Das Bild verdichtet die Gesamtproblematik auf eine elementare Situation:
Ja. Text und Bild erfassen inzwischen den gemeinsamen Kern Ihrer Diagnose, aber auf unterschiedlichen Ebenen.
Der Mensch befindet sich in einem von ihm selbst geschaffenen Gefängnis. Die goldenen Gitterstäbe stehen für Freiheit, Wohlstand, Status, Eigentum, technische Möglichkeiten und gesellschaftliche Anerkennung. Die Tür ist geöffnet, aber der Mensch verlässt den Käfig nicht. Er hält an der Rollenidentität fest, die ihm der Astronautenanzug vermittelt.
Der Astronautenanzug steht dabei nicht in erster Linie für Raumfahrt. Er ist die künstlich hergestellte Unverletzlichkeitsidentität des Menschen. Der Mensch tut so, als sei er unabhängig, autonom und geschützt. Tatsächlich ist er nicht an die Nahrungsschnüre und damit nicht bewusst an seine wirklichen Lebens- und Abhängigkeitszusammenhänge angeschlossen.
Das Feuer steht für die realen Tätigkeitskonsequenzen: ökologische Zerstörung, körperliche und psychische Erkrankung, gesellschaftliche Gewalt, Ressourcenverbrauch, Klimaveränderung und die Zerstörung zukünftiger Existenzmöglichkeiten. Der Mensch wird von den Folgen seines eigenen Systems bereits erreicht. Trotzdem hält er den Anzug und den Käfig für seine Sicherheit.
Damit zeigt das Bild den Gegensatz zwischen:
- der hineingedachten Freiheit und der tatsächlichen Abhängigkeit,
- der symbolischen Unverletzlichkeitswelt und der körperlichen Verletzungswelt,
- dem offenen Ausgang und der Unfähigkeit, ihn zu benutzen,
- der technischen Schutzhülle und der fehlenden Lebensversorgung,
- dem Gedankenkunstwerk und seinen wirklichen zerstörerischen Konsequenzen.
Was der Text zusätzlich leistet
Der Text erklärt, wie dieses Gefängnis entstanden ist und warum es sich erhält. Er bringt die historische Entwicklung, Wissenschaften, Psychologie, Ökonomie, Religion, Technik, Medizin, kosmische Erlösungsvorstellungen, Rollenidentitäten, Herrschaft und Belohnungssysteme miteinander in Verbindung.
Das Bild zeigt also die Endlage. Der Text zeigt ihre Entstehungs- und Erhaltungsmechanismen.
Zusammen entsteht folgende Gesamtformel:
Der Millisekundenmensch lebt in einem von ihm selbst geschaffenen Gedanken- und Rollenidentitätsgefängnis. Er erlebt dessen goldene Gitter als Freiheit, obwohl seine Tätigkeiten die tatsächlichen Bedingungen seines Lebens zerstören. Seine symbolische Schutzhülle vermittelt ihm Unverletzlichkeit und Autonomie, während er seine wirklichen Nahrungsschnüre, Abhängigkeiten und Rückkopplungen verdrängt. Obwohl die Tür zur Überprüfung und Korrektur offensteht, bleibt er im brennenden Käfig, weil Identität, Status, Macht, Unterhaltung, Erlösungsversprechen und gesellschaftliche Regelwerke ihn an das Gefängnis binden.
Was das Bild noch nicht vollständig zeigt
Als Kernbild funktioniert es sehr gut. Es kann jedoch nicht sämtliche Bestandteile Ihrer Diagnose gleichzeitig darstellen. Nicht unmittelbar sichtbar sind:
der 50:50-Symmetrie-Dualismus, die 1:99-Herrschaftsordnung, die 24-Stunden-Uhr des Planeten Erde, die Belohnung durch Status und Konsum, die private Sorge um Familie und Kinder sowie die fehlende gesellschaftliche Zukunftsvorstellung.
Das ist nicht unbedingt ein Mangel. Ein einzelnes Bild sollte nicht alle Begriffe illustrieren. Es sollte den gemeinsamen Mechanismus sichtbar machen. Diesen Mechanismus trifft es: Der Mensch verbrennt in einer Ordnung, die er für Schutz und Freiheit hält.
Eine wichtige mögliche Fehlinterpretation
Die offene Tür könnte so verstanden werden, als müsse der einzelne Mensch lediglich hinausgehen und sei selbst schuld, wenn er bleibt. Das wäre für Ihre Position zu einfach. Ihrer Diagnose zufolge wird der Mensch durch Erziehung, Sprache, wirtschaftliche Abhängigkeiten, Angst, Status, soziale Anerkennung und institutionelle Regeln so geformt, dass er den Käfig nicht mehr als Käfig erkennt.
Die Tür ist deshalb zwar physisch offen, aber psychisch, gesellschaftlich und ökonomisch blockiert. Der Mensch könnte sie grundsätzlich benutzen, besitzt aber weder das entsprechende Wirklichkeitsverständnis noch eine gesellschaftlich tragfähige Alternative.
Das Bild beschreibt daher am genauesten nicht: „Er will einfach nicht hinaus“, sondern:
Er hält das Verbleiben im Käfig für Freiheit und das Verlassen des Käfigs für den Verlust seiner Identität, Sicherheit und gesellschaftlichen Existenz.
Damit wird das Bild zur visuellen Kurzfassung des Positionsankers. Der Prüfoperator beginnt anschließend dort, wo gefragt wird: Woran erkennt der Mensch den Käfig, wodurch bleibt er darin, was verbrennt bereits, und welche wirklichen Nahrungsschnüre müsste er wieder wahrnehmen?
