Der documenta 16 Entwürfe 4

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

wollen Sie auf der documenta 16 einer Überlebenswerkstatt Raum geben und ihre künstlerischen Forschungs- und Trainingsverfahren unterstützen?

Mit dem „So-Heits-Atelier des globalen Dorfes“ schlage ich einen begehbaren, modularen Arbeits- und Forschungsraum auf der Grundlage meines über fünfzigjährigen künstlerischen Lebenswerks vor.

Meine Forschungskunst ist ein Überlebenstraining für den einzelnen Menschen und für die Menschheit. Ihre Leitfrage lautet: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen?, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten und seine Tätigkeiten korrigieren kann? Um daran praktisch arbeiten zu können, musste ich mir das Handwerkszeug aller künstlerischen Disziplinen erschließen, der bildnerischen ebenso wie der darstellerischen.


Das Atelier und meine Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ eröffnen zwei Zugänge zu diesem gemeinsamen Überlebenstraining. Auf der Plattform stellt das interaktive Buch Texte, Bilder, Symbole und Arbeitsmaterialien bereit, die heruntergeladen, kopiert und weiterbearbeitet werden können. Im Atelier werden diese Materialien zusammen mit den Werken und den eigenen Erfahrungen der Besucher zum physischen Mitmachbuch. Durch Zeichnen, Schreiben, Collagieren, Materialversuche und Rollenarbeit entstehen darin eigene Gegenüberstellungen, Prüfungen und Korrekturen. Das Buch hält den Lernprozess fest und ermöglicht seine Fortsetzung über den Ausstellungsbesuch hinaus. So wird Kunst zur Erfahrungsgrundlage, um das eigene Leben als Teil einer Abhängigkeitswelt zu begreifen und Verantwortung für deren Fortbestehen einzuüben.


Die Grundlage bildet meine seit 1975 entwickelte Experimentelle Umweltgestaltung. Aus handwerklich-technischer Erfahrung, Bildhauerei/ Plastik und der Beschäftigung mit Technē entstand ein generalistischer Ansatz, den ich in Werken, Werkstätten, Aktionen und Environments weiterentwickelte. Demokratiewerkstätten und die 1993 von mir gegründete und geleitete Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, deren Arbeit Wissenschaftler begleiteten, erweiterten diese Untersuchung zur gemeinschaftlichen Praxis. Die heutige Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ führt diesen Entwicklungszusammenhang weiter. Seit gut drei Jahren unterstützt mich KI dabei, Werkzusammenhänge und Begriffe vergleichend zu bearbeiten und die daraus entwickelten Methoden zu präzisieren.


Mein Lebenswerk bildet den über Jahrzehnte entwickelten Erprobungszusammenhang dieser Arbeit. Materialeigenschaften und ihre Bearbeitung, Rollenfiguren und Inszenierungen machen Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen erfahrbar. Der Zweifel an den eigenen Vorstellungen gehört dabei ebenso zum Können wie das Gestalten, Prüfen und Korrigieren.


Daraus entstand meine Vorstellung der So-Heits-Gesellschaft. Im vorgeschlagenen So-Heits-Atelier des globalen Dorfes auf der documenta können Besucher deren Lebens- und Arbeitsweisen trainieren: Sie untersuchen, wie ihre Vorstellungen, Rollen und Tätigkeiten mit den Bedingungen ihres Überlebens zusammenhängen.

Der Kern des Ateliers ist, dass der Besucher sich innewohnend auf einmal gegenübersteht. Ich stelle Stoffwechsel, Körperorganismus, Versorgung und Verletzbarkeit den Vorstellungen von Persönlichkeit, Freiheit, Eigentum und gesellschaftlicher Rolle gegenüber. Durch diese Unterscheidung soll ihre tatsächliche Zusammengehörigkeit erfahrbar werden: Der Mensch bleibt mit seinen Vorstellungen und Tätigkeiten Teil der Wirkungszusammenhänge, von denen sein Leben abhängt.

Meine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft untersucht diesen Zusammenhang. Sie bezieht menschliche Selbstbilder und Tätigkeiten auf ihre Existenzbedingungen und ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen zurück. Das Vier-Ebenen-Modell unterscheidet dabei materielle Bedingungen, lebendige Abhängigkeiten, symbolische Ordnungen und deren Prüfung. Das dreifache Optimum untersucht die Beziehungen zwischen Medium, Organismus und Steuerung: Was erscheint innerhalb einer bestimmten Ordnung erfolgreich, und welche Folgen hat dieser Erfolg für den gemeinsamen Lebenszusammenhang?

Das Vier-Ebenen-Modell, das dreifache Optimum und weitere Prüfmethoden unterstützen diese Arbeit, auch mithilfe einer selbst überprüfbaren KI. Es geht darum, zerstörerische Handlungsweisen zu erkennen und zu verändern, bevor ihre Folgen irreparabel werden. Darin sehe ich eines der wenigen umfassenden künstlerischen Überlebenstrainings, die ich den documenta-Besuchern anbieten kann.


Verantwortung bedeutet dabei, auch die eigenen Maßstäbe zu überprüfen. Eine Rolle gewissenhaft zu erfüllen reicht nicht aus, wenn ihre Ausübung Lebensbedingungen beschädigt. Das Atelier eröffnet Möglichkeiten, diese Widersprüche wahrzunehmen und Veränderungen am eigenen Handeln sowie an gemeinsamen Regeln zu erproben. Daraus soll ein plastisches Ich-Bewusstsein entstehen, das durch Erfahrung und Rückkopplung veränderbar bleibt.

Die Werke meines Lebenswerks werden dafür als Arbeits- und Kalibrierungsinstrumente aktiviert. Die 24-Stunden-Uhr der Erdgeschichte verortet menschliches Handeln im planetaren Zeitmaßstab. Am Wellenbecken erfahren Besucher, wie Wasser auf einen Eingriff antwortet. Ein auf dem Boden weitergeführtes Strömungsbild mit reliefartigen Sandbereichen erweitert diese Untersuchung zur körperlichen Begegnung; ein Teilbereich kann barfuß erkundet werden. Die „Schöpfungsgeschichte“, Goldobjekte, Schultafeln und Rollenversuche erschließen die Beziehungen zwischen Nahrung, Körper, Gestaltung, Wert und Eigentum.

Besucher bringen eigene Erfahrungen und Fragen ein. Sie beobachten, zeichnen, fotografieren, collagieren, gestalten und erproben Rollen. Beobachtung → Identifikation → Eingriff → Rückkopplung → Verantwortung bezeichnet die Arbeitsbewegung: einen Zusammenhang erschließen, die eigene Beteiligung erkennen, tätig werden und Erwartungen mit tatsächlichen Folgen vergleichen. Künstlerische Verfahren werden so zum Handwerkszeug der Selbst- und Wirklichkeitsprüfung.

Das physische Mitmachbuch verbindet diese Besucherarbeit mit Materialien meiner entstehenden analogen Werkbiografie und dem digitalen Materialraum der Plattform. KI kann beim Vergleichen von Aussagen und beim Erkennen von Widersprüchen unterstützen. Die Werkbiografie macht Entstehungsprozesse, Veränderungen und die Zusammenhänge zwischen den Arbeiten nachvollziehbar.

Während der hundert Tage entsteht eine fortlaufende Raum-Zeit-Körper-Plastik aus Besucherhandlungen, Werkversuchen, Gesprächen und neuen Buchseiten. Die Arbeitsangebote ermöglichen täglich wechselnden Besuchern einen eigenständigen Einstieg. Vorgeschlagene Vorträge, Podiumsgespräche und anschließende Werkstattarbeit mit Wissenschaftlern und Künstlern vertiefen ausgewählte Fragen.

Das So-Heits-Atelier ist ein Prototyp der praktischen Anwendung meiner Forschungskunst und ein Erprobungsraum der So-Heits-Gesellschaft: einer Lebens- und Arbeitsform, die ihre eigenen Voraussetzungen und Folgen fortlaufend untersucht und erkannte Konsequenzen in Veränderungen überführt.

Das Environment lässt sich an räumliche, personelle und finanzielle Voraussetzungen anpassen. Die beigefügten Anlagen konkretisieren Werke, Besucherhandlungen, Veranstaltungsprogramm und Realisierung.


Ich erwarte Ihre Rückmeldung, ob Sie diese Überlebenswerkstatt in Ihre künstlerischen Planungen für die documenta 16 aufnehmen wollen. Auf dieser Grundlage können wir Auswahl, Umfang und Realisierung gemeinsam konkretisieren.