Der Kern: Tätigkeiten sind Eigenschaften, und Eigenschaften sind Rückkopplungen

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Ergänzung – Interaktives Buch: Bildmodule „Isolationskörper“ und „Selbstabschneidung“ (Zielort: Plattform/Interaktives Buch – Collagen als Prüfbilder)

Im Zentrum steht eine Verschiebung des Blicks: Eigenschaften sind nicht nur Etiketten an Dingen, sondern Wirkweisen in Tätigkeiten.

Eine Pflanze „ist“ nicht zuerst ein Bild und dann eine Funktion; sie ist fortlaufende molekulare Verknüpfung, Wachstum, Austausch, Regeneration, also Tätigkeit mit Konsequenzen. Eine Zellmembran „ist“ nicht nur eine Grenze, sondern selektive Kopplung, Durchlässigkeit, Schutz, Austausch, also Tätigkeit mit Konsequenzen. Tiere leben in dieser Unmittelbarkeit der Tätigkeiten; ihre Anpassung ist ein dauerhaftes Training im Maßstab der Konsequenzen. Beim Menschen kommt eine besondere Tätigkeitsform hinzu: Denktätigkeit. Diese Denktätigkeit kann in einer Unverletzlichkeits-Illusion betrieben werden, wenn sie so organisiert wird, als hätten ihre Operationen keine Konsequenzen, oder als seien Konsequenzen beliebig verschiebbar. Dann entstehen Symbolwelten, die sich wie eine zweite Wirklichkeit benehmen, während sie real nur Geltung produzieren.

Hier liegt ein Grundproblem moderner Selbstverständnisse: Aus dem „Ich kann denken“ wird eine behauptete Unabhängigkeit vom Rückkopplungsgeschehen. Was in Wahrheit passiert, ist eine Umcodierung. Die Denktätigkeit selektiert Ausschnitte, macht daraus Objekte, Metaphern, Identitäten, Programme, und versieht sie mit Eigenschaften, die mit den ursprünglichen Eigenschaften der ersten und zweiten Ebene nur noch lose oder gar nicht mehr verbunden sind. Dadurch wächst die Verwirrung: Begriffe beginnen, Wirklichkeit zu ersetzen, statt sie zu prüfen.

Begriffe sind nicht neutral: Greifen, Begreifen und Besitznahme

Ein Begriff ist nicht neutral, weil er bereits eine Operationsspur enthält: Er fasst zusammen, grenzt ab, macht handhabbar. Im Deutschen zeigt sich diese Spur offen in der Wortgeschichte von „begreifen“: vom körperlichen Greifen zur geistigen Aneignung. Genau hier liegt die Ambivalenz: Greifen gehört zur Verletzungswelt, Begreifen kann zur Unverletzlichkeits-Welt werden, wenn es so betrieben wird, als sei es folgenlos. Aus dieser Verschiebung entsteht eine zweite Ambivalenz: Begriffe können Rückkopplung erhöhen, indem sie Konsequenzen sichtbar machen; sie können aber auch Besitznahme ermöglichen, indem sie Wirklichkeit in Verfügung verwandeln.

Die Plattform nutzt solche Sprachspuren als Detektoren. Das betrifft auch das Feld des „Privaten“. „Privat“ ist historisch nicht einfach „intim“, sondern trägt die Bedeutung des Abgesonderten, vom Öffentlichen Getrennten, bis hin zum Entzogen- oder „Beraubt-Sein“. Wenn der Mensch sich primär als Eigentümer seines Körperorganismus versteht, wird Freiheit zu einer Eigentumsableitung: „Ich gehöre mir, also kann ich tun, was ich will.“ Daraus entsteht ein Trainingsstil des modernen idiotes: nicht mehr der Gemeinsinn als Tugend-Übung, sondern Autonomie als Absonderungs-Routine, verbunden mit Wettbewerb, Selbstverwertung und der Tendenz, Können, Intelligenz und sogar das Selbst als Ware zu organisieren. Der Preis ist die Schwächung der gemeinsamen Rückkopplung, also jener Fähigkeit, kollektive Handlungen an Tragfähigkeit, Verletzbarkeit und Regeneration auszurichten.