Der Mensch als plastische Koppelung oder Membran.

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Der Mensch wird in diesem Projekt nicht als isoliertes Subjekt, als selbstbegründetes Ich oder als reines Bewusstseinszentrum verstanden, sondern als plastische Membran- und Verhältnisform.

Er ist ein in Abhängigkeiten hervorgebrachtes, in Wirkungen, Stoffwechsel, Tätigkeiten, Rückmeldungen und Formungsprozessen stehendes Gefüge.

Abhängigkeit ist in dieser Perspektive nicht Mangel, sondern Grundbedingung realer Existenz. Nichts steht aus sich allein. Ein Ich-Bewusstsein kann nur in einem Referenzsystem entstehen, also dort, wo zwischen Minimum und Maximum eine Grenzsetzung besteht und wo Freiheit, Autonomie und Unabhängigkeit nur innerhalb realer Maßverhältnisse erfahren werden können. Freiheit meint hier nicht Loslösung von Abhängigkeit, sondern die Fähigkeit, sich innerhalb von Grenze, Widerstand, Rückmeldung und Konsequenz plastisch zu organisieren. Daraus entsteht individuelle Verantwortlichkeit, rückgebunden an E1 und E2: an Tätigkeit, Stoffwechsel, Abhängigkeit und deren nicht verhandelbare Folgen. Die besondere Stellung des Menschen liegt nicht darin, aus E1 und E2 herauszufallen, sondern darin, dass er seine Kopplungen symbolisch verdoppeln, modellieren, institutionalisieren, inszenieren, verdecken und prüfend zurückbinden kann. Gerade darin liegt seine Größe und seine Gefahr. Er kann seine Abhängigkeiten denken, aber auch vergessen machen. Er kann Modelle bilden, aber auch Modell und Wirklichkeit verwechseln. Er kann Rechenschaft einführen, aber auch Prüfarchitekturen gegen Rückkopplung abschirmen. Plastisch ist der Mensch dort, wo Formung unter Widerstand, Nacharbeit und Korrektur geschieht. Skulptural wird er dort, wo Setzungen, Rollen und Eigenschaften verhärten und ihre Herstellungsbedingungen verdrängen. Kunst ist in diesem Zusammenhang die Schulungsform, in der der Mensch lernen kann, diese plastische Identität bewusst einzuüben, statt sich in einer Unverletzlichkeitswelt symbolisch zu fixieren.

Verdichtete Ergänzungsfassung für Abschnitt 9

Der Begriff Umwelt wird im Projekt nicht als undifferenziertes Gegenüber eines autonomen Subjekts verwendet. Präziser ist der Begriff des Milieus. Gemeint ist jeweils ein konkreter Teilbereich von Stoff-, Energie-, Informations- und Belastungsflüssen, in dem ein Organismus oder ein System tatsächlich steht und durch den es zugleich mitgeformt wird. Der Mensch ist darin nicht Außeninstanz, sondern selbst lokale Milieuform und zugleich Milieu-Veränderer. Die Trennung von innen und außen wird nicht metaphysisch, sondern operativ über die Membran gedacht. Die Zellmembran ist deshalb ein Leitbild des Projekts und zugleich ein Minimalmodell der Naturgrammatik. Sie zeigt, dass Stabilität nur als geregelter Austausch existiert: durch selektive Grenzbildung, Schutz, Durchlässigkeit, Regulation und fortlaufende Nachkalibrierung. Ein absolutes Innen und ein absolutes Außen sind demgegenüber spätere symbolische Übertreibungen. Das moderne Besitz-, Isolations- und Selbstbegründungsdenken erscheint in dieser Perspektive nicht als Ursprung, sondern als sekundäre Geltungsüberlagerung einer Unverletzlichkeitswelt, die ihre Herkunft aus Milieu, Stoffwechsel und Verletzbarkeit vergessen macht. Gerade weil der Mensch seine Milieus symbolisch, technisch und institutionell tiefgreifend umformen kann, ohne deren Rückmeldungen angemessen zurückzuführen, wird die Frage der Membran- und Milieulogik heute zu einer planetarischen Schlüsselfrage.

Ja, hier gibt es also noch sinnvolle Ergänzungen. Der Hauptgewinn liegt vor allem darin, Abschnitt 8 und 9 noch enger an Naturgrammatik, Verhältnis-System, 51:49, Referenzbewusstsein, Kunst als Schulungsform und die Unterscheidung von Verletzungswelt und Unverletzlichkeitswelt anzuschließen.