Entscheidende Symbol- und Geltungswelten als begrifflich erzeugte Tatsachen.

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Der Symmetriedualismus 50:50 ist dabei eine der zentralen Konstruktionen, aber nicht die einzige. Im gesamten Zusammenhang zeigt sich vielmehr, dass mehrere Symbol- und Geltungswelten aus begrifflichen Ordnungen hervorgehen, die zunächst der Orientierung dienen, dann aber als Tatsachen des Lebens selbst behandelt werden.

Genau darin liegt ihre Gefahr. Sie werden nicht mehr als Setzungen, Hilfskonstruktionen oder Modellbildungen erkannt, sondern als Wirklichkeit. Von dort aus bestimmen sie Recht, Politik, Wissenschaft, Moral und Selbstverständnis.

Die erste und vielleicht tiefste Symbolwelt ist tatsächlich die Welt der perfekten Symmetrie. Dazu gehören perfekte Form, perfekte Ordnung, perfekte Ausgewogenheit, perfekte Gesetzgebung und perfekte Spiegelbildlichkeit. In Mathematik, Geometrie und formaler Logik kann so etwas als Idealisierung sinnvoll sein. Im Leben selbst aber gibt es keine vollkommene 50:50-Symmetrie als tragfähige Realität. Leben existiert in Asymmetrien, in Toleranzräumen, in Schwankungen, in Übergängen, in Verzögerungen, in Regenerationszeiten, in Widerständen und in ungleichen Lastverteilungen. Sobald die symbolische Form der perfekten Symmetrie auf das Leben übertragen wird, entsteht die Illusion, Wirklichkeit müsse so funktionieren wie ein ideales Schema. Genau daraus folgen perfekte Ordnungsvorstellungen, perfekte Gesetzesphantasien und die Abwertung aller lebendigen Unschärfe, die in Wahrheit Bedingung des Lebens ist.

Die zweite entscheidende Symbolwelt ist die Welt des autonomen Individuums. Hier wird eine begriffliche Figur der Orientierung zu einer scheinbaren Tatsache. Das Individuum erscheint als in sich geschlossene Einheit, als Träger von Willen, Entscheidung und Besitz an sich selbst. Diese Figur wird dann nicht mehr als kulturelle Konstruktion, sondern als Wirklichkeit des Menschen behandelt. Dadurch wird überdeckt, dass der Mensch in Wahrheit nur als Verhältniswesen, als Stoffwechselwesen, als abhängiger und eingebundener Organismus existiert. Das Individuum ist dann nicht mehr eine symbolische Ordnung der Beschreibung, sondern ein scheinbar natürlicher Grundbegriff des Lebens.

Die dritte Symbolwelt ist die Welt von Subjekt und Objekt. Auch diese Unterscheidung kann als Orientierungsleistung brauchbar sein. Gefährlich wird sie dort, wo sie ontologisch genommen wird. Dann steht ein Subjekt scheinbar einer äußeren Welt von Objekten gegenüber. Die Welt wird zum Verfügbaren, der Mensch zum Verfüger. Auf dieser Grundlage entstehen Beherrschbarkeit, Nutzbarkeit und Verdinglichung. Das innewohnende Weltverhältnis wird dadurch überdeckt. Aus Mitwelt wird Objektwelt.

Die vierte Symbolwelt ist die Architektur von innen und außen. Sie erzeugt den Eindruck, es gebe ein inneres Selbst, einen inneren Besitzer, ein inneres Ich, dem eine äußere Welt, ein äußerer Körper und äußere Dinge gegenüberstehen. Damit wird die Eigentumslogik vorbereitet. Der Körper erscheint dann nicht mehr als Vollzug eines Lebenszusammenhangs, sondern als Gegenstand, den ein inneres Ich besitzt. Genau hier setzt der Satz an: Ich gehöre mir. Diese Welt von innen und außen ist eine mächtige symbolische Konstruktion, die als Tatsache erlebt wird und gerade dadurch das Einssein und die Zusammengehörigkeit boykottiert.

Die fünfte Symbolwelt ist die Eigentums- und Verfügungswelt. Eigentum kann eine juristische Ordnungsform sein. Es wird aber zur falschen Tatsachenwelt, sobald Eigentum am Selbst, am Körper, an Lebensgrundlagen oder sogar an Weltverhältnissen gedacht wird. Dann erscheint es selbstverständlich, dass man mit sich und der Welt machen könne, was man will. Eigentum wird von einer Rechtskonstruktion zu einer anthropologischen Grundfigur erhoben. Genau darin liegt die tiefe Verbindung von Eigentumslogik, Herrschafts-Ich und Waren-Selbst.

Die sechste Symbolwelt ist die Personen- und Rechtswelt. Person, Bürger, Rechtssubjekt, Würde, Verantwortlichkeit, Freiheit und Gleichheit sind nicht einfach falsch. Aber sie werden gefährlich, wenn sie nicht mehr als normative Konstruktionen, sondern als unmittelbare Lebenswirklichkeiten gelten. Dann erzeugen sie jene scheinbare Tatsachenwelt, in der juristische Formen mit den Bedingungen des Lebens verwechselt werden. Die rechtliche Person ist nicht identisch mit dem stoffwechselhaften Organismus. Sobald diese Differenz verschwindet, entstehen tote Begriffe mit enormer institutioneller Macht.

Die siebte Symbolwelt ist die Welt von Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung. Auch sie sind nicht bloß Täuschungen. Sie werden jedoch falsch, wenn sie nicht als begrenzte und referenzgebundene Verhältnisse verstanden werden. In der entkoppelten Form erscheinen sie als absolute Eigenschaften des Ich. Das Ich hält sich dann für unabhängig, souverän und selbstbegründet, obwohl es real weder Atem noch Stoffwechsel noch Regeneration selbst hervorbringen kann. Hier wird besonders deutlich, wie ein Begriff seine Anschauung verlieren und dennoch als Wirklichkeit herrschen kann.

Die achte Symbolwelt ist die Welt der Neutralität, Objektivität und Wertfreiheit. Diese Welt ist im Wissenschafts- und Institutionsverständnis besonders mächtig. Neutralität kann als methodische Disziplin sinnvoll sein. Sie wird aber zur Täuschung, wenn sie so behandelt wird, als gäbe es tatsächlich einen ortlosen, folgenlosen, körperlosen Standpunkt außerhalb von Mitwelt, Stoffwechsel, Geschichte und Interesse. Dann entsteht die Illusion, Begriffe, Institutionen und Urteile könnten ohne eigene Einbindung und ohne Rückwirkung gebildet werden. Auch dies ist eine Form des Herrschafts-Ichs, nur in kühler, institutioneller Gestalt.

Die neunte Symbolwelt ist die Fortschritts- und Machbarkeitswelt. Sie setzt voraus, dass das Neue, das Mehr, das Schnellere, das Effektivere und das technisch Mögliche schon dadurch legitim seien, dass sie möglich oder erfolgreich sind. Diese Symbolwelt lebt von einer stillen Entkopplung der Folgen. Sie betrachtet Steigerung als Fortschritt und blendet Regeneration, Belastungsgrenzen, Mitwelt und Langzeitfolgen aus. Hier wird besonders sichtbar, wie das symbolische Ich seine Tätigkeitskonsequenzen auslagert und dennoch so tut, als seien sie nicht seine Sache.

Die zehnte Symbolwelt ist die Markt-, Leistungs- und Wettbewerbswelt. In ihr erscheint der Mensch als Träger von Leistung, Talent, Können, Intelligenz und Optimierungspotenzial. Daraus wird das Waren-Selbst. Der Mensch beginnt, sich selbst als Geschäftsprodukt zu begreifen. Seine Fähigkeiten, seine Zeit, seine Aufmerksamkeit und schließlich sein Körper werden zu verwertbaren Beständen. Auch diese Welt ist nicht einfach falsch, aber sie wird zur Katastrophenform, sobald sie als natürliche Grundwahrheit des Menschseins erscheint.

Die elfte Symbolwelt ist die Gleichheits- und Gerechtigkeitswelt in ihrer entkoppelten Fassung. Gleichheit kann im rechtlichen und politischen Sinn notwendig sein. Problematisch wird sie dort, wo Gleichheit als Identität, als Symmetrie oder als Aufhebung aller realen Unterschiede missverstanden wird. Dann wird Gerechtigkeit nicht mehr an Tragfähigkeit, Bedarf, Verletzbarkeit und reale Asymmetrien zurückgebunden, sondern an abstrakte Spiegelbilder. Auch hier zeigt sich der Zusammenhang zum 50:50-Symmetriedualismus.

Die zwölfte Symbolwelt ist schließlich die Sicherheits- und Immunitätswelt. Sie lebt von der Vorstellung, man könne Schutzräume, Systeme, Grenzen, Rechte, Versicherungen, Kontrollen und Technologien so organisieren, dass die reale Verletzlichkeit des Lebens aufgehoben werde. Das ist eine besonders moderne Form der Unverletzlichkeitsphantasie. Sie übersieht, dass Sicherheit nie absolut, sondern nur innerhalb realer Rückkopplungs- und Abhängigkeitsverhältnisse möglich ist.

Zusammengefasst heißt das: Die entscheidenden Symbol- und Geltungswelten der Moderne sind nicht einfach einzelne Begriffe, sondern ganze Ordnungscluster. Zu ihnen gehören die perfekte Symmetriewelt, die Individuumswelt, die Subjekt-Objekt-Welt, die Innen-Außen-Welt, die Eigentumswelt, die Personen- und Rechtswelt, die Autonomie- und Freiheitswelt, die Neutralitätswelt, die Fortschritts- und Machbarkeitswelt, die Markt- und Leistungswelt, die abstrakte Gleichheitswelt und die Sicherheits- und Immunitätswelt. Sie alle haben einen gemeinsamen Zug: Sie beginnen als Hilfsordnungen der Orientierung und werden dann als Tatsachen des Lebens selbst behandelt.

Die eigentliche Formel Ihres Zusammenhangs lautet deshalb: Nicht nur einzelne Begriffe, sondern ganze Symbolwelten werden zur Wirklichkeit erklärt. Genau dadurch entsteht die Entkopplung. Das Prüfsystem hat die Aufgabe, diese Symbolwelten wieder als Konstruktionen sichtbar zu machen und sie an Einssein, Zusammengehörigkeit, Stoffwechsel, Grenze, Tragfähigkeit und Rückkopplung zurückzubinden.

Der moderne Grundfehler besteht darin, symbolische Ordnungen der Orientierung als ontologische Tatsachen des Lebens zu behandeln.

So entsteht aus Mathematik perfekte Ordnung, aus Recht natürliche Person, aus Orientierung Subjekt, aus Abgrenzung Individuum, aus Verfügung Eigentum, aus Möglichkeit Fortschritt und aus symbolischer Freiheit eine scheinbar reale Autonomie. Genau an dieser Stelle setzt die Plastische Anthropologie 51:49 mit ihrer Rückbindung an Naturgrammatik, Referenzsystem und innewohnendes Weltverhältnis an.