Anlage 4 Zellmembran, Geburt, Nachstabilisierung und die zwei gerichteten Asymmetrien

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Die Zellmembran ist kein nebensächliches biologisches Beispiel. Sie bildet ein elementares Referenzmodell dafür, wie lebendige Eigenheit entsteht.

Sie ist keine starre Hülle um einen fertigen Inhalt. Sie stabilisiert ein eigenes Reaktionsmilieu im Austausch mit einem umgebenden Milieufeld. Sie schützt, filtert, lässt durch, hält zurück, nimmt auf und gibt ab.

Innen und Außen sind dabei keine vollständig getrennten oder spiegelbildlich gleichen Welten. Das Innen kann nur durch seine Beziehung zum Außen bestehen. Die Grenze trennt und verbindet zugleich.

Die Zellmembran ist deshalb ein Verhältnissystem. Sie ist weder vollkommen geschlossen noch unterschiedslos offen. Ihre Durchlässigkeit muss entsprechend dem Zustand des Organismus und seines Milieus fortwährend reguliert werden.

51:49 bezeichnet in diesem Zusammenhang eine vorläufige gerichtete Gewichtung. Etwas wird aufgenommen, zurückgehalten, abgegeben oder geschützt.

49:51 bezeichnet eine mögliche korrigierende Umgewichtung. Veränderte Bedingungen und Rückmeldungen können verlangen, dass die bisherige Richtung zurücktritt und die Gegenrichtung eine Stimme mehr erhält.

Diese beiden Asymmetrien sind keine bloßen Spiegelbilder. Zwischen ihnen liegen Zeit, Tätigkeit und Konsequenz.

Die lebendige Ordnung entsteht nicht aus einem nachträglichen Bruch einer vollkommenen Gleichheit. Sie entsteht durch gerichtete Differenz, Stoffwechsel, Rückkopplung und fortwährende Nachstabilisierung.

Die Geburt führt den Menschen nicht in Autonomie, sondern in eine neue Form äußerster Abhängigkeit. Atmung, Temperaturregulation, Nahrung, Schutz, Bindung und Fürsorge müssen nach der Trennung vom mütterlichen Organismus neu stabilisiert werden.

Der Mensch beginnt als getragenes und nachstabilisierungsbedürftiges Wesen. Auch das Ich-Bewusstsein entwickelt sich durch Berührung, Widerstand, Nähe, Entfernung, Bedürfnis, Antwort, Bewegung, Sprache und Erinnerung.

Der Mensch ist deshalb kein abgeschlossenes Objekt und kein autonomer Selbstbesitz. Er ist ein lebendiger Werkprozess innerhalb sich überschneidender Referenz- und Verhältnissysteme.