Der griechische Tiefenhorizont
Der griechische Tiefenhorizont der Techne dient als Vorbild für eine neue Kunstgesellschaft, die „So-Heits-Gesellschaft“: eine Weisheitsgesellschaft des Polyhistors, in der alle Menschen mithilfe der KI zu spielerischen Wissenschaftlern werden.
Zur begrifflichen Verdichtung stützt sich das Projekt auf ein funktionales griechisches Kernvokabular. Maß, Passung und Grenze werden durch μέτρον, κανών, καιρός und πέρας getragen. Maß ist hier nicht abstrakte Formalität, sondern Angemessenheit unter Bedingungen. Die ältere συμμετρία meint stimmige Proportion und Zusammenmessbarkeit, nicht primär spiegelbildliche Gleichheit; damit steht sie dem 51:49-Prinzip näher als der modernen Perfektionssymmetrie. Für Werk und Hervorbringung tragen τέχνη, ποίησις, πρᾶξις, ἔργον, ὕλη und ἁρμογή die Logik von Können, Handlung, Material und Fügung. Für Urteil und Rechenschaft stehen λόγος, κρίσις und φρόνησις. Ergänzend treten nun φύσις und νόμος hinzu: φύσις bezeichnet den primären Wirklichkeitsrahmen von Wachstum, Eigenwuchs und Naturzusammenhang, νόμος die gesetzte, institutionelle oder gewohnheitsförmige Ordnung, die sich an jener Wirklichkeit zu bewähren hat. Ebenso treten πόλις und παιδεία hinzu: πόλις bezeichnet nicht bloß Staatlichkeit, sondern den Raum geteilter öffentlicher Verantwortung; παιδεία die Einübung jener Fähigkeiten, durch die der Mensch überhaupt erst maßfähig, urteilsfähig und gemeinsinnfähig wird. Für die gesellschaftliche Seite stehen κοινόν, κοινωνία und λειτουργία als Begriffe des Gemeinsamen, der Teilhabe und des öffentlichen Beitrags. Demgegenüber markieren χρηματιστική, πλεονεξία, ὕβρις, ἰδιώτης und διαφθορά jene Driftformen, in denen Maß, Gemeinsinn und Prüfstruktur zugunsten von Mehrungszwang, Selbstüberhebung, Privatisierung und Zersetzung verdrängt werden. Zeitlich wird dieses Feld durch χρόνος und καιρός gespannt: durch die laufende Zeit einerseits und den rechten, entscheidenden Zeitpunkt andererseits. Dieses griechische Feld dient nicht als Bildungsschmuck, sondern als historischer Resonanzraum eines handwerklich-praktischen Maßdenkens und zugleich als Kalibrierungsvokabular einer Naturgrammatik, in der Werk, Urteil, Grenze, Gemeinsinn und Revisionsfähigkeit zusammengehören.
Fünf Ergänzungen: φύσις, νόμος, πόλις, παιδεία und χρόνος.
