Anlage 16 – Globale Schwarm-Intelligenz, künstliche Intelligenz und interaktives Buch

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Digitale Fortsetzung der Werkmethoden

Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ führt Malbücher, Tausend-Menschen-Methode, Frage-und-Antwort-Tische, Kollektive Kreativität, Globales Dorffest und Partizipatorisches Welttheater digital weiter.

Kein einzelner Mensch und kein einzelnes Lebewesen verfügt über die Wahrnehmung des Ganzen. Erkenntnis kann durch die Verbindung begrenzter Erfahrungen wachsen. Diese Verbindung darf jedoch nicht in einer bloßen Addition von Meinungen bestehen. Beiträge müssen verortet, vergleichbar, widersprechbar und korrigierbar werden.

Die Plattform verbindet Werkarchiv, Bilder, Texte, Collagen, Fotografien, Objekte, Prüfmodelle und neue Besucherbeiträge. Nach dem derzeitigen Arbeitsstand umfasst das digitale Material ungefähr 10,7 Gigabyte und rund 10.000 interne Verknüpfungen. Diese Zahlen sind vor einer endgültigen Einreichung technisch zu aktualisieren und zu dokumentieren.

Mensch-KI-Vergleich

Ein Mensch oder eine Gruppe bearbeitet zunächst eine Frage anhand eines festgelegten Materials. Anschließend bearbeitet eine künstliche Intelligenz dieselbe Frage auf Grundlage desselben Materials. Beide Ergebnisse werden auf Ergänzungen, Auslassungen, Begriffsverschiebungen, Widersprüche und blinde Stellen untersucht.

Die künstliche Intelligenz ist keine Wahrheitsinstanz. Sie ist ein zusätzliches Spiegelungs-, Vergleichs- und Kontrollinstrument. Sie besitzt keinen eigenen menschlichen Körperorganismus und trägt die materiellen Folgen ihrer Aussagen nicht wie ein handelnder Mensch. Der Mensch ist seinerseits durch Rollen, Interessen, Erfahrungen, Erinnerungen und Wahrnehmungsfilter begrenzt.

Der Vergleich soll keinen Sieger bestimmen. Er soll unterschiedliche Begrenzungen sichtbar machen. Auch die Auswahl des Materials, die Fragestellung und die technische Funktionsweise des Systems gehören zur Prüfung.

Das interaktive Buch

Aus dem roten Ausgangspunkt des Besuchers, seiner Frage, den Atelierhandlungen und den Vergleichsergebnissen entsteht eine persönliche Buchspur. Jeder Beteiligte kann ein interaktives Buch zusammenstellen, ergänzen und korrigieren.

Die einzelnen Bücher werden untereinander und mit dem Werkarchiv verbunden. Es entsteht kein zentral vorgeschriebenes Gesamtbild, sondern ein wachsender Zusammenhang begrenzter, miteinander überprüfbarer Beiträge.

Das interaktive Buch überträgt die Methode der Kollektiven Kreativität in einen digitalen öffentlichen Raum. Es bewahrt die individuelle Werkspur, ohne sie vom gemeinsamen Folgenzusammenhang abzusondern.

Mehrsprachige Begriffswerkstatt

Die Plattform soll langfristig mehrsprachig werden. Griechische, lateinische, hebräische, arabische, Sanskrit-, deutsche und englische Begriffsfelder werden vergleichend dargestellt, ohne ihre Sprachgeschichten gleichzusetzen.

Begriffe wie Kunst, technē, Maß, Symmetrie, Symbol, Natur, Person, Individuum, privat, Freiheit, Eigentum, Ware, Funktion und Wissenschaft können auf Bedeutungsverschiebungen, Übersetzungsverluste und heutige Tätigkeitsfolgen untersucht werden.

Die mehrsprachige Werkstatt soll keine wahre Ursprache rekonstruieren. Sie macht sichtbar, wie Begriffe Menschen- und Weltbilder formen und wie eine andere Übersetzung neue Prüfbeziehungen eröffnen kann.

Dauer und Verantwortung

Die Plattform ermöglicht die Weiterführung über Ort und Dauer der documenta hinaus. Diese Dauer verlangt technische Wartung, Datenschutz, Rechteklärung, Moderation, Archivierung und institutionelle Verantwortung. Die Globale Schwarm-Intelligenz kann nicht allein durch eine Idee getragen werden. Ihre Infrastruktur muss selbst nach dem Vier-Ebenen-Modell geprüft werden.