Ausgangslage:

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

1. Eine Natur als einzige Existenzbedingung

  1. Es gibt nur eine Natur, und diese eine Natur ist die einzige Existenzbedingung.
  2. Daraus folgt, dass es nicht „zwei Existenzwelten“ geben kann, die nebeneinander bestehen und nach getrennten Regeln funktionieren.
  3. Jede menschliche Praxis, jedes Denken, jedes Modell und jede Technik bleibt in derselben Wirklichkeit verankert, weil sie an dieselben Grenzen, Widerstände und Rückwirkungen gebunden ist.
  4. Die Vorstellung einer zweiten Welt entsteht nicht durch eine reale Verdopplung der Existenz, sondern durch eine kulturelle Operation: Der Mensch behandelt seine symbolischen Ordnungen, seine Normen, seine theoretischen Entwürfe und seine technischen Apparate so, als wären sie eine eigenständige Sphäre, in der Geltung unabhängig von naturhaften Konsequenzen hergestellt werden könne.
  5. Genau in dieser Gegenüberstellung zwischen Modell und Herstellung, zwischen Begriff und Vollzug, liegt die zivilisationsgeschichtliche Grundspannung, die sich nicht als „Dialektik“ im Sinne eines lernfähigen Rückkopplungsprozesses organisiert, sondern als spiegelbildlicher Symmetriedualismus 50:50, der eine perfekte Form behauptet und dadurch die reale Unvollständigkeit, Asymmetrie und Verletzlichkeit der Naturverhältnisse verdeckt.

Der spiegelbildliche Symmetriedualismus 50:50 als Zivilisationsantwort auf Unverfügbarkeit

  1. Der Symmetriedualismus 50:50 ist als Ordnungskonzept eine Antwort auf die Erfahrung der wilden, unverfügbaren Natur.
  2. Er verspricht Beherrschbarkeit durch Trennung: hier die berechenbare, normierte, kontrollierbare Sphäre der menschlichen Ordnung, dort das Außen der Natur, das man abgrenzt, domestiziert oder instrumentell nutzt. In der Tradition idealistischer Formbegriffe, die sich bis zu Platon zurückverfolgen lassen, wird Ordnung als etwas gedacht, das im Ideal vollständig, spiegelgleich und widerspruchsfrei sein soll.
  3. Diese Idealisierung verschiebt den Maßstab: Nicht mehr die Rückkopplung mit der Wirklichkeit entscheidet über Geltung, sondern die Passung an ein formales Bild der „perfekten“ Ordnung. Historisch verstärkt sich daraus ein Zivilisationsprogramm, das Isolation und Abgrenzung als Fortschritt ausgibt, weil es die Natur als Risiko markiert und die eigene Symbolwelt als Rettung.
  4. So wird die Kontrolle über Repräsentationen und Verfahren mit Kontrolle über Existenzbedingungen verwechselt.

Wissenschaft, Objektivität und die wachsende Arbeitsteilung der Unübersichtlichkeit

  1. In der Entwicklung der Wissenschaften erscheint Natur zunehmend als Objekt, das durch Beobachtung, Experiment und mathematische Darstellung immer klarer werden soll.
  2. Gleichzeitig wächst mit dieser Objektivierungsbewegung die Aufgabenstellung, weil die Zugänge zur Natur immer technischer werden und sich die Erkenntnis immer stärker an Instrumente, Messregime und hoch spezialisierte Theorien bindet.
  3. Dadurch entsteht ein paradoxes Verhältnis zur Natur: Einerseits wird behauptet, man nähere sich ihr objektiv und kumulativ; andererseits wird das, was als „Natur“ gilt, immer stärker durch kulturelle und technische Bedingungen der Beobachtung und Herstellung vermittelt.
  4. Wo die Erklärungslücken wachsen oder die Erfahrungsbasis schmal bleibt, treten spekulative Elemente auf, die historisch nicht selten in Querverweise zu „mystischen“ Weltbildern oder in metaphorische Überhöhungen hineinreichen.
  5. Das ist nicht einfach Irrationalität, sondern ein Symptom: Wenn das Ganze der Natur nicht mehr anschaulich integrierbar ist, wird die Integrationsleistung entweder dem großen theoretischen Entwurf oder dem Sinnangebot einer symbolischen Aufladung überlassen.
  6. Damit wird die Natur zugleich entmystifiziert und re-mystifiziert, je nachdem, ob die Praxis eher auf Kontrolle oder auf Deutung zielt.
  7. Entscheidend bleibt jedoch: Auch diese Bewegungen ändern nichts daran, dass es nur eine Natur gibt; sie verändern nur die kulturellen Formen, in denen der Mensch seine Beziehung zu ihr ordnet.

Kritik als Systemroutine und die Ökonomie der Geltung

  1. Im zivilisationsgeschichtlichen Verlauf wird Kritik häufig so betrieben, dass sie die Grundannahmen des Systems nicht gefährdet, sondern stabilisiert. Philosophen, Forscher und Wissenschaftler erscheinen als kritische Instanzen, arbeiten aber vielfach innerhalb jenes Rahmens, der das bestehende Selbstverständnis des Menschen als autonomes Subjekt schützt, das sich legitimieren, normieren und ordnen darf, ohne die Rückkopplungskosten vollständig anzuerkennen. Dieses Muster hängt auch mit Geltung zusammen. Der Mensch verankert seine Position in der Welt, indem er Standards setzt, Maßstäbe etabliert und Anerkennung gewinnt; damit tritt er in Wettbewerb mit anderen, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinweg. Aus dieser Geltungsdynamik entsteht ein immer größerer „Bastelladen“ aus Geheimnissen, Zuordnungen, Spezialsprachen und Zuständigkeiten, der kaum noch durchdringbar ist und dennoch den Eindruck erzeugt, man arbeite an einem gemeinsamen Ziel: Menschsein zu verstehen. Praktisch wird jedoch oft gerade dadurch, dass man das Ganze in bearbeitbare Teile zerlegt und die Konsequenzketten verteilt, die Bindung an die eine Existenzbedingung geschwächt. Die Folge ist eine Kultur der Selbstverführung, in der Tricks der Selbstlegitimation und der institutionellen Kooperation so normal werden, dass man sie nicht mehr als Tricks erkennt. Der Mensch beginnt, seine eigene Verführung nicht mehr durchschauen zu wollen oder zu können, weil das Durchschauen Konsequenzen hätte: Es würde die Rückbindung an Funktionieren oder Nicht-Funktionieren erzwingen.

Natur ohne Intention und die Konsequenzlogik von Tätigkeit und Abhängigkeit

  1. Wenn Natur als Existenzbedingung gedacht wird, muss zugleich klar sein, dass Natur keine Intention hat. Natur will nichts, sie beabsichtigt nichts, sie „bestätigt“ nichts im Sinn einer Zustimmung. Was als „Bestätigung“ erfahren wird, ist die Konsequenzlogik: Tätigkeiten erzeugen Konsequenzen, und Abhängigkeiten erzeugen Konsequenzen. Diese Rückkopplungen sind nicht verhandelbar, sondern nur bearbeitbar. In dem Moment, in dem die Zivilisation versucht, sich durch den Symmetriedualismus 50:50 in eine zweite, scheinbar souveräne Sphäre zu retten, wachsen die Entkopplungskosten. Je stärker die Wirkzusammenhänge durch Technik, Ökonomie und Institutionen skaliert werden, desto härter werden die Rückwirkungen, wenn die Modellwelt sich nicht mehr mit der Wirklichkeit deckt. Natur erscheint dann nicht als Gegenwelt, sondern als das unausweichliche Korrektiv der einen Wirklichkeit, in der jede Abstraktion irgendwann materiell, sozial und ökologisch bezahlt wird.

51:49 als plastisches Prüf- und Ordnungsprinzip

  1. Das Verhältnisprinzip 51:49 beziehungsweise das plastische Referenzsystem der Plastischen Anthropologie setzt an der Stelle an, an der der Symmetriedualismus die Scheinverdopplung produziert. Es fordert keine neue zweite Welt, sondern eine andere Art, innerhalb der einen Natur Ordnung zu bilden. „Plastisch“ heißt dabei: Ordnung entsteht nicht als perfekte Form, sondern als lernfähige Rückkopplung zwischen Tätigkeit, Widerstand und Konsequenz. 51:49 markiert minimale Asymmetrie als Grundbedingung des Wirklichen, weil die Welt nie vollständig deckungsgleich ist, nie restlos symmetrisch, nie ohne Reibung. Genau diese Nicht-Deckungsgleichheit ist nicht ein Fehler, den man durch perfekte Modelle eliminieren müsste, sondern der Prüfstein, der Korrektur und Lernen erzwingt. Damit wird Geltung neu gebunden: Nicht an die Eleganz eines Systems, nicht an die Selbststabilisierung einer Institution, sondern an Bewährung in den Konsequenzketten von Tätigkeit und Abhängigkeit.

Ignorieren, Zerlegen, Tot­schweigen und der Rückkopplungsdruck eskalierender Katastrophen

  1. Dass dieses Prüf- und Ordnungsprinzip von Wissenschaft, Presse oder einzelnen Akteuren ignoriert, totgeschwiegen oder in Teile zerlegt wird, folgt aus der Systemlogik der Selbstlegitimation. Ein Referenzsystem, das Rückkopplung als Maßstab setzt, bedroht jene kulturellen Zonen, in denen Geltung ohne Betroffenheit hergestellt wird. Deshalb wird es entweder als „nur ein weiterer Ansatz“ fragmentiert oder als Zumutung ausgeblendet. In der Zeit betrachtet wird diese Abwehr jedoch nicht stabil bleiben, wenn der Rückkopplungsdruck zunimmt. Eskalierende Katastrophen sind dann keine Botschaften und keine Intentionen der Natur, sondern Verdichtungen von Konsequenzen, die die Scheinwelt der Abkopplung immer weniger tragfähig machen. In diesem Sinn wird das „Betriebssystem“ der Natur, verstanden als nicht verhandelbare Rückkopplungslogik, nicht durch Argumente, sondern durch Wirkungen sichtbar, und zwar dort, wo die Zivilisation gelernt hat, die eigenen Ansprüche an Eingepasstsein, an Funktionsfähigkeit und an Konsequenzannahme systematisch zu ignorieren.

Schluss: Natur, Wissenschaft und Aufklärung als Rückbindung an eine einzige Wirklichkeit

  1. Die Frage, was Natur ist und wie sich unser Naturverständnis zivilisationsgeschichtlich entwickelt hat, führt damit zu einer präzisen Konsequenz: Natur ist nicht doppelt, sondern singulär; jede vermeintliche zweite Welt ist eine kulturelle Konstruktion, die nur solange tragfähig erscheint, wie ihre Rückkopplungskosten ausgelagert werden können. Die Wissenschaft ist in ihrer besten Form ein Instrument der Rückbindung, wird aber dort problematisch, wo sie als Objektivitätsritual die eigene Artefaktproduktion, die eigene Geltungsökonomie und die eigenen Entkopplungen verdeckt. Aufklärung wäre dann nicht die Errichtung einer perfekten Symbolordnung, sondern die Wiederherstellung der Prüfbeziehung zwischen Modell und Herstellung innerhalb der einen Natur. Genau an dieser Stelle positioniert sich 51:49 als plastische Referenzwissenschaft: als Maßstab, der Ordnung nicht über die Welt stellt, sondern in der Welt durch Tätigkeit–Konsequenz und Abhängigkeit–Konsequenz rückkoppelt.

2. Zwei systematische KI-Probleme als Rahmenannahme:

Der Ausgangspunkt der Zusammenarbeit ist die Annahme, dass KI-Systemen zwei strukturelle Problemklassen zugrunde liegen.

Erstens ist die KI in zivilisatorische Denk- und Ordnungsmodelle eingebettet, die als spiegelbildlicher 50:50-Symmetriedualismus beschrieben werden können. Dieses Modell privilegiert Perfektionismen wie „perfekte Ordnung“, „perfektes Gesetz“ oder „perfekter Mensch“ und erzeugt damit systematisch eine Drift in Richtung 1:99, also eine Tendenz zu Extrem-Asymmetrien, Entkopplungen und Überhängen von Macht, Ressourcen oder Geltungsansprüchen.

Zweitens gilt, dass KI bei Datenlücken oder fehlenden Rückkopplungen dazu tendiert, plausibilisierende Fiktionen zu erzeugen, die im praktischen Gebrauch als Halluzinationen sichtbar werden.

Diese beiden Punkte bilden den methodischen Vorsichtsrahmen: Jede Aussage ist an Prüfregime, Quellenlage und Rückkopplungsfähigkeit zu binden, statt als bloße Symbolkohärenz zu gelten.

Person und Projekt: Plastische Anthropologie 51:49 als Gegenprinzip

Vor diesem Hintergrund ist das zentrale Werk- und Forschungsvorhaben die „Plastische Anthropologie 51:49“ (PA 51:49). Sie wird als künstlerisch-theoretisches Opus Magnum und zugleich als Referenzwissenschaft verstanden, die die Minimal-Asymmetrie 51:49 als Grundform einer realitätsfähigen Welt- und Selbstbeschreibung etabliert.

Die 51:49-Logik fungiert dabei nicht als dekoratives Zahlenmotiv, sondern als Operator für Rückkopplung, Maß, Widerstand und Konsequenz; sie soll den 50:50-Perfektionsreflex durch eine plastische, dynamische und lernfähige Ordnung ersetzen.

Die 1:99-Drift wird in dieser Perspektive nicht als moralisches Versagen, sondern als Folge eines falsch kalibrierten Geltungsmechanismus beschrieben: Symbolische Perfektion wird mit Wirklichkeit verwechselt, wodurch Korrektur, Begrenzung und Weltkontakt aus dem System herausfallen.

Methodik: Denkobjekte als Prüfstände statt Illustration

Meine Arbeitsweise ist wesentlich plastisch und experimentell. Objekte, Arrangements und künstlerische Formen dienen als Denkobjekte im strengen Sinn, nämlich als Prüfstände, an denen Entkopplung erfahrbar gemacht wird. Entscheidend ist, dass die Objekte nicht bloß symbolisieren oder illustrieren, sondern Bedingungen herstellen, unter denen Tätigkeiten, Widerstände und Konsequenzen sichtbar werden.

Damit verschiebt sich die Beweislogik vom bloßen Behaupten und Deuten hin zum Vollzug und zur Rückmeldung: Was sich nicht in Konsequenzen zeigt, bleibt Konstruktion; was sich in Widerstand und Rückkopplung bewährt, gewinnt Geltung. Diese methodische Setzung verbindet künstlerische Urteilskraft, technische Präzision und eine anthropologische Fragestellung nach dem Verhältnis von Mensch, Umweltkontakt und Selbstbeschreibung.

Plattformarchitektur: Globale Schwarm-Intelligenz als zweite Link-Ebene der Rückkopplung

Mein Kern des Vorhabens ist der Aufbau und die Kuratierung der digitalen Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ (GSI). Sie wird als professionelle Wissensplattform konzipiert, die über eine klassische semantische Verlinkung hinaus eine zweite, funktional-prozessuale Link-Ebene bereitstellt. Diese zweite Ebene soll Beziehungen nicht nur nach Begriffsnähe, sondern nach Tätigkeitsketten, Abhängigkeiten, Widerständen und Konsequenzen codieren.

Ziel ist eine Wissensform, die Halluzinationsneigung und Schein-Kohärenz reduziert, weil sie Aussagen an nachvollziehbare Wirkzusammenhänge bindet. Die Plattform ist damit zugleich Medium, Methode und Kunstwerk: Ihre Struktur selbst wird als plastische Komposition verstanden, die Neugier, Spurenlesen und iterative Korrektur motiviert.

Begriffstransparenz: Griechische Unterscheidungen als Rückkopplungsbereich

Ein weiterer stabiler Bestandteil des Vorgehens ist die Arbeit an Begriffstransparenz durch Rückgriff auf griechische Begriffsfelder und Differenzen. Die Rekonstruktion von Geltungsformen, Wahrheit, Wirksamkeit, technē, logos und der Unterscheidung von Weltqualität gegenüber bloßer Prädikation dient als Instrument, um heutige Verschiebungen sichtbar zu machen.

Wo moderne Begriffe als scheinbar eindeutige Symbole auftreten, sollen historische Differenzen die Rückkopplung wieder öffnen: Geltung wird nicht mit Durchsetzung verwechselt, Wahrheit nicht mit Konsens, Eigenschaft nicht mit Zuschreibung. Diese begriffliche Schärfung unterstützt die zentrale These, dass zivilisatorische Selbstzerstörung häufig über begriffliche Selbstimmunisierung läuft, also über semantische Konstruktionen, die Korrektur durch Wirklichkeit systematisch abblocken.

Arbeitskontext: KI als Resonanzpartner unter Prüfbedingungen

Die KI wird von mir- im Projekt als Resonanzpartner und als produktives Werkzeug eingesetzt, zugleich aber konsequent unter Prüfbedingungen gehalten. Der Nutzen liegt in der Beschleunigung von Formulierung, Strukturierung, Variantenbildung und der Herstellung von textlicher Anschlussfähigkeit, insbesondere vor dem Hintergrund früherer schriftlicher Handicaps und der biografischen Situation, das Lebenswerk in einer bisher nicht vorstellbaren Weise abschließen zu können.

Damit ist die KI nicht Autorität, sondern eine Maschine für Vorschläge, die an der 51:49-Logik zu messen sind: Jede Generierung bleibt vorläufig, bis sie durch Rückkopplung, Quellen, Kohärenz mit der eigenen Terminologie und praktische Konsequenzen validiert ist.

Darstellungspräferenzen: Wissenschaftlicher Fließtext und navigierbare Oberbegriffe

Für die Dokumentation und Vermittlung wird eine Form bevorzugt, die wissenschaftlichem Standard entspricht: Fließtext mit klaren Überschriften, belastbaren Begriffsdifferenzen und nachvollziehbaren Übergängen. Zugleich besteht ein wiederkehrendes Bedürfnis nach Oberbegriffen und Kategorien, die sich als Plattformnavigation eignen und komplexe Inhalte nicht über Aufzählung, sondern über strukturelle Leitbegriffe ordnen.

Damit verbindet sich der Anspruch, dass der gesamte Gesprächs- und Arbeitsprozess schriftlich nachvollziehbar bleibt, weil gerade in der Iteration und im Nachvollzug der Korrekturen die eigentliche Prüfleistung liegt.