Ein kurzes Startbeispiel: Prüfbetrieb in 12 Sätzen
Startfrage aus dem Alltag: „Warum ist es normal geworden, Dinge so billig zu kaufen, dass ihre Herstellung kaum etwas zu kosten scheint?“
Eine erste, naheliegende Antwort lautet: „Weil der Markt das so regelt; wenn es billig ist, ist es effizient.“ Im Prüfbetrieb wird diese Antwort nicht diskutiert, sondern in Ebenen übersetzt.
In E3 ist „billig“ zunächst eine symbolische Bewertung und eine Preisregel innerhalb von Verträgen, Wettbewerb und Gewohnheit.
Die Übertragung, die hier oft unbemerkt geschieht, lautet: Der Preis (E3) wird so behandelt, als sei er bereits die Wirklichkeit der Kosten (E1/E2).
Die Rückbindung beginnt in E1: Welche reale Tragfähigkeit wird beansprucht, welche Stoffe werden verbraucht, welche Energie wird umgewandelt, welcher Verschleiß entsteht, welche Abfälle bleiben, welche Risiken sind physisch unvermeidlich?
Danach E2: Welche Folgen treten in den Lebensbedingungen auf, etwa durch Schadstofflast, Regenerationszeiten, Gesundheitseffekte, ökologische Kipppunkte oder soziale Reproduktionsbedingungen entlang der Lieferkette?
Erst dann kehrt die Prüfung zu E3 zurück: Welche Rollen, Rechte, Eigentums- und Haftungsformen machen es möglich, dass diese E1/E2-Kosten im Preis unsichtbar bleiben, und welche Statuslogiken stabilisieren das als „normal“?
In E4 wird der entscheidende Schritt formuliert: Welche Kopplung würde Rückkopplung wieder sichtbar machen, etwa durch konsequente Haftung, transparente Konsequenzpfade, Mindeststandards an Tragfähigkeit und Regeneration oder Stopp-Regeln, sobald Nichtverhandelbares verletzt wird?
Das Ergebnis ist keine Meinung, sondern ein markierter Drift: „billig“ war nicht effizient, sondern eine Verschiebung von Rückmeldung aus E1/E2 in eine beruhigende E3-Geltung.
Genau so arbeitet der Prüfbetrieb: Er macht Übertragungen sichtbar, benennt Nichtverhandelbares, und zwingt symbolische Ordnungen dazu, sich an Tragfähigkeit und Stoffwechsel zu bewähren.
