Die Menschenwelt als Kunstwerk und Kunst als Prüfwerkstatt

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Die Menschenwelt wird in diesem Projekt als Kunstwerk verstanden, nicht im dekorativen, sondern im methodischen und anthropologischen Sinn.

Gemeint ist eine Welt, die durch Auswahl, Rahmung, Werkzeuggebrauch, Überformung, Inszenierung, Projektion und Rezeption hervorgebracht wird und deshalb nicht außerhalb von Revisionspflicht steht.

In diesem Sinn erscheinen mindestens drei Kunstwerke zugleich: die Zivilisationsgeschichte als kollektive Symbol-, Rollen-, Werkzeug- und Institutionswelt; der Mensch selbst als sich formendes und inszenierendes Wesen; und der Rezipient als geformtes Wahrnehmungs-, Identifikations- und Urteilswesen. Als viertes Kunstwerk kann die Prüf- und Sichtbarmachungsarchitektur selbst verstanden werden. Der Kontextanker, die Kontextuarealisierung und der öffentliche Prüfbetrieb sind nicht bloß neutrale Beschreibung, sondern bewusst gebaute Werkformen. Ihr Unterschied zu skulpturalen Geltungssystemen besteht darin, dass sie ihre Revisionspflicht ausdrücklich mitführen und sich an der Differenz zwischen Modell und Wirklichkeit prüfen lassen müssen. Kunst ist deshalb im Projekt keine Verzierung, sondern Prüfwerkstatt und Schulungsform plastischer Identität. Im Entwurf beginnt sie im Als-ob, in der Fiktion und in der Intuition; in der Werkpraxis trifft sie jedoch auf Material, Werkzeug, Zeit, Fehler, Grenze und Widerstand. Gerade dadurch macht sie die Differenz zwischen Symbolwelt und Wirkungswelt anschaulich und prüfbar. Sie wird so zur Einübung eines Referenzbewusstseins, das lernt, in einer verletzlichen Wirklichkeit zu leben, statt sich in einer entkoppelten Unverletzlichkeitswelt symbolisch zu fixieren.