Die So-Heits-Gesellschaft – Eine Kunstgesellschaft der Zukunft

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Die So-Heits-Gesellschaft ist kein Rückfall in die Vergangenheit – sie ist die radikale Fortsetzung einer unterbrochenen Bewegung: jener Bewegung, die vor über 2500 Jahren im griechischen Denken begann – in der Suche nach dem rechten Maß (metron), nach Gemeinschaft (polis), nach handwerklicher Lebenskunst (techne), und nach einem Menschenbild, das nicht auf Besitz, Macht oder Abgrenzung basiert, sondern auf Verantwortung, Teilnahme und Gestaltung.

Was dort begann, wurde im Lauf der Geschichte immer mehr verdrängt: durch imperiale Systeme, durch ökonomische Konkurrenzstrukturen, durch ein Denken in Trennung – von Mensch und Welt, von Geist und Körper, von Ich und Wir.

Die So-Heits-Gesellschaft setzt hier neu an. Sie ist nicht nostalgisch. Sie will nicht zurück zur Polis – sondern vorwärts in eine neue Form des Zusammenlebens, in dem Kunst nicht Dekoration, sondern Erkenntnispraxis ist. In dem das Individuum nicht Konsument, sondern Mitgestalter ist. In dem Demokratie nicht Repräsentation, sondern plastische, leiblich verankerte Handlung ist.

Sie denkt Gesellschaft von der Kunst her –

und Kunst vom Leben –

und Leben von der Verantwortung.

Im Zentrum steht dabei nicht die Effizienz der Systeme, sondern ihre Resonanzfähigkeit. Nicht die Gleichheit aller, sondern das Verhältnis aller zueinander. Nicht das Besitzen, sondern das Einpassen. Nicht das Überwältigen, sondern das Mittragen.

Die „So-Heit“ meint: So wie du bist – bist du Teil eines Ganzen.

Aber dieses Ganze ist kein starres System – sondern ein offenes, atmendes, plastisches Gebilde. Du kannst es gestalten. Und du musst es gestalten.

Denn die Alternative ist das, was wir heute erleben:

Eine Gesellschaft der Fragmentierung, der Konkurrenz, der Simulation.

Ein Weltbild der Kontrolle, das die Balance verloren hat.

Ein Denken, das nicht mehr spürt, was es auslöst.

Die So-Heits-Gesellschaft stellt eine neue Maßordnung auf.

Keine Utopie, sondern ein Arbeitsmodell:

Ein Gemeinsinn, der aus dem Denken mit den Händen entsteht.

Ein Zusammenspiel, das von Techne, Ethik und Form getragen wird.

Ein Bewusstsein, das nicht abstrakt, sondern plastisch ist.

Nur wenn wir begreifen, dass Gestaltung Verantwortung bedeutet,

dass Maß die Voraussetzung für Freiheit ist,

und dass Gemeinschaft nicht Besitz, sondern Beziehung ist

wird die Menschheit die nächste Stufe ihrer Entwicklung erreichen...Sollte man weiter vom So-heits-raum oder So-heits-atelier oder So-heits-werkstatt sprechen? In Einbeziehung des vorigen Chatverlaufs. Raum selber wäre ja eine Ab- und Ausgrenzung gegenüber anderen Räumen der Documenta. Atelier und Werkstatt hätte eine andere Bedeutung.Kann der Raumbegriff aber auch noch verwendet werden für die Plexuswirklichkeit, deren innewohnenden Raum, also Seinsraum, der Mensch als Plastik, als plastisches Ich-Bewusstsein, innewohnend bewohnt.

Du hast recht. Ich hätte die angekündigte Korrektur sofort ausführen müssen, statt die Arbeit noch einmal durch eine Erklärung zu unterbrechen. Hier ist der Text jetzt tatsächlich als zusammenhängender wissenschaftlicher Fließtext mit wenigen größeren Überschriften.

Vom So-Heits-Raum zum So-Heits-Atelier – Werkstatt, Plexuswirklichkeit und gesellschaftlicher Prüfprozess

Die begriffliche Unterscheidung von Raum, Atelier und Werkstatt

In Einbeziehung der bisherigen Entwicklung der Forschungskunst sollte nicht versucht werden, zwischen den Begriffen So-Heits-Raum, So-Heits-Atelier und So-Heits-Werkstatt nur einen einzigen auszuwählen und die anderen aufzugeben. Inzwischen bezeichnen diese drei Begriffe unterschiedliche Ebenen desselben Zusammenhangs. Gerade ihre Unterscheidung kann verhindern, dass erneut verschiedene Wirklichkeitsbereiche mit einem einzigen Begriff zusammengezogen werden. Für die konkrete Arbeit auf der documenta erscheint „So-Heits-Atelier des globalen Dorfes“ weiterhin als die geeignetste Hauptbezeichnung. Das Atelier bezeichnet nicht einfach einen abgegrenzten Ausstellungsraum. Es bezeichnet einen Ort des Hervorbringens, Untersuchens, Verwerfens, Weiterarbeitens und Korrigierens. Damit entspricht es der historischen Entwicklung meines Lebenswerks wesentlich stärker als der neutrale Begriff des Raumes. Seit der Experimentellen Umweltgestaltung, den Malbüchern und Vorgabebildern, den Frage- und Antworttischen, den Demokratiewerkstätten, der Kollektiven Kreativität, den verschiedenen documenta-Bewerbungen, dem Partizipatorischen Welttheater und schließlich der Globalen Schwarm-Intelligenz ging es nicht darum, abgeschlossene Kunstwerke lediglich vorzuführen, sondern darum, Arbeitszusammenhänge herzustellen, in denen Wahrnehmung, Vorstellung, Material, Beteiligung und gesellschaftliche Wirklichkeit miteinander konfrontiert werden können. Die ältere Konzeption der So-Heits-Gesellschaft enthält diesen Gedanken bereits ausdrücklich, indem Kunst als öffentliches Prüfmittel verstanden wird, das sichtbar machen soll, warum Begriffe, Rollen, Eigentumsordnungen und Freiheitsvorstellungen ihre Rückbindung an die Lebensbedingungen verlieren können.

Innerhalb dieses Ateliers erhält die Werkstatt eine besondere Funktion. Sie bezeichnet nicht das gesamte künstlerische Unternehmen, sondern dessen praktische Prüfweise. Eine Werkstatt unterscheidet sich vom bloßen Denk- oder Diskussionsraum dadurch, dass dort etwas bearbeitet wird. Material setzt Widerstand entgegen, Werkzeuge müssen geeignet sein, eine Verbindung hält oder bricht, ein Werkstück passt oder passt nicht. Genau diese handwerkliche Erfahrung bildet inzwischen einen wesentlichen Maßstab meiner Forschungskunst. Deshalb soll auch ein Begriff nicht allein deshalb als „Denkwerkzeug“ gelten, weil er sprachlich verwendet werden kann. Er müsste sich daran prüfen lassen, was durch seinen Gebrauch sichtbar wird, was ausgeblendet wird und welche Tätigkeitskonsequenzen entstehen, sobald nach diesem Begriff gehandelt wird. Die So-Heits-Werkstatt ist deshalb der Teil des Ateliers, in dem Begriffe, Bilder, Folien, historische Arbeiten und eigene Vorstellungen der Besucher tatsächlich in Gebrauch genommen werden. Das Mitmachbuch gehört genau hierher. Es ist kein Begleitheft zur Ausstellung, sondern ein Arbeitsmittel, durch das der Besucher selbst etwas auswählt, beschreibt, verändert, überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Die Werkstatt stellt damit sicher, dass aus dem Atelier kein weiterer bloßer Gedankenraum wird.

Der Begriff So-Heits-Raum sollte deshalb jedoch keineswegs verschwinden. Er muss lediglich von der architektonischen Bedeutung des documenta-Raumes gelöst werden. Würde der So-Heits-Raum nur den zugewiesenen Ausstellungssaal bezeichnen, entstünde tatsächlich ein Widerspruch. Der Raum wäre dann durch Wände gegenüber anderen documenta-Räumen abgegrenzt und würde gerade jene Vorstellung abgeschlossener Einheiten reproduzieren, die mit Dingselektion, Innen und Außen sowie Subjekt und Objekt kritisch untersucht wird. Der So-Heits-Raum kann aber eine wesentlich tiefere Bedeutung erhalten. Er bezeichnet dann nicht den Behälter, in dem sich das Atelier befindet, sondern den vorausliegenden Wirklichkeitszusammenhang, innerhalb dessen Menschen, andere Lebewesen, Materialien, Atmosphäre, Wasser, Boden, Temperatur, Gravitation, technische Systeme und gesellschaftliche Tätigkeiten überhaupt miteinander verbunden sind. In dieser Bedeutung wird der So-Heits-Raum zum Plexusraum.

Der Plexusraum als vorausliegender Wirklichkeitszusammenhang

Die Plexuswirklichkeit verändert den herkömmlichen Raumbegriff grundlegend. Der Mensch befindet sich nicht wie ein abgeschlossener Gegenstand in einem ansonsten leeren Behälter. Er existiert nur innerhalb eines Geflechts von Beziehungen, das ihm vorausliegt und ihn gleichzeitig durchdringt. Die Atmosphäre befindet sich nicht einfach außerhalb des Menschen, denn mit jedem Atemzug wird ein Teil dieses sogenannten Außen zum Bestandteil seines körperlichen Geschehens. Wasser, Mineralstoffe, Nahrung und Wärme durchlaufen ebenfalls die gesetzte Grenze zwischen innen und außen. Die Haut grenzt den Organismus ab und verbindet ihn gleichzeitig mit seiner Umgebung. Bereits die Membran zeigt damit, dass eine Grenze nicht notwendig Trennung bedeutet. Eine funktionsfähige Grenze muss vielmehr einen bestimmten Austausch ermöglichen und zugleich eine relative Eigenständigkeit erhalten. In der älteren So-Heits-Gesellschaft tauchte diese Vorstellung bereits in der Beschreibung des menschlichen Organismus als eines durch zahlreiche Toleranzräume regulierten Teilorganismus auf, der innerhalb größerer Lebenszusammenhänge existiert. Die heutige Plexuswirklichkeit kann diesen älteren Gedanken jedoch präzisieren, ohne daraus eine harmonische Ganzheitsvorstellung machen zu müssen. Ein Plexus ist kein konfliktfreies Einssein. Er bezeichnet Beziehungen, Abhängigkeiten, Widerstände, Öffnungen, Belastungen und Rückkopplungen, innerhalb derer sich vorübergehende Formen bilden und verändern.

Damit bekommt auch meine frühere Verwendung des Umweltbegriffs eine neue Bedeutung. Experimentelle Umweltgestaltung bedeutete für mich bereits in den 1970er-Jahren nicht, dass hier ein fertiges Subjekt steht und sich dort eine Welt um dieses Subjekt herum befindet. Der Mensch war selbst Bestandteil des Milieus, das er gleichzeitig beeinflusste. Der Begriff „Umwelt“ kann jedoch den Eindruck erzeugen, die Welt befinde sich um ein bereits vorhandenes Zentrum namens Mensch. Der Plexusbegriff korrigiert diese Vorstellung. Es gibt zunächst keinen isolierten Menschen, der anschließend Beziehungen zu einer Umwelt aufnimmt. Der Mensch entsteht bereits innerhalb dieser Beziehungen. Seine Körperlichkeit, seine Wahrnehmungsmöglichkeiten, seine Sprache und seine technischen Fähigkeiten setzen eine lange vorausliegende Wirklichkeitsgeschichte voraus. Die 24-Stunden-Uhr des Planeten verdeutlicht diese zeitliche Dimension. Der Millisekunden-Mensch erscheint außerordentlich spät innerhalb eines Geschehens, dessen Bedingungen er nicht hervorgebracht hat, beginnt jedoch innerhalb kürzester Zeit Eigentumsordnungen, Märkte, Staaten, Religionen, Wissenschaften, Rollen und Freiheitsvorstellungen zu entwickeln, die teilweise so behandelt werden, als könnten ihre Regeln Vorrang vor den Bedingungen besitzen, durch die der Mensch überhaupt existieren kann.

Der So-Heits-Raum wäre deshalb nicht etwas, das der Besucher auf der documenta betritt. Er befindet sich bereits darin. Er befand sich darin, bevor er das Ausstellungsgebäude betreten hat, und er bleibt darin, nachdem er die documenta wieder verlassen hat. Genau daraus ergibt sich eine für das gesamte Projekt wichtige Unterscheidung: Man kann das So-Heits-Atelier verlassen, aber nicht den So-Heits-Raum. Der physische Raum der documenta ist lediglich eine vorübergehende Membran, innerhalb derer bestimmte Bedingungen des ohnehin vorhandenen Plexusraumes sichtbarer, berührbarer und untersuchbarer gemacht werden. Diese Umkehrung verhindert, dass das Kunstwerk mit seiner architektonischen Begrenzung verwechselt wird.

Der Begriff „Seinsraum“ könnte für diesen Zusammenhang zwar verwendet werden, wäre aber problematischer. Er trägt bereits eine umfangreiche philosophische Geschichte mit sich und würde sofort die Frage nach dem zugrunde gelegten Seinsbegriff eröffnen. Damit drohte erneut genau jener begriffliche Spiegelirrgarten, den die Forschungskunst untersuchen möchte. „Plexusraum“ ist deshalb zunächst genauer, weil darin nicht behauptet wird, das Wesen des Seins bestimmt zu haben. Gemeint ist ein Zusammenhang von Beziehungen, innerhalb dessen etwas existiert, sich verändert und Tätigkeitskonsequenzen hervorbringt. Der So-Heits-Raum wäre dann die künstlerische Erfahrungs- und Prüfgestalt dieses Plexusraumes.

Das plastische Ich als innewohnender und mitwirkender Prozess

Innerhalb dieses Raumverständnisses verändert sich auch das Verständnis des Menschen. Das plastische Ich ist nicht ein fertiges Subjekt, das einen Raum bewohnt wie ein Bewohner ein Haus. Es entsteht vielmehr fortlaufend innerhalb des Plexusraumes. Es wird durch diesen Zusammenhang getragen und verändert ihn gleichzeitig durch seine Tätigkeiten. Deshalb würde ich den Ausdruck des „Innenwohnens“ beibehalten, aber erweitern. Der Mensch wohnt der Wirklichkeit nicht gegenüber und er wohnt auch nicht lediglich innerhalb eines äußeren Behälters. Er ist selbst ein zeitweiliger, lokaler und plastischer Zusammenhang innerhalb einer ihn durchdringenden Plexuswirklichkeit. Diese Wirklichkeit endet nicht an seiner Haut und beginnt nicht erst außerhalb seines Körpers.

Damit wird der Gegensatz zur Skulpturidentität besonders deutlich. Die Skulpturidentität stellt sich den Menschen als etwas bereits Festgestelltes vor. Sie sagt, dass jemand dieses oder jenes sei, dass ihm bestimmte Eigenschaften zukämen, dass er Besitzer seiner selbst sei oder unabhängig handeln könne. Das plastische Ich kann dagegen nur existieren, indem es sich permanent verändert. Der Mensch atmet, nimmt Stoffe auf, scheidet Stoffe aus, altert, reagiert auf Temperatur, verändert seine Haltung, lernt, erinnert sich, wird verletzt und regeneriert sich. Seine Identität liegt deshalb nicht außerhalb dieser Prozesse. Sie besteht gerade in ihrer fortgesetzten Veränderung und Rückkopplung. Die Aussage „Ich bin“ wird dadurch nicht aufgehoben, aber sie muss ergänzt werden durch die Frage, wodurch und innerhalb welcher Beziehungen dieses Ich überhaupt fortbestehen kann.

Hier bekommt auch die Membran eine erkenntniskünstlerische Bedeutung. Sie ist weder absolute Trennung noch unterschiedslose Einheit. Sie erhält eine Differenz und ermöglicht gleichzeitig Austausch. Der So-Heits-Raum selbst kann nach demselben Prinzip gedacht werden. Das Atelier auf der documenta besitzt eine erkennbare räumliche Gestalt, wird jedoch nicht als abgeschlossene Kunstwelt behandelt. Besucher betreten es mit ihren Erfahrungen, Rollen, Überzeugungen und Fragen. Sie arbeiten an Materialien und Mitmachbüchern, verändern Vorgabebilder und hinterlassen eigene Untersuchungen. Diese werden wiederum über die Globale Schwarm-Intelligenz mit anderen Orten verbunden. Das Atelier wäre damit eine künstlich eingerichtete Rückkopplungsmembran innerhalb des ohnehin bestehenden Plexusraumes.

Gerade darin unterscheidet es sich von einer Ausstellung, deren Objekte nach der Betrachtung unverändert bleiben. Im So-Heits-Atelier soll die Grenze zwischen Werk und Rezipient bewusst durchlässig werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Beteiligung bereits sinnvoll ist. Die bisherige Werkentwicklung hat inzwischen gezeigt, dass das bloße Mitmachen nicht genügt. Auch eine zerstörerische Ordnung kann hochgradig partizipativ sein. Deshalb muss sich die Beteiligung in Prüfung verwandeln. Aus dem Mitwirkenden wird ein Mitprüfender. Das Ziel besteht nicht darin, möglichst viele Meinungen zu sammeln, sondern sichtbar zu machen, wie Vorstellungen entstehen, welche Beziehungen sie verdecken, welche Tätigkeiten sie auslösen und wie die eintretenden Konsequenzen wieder auf die Vorstellungen zurückwirken können.

Von der So-Heits-Gesellschaft zur offenen Werkstatt gesellschaftlicher Tragprüfung

Unter diesem Gesichtspunkt muss auch die ältere Vorstellung der So-Heits-Gesellschaft weiterentwickelt werden. Ursprünglich wurde sie als fiktive alternative Gesellschaftsform in eine hypothetische prähistorische Vergangenheit auf Kreta verlegt. Diese „Vergangenheits-Utopie“ sollte den psychologischen Druck einer Zukunftsutopie verändern, indem eine alternative gesellschaftliche Möglichkeit so behandelt wurde, als hätte sie bereits einmal existiert. Das Futur II wurde dabei ausdrücklich als Gestaltungsprinzip verwendet, um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander zu spiegeln. Dieser künstlerische Kunstgriff bleibt historisch wichtig, weil er zeigt, dass die So-Heits-Gesellschaft nie nur als politisches Programm gedacht war. Sie war von Anfang an eine Versuchsanordnung zur Befragung der Gegenwart.

Die heutige Forschungskunst ist jedoch an einem Punkt angekommen, an dem eine fest entworfene alternative Gesellschaft sogar problematisch werden könnte. Würde die So-Heits-Gesellschaft nun als richtige Gesellschaft gegenüber einer falschen bestehenden Gesellschaft vorgestellt, entstünde eine neue Skulpturidentität. Der eigene Entwurf würde vergoldet und könnte sich seinerseits der Prüfung entziehen. Die inzwischen entwickelte Methodik erlaubt einen anderen Weg. Die So-Heits-Gesellschaft bezeichnet nicht mehr primär einen fertigen Zukunftszustand, sondern einen offenen gesellschaftlichen Werkprozess, in dem untersucht wird, welche Formen des Zusammenlebens ihre eigenen Tragbedingungen erhalten, welche sie beschädigen und welche Rückkopplungsmechanismen eine Korrektur ermöglichen.

Dadurch verändert sich auch die frühere Aussage, die So-Heits-Gesellschaft stelle eine „neue Maßordnung“ auf. Sie sollte nicht selbst einen beliebig gesetzten neuen Maßstab an die Stelle der bisherigen Maßstäbe setzen. Vielmehr sucht sie nach denjenigen Maßstäben, die aus der Tragwirklichkeit zurückmelden. Im Handwerk kann ein Maßstab nicht für jedes Werkstück beliebig neu bestimmt werden, wenn die Teile anschließend zusammenpassen sollen. In lebenden Zusammenhängen melden Verletzung, Stoffwechsel, Regeneration und Belastungsgrenzen ebenfalls zurück. Ein Deich hält oder bricht. Ein Schiff schwimmt oder verliert seine Tragfähigkeit. Eine Pflanze besitzt bestimmte Bedingungen ihres Fortbestehens. Ein menschlicher Organismus kann nicht durch einen Freiheitsbegriff davon befreit werden, Sauerstoff, Wasser und Temperaturbedingungen zu benötigen. Diese Rückmeldungen bilden keine vollständige moralische Weltordnung, aber sie setzen der menschlichen Beliebigkeit Grenzen.

Die So-Heits-Gesellschaft wird deshalb zu einer Kunstgesellschaft nicht dadurch, dass alle Menschen Kunst produzieren sollen, sondern dadurch, dass gesellschaftliche Gestaltung wieder als ein herstellendes, prüfendes und korrigierbares Werk verstanden wird. Genau hier verbindet sie sich mit technē. Können bedeutet dann nicht bloß individuelle Leistungsfähigkeit, die am Markt verkauft und in Status umgewandelt wird. Können erhält seinen Sinn innerhalb eines gemeinsamen Werkzusammenhangs. Der Mensch bringt seine unterschiedliche Fähigkeit ein, ohne deshalb zum Instrument eines anderen Menschen degradiert zu werden. Die Gemeinschaft muss wiederum so beschaffen sein, dass diese Verschiedenheit nicht in Konkurrenz um Herrschaft umschlägt, sondern in gegenseitige Ergänzung und Rückkopplung überführt werden kann. Die ältere So-Heits-Gesellschaft formulierte diese Suche bereits als Integrationsmodell, das die wechselseitige Abhängigkeit von Lebewesen betonen und einen anderen Orientierungsrahmen schaffen sollte.

Das So-Heits-Atelier auf der documenta als konkrete Form dieser Entwicklung

Für die documenta ergibt sich daraus eine klare begriffliche Ordnung. Der Haupttitel sollte „Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes“ bleiben, weil das Atelier die künstlerische Gesamtform des Unternehmens bezeichnet und unmittelbar mit der Geschichte des Lebenswerks verbunden ist. In ihm können historische Arbeiten, Collagen, Fotografien, Schultafeln, Wellenbecken, Frage- und Antwortsysteme, Theatererfahrungen, Deichmodelle, die Tasse der Realität, Auto und Umwelt, der Astronaut, Gold, Spaten, Tanglandschaft, Mitmachbuch und digitale Plattform zusammenkommen, ohne zu einer bloßen retrospektiven Sammlung zu werden. Das Material wird nicht allein gezeigt, sondern wieder in Gebrauch genommen.

Innerhalb dieses Ateliers arbeitet die So-Heits-Werkstatt. Sie bezeichnet die konkrete Verrichtung. Dort wird geschnitten, geschrieben, überlagert, entfernt, verglichen, gebaut, verändert und geprüft. Der Besucher soll nicht nur erfahren, dass Eigentum eine gesellschaftliche Zuschreibung ist, sondern die Eigentumsfolie tatsächlich auf einen Boden legen und wieder entfernen können. Er soll nicht nur über Autonomie sprechen, sondern die Vorstellung der Unabhängigkeit mit den Abhängigkeiten des Organismus konfrontieren. Er soll nicht lediglich lesen, dass Begriffe Ausschnitte erzeugen, sondern am Bild, am Betonblock, an der Fotografie oder am ausgeschnittenen Loch selbst untersuchen können, was bei einer Auswahl sichtbar und was unsichtbar wird. Das Mitmachbuch ist dabei die bewegliche Werkbank dieser Untersuchung. Es nimmt den Atelierprozess auf und macht ihn über den documenta-Ort hinaus fortsetzbar.

Der So-Heits-Raum bezeichnet dagegen den größeren Zusammenhang, der weder an der Eingangstür beginnt noch an der Ausgangstür endet. Er ist die Plexuswirklichkeit, innerhalb derer jede dieser Tätigkeiten ohnehin stattfindet. Diese Unterscheidung erlaubt eine besonders wichtige Aussage: Der documenta-Besucher betritt nicht die Wirklichkeit, wenn er das Atelier betritt. Er tritt lediglich in eine Versuchsanordnung ein, die ihm seine bereits bestehende Einbindung in die Wirklichkeit anders sichtbar machen soll. Wenn er das Atelier später verlässt, trägt er sein Mitmachbuch vielleicht mit hinaus, doch der eigentliche Versuch setzt sich fort. Er bewegt sich weiterhin in Eigentumsordnungen, benutzt Geld, atmet, kauft, arbeitet, spricht, übernimmt Rollen, verbraucht Materialien und erzeugt Tätigkeitskonsequenzen. In diesem Sinn ist der So-Heits-Raum nicht ausstellbar. Er ist der Wirklichkeitszusammenhang, innerhalb dessen die Ausstellung selbst nur ein vorübergehender Lochprozess, eine Öffnung zur Selbstbeobachtung und Rückkopplung wird.

Damit können So-Heits-Gesellschaft, So-Heits-Raum, So-Heits-Atelier und So-Heits-Werkstatt erstmals eindeutig voneinander unterschieden und gleichzeitig zusammengeführt werden. Die So-Heits-Gesellschaft bezeichnet den offenen gesellschaftlichen Entwicklungs- und Prüfprozess. Der So-Heits-Raum bezeichnet die vorausliegende Plexuswirklichkeit, innerhalb derer jede gesellschaftliche Gestaltung stattfindet. Das So-Heits-Atelier bezeichnet die künstlerische Forschungsform, in der dieser Zusammenhang sichtbar und bearbeitbar gemacht wird. Die So-Heits-Werkstatt bezeichnet schließlich die konkrete Verrichtung, durch die Vorstellungen und Begriffe an Material, Erfahrung und Tätigkeitskonsequenzen geprüft werden.

Der entscheidende Fortschritt gegenüber den früheren Fassungen besteht deshalb darin, dass nicht mehr eine alternative Gesellschaft vorgeführt werden muss. Gegenstand der Forschung ist nun die Fähigkeit des Menschen, überhaupt tragfähige Gesellschaft hervorzubringen. Damit wird auch der Besucher nicht zum Anhänger einer So-Heits-Gesellschaft. Er wird zum Mitarbeiter an der Frage, wie gesellschaftliche Konstruktionen geprüft werden können, bevor oder während sie ihre Existenzbedingungen beschädigen. Genau darin liegt die Verbindung zwischen dem historischen Lebenswerk, der heutigen Plexuswirklichkeit und dem geplanten So-Heits-Atelier der documenta: Kunst stellt keine fertige Zukunft zur Verfügung, sondern eröffnet eine Werkstatt, in der die Bedingungen einer zivilisationsfähigen Zukunft gemeinsam untersucht werden können.

Schreibe mal den gesamten Text als Konzeptvorlage der Erklärung des Sozialateliers und deren Arbeitsaufgaben.Zusammenhang der vorigen Dokumente ist natürlich.in Anbetracht des gesamten Chatverlaufs eine komprimierte Komprimierung vorzunehmen. logischerweise als Fließtext. Was muss ich dir alles immer extra sagen?

Hier ist die Konzeptvorlage jetzt als zusammenhängende Verdichtung des bisherigen Arbeitsstandes geschrieben. Sie behandelt das So-Heits-Atelier nicht mehr als einzelne Ausstellungsidee, sondern als die gegenwärtige Arbeitsform des gesamten Werkzusammenhangs.