E1 – Ebene physikalisch-chemischer Plexuswirklichkeit

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Ausführliche Fassung für Kontextanker v12.5

1. Status und Funktion von E1

E1 bezeichnet die erste Ebene der Tragwirklichkeit. Sie ist die Ebene, auf der noch kein Körper, kein Organismus, keine Zellmembran im biologischen Sinn, kein Ich, keine Wahrnehmung, keine Sprache, keine Bedeutung und keine symbolische Ordnung vorhanden sind. E1 ist nicht die Ebene des Lebens, sondern die Ebene jener physikalisch-chemischen Bedingungen, ohne die Leben später überhaupt nicht entstehen, sich erhalten oder verletzt werden könnte.

Diese erste Ebene darf deshalb nicht als bloße „Materie“ im einfachen Sinn verstanden werden. E1 ist keine tote Stoffsammlung, kein neutraler Hintergrund und kein passives Materiallager. Sie ist physikalisch-chemische Plexuswirklichkeit. Damit ist gemeint: Schon auf der untersten Ebene gibt es kein isoliertes Einzelnes, sondern bezogene Wirksamkeit. Masse wirkt in Feldern. Ladung wirkt in elektromagnetischen Verhältnissen. Temperatur verändert Reaktionsbedingungen. Druck setzt Flächen, Widerstände und Gegendruck voraus. Chemische Bindung entsteht nicht beliebig, sondern unter bestimmten Energie-, Ladungs-, Konzentrations- und Strukturbedingungen. Strömung entsteht durch Gefälle, Reibung, Druckdifferenz und Widerstand. Wirklichkeit ist also schon hier ein verflochtenes Abhängigkeitsgefüge.

E1 ist der Bereich, in den der Mensch eingreifen kann, dessen Gesetzlichkeit er aber nicht außer Kraft setzen kann. Der Mensch kann Stoffe bewegen, erhitzen, kühlen, spalten, mischen, beschleunigen, verdichten, vergiften, reinigen, isolieren, verbrennen oder technisch umformen. Aber er kann Gravitation, Trägheit, Energieerhaltung, thermodynamische Verluste, Reibung, Druckverhältnisse, chemische Bindungsbedingungen, Strömungsverhalten, Zerfall, Konzentrationsgefälle und Reaktionsbedingungen nicht beliebig aufheben. Genau darin liegt die Grundlage der späteren Abhängigkeitskonsequenzen. Der Mensch handelt in E1 hinein, aber E1 antwortet nicht nach menschlicher Absicht, sondern nach Tragwirklichkeit.

2. Die Urgrundlage von E1: bezogene Differenz im Maß

Die Urgrundlage von E1 ist bezogene Differenz im Maß. Damit werden zwei Bestimmungen verbunden: referenzbildende Naturverhältnisse und 51:49 als Differenz im Maß. Beide entstehen fast-gleichursprünglich. Sobald stabile Wechselwirkungsverhältnisse, Felder, Teilchen, Energiezustände und Gesetzlichkeiten unterscheidbar werden, erscheint Wirklichkeit nicht als isolierter Dingbestand, sondern als Verhältnis. Etwas wirkt nur, weil es in Bezug auf etwas anderes steht.

Referenzbildende Naturverhältnisse bedeuten: Masse wirkt in Bezug auf Gravitation, Ladung in Bezug auf elektromagnetische Wechselwirkung, Temperatur in Bezug auf Energiezustände, Druck in Bezug auf Fläche und Gegendruck, Strömung in Bezug auf Gefälle und Widerstand, Reaktion in Bezug auf Bindungsfähigkeit, Konzentration, Temperatur, Ladung und Energiezustand. Der Mensch hat dafür später Begriffe geschaffen: Gravitation, Trägheit, Kraft, Energie, Entropie, Druck, Gradient, Osmose, Kontraktion, Fließgleichgewicht, habitable Zone. Aber die Begriffe entstehen nicht zugleich mit den Verhältnissen. Die Begriffe sind menschliche Benennungen; die Verhältnisse selbst sind älter.

51:49 bezeichnet auf E1 noch keine moralische, anthropologische oder gesellschaftliche Figur. Auf E1 ist 51:49 die Vorform einer Grundbedingung: Es muss Differenz geben, damit Wirkung entsteht. Ohne Temperaturdifferenz kein Wärmestrom, ohne Druckdifferenz keine Strömung, ohne Ladungsdifferenz keine elektrische Spannung, ohne Konzentrationsunterschied keine Diffusion, ohne Dichteunterschied keine Bewegung, ohne Gefälle kein Fließen, ohne Symmetriebruch keine Richtung. Vollständiger 50:50-Ausgleich wäre hier die ideale Nullresultierende: keine Richtung, kein Gefälle, keine Bewegung, kein Werden.

Aber diese Differenz darf nicht maßlos sein. Eine zu starke Differenz kann nicht nur Wirkung, sondern auch Zerfall, Überhitzung, Explosion, Instabilität, Kollaps oder Kipppunkt erzeugen. Deshalb heißt 51:49 auf E1 nicht „Ungleichheit überhaupt“, sondern Differenz im Maß. Es ist die plastische Grundfigur dafür, dass Wirklichkeit weder im vollständigen Ausgleich erstarrt noch in extremer Asymmetrie zerfällt.

3. E1 als unverfügbare Traggrundlage

E1 ist für die Plastische Anthropologie deshalb entscheidend, weil hier die spätere menschliche Selbstüberschätzung korrigiert wird. Der Mensch kann E1 technisch bearbeiten, aber er kann E1 nicht in eine beliebige Symbolwelt verwandeln. Er kann eine Brücke bauen, aber nicht Tragkraft, Materialspannung, Schwerkraft und Ermüdung abschaffen. Er kann Landwirtschaft betreiben, aber nicht Bodenchemie, Wasserhaushalt, Temperatur, Nährstoffkreisläufe und Erosion ignorieren. Er kann Finanzmärkte schaffen, aber nicht Energiebedarf, Stoffverbrauch, Emissionen, Müll, Hitze, Druck, Transport, Materialverschleiß und ökologische Folgelasten aufheben.

Das ist der entscheidende Widerspruch der modernen Zivilisation: E3, also die symbolische Welt aus Markt, Eigentum, Technik, Geld, Wissenschaft, Recht und Planung, greift ständig in E1 ein, aber E1 bleibt E1. Wenn E3 die E1-Folgen ausblendet, entstehen Katastrophen nicht als moralische Strafe, sondern als Abhängigkeitskonsequenzen. Tätigkeitskonsequenzen sind Abhängigkeitskonsequenzen: Wer in physikalisch-chemische Plexuswirklichkeit eingreift, verändert Bedingungen, deren Folgen sich nicht nach Absicht, sondern nach Wirkungszusammenhängen entfalten.

4. E1.1 Stufe: Referenzbildende Naturverhältnisse

Die erste Stufe von E1 lautet: E1.1 Stufe: Referenzbildende Naturverhältnisse. Sie beschreibt noch keine Stoffe im gewöhnlichen Sinn und noch keine lebendige Form. Sie bezeichnet die Grundsituation, dass Wirkung nur in Bezug möglich ist. Es gibt kein isoliertes Wirken. Kraft, Feld, Energie, Ladung, Masse, Trägheit, Gravitation, Temperatur, Druck und Bewegung sind nur als Verhältnisse beschreibbar.

Diese Stufe bildet die tiefste Grundlage des Plexusgedankens. Schon hier zeigt sich, dass Wirklichkeit nicht aus vereinzelten Dingen besteht, die erst nachträglich in Beziehung treten. Vielmehr ist Beziehung selbst eine Grundform von Wirklichkeit. Das Dinghafte, das später als Körper, Gegenstand, Organismus oder Eigentum erscheint, ist schon auf E1 durch Bezugsverhältnisse vorbereitet: durch Felder, Kräfte, Energien, Dichten, Abstände, Richtungen, Ladungen und Bedingungen.

Für Kontextanker v12.5 ist diese Stufe deshalb wichtig, weil sie verhindert, dass E1 als Materialfundus missverstanden wird. E1 ist nicht Vorrat, sondern Verweisungsgefüge. Alles, was später lebt, empfindet, denkt, besitzt, bewertet oder handelt, steht bereits auf einer Grundlage, die aus referenzbildenden Naturverhältnissen besteht.

5. E1.2 Stufe: Bezogene Differenz im Maß

Die zweite Stufe lautet: E1.2 Stufe: Bezogene Differenz im Maß. Hier wird sichtbar, dass Referenz allein noch keine Bewegung erzeugt. Wirkung braucht Unterschied. Ein vollkommen ausgeglichener Zustand erzeugt keine Richtung. Erst Differenz bringt Bewegung, Spannung, Gefälle, Strömung, Reaktion und spätere Organisation hervor.

Diese Stufe ist die früheste Stelle, an der 51:49 sinnvoll angesetzt werden kann. Allerdings nicht als Zahl, nicht als physikalische Konstante und nicht als Behauptung, die Naturgesetze selbst hätten ein Zahlenverhältnis 51 zu 49. 51:49 ist hier eine plastische Maßfigur. Sie beschreibt, dass Wirklichkeit durch minimale, gesetzlich gebundene Abweichung wirksam wird. Die Differenz muss groß genug sein, um Wirkung zu erzeugen, aber sie darf nicht so groß werden, dass sie den Zusammenhang zerstört.

Damit wird 51:49 auf E1 zur Gegenfigur gegen zwei Fehlformen. Die eine Fehlform wäre 50:50 als tote Gleichstellung: vollständige Aufhebung, keine Richtung, keine Spannung, keine Reaktion. Die andere Fehlform wäre extreme Asymmetrie: Übersteuerung, Gewalt, Kollaps, Entbindung, Zerfall. Zwischen diesen beiden Fehlformen liegt die Differenz im Maß. Genau daraus entsteht die spätere Anschlussfähigkeit an E2: Dort wird Differenz im Maß zur lebendigen Regulation.

6. E1.3 Stufe: Stoffliche Differenzierung

Die dritte Stufe lautet: E1.3 Stufe: Stoffliche Differenzierung. Auf dieser Stufe wird die physikalische Bezugswirklichkeit stofflich unterscheidbarer. Teilchen, Atomkerne, Atome, Elemente, Ionen und spätere molekulare Grundformen bilden die Voraussetzung dafür, dass aus reiner Wechselwirkung eine chemisch differenzierte Welt werden kann.

Diese Stufe ist noch nicht Leben. Es gibt hier keine Zelle, keine Membran, keinen Stoffwechsel, keine Regeneration und kein Milieu im biologischen Sinn. Aber es entstehen stoffliche Träger von Masse, Ladung, Bindungsfähigkeit, Reaktionsmöglichkeit, Stabilität, Zerfall und Energiezustand. Dadurch wird die spätere Welt der Moleküle, Lösungen, Grenzflächen und Reaktionsräume möglich.

Für die spätere Beschreibung von Pflanzen, Tieren und Menschen ist diese Stufe unverzichtbar, weil sie die Illusion verhindert, Leben beginne plötzlich als Organismus. Organismus ist eine späte Verdichtung. Vorher liegen stoffliche Differenzierung und chemische Anschlussfähigkeit. Der Mensch als Kohlenstoffwesen ist deshalb nicht nur „Körper“, sondern ein späterer Ausdruck dieser stofflichen Differenzierungsgrundlage: Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Phosphor, Schwefel, Mineralien, Ionen und Spurenelemente sind nicht Beiwerk, sondern Bedingungen späterer Lebendigkeit.

7. E1.4 Stufe: Molekulare Verknüpfung

Die vierte Stufe lautet: E1.4 Stufe: Molekulare Verknüpfung. Hier verbinden sich Atome zu Molekülen, Salzen, Säuren, Basen, Wasser, Kohlenstoffverbindungen und komplexeren chemischen Strukturen. Aus stofflicher Differenzierung wird molekulare Beziehungsfähigkeit. Bindungsenergien, Ladungsverteilungen, Löslichkeiten, Stabilitätsbereiche, Zerfallsbedingungen und Reaktionsmöglichkeiten entstehen.

Diese Stufe ist für die spätere E2-Entwicklung besonders wichtig, weil die lebendige Grenze, die Zellmembran, der Stoffwechsel, Enzyme, DNA, Proteine, Zucker, Fette und Ionenverhältnisse nicht ohne molekulare Verknüpfung denkbar sind. Aber auf E1 bleibt diese Verknüpfung noch nicht lebendig. Molekulare Verknüpfung ist nicht automatisch Stoffwechsel. Chemische Reaktion ist nicht automatisch Selbsterhaltung. Eine Molekülstruktur ist nicht automatisch Organismus.

Hier muss die Sprache besonders sauber bleiben. Wenn von „Verknüpfung“ gesprochen wird, ist noch nicht „Gemeinschaft“ gemeint. Wenn von „Struktur“ gesprochen wird, ist noch nicht „Organismus“ gemeint. Wenn von „Grenzvoraussetzung“ gesprochen wird, ist noch nicht „Zellmembran“ gemeint. E1.4 schafft die chemische Möglichkeit späterer Lebendigkeit, aber noch nicht Lebendigkeit selbst.

8. E1.5 Stufe: Grenzflächen und Stoffzustände

Die fünfte Stufe lautet: E1.5 Stufe: Grenzflächen und Stoffzustände. Hier entstehen Oberflächen, Phasengrenzen, Tropfen, Bläschen, Schichten, Kristalle, Lösungen, Gase, Flüssigkeiten, Festkörper, Gele, Suspensionen und andere Materialzustände. Diese Stufe ist für die spätere Entstehung lebendiger Grenze zentral, weil Grenzen nicht erst biologisch auftreten. Bereits physikalisch-chemisch gibt es Grenzflächen, an denen sich Stoffe anders verhalten als in einem homogenen Gemisch.

Besonders wichtig ist Wasser. Wasser ist auf E1 noch kein Lebenssymbol, sondern physikalisch-chemisches Medium: Lösungsmittel, Reaktionsraum, Transportbedingung, Druckmedium, Temperaturpuffer, Phasenstoff, Bewegungsraum. Ohne Wasser oder vergleichbare Medien sind viele spätere Reaktions-, Lösungs-, Transport- und Grenzprozesse nicht denkbar.

Dennoch gilt: Eine Grenzfläche ist noch keine lebendige Grenze. Ein Tropfen ist noch keine Zelle. Ein Bläschen ist noch keine Membran im biologischen Sinn. Eine Oberfläche ist noch kein Innen-Außen-Verhältnis des Lebens. Aber hier entsteht die Voraussetzung dafür, dass später eine Grenze mehr leisten kann als Trennung. Sie kann zur regulierten Durchlässigkeit werden. Genau an dieser Stelle bereitet E1 die Schwelle zu E2 vor.

9. E1.6 Stufe: Gradienten, Potentiale und Reaktionsräume

Die sechste Stufe lautet: E1.6 Stufe: Gradienten, Potentiale und Reaktionsräume. Hier wird die Grundfigur der Differenz im Maß besonders deutlich. Konzentrationsunterschiede, Temperaturunterschiede, elektrische Potentiale, pH-Differenzen, Redoxpotentiale, Druckdifferenzen, Dichteunterschiede und chemische Gefälle erzeugen Richtungen. Sie ermöglichen Diffusion, Strömung, Reaktion, Ladungsausgleich, Wärmefluss, Stoffbewegung und spätere Regulationsformen.

Diese Stufe ist ein Schlüssel für die Verbindung von E1 und 51:49. Ein Gradient ist ein Unterschied, aber kein beliebiger Unterschied. Er ist eine gerichtete Differenz innerhalb eines Feldes, Mediums oder Stoffzusammenhangs. Wird der Gradient vollständig ausgeglichen, verliert er seine Wirksamkeit. Wird er zu stark, kann er zerstörerisch werden. In diesem Sinn ist der Gradient eine E1-Vorform dessen, was auf E2 als lebendige Regulation erscheint.

Reaktionsräume entstehen dort, wo Moleküle, Grenzflächen, Stoffzustände, Wasser, Temperatur, Druck und Gradienten so zusammentreffen, dass bestimmte chemische Prozesse möglich werden. Auch hier gilt: Ein Reaktionsraum ist noch kein Organismus. Aber er ist mehr als ein ungeordnetes Nebeneinander. Er ist eine Bedingungskonfiguration, in der bestimmte Vorgänge wahrscheinlicher, stabiler oder wiederholbarer werden.

10. E1.7 Stufe: Reaktion, Umwandlung und Selbstorganisation

Die siebte Stufe lautet: E1.7 Stufe: Reaktion, Umwandlung und Selbstorganisation. Hier geht es um chemische Reaktionen, Bindung und Spaltung, Oxidation und Reduktion, Säure-Basen-Verhältnisse, Energieaufnahme, Energieabgabe, Katalyse, Wärme, Zerfall und Neubildung. Auf dieser Stufe wird sichtbar, dass E1 nicht einfach Bestand ist, sondern Umwandlung.

Wichtig ist die genaue Unterscheidung zwischen Reaktion und Stoffwechsel. Auf E1 gibt es Reaktionen. Auf E2 gibt es Stoffwechsel. Reaktion bedeutet: Stoffe verändern sich unter bestimmten Bedingungen. Stoffwechsel bedeutet: Reaktionen werden in einen lebendigen Selbsterhaltungszusammenhang eingebunden. Diese Unterscheidung darf nicht verwischt werden, weil sonst E2 zu früh beginnt.

Zugleich kann auf E1 Selbstorganisation auftreten. Strömungsmuster, Wirbel, Kristallisation, Phasentrennung, Schichtung, Reaktions-Diffusions-Muster und andere Ordnungsmuster können entstehen, ohne dass Leben oder Bewusstsein beteiligt ist. Damit wird eine wichtige Einsicht gewonnen: Ordnung ist nicht erst ein Produkt von Leben, Geist oder Kultur. Schon E1 kennt Ordnung aus Bedingungen. Aber diese Ordnung ist noch nicht Zweck, noch nicht Organismus, noch nicht Regulation im lebendigen Sinn. Sie ist physikalisch-chemische Selbstorganisation.

11. E1.8 Stufe: Kompartiment-Voraussetzungen

Die achte Stufe lautet: E1.8 Stufe: Kompartiment-Voraussetzungen. Sie ist die höchste E1-Stufe und liegt unmittelbar vor der Schwelle zu E2. Hier verdichten sich Grenzflächen, molekulare Verknüpfungen, Wasser, Gradienten, Reaktionsräume, Stoffzustände und semipermeable Strukturen so, dass abgegrenzte Reaktionsräume möglich werden. Es entstehen Bläschen, Tropfen, Schichten, Konzentrationsräume und Austauschzonen, die eine spätere lebendige Grenzbildung vorbereiten können.

Diese Stufe ist besonders heikel, weil man hier leicht zu früh von Leben spricht. Deshalb muss klar bleiben: Kompartiment-Voraussetzungen sind noch keine Zelle. Sie sind noch keine Zellmembran im biologischen Sinn, noch kein Stoffwechsel, noch keine Selbsterhaltung, noch keine Reproduktion, noch kein Organismus. Aber sie bilden eine physikalisch-chemische Möglichkeit, aus der an der Schwelle E1/E2 eine lebendige Grenze hervorgehen kann.

E1.8 ist damit kein Abschluss im Sinn einer fertigen Form. Es ist eine Schwellenverdichtung. Das Physikalisch-Chemische wird so geordnet, dass das Lebendige möglich wird, ohne dass es schon wirklich lebendig ist.

12. Die Doppelhelix-Figur innerhalb von E1

Die Doppelhelix-Figur kann in E1 aufgenommen werden, muss aber vorsichtig bestimmt werden. Sie darf nicht als biologische DNA verstanden werden und nicht als physikalisch bewiesene kosmische Grundstruktur. Sie ist eine plastische Strukturfigur. Sie beschreibt zwei unterschiedliche Spiralen mit unterschiedlicher Richtung, die sich verschränken.

Die eine Spirale steht für Referenzbildung: Bezug, Feld, Verhältnis, Gesetzlichkeit, Bindung, Stabilisierung. Die andere Spirale steht für Differenzbildung: Abweichung, Gefälle, Potential, Spannung, Richtung, Störung, Veränderung. In ihrem Kern arbeitet 51:49 als maßgebundene Differenz. Das heißt: Diese beiden Bewegungsrichtungen fallen nicht in tote Gleichheit zusammen und laufen nicht maßlos auseinander. Sie bleiben in einem Wirkungsverhältnis, in dem Ausdehnung und Kontraktion, Verdichtung und Entspannung, Rotation und Strömung, Bindung und Lösung, Stabilisierung und Störung möglich werden.

Diese Figur ist wichtig, weil sie den Plexusgedanken anschaulich macht. Wirklichkeit ist nicht linear aufgebaut. Sie entsteht nicht als einfache Kette von Ursache und Wirkung. Vielmehr überlagern sich Referenzsysteme: Gravitation, Trägheit, Druck, Temperatur, chemische Bindung, Ladung, Energiezustand, Grenzfläche, Gradient, Reaktion. Diese Überlagerungen bilden Bewegungsmuster. Die Doppelhelix ist dafür ein Bild: zwei verschränkte Bewegungen, deren Kern nicht Identität, sondern Differenz im Maß ist.

13. Naturgesetzliches Register von E1

E1 braucht zusätzlich ein einfaches naturgesetzliches Register. Dieses Register soll nicht die gesamte Physik erklären, sondern die wichtigsten unverfügbaren Tragbedingungen benennen, in denen spätere Lebens-, Symbol- und Gesellschaftsformen stehen.

Gravitation beschreibt Masse-, Fall-, Gewichts-, Verdichtungs- und Bahnverhältnisse. Trägheit beschreibt, dass Masse ihren Bewegungszustand nicht beliebig ändert. Kraft und Gegenkraft beschreiben, dass Einwirkung nicht folgenlos bleibt. Energieerhaltung beschreibt, dass Energie nicht aus dem Nichts entsteht und nicht einfach verschwindet, sondern umgewandelt wird. Thermodynamik beschreibt Wärme, Verlust, Entropie, Reibung, Ausgleichstendenzen und Zerfall. Druck, Gefälle und Strömung beschreiben Bewegung entlang von Differenzen, Widerständen und Reibungen. Chemische Bindung und Reaktion beschreiben, dass Stoffe nur unter bestimmten Bedingungen binden, lösen, reagieren oder zerfallen. Grenzflächen und Phasenübergänge beschreiben, dass Stoffzustände und Übergänge an Temperatur, Druck, Dichte, Ladung, Material und Energiezustand gebunden bleiben.

Dieses Register zeigt, warum E1 unverfügbar bleibt. Der Mensch kann mit Naturgesetzen arbeiten, aber nicht außerhalb von ihnen handeln. Technik ist deshalb keine Überwindung von E1, sondern Arbeit innerhalb von E1. Wird das vergessen, entsteht Skulpturidentität auf zivilisatorischer Ebene: Der Mensch glaubt, seine symbolischen Modelle, Rechte, Märkte, Maschinen und Begriffe könnten die physikalisch-chemische Traggrundlage ersetzen.

14. Schwelle E1/E2: Von Reaktion zu Selbsterhaltung

Die Schwelle von E1 zu E2 ist der Übergang von physikalisch-chemischer Reaktion zu lebendiger Selbsterhaltung. Diese Schwelle ist erreicht, wenn Grenzflächen, molekulare Verknüpfungen, Gradienten, Reaktionsräume und Kompartiment-Voraussetzungen nicht mehr nur nebeneinander bestehen, sondern in einen Zusammenhang treten, der sich selbst erhält, reguliert, erneuert und gegen Auflösung stabilisiert.

Dann wird aus Grenzfläche lebendige Grenze. Aus Reaktion wird Stoffwechsel. Aus Gradient wird Regulation. Aus Kompartiment-Voraussetzung wird ein regulierter Austauschraum. Aus Differenz im Maß wird lebendige 51:49-Regulation.

Diese Schwelle darf nicht als plötzlicher magischer Sprung verstanden werden. Sie ist ein Übergang, in dem E1-Bedingungen in E2-Funktionen übergehen. Aber sie ist auch keine bloße Fortsetzung. Leben ist nicht nur kompliziertere Chemie. Leben ist Chemie in Selbsterhaltung, Regulation, Reparatur, Milieuabhängigkeit und Fortsetzung. Genau deshalb beginnt E2 erst dort, wo Reaktionen nicht mehr nur ablaufen, sondern in einem sich erhaltenden Plexus gebunden werden.

15. Komprimierte E1-Fassung für v12.5

E1 ist die Ebene physikalisch-chemischer Plexuswirklichkeit. Sie beginnt nicht mit Körper, Organismus, Zellmembran oder Ich, sondern mit referenzbildenden Naturverhältnissen. Ihre Urgrundlage ist bezogene Differenz im Maß: Referenzverhältnis und 51:49 entstehen fast-gleichursprünglich als Bedingung dafür, dass Naturgesetzlichkeit überhaupt als Wirkung, Richtung, Bindung, Reaktion, Strömung und spätere Regulation erscheinen kann. Aus dieser Urgrundlage entfalten sich stoffliche Differenzierung, molekulare Verknüpfung, Grenzflächen und Stoffzustände, Gradienten, Potentiale, Reaktionsräume, Umwandlungen, Selbstorganisation und Kompartiment-Voraussetzungen. Der Mensch kann in diese Ebene eingreifen, aber er kann ihre Gesetzlichkeit nicht außer Kraft setzen. Genau daraus entstehen Abhängigkeitskonsequenzen: Wer in E1 handelt, verändert die physikalisch-chemischen Bedingungen, von denen E2, E3 und E4 abhängen.

16. Kernsatz zu E1

E1 ist die unverfügbare physikalisch-chemische Traggrundlage der Plastischen Anthropologie 51:49. Sie zeigt Wirklichkeit als bezogene Differenz im Maß: Nichts wirkt isoliert, alles steht in Feldern, Kräften, Stoffzuständen, Gradienten, Bindungen, Reaktionen und Grenzen. 51:49 erscheint hier als Vorform tragwirklicher Differenz; erst an der Schwelle zu E2 wird daraus lebendige Regulation.