E2 – Ebene lebendiger Plexuswirklichkeit-Überarbeitete Gesamtfassung

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alter text: E2 – Ebene lebendiger Plexuswirklichkeit

ich schreibe E2 jetzt als bereinigte Gesamtfassung neu: die biologische Stufenfolge bleibt erhalten, aber der künstlerisch-plastische Kern des Menschen wird verbindlich in E2 eingezogen.

E2 – Ebene lebendiger Plexuswirklichkeit

Überarbeitete Gesamtfassung für Kontextanker v12.5 mit künstlerisch-plastischer Ergänzung

1. Status und Funktion von E2

E2 bezeichnet die zweite Ebene der Tragwirklichkeit. Sie ist die Ebene, auf der die physikalisch-chemische Plexuswirklichkeit von E1 in lebendige Plexuswirklichkeit übergeht. Auf E1 gibt es referenzbildende Naturverhältnisse, stoffliche Differenzierung, molekulare Verknüpfungen, Grenzflächen, Gradienten, Potentiale, Reaktionsräume, Umwandlungen, Selbstorganisation und Kompartiment-Voraussetzungen. Aber es gibt dort noch keinen Organismus, keinen Körper im lebendigen Sinn, keine Zellmembran als regulierte Lebensgrenze, keine Selbsterhaltung, keine Regeneration, keinen Schmerz, kein Milieuverhalten, kein Ich und keine Kunstfähigkeit.

E2 beginnt dort, wo diese physikalisch-chemischen Voraussetzungen nicht mehr nur nebeneinander bestehen oder reagieren, sondern in einen Selbsterhaltungszusammenhang eintreten. Das ist der entscheidende Übergang: Auf E1 gibt es Reaktion; auf E2 gibt es Stoffwechsel. Auf E1 gibt es Grenzflächen; auf E2 gibt es lebendige Grenze. Auf E1 gibt es Gradienten; auf E2 gibt es regulierte Gradienten. Auf E1 gibt es molekulare Verknüpfung; auf E2 entsteht eine lebendige Ordnung, die sich erhält, reguliert, erneuert, verletzt werden kann und auf Störung antwortet.

E2 ist deshalb nicht einfach „Biologie“ als Fachgebiet, sondern die Ebene der lebendigen Tragwirklichkeit. Sie beschreibt, wie aus physikalisch-chemischen Bedingungen ein Lebensplexus entsteht: Grenze, Stoffwechsel, Energiefluss, Regulation, Reparatur, Reproduktion, Zelle, Gewebe, Organe, Körperorganisation, Reizbarkeit, Betroffenheit, Lernen, Milieubindung und beim Menschen schließlich ein plastisches Ich-Bewusstsein als leibliches Referenzsystem.

Wichtig ist: E2 beginnt nicht mit dem fertigen Körper. Der Körper ist eine spätere Verdichtung. E2 beginnt auch nicht mit dem Organismus als fertigem Ding. Organismus entsteht erst durch Stufen: lebendige Grenze, Stoffwechsel, Regulation, Reparatur, Zelle, Zellverbindung, Gewebe, Funktionskreise und integrierte Körperorganisation. Erst danach wird sinnvoll von einem Tierkörper, einer Pflanzengestalt oder einem menschlichen Leib gesprochen.

Für v12.5 muss E2 zugleich weiter gefasst werden: Beim Menschen ist E2 nicht nur die Ebene von Organismus, Körperorganisation und plastischem Ich-Bewusstsein, sondern auch die leibliche Grundlage dafür, dass der Mensch Künstler und Kunstwerk werden kann. Diese künstlerische Dimension beginnt nicht erst auf E3, wo Kunst benannt, symbolisiert, institutionalisiert oder vermarktet wird. Sie beginnt tiefer: in der menschlichen Formoffenheit, Nachstabilisierungsbedürftigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit, Handlungsfähigkeit, Verletzbarkeit, Übungsfähigkeit und Rückkopplungsoffenheit.

Der Mensch ist auf E2 noch kein Künstler im kulturellen oder beruflichen Sinn. Aber er ist bereits ein künstlerisch angelegtes Wesen, weil er nicht fertig ist. Er muss seine Form leiblich mitbilden: greifen, stehen, gehen, sprechen, hören, sehen, tasten, unterscheiden, üben, scheitern, korrigieren, sich stabilisieren, mit Widerstand umgehen und sich in einem Milieu orientieren. In diesem Sinn ist der Mensch auf E2 bereits ein künstlerisch-plastisches Kunstwerk im Werden: nicht als fertige Skulptur, sondern als lebendiger Werkprozess.

2. Schwelle E1/E2: Von Reaktion zu Selbsterhaltung

Die Schwelle zwischen E1 und E2 ist die Schwelle von physikalisch-chemischer Reaktion zu lebendiger Selbsterhaltung. Diese Schwelle ist erreicht, wenn E1-Voraussetzungen so zusammenwirken, dass ein Zusammenhang entsteht, der nicht nur reagiert, sondern sich erhält, reguliert, erneuert und gegenüber Auflösung stabilisiert.

Aus Grenzfläche wird lebendige Grenze. Aus Reaktion wird Stoffwechsel. Aus Gradient wird Regulation. Aus Kompartiment-Voraussetzung wird ein regulierter Austauschraum. Aus Differenz im Maß wird lebendige 51:49-Regulation.

Diese Schwelle darf weder zu früh noch zu spät gesetzt werden. Zu früh wäre es, bereits jede chemische Reaktion oder jedes Bläschen als Leben zu bezeichnen. Zu spät wäre es, Leben erst beim fertigen Organismus oder beim bewussten Tier anzusetzen. E2 beginnt tiefer: dort, wo eine Grenze nicht nur trennt, sondern Austausch reguliert; wo chemische Reaktionen in Selbsterhaltung eingebunden werden; wo Energiefluss, Stoffwechsel, Reparatur und Stabilisierung zusammenwirken.

Damit wird E2 als Übergang verständlich: Sie ist keine Ablösung von E1, sondern eine neue Organisationsform innerhalb von E1-Bedingungen. Leben verlässt die physikalisch-chemische Tragwirklichkeit nicht. Es bindet sie in Selbsterhaltung, Regulation, Fortsetzung und Verletzbarkeit ein.

Für den Menschen bedeutet diese Schwelle später: Auch seine Kunstfähigkeit verlässt E1 und E2 nicht. Jede künstlerische Tätigkeit bleibt auf Körper, Hand, Auge, Atem, Material, Druck, Kraft, Grenze, Zeit, Ermüdung, Wahrnehmung und Widerstand angewiesen. Kunst beginnt nicht als bloßes Symbol, sondern als leibliche Bearbeitung von Wirklichkeit im Maß.

3. E2 als lebendige 51:49-Regulation

Auf E1 erscheint 51:49 als Differenz im Maß. Auf E2 wird daraus lebendige Regulation. Leben ist nicht 50:50-Stillstand. Ein lebendes System bleibt nicht dadurch erhalten, dass alles vollständig ausgeglichen ist. Vollständiger Ausgleich wäre in vielen Fällen das Ende von Spannung, Stoffwechsel, Gradient und Bewegung. Leben braucht Differenz: innen und außen, Aufnahme und Abgabe, Aufbau und Abbau, Reiz und Antwort, Spannung und Entspannung, Belastung und Regeneration, Öffnung und Schließung.

Aber diese Differenz muss im Maß bleiben. Zu wenig Differenz bedeutet Funktionsverlust; zu viel Differenz bedeutet Überlast, Stress, Krankheit, Zerfall oder Tod. Genau darin liegt die lebendige Gestalt von 51:49. Es ist kein Zahlenverhältnis in der Zelle, sondern die Maßfigur dafür, dass lebendige Systeme durch regulierte Abweichung tragfähig bleiben.

E2 ist deshalb homöodynamisch zu denken. Leben ist nicht statische Homöostase im Sinn eines eingefrorenen Gleichgewichts. Leben ist regulierte Veränderung. Es erhält sich durch Abweichung, Antwort, Korrektur, Anpassung, Reparatur und Rückkehrfähigkeit. Es bleibt nicht identisch, sondern bleibt tragfähig, indem es sich im Maß verändert.

Für den Menschen wird diese homöodynamische Struktur zur Grundlage der Kunstfähigkeit. Kunst entsteht nicht aus starrem Gleichgewicht, sondern aus Abweichung, Spannung, Widerstand, Korrektur und Formfindung. Der Mensch kann nur künstlerisch-plastisch werden, weil sein leibliches System nicht fertig, sondern lern-, störungs-, übungs- und korrigierfähig ist.

4. E2.1 Stufe: Molekulare Grenzverknüpfung / lebendige Grenze

Die erste Stufe von E2 lautet: E2.1 Stufe: Molekulare Grenzverknüpfung / lebendige Grenze. Diese Stufe ist die unterste lebendige Stufe. Sie ist noch kein fertiger Körper und noch kein Organismus im ausgearbeiteten Sinn. Sie bezeichnet den Punkt, an dem eine physikalisch-chemische Grenzfläche zu einer lebendigen Grenze wird.

Diese Grenze darf nicht als Wand, Hülle oder starre Trennung verstanden werden. Sie ist regulierte Durchlässigkeit. Sie trennt nicht einfach, sondern vermittelt. Sie hält bestimmte Konzentrationen, ermöglicht Austausch, schützt gegen Auflösung, lässt Stoffe hinein und hinaus, trägt Ladungs- und Konzentrationsunterschiede, ermöglicht Energieflüsse und bereitet Stoffwechsel vor.

„Innen“ und „Außen“ sind hier zunächst Orientierungsbegriffe. Sie bezeichnen keine absoluten Räume, sondern ein entstehendes Lebensverhältnis. Innen ist das, was durch eine Grenze relativ stabilisiert wird. Außen ist das Austauschfeld, von dem dieses Innen abhängig bleibt. Innen und Außen sind also keine Gegensätze im skulpturalen Sinn, sondern eine regulierte Differenz im Maß.

Die Zellmembran gehört genau hierher, aber nur wenn sie nicht als bloße Lipidfläche verstanden wird. Eine Zellmembran ist lebendig relevant, weil sie Durchlässigkeit reguliert, Konzentrationsunterschiede hält, Signalvorgänge ermöglicht, Stoffwechsel trägt und die Zelle gegenüber Auflösung stabilisiert. Sie ist die erste konkrete Form lebendiger 51:49-Regulation: offen genug für Austausch, geschlossen genug für Selbsterhaltung.

Der Kernsatz lautet: E2 beginnt mit lebendiger Grenze: nicht als starre Trennung, sondern als molekulare Grenzverknüpfung, in der Durchlässigkeit, Austausch, Stabilisierung und Selbsterhaltung im Maß reguliert werden.

5. E2.2 Stufe: Stoffwechsel

Die zweite Stufe lautet: E2.2 Stufe: Stoffwechsel. Stoffwechsel ist der erste große Unterschied zwischen bloßer chemischer Reaktion und Leben. Chemische Reaktionen können auf E1 ablaufen. Stoffwechsel entsteht erst, wenn solche Reaktionen in einen Zusammenhang treten, der Selbsterhaltung ermöglicht.

Stoffwechsel bedeutet: Stoffe werden aufgenommen, umgewandelt, eingebaut, abgebaut, ausgeschieden. Energie wird gewonnen, gespeichert, übertragen, verbraucht und in Formprozesse eingebunden. Zerfall wird nicht aufgehoben, aber aufgeschoben und reguliert. Leben ist deshalb keine Überwindung der physikalisch-chemischen Wirklichkeit, sondern eine dynamische Ordnung innerhalb ihrer Bedingungen.

Stoffwechsel braucht Grenze. Ohne Grenze zerfließt der Stoffwechsel in Umgebung. Grenze braucht Stoffwechsel. Ohne Stoffwechsel bleibt sie passive Hülle. Erst das Zusammenspiel von Grenze und Stoffwechsel erzeugt einen lebendigen Plexus.

Bei Pflanzen zeigt sich Stoffwechsel später als Photosynthese, Wasseraufnahme, Mineralstoffaufnahme, Zuckerbildung, Stofftransport, Wachstum und Abwehr. Bei Tieren zeigt er sich als Atmung, Verdauung, Kreislauf, Ausscheidung, Wärmehaushalt, Bewegung und Gewebeversorgung. Beim Menschen bleibt all dies die leibliche Unterlage jeder späteren Ich-, Sprach-, Eigentums-, Symbol- und Kunstbildung.

Gerade für den künstlerischen Ansatz ist das wichtig: Der Mensch kann nicht außerhalb seines Stoffwechsels Künstler sein. Atem, Kraft, Erschöpfung, Hunger, Schlaf, Wahrnehmung, Konzentration, Handbewegung, Muskelspannung und Regeneration gehören zur Werkgrundlage. Kunst ist nicht körperloser Geist, sondern Stoffwechsel in Formarbeit.

Der Kernsatz lautet: Stoffwechsel ist Reaktion in Selbsterhaltung. Erst dort, wo Aufnahme, Umwandlung, Aufbau, Abbau, Ausscheidung und Energiefluss in einem sich erhaltenden Zusammenhang stehen, beginnt lebendige Plexuswirklichkeit.

6. E2.3 Stufe: Homöodynamische Regulation

Die dritte Stufe lautet: E2.3 Stufe: Homöodynamische Regulation. Leben kann nicht einfach Stoffe aufnehmen und umwandeln. Es muss seine inneren Bedingungen in Toleranzbereichen halten. Wasser, Ionen, Temperatur, pH-Wert, Druck, Zellspannung, Sauerstoff, Kohlendioxid, Zucker, Hormone, elektrische Potentiale und chemische Konzentrationen dürfen weder beliebig auseinanderlaufen noch vollständig ausgleichen.

Diese Stufe ist entscheidend für das Verständnis von 51:49. Lebendige Systeme funktionieren nicht durch tote Gleichheit. Sie funktionieren durch geregelte Abweichung. Ein Organismus bleibt stabil, weil er Differenzen erkennt, verarbeitet und im Maß korrigiert. Er hält nicht starre Symmetrie, sondern dynamische Tragfähigkeit.

Der Begriff Homöostase ist hier nützlich, aber nur, wenn er nicht als Stillstand missverstanden wird. Deshalb ist Homöodynamik für v12.5 präziser. Leben ist Stabilität durch Bewegung, Austausch, Fluss, Anpassung und Rückkopplung. Es bleibt nicht gleich, sondern bleibt innerhalb eines Funktionskorridors. Wird dieser Korridor verlassen, entstehen Störung, Stress, Krankheit, Kollaps oder Tod.

Bei Pflanzen zeigt sich homöodynamische Regulation etwa in Wasserhaushalt, Spaltöffnungen, Zellspannung, Lichtreaktion, Wachstumsrichtung und Abwehr. Bei Tieren und Menschen kommen Kreislauf, Atmung, Nervensystem, Hormone, Temperaturregulation, Stressregulation und innere Zustandswahrnehmung hinzu.

Für die Kunstfähigkeit des Menschen ist diese Stufe grundlegend. Übung, Wahrnehmung, Materialkontakt und Gestaltung setzen regulierte leibliche Zustände voraus. Wer arbeitet, formt nicht nur Material, sondern reguliert auch sich selbst: Atem, Druck, Tempo, Aufmerksamkeit, Muskelspannung, Ermüdung, Geduld, Rhythmus, Konzentration. Der menschliche Werkprozess ist deshalb bereits auf E2 homöodynamisch.

Der Kernsatz lautet: E2.3 zeigt Leben als regulierte Abweichung im Maß: Nicht Gleichstand trägt, sondern die Fähigkeit, Störungen wahrzunehmen, zu verarbeiten und zurückzuführen.

7. E2.4 Stufe: Reparatur, Regeneration und Reproduktion

Die vierte Stufe lautet: E2.4 Stufe: Reparatur, Regeneration und Reproduktion. Leben zeigt sich nicht nur darin, dass ein System funktioniert, sondern darin, dass es Störungen beantworten kann. Es kann Schäden begrenzen, Strukturen erneuern, Wachstumsprozesse auslösen, Wunden schließen, abgestorbene Teile ersetzen, sich teilen, fortpflanzen, altern und sterben.

Reparatur und Regeneration zeigen, dass E2 keine unverletzliche Ordnung ist. Leben ist verletzbar. Aber es ist nicht nur passiv verletzbar, sondern auch reparaturfähig. Diese Reparaturfähigkeit ist ein Grundbegriff der Plastischen Anthropologie, weil sie später auf E4 übertragen wird: Auch Gesellschaften, Begriffe, Institutionen, Kunstwerke und Selbstbilder müssen reparaturfähig bleiben.

Reproduktion gehört in diese Stufe, weil Leben nicht nur individuelle Selbsterhaltung ist, sondern Fortsetzung über die einzelne Lebensform hinaus. Bei Pflanzen zeigt sich dies in Wachstum, Samenbildung, vegetativer Vermehrung, Regeneration, Blüte und Frucht. Bei Tieren in Fortpflanzung, Brutpflege, Entwicklung, Geburt, Wachstum und Weitergabe. Beim Menschen wird diese biologische Fortsetzung später symbolisch überformt: Familie, Erbe, Name, Werk, Geschichte, Verantwortung, Zukunft.

Teleonomie wird hier besonders sichtbar. Pflanzen und Tiere verfolgen keine symbolische Zielmanifestation, aber ihre Prozesse erscheinen zielähnlich: Wachstum zum Licht, Wundheilung, Flucht vor Gefahr, Nahrungssuche, Brutpflege, Fortpflanzung. Diese Zielähnlichkeit ist nicht skulpturale Entelechie, sondern biologische Passungsdynamik.

Für den Menschen gewinnt diese Stufe zusätzlich eine künstlerische Bedeutung. Reparatur ist nicht nur biologisch, sondern wird zur Grundform des Werkprozesses: korrigieren, nacharbeiten, neu ansetzen, Fehler lesen, beschädigte Form prüfen, Widerstand aufnehmen, Verformung verstehen. Der Künstler entsteht nicht als fehlerloses Wesen, sondern als Wesen, das Störung und Scheitern in Formfindung überführen kann.

Der Kernsatz lautet: E2.4 zeigt Leben als verletzbare und reparaturfähige Selbsterhaltung: Nicht Unverletzlichkeit, sondern Regeneration im Maß ist das Zeichen lebendiger Tragfähigkeit.

8. E2.5 Stufe: Zelle als Minimalplexus

Die fünfte Stufe lautet: E2.5 Stufe: Zelle als Minimalplexus. Erst nach Grenze, Stoffwechsel, Regulation und Reparatur kann die Zelle als erste verdichtete Lebensgestalt verstanden werden. Die Zelle ist kein kleines Ding im einfachen Sinn. Sie ist ein lebendiger Minimalplexus aus Membran, Stoffwechsel, Energiefluss, genetischer Information, Enzymen, Reparatur, Teilung, Milieuabhängigkeit und Regulation.

Bei Einzellern ist die Zelle bereits Organismus. Bei Pflanzen, Tieren und Menschen ist sie zugleich elementare Lebenseinheit und Baustein höherer Lebensformen. Damit wird deutlich: Organismus beginnt nicht als äußere Körperform, sondern als integrierter Selbsterhaltungszusammenhang.

Die Zelle ist die erste deutliche E2-Gestalt, in der E1-Bedingungen dauerhaft in Lebensfunktion gebunden werden. Moleküle, Gradienten, Membran, Energie und Reaktion sind nicht mehr nur chemische Möglichkeiten, sondern werden in Selbsterhaltung organisiert.

Für den künstlerischen Ansatz ist die Zelle nicht als Kunstsymbol wichtig, sondern als Minimalmodell von Formbildung: Grenze, Austausch, Regulation, Reparatur und Milieubindung. Jede spätere menschliche Werkform bleibt auf diese elementare Logik angewiesen. Auch das Kunstwerk entsteht nicht als isolierter Block, sondern durch Grenze, Austausch, Material, Energie, Zeit, Bearbeitung und Rückkopplung.

Der Kernsatz lautet: Die Zelle ist der erste Minimalplexus des Lebens: eine regulierte Einheit aus Grenze, Stoffwechsel, Energiefluss, Information, Reparatur, Teilung und Milieuabhängigkeit.

9. E2.6 Stufe: Zellverbindung, Gewebe und Tragemergenz

Die sechste Stufe lautet: E2.6 Stufe: Zellverbindung, Gewebe und Tragemergenz. Bei mehrzelligen Lebewesen verbinden sich Zellen, differenzieren sich, spezialisieren sich und bilden Gewebe. Hier entsteht eine neue Qualität: Das Ganze ist nicht mehr bloße Zellmenge. Gewebe entsteht aus Verbindung, Funktionsteilung, Kommunikation, Abhängigkeit und gemeinsamer Tragfähigkeit.

Hier kommt der Begriff Tragemergenz ins Spiel. Tragemergenz bezeichnet eine emergente Tragfähigkeit, die aus Verbindung entsteht. Ein Gewebe trägt anders als eine einzelne Zelle. Es kann schützen, leiten, stützen, kontrahieren, transportieren, speichern oder wahrnehmen. Diese Fähigkeit liegt nicht einfach in der Summe der Zellen, sondern in ihrer geordneten Verbindung.

Bei Pflanzen entstehen Abschlussgewebe, Leitgewebe, Festigungsgewebe, Grundgewebe und Bildungsgewebe. Bei Tieren entstehen Epithelgewebe, Bindegewebe, Muskelgewebe, Nervengewebe, Blut, Hautschichten und Stützgewebe. In beiden Fällen wird deutlich: Leben wird komplexer nicht durch bloße Anhäufung, sondern durch organisierte Bindung im Maß.

Diese Stufe ist für das spätere Kunstverständnis bedeutsam, weil sie zeigt: Form entsteht nicht durch isolierte Teile, sondern durch tragfähige Verbindung. Ein Werk ist nicht Material plus Idee. Ein Mensch ist nicht Körper plus Geist. Eine Gesellschaft ist nicht Summe von Einzelnen. Tragfähigkeit entsteht durch gebundene Verhältnisse, nicht durch bloße Addition.

Der Kernsatz lautet: Gewebe ist keine Zellmasse, sondern lebendige Bindung im Maß; aus Zellverbindung entsteht Tragemergenz.

10. E2.7 Stufe: Organe und Funktionskreise

Die siebte Stufe lautet: E2.7 Stufe: Organe und Funktionskreise. Aus Geweben entstehen Organe und Funktionskreise. Hier wird Organismus deutlicher sichtbar, aber noch immer nicht als isoliertes Ding, sondern als integrierter Lebensplexus.

Bei Pflanzen gehören hierzu Wurzel, Sprossachse, Blatt, Blüte, Frucht, Samen, Leitbahnen, Wassertransport, Photosynthese, Zuckertransport, Festigung, Wachstum, Abwehr und Fortpflanzung. Bei Tieren gehören Atmung, Kreislauf, Verdauung, Ausscheidung, Immunreaktion, Bewegung, Sinnesorgane, Hormonsystem, Nervensystem und Fortpflanzung hinzu.

Ein Organ ist nie nur ein Teil. Es ist ein Knotenpunkt im Funktionszusammenhang. Eine Wurzel ist nicht nur Wurzel, sondern Wasseraufnahme, Halt, Austausch mit Boden, Symbiose, Nährstofferschließung und Orientierung nach unten. Ein Herz ist nicht nur Pumpe, sondern eingebunden in Blut, Sauerstoff, Druck, Nervensystem, Hormone, Stoffwechsel und Belastung. Ein Blatt ist nicht nur Fläche, sondern Lichtaufnahme, Verdunstung, Gasaustausch, Zuckerbildung, Temperatur- und Wasserhaushalt.

Organismus entsteht dort, wo solche Funktionskreise so verbunden sind, dass sie ein gemeinsames Selbsterhaltungsgefüge bilden. Kein Organ trägt sich allein. Kein Funktionskreis ist vollständig unabhängig. Der Organismus ist ein reguliertes Abhängigkeitsgefüge.

Für den Menschen ist dies die Grundlage seiner Werkfähigkeit. Die Hand ist nicht nur Hand. Sie ist Muskel, Knochen, Nerv, Haut, Tastsinn, Auge-Hand-Koordination, Gedächtnis, Druckdosierung, Werkzeugführung und Materialkontakt. Das Auge ist nicht nur Sehorgan. Es ist Orientierung, Unterscheidung, Formwahrnehmung, Tiefenbezug, Farbverhältnis und Prüfung. Der künstlerische Akt ist deshalb kein geistiger Zusatz, sondern eine Verdichtung von Funktionskreisen.

Der Kernsatz lautet: Organismus entsteht nicht als Ding, sondern als Integration lebendiger Funktionskreise in einem gemeinsamen Selbsterhaltungsplexus.

11. E2.8 Stufe: Körperorganisation / Pflanzengestalt / Tierkörper

Die achte Stufe lautet: E2.8 Stufe: Körperorganisation / Pflanzengestalt / Tierkörper. Erst hier wird der Begriff Körper sinnvoll, aber er muss differenziert verwendet werden. Körper bedeutet auf E2 nicht bloß Masseform. Körper bedeutet lebendige, integrierte Form im Milieu: Grenze, Gestalt, Spannung, Stoffwechsel, Wachstum, Haltung, Bewegung, Austausch, Belastbarkeit, Verletzbarkeit und Regeneration.

Bei Pflanzen ist es oft genauer, von Pflanzengestalt oder pflanzlicher Körperorganisation zu sprechen. Die Pflanze hat keine Körpervorstellung, aber sie hat Gestalt, Polarität, Wachstumsrichtung, Wurzel-Spross-Verhältnis, Blattstellung, Leitbahnen, Wasserhaushalt, Lichtorientierung, Verankerung, Verdunstung, Festigung, Regeneration und Fortpflanzung. Sie ist kein Ich, aber sie ist ein lebendiger Passungsplexus.

Bei Tieren wird Körperorganisation zusätzlich Bewegungs- und Wahrnehmungsorganisation. Gliedmaßen, Muskeln, Sinnesorgane, Nerven, Gleichgewicht, Haut, Schmerz, Orientierung, Flucht, Jagd, Paarung, Schutz und Sozialverhalten bilden den Tierkörper als dynamische Lebensform.

Beim Menschen entsteht aus Körperorganisation später der Leib als gespürter Körper. Aber auch beim Menschen darf der Körper nicht sofort als Eigentum oder Selbstbild verstanden werden. Das wäre bereits E3. Auf E2 ist der Körper zunächst lebendiger Trag-, Stoffwechsel-, Wahrnehmungs- und Handlungszusammenhang.

Hier beginnt die künstlerische Pointe deutlicher zu werden. Der menschliche Körper ist nicht einfach vorhanden. Er muss bewohnt, koordiniert, geschult und stabilisiert werden. Stehen, Greifen, Gehen, Sprechen, Zeigen, Nachahmen, Spielen, Arbeiten, Schneiden, Kneten, Zeichnen, Fotografieren, Modellieren, Bauen und Darstellen entstehen aus Körperorganisation. Der Mensch wird zum Kunstwerk, weil seine Körperorganisation nicht nur biologisch abläuft, sondern in Übung, Handlung und Rückkopplung mitgeformt werden muss.

Der Kernsatz lautet: Körper entsteht auf E2 nicht als fertige Skulptur, sondern als lebendige Organisationsform von Grenze, Stoffwechsel, Gestalt, Milieu, Belastung, Bewegung und Regeneration. Beim Menschen wird diese Körperorganisation zur leiblichen Werkstatt künstlerischer Formbildung.

12. E2.9 Stufe: Reizbarkeit, Orientierung und Sensomotorik

Die neunte Stufe lautet: E2.9 Stufe: Reizbarkeit, Orientierung und Sensomotorik. Leben reagiert nicht nur chemisch, sondern orientiert sich in einem Milieu. Diese Orientierung ist bei Pflanzen, Tieren und Menschen unterschiedlich ausgeprägt.

Bei Pflanzen zeigt sie sich als Lichtreaktion, Schwerkraftreaktion, Berührungsreaktion, Wasserorientierung, chemische Signalverarbeitung, Wachstumsrichtung, Abwehrreaktion und rhythmische Anpassung. Das ist keine Wahrnehmung im tierischen Sinn, aber eine teleonomische Reizantwort. Die Pflanze antwortet auf Bedingungen, ohne eine symbolische Vorstellung von diesen Bedingungen zu bilden.

Bei Tieren entsteht Sensomotorik. Wahrnehmen und Bewegen werden gekoppelt. Das Tier orientiert sich im Milieu, sucht Nahrung, meidet Gefahr, flieht, jagt, tastet, riecht, hört, sieht, balanciert, schützt sich, sucht Nähe, reagiert auf Schmerz und verändert Verhalten.

Beim Menschen bildet diese Stufe die leibliche Grundlage späterer Handlung, Sprache und Selbstbezüglichkeit. Bevor der Mensch sagt „ich will“, ist er bereits sensomotorisch in Welt eingebunden. Er greift, geht, fällt, tastet, atmet, hört, sieht, erschrickt, beruhigt sich, sucht Nähe, weicht zurück.

Hier liegt eine entscheidende Grundlage von Kunst. Der Mensch kann nicht gestalten, ohne zu unterscheiden; er kann nicht unterscheiden, ohne wahrzunehmen; er kann nicht wahrnehmen, ohne leiblich orientiert zu sein. Der künstlerische Blick, die tastende Hand, die darstellerische Geste, die fotografische Aufmerksamkeit, das plastische Modellieren und die sprachliche Formulierung entstehen aus Sensomotorik. Kunst ist auf E2 noch kein Kulturbegriff, aber ihre leibliche Wurzel liegt hier.

Der Kernsatz lautet: E2.9 bildet Orientierung im Milieu: bei Pflanzen als Wachstums- und Reizantwort, bei Tieren und Menschen als sensomotorische Bewegungs- und Wahrnehmungsordnung. Beim Menschen wird diese Sensomotorik zur Grundlage von Werkhandlung und künstlerischer Aufmerksamkeit.

13. E2.10 Stufe: Stress, Schmerz und Betroffenheit

Die zehnte Stufe lautet: E2.10 Stufe: Stress, Schmerz und Betroffenheit. Auf E1 gibt es Wirkung. Auf E2 gibt es Betroffenheit. Das ist ein entscheidender Unterschied. Ein Stein kann belastet, erhitzt oder zerbrochen werden; ein Lebewesen wird gestresst, verletzt, gestört, erschöpft, bedroht oder beschädigt.

Bei Pflanzen sollte man nicht vorschnell von Schmerz sprechen. Präziser sind Begriffe wie Stressreaktion, Verletzungsreaktion, Trockenstress, Lichtstress, Salzstress, Abwehr, chemische Signalantwort, Wachstumsänderung und Regenerationsversuch. Die Pflanze ist betroffen, aber nicht im menschlichen Selbstbewusstseinssinn.

Bei Tieren und Menschen entstehen Schmerz, Hunger, Durst, Angst, Erschöpfung, Spannung, Stress, Beruhigung, Lust, Unlust, Schutzverhalten und innere Rückmeldung. Hier wird Tragwirklichkeit nicht nur wirksam, sondern leiblich erfahrbar. Der Körper meldet Last zurück. Schmerz ist nicht bloß Defekt, sondern ein Rückkopplungssignal. Stress ist nicht bloß Schwäche, sondern Hinweis auf Belastungsverhältnisse.

Für die Plastische Anthropologie ist diese Stufe zentral, weil moderne E3-Systeme leibliche Betroffenheit oft umdeuten: Erschöpfung wird als individuelles Versagen erzählt, Schmerz als Störung des Funktionierens, Stress als Optimierungsproblem, Krankheit als Kostenfaktor, Pflege als Last.

Für den künstlerischen Ansatz ist Schmerz nicht zu romantisieren, aber als Prüfereignis ernst zu nehmen. Die Kunstfähigkeit des Menschen entsteht nicht aus Unverletzlichkeit, sondern aus der Fähigkeit, Betroffenheit, Störung, Grenze und Verletzbarkeit in Erfahrung, Form, Ausdruck und Prüfung zu überführen. Der Mensch wird nicht Künstler, weil er über Schmerz steht, sondern weil er Schmerz, Widerstand und Störung in Rückkopplung bringen kann.

Der Kernsatz lautet: E2.10 ist die Stufe, auf der Belastung als Stress, Schmerz, Mangel, Verletzung oder Erschöpfung rückgemeldet wird; hier wird Tragwirklichkeit leiblich betroffen und kann beim Menschen zur Grundlage von Ausdruck, Prüfung und Werkprozess werden.

14. E2.11 Stufe: Lernen, Gedächtnis und Erwartung

Die elfte Stufe lautet: E2.11 Stufe: Lernen, Gedächtnis und Erwartung. Leben ist nicht nur momentane Reaktion. Es verarbeitet Zeit. Frühere Störungen, Gefahren, Erfolge, Mängel und Reize verändern spätere Antworten.

Bei Pflanzen kann man vorsichtig von Reizgedächtnis, Stressgedächtnis, Wachstumsprägung, Anpassung und Milieuantwort sprechen. Dabei handelt es sich nicht um bewusstes Erinnern, sondern um veränderte Reaktionsbereitschaft. Eine Pflanze kann unter bestimmten Bedingungen auf Licht, Trockenheit, Verletzung oder wiederkehrende Reize anders reagieren, ohne ein symbolisches Gedächtnis zu besitzen.

Bei Tieren entstehen Lernen, Wiedererkennung, Gewohnheit, Vermeidung, Erwartung, Antizipation und Verhaltensänderung. Das Tier handelt nicht nur aus unmittelbarem Reiz, sondern aus Erfahrung. Es kann Gefahr meiden, Nahrung suchen, Wege erinnern, soziale Bindungen erkennen, auf Zeichen reagieren.

Beim Menschen bildet diese E2-Stufe die leibliche Grundlage von Gedächtnis, Sprache, Biografie und Identität. Aber noch ist sie nicht E3. E2.11 ist Erfahrungsbahn, nicht Erzählung. Erst auf E3 wird daraus Geschichte, Selbstbild, Schuld, Zukunftsversprechen und Biografie.

Für Kunst und Werkprozess ist diese Stufe unverzichtbar. Übung ist gespeicherte Erfahrung. Handwerk entsteht nicht aus einmaliger Einsicht, sondern aus wiederholter Korrektur. Zeichnen, Fotografieren, Modellieren, Bauen, Spielen, Sprechen, Darstellen und Denken beruhen auf leiblichem Gedächtnis. Der Mensch kann Kunst schaffen, weil sein Körper lernen, erinnern, verbessern und antizipieren kann.

Der Kernsatz lautet: Mit Lernen, Gedächtnis und Erwartung wird E2 zeitlich: Lebendige Systeme tragen Spuren früherer Störungen, Passungen und Erfahrungen in ihre Gegenwart hinein; beim Menschen wird daraus die leibliche Grundlage von Übung, Können und Werkbildung.

15. E2.12 Stufe: Milieu, Bindung und Sozialität

Die zwölfte Stufe lautet: E2.12 Stufe: Milieu, Bindung und Sozialität. Kein Lebewesen trägt sich allein. Leben existiert in Milieus. Es braucht Umgebung, Austausch, Nahrung, Wasser, Temperatur, Licht, Boden, andere Lebewesen, Schutz, Symbiosen, Konkurrenz, Kooperation und Rhythmus.

Bei Pflanzen gehören Boden, Wasser, Licht, Pilzsymbiosen, Mikroorganismen, Nachbarpflanzen, Bestäubung, Jahreszeiten, Konkurrenz, Kooperation und ökologische Einbindung dazu. Die Pflanze ist nicht isolierter Organismus, sondern Milieugestalt. Sie ist in Boden, Wasser, Licht, Luft, Mikroben, Insekten, Wind, Temperatur und Jahreszeiten eingebunden.

Bei Tieren gehören Nähe, Fürsorge, Brutpflege, Rudel, Herde, Schwarm, Paarung, Mutter-Kind-Verhältnis, Schutz, Rangordnung, Resonanz, Stressreduktion und Sozialverhalten hinzu. Sozialität ist hier nicht zuerst Moral, sondern Lebensbedingung. Viele Tiere regulieren Stress, Gefahr, Nahrungssuche und Fortpflanzung durch Bindung und Gruppenverhältnisse.

Beim Menschen ist diese Stufe besonders wichtig. Der Mensch ist nicht zuerst autonom und dann sozial. Er ist leiblich abhängig, bevor er sich symbolisch als Ich versteht. Pflege, Berührung, Nahrung, Wärme, Stimme, Rhythmus, Schutz, Nähe und Resonanz gehören zur E2-Grundlage. Das spätere E3-Ideal des autonomen Einzelnen ist deshalb bereits eine Überformung. E2 zeigt: Der Mensch ist ein Bindungswesen, bevor er ein Selbstbesitzwesen sein kann.

Auch die Kunstfähigkeit entsteht nicht isoliert. Der Mensch wird nicht allein durch inneres Genie zum Künstler, sondern durch Milieu, Nachahmung, Spiel, Berührung, Sprache, Werkzeug, Übung, Korrektur, Gemeinschaft und Resonanz. Die leibliche Werkstatt des Menschen ist immer auch eine soziale Werkstatt. Technē entsteht aus Einübung, Weitergabe, Prüfung und Mitwelt.

Der Kernsatz lautet: E2.12 zeigt Leben als Milieu- und Bindungswirklichkeit: Kein Lebewesen trägt sich allein, und der Mensch ist leiblich abhängig, bevor er sich symbolisch als autonomes Ich versteht. Seine Kunstfähigkeit entsteht aus Milieu, Bindung, Übung, Nachahmung und Rückkopplung.

16. E2.13 Stufe: Körperschema, Leibordnung und Eigenperspektive

Die dreizehnte Stufe lautet: E2.13 Stufe: Körperschema, Leibordnung und Eigenperspektive. Diese Stufe betrifft vor allem Tiere und Menschen. Hier werden Lage, Bewegung, Gleichgewicht, Spannung, Schmerz, Berührung, Innenempfindung, Grenze und Handlungsmöglichkeit zu einer leiblichen Selbstordnung integriert.

Das Körperschema ist noch keine symbolische Körpervorstellung. Es ist keine Aussage „mein Körper gehört mir“. Es ist keine Fitnessidee, kein Schönheitsbild, keine Identitätsmarke. Es ist eine leibliche Orientierungsleistung. Ein Lebewesen orientiert sich darin, wo es ist, wie es sich bewegt, was es erreichen kann, wo es verletzt ist, wo Gefahr droht, wo es Halt findet, wo Grenze und Kontakt liegen.

Bei Pflanzen gibt es kein Körperschema in diesem Sinn. Dort wäre von Gestaltkoordination, Wachstumskoordination und Milieuorientierung zu sprechen. Bei Tieren entsteht Körperschema als Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Handlungsordnung. Beim Menschen wird daraus eine leibliche Eigenperspektive, die später auf E3 symbolisch benannt und überformt werden kann.

Diese Stufe ist wichtig, weil sie zeigt: Das Ich entsteht nicht zuerst als Gedanke. Es entsteht aus leiblicher Orientierung. Bevor der Mensch sagt „ich“, hat er bereits ein gespürtes Verhältnis zu Lage, Gleichgewicht, Schmerz, Bewegung, Grenze, Berührung und Handlung.

Für den künstlerischen Ansatz ist das Körperschema die Grundlage jeder Werkhandlung. Wer modelliert, zeichnet, fotografiert, spielt, spricht, tanzt, baut oder handelt, arbeitet aus einer leiblichen Eigenperspektive heraus. Das Werk entsteht nicht nur vor dem Menschen, sondern durch seine Körperordnung: Blickrichtung, Abstand, Druck, Haltung, Hand, Atem, Rhythmus, Spannung, Loslassen. Der Mensch ist auf E2 ein Kunstwerk im Werden, weil sein Körperschema selbst formbar und übungsfähig ist.

Der Kernsatz lautet: Das Körperschema ist die leibliche Vorform des Ich; es ist noch keine Skulpturidentität, sondern eine lebendige Eigenordnung von Lage, Bewegung, Grenze, Schmerz und Handlung. Beim Menschen wird es zur Grundlage künstlerischer Werkhandlung.

17. E2.14 Stufe: Plastisches Ich-Bewusstsein als leiblich-künstlerisches Referenzsystem

Die vierzehnte und oberste Stufe von E2 lautet jetzt erweitert: E2.14 Stufe: Plastisches Ich-Bewusstsein als leiblich-künstlerisches Referenzsystem.

Hier verdichtet sich die lebendige Plexuswirklichkeit beim Menschen zu einer Eigenperspektive, die sich selbst spüren, betreffen, schützen, orientieren und handeln kann. Dieses Ich-Bewusstsein ist noch nicht das symbolische Ich von E3. Es ist kein Name, keine Rolle, kein Eigentümer, keine Biografie, keine Leistung, kein Status, keine Marke und kein Selbstbild. Es ist ein leibliches Referenzsystem.

Dieses plastische Ich entsteht aus Stoffwechsel, Grenze, Schmerz, Bewegung, Wahrnehmung, Betroffenheit, Gedächtnis, Erwartung, Milieubindung und Handlung. Es sagt nicht zuerst: Ich besitze mich. Es sagt leiblich: Ich spüre. Ich bin betroffen. Ich brauche. Ich bin verletzbar. Ich kann handeln. Ich kann scheitern. Ich bin abhängig. Ich muss mich regulieren. Ich bin auf Milieu, Nahrung, Schlaf, Nähe, Zeit und Schutz angewiesen.

Dieses plastische Ich-Bewusstsein ist zugleich die leibliche Grundlage der Kunstfähigkeit. Der Mensch spürt nicht nur; er kann seine Spürfähigkeit formen. Er bewegt sich nicht nur; er kann Bewegung üben. Er greift nicht nur; er kann greifen lernen, Werkzeug führen, Material prüfen, Druck dosieren und Widerstand lesen. Er hört nicht nur; er kann Rhythmus, Stimme, Klang und Sprache bilden. Er sieht nicht nur; er kann Erscheinung, Spur, Zeichen, Bild und Form unterscheiden. Er leidet nicht nur; er kann Schmerz, Grenze, Störung und Verletzbarkeit in Erfahrung, Ausdruck und Prüfung überführen.

Damit beginnt die künstlerische Anthropologie bereits auf E2. Der Mensch ist ein plastisches Tragwesen, weil er leiblich geformt wird und sich zugleich an seiner Formung beteiligen muss. Seine Kunstfähigkeit entsteht aus Nachstabilisierung, Handlungsbedürftigkeit, Wahrnehmungsschulung, Materialkontakt, Werkzeugnähe, Spiel, Übung, Korrektur und Rückkopplung.

Auf E2 ist der Mensch deshalb noch nicht Künstler im kulturellen Berufssinn, aber er ist bereits künstlerisch angelegt: als formoffenes, übendes, tastendes, nachbildendes, gestaltendes und rückkopplungsfähiges Wesen. Erst auf E3 wird diese leibliche Kunstfähigkeit symbolisch: Bild, Sprache, Rolle, Technik, Werk, Stil, Eigentum, Kunstbegriff, Kunstmarkt. Erst auf E4 wird sie öffentliche Prüf- und Reparaturkunst.

Hier liegt zugleich die Gefahrenstelle. Wenn dieses leiblich-plastische Ich auf E3 symbolisch benannt wird, kann es plastisch bleiben oder skulptural kippen. Plastisch bleibt es, wenn es seine Herkunft aus E1 und E2 anerkennt. Skulptural wird es, wenn es sich als selbstbesitzender Ursprung missversteht: mein Körper, mein Wille, mein Besitz, meine Leistung, meine Freiheit, mein Ziel, mein Selbstbild.

Der Kernsatz lautet: Das plastische Ich-Bewusstsein ist das oberste leibliche Referenzsystem von E2 und zugleich die leibliche Grundlage der Kunstfähigkeit. Der Mensch wird auf E2 zum künstlerisch-plastischen Kunstwerk, weil er nicht fertig ist, sondern seine Form in Widerstand, Übung, Materialkontakt, Verletzbarkeit, Rückkopplung und Maß mitbilden muss.

18. Der Mensch als künstlerisch-plastisches Kunstwerk

Der künstlerische Ansatz muss in E2 ausdrücklich gesichert werden. Der Mensch ist nicht erst auf E3 Künstler, wenn er Bilder malt, Begriffe bildet, Rollen spielt, Werke herstellt oder Kunstinstitutionen schafft. Diese Erscheinungen gehören zu E3 und E4. Ihre leibliche Voraussetzung liegt aber in E2.

Der Mensch wird Künstler, weil er formoffen ist. Er kommt nicht als abgeschlossenes Wesen zur Welt. Er muss nachreifen, lernen, greifen, stehen, gehen, sprechen, unterscheiden, erinnern, antworten, sich regulieren und sich in einem Milieu stabilisieren. Diese offene Nachstabilisierung ist nicht bloß ein biologischer Mangel, sondern die anthropologische Grundlage seiner Kunstfähigkeit.

Der Mensch ist auf E2 ein Kunstwerk nicht im musealen, ästhetischen oder symbolischen Sinn. Er ist kein Kunstwerk als fertiges Objekt. Er ist ein lebendiger Werkprozess. Sein Körper, seine Wahrnehmung, seine Motorik, seine Stimme, seine Hand, sein Gleichgewicht, seine Schmerzfähigkeit, seine Bindungsfähigkeit und sein leibliches Ich bilden die erste Werkstatt.

Deshalb lautet die präzise Unterscheidung:

Skulptural ist der Mensch, wenn er sich als fertiges Selbstbild behauptet. Plastisch ist er, wenn er sich als leiblich-getragenes, formoffenes und rückkopplungspflichtiges Kunstwerk versteht.

Diese Unterscheidung schützt den Kunstbegriff vor Selbstdesign und Selbstoptimierung. Der Mensch wird nicht plastisch-künstlerisch, indem er seinen Körper zur Marke macht, sein Ich inszeniert oder seine Identität ästhetisch gestaltet. Er wird plastisch-künstlerisch, wenn er seine Formbarkeit an Tragwirklichkeit bindet: an Körper, Grenze, Zeit, Alter, Abhängigkeit, Material, Widerstand und Gemeinsinn.

19. Technē als E2-Vorbereitung, E3-Begriff und E4-Prüfpraxis

Die griechische technē-Spur gehört als Begriff und kulturelle Ausarbeitung eher zu E3 und E4. Ihre leibliche Grundlage liegt jedoch in E2. Können entsteht nicht aus Begriffen allein. Können entsteht aus Übung, Körper, Hand, Auge, Material, Widerstand, Korrektur, Erfahrung und Maß.

Der Mensch kann Kunst entwickeln, weil er auf E2 ein übendes, lernendes, tastendes und korrigierbares Wesen ist. Technē ist deshalb nicht bloß Technik und nicht bloß Kunstfertigkeit. Sie ist die disziplinierte Ausarbeitung leiblicher Plastizität unter Bedingungen von Material, Maß und Gemeinsinn.

Für v12.5 gilt deshalb:

E2 liefert die leibliche Werkstatt der technē; E3 benennt und symbolisiert sie; E4 führt sie als öffentliche Prüfkunst an Tragwirklichkeit zurück.

Damit wird auch das Werkverständnis vorbereitet. Das Werk entsteht nicht aus einer reinen Idee. Es entsteht im Kontakt von Leib, Material, Zeit, Widerstand, Versuch, Fehler, Korrektur und Maß. Genau deshalb ist der künstlerische Werkprozess ein Erkenntnismodell des Menschseins.

20. Schwelle E2/E3: Von leiblicher Rückkopplung zu symbolischer Benennung

Die Schwelle von E2 zu E3 entsteht dort, wo leibliche Rückkopplung nicht nur gespürt, sondern benannt, geteilt, erinnert, erzählt und in eine gemeinsame Zeichenordnung überführt wird. Diese Schwelle ist notwendig, aber gefährlich.

Auf E2 gibt es Schmerz. Auf E3 gibt es das Wort „Schmerz“, die Erzählung des Schmerzes, die Diagnose, die Anerkennung, die Verleugnung, die Versicherung, die Kostenstelle, die Schuldfrage. Auf E2 gibt es Hunger. Auf E3 gibt es Esskultur, Besitzordnung, Preis, Markt, Verteilung, Recht auf Nahrung, Schuld und Scham. Auf E2 gibt es leibliche Grenze. Auf E3 gibt es Körperbild, Eigentum am Körper, Würde, Schönheit, Leistung, Status und Identität.

Für die Kunstfähigkeit bedeutet diese Schwelle: Auf E2 gibt es leibliche Formbildung; auf E3 gibt es Kunstbegriff, Werkbegriff, Stil, Darstellung, Bild, Sprache, Theater, Fotografie, Plastik, Skulptur, Technik, Eigentum, Kunstmarkt und Selbstbild. Diese Symbolisierung ist notwendig, weil der Mensch seine Formbildung mitteilen, erinnern, überliefern und öffentlich machen kann. Sie wird gefährlich, wenn sie ihre leibliche Herkunft vergisst.

Sobald der Ausdruck wichtiger wird als der Eindruck, das Kunstwerk wichtiger als der Werkprozess, der Stil wichtiger als die Prüfung, der Marktwert wichtiger als die Tragwirklichkeit, kippt E3 gegen E2. Dann wird Kunst skulptural: Pose, Marke, Objektwert, Status, Selbstinszenierung.

Der Kernsatz lautet: Die Schwelle E2/E3 ist der Übergang von leiblicher Rückkopplung zu symbolischer Benennung; sie ermöglicht Sprache, Kunst und Kultur, kann aber auch die leibliche Tragwirklichkeit überformen und verdecken.

21. E2 als Unterschied von Pflanze, Tier und Mensch

Für v12.5 muss E2 ausdrücklich zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen unterscheiden, ohne sie voneinander zu trennen, als hätten sie keine gemeinsame Lebensgrundlage. Alle drei gehören in die lebendige Plexuswirklichkeit. Aber sie entfalten unterschiedliche Stufen und Schwerpunkte.

Die Pflanze ist E2 als Wachstums-, Stoffwechsel-, Milieu- und Gestaltwesen. Sie hat lebendige Grenze, Stoffwechsel, Regulation, Reparatur, Zellverbindung, Gewebe, Organe, Pflanzengestalt, Reizantwort, Regeneration und teleonomische Passungsdynamik. Sie hat keine Körpervorstellung und kein Ich-Bewusstsein im menschlichen Sinn. Ihre Zielähnlichkeit ist teleonomisch, nicht symbolisch.

Das Tier ist E2 als Wahrnehmungs-, Bewegungs-, Schmerz-, Lern- und Verhaltenswesen. Es hat Grenze, Stoffwechsel, Regulation, Körperorganisation, Sensomotorik, Schmerz, Stress, Gedächtnis, Verhalten, Milieubindung und oft Sozialität. Es kann zielgerichtet wirken, ohne daraus eine symbolische Selbsttheorie zu bilden.

Der Mensch ist E2 als leibliches und künstlerisch-plastisches Ich-Referenzsystem. Er bleibt in derselben lebendigen Tragwirklichkeit: Stoffwechsel, Atmung, Hunger, Durst, Schlaf, Schmerz, Bindung, Stress, Regeneration, Milieu und Verletzbarkeit. Zugleich unterscheidet er sich dadurch, dass seine Nachstabilisierung, Sensomotorik, Wahrnehmung, Hand, Stimme, Spiel- und Übungsfähigkeit in eine offene Werkfähigkeit übergehen können.

Der Mensch ist also nicht deshalb Künstler, weil er biologisch von E2 befreit wäre, sondern weil E2 bei ihm eine besondere Offenheit erhält: Er muss seine Form mitbilden. Er kann sein Verhältnis zu Wirklichkeit üben, darstellen, prüfen, korrigieren und später symbolisch reflektieren.

22. Komprimierte E2-Fassung für v12.5

E2 ist die Ebene lebendiger Plexuswirklichkeit. Sie beginnt nicht mit einem fertigen Körper, sondern mit molekularer Grenzverknüpfung, lebendiger Grenze, Stoffwechsel und Regulation. Aus E1-Reaktionen wird Selbsterhaltung; aus Grenzflächen werden lebendige Grenzen; aus Gradienten werden regulierte Toleranzverhältnisse; aus Differenz im Maß wird lebendige 51:49-Regulation. Auf dieser Grundlage entstehen Reparatur, Regeneration, Reproduktion, Zellen, Gewebe, Organe, Funktionskreise, Pflanzengestalt, Tierkörper, Körperorganisation, Reizantwort, Sensomotorik, Stress, Schmerz, Betroffenheit, Lernen, Milieubindung, Körperschema und beim Menschen das plastische Ich-Bewusstsein als leibliches Referenzsystem.

Dieses plastische Ich-Bewusstsein ist zugleich die leibliche Grundlage der Kunstfähigkeit. Der Mensch wird zum künstlerisch-plastischen Kunstwerk, weil er formoffen, nachstabilisierungsbedürftig, übungsfähig, verletzbar, material- und widerstandsbezogen ist. Kunst beginnt hier nicht als Kulturbegriff, sondern als leibliche Formbildung im Maß. Erst auf E3 wird diese Formbildung symbolisch benannt, dargestellt, technisch erweitert, institutionell geordnet oder skulptural gefährdet. Erst auf E4 wird sie öffentliche Prüf- und Reparaturkunst.

23. Kernsatz zu E2

E2 ist die lebendige Plexuswirklichkeit der Tragwirklichkeit. Sie beginnt an der Schwelle, an der physikalisch-chemische Reaktion in Selbsterhaltung übergeht: lebendige Grenze, Stoffwechsel, Regulation, Reparatur und Milieubindung. Aus dieser Grundlage entstehen Zelle, Gewebe, Organismus, Körperorganisation, Reizantwort, Schmerz, Lernen und beim Menschen das plastische Ich-Bewusstsein als leiblich-künstlerisches Referenzsystem. Der Mensch wird auf E2 zum künstlerisch-plastischen Kunstwerk, weil er nicht fertig ist, sondern seine Form in Widerstand, Übung, Materialkontakt, Verletzbarkeit, Rückkopplung und Maß mitbilden muss.