Anlage 2 Künstlerische Selbstverortung, Biografie und Lebenswerk als Forschungskunst

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Meine Arbeit ist im etablierten Kunstbetrieb und in den üblichen kunsthistorischen Zusammenhängen kaum verortet. Diese fehlende öffentliche Einordnung bedeutet nicht, dass keine kontinuierliche Arbeit vorhanden wäre. Seit mehr als fünfzig Jahren entwickelte sich ein umfassender Werkzusammenhang zwischen Handwerk, Kunst, Naturbeobachtung, gesellschaftlicher Forschung, Theater, Pädagogik, Publizistik und praktischer Gestaltung.

Meine Ausbildung zum Maschinenschlosser vermittelte mir ein grundlegendes Verständnis von Material, Werkzeug, Passung, Toleranz, Kraftübertragung, Funktionieren und Nichtfunktionieren. Ein Werkstück hält, verschleißt, blockiert oder bricht. Das Material lässt sich nicht durch eine Behauptung überreden.

Dabei wurde bereits deutlich, dass vollkommen gleich gedachte Teile nicht automatisch den tragfähigsten Zusammenhang hervorbringen. Eine Verbindung benötigt Toleranz, Spiel, Richtung, Schmierung, Materialkenntnis und die Berücksichtigung von Belastung und Verschleiß.

Fotografie und Werbearbeit schärften zugleich meine Aufmerksamkeit für die Herstellung von Wahrnehmung. Ein Bild zeigt nicht einfach die Welt. Es setzt einen Ausschnitt, hebt etwas hervor und lässt anderes außerhalb des Bildes.

In der Werbung wird sichtbar, wie Eigenschaften in Gegenstände und Lebensformen hineingedacht und durch Wiederholung gesellschaftlich wirksam werden können. Das Bild kann zur Projektionsleinwand werden, auf der der Betrachter seine Wünsche, Ängste und Rollenidentitäten wiederfindet.

Während meines Kunststudiums verband ich diese Erfahrungen mit Bildhauerei, Plastik, Malerei, Collage, Theater, Naturbeobachtung, Strömungsforschung und gesellschaftlicher Beteiligung. Daraus entstand 1975 die „Experimentelle Umweltgestaltung“ als eigener Studien- und Arbeitsbereich.

Der Mensch wurde dabei nicht als fertiges Subjekt verstanden, das einer äußeren Umwelt gegenübersteht. Er erschien als lebendiges, plastisch werdendes Kunstwerk innerhalb eines umfassenden Referenzsystems.

Aus der Experimentellen Umweltgestaltung entwickelten sich Wasser- und Strömungsversuche, Deichmodelle, asymmetrische Fahrzeuge, Malbücher, gesellschaftliche Aktionen, Demokratiewerkstätten, Kollektive Kreativität, das Globale Dorffest, das Entelechie-Museum, das Partizipatorische Welttheater, die documenta-Bewerbungen und die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“.

Das Lebenswerk ist keine lineare Reihe einzelner Kunstobjekte. Es ist ein Opus-Magnum-Werkorganismus. Seine unterschiedlichen Werkformen untersuchen, warum der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen zerstört und wie Kunst, technē, Rückkopplung, Zweifel, Verantwortung und Gemeinsinn zu einer Korrektur beitragen können.