Der Abendmahltisch aus der Schöpfungsgeschichte

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Als konkretes Beispiel für die Arbeitsweise des So-Heits-Ateliers könnte der „Abendmahltisch aus der Schöpfungsgeschichte“ dienen:

Der Abendmahltisch aus der Schöpfungsgeschichte

Um ein Beispiel dafür zu geben, welche Objekte und Untersuchungsformen dem So-Heits-Atelier zugrunde liegen können, möchte ich auf den „Abendmahltisch aus der Schöpfungsgeschichte“ verweisen. Dieses Objekt entstand, indem ich Wasser einen Berghang hinunterlaufen ließ. Die dabei entstandenen Strömungs-, Verzweigungs- und Ablagerungsformen wurden abgeformt und anschließend in Gips gegossen. Der Gipsabdruck bildet somit keine von mir frei entworfene Form ab, sondern eine durch die Bewegung des Wassers hervorgebrachte Struktur.

Dieser Abdruck kann auf einen Tisch gelegt und mit Nahrungsmitteln, Naturmaterialien oder anderen Gegenständen bestückt werden. Ebenso können dort Dinge platziert werden, die den entstandenen Strömungsformen widersprechen, sie blockieren oder innerhalb dieses Zusammenhangs als unpassend erscheinen. Der Tisch wird dadurch zu einem künstlerischen Versuchsfeld: Er verbindet die natürlichen Formbildungsprozesse des Wassers mit der menschlichen Tätigkeit des Anordnens, Verteilens, Ernährens und Bewertens.

Entscheidend ist nicht nur, was auf den Tisch gelegt wird, sondern wie sich die jeweiligen Gegenstände zu den vorgefundenen Strukturen verhalten. Unterstützen sie die vorhandenen Bewegungs- und Verteilungsformen, oder setzen sie sich ihnen entgegen? Ermöglichen sie Verbindung, Versorgung und Weiterleitung, oder erzeugen sie Blockaden, Widersprüche und Störungen? Auf diese Weise wird der Tisch zu einem sichtbaren Prüfmodell für die Frage, ob menschliche Tätigkeiten mit den sie tragenden Existenzbedingungen zusammenwirken oder ob sie diese missachten.

Der „Abendmahltisch aus der Schöpfungsgeschichte“ wäre im So-Heits-Atelier daher nicht lediglich als abgeschlossenes Kunstobjekt ausgestellt. Er könnte von den Besucherinnen und Besuchern betrachtet, bestückt, verändert und gemeinsam untersucht werden. Das Kunstwerk entsteht dabei nicht allein aus dem materiellen Objekt, sondern aus dem Verhältnis zwischen Naturprozess, künstlerischer Übersetzung, menschlicher Handlung und deren erkennbaren Konsequenzen.