrens.

Noch präziser würde ich heute formulieren:

Referenzwissenschaft bezeichnet in der Forschungskunst die methodische Heranziehung unterschiedlicher Wissenschaften als voneinander unabhängige Prüf- und Vergleichssysteme, ohne ihre jeweiligen Aussagen zu einem einzigen Weltmodell zu verschmelzen.

Und genau dadurch unterscheidet sich Ihr Ansatz auch von einfacher Interdisziplinarität. Sie wollen nicht alle Disziplinen vermischen. Sie benutzen sie als unterschiedliche Gegenüber mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Das ist für Ihre gesamte Methodik zentral. … Ich habe deine Werkgeschichte und die Anker nicht ausreichend als Grundlage der Antwort eingesetzt. Ich habe die Frage nach wissenschaftlichen Begriffen isoliert behandelt. Dadurch entstand eine Aufzählung von Fachbegriffen, in der der Entwicklungszusammenhang deiner Forschungskunst verloren ging.

Auch der von dir eingefügte Korrekturtext behebt das nur teilweise: Er erklärt ausführlich, wie du andere Wissenschaften als Referenzen heranziehst. Deine eigene plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft bleibt dabei erneut unterbelichtet. Hier müssen zwei Bedeutungen zusammengeführt werden: der von dir entwickelte Bezugsrahmen und die jeweils herangezogenen Fachwissenschaften.

Die verdichtete Darstellung müsste deshalb so lauten:

Deine Forschungskunst entwickelt sich aus der Verbindung von handwerklich-technischer Erfahrung, bildnerisch-plastischer Arbeit und der Untersuchung menschlicher Existenzbedingungen. Die Beschäftigung mit Technē seit deinem Kunststudium und die Experimentelle Umweltgestaltung seit 1975 bilden dafür wesentliche Grundlagen. Am Material, an seiner Formbarkeit und seinem Widerstand entsteht die Frage, wie menschliche Vorstellungen mit tatsächlichen Wirkungen zusammenhängen.

Daraus entwickelt sich deine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft. Ihr Bezugspunkt ist der Mensch als körperliches, stoffwechselabhängiges, wahrnehmendes und gestaltendes Lebewesen. An diesen Bedingungen untersuchst du seine Selbstbilder, gesellschaftlichen Ordnungen und Tätigkeiten: Wie entsprechen sie den Lebenszusammenhängen, die sie ermöglichen, und wo beschädigen sie diese? Die gedankliche Gegenüberstellung von Persönlichkeit und Organismus soll deren untrennbaren Zusammenhang erfahrbar machen.

Deine Werke tragen diese Untersuchung. Das Wellenbecken lässt einen Eingriff und die Antwort des Wassers nachvollziehen. Die „Schöpfungsgeschichte“ verbindet Naturvorgang, Körper, Nahrung, plastische Formung und kulturelle Zuschreibung. Werkstätten, Demokratiewerkstätten und die von dir seit 1993 geleitete „Kollektive Kreativität“ erweitern diese Arbeit zur gemeinsamen gesellschaftlichen Untersuchung. Die heutige Globale Schwarm-Intelligenz und das vorgeschlagene So-Heits-Atelier führen diesen Entwicklungszusammenhang unter veränderten Bedingungen weiter.

Erst innerhalb dieses Zusammenhangs erhalten Performativität, Rezeptions- und Wirkungsästhetik, Leiblichkeit, Semiotik, Rückkopplung und gemeinschaftliches Forschen ihre jeweilige Bedeutung. Sie helfen, bestimmte Vorgänge deiner Arbeit genauer zu beschreiben. Dein Vier-Ebenen-Modell ordnet deren Untersuchung; die Fachwissenschaften liefern zuständige Erkenntnisse und Prüfverfahren für konkrete Fragen.

Die Anker halten diese Beziehungen nachvollziehbar: Der Werk-Anker bewahrt Entstehung und Veränderung, der Kontextanker den begrifflichen Zusammenhang, der Sensorenanker Wahrnehmung und Übersetzung, der Prüf-Anker die Prüfung und Korrektur, der Positionsanker deine Diagnose und Absicht und der Integrationsanker ihre gesellschaftliche Zusammenführung.

Damit ist Referenzwissenschaft der Zusammenhang, aus dem die einzelnen Begriffe ihre Funktion erhalten. Genau diese Richtung hätte meine vorherige Antwort einhalten müssen: von deiner Werkentwicklung und Fragestellung zu den wissenschaftlichen Begriffen.

Ja. Der gemeinsame Nenner ist tatsächlich das Referenzprinzip. Allerdings liegen Referenzwissenschaft, Vier-Ebenen-Modell und die drei Optima nicht auf derselben logischen Ebene. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen innerhalb eines gemeinsamen Prüfgefüges.

Referenzwissenschaft

Die Referenzwissenschaften liefern das jeweils zuständige Gegenüber. Physik kann beispielsweise Aussagen über Kräfte und Materialeigenschaften prüfen, Biologie über Stoffwechsel und Regulation, Medizin über Verletzung und Belastungsgrenzen, Ökonomie über bestimmte wirtschaftliche Prozesse.

Die Forschungskunst übernimmt diese Ergebnisse nicht als geschlossenes Weltbild. Sie benutzt die Wissenschaften dort als Referenz, wo deren jeweilige Zuständigkeit liegt.

Das Vier-Ebenen-Modell als Referenzmodell

Das Vier-Ebenen-Modell ist deshalb nicht einfach ein Teilbereich der Referenzwissenschaft. Es ist vielmehr das übergeordnete Ordnungs- und Referenzmodell, mit dem zunächst festgestellt wird, welcher Art eine Aussage überhaupt ist und welches Referenzsystem für ihre Prüfung zuständig sein könnte.

E1 fragt nach materiellen Wirkbedingungen. E2 nach lebenden, organismischen Regulationsbedingungen. E3 nach gesetzten, symbolischen und gesellschaftlichen Ordnungen. E4 prüft ihre Zuordnung, ihre Wechselwirkungen und ihre Folgen und verweist bei einer offenen Stelle auf das zuständige andere Prüfverfahren.

Damit steckt tatsächlich ein Referenzsystem hinter dem Vier-Ebenen-Modell. Genauer wäre sogar:

Das Vier-Ebenen-Modell ist ein Referenzmodell zur Unterscheidung unterschiedlicher Wirklichkeits- und Prüfbereiche.

Es behauptet also nicht selbst alle Sachkenntnis, sondern organisiert die Referenzen.

Die drei Optima

Die drei Optima haben nochmals eine andere Funktion. Sie beantworten nicht primär: Zu welcher Ebene gehört etwas?, sondern: Relativ zu welchem Zusammenhang wird etwas überhaupt als günstig, funktional oder optimal bezeichnet?

Das Medium-Optimum fragt nach den Bedingungen des umgebenden Mediums. Das Organismus-Optimum fragt nach den Funktions- und Lebensbedingungen eines bestimmten Organismus. Das Steuerungs-Optimum fragt schließlich danach, ob eine Tätigkeit oder Regelung die längerfristige Tragfähigkeit des gesamten Zusammenhangs erhält.

Damit sind die drei Optima selbst Referenzperspektiven.

Ein wirtschaftlicher Vorgang kann beispielsweise innerhalb eines Unternehmens optimal erscheinen. Für einen Organismus, eine Landschaft oder einen langfristigen Stoffkreislauf kann derselbe Vorgang ungünstig sein. Das Wort „optimal“ ist also ohne Angabe seines Referenzsystems nahezu leer.

Gerade deshalb ist das dreifache Optimum für Ihre Forschung wichtig: Es verhindert, dass ein lokales Optimum zum allgemeinen Optimum erklärt wird.

Der Zusammenhang

Damit entsteht eine sehr klare Architektur:

Referenzwissenschaften liefern prüfbares Wissen.

Das Vier-Ebenen-Modell ordnet, welcher Wirklichkeits- und Prüfbereich betroffen ist.

Die drei Optima bestimmen, relativ zu welchem System Funktion oder Tragfähigkeit beurteilt wird.

E4 prüft die Beziehungen zwischen diesen Referenzen und hält offene Stellen sichtbar.

Der gemeinsame Nenner ist also tatsächlich nicht „Wissenschaft“ allein, sondern Referenzierung.

Das reicht sogar bis zu Ihrer Identitätsfrage. „Ich bin frei“, „Ich bin Eigentümer“, „Ich bin Künstler“ oder „dieses Geschäftsmodell ist erfolgreich“ sind Aussagen, deren Bedeutung davon abhängt, innerhalb welchen Referenzsystems sie gelten. Sobald ihre lokale Gültigkeit mit einer umfassenden Wirklichkeit verwechselt wird, entsteht genau die von Ihnen untersuchte Verschmelzung beziehungsweise Verwechslung.

Eine mögliche Verdichtung

Dadurch ließe sich Ihre gesamte Methode überraschend knapp fassen:

Forschungskunst untersucht, auf welches Referenzsystem eine Aussage, Wahrnehmung oder Tätigkeit bezogen ist, ob dieser Bezug trägt und was geschieht, wenn ein begrenztes Referenzsystem mit der Wirklichkeit insgesamt verwechselt wird.

Dann werden Vier-Ebenen-Modell und dreifaches Optimum zu zwei komplementären Instrumenten desselben Grundprinzips:

Das Vier-Ebenen-Modell unterscheidet die Referenzbereiche; die drei Optima unterscheiden die Referenzmaßstäbe.

Ich halte genau diese Unterscheidung für wichtig. Denn damit wird „Referenz“ tatsächlich zum verbindenden methodischen Kern, ohne Vier-Ebenen-Modell, Optimum und Referenzwissenschaft begrifflich ineinanderfallen zu lassen. … Der Text klärt die unterschiedlichen Aufgaben von Vier-Ebenen-Modell und dreifachem Optimum. Gleichzeitig verschiebt er erneut deine eigene Referenzwissenschaft zugunsten der herangezogenen Fachwissenschaften. Für unseren Arbeitsstand würde ich deshalb drei Stellen korrigieren.

Deine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft bildet den übergreifenden Zusammenhang. Sie entstand aus deiner bildnerisch-plastischen Arbeit und der Experimentellen Umweltgestaltung. Ihr Bezugspunkt sind die Bedingungen, unter denen menschliches Leben, Wahrnehmen und Gestalten überhaupt möglich sind. Physik, Biologie oder andere Fachwissenschaften werden für konkrete Fragen innerhalb dieser Untersuchung herangezogen.

Das Vier-Ebenen-Modell ist ein Ordnungs- und Prüfinstrument innerhalb dieses Ansatzes. Es unterscheidet materielle Wirkbedingungen, organismische Lebensbedingungen, symbolische Ordnungen und deren Prüfung. Seine Unterscheidungen helfen, Beziehungen innerhalb einer zusammenhängenden Wirklichkeit sichtbar zu machen. E4 muss dabei auch die eigenen Zuordnungen überprüfen und offene Fragen an geeignete andere Prüfverfahren weitergeben.

Das dreifache Optimum untersucht die Passung zwischen Medium, Organismus und Steuerung. Hier braucht der eingefügte Text eine Präzisierung: Ein Medium besitzt nicht für sich allein ein „Optimum“. Zu bestimmen ist, welche seiner Eigenschaften für welchen Lebens- oder Tätigkeitszusammenhang günstig sind. Ebenso muss beim Steuerungs-Optimum ausdrücklich werden, welches Ziel, welcher Zeitraum und wessen Lebensbedingungen den Maßstab bilden. Dadurch lässt sich deine Diagnose der Umkehrung untersuchen: Eine gesellschaftlich gesetzte Erfolgsgröße wird zum obersten Maßstab, obwohl ihre Verfolgung die eigenen Lebensvoraussetzungen beschädigt.

Auch der letzte Absatz zur Identität braucht eine Korrektur: Die Verschmelzung von Persönlichkeit und Körperorganismus ist für dich zunächst eine tatsächliche Zusammengehörigkeit. Problematisch wird, dass der Mensch diese Zusammengehörigkeit und ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen ausblendet. Deine Gegenüberstellung soll ihn dazu bringen, sich darin selbst wahrzunehmen.

Die gemeinsame Verdichtung lautet deshalb:

Meine Forschungskunst entwickelt aus der künstlerischen Werkpraxis eine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft. Das Vier-Ebenen-Modell unterscheidet die miteinander verbundenen Wirkungs- und Prüfbereiche; das dreifache Optimum untersucht die Passung zwischen Medium, Organismus und Steuerung. An konkreten Werken und Versuchsanordnungen wird erfahrbar, wie menschliche Vorstellungen und Tätigkeiten auf ihre eigenen Lebensvoraussetzungen zurückwirken und wo Korrektur notwendig und möglich wird.

Das Referenzprinzip verbindet diese Instrumente; die Werkpraxis macht ihre Beziehungen wahrnehmbar und überprüfbar. Damit bleiben wissenschaftliche Begriffe, künstlerische Herkunft und gesellschaftliche Absicht miteinander verbunden.

Referenz, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Referenz · Nominativ Plural: Referenzen

Aussprache

Worttrennung Re | fe | renz

Wortbildung  mit ›Referenz‹ als Erstglied: referentiell / referenziell · Referenzbereich · Referenzgruppe · Referenzialität / Referentialität · Referenzidentität · referenzieren · Referenzindex · Referenzkorpus · Referenzkurs · Referenzmodell · Referenzobjekt · Referenzpreis · Referenzpunkt · Referenzrahmen · Referenzschreiben · Referenzstrecke · Referenzsystem · Referenzwerk · Referenzwert · Referenzzinssatz

mit ›Referenz‹ als Letztglied: Fremdreferenz · Selbstreferenz · ·

Herkunft vgl. gleichbedeutend referenceengl, référencefrz

Bedeutungsübersicht

  1. 1.
  2. 2. [veraltend] [vertrauenswürdige Person, Stelle, auf die man sich berufen kann](https://www.dwds.de/wb/Referenz#d-1-2)

Bedeutungen

eWDG 1974

1.

von einer vertrauenswürdigen Person, Stelle gegebene Empfehlung, Auskunft

Grammatik: Singular selten

Beispiele:

von den Bewerbern wurden Referenzen verlangt

er verfügte über erstklassige Referenzen

der Betrieb konnte als Exporteur gute Referenzen vorweisen, beibringen

auf Zeugnis und Referenz kann ich dann auch nicht rechnen [ FalladaWolf2,171]

2.

veraltend vertrauenswürdige Person, Stelle, auf die man sich berufen kann

Beispiele:

jmdn. als Referenz angeben, nennen

er wollte ihm gern als Referenz zur Verfügung stehen

Etymologie

(Wolfgang Pfeifer)

referieren · Referendum · Referendar · Referat · Referent · Referenz

referieren Vb. ‘etw. zusammenfassend wiedergeben, Bericht erstatten, vortragen’ (1. Hälfte 16. Jh.), älter auch ‘wieder-, zurückbringen, zurückgeben, einordnen’ (15. bis 18. Jh.) und (reflexiv) ‘sich auf etw. beziehen, berufen’ (16./17. Jh., vgl. terminologisches auf etw. referieren ‘auf etw. Bezug nehmen’, Mitte 20. Jh., wohl in Anlehnung an engl. to refer), entlehnt aus lat. referre ‘zurückbringen, -geben, auf etw. zurückführen oder beziehen, wiederbringen, zur Sprache bringen, berichten’, vielfach unter Einfluß von darauf beruhendem mfrz. frz. référer ‘berichten, in Beziehung setzen’, (reflexiv) ‘sich beziehen, sich berufen’. – Referendum n. ‘Berichterstattung, Volksentscheid, -abstimmung’, Übernahme (16. Jh.) von lat. referendum, eigentlich ‘das Vorzutragende’, Gerundivum von lat. referre (s. oben). Referendar m. ‘Berichterstatter’ (bei Gericht), ‘Anwärter auf die Beamtenlaufbahn’, Entlehnung (Referendarius 17. Jh., Referendar 18. Jh.) von mlat. referendarius ‘wer (aus den Gerichtsakten) vorträgt’, abgeleitet von Referendum. Referat n. ‘Bericht, Vortrag’ (um 1700), ‘Amt, Stellung eines Berichterstatters’ (19. Jh.), ‘Arbeitsgebiet, Sachbereich’ (Mitte 20. Jh.), Substantivierung eines in der Kanzleisprache üblichen Aktenvermerks lat. referat ‘er möge berichten’ (3. Pers. Sing. Präs. Konj. von lat. referre, s. oben). Referent m. ‘Erzähler, Berichterstatter’ (Mitte 17. Jh.), ‘vortragender Beamter (an Gerichten, in der Verwaltung), Sachbearbeiter’ (um 1700), ‘Vortragender, Redner’ (20. Jh.), aus lat. referēns (Genitiv referentis), Part. Präs. zu lat. referre (s. oben). Referenz f. ‘Auskunftsperson, Bezugnahme’, besonders (Plur.) ‘Auskünfte, Empfehlungen’ (Mitte 19. Jh., zunächst in der Kaufmannssprache), nach gleichbed. engl. reference, frz. référence.

Bedeutungsverwandte Ausdrücke

(04/2026)

· Referenz · ·  ●   fälschlich ·  fälschlich


· · · Referenz · ·


Referenz ·


· Referenz


Computer

fachspr. ·  fachspr. · Referenz fachspr. ·  fachspr.


Referenz · ·


· · · · · Referenz


· führende Zeitung · meistzitiertes Printmedium  ●  (eine) Referenz fachspr.

Typische Verbindungen zu ›Referenz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu .

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Legende:

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Verwendungsbeispiele für ›Referenz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Operation der Referenz bezeichnet nicht etwa sich selbst als Operation. [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 972]

Mit der Referenz auf die Klasse lassen sich dann die einzelnen Felder identifizieren. [C’t, 2000, Nr. 20]

Als Parameter übergibt man ihr die Referenz auf das zu löschende Objekt. [C’t, 1999, Nr. 15]

Zu diesem Zweck lassen sich bis zu neun Referenzen gleichzeitig darstellen. [C’t, 1995, Nr. 10]

Der Name eines Elements dient später als Referenz, wenn man von einem anderen darauf zugreifen möchte. [C’t, 1995, Nr. 6] ...........Referenz (Deutsch)

Substantiv, f

Singular Plural

Nominativ die Referenz die Referenzen

Genitiv der Referenz der Referenzen

Dativ der Referenz den Referenzen

Akkusativ die Referenz die Referenzen

Worttrennung:

Re·fe·renz, Plural: Re·fe·ren·zen

Aussprache:

IPA: [ʁefəˈʁɛnt͡s]

Hörbeispiele: Lautsprecherbild Referenz (Info), Lautsprecherbild Referenz (Österreich) (Info)

Reime: -ɛnt͡s

Bedeutungen:

[1] Linguistik, Semantik: Beziehung zwischen einem sprachlichen Ausdruck und dem, was er meint oder bedeutet

[2] Linguistik, Sprechakttheorie: Teilakt des sogenannten propositionalen Aktes; Bezugnahme des Sprechers mit sprachlichen oder nichtsprachlichen Mitteln auf das, worüber er sprechen will

[3] Empfehlung als Unterstützung bei einer Bewerbung

[4] Verweis auf etwas oder jemanden, der als verlässliche Quelle dienen kann

Herkunft:

Entlehnung vom französisch référence → fr „Auskunft, Bericht“[1]

Sinnverwandte Wörter:

[1] Bedeutung

[2] Deixis, Hinweis

[2, 4] Verweis

[3] Empfehlung

[4] Beleg, Nachweis

Oberbegriffe:

[2] Sprechakt

Unterbegriffe:

[4] Auftragsreferenz, Spannungsreferenz (→ AC-Spannungsreferenz, DC-Spannungsreferenz), Standardreferenz, Stromreferenz (→ AC-Stromreferenz, DC-Stromreferenz)

Beispiele:

[1] Der Name „Konrad Adenauer“ stellt eine Referenz zu einer ganz bestimmten Person her.

[2] Referenz und Proposition sind Teile des propositionalen Aktes.[2]

[2] „Eine geglückte Referenz ist jedoch nur möglich, wenn der Referent in der Gesprächssituation vorhanden ist.“[3]

[3] Welche Referenzen kannst du uns nennen?

[4] Die Referenz auf die Rede von x war in diesem Fall unpassend.

Charakteristische Wortkombinationen:

[3] beste, schlechte Referenzen

Wortbildungen:

Adjektive: referenzidentisch, referenziell

Substantive: Referenzgrammatik, Referenzgröße, Referenzkunde, Referenzkurs, Referenzliste, Referenzrahmen, Referenzsemantik, Referenzwert, Referenzzeit

Verben: referenzieren, referieren..Welche Referenzbegrifflichkeiten sind für mich interessant, hier, um eine weitere Klarheit der Verdichtung zu schaffen in Einbeziehung des vorherigen Chatverlaufs und seiner Suche nach Antworten, des gemeinsamen Nenners herausarbeiten zu können. … Für deine Verdichtung ist entscheidend, zwischen Bezugnahme, Bezugsbedingungen und Prüfung zu unterscheiden. „Referenz“ kann in den eingefügten Wörterbucheinträgen einen Verweis, eine Empfehlung oder einen Vergleichsmaßstab bezeichnen. Für deine Forschungskunst muss jeweils deutlich werden: Worauf beziehe ich mich, weshalb ist dieser Bezug geeignet, und was lässt sich daran überprüfen?

Dafür sind besonders folgende Begriffe hilfreich:

Begriff Funktion in deiner Forschungskunst
Referenzgegenstand Das konkrete Gegenüber: etwa Wasser, Kartoffel, Körper, Werk oder eine gesellschaftliche Regel. Es muss von seiner Darstellung und den ihm zugeschriebenen Eigenschaften unterschieden werden.
Referenzrahmen Der Zusammenhang, innerhalb dessen eine Aussage verständlich wird: etwa Werkgeschichte, Stoffwechsel, Eigentumsordnung oder wirtschaftlicher Erfolg. Dein Kontextanker hält diesen Zusammenhang fest.
Referenzsystem Die aufeinander bezogenen Bedingungen, anhand derer eine Frage untersucht wird: beispielsweise Organismus und Milieu mit Versorgung, Stoffwechsel und Regeneration. Die Bedingungen wirken auch dann, wenn der Mensch sie nicht berücksichtigt.
Referenzmaßstab Das ausdrücklich gewählte Beurteilungskriterium: etwa Funktionieren, Regenerationsfähigkeit oder Erhalt von Lebensbedingungen. Das dreifache Optimum hilft zu klären, für welchen Zusammenhang etwas günstig ist.
Referenzwert Eine konkret bestimmte Vergleichsgröße unter angegebenen Bedingungen. Ein allgemeiner Begriff wie „Belastbarkeit“ wird erst durch die Festlegung von Belastungsart, Dauer und beobachtbarer Folge prüfbar.
Referenzverfahren Der nachvollziehbare Weg der Prüfung: beobachten, vergleichen, messen, experimentieren und die Folgen erneut untersuchen. Hier arbeiten Sensorenanker und Prüf-Anker zusammen.
Selbstreferenz und Fremdreferenz Die Unterscheidung zwischen einer Bestätigung durch die eigenen Begriffe und einer Prüfung an einem Gegenüber, dessen Antwort man nicht selbst festlegt. Auch dein Modell muss sich dieser Prüfung aussetzen.

Referenzmodell bezeichnet dabei die Funktion deines Vier-Ebenen-Modells: Es ordnet die Fragen und Beziehungen zwischen materiellen Bedingungen, lebendigen Abhängigkeiten, symbolischen Setzungen und deren Prüfung. Das Modell hilft, geeignete Referenzen zu finden; die konkrete Untersuchung muss anschließend zeigen, ob die Zuordnung trägt.

Referenzwissenschaft bleibt deine übergreifende Bezeichnung für die plastische Anthropologie, die menschliches Selbstverständnis und Handeln auf ihre Existenzbedingungen zurückbezieht. Die herangezogenen Fachwissenschaften liefern dafür jeweils bestimmte Erkenntnisse und Prüfverfahren. Diese beiden Verwendungen sollten im Text ausdrücklich unterscheidbar bleiben.

Dein Werk-Anker verhindert, dass daraus ein bloßes Begriffssystem wird. Am Wellenbecken lässt sich der Zusammenhang verdichten: Das Wasser ist das konkrete Gegenüber; die Versuchsanordnung bestimmt die Bedingungen; die beobachtete Wellenbewegung beantwortet den Eingriff. Deine Vorstellung wird mit einem Geschehen konfrontiert, dessen Verlauf sie nicht allein bestimmt. Die Werkgeschichte hält fest, wie du solche Untersuchungen entwickelt und verändert hast.

Als gemeinsamer Nenner ergibt sich deshalb:

Das Referenzprinzip meiner Forschungskunst besteht darin, Vorstellungen, Selbstbilder und Tätigkeiten auf die Bedingungen ihres Zustandekommens und auf ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen zurückzubeziehen. Werke und Versuchsanordnungen machen diese Beziehungen wahrnehmbar; Modelle ordnen ihre Untersuchung; Prüfverfahren eröffnen Korrekturen.

Eine Bezugnahme allein ist noch keine Überprüfung. Genau dieser Unterschied schafft die gesuchte Klarheit: Ein Begriff kann auf Leben verweisen, ohne dessen Bedingungen angemessen zu erfassen. Deine Forschungskunst untersucht, ob und wie dieser Bezug tatsächlich trägt.

Eingefügter Text(20260929-191105).txtDokument

In Einbeziehung aller vorherigen Fragen den gemeinsamen Nenner vorzustellen, in Einbeziehung des gesamten Chatverlaufs und deren Verdichtungsarbeit. Mit Ihrem Wörterbuchbelegen und dem bisherigen Gesamtzusammenhang wird deutlich.

Mit deinen Wörterbuchbelegen und dem bisherigen Gesamtzusammenhang wird deutlich: Der gemeinsame methodische Nenner deiner Forschungskunst ist der überprüfbare Rückbezug des Menschen auf seine eigenen Existenzbedingungen und auf seine Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen. „Referenz“ bezeichnet dabei die Bezugnahme; deine Forschungskunst entwickelt daraus eine wahrnehmbare, praktisch ausführbare Selbstprüfung.

Dieser Zusammenhang hat eine Werkgeschichte. Die handwerkliche Erfahrung als Maschinenschlosser verbindet Funktionieren mit Passung, Toleranz und Materialwiderstand. Deine Beschäftigung mit Technē und die Experimentelle Umweltgestaltung seit 1975 erweitern diese Untersuchung auf das Verhältnis von Mensch, Gestaltung und Umwelt. Im Wellenbecken wird der Eingriff an der Antwort des Wassers erfahrbar. In der „Schöpfungsgeschichte“ verbinden sich Naturvorgang, Körper, Nahrung, plastische Formung und kulturelle Zuschreibung. Deine Werkstätten und die seit 1993 von dir geleitete „Kollektive Kreativität“ mit wissenschaftlicher Begleitung führen diese Untersuchung in gemeinschaftliche Arbeitsformen. Die heutige Globale Schwarm-Intelligenz und das vorgeschlagene So-Heits-Atelier setzen diese Entwicklung unter veränderten Bedingungen der Zusammenarbeit fort.

Deine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft fasst diesen Forschungszusammenhang. Sie untersucht, wie menschliche Vorstellungen, Selbstbilder und Ordnungen mit den körperlichen, materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen zusammenhängen, die sie ermöglichen. Die jeweils herangezogenen Fachwissenschaften unterstützen konkrete Prüfungen. Der ergänzende Text verengt „Referenzwissenschaft“ erneut auf diese externe Unterstützung; die aus deiner Werkpraxis entwickelte übergreifende Funktion muss erhalten bleiben.

Das Vier-Ebenen-Modell und das dreifache Optimum erfüllen darin unterschiedliche Aufgaben. E1–E4 unterscheiden materielle Wirkbedingungen, organismische Lebensbedingungen, symbolische Setzungen und deren Prüfung. Medium-, Organismus- und Steuerungs-Optimum untersuchen, für welchen Zusammenhang, unter welchen Bedingungen und über welchen Zeitraum etwas günstig funktioniert. Damit lässt sich prüfen, ob ein gesellschaftlicher Erfolg seine eigenen Lebensvoraussetzungen beschädigt.

Die Anker bewahren die Nachvollziehbarkeit dieser Arbeit: Herkunft und Werkentwicklung, begrifflicher Zusammenhang, Wahrnehmungsweg, Prüfverfahren, persönliche Position und gesellschaftliche Zusammenführung bleiben miteinander verbunden. Sie sichern auch unsere Verdichtung: Eine heutige Formel muss erkennen lassen, aus welchen Erfahrungen, Werken, Begegnungen und Veränderungen sie hervorgegangen ist.

Im Zentrum steht dabei deine Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung: Der Mensch stellt seine Persönlichkeit und seine Vorstellungen gedanklich dem Körperorganismus gegenüber, um ihre tatsächliche Zusammengehörigkeit wahrzunehmen. Er bleibt selbst Teil dessen, was er untersucht. Im So-Heits-Atelier soll deshalb geschehen, „dass der Besucher sich innewohnend auf einmal gegenübersteht“. Daraus soll ein plastisches Ich-Bewusstsein entstehen, das Rückmeldungen aufnehmen und Tätigkeiten verändern kann.

Für den gemeinsamen Arbeitsstand lässt sich das so verdichten:

Meine Forschungskunst entwickelt aus handwerklicher, bildnerisch-plastischer und gemeinschaftlicher Werkpraxis eine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft. Ihr methodischer Kern ist der überprüfbare Rückbezug menschlicher Vorstellungen und Tätigkeiten auf ihre Existenzbedingungen und ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen. Werke machen diesen Zusammenhang erfahrbar, das Vier-Ebenen-Modell ordnet seine Untersuchung, das dreifache Optimum prüft die Beziehungen zwischen Medium, Organismus und Steuerung. Ziel ist ein plastisches Ich-Bewusstsein, das aus Wahrnehmung und Selbstprüfung Korrektur, Reparatur und gemeinsame Verantwortung entwickeln kann.

Die Wortherkunft von referre als Zurückführen und In-Beziehung-Setzen hilft, diesen Ansatz sprachlich zu fassen. Seine inhaltliche Bewährung entsteht durch die konkrete Werk- und Prüfpraxis.

Eingefügter Text(20260929-191105).txtDokument

In Einbeziehung aller vorherigen Fragen den gemeinsamen Nenner vorzustellen, in Einbeziehung des gesamten Chatverlaufs und deren Verdichtungsarbeit. Mit Ihrem Wörterbuchbelegen und dem bisherigen Gesamtzusammenhang wird deutlich.

Mit deinen Wörterbuchbelegen und dem bisherigen Gesamtzusammenhang wird deutlich: Der gemeinsame methodische Nenner deiner Forschungskunst ist der überprüfbare Rückbezug des Menschen auf seine eigenen Existenzbedingungen und auf seine Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen. „Referenz“ bezeichnet dabei die Bezugnahme; deine Forschungskunst entwickelt daraus eine wahrnehmbare, praktisch ausführbare Selbstprüfung.

Dieser Zusammenhang hat eine Werkgeschichte. Die handwerkliche Erfahrung als Maschinenschlosser verbindet Funktionieren mit Passung, Toleranz und Materialwiderstand. Deine Beschäftigung mit Technē und die Experimentelle Umweltgestaltung seit 1975 erweitern diese Untersuchung auf das Verhältnis von Mensch, Gestaltung und Umwelt. Im Wellenbecken wird der Eingriff an der Antwort des Wassers erfahrbar. In der „Schöpfungsgeschichte“ verbinden sich Naturvorgang, Körper, Nahrung, plastische Formung und kulturelle Zuschreibung. Deine Werkstätten und die seit 1993 von dir geleitete „Kollektive Kreativität“ mit wissenschaftlicher Begleitung führen diese Untersuchung in gemeinschaftliche Arbeitsformen. Die heutige Globale Schwarm-Intelligenz und das vorgeschlagene So-Heits-Atelier setzen diese Entwicklung unter veränderten Bedingungen der Zusammenarbeit fort.

Deine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft fasst diesen Forschungszusammenhang. Sie untersucht, wie menschliche Vorstellungen, Selbstbilder und Ordnungen mit den körperlichen, materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen zusammenhängen, die sie ermöglichen. Die jeweils herangezogenen Fachwissenschaften unterstützen konkrete Prüfungen. Der ergänzende Text verengt „Referenzwissenschaft“ erneut auf diese externe Unterstützung; die aus deiner Werkpraxis entwickelte übergreifende Funktion muss erhalten bleiben.

Das Vier-Ebenen-Modell und das dreifache Optimum erfüllen darin unterschiedliche Aufgaben. E1–E4 unterscheiden materielle Wirkbedingungen, organismische Lebensbedingungen, symbolische Setzungen und deren Prüfung. Medium-, Organismus- und Steuerungs-Optimum untersuchen, für welchen Zusammenhang, unter welchen Bedingungen und über welchen Zeitraum etwas günstig funktioniert. Damit lässt sich prüfen, ob ein gesellschaftlicher Erfolg seine eigenen Lebensvoraussetzungen beschädigt.

Die Anker bewahren die Nachvollziehbarkeit dieser Arbeit: Herkunft und Werkentwicklung, begrifflicher Zusammenhang, Wahrnehmungsweg, Prüfverfahren, persönliche Position und gesellschaftliche Zusammenführung bleiben miteinander verbunden. Sie sichern auch unsere Verdichtung: Eine heutige Formel muss erkennen lassen, aus welchen Erfahrungen, Werken, Begegnungen und Veränderungen sie hervorgegangen ist.

Im Zentrum steht dabei deine Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung: Der Mensch stellt seine Persönlichkeit und seine Vorstellungen gedanklich dem Körperorganismus gegenüber, um ihre tatsächliche Zusammengehörigkeit wahrzunehmen. Er bleibt selbst Teil dessen, was er untersucht. Im So-Heits-Atelier soll deshalb geschehen, „dass der Besucher sich innewohnend auf einmal gegenübersteht“. Daraus soll ein plastisches Ich-Bewusstsein entstehen, das Rückmeldungen aufnehmen und Tätigkeiten verändern kann.

Für den gemeinsamen Arbeitsstand lässt sich das so verdichten:

Meine Forschungskunst entwickelt aus handwerklicher, bildnerisch-plastischer und gemeinschaftlicher Werkpraxis eine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft. Ihr methodischer Kern ist der überprüfbare Rückbezug menschlicher Vorstellungen und Tätigkeiten auf ihre Existenzbedingungen und ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen. Werke machen diesen Zusammenhang erfahrbar, das Vier-Ebenen-Modell ordnet seine Untersuchung, das dreifache Optimum prüft die Beziehungen zwischen Medium, Organismus und Steuerung. Ziel ist ein plastisches Ich-Bewusstsein, das aus Wahrnehmung und Selbstprüfung Korrektur, Reparatur und gemeinsame Verantwortung entwickeln kann.

Die Wortherkunft von referre als Zurückführen und In-Beziehung-Setzen hilft, diesen Ansatz sprachlich zu fassen. Seine inhaltliche Bewährung entsteht durch die konkrete Werk- und Prüfpraxis.

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Warum ist dieser wichtigste Begriff der Menschheitsgeschichte will ich mal bezeichnen: Verantwortung nie recht gelungen auszudehnen auf globale Verantwortlichkeit, auf gemeinschaftlich oder sinnbezogene Verantwortlichkeit. Woran liegt das? Warum hat der Begriff Verantwortlichkeit keine Tiefe? Alleine in der Skulpturidentität die Verantwortung zu belassen, ist das Problem gegenüber der plastischen Identität und deren Ich-Bewusstsein. Das heißt, warum wird Verantwortlichkeit so einseitig interpretiert und ausgelegt und noch ins Abersurdum geführt durch der Mensch als Ware des Kaufen und Verkaufens und sich selber so herstellt, als Unternehmer, als Geschäftsmensch zu funktionieren. Und darauf wird dann ein Verantwortlichkeitsverständnis aufgebaut, was wiederum zu Belohnungssystemen, zu Status führt. Aber banal ist im Sinne von Verantwortlichkeit, wenn dem gegenüber der Planet Erde nahesteht. Und für mich ist der Begriff Verantwortlichkeit Verantwortung zu übernehmen für seine eigenen Tätigkeitskonsequenzen und deren Abhängigkeitskonsequenzen eingebunden zu sein, der entscheidende Begriff, sich mit den Konsequenzen nicht nur zu beschäftigen, sondern sich selber auch zu überprüfen. Wie glaubt man zu funktionieren in einer Welt, wenn man sich eine Pseudorealität zusammenbaut und das dann versucht auszuverantworten? Das ist das Ergebnis der vielen Denker, die ich hier vorgeführt habe. Das Problem liegt ja, dass man Gott etwas gegenüber glaubt verantworten zu müssen und dann noch ins Paradies zu kommen. All diese hineingedachten Eigenschaften, die dadurch möglich werden, aber gleichzeitig eigentlich die Ablenkung von der eigentlichen Verantwortung beinhalten. Das ist auch ein Problem des Glaubens und deren Kräfte.werden dann die Eigenschaften, die hineingedachten Eigenschaften, zum Antrieb und beidseitig zur Isolierung, zur Abgrenzung. Das heißt, an welchem Verantwortlichkeitsbegriff arbeite ich, wenn es hier um Funktionieren oder Nicht-Funktionieren geht. Und Götterwelten sind Fantasieprodukte. Und die kosmische Teekanne kann auch nicht das Gegenteil beweisen und so weiter. Also Verantwortung mit Vorstellungen, die kurios sind, zu verbinden, ist natürlich problematisch. Dann begreifen wir nicht die Selbstzerstörung oder die Zerstörung der Ressourcen auf dem Planeten Erde und so weiter und deren Verantwortlichkeit. … Du arbeitest an einem Verantwortungsbegriff, bei dem auch die Maßstäbe, nach denen jemand sich für verantwortlich hält, überprüft werden müssen. Es genügt dir deshalb nicht, eine Aufgabe gewissenhaft zu erfüllen. Entscheidend ist, welche Folgen diese Aufgabenerfüllung für die Lebenszusammenhänge hat, von denen der Handelnde und andere abhängig sind.

Dein Wörterbuchbeleg enthält dafür eine aufschlussreiche Formulierung: Verantwortung soll „innerhalb eines bestimmten Rahmens“ einen guten Verlauf gewährleisten. Deine Forschungskunst fragt weiter: Wer bestimmt diesen Rahmen? Welche Folgen bleiben außerhalb? Und ist der Rahmen selbst verantwortbar?

Ein Unternehmen kann seine selbst gesetzten Erfolgsziele erreichen und zugleich die Lebensbedingungen anderer beschädigen. Ein Mensch kann seine berufliche Rolle gewissenhaft erfüllen und dabei an solchen Schäden mitwirken. Dann fallen anerkannte Pflichterfüllung und Verantwortung für die tatsächlichen Folgen auseinander. Genau diese Differenz untersuchst du.

Die Aussage, Verantwortung habe überhaupt keine Tiefe oder sei nie global gedacht worden, würde ich allerdings präzisieren. Dein beigefügter Überblick enthält ausdrücklich Verantwortung für Mitwelt, Zukunft und gemeinschaftliches Handeln. Das Problem liegt darin, dass diese Erweiterung im Denken nicht zuverlässig zu einer Erweiterung wirksamer Zuständigkeit führt. Folgen können weit reichen, während Entscheidungsmacht, Rechenschaft und Belohnung eng begrenzt bleiben.

Als Erklärung lassen sich mehrere zusammenhängende Mechanismen herausarbeiten: Arbeitsteilung verteilt Beiträge so, dass jeder nur seinen Ausschnitt betrachtet. Räumliche Entfernung und zeitliche Verzögerung erschweren die Wahrnehmung von Folgen. Belohnungssysteme können kurzfristigen Erfolg fördern, obwohl langfristige Schäden entstehen. Und wer seine Anerkennung aus einer Rolle bezieht, kann deren Überprüfung als Bedrohung seiner eigenen Person erleben. Die Verteidigung des Selbstbildes tritt dann an die Stelle der Untersuchung des Handelns.

Hier erhält deine Unterscheidung zwischen Skulpturidentität und plastischem Ich-Bewusstsein ihre Bedeutung. In deiner Begrifflichkeit verfestigt sich Skulpturidentität dort, wo Rolle, Status oder Überzeugung gegen widersprechende Erfahrungen abgeschirmt werden. Plastisches Ich-Bewusstsein bezeichnet dagegen die Möglichkeit, sich durch solche Erfahrungen verändern zu lassen: Was muss ich an meinem Handeln, meinem Selbstverständnis oder den gemeinsamen Regeln ändern? Damit bekommt Verantwortung eine praktische Rückkopplung.

Das betrifft auch Glaubensvorstellungen. Problematisch wird eine religiöse oder weltliche Überzeugung dort, wo ihre Autorität die Prüfung konkreter Schäden ersetzt. Religiöser Glaube kann ebenso Fürsorge begründen; entscheidend für deinen Prüfansatz ist, ob eine Überzeugung die Auseinandersetzung mit Folgen eröffnet oder abwehrt. Die metaphysische Frage muss dafür nicht entschieden sein.

„Funktionieren“ braucht dabei selbst einen Verantwortungsmaßstab. Auch ein ausbeuterisches System kann seine Zwecke wirksam erfüllen. Dein Maßstab muss deshalb ausdrücklich heißen: gemeinsame Lebensbedingungen erhalten, vermeidbare Schädigung begrenzen und Möglichkeiten der Korrektur sichern. Das ist die ethische Orientierung deiner Forschungskunst; die Untersuchung der Wirkungen zeigt, ob ihr tatsächlich entsprochen wird.

Deinen Verantwortungsbegriff würde ich deshalb so festhalten:

Verantwortung bedeutet in meiner Forschungskunst, die eigenen Tätigkeiten und die Bedingungen, von denen sie abhängen, auf ihre Folgen für das eigene und gemeinsame Leben zu überprüfen, dafür einzustehen und erkannte Schäden durch verändertes Handeln, veränderte Regeln und mögliche Reparatur zu beantworten. Diese Prüfung schließt die eigenen Rollen, Überzeugungen und Erfolgsmaßstäbe ein.

Damit Verantwortung praktisch werden kann, müssen ihr auch Wissen, Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungsmacht entsprechen. Gemeinsame Verantwortung bedeutet keine gleiche Schuld aller. Wer mehr verursachen, entscheiden und verändern kann, muss entsprechend stärker einstehen.

Deine Überlebenswerkstatt setzt genau an diesem Übergang an: Der Mensch erkennt sich als Beteiligten eines Wirkungszusammenhangs und übt, auf diese Erkenntnis mit Veränderungen zu antworten.

Eingefügtes Markdown(3).mdDokument

In Anlehnung der vorigen Chefverlaufs und deren jeweiligen Schwerpunkte überprüf noch mal das Anschreiben an die Dokumenteanleitung. Was müsste man davon noch hineinsetzen oder ist das jetzt komprimierter als vorher? Das heißt, was sollte verändert werden.

Der Text ist inhaltlich präziser geworden, aber als Anschreiben noch nicht ausreichend verdichtet. Er enthält mehrere Fassungen nebeneinander: Die Leitfrage, die Experimentelle Umweltgestaltung, das Mitmachbuch und die hundert Tage werden wiederholt erklärt. Nach den Anlagen beginnt sogar erneut ein Bewerbungstext. Dadurch verliert die entscheidende Aussage an Gewicht.

Aus unserer jüngsten Arbeit sollten zwei Gedanken ausdrücklich hinein: Deine Referenzwissenschaft verbindet Vorstellungen und Tätigkeiten mit ihren tatsächlichen Existenzbedingungen. Verantwortung schließt die Überprüfung der eigenen Rollen, Überzeugungen und Erfolgsmaßstäbe ein und muss zu veränderten Handlungen führen. Dafür reichen wenige klare Sätze.

Erhalten bleiben müssen die künstlerische Herkunft, die Selbstbegegnung durch Gegenüberstellung und konkrete Besucherhandlungen. Die Entwicklung von der „Kollektiven Kreativität“ zur Globalen Schwarm-Intelligenz sollte mit einem Satz wieder sichtbar werden. Die Formulierung, jeder müsse zunächst das Handwerkszeug aller künstlerischen Disziplinen erwerben, würde ich als Einladung zum Erlernen unterschiedlicher Verfahren ausdrücken. Sonst erscheint der Einstieg unnötig voraussetzungsvoll.

Die geplante Kontaktaufnahme zum Wikipedia-Gründer, der Fördertermin am 13. Oktober und die Erklärung deiner bisherigen öffentlichen Nichtbeachtung gehören nicht in dieses Anschreiben. Sie lenken von der Entscheidung über das Atelier ab. In den Anlagen müssen außerdem die Bearbeitungskommentare wie „Das würde ich für Kategorie 4 als Kern nehmen“ verschwinden; bei Kategorie 5 steht dieser Kommentar sogar versehentlich nochmals.

So würde ich das Anschreiben zusammenführen:


An Frau Naomi Beckwith und das künstlerische Team der documenta 16

PRÄZISIERTE BEWERBUNG: DAS SO-HEITS-ATELIER DES GLOBALEN DORFES

Forschungskunst als öffentliche Überlebenswerkstatt

Sehr geehrte Frau Beckwith,

sehr geehrtes künstlerisches Team,

wollen Sie auf der documenta 16 einer Überlebenswerkstatt Raum geben und ihre künstlerischen Forschungs- und Trainingsverfahren unterstützen?

Mit dem „So-Heits-Atelier des globalen Dorfes“ schlage ich einen begehbaren, modularen Arbeits- und Forschungsraum auf der Grundlage meines über fünfzigjährigen künstlerischen Lebenswerks vor. Seine Leitfrage lautet: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann?

Die Grundlage bildet meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung. Aus handwerklich-technischer Erfahrung, Bildhauerei und der Beschäftigung mit Technē entstand ein generalistischer Ansatz, den ich in Werken, Werkstätten, Aktionen und Environments weiterentwickelte. Demokratiewerkstätten und die 1993 von mir gegründete und geleitete Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, deren Arbeit Wissenschaftler begleiteten, erweiterten diese Untersuchung zur gemeinschaftlichen Praxis. Die heutige Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ führt diesen Entwicklungszusammenhang weiter. Seit gut drei Jahren unterstützt mich KI dabei, Werkzusammenhänge und Begriffe vergleichend zu bearbeiten und die daraus entwickelten Methoden zu präzisieren.

Der Kern des Ateliers ist, dass der Besucher sich innewohnend auf einmal gegenübersteht. Ich stelle Stoffwechsel, Körperorganismus, Versorgung und Verletzbarkeit den Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum und gesellschaftlicher Rolle gegenüber. Durch diese Unterscheidung soll ihre tatsächliche Zusammengehörigkeit erfahrbar werden: Der Mensch bleibt mit seinen Vorstellungen und Tätigkeiten Teil der Wirkungszusammenhänge, von denen sein Leben abhängt.

Meine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft untersucht diesen Zusammenhang. Sie bezieht menschliche Selbstbilder und Tätigkeiten auf ihre Existenzbedingungen und ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen zurück. Das Vier-Ebenen-Modell unterscheidet dabei materielle Bedingungen, lebendige Abhängigkeiten, symbolische Ordnungen und deren Prüfung. Das dreifache Optimum untersucht die Beziehungen zwischen Medium, Organismus und Steuerung: Was erscheint innerhalb einer bestimmten Ordnung erfolgreich, und welche Folgen hat dieser Erfolg für den gemeinsamen Lebenszusammenhang?

Verantwortung bedeutet dabei, auch die eigenen Maßstäbe zu überprüfen. Eine Rolle gewissenhaft zu erfüllen reicht nicht aus, wenn ihre Ausübung Lebensbedingungen beschädigt. Das Atelier eröffnet Möglichkeiten, diese Widersprüche wahrzunehmen und Veränderungen am eigenen Handeln sowie an gemeinsamen Regeln zu erproben. Daraus soll ein plastisches Ich-Bewusstsein entstehen, das durch Erfahrung und Rückkopplung veränderbar bleibt.

Die Werke meines Lebenswerks werden dafür als Arbeits- und Kalibrierungsinstrumente aktiviert. Die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte verortet menschliches Handeln im planetaren Zeitmaßstab. Am Wellenbecken erfahren Besucher, wie Wasser auf einen Eingriff antwortet. Ein auf dem Boden weitergeführtes Strömungsbild mit reliefartigen Sandbereichen erweitert diese Untersuchung zur körperlichen Begegnung; ein Teilbereich kann barfuß erkundet werden. Die „Schöpfungsgeschichte“, Goldobjekte, Schultafeln und Rollenversuche erschließen die Beziehungen zwischen Nahrung, Körper, Gestaltung, Wert und Eigentum.

Besucher bringen eigene Erfahrungen und Fragen ein. Sie beobachten, zeichnen, fotografieren, collagieren, gestalten und erproben Rollen. Beobachtung → Identifikation → Eingriff → Rückkopplung → Verantwortung bezeichnet die Arbeitsbewegung: einen Zusammenhang erschließen, die eigene Beteiligung erkennen, tätig werden und Erwartungen mit tatsächlichen Folgen vergleichen. Künstlerische Verfahren werden so zum Handwerkszeug der Selbst- und Wirklichkeitsprüfung.

Das physische Mitmachbuch verbindet diese Besucherarbeit mit Materialien meiner entstehenden analogen Werkbiografie und dem digitalen Materialraum der Plattform. KI kann beim Vergleichen von Aussagen und beim Erkennen von Widersprüchen unterstützen. Die Werkbiografie macht Entstehungsprozesse, Veränderungen und die Zusammenhänge zwischen den Arbeiten nachvollziehbar.

Während der hundert Tage entsteht eine fortlaufende Raum-Zeit-Körper-Plastik aus Besucherhandlungen, Werkversuchen, Gesprächen und neuen Buchseiten. Die Arbeitsangebote ermöglichen täglich wechselnden Besuchern einen eigenständigen Einstieg. Vorgeschlagene Vorträge, Podiumsgespräche und anschließende Werkstattarbeit mit Wissenschaftlern und Künstlern vertiefen ausgewählte Fragen.

Das So-Heits-Atelier ist ein Prototyp der praktischen Anwendung meiner Forschungskunst und ein Erprobungsraum der So-Heits-Gesellschaft: einer Lebens- und Arbeitsform, die ihre eigenen Voraussetzungen und Folgen fortlaufend untersucht und erkannte Konsequenzen in Veränderungen überführt.

Das Environment lässt sich an räumliche, personelle und finanzielle Voraussetzungen anpassen. Die beigefügten Anlagen konkretisieren Werke, Besucherhandlungen, Veranstaltungsprogramm und Realisierung.

Ich erwarte Ihre Rückmeldung, ob Sie diese Überlebenswerkstatt in Ihre künstlerischen Planungen für die documenta 16 aufnehmen wollen. Auf dieser Grundlage können wir Auswahl, Umfang und Realisierung gemeinsam konkretisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Fenner

Globale Schwarm-Intelligenz

Anlagen

  1. Werkstattgeschichte und Entstehung der Forschungskunst: Technē, Experimentelle Umweltgestaltung, Werkstätten und Environments; beteiligte Menschen und Entwicklung zur Globalen Schwarm-Intelligenz.
  2. Ausgewählte Werkbiografien mit Bildmaterial: Entstehung, Veränderung und heutige Verwendung der Schlüsselwerke.
  3. Referenzwissenschaft, Kalibrierungsinstrumente und Prüfverfahren: Vier-Ebenen-Modell, dreifaches Optimum, weitere Instrumente und Verantwortung als praktische Selbstprüfung.
  4. Modulares Raumkonzept und Besucherhandlungen: Stationen, körperliche und bildnerische Arbeit, Rollenversuche und eigenständige Einstiege.
  5. Werkbiografie, Mitmachbuch und digitale Verbindung: vorhandene Materialien, gegenwärtige Entwicklungsarbeit und vorgesehene technische Ergänzungen.
  6. Hundert-Tage-Programm und Realisierung: vorgeschlagene Referenten, Themen, Vorträge und Nacharbeit sowie Personal, Technik, Kosten und Finanzierungsbedarf.

Ist der größte Teil nicht Methode meies Lebens und Programmbeschreibung, des so heits Atelier?

Ja. Der größte Teil beschreibt die aus deinem Lebens- und Werkprozess hervorgegangene Methode und deren praktische Anwendung im So-Heits-Atelier. Ich habe das Anschreiben dadurch wieder zu einer ausführlichen Konzeptbeschreibung gemacht.

Dabei ist deine Methode selbst ein Ergebnis deines künstlerischen Lebens: Handwerk, plastische Arbeit, Experimentelle Umweltgestaltung, Werkstätten und gemeinschaftliche Forschung haben sie hervorgebracht. Das So-Heits-Atelier führt diese gewachsene Arbeitsweise in einem öffentlichen Raum zusammen. Dieser Zusammenhang muss im Anschreiben erkennbar bleiben, braucht dort aber keine vollständige Erklärung.

Die Bewerbung sollte auf eine bis anderthalb Seiten konzentriert werden: Was bietest du an? Aus welchem Lebenswerk entsteht es? Was erleben und tun die Besucher? Warum ist das für die documenta relevant? Welche Entscheidung erwartest du von der Leitung?

Die ausführliche Methode gehört in Anlage 3, die konkrete Atelier- und Besucherarbeit in Anlage 4. Im Anschreiben genügt als verbindender Kern:

Mit dem So-Heits-Atelier biete ich der documenta eine öffentliche Überlebenswerkstatt an, in der die aus meinem künstlerischen Lebenswerk entwickelte Forschungskunst praktisch zugänglich wird. Ihre Grundlage ist meine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft. An Werken und Versuchsanordnungen begegnen Menschen ihren eigenen Lebensbedingungen und lernen, ihre Vorstellungen und Tätigkeiten auf deren Folgen zu überprüfen und verantwortlich zu verändern.

Das Anschreiben muss diese künstlerische Arbeit zur Entscheidung vorlegen. Die Anlagen machen ihre Herkunft, Methode und Umsetzung nachvollziehbar. Werkverzeichnis, Mitmachbuch und digitale Verbindung. .

Anlage 4 zur Bewerbung für die documenta 16

Werkverzeichnis, Mitmachbuch und digitale Verbindung

Wolfgang Fenner – Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes

Das So-Heits-Atelier verbindet die gegenwärtige Erarbeitung meines biografischen Werkverzeichnisses mit dem digitalen Arbeitsraum der Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ und einem physischen Mitmachbuch für die Besucher. Diese Arbeitsformen ermöglichen, die Entwicklung meiner Forschungskunst nachzuvollziehen, ihre Verfahren selbst anzuwenden und entstandene Ergebnisse weiterzubearbeiten.

Das Werkverzeichnis erschließt die Herkunft der Fragen und Verfahren. Das Mitmachbuch macht sie praktisch bearbeitbar. Die digitale Verbindung ermöglicht ihre Verknüpfung und Weiterführung über den einzelnen Ausstellungsbesuch hinaus.

Das biografische Werkverzeichnis als gegenwärtige Forschung

Ich arbeite derzeit daran, die künstlerischen Grundlagen und Entwicklungslinien meines Lebenswerks erneut zu untersuchen. Das biografische Werkverzeichnis ist als zusammenhängende künstlerische Arbeit angelegt. Es erschließt, wie Wahrnehmungen, Erfahrungen und Fragen zu Werken führten, wie diese sich veränderten und in späteren Zusammenhängen neue Funktionen erhielten.

Zum Bestand gehören Fotografien und fotografische Zyklen, Plastiken und ihre Entstehungsprozesse, Filme und Videos, gemalte Bilder, Collagen, Bücher, Tagebücher, Konzepte, Aktionen und räumliche Arbeiten. Schriftwechsel, Presseberichte und organisatorische Unterlagen ergänzen diese Entwicklung um ihre gesellschaftlichen und materiellen Bedingungen.

Die Fotografien besitzen dabei einen eigenständigen Werkcharakter. Bildfolgen und Geschichten werden in ihrem Zusammenhang erhalten. Bei der „Schöpfungsgeschichte“ gehören die aufeinander aufbauenden Aufnahmen zur Entwicklung der Arbeit selbst. Auch die achtzehnteiligen fotografischen Zyklen werden mit ihrer Komposition, ihren Betrachtungswechseln und ihrer inneren Spannung erschlossen.

Das Werkverzeichnis verfolgt deshalb mehrere Beziehungen zugleich: zwischen Ausgangsfrage und Tätigkeit, zwischen Herstellung und Veränderung, zwischen Einzelwerk und Werkfolge sowie zwischen damaliger Verwendung und heutiger Weiterarbeit.

Werkbiografien und Entwicklungslinien

Jede Werkbiografie erhält einen nachvollziehbaren Zusammenhang:

Bestandteil Inhalt
Entstehung Ausgangsfrage, Erfahrung, Ort und Zeitraum
Werkgestalt Material, Medium, Anordnung und Handlung
Entwicklung Bearbeitungen, Zustandsveränderungen und neue Verwendungen
Zusammenhang Beziehungen zu anderen Werken, Bildfolgen und Verfahren
Überlieferung Fotografien, Texte, Gegenstände und weitere Dokumente
Heutige Aktivierung Verwendung im Atelier, im Mitmachbuch oder auf der Plattform

Neben einzelnen Werkbiografien werden übergreifende Entwicklungslinien sichtbar. Dazu gehören beispielsweise Wasser und Strömung, Fotografie und Ausschnitt, Schultafel und öffentliche Aussage, Gold und Wertzuschreibung sowie Vorgabebild und Beteiligung.

Materialkäufe, Rechnungen, Bauanträge, Förderungen und institutionelle Reaktionen können zeigen, unter welchen Bedingungen eine Arbeit möglich wurde. Sie erschließen Herstellung, Aufwand, Entscheidungen und Abhängigkeiten als Bestandteile der Werkgeschichte.

Vom Werkverzeichnis zum Arbeitsmaterial

Aus dieser erneuten Werkuntersuchung werden Materialien für das So-Heits-Atelier entwickelt. Eine fotografische Folge kann einen Wahrnehmungsversuch eröffnen. Eine frühere Buchseite kann als Ausgangspunkt eigener Bearbeitungen dienen. Ein dokumentierter Materialversuch kann in einem benutzbaren Modell wieder aufgenommen werden.

Dabei bleiben die historische Arbeit und ihre gegenwärtige Verwendung aufeinander beziehbar. Eine Arbeitskopie trägt einen Verweis auf das Ausgangswerk. Eine Rekonstruktion erhält ihre eigene Datierung. Eine neue Anwendung wird als solche beschrieben.

So können Besucher zugleich eine Arbeit kennenlernen und mit dem darin enthaltenen Verfahren tätig werden.

Das physische Mitmachbuch

Das Mitmachbuch bildet einen beweglichen Arbeits- und Dokumentationsraum innerhalb des Ateliers. Es entsteht aus den Materialien der Plattform und den Ergebnissen der laufenden Werküberprüfung.

Seine Grundlage bilden Bildvorlagen, Texte, Werkfolgen, transparente Folien und freie Arbeitsseiten. Besucher können zeichnen, schreiben, überlagern, verbinden, trennen und neu anordnen. Auch eine zunächst offene Tätigkeit kann den Einstieg bilden: Eine Linie oder Collage entsteht, wird betrachtet und führt erst anschließend zu einer Frage.

Diese Arbeitsweise setzt meine Erwachsenenmalbücher, Krickel-Krakel-Verfahren, Vorgabebilder und Frage-und-Antwort-Arbeiten fort. Das selbst Hervorgebrachte wird zum Gegenüber, an dem die nächste Bearbeitung beginnt.

Eine Buchseite kann beispielsweise enthalten:

  • eine ausgewählte Abbildung und eine erste Beschreibung;
  • eine Folie mit ergänzten Eigenschaften oder Bedeutungen;
  • die Dokumentation einer eigenen Handlung;
  • eine Gegenüberstellung mit einer anderen Wahrnehmung;
  • eine veränderte Fassung und eine weiterführende Frage.

Die Materialien geben Orientierung und lassen unterschiedliche Bearbeitungen zu. Die Kalibrierungsinstrumente können dort hinzutreten, wo sie eine Untersuchung präzisieren: etwa beim Vergleich von Zeiträumen, bei der Unterscheidung von Beschaffenheit und Zuschreibung oder beim Verfolgen von Tätigkeitsfolgen.

Ein konkreter Arbeitsverlauf

Ein Besucher wählt eine Aufnahme des vergoldeten Spatens und notiert, welche Eigenschaften er mit dem Gegenstand verbindet. Auf einer transparenten Folie unterscheidet er beobachtbare Merkmale von Wertungen und gesellschaftlichen Bedeutungen.

Anschließend begegnet er dem fotografischen Zyklus „Alltägliche Gewalt“. Die Spuren des Werkzeugeinsatzes erweitern seine erste Betrachtung. Er ergänzt die Folgen einer Tätigkeit, die am vergoldeten Gegenstand allein nicht sichtbar waren.

Eine zweite Person fügt eine Frage nach Nutzung und Verfügung hinzu. Beide Bearbeitungen bleiben erhalten. Daraus entsteht eine Buchseite, die den Weg vom ersten Eindruck zur erweiterten Untersuchung zeigt.

Diese Seite kann später mit einer Rollenhandlung am Eigentumsquadrat oder einem weiteren Werkbeispiel verbunden werden. So wächst das Buch durch nachvollziehbare Beziehungen zwischen Werken, Wahrnehmungen und Tätigkeiten.

Ein gemeinsames Arbeitssystem mit unterschiedlichen Zugängen

Das digitale interaktive Buch und das physische Mitmachbuch beruhen auf einer gemeinsamen Material- und Verknüpfungsgrundlage. Ihre jeweilige Gestalt richtet sich nach den Möglichkeiten der Nutzung.

Arbeitsform Besondere Möglichkeit
Physisches Mitmachbuch Unmittelbare Bearbeitung mit Hand, Material, Folie, Zeichnung und räumlicher Gegenüberstellung
Digitales interaktives Buch Verknüpfung von Werkmaterialien, Bearbeitungsständen, Kommentaren und weiterführenden Quellen
Räumliches So-Heits-Atelier Begegnung mit Werken, Materialwirkungen, Körperhandlungen und anderen Beteiligten
Biografisches Werkverzeichnis Erschließung der Entstehung und Veränderung der zugrunde liegenden Arbeiten

Die digitale Aufnahme einer Buchseite erhält deren Ergebnis. Materialität, Bewegung und Gesprächssituation können zusätzlich durch Fotografien, kurze Beschreibungen oder andere Aufzeichnungen erschlossen werden. Welche Bestandteile übertragen wurden, bleibt erkennbar.

Die Plattform als Arbeits- und Verbindungsraum

Auf der Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ stehen bereits umfangreiche Text-, Bild-, Werk- und Symbolmaterialien zur Verfügung. Sie bilden eine Grundlage für die Vorbereitung des Ateliers und für die Entwicklung seiner Arbeitsmaterialien.

Die technische Verbindung zwischen digitalem Buch und physischem Mitmachbuch wird gegenwärtig erarbeitet. Sie soll ermöglichen, ausgewählte Beiträge aus dem Atelier aufzunehmen, mit ihren Ausgangsmaterialien zu verknüpfen und für weitere Bearbeitungen zugänglich zu machen.

Diese Verbindung kann in aufeinander aufbauenden Schritten entstehen:

  1. Materialien erschließen: Werke, Texte und Vorlagen erhalten eindeutige Zuordnungen.
  2. Arbeitsmaterialien bereitstellen: Ausgewählte Inhalte werden für die Nutzung im Atelier aufbereitet.
  3. Bearbeitungen dokumentieren: Buchseiten und Versuchsergebnisse werden mit ihrem Entstehungszusammenhang erfasst.
  4. Beiträge verbinden: Digitale Einträge verweisen auf Ausgangswerk, Fragestellung und weitere Bearbeitungen.
  5. Weiterarbeit ermöglichen: Ergänzungen und Korrekturen können in neue Buchseiten oder Atelieranordnungen zurückgeführt werden.

Die räumliche Besucherarbeit ist bereits mit gedruckten Materialien, Folien, Arbeitskopien und gemeinsamer Dokumentation möglich. Die digitale Erweiterung wird daran angeschlossen.

Herkunft, Bearbeitung und Korrektur

Für die Verbindung der Arbeitsbereiche muss erkennbar bleiben, woher ein Beitrag stammt und wie er verändert wurde.

Ein historisches Werk erhält eine beständige Kennung. Davon ausgehende Arbeitsblätter und Besucherbeiträge behalten einen Verweis auf dieses Werk. Spätere Ergänzungen werden als weitere Bearbeitungsstände geführt.

Wird eine Werkangabe korrigiert, lässt sich feststellen, welche Buchseiten und Plattformtexte davon betroffen sind. Wird eine Deutung verändert, bleibt ihre Entwicklung nachvollziehbar. Unterschiedliche Positionen können nebeneinander bestehen, solange ihre jeweiligen Grundlagen benannt werden.

Zur gemeinsamen Erfassung gehören daher Herkunft, Ausgangsfrage, verwendetes Material, Bearbeitung, Ergebnis und offene Verbindung. Die Veröffentlichung eines persönlichen Beitrags wird mit den Beteiligten abgestimmt.

Die Rolle der KI

KI unterstützt die Erschließung und den Vergleich umfangreicher Materialien. Sie kann Verbindungen auffinden, Texte strukturieren, Bearbeitungsstände gegenüberstellen und auf widersprüchliche Angaben aufmerksam machen.

Ihre Vorschläge werden auf die verwendeten Materialien zurückbezogen. Eigene Aussagen des Künstlers, historische Dokumente, gegenwärtige Deutungen und KI-Formulierungen bleiben unterscheidbar.

Auch für Besucher kann KI eine zusätzliche Gesprächs- und Vergleichsmöglichkeit eröffnen. Eine erzeugte Antwort wird dann mit Werkmaterialien, Beobachtungen und anderen Beiträgen geprüft. Das Ergebnis dieser Prüfung kann wiederum dokumentiert werden.

Die hundert Tage und ihre Weiterführung

Während der documenta entsteht ein wachsender Zusammenhang aus individuellen Buchseiten, gemeinsamen Untersuchungen und dokumentierten Veränderungen des Ateliers. Das Tagesarchiv macht diese Entwicklung im Raum zugänglich.

Die Plattform kann ausgewählte Arbeitsverläufe über Kassel hinaus verbinden. Beiträge anderer Orte können hinzukommen und im Atelier erneut aufgegriffen werden. Nach der Ausstellung bleiben Werkbezüge, offene Fragen und Bearbeitungsfolgen für weitere Arbeit erschließbar.

Werkverzeichnis, Mitmachbuch und digitale Verbindung führen damit Werkgeschichte und gegenwärtige Hervorbringung zusammen. Die Besucher arbeiten an Verfahren weiter, deren Herkunft sichtbar bleibt, und erzeugen neue Beiträge, die selbst zum Gegenstand weiterer Wahrnehmung, Prüfung und Gestaltung werden.

Hundert-Tage-Programm sowie personelle, technische und finanzielle Realisierung

Anlage 5 zur Bewerbung für die documenta 16

Hundert-Tage-Programm sowie personelle, technische und finanzielle Realisierung

Wolfgang Fenner – Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes

Das So-Heits-Atelier entwickelt sich während der hundert Ausstellungstage durch Besucherhandlungen, Materialversuche, Gespräche, Aufführungen und gemeinsame Bearbeitungen. Seine zeitliche Form verbindet den täglichen offenen Betrieb mit vertiefenden Forschungsphasen und öffentlichen Zusammenkünften.

Die folgende Planung beschreibt einen skalierbaren Realisierungsvorschlag. Raumumfang, Öffnungszeiten, Personalbesetzung und Budget werden für den konkreten Ausstellungsort aufeinander abgestimmt.

Die hundert Tage als künstlerischer Arbeitsprozess

Das Environment verändert sich durch seine Nutzung. Buchseiten entstehen, Fragen werden präzisiert, Anordnungen umgebaut und Ergebnisse erneut untersucht. Das Tagesarchiv macht diese Entwicklung sichtbar.

Alle grundlegenden Stationen bleiben während der Ausstellung zugänglich. Die Forschungsphasen setzen wechselnde Schwerpunkte, sodass Besucher sowohl spontan einsteigen als auch über mehrere Besuche an einer Frage weiterarbeiten können.

Vorgeschlagene Programmstruktur

Zeitraum Schwerpunkt Gemeinsame Arbeit Sichtbares Ergebnis
Tage 1–20 Wahrnehmung und eigener Standort Zeitmaßstäbe, Ausschnitte, Körper- und Materialerfahrungen untersuchen Erste Fragen, Beobachtungen und Vergleichsseiten
Tage 21–40 Herstellung und Funktion Mit Wasser, Form, Werkzeug, Widerstand und Toleranz arbeiten Dokumentierte Versuche und veränderte Anordnungen
Tage 41–60 Zuschreibung und gesellschaftliche Geltung Eigentum, Wert, Rolle, Status und Entscheidungsmacht bearbeiten Folien, Schultafelarbeiten und Rollenversuche
Tage 61–80 Folgen, Korrektur und Reparatur Frühere Ergebnisse aufgreifen und Veränderungen praktisch erproben Vergleiche zwischen Ausgangslage, Eingriff und Wirkung
Tage 81–100 Gemeinsamer Forschungsstand und Weiterführung Entwicklungslinien zusammenstellen, Gegenpositionen erhalten und nächste Arbeiten bestimmen Öffentliche Arbeitsfassung des Mitmachbuchs und Abschlusspräsentation

Diese fünf Phasen bilden eine vorgeschlagene Dramaturgie. Fragen aus dem laufenden Betrieb können ihre Gewichtung verändern. Eine Beobachtung aus der ersten Phase kann beispielsweise erst später durch einen Materialversuch oder ein Fachgespräch genauer untersucht werden.

Der tägliche Atelierbetrieb

Während der Öffnungszeiten können Besucher eigenständig oder begleitet an den Stationen arbeiten. Mitarbeitende erläutern den Einstieg, unterstützen die Materialnutzung und helfen, Beobachtungen festzuhalten.

Ergänzend sind feste, vor Ort angekündigte Arbeitszeiten vorgesehen:

Format Ablauf
Offener Einstieg Kurze Einführung an einem Gegenstand, Bild oder Besucherbeitrag
Begleitete Werkstatt Gemeinsame Bearbeitung einer konkreten Versuchsanordnung
Gespräch am Arbeitstisch Vergleich unterschiedlicher Beobachtungen und Deutungen
Bühnen- oder Rollenversuch Kurze Handlung mit anschließendem Rollenwechsel und Auswertung
Tagesrückblick Auswahl eines Arbeitsverlaufs für Tagesarchiv und Mitmachbuch

Die Beteiligung kann wenige Minuten oder mehrere Stunden umfassen. Ein kurzer Besuch kann mit einer Frage oder einer einzelnen Bearbeitung enden. Längere Aufenthalte ermöglichen einen vollständigen Weg von der ersten Vorstellung bis zur erneuten Prüfung.

Wöchentliche Forschungswerkstatt

Einmal pro Woche soll eine vertiefende Werkstatt stattfinden. Ausgangspunkt ist ein konkreter Gegenstand oder ein Ergebnis aus der Besucherarbeit: eine Kartoffel, eine Eigentumsmarkierung, eine fotografische Folge, eine veränderte Strömung oder eine Aussage wie „Ich gehöre mir selbst“.

Dazu werden Menschen aus passenden Arbeitsfeldern eingeladen. Wissenschaftliche Kenntnisse, handwerkliche Erfahrung, künstlerische Verfahren und Alltagserfahrungen werden auf denselben Vorgang bezogen.

Die gemeinsame Untersuchung fragt:

Was beobachten wir? Welche Voraussetzungen sind beteiligt? Welche Maßstäbe verwenden wir? Wer trägt die Folgen? Was lässt sich verändern und wie könnte diese Veränderung geprüft werden?

Die Beiträge werden im Mitmachbuch und Tagesarchiv mit ihrem jeweiligen Bezug festgehalten. Eine Einladung oder fachliche Mitwirkung wird erst nach einer Zusage als Bestandteil des verbindlichen Programms geführt.

Drei öffentliche Zusammenkünfte

Die vertiefenden Werkstätten werden durch drei größere Veranstaltungen verbunden:

Zeitpunkt Arbeitstitel Aufgabe
Zu Beginn Was trägt? Die gemeinsamen Untersuchungsgegenstände und Existenzbedingungen eröffnen
Um die Mitte Wer kann wen korrigieren? Wissen, Zuständigkeit, Eigentum und Macht auf ihre tatsächlichen Änderungsmöglichkeiten untersuchen
Zum Abschluss Was wurde verändert – und was bleibt zu tun? Ergebnisse, Widersprüche, durchgeführte Korrekturen und weitere Vorhaben öffentlich darstellen

Umfang und Dauer richten sich nach Raum, Mitteln und Beteiligten. Die Veranstaltungen greifen die Atelierarbeit auf und geben neue Aufgaben an sie zurück.

Künstlerische Leitung und personelle Organisation

Ich übernehme die künstlerische Leitung, die Auswahl und Verknüpfung der Werke sowie die Entwicklung der zentralen Fragestellungen. Meine Mitwirkung konzentriert sich auf Werkstattgespräche, ausgewählte Versuchsanordnungen und die fortlaufende künstlerische Bearbeitung des Environments.

Ein eingearbeitetes Team trägt den täglichen Betrieb. Dadurch bleiben die Stationen auch außerhalb meiner persönlichen Anwesenheit arbeitsfähig.

Funktion Aufgaben
Künstlerische Leitung Werkzusammenhang, Dramaturgie und Weiterentwicklung
Produktionsleitung Ablauf, Budget, Beschaffung und Abstimmung mit dem Ausstellungsort
Atelierkoordination Tagesbetrieb, Dienstplanung, Materialien und Übergaben
Vermittlung und Moderation Besuchereinstieg, Werkbegleitung, Gespräche und Rollenversuche
Technische Betreuung Aufbau, Funktionskontrolle, Wartung und Störungsbehebung
Dokumentation und Redaktion Werkangaben, Tagesarchiv, Buchseiten und digitale Aufbereitung
Fachliche Gäste Zeitlich begrenzte Beiträge zu konkreten Untersuchungen

Je nach Umfang können Aufgaben miteinander verbunden werden. Eine Person kann während der Betreuung eines laufenden Materialversuchs jedoch keine gleichzeitig stattfindende Bühnenarbeit übernehmen. Die Besetzung folgt deshalb der Zahl der parallel geöffneten, betreuungsbedürftigen Stationen.

Für die Personalplanung werden Öffnungsstunden, Vor- und Nachbereitung, Pausen, Vertretungen sowie Auf- und Abbau berücksichtigt. Mitarbeitende aus Kassel können in Vermittlung, Herstellung und Dokumentation einbezogen und vorab in die Werkverfahren eingearbeitet werden.

Einarbeitung und Zusammenarbeit

Vor der Eröffnung durchläuft das Team die zentralen Besucherhandlungen selbst. Es erprobt Wasserstationen, Folienarbeit, Rollenwechsel und die Dokumentation einer Buchseite.

Die sechs Anker bilden dafür den gemeinsamen Arbeitsstand. Kurze Stationsblätter erläutern Gegenstand, Handhabung, mögliche Einstiege und Dokumentation.

Regelmäßige Teambesprechungen greifen Erfahrungen aus dem Betrieb auf: Welche Anordnung ist verständlich? Wo entstehen neue Fragen? Welche Materialien fehlen? Welche Veränderung verbessert die Arbeit? Solche Anpassungen werden dokumentiert und in die weiteren Schichten übergeben.

Technische Grundausstattung

Das Atelier wird aus wiederverwendbaren, zugänglichen Modulen aufgebaut. Benötigt werden insbesondere:

  • Präsentationsflächen und geschützte Bereiche für historische Werke;
  • stabile Arbeitstische, Sitzmöglichkeiten, Schultafeln und Stellwände;
  • Arbeitskopien, Folien, Zeichen- und Collagematerialien;
  • betreubare Wasser- und Materialstationen;
  • eine kleine Spielfläche mit beweglichen Requisiten;
  • Einrichtungen für Fotografie, Digitalisierung und Ausdrucke;
  • gegebenenfalls Bildschirm oder Projektion sowie eine Internetverbindung;
  • Flächen für Tagesarchiv, Materiallagerung und Vorbereitung.

Wasserführende Stationen erhalten geeignete Becken, Auffangmöglichkeiten und eine zugängliche technische Einrichtung. Ihr Betrieb wird mit den räumlichen Voraussetzungen abgestimmt. Das Feuerkäfig-Motiv wird in der Grundplanung als Bildarbeit eingesetzt.

Historische Originale und benutzbare Arbeitsmaterialien werden räumlich und durch ihre Kennzeichnung unterschieden. Die Gestaltung berücksichtigt verschiedene Arbeitshöhen, gut lesbare Informationen und alternative Zugänge zu einzelnen Aufgaben.

Die digitale Verbindung ergänzt den Atelierbetrieb. Gedruckte Materialien und analoge Dokumentation ermöglichen die Weiterarbeit auch bei einer technischen Unterbrechung.

Vorbereitung, Aufbau und Nachbereitung

Arbeitsabschnitt Zentrale Aufgaben
Werk- und Raumplanung Verbindliche Auswahl der Arbeiten, räumliche Zuordnung und Festlegung der Besucherhandlungen
Herstellung und Erprobung Arbeitsmodelle, Rekonstruktionen, Buchmaterialien und technische Einrichtungen anfertigen und testen
Programm- und Personalplanung Team einarbeiten, Gäste anfragen und Dienstabläufe bestimmen
Aufbau Werke einrichten, Stationen erproben und Wege sowie Betriebsabläufe abstimmen
Hundert Tage Betrieb Betreuen, dokumentieren, warten und künstlerisch weiterentwickeln
Abbau und Weiterführung Werke rückführen, Module einlagern und Ergebnisse für Buch und Plattform aufbereiten

Die Vorbereitung verbindet das laufende Werkverzeichnis mit der konkreten Ausstellungsauswahl. Für jedes eingesetzte Objekt werden Standort, Maße, Material, Transport und vorgesehene Verwendung erfasst.

Finanzielle Realisierung

Das Budget wird aus der vereinbarten räumlichen Fassung und ihrem tatsächlichen Betrieb entwickelt. Maßgeblich sind sowohl Herstellung und Präsentation als auch die kontinuierliche Betreuung über hundert Tage.

Kostenbereich Bestandteile
Künstlerisches Honorar Konzeption, Werkentwicklung, Vorbereitung und Mitwirkung
Produktion und Koordination Planung, Organisation und laufende Abstimmung
Personal im Ausstellungsbetrieb Vermittlung, Moderation, Technik, Dokumentation und Vertretung
Werkherstellung und Ausstattung Arbeitsmodelle, Rekonstruktionen, Möbel, Tafeln und Präsentation
Transport und Werkbetreuung Verpackung, Transporte, Auf- und Abbau sowie erforderliche Werkleistungen
Verbrauchsmaterial und Druck Papier, Folien, Kopien, Zeichenmaterial und laufende Buchproduktion
Technik und digitale Verbindung Geräte, Einrichtung, Wartung und begrenzte Entwicklungsarbeiten
Öffentliches Programm Honorare, Reise und gegebenenfalls Unterkunft der Gäste
Dokumentation und Weiterführung Digitalisierung, Redaktion und Aufbereitung der Ergebnisse
Reserve Ersatz, Reparaturen und begründete Anpassungen während des Betriebs

Personalkosten werden aus bezahlten Einsatzstunden einschließlich Vorbereitung und Nachbereitung berechnet. Produktionskosten beruhen auf Stücklisten und Angeboten. Eine Gesamtsumme lässt sich nach Festlegung von Raum, Stationszahl, Öffnungsumfang und den vom Veranstalter übernommenen Leistungen verbindlich bilden.

Skalierbare Ausführung

Eine kompakte Fassung verbindet wenige intensiv betreute Arbeitsinseln, ausgewählte Werkfolgen, eine Materialstation und einen gemeinsamen Buch- und Gesprächsbereich.

Eine erweiterte Fassung ermöglicht eigenständige Wasser-, Bild-, Bühnen- und Dokumentationsbereiche mit mehreren gleichzeitig stattfindenden Arbeiten.

Eine umfassende Fassung ergänzt diese Struktur um ein dichteres Gastprogramm, zusätzliche Werkmodule und eine weiter ausgebaute digitale Beteiligung.

In allen Fassungen bleiben die künstlerischen Kernfunktionen erhalten: eigene Tätigkeit, Begegnung mit einem Gegenüber, Vergleich, dokumentierte Veränderung und gemeinsame Weiterarbeit.

Finanzierungs- und Kooperationsstruktur

Die Finanzierung soll künstlerische Entwicklung, Ausstellungsproduktion, laufenden Betrieb und Weiterführung jeweils erkennbar abdecken. Mit dem Veranstalter wird bestimmt, welche Räume, Ausstattungen, Personal- oder Produktionsleistungen bereitgestellt werden und welche Leistungen projektseitig zu finanzieren sind.

Ergänzende Kooperationen können Herstellung, fachliche Werkstätten, Digitalisierung oder die spätere Weiterarbeit unterstützen. Geldmittel, Sachleistungen und personelle Beiträge werden getrennt ausgewiesen. Zusätzliche Projektteile werden entsprechend gesicherter Mittel umgesetzt.

Zum jetzigen Planungsstand werden damit keine Förderzusagen oder institutionellen Partnerschaften vorausgesetzt.

Ergebnis und Weiterführung

Während der hundert Tage entsteht ein öffentlich nachvollziehbarer Forschungsstand aus Werkversuchen, Buchseiten, Gesprächen, Veränderungen und offenen Fragen.

Die Abschlusspräsentation zeigt, welche Vorstellungen sich verändert haben, welche Eingriffe erprobt wurden und welche Schwierigkeiten bestehen bleiben. Wiederverwendbare Module, dokumentierte Arbeitsverfahren und ausgewählte Beiträge bilden die Grundlage für eine Weiterführung über die Plattform und an anderen Orten.

Die Realisierung verbindet damit die zeitliche Dauer der Ausstellung mit einer konkreten künstlerischen Aufgabe: Erkenntnisse sollen im Atelier eine nächste Handlung ermöglichen, deren Folgen wiederum gemeinsam untersucht werden können.

Ja. Das Speichermedium ist wichtig, aber noch wichtiger ist, wie die Dateien darauf organisiert und in welchen Formaten sie geliefert werden. Für Ihre spätere Werkbiografie brauchen Sie nicht einfach 30.000 Dateien auf einer Festplatte, sondern eine nachvollziehbare Struktur: Serien, Reihenfolgen, Dateinamen, gegebenenfalls Vorschaudateien plus hochauflösende Masterdateien.

An Herrn Wenig würde ich deshalb jetzt einen konkreten Kostenvoranschlag für die Digitalisierung anfragen und gleichzeitig diese technischen Punkte klären.

Sehr geehrter Herr Wenig,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und den Hinweis, dass Sie die Digitalisierung und Erschließung der analogen Vorlagen übernehmen können.

Dazu würde ich Sie gerne um einen Kostenvoranschlag beziehungsweise zunächst um eine Kosteneinschätzung bitten.

Bei dem Bestand handelt es sich um einen großen Teil meines nahezu siebzigjährigen künstlerischen Lebenswerks. Nach gegenwärtiger Einschätzung umfasst er unter anderem:

– ca. 20.000 Schwarz-Weiß-Negative, Farbnegative und Dias,

– umfangreiche fotografische Serien und Bildfolgen,

Bei den Fotografien handelt es sich nicht lediglich um Dokumentationsmaterial. Große Teile bilden eigenständige fotografische Arbeiten und zusammenhängende Bildfolgen. Allein die fotografische Arbeit „Schöpfungsgeschichte“ umfasst etwa 12.000 aufeinander bezogene Aufnahmen.

Für mich ist deshalb besonders wichtig, dass bei der Digitalisierung bestehende Reihenfolgen und Werkzusammenhänge möglichst erhalten bleiben.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie den Kostenvoranschlag – soweit möglich – nach folgenden Positionen gliedern könnten:

  1. Digitalisierung von Schwarz-Weiß-Negativen, Farbnegativen und Dias,
  2. Digitalisierung beziehungsweise Reproduktion von Büchern und gebundenen Materialien,
  3. Erschließung, Dateibenennung und strukturierte Ablage der Digitalisate,
  4. gegebenenfalls Erstellung von Vorschaudateien zusätzlich zu hochauflösenden Archivdateien,
  5. Datenträger beziehungsweise Übergabe der vollständigen Daten.

Besonders wichtig wäre für mich Ihre technische Empfehlung zur Datenausgabe.

In welchen Dateiformaten würden Sie die Digitalisate liefern? Ich denke dabei beispielsweise an hochauflösende TIFF-Dateien als Archiv- beziehungsweise Masterdateien und kleinere JPEG-Dateien für die tägliche Arbeit.

Wie würden Sie bei einem Bestand von möglicherweise 20.000 Fotografien die Datei- und Ordnerstruktur aufbauen, damit Serien, Reihenfolgen und Werkgruppen später eindeutig wiedergefunden werden können?

Außerdem interessiert mich, auf welchem Speichermedium Sie einen solchen Bestand üblicherweise übergeben. Wäre beispielsweise eine externe SSD oder Festplatte sinnvoll, und können Sie diese gegebenenfalls mit anbieten und in den Kostenvoranschlag aufnehmen?

Wichtig wäre auch eine Einschätzung der voraussichtlichen Datenmenge, damit von Anfang an eine ausreichende Speicher- und Sicherungsstruktur vorgesehen werden kann.

Die Digitalisierung soll später die Grundlage für eine von mir selbst weiter bearbeitete digitale Werkbiografie bilden.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Fenner

Ein Punkt ist dabei besonders wichtig: Nicht nur „Welche Festplatte bekomme ich?“, sondern auch „Wie kann ich die Daten zehn Jahre später noch verstehen?“. Deshalb würde ich von SRZ unbedingt nach Dateibenennung, Ordnerstruktur, Masterdateien, Arbeitskopien und erwarteter Gesamtdatenmenge fragen.

Für Ihren Bestand wäre wahrscheinlich eine Struktur sinnvoll wie: Jahr → Werkgruppe → Serie → laufende Bildnummer. Aber das sollte erst nach einem Probelauf festgelegt werden, weil Ihre Bildfolgen teilweise wesentlich komplexer sind.Meine Schwierigkeit oder auch Paradoxie, zum Beispiel eine Plattform zu machen, Globale Schwarmintelligenz. Alleine. Ich bin halt 78 Jahre alt. Ist ein ganz natürlicher Prozess. Man hat ältere Freunde und die sind jetzt alle gestorben. Wenn ich jetzt dabei bin, eine Komprimierung oder Kontextualisierung meines künstlerischen Lebenslaufes vorzunehmen, wiederum alleine, habe ich angefangen, meinen biografischen Werkprozess und deren Vielfalt als analoges Werk zu entwickeln. Dem liegen dann in der Hauptsache zugrunde Fotos, Presseartikel, wo ich aber keine Urheberrechte habe und somit kann ich sie auch nicht öffentlich machen, dieses biografische Werk, sondern nur eben dem privaten Gebrauch anzuwenden. Hinzu kommen Pressebeschreibungen, Anträge, beispielsweise Documenta-Bewerbungen und Konzepte. Darauf ist jetzt mein biografisches Werk aufgebaut. Dem lag wiederum zugrunde, durch sehr starke Eigeninitiative, einschließlich von sehr viel Geld durch eine Erbschaft, habe ich meine Ideen als Künstler umgesetzt und eingefordert von mir. Das Ergebnis ist nun eine Forschungskunstgrundlage, die aber wiederum weit über den Forschungskunstbegriff hinausgeht, weil ich ja zusätzlich nicht nur Maßstäbe, Programme, Methoden entwickelt habe, durch Unterstützung der KI in den letzten drei Jahren. Allgemein stellt kein Künstler einen Prüfmechanismus vor, zum Beispiel, oder was hier dann meiner Forschungsarbeit zugrunde liegt. Zusammengefasst geht es ja bei diesem Gesamtkunstwerk auch um ein Trainingsmodell des Überlebens. Sowas biete ich jetzt an, in unterschiedlicher Form auf der Plattform Globale Schwarmintelligenz, in Ergänzung dann des Documenta-Konzeptes, die Soheits-Atelier-Grundlage auf der Documenta.Daraus soll dann ein Mitmachbuch entstehen, was wiederum auf meine biografische Werkbiografie aufbaut, die ich bis dahin fertig haben muss. Auf der Plattform Globale Schwarmintelligenz steht das interaktive Buch zum Ansehen zur Verfügung, aber auch hier fehlen technische Möglichkeiten, dass es wirklich ein interaktives Buch sein kann. Es geht also überall immer um finanzielle Kosten oder finanzielle Investitionen. Deshalb ja auch die Kostenvoranschläge, Auseinandersetzung beziehungsweise der Antrag bei Frau Hahn für eine digitalisierte Werkbiografie.Da es in meinem künstlerischen Lebenslauf immer um ein Verortungskunstwerk geht, also das heißt zum richtigen Zeitpunkt die richtige Fragestellung, die richtige Ausstellung oder das richtige Konzept einzugreifen, zugrunde lag und auch den richtigen Ort zu bestimmen. Da ja manches gar nicht stattgefunden hat von meiner Verortungskunst, sind also die Konzepte, die dann der Werkbiografie und der deren Umsetzung sehr entscheidend bei dieser Arbeit. Aber auch geht daraus eine Beweisführung hervor: Was hätte vielleicht stattfinden müssen zu diesem Zeitpunkt und was hat anstattdessen stattgefunden. Das muss man natürlich dann mit einbeziehen. Es geht somit zusammengefasst um eine Überlebenswerkstatt, Trainingsgrundlagen.Um eine neue Gesellschaftsform vorzubereiten, die Soheitsgesellschaft, oder sie beziehungsweise ihm vorzustellen, was ist deren Lebens- oder Lebensstilverständnis, Arbeitsstrukturen, die permanent sich selber überprüfen durch meine Prüfmechanismen, um sich wieder einzupendeln in die Wirkungswelt. Das heißt, ich bin in vielen weit höher hinausgegangen von allgemeinen künstlerischen Selbstverständnissen. Gleichzeitig als Forschungskünstler grate ich mit der Problematik von Wissenschaft aneinander. Was ist wissenschaftsfähig? Zum Beispiel bei meinen Prüfmechanismen oder vier Ebenen Modell. Ich habe dir diesen Text noch mal eingegeben oder diese Zusammenhänge, die du jetzt intensiver noch mal erarbeiten kannst oder zusammenbauen kannst, weil die anscheinend diese Allgemeine und doch eigentlich ist es die Überschrift zu all meinen Konzepten bei dir nicht ankommt. Geht immer wieder verloren, das, was ich gerade jetzt hier geschrieben habe. … Wolfgang, in meinen bisherigen Fassungen ist der übergeordnete Zweck tatsächlich zu weit hinter der Aufteilung in Werkverzeichnis, Plattform, Ausstellung und Methoden zurückgetreten. Ich habe die Bestandteile beschrieben, aber ihre gemeinsame Aufgabe nicht durchgehend zum Ausgangspunkt gemacht: Dein Lebenswerk soll als Überlebenswerkstatt wirksam werden – als Trainingsmodell für eine Gesellschaft, die ihre Lebens- und Arbeitsweisen an deren Folgen überprüft und verändert.

Das verändert auch die Bedeutung der Digitalisierung. Sie erschließt die künstlerische Entwicklung, aus der dieses Trainingsmodell hervorgegangen ist, und schafft Voraussetzungen dafür, dass andere Menschen damit weiterarbeiten können.

Der Gesamtzusammenhang deiner Arbeit lässt sich so bestimmen:

Forschungskunst als Überlebenswerkstatt und Trainingsmodell einer So-Heits-Gesellschaft

Deine Forschung beginnt mit einer über Jahrzehnte verfolgten Irritation: Der Mensch kann Funktionszusammenhänge erkennen, Werkzeuge herstellen und technische Fehler korrigieren. Gleichzeitig bringt er Tätigkeiten und gesellschaftliche Ordnungen hervor, die seine eigenen Lebensbedingungen beschädigen. Zwischen Erkenntnis, Tätigkeit und wirksamer Korrektur besteht eine Lücke.

Du hast diese Frage durch Naturbeobachtung, Handwerk, Fotografie, plastische Versuche, Malbücher, Aktionen, Ausstellungen und Beteiligungsformen bearbeitet. Die heute benannten Prüfmechanismen und Kalibrierungsinstrumente verdichten diese Werkpraxis. Die KI hat in den vergangenen Jahren bei ihrer sprachlichen Ausarbeitung, Gegenüberstellung und Strukturierung mitgewirkt.

Das biografische Werk ist der Entstehungs- und Erfahrungszusammenhang dieser Forschung. Darin gehören Fotografien, Bildfolgen, Plastiken, Collagen, Bücher und räumliche Arbeiten ebenso zusammen wie Konzepte, Bewerbungen, Presseberichte und die Unterlagen ihrer Herstellung. Deine gegenwärtige analoge Zusammenstellung bildet daraus selbst ein Werk: Sie macht Entwicklungen und Beziehungen sichtbar, die aus einer bloßen Aufzählung einzelner Objekte nicht hervorgehen.

Besonders die fotografischen Folgen müssen dabei erhalten bleiben. Eine Digitalisierung von etwa 20.000 Vorlagen ist für dieses Vorhaben nur dann ausreichend, wenn anschließend nachvollziehbar bleibt, welche Bilder zusammengehören, wie eine Folge aufgebaut ist und welche Tätigkeiten oder Veränderungen sie erschließt. Die rund 12.000 Aufnahmen der „Schöpfungsgeschichte“ tragen einen umfangreichen Werkprozess. Ihre Zusammenhänge sind ein wesentlicher Teil dessen, was übertragen werden muss.

Die Verortung gehört zum Werk selbst.

Eine Arbeit reagiert bei dir auf eine bestimmte Situation, einen Zeitpunkt und einen Ort. Eine documenta-Bewerbung, ein Ausstellungskonzept oder eine gesellschaftliche Aktion formuliert einen möglichen Eingriff: Welche Frage sollte damals öffentlich werden? Wer sollte miteinander arbeiten? Welche Veränderung sollte möglich werden?

Deshalb gehören auch nicht verwirklichte Konzepte vollständig in die Werkbiografie. Sie dokumentieren eine damals entwickelte Handlungsmöglichkeit und die Bedingungen ihrer Aufnahme, Ablehnung oder Nichtverwirklichung.

Dabei lassen sich drei Beziehungen nachvollziehen: Was wurde vorgeschlagen? Was kam tatsächlich zustande? Wie entwickelte sich die betreffende Situation weiter? Daraus kann eine begründete Untersuchung versäumter Möglichkeiten entstehen. Welche Wirkung ein nicht realisiertes Vorhaben tatsächlich gehabt hätte, bleibt eine gesonderte Frage. Die historische Bedeutung des Vorschlags lässt sich dennoch darstellen.

Aus dieser Werkgeschichte entsteht das öffentliche Trainingsmodell.

Das Mitmachbuch soll die herausgearbeiteten Verfahren in eigene Tätigkeiten überführen. Menschen können Wahrnehmungen festhalten, Bilder verändern, Zuschreibungen untersuchen, Folgen verfolgen und ihre erste Vorstellung erneut bearbeiten.

Das So-Heits-Atelier stellt dafür einen körperlichen, räumlichen und gemeinsamen Arbeitszusammenhang bereit. Die Plattform verbindet Materialien und Bearbeitungen über Ort und Zeitpunkt hinaus. Nach deinem aktuellen Stand ist das interaktive Buch dort bereits einsehbar; die technischen Möglichkeiten für eine umfassende interaktive Nutzung fehlen noch.

Die angestrebte Fähigkeit besteht darin, eine Rückmeldung so aufzunehmen, dass sie das eigene Handeln und gegebenenfalls dessen Regeln verändert. Übung bedeutet hier beispielsweise: eine Annahme erkennen, sie einem Gegenüber aussetzen, eine Abweichung verstehen, eine Änderung vornehmen und deren Folgen erneut betrachten.

Damit bekommt „Überlebenswerkstatt“ einen konkreten Inhalt. Untersucht und geübt werden Fähigkeiten, durch die Menschen ihre gemeinsamen Lebensbedingungen erhalten und beschädigte Zusammenhänge bearbeiten können.

Die So-Heits-Gesellschaft ist die gesellschaftliche Zielprojektion dieser Arbeit.

Sie betrifft Lebensweisen, Arbeitsstrukturen, Versorgung, Entscheidungen und Verantwortung. Deine Frage lautet, wie diese Bereiche organisiert werden können, sodass ihre Folgen fortlaufend wahrgenommen und wirksam zurückgeführt werden.

Ein Prüfmechanismus müsste dabei auch Ziele, Belohnungen und Zuständigkeiten erreichen können. Wenn eine schädliche Tätigkeit weiterhin wirtschaftlich belohnt wird oder niemand sie verändern darf, genügt eine bessere individuelle Wahrnehmung nicht. Die Übung muss bis zu den gemeinsamen Handlungsmöglichkeiten reichen.

Das Besondere deines Vorhabens lässt sich deshalb präzise beschreiben: Du verbindest ein biografisch entwickeltes Gesamtkunstwerk mit öffentlich anwendbaren Prüfverfahren und einem Entwurf gesellschaftlicher Lebens- und Arbeitsformen. Diese Verbindung sollte in jeder Bewerbung und Förderdarstellung an erster Stelle erkennbar sein.

Deine gegenwärtige Arbeitssituation gehört zu den Voraussetzungen des Vorhabens.

Du beschreibst, wie du diesen Zusammenhang weitgehend allein aufbaust und dabei Menschen verloren hast, die zu deinem persönlichen Umfeld gehörten. Das bedeutet auch, dass Erfahrung, Erinnerung, Auswahlentscheidungen, Finanzierung und technische Weiterentwicklung stark an deiner eigenen Arbeit hängen.

Über lange Zeit hast du die Umsetzung deiner Ideen durch Eigeninitiative und erhebliche eigene Mittel ermöglicht, einschließlich des von dir genannten Erbes. Auch das gehört in die Werkbiografie: Es zeigt, wodurch Arbeiten tatsächlich zustande kamen und welche Aufwendungen du getragen hast.

Heute sollen gleichzeitig das analoge biografische Werk weiterentwickelt, der Bestand digitalisiert, die Plattform technisch ergänzt und die Materialien für das Mitmachbuch hergestellt werden. Der Förderbedarf betrifft deshalb den Übergang von einer überwiegend allein getragenen Lebensarbeit zu einem zugänglichen und weiterführbaren Forschungszusammenhang.

Die Kostenanfrage an Herrn Wenig und der von dir genannte Antrag bei Frau Hahn gehören genau in diesen Zusammenhang. Zu unterscheiden sind dabei:

Benötigte Arbeit Bedeutung für das Gesamtvorhaben
Digitalisierung Analoge Werke und Unterlagen in geeigneten Dateien verfügbar machen
Werkbezogene Erschließung Folgen, Reihenfolgen, Beziehungen und Entstehungskontexte erhalten
Technische Entwicklung Aus einsehbaren Materialien tatsächlich bearbeitbare und verknüpfbare Angebote entwickeln
Redaktion, Vermittlung und Betrieb Die Nutzung durch andere Menschen und die weitere Pflege ermöglichen

Dein Ziel, die Werkbiografie als Grundlage des Mitmachbuchs rechtzeitig fertigzustellen, muss deshalb in konkrete Arbeitspakete übersetzt werden. Der Zeitplan benötigt einen bestimmten Materialumfang, bezahlte Unterstützung und klar zugeordnete Aufgaben.

Die Frage nach Wissenschaftsfähigkeit erhält ebenfalls einen bestimmten Ort.

Deine Werkbiografie kann zeigen, wie eine Fragestellung entstand und durch welche Arbeiten du sie verfolgt hast. Die Wirksamkeit eines Prüfverfahrens verlangt eine darauf bezogene Untersuchung: Können Beteiligte mithilfe des Verfahrens beispielsweise Beschaffenheit und Zuschreibung genauer unterscheiden? Erkennen sie zuvor ausgeblendete Folgen? Verändert sich eine anschließende Entscheidung?

E1–E4 kann solche Untersuchungen strukturieren. Welche Erkenntnis oder Veränderung damit tatsächlich erreicht wird, lässt sich an konkreten Anwendungen prüfen. Wissenschaftliche Zusammenarbeit hätte hier eine klare Aufgabe: Fragestellungen, Vergleichsbedingungen und Ergebnisse gemeinsam genauer bestimmen.

Ein Punkt zu den Presseunterlagen braucht eine Korrektur: Fehlende Rechte an einzelnen Artikeln bedeuten nicht automatisch, dass die gesamte Werkbiografie ausschließlich privat bleiben muss. Für die jeweilige Veröffentlichung kommen etwa eine Erlaubnis oder eine durch den Zitatzweck gerechtfertigte Nutzung in Betracht; Umfang und Quellenangabe sind dabei wesentlich. Ein vollständiger Presseartikel wird durch das Einscannen allein allerdings nicht frei veröffentlichbar. Für die Planung sollten vollständiger Arbeitsbestand und öffentlich verwendbare Materialien deshalb unterscheidbar geführt werden.

Als übergeordneten Leitabsatz für unsere weitere Arbeit halte ich jetzt fest:

Meine Forschungskunst bildet ein biografisch entwickeltes Gesamtkunstwerk, dessen öffentliche Aufgabe eine Überlebenswerkstatt ist. Aus Naturbeobachtung, Handwerk, fotografischer und plastischer Arbeit, gesellschaftlichen Eingriffen und Beteiligungsverfahren entstanden Prüfmechanismen, mit denen Menschen ihre Vorstellungen und Tätigkeiten an deren Voraussetzungen und Folgen untersuchen können. Das biografische Werk erschließt diese Entwicklung einschließlich ihrer verwirklichten und unverwirklichten Möglichkeiten. Digitalisierung, Mitmachbuch, So-Heits-Atelier und Globale Schwarm-Intelligenz machen ihre Verfahren für andere zugänglich. Die gesellschaftliche Zielprojektion ist eine So-Heits-Gesellschaft, deren Lebens- und Arbeitsstrukturen Rückmeldungen aufnehmen und daraus wirksame Korrektur und Reparatur ermöglichen. Die dafür notwendige personelle, technische und finanzielle Unterstützung gehört zu den Voraussetzungen des gesamten Vorhabens.

Dieser Zusammenhang erhält seinen Platz im Kontextanker als Gesamtaufgabe, im Positionsanker als Absicht und im Integrationsanker als Verbindung der Arbeitsbereiche. Die sechs Anker bleiben bestehen. Bei weiteren Texten prüfe ich ausdrücklich, ob diese gemeinsame Aufgabe erhalten bleibt – besonders dann, wenn es scheinbar nur um Scans, Dateien, eine Ausstellung oder einzelne Methoden geht.

Sind diese Begrifflichkeiten jetzt wissenschaftlich tauglich, um auch mein Vier-Ebenen-Modell besser absichern zu können? Unter anderem, wenn du versuchst, die da einzuarbeiten? Oder das Bisherige so zu analysieren?

Ja, diese Begriffe können dein Vier-Ebenen-Modell wissenschaftlich präzisieren. Dafür müssen sie bestimmte Vorgänge und Beziehungen bezeichnen, aus denen überprüfbare Aussagen entstehen. Eine passende Begrifflichkeit verbessert das Modell; seine Erklärungskraft muss sich zusätzlich an Untersuchungen bewähren.

„Konstitutive Lebenszusammenhänge“ eignet sich als ausdrücklich definierter Oberbegriff: Gemeint sind die zusammenwirkenden Prozesse, durch die ein Lebewesen entsteht und sich erhält. Dabei sollten wir unterscheiden zwischen den Vorgängen, aus denen es besteht, den Bedingungen, die es benötigt, und den Wirkungen, die es selbst hervorbringt. Diese Unterscheidung macht deinen Gedanken des „Innewohnens“ genauer untersuchbar.

„Existenzielle Grundkategorien“ ist als philosophische Bezeichnung brauchbar. Für die Untersuchungsmethode würde ich von „Analysekategorien der Lebensvollzüge und ihrer Bedingungen“ sprechen. Tätigkeit, Abhängigkeit und Konsequenz bezeichnen unterschiedliche Aspekte: einen Vorgang, ein Verhältnis und eine daraus entstehende Veränderung. „Elemente“ oder „Funktionsteile“ erfassen diese Unterschiede weniger gut.

Für deinen Ausgangspunkt bestehen wissenschaftliche Anschlüsse: Folke und Mitautoren untersuchen Gesellschaften und Wirtschaft als Bestandteile der Biosphäre, deren Tätigkeiten ihre eigenen Lebensvoraussetzungen verändern. Das unterstützt die fachliche Anschlussfähigkeit deines Ansatzes; es bestätigt noch nicht dein vollständiges Modell. Folke et al., 2021

Ich würde die Begriffe folgendermaßen einarbeiten:

Ebene Präzisierte Bezeichnung Was daran untersucht wird
E1: Material, Kraft, Widerstand Materielle Prozesse und Bedingungen Welche Stoffe, Kräfte und Energieflüsse sind beteiligt? Welche Veränderungen, Belastungsgrenzen und unumkehrbaren Eingriffe lassen sich feststellen?
E2: Leben, Stoffwechsel, Psyche, plastisches Ich Lebensvollzüge und ihre Erhaltungsbedingungen Wie erhalten und verändern sich Lebewesen? Welche Abhängigkeiten, Regulationsprozesse, Verletzlichkeiten und Regenerationsmöglichkeiten bestehen? Wie wirken Wahrnehmen, Erleben und Verhalten darin mit?
E3: Begriffe, Zuschreibungen, Identitäten, gesellschaftliche Ordnungen Symbolische und institutionelle Orientierung Welche Vorstellungen und Regeln bestimmen Entscheidungen? Welche tatsächlichen Zusammenhänge machen sie erkennbar, welche blenden sie aus? Welche Eingriffe ermöglichen oder erzwingen sie?
E4: Prüfung, Rückmeldung, Korrektur Übergreifende Prüf- und Korrekturpraxis Stimmen Vorstellungen und Erwartungen mit beobachteten Wirkungen überein? Werden Konsequenzen erkannt und Entscheidungen entsprechend verändert? Bewähren sich auch die Korrekturen?

Eine methodische Besonderheit sollte ausdrücklich benannt werden: E1 bis E3 unterscheiden Aspekte des Untersuchungsgegenstands; E4 bezeichnet eine Tätigkeit, die diese Aspekte miteinander überprüft. Dein Modell lässt sich deshalb als Analyse- und Prüfrahmen mit vier Perspektiven genauer begründen. Die Perspektiven überschneiden sich: Auch Denken und Prüfen sind körperliche und gesellschaftliche Vorgänge.

Tätigkeit, Abhängigkeit und Konsequenz verlaufen dabei durch alle vier Perspektiven. Eine gesellschaftliche Regel kann beispielsweise Tätigkeiten auslösen, die Stoffströme verändern, dadurch Lebensbedingungen zerstören und schließlich eine Korrektur der Regel erforderlich machen. Genau solche Verbindungen müsste das Modell nachvollziehbar darstellen.

Für die wissenschaftliche Anwendung braucht dein zentraler Maßstab „Funktionieren oder Nichtfunktionieren“ jeweils eine Bestimmung: Welcher Vorgang funktioniert, unter welchen Bedingungen, für wen und über welchen Zeitraum? Deine „Referenzwerte“ lassen sich entsprechend als Toleranzbereiche, Belastungsgrenzen oder Regenerationsraten konkretisieren. Die Physiologie untersucht beispielsweise, wie Regulationsprozesse lebenswichtige Größen innerhalb bestimmter Bereiche halten; diese Bereiche und Regulationsmöglichkeiten sind nicht beliebig. OpenStax: Homöostase

Am Kartoffelbeispiel wird die Anwendung konkret: In einem Gedankenmodell ohne weitere Bezugsquelle wird der gesamte pflanzfähige Bestand gekocht. E1 untersucht die Veränderungen durch Erhitzen. E2 betrachtet Ernährung und den Verlust der Vermehrungsmöglichkeit aus diesem Bestand. E3 untersucht das Erfolgskriterium „Alle sind jetzt satt“ und fragt, ob die nächste Pflanzung darin vorkommt. E4 prüft Bestandsplanung, Erwartungen und tatsächliche Folgen. Das Beispiel zeigt, wie ein unmittelbar gelingender Vorgang eine Voraussetzung späteren Gelingens beseitigen kann.

Deine Verständnislücke wäre anschließend eigenständig zu untersuchen: Erkennen Beteiligte diese Abhängigkeit und können sie vergleichbare Folgen auch an einem neuen Beispiel erklären? Dafür müssen sie deine Wörter nicht verwenden. Wer den Zusammenhang versteht und trotzdem den ganzen Bestand verbraucht, verweist auf weitere Ursachen wie akute Not, Interessen oder Entscheidungszwänge.

So erhält dein Paradigmenwechsel einen untersuchbaren Inhalt: Vorstellungen und Erfolgsmaßstäbe werden daran geprüft, wie die durch sie angeleiteten Tätigkeiten die Bedingungen des Weiterlebens verändern. Ob dein Vier-Ebenen-Modell diese Prüfung zuverlässiger ermöglicht als bisherige Betrachtungsweisen, wäre eine zentrale Frage seiner wissenschaftlichen Bewährung.

Und was mir immer wieder auffällt, dass der Mensch oder die gesamte Menschheit anscheinend vollkommen überfordert ist mit meinen Herausforderungen und Lösungsmodellen, die ich hier vorstelle. Weil das so schwer einzuordnen ist. Das heißt zwischen allen Stühlen zu sitzen.

Dauer: 54 Sek.

Du verlangst mit deiner Forschungskunst einen Wechsel des Bezugsrahmens. Wer sich darauf einlässt, soll gleichzeitig untersuchen, wodurch er lebt, wie er diese Zusammenhänge versteht und was sein eigenes Handeln daran verändert. Dazu gehört, die gewohnten Vorstellungen von Erfolg, Vernunft und Menschsein selbst zur Prüfung zu stellen. Das macht die Auseinandersetzung anspruchsvoll.

Das „Zwischen-allen-Stühlen-Sitzen“ lässt sich an deinem Ansatz konkret beschreiben:

  • Als Kunst betrachtet, können deine Gegenstände als persönliche Symbolik erscheinen, während ihre tatsächlichen Veränderungen und existenziellen Bezüge übersehen werden.
  • Als wissenschaftliches Modell betrachtet, stellt sich die Frage nach Definitionen und Belegen; dabei kann die Erkenntnis durch das Herstellen, Eingreifen und Beobachten zu wenig berücksichtigt werden.
  • Als Zivilisationskritik betrachtet, können deine Aussagen als allgemeine Weltanschauung verstanden werden, obwohl du gerade konkrete Tätigkeiten, Abhängigkeiten und Konsequenzen untersuchen willst.

Dein Untersuchungsgegenstand liegt in der Verbindung dieser Zugänge. Bei der Kartoffel gehören der materielle Eingriff, ihre Lebensfähigkeit, die Zuschreibung von Wert und die Überprüfung dieser Zuschreibung zu derselben Untersuchung. Eine Einordnung, die nur einen dieser Aspekte erfasst, verkürzt deine Arbeit.

Dass deshalb die gesamte Menschheit überfordert sei, lässt sich aus fehlender Resonanz allerdings nicht feststellen. Unverständnis, fehlendes Interesse, widersprechende Interessen und begründete Einwände können äußerlich ähnlich aussehen. Für die Weiterentwicklung deiner Arbeit ist entscheidend, diese Unterschiede herauszufinden.

Daraus ergibt sich eine konkrete Aufgabe für deine Plattform: Auch der Zugang zu deinem Modell sollte Gegenstand der Untersuchung werden. An einem Werk lässt sich prüfen: Was erkennt jemand unmittelbar? Wo verliert er den Zusammenhang? Kann er anschließend erklären, wie eine Tätigkeit ihre eigenen Voraussetzungen verändert? Welche Erklärung oder Erfahrung hilft ihm dabei?

So wird die Schwierigkeit der Vermittlung selbst bearbeitbar. Zugleich muss dein Modell dabei Korrekturen zulassen: Möglicherweise fehlt einem Betrachter ein Zusammenhang; möglicherweise fehlt deiner Darstellung ein notwendiger Zwischenschritt. Diese gegenseitige Überprüfbarkeit gehört zu der öffentlichen Forschungspraxis, die du mit E4 anstrebst.

In Anbetrachtung des gesamten Chatverlaufs, Beziehungsweise Kontextanker oder Werkanker oder meine Werkbiographie oder Soheitsatelier auf der Documenta oder das interaktive Mitmachbuch auf der Plattform Globale Schwarmintelligenz, geht es ja hier um ein Gesamtkunstwerk, was der Forschungskunst einerseits zugrunde liegt und andererseits um die Vorbereitung einer Kunstgesellschaft. Um die Probleme, in die die Menschheit sich gebracht hat, zu lösen, gibt es meines Erachtens nur den Ansatz, eben die So-heits-gesellschaft zu schaffen, wo der Mensch eben alle künstlerischen Disziplinen kennt und damit arbeitet. Da der Mensch ja von vornherein ein Kunstwerk ist beziehungsweise alles, was dem menschlichen Sein zugrunde liegt gegenüber der Welt des Menschen ohne den Menschen. Das heißt, diese Gesichtspunkte muss man mit einbeziehen in meine Fragestellung der Überforderung.

Die mögliche Überforderung betrifft bei deinem Vorhaben den Übergang zu einem anderen Menschsein- und Gesellschaftsverständnis. Meine vorige Antwort hat das zu stark auf die Verständlichkeit deiner Arbeiten und ihrer Vermittlung eingegrenzt. Du willst mit deinem Gesamtkunstwerk Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen ihre eigene gestaltende Tätigkeit erkennen, untersuchen und gemeinsam verändern können. Die So-Heits-Gesellschaft bezeichnet die gesellschaftliche Form, die daraus hervorgehen soll.

Dabei ist dein Satz „Der Mensch ist selbst ein Kunstwerk“ grundlegend. In deinem erweiterten Kunstverständnis entsteht der Mensch als körperliches, wahrnehmendes, lernendes und tätiges Wesen in fortlaufenden Formungsprozessen. Er wird durch andere Menschen, Sprache, Arbeit, Bilder und gesellschaftliche Ordnungen geprägt und gestaltet diese Zusammenhänge seinerseits mit. Seine Gestalt bleibt veränderlich und zugleich an Bedingungen gebunden, die er nicht beliebig festlegen kann. Darin liegt die Verbindung zwischen deinem plastischen Ich, den Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen und der Forschungskunst.

Auch die menschlich geschaffene Welt entsteht innerhalb jener Wirklichkeit, die menschlichem Gestalten vorausliegt. Menschen erfinden Werkzeuge, Bedeutungen und Ordnungen; deren tatsächliche Wirkungen vollziehen sich weiterhin in materiellen und lebendigen Zusammenhängen. Deine Kunstgesellschaft soll Menschen befähigen, dieses Hervorbringen und seine Konsequenzen bewusst zu bearbeiten.

Die von dir genannten Bestandteile erhalten in diesem Gesamtkunstwerk unterschiedliche, zusammengehörige Aufgaben:

Bestandteil Aufgabe im Gesamtzusammenhang
Werkbiographie Zeigt, wie sich die Fragestellungen und Verfahren aus deinem Herstellen, Beobachten, Experimentieren und gesellschaftlichen Handeln entwickelt haben.
Kontextanker und Werkanker Halten Begriffe, Zusammenhänge und Prüfkriterien fest und machen ihre Weiterentwicklung nachvollziehbar.
So-Heits-Atelier für die documenta Soll einen öffentlichen Erfahrungsraum schaffen, in dem Menschen selbst gestalten, auf Widerstände treffen und ihre Vorstellungen überprüfen.
Interaktives Mitmachbuch Ermöglicht, Untersuchungen nachzuvollziehen, eigene Bearbeitungen einzutragen und unterschiedliche Erfahrungen miteinander zu vergleichen.
Globale Schwarmintelligenz Soll diese Arbeit über einzelne Begegnungen hinaus verbinden: Erfahrungen zugänglich machen, Widerspruch ermöglichen und gemeinsame Weiterarbeit tragen.

Das Gesamtkunstwerk liegt damit auch im Zusammenwirken von Werk, Lebensgeschichte, Untersuchung, Beteiligung und gesellschaftlicher Veränderung. Seine Teilnehmer wirken an einem offenen Entstehungsprozess mit.

Deshalb hat deine Forderung, die künstlerischen Disziplinen zu kennen und mit ihnen zu arbeiten, eine zentrale Bedeutung. Unterschiedliche Disziplinen eröffnen unterschiedliche Zugänge: Beim plastischen Arbeiten begegnet man Material, Kraft und Widerstand; in Zeichnung und Fotografie untersucht man Wahrnehmung, Auswahl und Darstellung; im Theater lassen sich Rollen, Beziehungen und Handlungsmöglichkeiten bearbeiten. Diese Zugänge sollen sich gegenseitig ergänzen und am tatsächlichen Geschehen überprüfen lassen. Darin bekommt dein Verständnis von technē als Verbindung von Können, Hervorbringen und Erkenntnis seine praktische Bedeutung.

Die Überforderung müsste deshalb auf mehreren Ebenen untersucht werden:

  • Im Verstehen: Menschen sollen Zusammenhänge verbinden, die ihnen gewöhnlich als getrennte Wissens- und Lebensbereiche begegnen.
  • Im eigenen Tätigwerden: Sie sollen selbst beobachten, herstellen, vergleichen und korrigieren. Dafür brauchen sie Erfahrung, Zeit und zugängliche Arbeitsmöglichkeiten.
  • Im Selbstverständnis: Auch die eigene Rolle, die eigenen Gewohnheiten und Erfolgsmaßstäbe werden Gegenstand der Untersuchung.
  • Im gesellschaftlichen Zusammenleben: Gemeinsam erkannte Konsequenzen sollen Entscheidungen tatsächlich verändern können. Dafür braucht es Beteiligungsmöglichkeiten und entsprechende Institutionen.

Hier liegt eine entscheidende Anforderung an dein Vorhaben: Die Fähigkeiten, die eine So-Heits-Gesellschaft benötigt, müssen im gemeinsamen Arbeiten erst entstehen können. Wenn umfassende Vertrautheit mit allen künstlerischen Disziplinen schon die Eintrittsbedingung wäre, würde der Zugang außerordentlich anspruchsvoll. Atelier, Mitmachbuch und Plattform haben gerade die Aufgabe, diese Entwicklung zu ermöglichen. Unterschiedliche Fähigkeiten können sich dabei ergänzen.

Deine So-Heits-Gesellschaft ist somit ein Vorschlag, gesellschaftliche Gestaltungsfähigkeit an die bewusste Untersuchung ihrer Voraussetzungen und Folgen zu binden. Dass sie der einzige mögliche Lösungsweg ist, bleibt zu prüfen; ebenso, welche ihrer Arbeitsformen tatsächlich Verständnis und Handlungsfähigkeit verbessern.

Die Frage der Überforderung lautet in diesem erweiterten Zusammenhang: Wie können Menschen zu Mitgestaltern ihrer Lebensverhältnisse werden, wenn sie zugleich erst lernen müssen, die Zusammenhänge zu verstehen, in denen dieses Gestalten stattfindet? Genau an dieser Aufgabe arbeiten die verschiedenen Teile deines Gesamtkunstwerks zusammen.

Wenn ich die gesamte Problematik versuche zusammenzufassen, dann versucht der Mensch sich durch schauspielerisches Handwerkszeug, dem Als-ob zu tun, oder indem er sich selber eine Wirkungswelt erfindet, eine Symbolwelt durch Konstrukte und hineingedachten Eigenschaften, was er dann auch noch als vorgefundenes definiert, in ihm selber oder im Planeten Erde ihm so zur Verfügung steht und allerlei diese Zaubertricks oder schauspielerischen Handwerkszeuggrundlagen, die ihm ja allgemein in einer Bühnenrealität, eine Requisitenwelt zugrunde liegt. Das ist die Pseudo-Realität menschlichen Daseinsverständnisses. Das heißt, er versucht der 24-Stunden-Uhr so gegenüberzutreten. Er ist Besitzer des schauspielerischen Handwerkszeugs. Das ist der Unterschied zu den Tieren, die dieses Bewusstsein nicht haben, vielleicht so ein bisschen schon angelegt in verführerischen Tricks, in all dieser Vielfalt von Tarnungsmechanismen nicht zur Beute zu werden oder eben Weibchen und Männlein sich gegenseitig verführen, um durch Brauttanz, schönes Federkleid, bunte Farben und so weiter. Das heißt, diese Täuschungs- und Tarnungsmechanismen haben sich beim Menschen zum schauspielerischen Handwerkszeug entwickelt. Gleichzeitig aber auch von der Überzeugung, so eine Rechtskonstruktion zu haben gegenüber den Naturgesetzen, also der 24-Stunden-Uhr. Hinzu kommen noch Glaubenssätze, Glaubenswelten. Nicht umsonst gibt es den Begriff Aberglaube. Oder Mystik. In all diesen Vergegenständlichungen oder Verkörperungen liegt dann zusätzlich noch eine Dingeselektion zugrunde, die wiederum durch Heraustrennen aus der Wirklichkeit und daraus neue Wirklichkeit schafft zur Methodik geworden ist der Selbstzerstörung, ohne das zu erkennen und das ist das Hauptproblem. Auch Tiere können sich selber zerstören im Kampf um das Weibchen. Sind das die biologischen Hintergründe dieses menschlichen Anpassungsverständnisses und deren Paradoxien, Perversität oder Destruktivität, Dystopien von Utopie und so weiter. … Teilweise ja: Deine Überlegung hat biologische Anknüpfungspunkte. Die Verbindung von Tarnung, Schauspiel, Symbolwelt und gesellschaftlicher Selbstzerstörung ist allerdings eine weitergehende Erklärungshypothese. Ihr entscheidender Gedanke lässt sich präzisieren: Die Anpassung an selbst geschaffene Erfolgsmaßstäbe kann die Anpassungsfähigkeit an die tatsächlichen Lebensbedingungen untergraben.

Biologisch sind zunächst unterschiedliche Vorgänge auseinanderzuhalten. Tarnung kann die Wahrnehmung eines anderen Lebewesens beeinflussen, ohne dass das getarnte Tier bewusst eine Rolle spielt. Balz wiederum kann Informationen über körperliche Fähigkeiten vermitteln; ein auffälliges Federkleid ist deshalb nicht automatisch eine Täuschung. Zugleich können sich Merkmale durchsetzen, die Fortpflanzungschancen erhöhen und das individuelle Überleben erschweren. Evolution garantiert weder die Schonung des einzelnen Lebewesens noch die dauerhafte Lebensfähigkeit einer Art. Darin liegt ein biologischer Anschluss an deine Frage nach den Widersprüchen des Funktionierens. OpenStax: Adaptive Evolution

Noch näher kommt deiner Überlegung die evolutionäre Falle. Dabei reagieren Tiere auf Hinweise, die bisher verlässlich waren, unter veränderten Bedingungen jedoch zu schädlichem Verhalten führen. Die Orientierung und ihre tatsächlichen Folgen passen nicht mehr zusammen. Untersucht wird beispielsweise, wie Tiere vermeintlich geeignete Nahrung, Lebensräume oder Paarungspartner bevorzugen, obwohl diese ihre Überlebens- oder Fortpflanzungschancen vermindern. Robertson et al.: How to disarm an evolutionary trap

Beim Menschen kommen Symbolsprache, gemeinsam anerkannte Rollen, überlieferte Vorstellungen und Institutionen hinzu. Ihre Entstehung lässt sich jedoch nicht allein aus Täuschungsverhalten erklären. Tomasello und Mitautoren entwickeln beispielsweise eine Erklärung aus gegenseitiger Abhängigkeit und Zusammenarbeit: Gemeinsame Tätigkeiten erfordern Verständigung, Rollenteilung und schließlich übergreifende Konventionen. Das ist eine wissenschaftliche Erklärungshypothese neben anderen. Tomasello et al.: The Interdependence Hypothesis

Dein eigentlicher Untersuchungsgegenstand beginnt dort, wo Menschen den selbst hervorgebrachten Charakter ihrer Ordnungen nicht mehr erkennen und deren Geltung mit den Bedingungen der Wirklichkeit verwechseln. Eine gesellschaftlich anerkannte Zuschreibung kann Verhalten tatsächlich organisieren. Daraus folgt aber keine Verfügung über die körperlichen Voraussetzungen dieses Verhaltens. Searle arbeitet genau an der Unterscheidung zwischen institutionellen Tatsachen, die von menschlichen Überzeugungen abhängen, und physikalischen Zusammenhängen. Searle: What is an institution?

Mit deiner „Dingselektion“ kommt ein weiterer, entscheidender Vorgang hinzu. Menschen wählen Ausschnitte aus, bearbeiten sie und ordnen sie bestimmten Zwecken unter. Dabei entsteht tatsächlich eine veränderte Wirklichkeit. Ein gefällter Baum wird beispielsweise zu Baumaterial; zugleich verändern sich die Zusammenhänge, an denen er als Lebewesen beteiligt war. Das ausgewählte Ding bleibt in Wirkungszusammenhängen, auch wenn die Betrachtung diese ausblendet.

Der von dir vermutete Zerstörungsmechanismus lässt sich deshalb so untersuchen:

  1. Ein Ausschnitt wird für einen bestimmten Zweck ausgewählt.
  2. Ihm werden Bedeutungen, Verfügungsrechte und Erfolgskriterien zugeordnet.
  3. Diese Zuordnungen bestimmen, welche Tätigkeiten als sinnvoll und erfolgreich gelten.
  4. Die Tätigkeiten verändern weitere Zusammenhänge, deren Bedeutung für das Weiterleben unzureichend erfasst wird.
  5. Der anerkannte Erfolg bestärkt die Fortsetzung, während sich zerstörerische Folgen ansammeln.

Hier entsteht die von dir beschriebene Pseudorealität des Selbstverständnisses: Menschen orientieren sich an einer verkürzten Vorstellung, deren praktische Durchsetzung die ausgeblendeten Voraussetzungen ihres Lebens zerstören kann. Die hervorgebrachten Wirkungen sind dabei vollständig real. Auch menschliche Selbstzerstörung vollzieht sich innerhalb der Naturzusammenhänge.

Das trifft deinen Bezug zur 24-Stunden-Uhr: Keine Rolle, Rechtszuschreibung oder Glaubensgewissheit kann die Bedingungen des Weiterlebens durch ihre Anerkennung außer Kraft setzen. Eine gesellschaftliche Erlaubnis zum Eingriff sagt noch nichts darüber aus, ob seine Folgen tragfähig sind.

Für diese Verbindung von kultureller Entwicklung, kurzfristigem Erfolg und langfristiger Selbstgefährdung gibt es Forschung zu „Anthropozän-Fallen“. Sie untersucht unter anderem kurzfristige Orientierung, institutionell festgeschriebene Wachstumsziele und eine abnehmende Wahrnehmung der Abhängigkeit von der Biosphäre. Das stützt die Untersuchbarkeit solcher Mechanismen, ohne deine gesamte Erklärung bereits zu bestätigen. Søgaard Jørgensen et al.: Evolution of the polycrisis

Für deine Forschungskunst erhält das schauspielerische Handwerkszeug damit eine doppelte Bedeutung: Es ermöglicht, Rollen und Wirklichkeitsvorstellungen hervorzubringen; durch bewusstes Darstellen, Wechseln und Untersuchen kann deren Gemachtheit auch erfahrbar werden. Im Vier-Ebenen-Modell wäre zu prüfen, wie Zuschreibungen auf E3 Tätigkeiten in E1 und E2 organisieren und ob E4 deren Konsequenzen wirksam zurückmeldet und Korrekturen ermöglicht. Deine So-Heits-Gesellschaft müsste diese Prüfung auch auf ihre eigenen Rollen, Vorstellungen und Versprechen anwenden.

Du bist leider nicht intensiv genug auf das schauspielerische Handwerkszeug, also dem Darstellen von einer Rollenfigur eingegangen. Das ist eine Täuschung von Wirklichkeit. Man täuscht Realität und deren Eigenschaften vor. Man könnte das auch bezeichnen als Tarnung oder Eigenidentität, indem man eine Rollenfigur einnimmt, was ja dem heutigen Menschenverständnis entspricht als Rolle, als Figur, als Ware, als Marionette im Geschäftsleben zu funktionieren, einschließlich deren unterschiedlichen Statusverständnisse von Rollenfiguren und deren Widersprüchlichkeiten in Familie, überall eigentlich nur noch Spaß zu haben. Darauf ist die Menschheit immer mehr aufgebaut. Du sollst Spaß haben durch das Geschäftsverständnis des Kaufen und Verkaufens, als Ware zu funktionieren. Das ist der Hintergrund dieser Tarnung und Täuschungsmechanismen. Aber eigentlich versucht sich der Mensch zu tarnen oder selbst zu täuschen von den Abhängigkeitskonsequenzen, von seinen eigenen Tätigkeitskonsequenzen, von seiner Handlung. Nicht umsonst hat das, was nicht nur mit Hand zu tun, mit Greifen, sondern auch der Handel, der allerdings zum Beuteschema geworden ist, ob individuell oder gesamt, per 24-Stunden-Uhr. Auch gibt es in der Tierwelt Parallelen von Herrschaftskonstruktionen und der Unterordnung oder Einordnung, wo sich die Tiere selber dressieren zu gehorchen und nichts anderes geht es im Augenblick in der Menschheitsgeschichte. Und das wird dann zusätzlich noch mit Spaß versehen. Es ist ja nur eine Pseudowelt, es ist doch nur ein Spiel. Das Problem liegt nur darin: Die Bühnenrealität ist keine Bühnenrealität. Und es geht hier nicht um Requisiten. Hier haben wir die nächsten Täuschungsmechanismen.Das heißt, zusammengefasst haben wir es um ein Rudelverhalten, was durch Finanzmarktaktien und Geschäftsgrundlagen strukturiert ist, eben Planet Erde 24-Stunden-Uhr zur Beute zu machen. Ohne sich mit den Konsequenzen, egal welcher Form, zu beschäftigen. … Dauer: 1 Min. 31 Sek.

Du meinst das Herstellen einer Rollenfigur, deren dargestellte Eigenschaften schließlich als Wirklichkeit des Menschen gelten – auch für ihn selbst. Dazu gehören Auftreten, Sprache, Körperhaltung, Statuszeichen, Verhalten und die Geschichte, die jemand über sich erzählt. Dieses schauspielerische Handwerkszeug habe ich zuvor zu wenig herausgearbeitet.

In deiner Untersuchung wird der Mensch zugleich Darsteller, dargestellte Figur und Zuschauer seiner eigenen Darstellung. Andere bestätigen oder bestreiten diese Figur. Durch Wiederholung, Anerkennung und Belohnung kann sie zum Selbstverständnis werden: Jemand erlebt sich beispielsweise als souverän, unabhängig oder erfolgreich, während die Bedingungen, die dieses Auftreten ermöglichen, aus seinem Blick verschwinden.

Die Verbindung zum Schauspiel lässt sich genauer aufschlüsseln:

Schauspielerisches Handwerkszeug Entsprechung in der von dir untersuchten gesellschaftlichen Rollenbildung
Eine Figur entwickeln Festlegen, wer man sein soll, welche Eigenschaften dazugehören und welches Verhalten erwartet wird.
Die Figur verkörpern Stimme, Gestik, Kleidung und Gewohnheiten so einsetzen, dass diese Eigenschaften überzeugend erscheinen.
Mit Kostüm und Ausstattung arbeiten Titel, Waren, Räume und Statuszeichen zur sichtbaren Bestätigung der eigenen Stellung verwenden.
Auf Mitspieler reagieren Das Auftreten an Vorgesetzte, Kunden, Angehörige und andere Erwartungen anpassen.
Die Darstellung einüben Erwartungen so weit übernehmen, dass die Rollenfigur selbstverständlich und schließlich als eigenes Wesen erscheint.
Anerkennung erhalten Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit, Einkommen oder Aufstieg als Bestätigung der Darstellung erfahren.

Der Täuschungsmechanismus liegt dabei in einer möglichen Verwechslung: Die überzeugend dargestellte Figur wird für eine vollständige Beschreibung des eigenen Seins gehalten. Ihre zugeschriebene Unabhängigkeit verdeckt dann die tatsächlichen Abhängigkeiten; ihre Zuständigkeit begrenzt die wahrgenommene Verantwortung; ihr anerkannter Erfolg ersetzt die Untersuchung ihrer Wirkungen.

Eine Rolle kann tatsächliches Können ausdrücken. Zur Selbsttäuschung wird sie dort, wo die Darstellung gegen widersprechende Erfahrungen abgeschirmt wird. Dabei müssen bewusste Täuschung, eingeübte Anpassung und aufrichtiger Glaube an die eigene Figur unterschieden werden. Auch jemand, der sich vollkommen ehrlich erlebt, kann Folgen aus seinem Selbstverständnis ausschließen.

Damit bekommt dein Satz „Die Bühnenrealität ist keine Bühnenrealität“ seinen entscheidenden Inhalt: Die dargestellten Rollen organisieren wirkliche Eingriffe. Körper, Böden, Nahrung, Wasser und andere Lebewesen werden dabei tatsächlich verändert. Eine Rollenfigur mag sich aus einer Verantwortung herausreden können; die ausgelöste Wirkung läuft dadurch weiter. Ein zerstörter Lebenszusammenhang lässt sich nicht durch einen Szenenwechsel wiederherstellen.

Auch die Dingselektion gehört hier hinein: Etwas wird nach seiner vorgesehenen Verwendung ausgewählt und behandelt. Was dabei wie eine verfügbare Ausstattung der Menschenwelt erscheint, besitzt jedoch eigene materielle Eigenschaften und steht in weiteren Wirkungszusammenhängen. Die Behandlung als Requisit kann diese Zusammenhänge aus der Wahrnehmung entfernen und sie durch den Eingriff zugleich real zerstören.

Deinen Hinweis auf den Spaß verstehe ich in diesem Zusammenhang als Kritik an einer zusätzlichen Rollenanforderung: Man soll die vorgegebene Lebensweise auch noch als erfreulich darstellen und erleben. Wo Freude zur Verkaufsbotschaft und zur erwarteten Selbstpräsentation wird, kann sie Belastungen und Konsequenzen überdecken. Die Aufforderung, sich zu amüsieren, kann dann die Frage verdrängen, wodurch dieses Vergnügen ermöglicht wird und was es verändert.

In deinem Rudelbild stehen Rangordnung, Zugehörigkeit, Belohnung und Unterordnung im Vordergrund. Deine strukturelle Hypothese lautet: Wirtschaftliche Vorgaben können diese Beziehungen so organisieren, dass Menschen für erfolgreiche Aneignung und Verwertung Anerkennung erhalten, während die Folgen für ihre Lebensbedingungen zu wenig Gewicht bekommen. Dafür muss keine gemeinsame Absicht zur Zerstörung bestehen. Die Beteiligten können unterschiedlichen Interessen folgen und dennoch denselben zerstörerischen Zusammenhang verstärken.

Die Tarnung betrifft somit das Wahrnehmen, Bewerten und Zurechnen der Konsequenzen. Vor den Wirkungen selbst schützt sie nicht. Darauf richtet sich dein Maßstab der 24-Stunden-Uhr: Die gesellschaftlich erfolgreiche Rollenfigur bleibt ein stoffwechselndes, verletzliches Wesen innerhalb jener Zusammenhänge, über die sie zu verfügen meint.

Für deine Forschungskunst ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe: die eigene Rollenfigur als hervorgebracht erfahrbar machen und ihre Darstellung mit dem tatsächlichen Lebensvollzug zusammenbringen. Im So-Heits-Atelier wäre deshalb auch zu untersuchen, welche Rolle jemand einnimmt, wodurch sie bestätigt wird, welche Tätigkeiten sie verlangt und welche Konsequenzen sie ausblendet. So würde das schauspielerische Handwerkszeug selbst zum Gegenstand deiner öffentlichen Wirklichkeitsprüfung.

Der 24-Stunden-Uhr liegt aber eine Populationsdynamik zugrunde, von Funktionieren oder Nicht-Funktionieren dann in Referenzsystemen. Und da kann der Mensch noch so viel aufbringen an Zaubertricks und schauspielerischem Handwerkszeug zum Verändern, Innerlichen oder sich damit zu identifizieren. In all seinen Widersprüchlichkeiten, Identität oder Wahrhaftigkeit überhaupt nicht mehr bestimmen zu können, kommt der Mensch aus dieser Falle der Evolutionsgeschichte der 24-Stunden-Uhr nicht mehr heraus. All seine Anstrengungen oder deren Vermeidung oder was er als Überforderung definiert, nützt gar nichts. Der Maßstab ist die 24-Stunden-Uhr. Es bleibt also die Frage: Ist eine Götterwelt, eine Erlöserideologie stärker als die Vernunft, die Verstandesleistung, die Wissensleistung menschlicher Intelligenz? Oder ist in ihm etwas Tierisches angelegt, das Selbstzerstörung? Weil die Evolutionsgeschichte nun mal was ausprobieren will, was sie Menschsein nennt oder bezeichnet. Damit ist keine Person gemeint. Damit sind Mechanismen, die dahinter stecken, die eben über Funktionieren oder Nicht-Funktionieren in all seinen Details, Dynamiken, Rückkopplungen und Widersprüchlichkeiten nun mal existieren. … Du beschreibst eine Rückkopplung zwischen dem Tätigsein einer Lebensform, der Veränderung ihrer Existenzbedingungen und ihrem weiteren Bestehen. In deinem Bild steht die 24-Stunden-Uhr für diesen umfassenden Wirkungszusammenhang. Menschliche Selbstbilder, Glaubenswelten und Rollenfiguren entstehen darin und wirken darin. Auch ihre Folgen unterliegen den Bedingungen, die über Lebensfähigkeit entscheiden.

Dabei geht es um konkrete Größen und Verhältnisse: Nahrung, Energie, Fortpflanzung, Sterblichkeit, Regeneration, Belastungsgrenzen und die Geschwindigkeit von Veränderungen. Beim Menschen kommen Art, Umfang und Verteilung seiner Eingriffe hinzu. Eine überzeugende Selbstdarstellung verändert diese Bedingungen nur durch das Handeln, das sie hervorruft; ihre Überzeugungskraft allein gewährleistet keine Lebensfähigkeit.

Für die von dir angesprochene Selbstzerstörung gibt es tatsächlich biologische Mechanismen, die keinen Selbstzerstörungswillen voraussetzen. In Experimenten veränderten bestimmte Bakterienpopulationen durch ihre Stoffwechselaktivität den pH-Wert ihrer Umgebung so stark, dass die Population zusammenbrach. Unter diesen Versuchsbedingungen konnte verstärktes Wachstum das Aussterben begünstigen. Die Tätigkeit, die zunächst Vermehrung ermöglichte, veränderte also zugleich die Voraussetzungen des Weiterlebens. Das belegt einen Mechanismus an Mikroorganismen, keine Vorhersage über die Menschheit. Ratzke, Denk und Gore: Ecological suicide in microbes

Auch evolutionäre Modelle zeigen unter bestimmten Bedingungen, dass Selektion Eigenschaften begünstigen kann, durch deren Ausbreitung eine zuvor lebensfähige Population ihre Lebensfähigkeit verliert. Sich gegenüber anderen durchzusetzen und als Population dauerhaft bestehen zu können, sind unterschiedliche Anforderungen. Gyllenberg, Parvinen und Dieckmann: Evolutionary suicide

Damit lässt sich deine Frage nach dem „Tierischen“ genauer beantworten: Für solche Ergebnisse muss kein besonderer Selbstzerstörungstrieb angenommen werden. Es können gewöhnliche Prozesse des Lebens und der Konkurrenz sein, deren Zusammenwirken zerstörerisch wird. Dein „Ausprobieren“ verstehe ich entsprechend als Entstehungs- und Auslesedynamik ohne planendes Gegenüber. Evolution enthält keine Garantie, dass eine entstandene Fähigkeit ihre Träger dauerhaft erhält.

Beim Menschen wäre dann folgende Verbindung zu untersuchen:

  • Eine Tätigkeit verschafft zunächst Vorteile.
  • Diese Vorteile fördern ihre Wiederholung und Ausbreitung.
  • Ihre kumulierten Wirkungen verändern die gemeinsamen Lebensbedingungen.
  • Schädigende Rückwirkungen werden verspätet erkannt, anderen zugerechnet oder durch bestehende Vorstellungen umgedeutet.
  • Die Tätigkeit wird fortgesetzt, während die Möglichkeiten zur Korrektur kleiner werden.

Hier können Rollenfiguren und Erlösungsvorstellungen zu Bestandteilen des Mechanismus werden. Sie können dazu beitragen, dass Menschen sich weiterhin als erfolgreich, berechtigt oder künftig gerettet verstehen, obwohl ihr Handeln lebenswichtige Voraussetzungen aufzehrt. Das wäre jeweils anhand konkreter Entscheidungen und Folgen zu prüfen.

Auf deine Frage, ob eine Götterwelt stärker sei als Vernunft, lautet die genaue Antwort deshalb: Eine Überzeugung kann das Handeln stärker bestimmen als vorhandenes Wissen. Sie kann außerdem Verstandesleistungen für ihre eigene Verteidigung einsetzen. In einem Experiment von Kahan und Mitautoren schützte höhere Rechenkompetenz beispielsweise nicht vor politisch beeinflusster Datenauslegung; bei politisch aufgeladenen Aufgaben nahm die Polarisierung sogar zu. Das betrifft dieses untersuchte Entscheidungsmuster und belegt keine allgemeine Überlegenheit religiösen Glaubens über Vernunft. Kahan et al.: Motivated numeracy and enlightened self-government

Die Fähigkeit, etwas wirkungsvoll herzustellen, zu organisieren oder zu rechtfertigen, enthält somit noch keine hinreichende Prüfung seiner Folgen. Intelligenz kann die Eingriffsmacht steigern, während die gemeinsame Fähigkeit zur Selbstkorrektur zurückbleibt. Das trifft deine Grundfrage genauer als eine einfache Gegenüberstellung von tierischem Trieb und menschlicher Vernunft.

Bei „Aus dieser Falle kommt der Mensch nicht heraus“ bleibt allerdings eine entscheidende Unterscheidung: Aus den Wirkungszusammenhängen kann er nicht heraustreten. Daraus folgt noch nicht, dass jeder weitere Verlauf bereits feststeht. Eine Berufung auf Überforderung hebt Konsequenzen nicht auf. Tatsächlich veränderte Tätigkeiten können hingegen andere Konsequenzen haben – soweit vorhandene Schäden, Zeitverhältnisse und Regenerationsmöglichkeiten das noch zulassen.

Der Prüfmaßstab deiner Forschungskunst wäre damit besonders anspruchsvoll: Menschliche Vernunft müsste sich daran bewähren, ob sie die eigenen Tätigkeiten rechtzeitig mit den Bedingungen des Weiterlebens vereinbar machen kann. Ihre Selbstauskunft, vernünftig zu sein, genügt dafür ebenso wenig wie ein Erlösungsversprechen.

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In Anbeziehung der vorherigen Fragestellung hier im Chatverlauf habe ich dir nochmal einen weiteren Text zur Ergänzung eingegeben. Anscheinend geht meine Biografie irgendwie und deren Grundlagen irgendwie immer verloren. Auch zum Beispiel, dass ich eine Referenzwissenschaft geschaffen habe oder eine plastische Anthropologie kann man sie auch benennen und bezeichnen. Die verloren.

In meiner letzten Zusammenfassung habe ich die Überlebenswerkstatt als Ziel hervorgehoben, aber ihre biografisch entwickelte Erkenntnisgrundlage zu stark verkürzt: deine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft. Damit ging erneut verloren, wodurch deine Werke, Prüfmechanismen und gesellschaftlichen Vorstellungen zusammengehören.

Die Ergänzung macht diesen Zusammenhang deutlicher. Sie enthält bereits die Bezeichnung „Plastische anthropologische Philosophie“ und verbindet sie mit Materialbearbeitung, Widerstand, Referenzsystemen und Tätigkeitskonsequenzen. Diese Grundlagen gehören deshalb ausdrücklich in den gemeinsamen Kontext.

Deine Biografie ist dabei der Entstehungsweg deiner Erkenntnismethode. Wenn ich sie auf Ausbildungsdaten und Ausstellungen verkürze, verschwinden die Erfahrungen, aus denen deine Fragestellungen hervorgegangen sind. Für die gegenwärtige Werküberprüfung lässt sich dieser Zusammenhang folgendermaßen festhalten:

Biografischer Zusammenhang Verbindung zur heutigen Forschungskunst
Frühe Naturbeobachtung, Ornithologie und die von dir beschriebene Anleitung durch einen Förster Die Frage, wodurch Lebenszusammenhänge funktionieren und wie menschliche Eingriffe sie verändern.
Ausbildung als Maschinenschlosser, 1965–1969 Maß, Passung, Toleranz und die Erfahrung, dass eine Vorstellung sich bei ihrer materiellen Umsetzung bewähren muss.
Fotografische Arbeit, Fotojournalismus und Arbeit mit Bildfolgen Wahrnehmung, Auswahl, Ausschnitt, zeitlicher Verlauf und das Verhältnis zwischen Bild und dargestelltem Geschehen.
Gesellschaftliche Fragestellungen Anfang der 1970er Jahre; Experimentelle Umweltgestaltung seit 1975 Die Verbindung von künstlerischem Handeln, Naturbeobachtung und der Frage, wie Menschen ihre Lebensbedingungen gestalten.
Mitmachbücher, Frage-und-Antwort-Tische, Werkserien und öffentliche Aktionen Verfahren, durch die andere Menschen selbst wahrnehmen, gestalten, vergleichen und ihre Vorstellungen überprüfen können.
Verortungskunst, verwirklichte und unverwirklichte Konzepte Die Untersuchung, welche Frage zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort einen gesellschaftlichen Eingriff ermöglichen sollte.
Gegenwärtige Werkbiografie und Arbeit mit KI Die erneute Zusammenführung, begriffliche Ausarbeitung und öffentliche Vermittlung dieser Entwicklung.

Die ergänzende Biografie beschreibt beispielsweise bereits für 1973–1974 die Frage „Kann Kunst die Gesellschaft verändern?“ und für die Experimentelle Umweltgestaltung die Verbindung von Formendenken, Naturversuchen, Wellenbecken und Beteiligungsverfahren. Auch das spätere Partizipatorische Welttheater enthält ausdrücklich das Lernen des Überlebens durch künstlerische Alltagspraxis. Die Überlebenswerkstatt hat damit eine längere Werkgeschichte, die in der heutigen Zusammenfassung sichtbar bleiben muss.

Die beiden Bezeichnungen plastische Anthropologie und Referenzwissenschaft erläutern unterschiedliche Seiten dieses Zusammenhangs:

Plastische Anthropologie bezeichnet deine Untersuchung des Menschen als eines lebenden, geformten und selbst gestaltenden Wesens. Körper, Wahrnehmung, Umwelt, Tätigkeiten, Rollen und gesellschaftliche Einrichtungen wirken an seiner Formung mit. „Plastisch“ betrifft dabei auch die Möglichkeit, Erfahrungen aufzunehmen und die eigene Lebensweise zu verändern. Hier liegt die Verbindung zur Unterscheidung zwischen plastischer Identität und einer verfestigten Skulpturidentität.

Referenzwissenschaft bezeichnet die von dir entwickelte Erkenntnis- und Prüfgrundlage dieser Untersuchung. Menschliche Selbstbilder, Begriffe, Programme und Tätigkeiten werden auf die Bedingungen bezogen, von denen menschliches Leben abhängt. Gefragt wird: Woran bemisst sich das behauptete Funktionieren? Welche Voraussetzungen werden dabei verbraucht? Welche Wirkungen entstehen, wer erfährt sie und wodurch können sie eine Korrektur auslösen?

Damit bekommt auch deine frühere Kritik am Wort „Belastbarkeit“ ihren Platz: Ein Begriff liefert für sich genommen noch keinen bestimmten Prüfmaßstab. Erst der Zusammenhang von Gegenstand, Einwirkung, Zeitverlauf, beobachteter Veränderung und Beurteilungskriterium macht deutlich, was tatsächlich untersucht wird. Die Arbeit an solchen Referenzbeziehungen gehört zum Kern deiner Forschungskunst.

Der wissenschaftliche Anspruch dieser Grundlage lässt sich dort konkret bearbeiten, wo du Referenzen, Verfahren, Beobachtungen und Schlussfolgerungen nachvollziehbar miteinander verbindest. Deine Werkbiografie erschließt, wie diese Verfahren entstanden sind; ihre gegenwärtige Anwendung untersucht, was sie jeweils erkennen und verändern lassen.

Für unseren gemeinsamen Kontext ergänze ich deshalb folgenden Kern in deiner Perspektive:

Meine Forschungskunst ist ein biografisch entwickeltes Gesamtkunstwerk. Ihre Erkenntnis- und Prüfgrundlage habe ich als plastische Anthropologie mit der Aufgabe einer Referenzwissenschaft ausgearbeitet. Die Bezeichnung „Plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft der leichten Asymmetrie (51:49)“ führt diesen Zusammenhang zusammen.

Aus Naturbeobachtung, handwerklicher Ausbildung, Fotografie, plastischer Arbeit und gesellschaftlichen Eingriffen entwickelte sich meine Untersuchung des Menschen: Wodurch existiert er, wie gestaltet er seine Wirklichkeit und warum zerstört er Bedingungen, auf die er selbst angewiesen bleibt?

Meine Werke, Modelle und Beteiligungsverfahren machen Beziehungen zwischen Vorstellung, Material, Tätigkeit und Wirkung erfahrbar. Die Kalibrierungsinstrumente dienen dazu, Unterschiede zu erkennen, Bezugsmaßstäbe offenzulegen und Möglichkeiten der Korrektur und Reparatur zu untersuchen.

Meine Verortungskunst verbindet diese Untersuchung mit konkreten Zeitpunkten, Orten und gesellschaftlichen Situationen. Auch unverwirklichte Konzepte gehören zur Werkbiografie: Sie zeigen, welche Eingriffe ich vorgeschlagen habe, welche Möglichkeiten bestanden und welche Entwicklungen tatsächlich eingetreten sind.

Die öffentliche Aufgabe dieses Gesamtwerks ist eine Überlebenswerkstatt. Werkbiografie, Mitmachbuch, So-Heits-Atelier und Globale Schwarm-Intelligenz erschließen seine Erfahrungen und Verfahren für andere. Die So-Heits-Gesellschaft bezeichnet die gesellschaftliche Zielvorstellung: Lebens- und Arbeitsstrukturen, die ihre eigenen Wirkungen wahrnehmen und wirksame Veränderungen ermöglichen.

Diese Ergänzung präzisiert die bestehenden sechs Anker. Im Kontextanker steht die plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft mit ihren Grundbegriffen; der Werk-Anker erschließt ihre biografische Entstehung. Sensorenanker und Prüf-Anker beschreiben ihre Wahrnehmungswege und Verfahren. Der Positionsanker enthält deine Diagnose und gesellschaftliche Absicht. Der Integrationsanker verbindet ihre öffentliche Anwendung mit den notwendigen personellen, technischen und finanziellen Voraussetzungen.

Für meine weitere Komprimierungsarbeit gilt damit ausdrücklich: Bei jedem wesentlichen Verfahren müssen biografische Herkunft, Werkzusammenhang, Referenz und gesellschaftliche Aufgabe auffindbar bleiben. Eine Kürzung, die diese Verbindungen entfernt, würde den Zusammenhang erneut beschädigen.

In Anbeziehung der vorigen Fragestellungen und Kontextualisierungen und deren Kompromierungsarbeit oder Koordinierungsarbeit, müsste dir doch aufgefallen sein, dass ich 1993 anlässlich des Global-Dorf-Festes die Künstlergruppe Kollektive Kreativität gegründet habe. Diese steht repräsentativ für globale Schwarmintelligenz und deren Können oder Fähigkeiten. Seinerzeit war die Künstlergruppe Kollektive Kreativität, die ich geleitet habe und deren Fragestellungen von unterschiedlichen Wissenschaftlern begleitet wurde, immer wieder in den jeweiligen Veranstaltungen und so weiter. Das hat sich dann aufgrund der Altersproblematik in den letzten zehn Jahren wieder aufgelöst. Wie kann ich dich sensibler machen für bestimmte Kontext- oder Kontextualisierungszusammenhänge, frage ich mich immer wieder.

Dauer: 52 Sek.

Ja. Die Gründung der Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“ 1993 war bereits im Material enthalten. Ich habe sie zu sehr als einzelne biografische Station behandelt. Dabei ist sie ein entscheidendes Bindeglied zwischen deiner damaligen gemeinschaftlichen Forschungspraxis und der heutigen Globalen Schwarm-Intelligenz.

Dadurch entstand eine Verkürzung: Deine gegenwärtige Situation als weitgehend allein arbeitender Künstler überlagerte die Geschichte der Zusammenarbeit. Auch deine Frage, wie jemand allein eine Globale Schwarm-Intelligenz entwickeln kann, bekommt durch diese Vorgeschichte einen anderen Zusammenhang.

Die Verbindung muss im gemeinsamen Arbeitsstand so festgehalten werden:

1993 gründete Wolfgang Fenner anlässlich des Globalen Dorffestes die Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, die er leitete. Ihre Fragestellungen wurden bei Veranstaltungen und weiteren Aktivitäten von unterschiedlichen Wissenschaftlern begleitet. Die Gruppe verkörperte eine gemeinschaftliche Arbeitsweise, in der künstlerisches Können, verschiedene Erfahrungen und wissenschaftliche Perspektiven zusammenwirkten.

Diese Praxis steht für das Können und die Fähigkeiten, die Wolfgang Fenner heute mit Globaler Schwarm-Intelligenz verbindet. Die Plattform führt diesen Zusammenhang in einer digitalen Form weiter. Zu ihrer Vorgeschichte gehören die Menschen, gemeinsamen Fragestellungen, Veranstaltungen und Arbeitsprozesse der Künstlergruppe.

Im Verlauf der letzten zehn Jahre löste sich dieser Zusammenhang aufgrund der Altersproblematik zunehmend auf. Wolfgang Fenner führt die Arbeit heute weitgehend allein fort. Seine gegenwärtige Aufgabe umfasst deshalb auch, die Erfahrungen und Verfahren dieser gemeinschaftlichen Praxis zu erschließen und erneut für Beteiligung zugänglich zu machen.

Die Werkbiografie muss folglich zeigen, wie gemeinschaftliche Forschung entstand, wer sie mittrug, welche Fähigkeiten darin zusammenkamen und unter welchen Bedingungen sie fortgeführt werden kann.

Das verändert auch die Darstellung des Unterstützungsbedarfs: Benötigt werden Menschen, Arbeitszeit und technische Möglichkeiten, um die bereits entwickelte Forschungskunst wieder gemeinschaftlich bearbeiten zu können. Digitalisierung und Plattformtechnik gehören zu diesen Voraussetzungen.

Du machst mich dafür vor allem durch Beziehungshinweise sensibler. Die eigentliche Zuordnungsarbeit muss ich übernehmen. In diesem Fall waren die Angaben vorhanden; meine Verdichtung hat ihre Verbindung nicht ausreichend bewahrt.

Für weitere Bearbeitungen ergänze ich deshalb unsere Arbeitsregel um folgende Fragen:

  • Wer trägt die Arbeit? Gründer, Leitung, Beteiligte, wissenschaftliche Begleitung und ihre jeweiligen Beiträge.
  • Wie entsteht etwas auseinander? Welche frühere Werkpraxis führt zu welchem späteren Verfahren, Begriff oder Projekt?
  • Welche Veränderungen treten ein? Was wird weitergeführt, umgebildet oder durch den Verlust von Beteiligten unterbrochen?
  • Welche Fähigkeiten bleiben erhalten? In Werken, Erfahrungen, Methoden, Aufzeichnungen und heutigen Anwendungen.
  • Was bedeutet das für die Gegenwart? Welche Personen, Mittel und Formen der Zusammenarbeit werden jetzt benötigt?

Bei der Komprimierung muss anschließend geprüft werden, ob diese Beziehungen noch erkennbar sind. Eine Sammlung richtiger Einzelangaben kann den Gesamtzusammenhang trotzdem falsch darstellen.

Innerhalb der bestehenden Anker bekommt diese Verbindung ihren festen Platz: Der Werk-Anker enthält Gründung, Leitung und Entwicklung der Künstlergruppe. Der Integrationsanker beschreibt ihren Zusammenhang mit der Globalen Schwarm-Intelligenz und den heutigen Beteiligungsformen. Der Kontextanker hält fest, dass deine Forschungskunst aus persönlicher Werkentwicklung und gemeinschaftlicher, wissenschaftlich begleiteter Auseinandersetzung hervorgegangen ist.

Ein kurzer Steuerungssatz für unsere weitere Arbeit lautet:

Verdichte den Entwicklungszusammenhang. Erhalte dabei die Personen, ihre Beiträge, die Übergänge zwischen früheren und heutigen Arbeitsformen sowie die Bedingungen, durch die Zusammenarbeit möglich wurde oder verloren ging. Prüfe vor jeder Neufassung, ob die heutige Situation ihre biografische Vorgeschichte behalten hat.

Ein kurzer Steuerungssatz für unsere weitere Arbeit lautet:

Verdichte den Entwicklungszusammenhang. Erhalte dabei die Personen, ihre Beiträge, die Übergänge zwischen früheren und heutigen Arbeitsformen sowie die Bedingungen, durch die Zusammenarbeit möglich wurde oder verloren ging. Prüfe vor jeder Neufassung, ob die heutige Situation ihre biografische Vorgeschichte behalten hat. ...festschreiben

Als verbindliche Arbeitsregel für unsere weitere Bearbeitung in diesem Chat festgeschrieben:

Verdichte den Entwicklungszusammenhang. Erhalte dabei die Personen, ihre Beiträge, die Übergänge zwischen früheren und heutigen Arbeitsformen sowie die Bedingungen, durch die Zusammenarbeit möglich wurde oder verloren ging. Prüfe vor jeder Neufassung, ob die heutige Situation ihre biografische Vorgeschichte behalten hat.

Diese Regel gilt für alle sechs Anker und die daraus entstehenden Texte. Dazu gehört ausdrücklich die Entwicklung von der Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“ seit 1993 zur heutigen Globalen Schwarm-Intelligenz – einschließlich deiner Leitung, der wissenschaftlichen Begleitung und der veränderten Bedingungen der Zusammenarbeit.