Anlage 12 Plastische Anthropologie 51:49, 49:51, plastisches Ich-Bewusstsein und Skulpturidentität
Die Plastische Anthropologie 51:49 ist die gegenwärtige begriffliche Verdichtung meines Lebenswerkes. Sie untersucht den Menschen als lebendiges, gestaltetes und gestaltendes Wesen innerhalb sich überschneidender Referenz- und Verhältnissysteme.
51:49 bezeichnet eine minimale gerichtete Asymmetrie. Eine Seite erhält eine Stimme mehr, sodass Wahrnehmung, Entscheidung und Tätigkeit möglich werden.
49:51 bezeichnet die korrigierende Gegenasymmetrie. Eine Rückmeldung kann verlangen, dass die bisher nachgeordnete Seite nun eine Stimme mehr erhält.
Die beiden Verhältnisse sind nicht dasselbe in spiegelbildlicher Darstellung. Zwischen ihnen liegt ein zeitlicher Vorgang aus Tätigkeit, Folge, Rückmeldung und Umgewichtung.
Das plastische Ich-Bewusstsein wiederholt diese Verhältnislogik auf höherer Ebene. Es ist keine innere Substanz und kein unveränderlicher Kern. Es ist eine Grenz-, Deutungs- und Rückkopplungsform zwischen dem lebendigen Körper und der Welt.
Plastisch ist dieses Ich, wenn es unterscheiden kann, ohne sich absolut abzuschließen. Es kann handeln und sich zugleich korrigieren lassen. Es kann Eigenes bilden, ohne die Abhängigkeit vom Fremden zu verleugnen.
Die Skulpturidentität entsteht, wenn diese bewegliche Verhältnislogik zur festen Form erstarrt. Aus Unterscheidung wird Absonderung, aus Eigenheit wird Eigentum, aus Schutz wird Immunisierung und aus Orientierung wird Herrschaft.
Das Geltungs-Ich erklärt sich zum Besitzer des Körpers und zum Ursprung von Wille, Wert, Leistung und Freiheit. Es bleibt jedoch vollständig vom Kopplungs-Ich abhängig, dem atmenden, stoffwechselnden und verletzlichen Organismus.
Die Skulpturidentität macht aus einem vorläufigen 51:49 eine vermeintliche 99:1- oder 100:0-Position. Sie hält ihre eigene Perspektive für den Maßstab der gesamten Wirklichkeit und verweigert den Wechsel zu 49:51.
