Die letzten hundert Jahre als Zivilisationsverbrechen
Ich habe den Eindruck, dass die letzten hundert Jahre, sollte die Menschheit sie überleben, eines Tages als eine der schwersten Verfehlungen gegenüber der Menschheit und ihren Existenzbedingungen erkannt werden könnten. Es ist eine Zeit, in der sich das gesellschaftliche Handeln zunehmend auf Spaß, Ablenkung, Konsum und Gewinnmaximierung ausgerichtet hat.
Acht Milliarden Menschen leben auf diesem Planeten, ohne im Allgemeinen zu wissen, wodurch ihre eigene Existenz überhaupt ermöglicht und getragen wird. Sie wissen kaum, wovon sie als körperliche Organismen abhängig sind, welche Gesetzmäßigkeiten ihrem Leben vorausgehen und welche Folgen ihre Tätigkeiten für das Ganze haben. Umso genauer haben sie gelernt, wie man immer mehr bekommt, besitzt, verwertet und verbraucht.
Dahinter steht die Vorstellung, der Mensch könne tun, was er wolle, als verfüge er unabhängig über sich selbst und über den Planeten Erde. Dieses Als-ob-des-Tun-Könnens wird gegenseitig bestätigt und durch gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Loyalitäten abgesichert. Man unterstützt einander darin, die bestehenden Verhältnisse aufrechtzuerhalten, weil nahezu alle von ihnen profitieren wollen oder glauben, von ihnen abhängig zu sein.
Die unausgesprochene Devise lautet: Alles, was auf dem Planeten Erde vorhanden ist, steht dem Menschen zur Verfügung. Tiere, Pflanzen, Wasser, Böden, Rohstoffe, Landschaften und selbst andere Menschen erscheinen als nutzbare Bestände. Dabei wird verdrängt, dass der Mensch nichts davon selbst hervorgebracht hat und dass er als Organismus vollständig von den Bedingungen abhängig bleibt, die er behandelt, als wären sie sein Eigentum.
