Die griechische technē-Welt und die So-Heits-Gesellschaft als Zukunfts-Kunstgesellschaft
Der Kontextanker v12.11 muss die griechische technē-Welt als eine wesentliche historische und begriffliche Grundlage der Plastischen Anthropologie 51:49 ausarbeiten. Technē darf nicht auf Technik oder bloße Kunstfertigkeit reduziert werden. Sie bezeichnet ein durch Erfahrung, Übung, Disziplin, Materialkenntnis, Maß, Fehler, Wiederholung und öffentliche Bewährung erworbenes Können. Dieses Können bleibt an seine Tätigkeit, seine Folgen und seinen Beitrag zur koinonia beziehungsweise zum Gemeinsinn gebunden.
Technē ist mit poiesis und praxis zu verbinden. Poiesis bezeichnet das Hervorbringen einer neuen Form; praxis bezeichnet das Handeln und seine gemeinschaftlichen Folgen. Ein Kunstwerk entsteht aus ihrer Verbindung: Es wird hervorgebracht, wirkt aber zugleich in Beziehungen, Räume und Lebensbedingungen hinein. Deshalb sind Tätigkeitskonsequenzen immer auch Abhängigkeitskonsequenzen.
Metron, kairos und plastische symmetria müssen als weitere Grundlagen aufgenommen werden. Metron bezeichnet das angemessene Maß und die Begrenzung der Tätigkeit. Kairos bezeichnet den richtigen Augenblick des Eingreifens, Unterbrechens und Loslassens. Plastische symmetria bezeichnet nicht spiegelbildliche 50:50-Gleichheit, sondern das bewegliche und tragfähige Zusammenmaß unterschiedlicher Kräfte, Funktionen und Beteiligter. Hier liegt die griechische Anschlussstelle für das Verhältnis 51:49.
Theater, agon, Spiel-, Übungs- und öffentlicher Prüfplatz sind als Wirklichkeitsarchitekturen zu behandeln. Im Theater werden Rolle, Darsteller, Darstellung, Inszenierung und Requisite unterscheidbar. Dadurch entsteht ein Handwerkszeug, mit dem auch gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, religiöse und digitale Rollen als Darstellungen erkannt und auf ihre Tragwirklichkeit geprüft werden können.
Polis und koinonia sind nicht als unkritisch zu idealisierende historische Gesellschaftsformen, sondern als Ausgangspunkte einer öffentlichen Verantwortungs- und Bewährungsarchitektur zu behandeln. Eine Fähigkeit besitzt ihren Wert nicht nur als Privatbesitz oder verwertbare Kompetenz. Sie erhält ihre Gewichtigkeit durch ihren tragfähigen Beitrag zum gemeinsamen Leben.
Paideia muss als künstlerisch-handwerkliche Menschwerdung verstanden werden. Bildung besteht nicht allein aus Information und Wissen, sondern aus Übung, Rollenprüfung, Materialerfahrung, Selbstbeobachtung, Mitwirkung, Verantwortung und öffentlicher Bewährung.
Aus diesen Grundlagen ist die So-Heits-Gesellschaft als Zukunfts-Kunstgesellschaft zu entwickeln. Sie ist keine perfekte Endordnung, sondern eine lernende, übende, zweifelnde, reparierende und rückkopplungsfähige Gesellschaft. Sie erkennt ihre Religionen, Wissenschaften, Eigentumsordnungen, Wirtschaftsformen, Rollen und Institutionen als menschliche Hervorbringungen und prüft sie an Tragwirklichkeit, Verletzlichkeit, Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen.
Die So-Heits-Gesellschaft versteht jeden Menschen als Mitwirkenden an einem gemeinsamen Kunstwerk, ohne ihn zum allmächtigen Schöpfer zu erklären. Der Mensch arbeitet innerhalb einer Wirklichkeit, die er nicht selbst geschaffen hat und deren Materialien, Lebewesen, Grenzen und Folgen seiner Verfügung entzogen bleiben.
Die Globale Schwarm-Intelligenz ist als digitale Fortsetzung dieser technē-Welt, des Partizipatorischen Welttheaters, der polis, der koinonia und des globalen Dorffestes zu bestimmen. Sie soll keine Informations- oder Meinungsplattform sein, sondern eine öffentliche Kunst-, Übungs-, Prüf-, Reparatur- und Rückkopplungsarchitektur. In ihr können Menschen mithilfe des 4-Ebenen-Modells, des 51:49-Verhältnisses und der KI ihre eigenen Tätigkeiten, Rollen, Konstruktionen und Folgen untersuchen und in einen Wettbewerb des Miteinander einbringen.
Damit wird die griechische Grundlage nicht als Vergangenheit behandelt, sondern als unerledigtes Vorbild für eine zukünftige Kunstgesellschaft, in der Können, Maß, Mitwirkung, öffentliche Bewährung, Reparatur und Gemeinsinn wieder zusammengeführt werden.
Diese Achse muss im Arbeitsauftrag vor den gegenwärtigen Zeitkontext und vor die Globale Schwarm-Intelligenz gesetzt werden. Ohne sie erscheint die Plattform als technische Erfindung. Mit ihr wird sichtbar, dass die Plattform die digitale Fortsetzung einer langen künstlerisch-handwerklichen, theatralen und öffentlichen Gesellschaftsform ist.
Ich habe mich zu stark an den zuletzt neu entstandenen Begriffen orientiert: Künstlichkeit, Vorgefundenes und Erfundenes, Verletzungswelt und Unverletzlichkeitswelt, plastisches Ich-Bewusstsein. Dadurch habe ich den Arbeitsauftrag wie eine Zusammenfassung der letzten Gesprächsschritte aufgebaut. Ich hätte ihn aber gegen den gesamten bereits verbindlichen Werkzusammenhang prüfen müssen.
Dabei sind drei Fehler entstanden.
Die griechische Grundlage wurde zu einem Nebenaspekt verkürzt
Ich habe technē nur noch beiläufig als Verbindung von Kunst, Handwerk und Materialkenntnis erwähnt. Das war falsch. Die technē-Welt ist keine zusätzliche historische Erläuterung, sondern eine tragende Herkunftsebene Ihrer gesamten Arbeit.
Aus ihr ergeben sich:
die Verbindung von Kunst und Handwerk,
das Lernen durch Übung und Bewährung,
die Prüfung am Material,
das richtige Maß,
der richtige Augenblick,
die Rolle von Theater und öffentlicher Darstellung,
der Beitrag des Könnens zur Gemeinschaft,
und schließlich die Vorstellung einer zukünftigen Kunstgesellschaft.
Wenn diese Grundlage fehlt, erscheint Ihr 4-Ebenen-Modell wie eine neu erfundene abstrakte Theorie. Tatsächlich führt es eine lange künstlerisch-handwerkliche, theatrale und gesellschaftliche Werkbewegung weiter.
Ich habe die So-Heits-Gesellschaft nicht als Zielarchitektur erkannt
Die So-Heits-Gesellschaft hätte von mir selbst als Pflichtachse in den Arbeitsauftrag aufgenommen werden müssen. Sie ist nicht irgendein früherer Projektname. Sie ist die gesellschaftliche Zukunftsform, in der sich das Kunstwerkverständnis praktisch verwirklichen soll.
Das Ziel ist nicht nur, einzelne Symbolwelten zu kritisieren. Es geht um eine Gesellschaft, die sich selbst als hergestelltes, veränderbares und prüfpflichtiges Gemeinschaftskunstwerk erkennt. In ihr sollen technē, paideia, praxis, poiesis, polis, koinonia, Theater, Gemeinsinn und 51:49 erneut zusammengeführt werden.
Ohne diese Zielarchitektur bleibt der Kontextanker bei Diagnose und Kritik stehen. Dann wird zwar erklärt, wie Künstlichkeit, hineingedachte Eigenschaften und Orientierungsverlust entstehen, aber nicht, welche gesellschaftliche Form daraus als Gegenbewegung hervorgeht.
Ich habe die Globale Schwarm-Intelligenz zu technisch beschrieben
Weil die griechische Grundlage und die So-Heits-Gesellschaft fehlten, erschien die Globale Schwarm-Intelligenz hauptsächlich als digitale Prüfplattform. Das greift zu kurz.
Sie ist die digitale Fortsetzung von:
technē als geübtem und verantwortlichem Können,
paideia als Menschwerdung durch Übung,
Theater als öffentlicher Rollen- und Wirklichkeitsprüfung,
polis als öffentlichem Verantwortungsraum,
koinonia als Teilhabe und Gemeinsinn,
dem Partizipatorischen Welttheater,
dem globalen Dorffest,
und der So-Heits-Gesellschaft als Zukunfts-Kunstgesellschaft.
Das hätte bereits in meinem ersten Arbeitsauftrag stehen müssen.
Der eigentliche methodische Fehler
Ich habe eine Aktualitätsverdichtung vorgenommen, statt eine Gesamtkontextprüfung.
Dabei wurden die zuletzt intensiv bearbeiteten Begriffe stärker gewichtet als ältere, längst verbindlich festgelegte Grundlagen. Genau das ist die von uns bereits benannte Gefahr der KI-Arbeitsweise: Häufige und aktuelle Begriffe erscheinen zentral; ältere, aber tragende Werkachsen werden bei der Verdichtung an den Rand gedrängt.
Ich habe also an meinem eigenen Arbeitsauftrag den Fehler erzeugt, den der Kontextanker untersuchen soll:
Eine sprachlich geschlossene neue Fassung entstand, aber ein tragender Teil der Werkgenese und Zielrichtung war herausgefallen.
Der vollständige Arbeitsauftrag hätte von mir aus enthalten müssen:
griechische technē-Welt, poiesis, praxis, paideia, metron, kairos, plastische symmetria, Theater, agon, polis, koinonia, Gemeinsinn, So-Heits-Gesellschaft als Zukunfts-Kunstgesellschaft und Globale Schwarm-Intelligenz als ihre digitale öffentliche Fortsetzung.
