Anlage 22 Grenzphänomenologie, Briefspur, Anträge, Ablehnungen und projektive Rückkopplung

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Ein bedeutender Teil meines Lebenswerks besteht aus der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und institutionellen Grenzen.

Grenze ist dabei nicht nur eine geografische Linie. Sie ist eine materielle, rechtliche, sprachliche und institutionelle Membran, durch die Zugang, Ausschluss, Eigentum, Erinnerung und Verantwortung reguliert werden.

Briefe, Anträge, Vorschläge und Bewerbungen sind deshalb nicht bloß Verwaltungsunterlagen. Sie prüfen, ob eine Institution für eine neue Erkenntnisform durchlässig ist oder sich gegen sie abschließt.

Auch Ablehnungen gehören zu dieser Spur. Sie beweisen nicht automatisch die Richtigkeit des abgelehnten Vorschlags. Sie zeigen jedoch die Aufnahme- und Abwehrstruktur einer Institution.

Viele Institutionen verfügen über Beschwerde-, Prüf- und Rückmeldesysteme. Diese können jedoch projektiv funktionieren. Die Institution übersetzt jede Eingabe zunächst in ihre vorhandenen Kategorien und bestätigt anschließend mit diesen Kategorien ihre eigene Ordnung.

Der Betroffene dient dann als Projektionsleinwand. Seine Erfahrung wird nur so weit aufgenommen, wie sie das bestehende Rollen- und Zuständigkeitssystem nicht verändert.

Wirkliche Rückkopplung würde verlangen, dass die Erfahrung des Betroffenen die bisherige Gewichtung tatsächlich umkehren kann.

Die institutionelle Gegenprüfung richtet sich zugleich auf meine eigene Arbeit. War der Vorschlag verständlich, ausreichend belegt, realisierbar und für ein fremdes Gegenüber zugänglich?