Ein Informationsblatt vorstellen

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Die gegenwärtige Zivilisationsproblematik lässt sich als Folge eines strukturellen Grundfehlers verstehen, der in der kulturell verankerten 50:50-Logik liegt.

Dieses Modell eines symmetrischen Gleichgewichts prägt Sprache, Institutionen, Gerechtigkeitsvorstellungen und soziale Ordnung und erzeugt die Vorstellung, menschliches Handeln könne ohne reale Rückwirkungen gedacht und organisiert werden.

Auf dieser Grundlage entsteht eine symbolische Welt, in der der Mensch sich als autonomes Subjekt begreift, das agiert, verfügt, bestimmt und kontrolliert, ohne selbst in die Konsequenzen seines Handelns eingebunden zu sein. Dieser symbolische Dualismus ist jedoch ein künstliches Konstrukt, das die reale Struktur des Lebens verfehlt. In der sozialen Wirklichkeit führt diese Gleichheitslogik zu zunehmenden Ungleichgewichten, die sich als Drift des 1:99-Verhältnisses ausprägen: einer systemischen Verschiebung, in der symbolische Selbstbeschreibungen sich immer weiter von materiellen, biologischen und ökologischen Rückkopplungen entfernen. Die extreme Konzentration von Macht, Ressourcen und Entscheidungshoheit bei einer winzigen Minderheit lässt sich als Ausdruck dieser Drift interpretieren – ein Symptom der kulturellen Blindheit gegenüber Tätigkeitskonsequenzen.

Dem gegenüber steht ein universelles Ordnungsmodell, das allen lebenden und formbildenden Prozessen zugrunde liegt.

Dieses Modell lässt sich als dreidimensionales Koordinatensystem beschreiben, das aus drei asymmetrischen Rückkopplungsebenen besteht: der physikalischen Ebene von Kräften, Materialien, Gradienten und Strömungen; der biologischen Ebene von Stoffwechsel, Anpassung und Selbstorganisation; und der symbolisch-mentalen Ebene von Sprache, Rollen und Institutionen. Während physikalische und biologische Systeme unausweichlich in jene minimale Asymmetrie eingebettet sind, die als 51:49-Verhältnis stabilisierende Rückkopplung ermöglicht, hat die symbolische Ebene die Tendenz, sich von dieser Grundlogik abzulösen. Die universelle Ordnung des 51:49-Prinzips zeigt sich bereits in den frühesten kosmischen Formbildungsprozessen, in der Entstehung von Materie und Wasser, in der Organisation von Zellmembranen, in energetischen und metabolischen Kreisläufen und schließlich in der evolutionären Ausbildung komplexer Lebewesen. In allen Fällen bildet eine minimal asymmetrische Struktur die Voraussetzung für Stabilität, Wandlungsfähigkeit und Fortbestand. Die kulturelle und symbolische Welt des Menschen hingegen konstruiert ein vermeintliches Gleichgewicht, das diese Grundstruktur ignoriert und damit die tatsächlichen Bedingungen des Lebens verfehlt.

Die entscheidende anthropologische Frage lautet daher, warum der Mensch die reale Struktur seines Daseins nicht erkennt.

Der Grund liegt in der Aufspaltung zwischen der Welt des Denkens und der Welt des Handelns. Während die materielle Welt durch Widerstand, Kipppunkte, Irreversibilität und konkrete Rückkopplungen bestimmt ist, operiert das Denken in einer Sphäre der Unverletzlichkeit. Gedanken können greifen, durchdringen, konstruieren und zerstören, ohne selbst Rückwirkungen zu erfahren. Sprache bildet diesen Modus ab, indem sie vor allem die aktive Seite menschlicher Tätigkeit betont – greifen, fassen, handeln, begreifen – während die Folgen des Handelns weitgehend unsichtbar bleiben. Die symbolische Ordnung erzeugt damit ein Subjektmodell, das von realen Abhängigkeiten und Verletzbarkeiten abgekoppelt ist. Diese kulturelle Konstruktion stabilisiert die 50:50-Logik und verstärkt die Drift, die sich als 1:99-Muster gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Krisen manifestiert.

Erst im bildnerisch-künstlerischen Prozess wird diese Blindheit aufgehoben.

Kunst ist der einzige kulturelle Bereich, in dem geistige Modelle mit materieller Wirklichkeit konfrontiert werden und in dem Tätigkeit und Konsequenz untrennbar miteinander verbunden sind. Die Arbeit mit Ton, Werkzeug und Material erzwingt die Anerkennung realer Rückkopplungen: Jede Entscheidung hinterlässt Spuren, jede Geste verändert Bedingungen, jeder Eingriff birgt Kipppunkte. Die bildnerische Praxis macht sichtbar, dass der Mensch stets in einem Netz von Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen steht, das nicht durch symbolische Vorstellungen aufgehoben werden kann. Genau hier wird die 51:49-Logik erfahrbar: als minimal asymmetrische, verantwortliche, rückgekoppelte Form des Handelns, die die Verletzlichkeit der Welt respektiert und zugleich Gestaltung ermöglicht. Kunst führt den Menschen in jene Zone zurück, in der er biologisch, physikalisch und existenziell verankert ist – in die Welt der realen Rückwirkungen –, und stellt damit den Zusammenhang zwischen universellem Ordnungssystem und menschlichem Verhalten wieder her.

In dieser Verbindung von kosmischer Struktur, biologischer Organisation und kulturellem Lernen wird sichtbar, dass das zentrale Problem der modernen Zivilisation in der Abspaltung der symbolischen Welt von den realen Rückkopplungen liegt. Die bildnerische Kunst bietet ein präzises Erkenntnisverfahren, um diese Spaltung zu durchbrechen und die Grundordnung des Lebens – das 51:49-Prinzip minimaler asymmetrischer Rückkopplung – nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern praktisch zu erfahren und in verantwortliches Handeln zu überführen.