Die 24-Stunden-Uhr und der Millisekunden-Mensch
Ein übergeordneter Maßstab meiner Forschungskunst ist die „24-Stunden-Uhr des Planeten Erde“.
Werden die rund 4,54 Milliarden Jahre der Erdgeschichte proportional auf einen Tag übertragen, erscheint Homo sapiens etwa 5,7 Sekunden vor Mitternacht. Ein achtzigjähriges Menschenleben umfasst auf dieser Zeitskala ungefähr 1,5 Millisekunden.
Dennoch verhält sich dieser Millisekunden-Mensch häufig so, als könne er die ihm vorausliegenden planetarischen Existenzbedingungen durch seine selbst geschaffene Menschenwelt ersetzen.
Die 24-Stunden-Uhr macht das Missverhältnis zwischen der kurzen menschlichen Anwesenheit und seinem umfassenden Verfügungsanspruch sichtbar.
Die habitable Zone bildet dazu einen räumlich-physikalischen Toleranzraum. Die Zellmembran zeigt auf organismischer Ebene, dass Leben ebenfalls nur innerhalb begrenzter Austausch-, Temperatur- und Belastungsverhältnisse fortbestehen kann.
Habitable Zone, Zellmembran und plastisches Ich-Bewusstsein bilden unterschiedliche Ebenen eines gemeinsamen Referenzgedankens: Leben ist keine unabhängige Form, sondern ein fortwährend zu stabilisierendes Verhältnis innerhalb begrenzter Bedingungen.
