Anlage 9 Experimentelle Umweltgestaltung seit 1975 als Ursprung der Forschungskunst
Die 1975 während meines Kunststudiums begründete „Experimentelle Umweltgestaltung“ entstand als generalistischer und interdisziplinärer Arbeitsbereich.
Sie verband Handwerk, Bildhauerei, Fotografie, Malerei, Strömungsforschung, Theater, gesellschaftliche Beteiligung und begriffliche Untersuchung.
Der Begriff „Umwelt“ bezeichnete dabei keine äußere Welt, die einen unabhängigen Menschen umgibt. Der Mensch ist selbst Teil des Milieus, von dem er lebt.
Die Zellmembran macht diesen Zusammenhang auf elementarer Ebene sichtbar. Leben besteht nicht aus einem fertigen Innen gegenüber einem äußerlichen Außen. Es entsteht im geregelten Austausch zwischen beiden.
Experimentell bedeutete deshalb, eine Vorstellung nicht nur zu behaupten oder abzubilden. Sie musste in eine Versuchsanordnung überführt werden, in der Material, Wasser, Kraft, Körper, Zeit oder andere Menschen antworten konnten.
Die Versuchsanordnung selbst musste ebenfalls geprüft werden. Was wurde einbezogen, was ausgeschlossen, was konstant gesetzt und welche Bewegungs- oder Zeitdimension wurde stillgestellt?
Gestaltung bedeutete nicht freie Verfügung über passives Material. Materialien besitzen Eigenschaften, Grenzen und Widerstände. Der Künstler muss seine Vorstellung an diesen Rückmeldungen korrigieren.
Aus dieser Methode entwickelte sich Forschungskunst als Verbindung von Hervorbringen, Zweifel, Gegenüber, Konsequenz und Verantwortung.
