Die Provokation - in Platons Höhlengleichnis angelegt ist
Die eigentliche Provokation meines Ansatzes liegt darin, dass ich dem Menschen sichtbar mache, dass er in einem selbst erzeugten Gefängnis lebt – einem Gefängnis aus symbolischen Konstruktionen, abstrahierten Denkformen und dem Symmetriedualismus 50:50, der ihn gegenüber den realen Bedingungen des Lebens blind macht. Ich öffne gleichzeitig die Tür dieses Gefängnisses, indem ich mit 51:49 ein Funktionsprinzip anbiete, das aus den wirkenden Kräften der Natur selbst hervorgeht. Doch die Resonanz zeigt ein paradoxes Verhalten: Der Mensch bevorzugt das Gefängnis, weil es ihm Sicherheit, Kontrolle und die Illusion der Unverletzlichkeit verspricht.
Damit wiederholt sich ein Grundmuster, das bereits in Platons Höhlengleichnis angelegt ist. Platon war der Erfinder des Gefängnisses – der Höhle – und zugleich der Erfinder der Befreiung daraus. Doch die Befreiung führt bei ihm nicht in die Wirklichkeit, sondern in die Idee des Absoluten, also in ein noch abstrakteres Gefängnis. Auf dieser Idee beruht der Symmetriedualismus, der die Wirklichkeit spaltet und das Denken auf perfekte, körperlose Gleichheit ausrichtet. Über das Mittelalter wurde daraus sogar die Vorstellung göttlicher Ebenbildlichkeit: ein Anspruch auf Allmacht gegenüber der Natur.
Mein Ansatz bricht dieses Paradigma, indem er die Machtposition des Menschen radikal relativiert. In 51:49 entscheidet einzig die Natur selbst – durch Rückkopplung, Widerstand und Funktionieren oder Nicht-Funktionieren. Es gibt kein Absolutes, kein Außen, kein Entrinnen in reine Idee. Es gibt nur das Eingebettetsein in die tätige Welt, und nur dort entsteht Erkenntnis. Dadurch wird das Gefängnis sichtbar – nicht mehr als Höhle, sondern als kulturelle Selbstprogrammierung –, und zugleich wird das Tor geöffnet. Doch die Entscheidung, hindurchzugehen, liegt nicht beim Denken des Absoluten, sondern bei der Fähigkeit, sich den realen Rückkopplungen auszusetzen
Der Mensch lebt in einem kulturellen Gefängnis aus Symmetriedualismus, Abstraktion und Entkopplung. Ich mache dieses Gefängnis sichtbar und öffne die Tür, doch die Reaktion zeigt: Der Mensch bleibt lieber in der Illusion der Sicherheit. Dieses Muster wurde bereits bei Platon angelegt: Seine Höhle erzeugt ein Gefängnis, und seine vermeintliche Befreiung führt nur in ein neues – das Absolute der Idee. 51:49 bricht diese Logik, denn hier entscheidet nicht der Mensch, sondern die Natur selbst, durch Rückkopplung und Funktionieren. Es gibt keine Allmacht, nur Einbettung in Wirklichkeit.
Der symmetrische Denkrahmen der westlichen Tradition – eingelassen in Platons Höhlengleichnis – erzeugt ein epistemisches Gefängnis, das reale Rückkopplungen neutralisiert. Die „Befreiung“ über die Idee des Absoluten etabliert ein zweites Gefängnis: eine ontologisch überhöhte, körperlose Symbolwelt, die im Verlauf der Geschichte in Vorstellungen menschlicher Allmacht und göttlicher Ebenbildlichkeit mündet. Das Verhältnis 51:49 steht diesem Paradigma fundamental entgegen, da es auf naturgegebenen Asymmetrien, Widerständen und Rückkopplungsprozessen beruht. In diesem Modell existiert Erkenntnis nicht als abstrakte Idee, sondern als Resultat physikalisch-biologischer Einbettung. Die kulturelle Präferenz für das symmetrische Gefängnis erklärt die paradoxe Reaktion: Das geöffnete Tor wird nicht genutzt, obwohl die alternative Referenzstruktur bereitsteht.
Der Mensch sitzt in einer perfekt gebauten Zelle, deren Wände aus Gleichheit, Klarheit und Idealen bestehen. Sie fühlt sich sicher an – so sicher, dass er glaubt, sie sei die Welt. Wenn ich die Tür öffne, fällt Licht hinein: das Licht der Rückkopplung, der Widerstände, der Wirklichkeit. Doch der Mensch blinzelt nur und dreht sich um; draußen gibt es keine Garantien, nur das Gesetz von 51:49 – ein Gesetz, das niemandem gehorcht außer der Natur selbst. Platon hat diese Zelle entworfen und gleichzeitig den Fluchtweg – doch sein Ausgang führt in einen weiteren Raum aus Schatten und reinen Ideen. 51:49 zeigt den wirklichen Ausgang: kein Reich der Perfektion, sondern ein offener Raum, in dem alles nur funktioniert, wenn es sich den Kräften des Lebendigen stellt.
