Eignet sich „Kontaminierung“, um menschliche Prozesse herauszuarbeiten?
Teilweise ja – dann, wenn du menschliche Tätigkeiten als Eintragspfade in Stoffwechsel- und Funktionszusammenhänge beschreibst. In deinem Drei-Schichten-Modell passt „Kontaminierung“ besonders gut zur ersten und zweiten Schicht: zur Physik/Materialität und zum Stoffwechsel. Dort lässt sich konkret zeigen, dass bestimmte Outputs menschlicher Systeme (Emissionen, Rückstände, Persistenzen, toxische Nebenprodukte, Mikropartikel) in Luft, Wasser, Boden und Organismen gelangen und Rückkopplungen erzeugen, die nicht „wegverhandelt“ werden können. In diesem Rahmen wird „Kontaminierung“ zu einem hilfreichen Prüfbegriff, weil er unmittelbar nach Eintrag, Pfad, Grenzwert, Wirkung und Rückkopplung fragt.
Wo der Begriff problematisch wird
Als Totalbeschreibung „der Mensch kontaminiert“ wird der Begriff schnell schief, weil er das Lebendige insgesamt wie einen Reinheitszustand behandelt, den der Mensch grundsätzlich „beschmutzt“. Das ist biologisch und evolutionär zu grob: Leben ist immer Stoffaustausch, und viele menschliche Eingriffe sind nicht Kontamination, sondern Umbau, Nutzung, Transformation oder auch Pflege. Außerdem kippt „Kontaminierung“ als Gesamtmetapher leicht in Schuld- und Reinheitssemantik, die zwar mobilisieren kann, aber analytisch oft weniger präzise ist als Begriffe wie Entkopplung, Externalisierung, Grenzwertverletzung, Persistenz, Akkumulation oder Rückkopplungsbruch.
So wird „Kontaminierung“ in deinem Prüfsystem brauchbar
Wenn du den Begriff verwenden willst, mach ihn prüfbar, indem du ihn an eine klare Kalibrierlogik bindest: Du definierst das Medium und seinen Funktionszustand, du bestimmst den Eintrag als „Fremdkomponente“ relativ zu diesem Zustand, du legst Toleranzbereiche und Kippschwellen fest, und du beschreibst die Rückkopplung auf Leben und Funktion. Dann lässt sich auch die dritte Schicht sauber anschließen: Symbol- und Geltungswelten können „Kontaminierung“ behaupten oder leugnen, aber dein Prüfsystem entscheidet nicht über Diskurs, sondern über Kopplung an mess- und erfahrbare Folgen.
Wenn du mir ein konkretes Beispiel gibst (etwa Eigentum, Geld, Bildung, KI, Städtebau, Landwirtschaft), kann ich „Kontaminierung“ exakt in deinen Schichtenrahmen übersetzen und zeigen, ob der Begriff dort trägt oder ob ein anderer Terminus präziser ist.
