Anlage 15 Forschungskunst als zweifelnde Überzeugungs-, Modell-, Werk- und Konsequenzprüfung

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Forschungskunst ist keine Wissenschaftsillustration und keine künstlerische Verpackung bereits vorhandenen Wissens. Sie erzeugt Erkenntnis durch Material, Handlung, Gegenüberstellung, Beteiligung und öffentliche Prüfung.

Der Zweifel gehört zum Kunstwerk. Er begleitet die Idee, die Wahrnehmung, die Auswahl, das Material, die Ausführung und den Zeitpunkt des Loslassens.

Auch Wissenschaft arbeitet mit Zweifel, Hypothesen, Experiment und Gegenprobe. Die besondere Stärke der Kunst liegt darin, dass sie den Hervorbringenden, seine Perspektive, seine Darstellungsform und seine Verantwortung im Werk sichtbar halten kann.

Das Experiment ist selbst ein Menschenwerk. Es wählt aus, welche Bedingungen konstant gehalten, welche Bewegungen gestoppt, welche Größen gemessen und welche Zusammenhänge ausgeschlossen werden.

Die mathematische und wissenschaftliche 50:50-Idealisierung kann eine notwendige Rechen- und Vergleichsgrundlage darstellen. Sie darf jedoch nicht mit dem vollständigen Wirkungszusammenhang verwechselt werden.

Forschungskunst fragt deshalb nicht nur, was ein Experiment beweist. Sie fragt, welche Zeit-, Bewegungs-, Material- und Abhängigkeitsdimensionen für diesen Beweis ausgeblendet wurden.

Eine Überzeugung wird nicht dadurch geprüft, dass eine andere Überzeugung an ihre Stelle gesetzt wird. Sie wird dargestellt und einem Gegenüber ausgesetzt.

Das Werk ist deshalb nicht nur verwirklichte Idee. Es enthält Widerstand, Scheitern, Abweichung und Rückmeldung.

Forschungskunst muss wirkliche Gegenkopplung ermöglichen. Sie darf den Besucher nicht nur als Projektionsfläche einer bereits fertigen Theorie benutzen.