Erlebbarer Minimal-Loop
Ich schreibe den Minimal-Loop als kurzen, wissenschaftlichen Fließtext mit Überschriften, so dass er direkt als Plattform-Standard (E4) einsetzbar ist und klare Inputs/Outputs, Abbruchkriterien und Versionierung enthält.
Minimal-Loop der Kalibrierung als E4-Standard
Der Minimal-Loop ist die kleinste geschlossene Prüfschleife, die eine Aussage aus der Imago-Sphäre in einen revisionsfähigen Rückkopplungsbetrieb überführt. Er erzwingt die Prüfungsrichtung „Tragfähigkeit rahmt Geltung“: E1/E2 liefern den nicht verhandelbaren Referenzraum, E3 liefert Entwurf und Koordination, E4 organisiert Sichtbarkeit, Zurechnung und Revision. Ein Text, der den Minimal-Loop nicht vollständig durchläuft, bleibt als Entwurf markiert und darf keine Trägerbehauptung tragen.
Eingabeformat
Ausgangspunkt ist eine handlungsrelevante Formulierung: eine Entscheidung, eine Behauptung oder ein Vorhaben. Falls nur eine Meinung vorliegt, wird sie zunächst in eine prüfbare Wirkbehauptung übersetzt: Welche Tätigkeit würde folgen, welche Veränderung würde eintreten, welche Kosten oder Risiken wären berührt. Der Loop startet mit einer Ein-Satz-These, die so präzise ist, dass sie später revidierbar ist.
Durchlauf
Im ersten Schritt wird der Referenzrahmen der Rückkopplungswelt festgelegt. Dazu wird benannt, welche Trägerbedingungen (E1) und welche Lebens-/Stoffwechselbedingungen (E2) betroffen sind, einschließlich Zeitfenster, Grenzen, Reparaturfähigkeit und möglicher Irreversibilitäten. Ohne diesen Rahmen bleibt jede Begründung Imago-Plausibilität.
Im zweiten Schritt erfolgt die Ebenentrennung. Es wird getrennt, was Setzung ist (Rolle, Norm, Narrativ, Kennzahl, Statussignal) und was Wirkzusammenhang behauptet wird. Für jede Wirkbehauptung wird mindestens eine Widerlegungs- oder Revisionsbedingung genannt: Welche Beobachtung würde diese Behauptung schwächen oder kippen. Kann keine Bedingung genannt werden, ist das ein erster Immunisierungshinweis.
Im dritten Schritt wird ein Konsequenzpfad geführt. Die These wird in eine Tätigkeits- und Kostenkette überführt: Welche Handlungen werden ausgelöst, welche Kosten entstehen, wer trägt sie, und über welchen Rücklaufkanal kehrt Rückmeldung als Korrektur zurück. Der Pfad wird ausdrücklich über Zeit geführt (kurz/mittel/lang), weil Entkopplung typischerweise über Zeitverzug und verteilte Kostenträgerschaft stabilisiert wird.
Im vierten Schritt folgt der Zeit-, Schwellen- und Hysterese-Check. Standardannahme ist Nichtlinearität: Verzögerung, Schwellen, Pfadabhängigkeit und Irreversibilität gelten, bis das Gegenteil begründet ist. Es wird benannt, wo Kipppunkte möglich sind, welches Revisionsfenster realistisch ist und welche Folgen nicht zurücknehmbar wären.
Im fünften Schritt wird Zurechnung operationalisiert. Es wird festgelegt, wer revisionspflichtig ist, wer den Revisionshebel besitzt und wie Fehlerkosten zurückgebucht werden können. Das ist kein Moralakt, sondern Rückkopplungsmechanik: Ohne Kostenträger und Durchsetzungskanal bleibt Rückmeldung folgenlos.
Im sechsten Schritt wird Revision als Schaltpunkt formuliert. Es wird festgelegt, welcher konkrete Trigger (Beobachtung, Messpunkt, Ereignis, Kostenmarker) zu welcher Änderung der These führt. Damit wird „Irrtum“ billig und früh, statt spät und katastrophisch.
Im siebten Schritt erfolgt der Immunisierungscheck als Abschlussbarriere. Der Text wird darauf geprüft, ob er Korrektur blockiert: fehlende Widerlegungsbedingungen, fehlender Kostenträger, fehlender Rücklaufkanal, unklare Zuständigkeit, status-/identitätsbasierte Unkorrigierbarkeit, metrische Überblendung. Wird ein Blocker gefunden, lautet das Ergebnis nicht „falsch“, sondern „nicht prüffähig“; die Korrektur richtet sich dann auf E4 (Protokoll, Interface, Haftung, Versionierung), nicht auf Rhetorik.
Abbruchkriterien
Der Loop bricht mit dem Status „Entwurf“ ab, wenn E1/E2 nicht benannt werden können, wenn keine Widerlegungsbedingung formulierbar ist, wenn kein Kostenträger identifizierbar ist oder wenn kein durchsetzbarer Revisionshebel existiert. In allen Abbrüchen wird der Blocker explizit benannt; genau das ist der Arbeitsauftrag für den nächsten Durchlauf.
Ausgabeformat
Der Minimal-Loop gilt nur dann als abgeschlossen, wenn am Ende sieben Angaben vorliegen: Referenzrahmen (E1/E2), Ebenentrennung (Setzung/Wirkbehauptung), Konsequenzpfad (Tätigkeit–Kosten–Träger–Rücklauf), Zeit-/Schwellen-/Irreversibilitätscheck, Zurechnung/Haftung (Revisionshebel), Revisionsformel (Trigger → Änderung), Immunisierungsergebnis (prüffähig/nicht prüffähig).
Versionierung
Jeder Durchlauf erzeugt einen Versionsstand. Jede Revision muss einen Änderungsgrund tragen, der auf den Revisions-Trigger verweist. Damit entsteht eine nachvollziehbare Korrekturspur: nicht „eine richtige Antwort“, sondern ein stabiler Betrieb, der seine eigenen Irrtümer sichtbar und bearbeitbar macht.
