Foliengrammatikanker

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Wie werden unterschiedliche Wirklichkeitslagen sichtbar?

Der Foliengrammatikanker bestimmt die bildnerische Methode, mit der Ausschnitte, Zuschreibungen und unterschiedliche Wirklichkeitsweisen sichtbar gemacht werden können. Die Folie ist dabei kein Abbild einer objektiv geschichteten Wirklichkeit. Sie ist eine bewusst hergestellte Darstellung, die gerade durch ihre Sichtbarkeit als Zusatz kenntlich macht, dass eine Auswahl vorgenommen wurde.

Eine transparente Folie kann beispielsweise eine Eigentumsgrenze, eine Rolle, einen Wert oder eine gesellschaftliche Kategorie über einen vorhandenen Träger legen. Dadurch wird sichtbar, dass die hinzugefügte Form wirksam sein kann, ohne mit dem Träger identisch zu sein.

Die Stärke der Folie liegt in ihrer Beweglichkeit. Sie kann aufgelegt, verschoben, verglichen und wieder entfernt werden. Damit materialisiert sie den Status menschlicher Wirklichkeitsdarstellungen: Sie sind notwendig, aber nicht endgültig.

Träger und Zuschreibung

Die Foliengrammatik erlaubt, unterschiedliche Wirklichkeitsweisen voneinander zu unterscheiden, ohne sie in vollständig getrennte Welten aufzulösen. Ein Boden kann materieller und lebendiger Zusammenhang und zugleich gesellschaftliches Eigentum sein. Ein Mensch kann gesellschaftliche Rollen besitzen, ohne vollständig mit ihnen identisch zu werden. Ein Gegenstand kann einen Preis haben, ohne dass der Preis sämtliche Eigenschaften seines Trägers ausdrückt.

Gerade dabei muss auch das sogenannte Grundbild als Darstellung erkennbar bleiben. Es ist nicht die unvermittelte Wirklichkeit unter den Folien. Auch ein Foto oder eine Zeichnung ist bereits ein Ausschnitt. Die Foliengrammatik erzeugt deshalb keine Hierarchie zwischen einer „wahren“ Unterlage und bloßen künstlichen Auflagen. Sie macht unterschiedliche menschliche Hervorbringungen vergleichbar.

Folie, Tätigkeit und Rückkehr

Die Folie erhält ihre eigentliche Forschungsfunktion, wenn sie mit Tätigkeit verbunden wird. Eine Eigentums- oder Wertfolie bleibt nicht lediglich Darstellung. Menschen können aufgrund solcher Zuschreibungen handeln. Danach kann eine weitere Darstellung der tatsächlich eingetretenen Folge hinzutreten.

E4 erscheint in dieser Grammatik nicht als zusätzliche oberste Folie. Es ist die Rückbewegung zu einer bereits aufgelegten Darstellung. Eine spätere Erfahrung kann dazu führen, dass eine frühere Folie verschoben, ergänzt oder entfernt wird.

Die Foliengrammatik wird dadurch von einem statischen Schichtmodell zu einem bildnerischen Rückkopplungsverfahren.

Die leere Folie

Von besonderer Bedeutung ist die leere Folie. Sie verhindert, dass sämtliche Wirklichkeitsdarstellungen bereits vom Künstler vorgegeben werden. Der Benutzer muss selbst entscheiden, welche Grenze, Rolle oder Zuschreibung er sichtbar machen möchte. Dadurch wird die eigene Auswahl zum Gegenstand der Prüfung.

Die zentrale Frage lautet:

Was macht diese Folie sichtbar – und was macht gerade sie unsichtbar?

Eine zweite Formel beschreibt die methodische Grenze:

Eine festgeklebte Folie wird zur Skulptur. Eine abnehmbare Folie bleibt Prüfwerkzeug.

Damit ist die Foliengrammatik keine Lehre verschiedener Wirklichkeitsschichten, sondern eine künstlerische Grammatik korrigierbarer Darstellungen.

Für diesen Anker ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Die Foliengrammatik darf nicht so aussehen, als bestünde die Wirklichkeit selbst aus sauber übereinanderliegenden Folien. Die Folien sind menschlich hergestellte, bewegliche Schnitte und Darstellungen. Gerade indem sie aufgelegt, gegeneinander verschoben und wieder entfernt werden können, machen sie sichtbar, wie Menschen Wirklichkeitslagen auswählen, überlagern und teilweise miteinander verwechseln. Das bisherige Material bestimmt Folien entsprechend als vermittelnde Prüfmittel, die eine Darstellung vorübergehend verändern, ohne den Anspruch zu erheben, die einzig richtige Darstellung zu sein.

Foliengrammatikanker

Wie werden unterschiedliche Wirklichkeitslagen sichtbar?

Die Folie als bewegliches Bild-, Erkenntnis- und Prüfwerkzeug der Forschungskunst

Funktion des Foliengrammatikankers

Der Foliengrammatikanker beantwortet innerhalb meiner Forschungskunst die Frage, wie unterschiedliche Wirklichkeitslagen, menschliche Zuschreibungen, Abhängigkeiten, Tätigkeiten und zeitliche Veränderungen sichtbar gemacht werden können, ohne sie in einem einzigen feststehenden Bild miteinander zu vermischen.

Damit übernimmt dieser Anker eine besondere Vermittlungsfunktion zwischen den bisher entwickelten Ankern. Der Plexus-/Wirklichkeitsanker beschreibt den vorausliegenden Wirkungszusammenhang, innerhalb dessen Mensch, Material, Organismus und Gesellschaft existieren. Der Prüfanker des Begriffshandwerks untersucht, wie der Mensch daraus Ausschnitte bildet, unterscheidet, benennt und Eigenschaften zuschreibt. Der Tätigkeitskonsequenzanker verfolgt, was geschieht, wenn aufgrund solcher Vorstellungen gehandelt wird. Der Verortungs-/Zeitanker macht sichtbar, dass diese Vorgänge immer an bestimmten Orten, zu bestimmten Zeitpunkten und unter konkreten Bedingungen stattfinden.

Die Foliengrammatik übersetzt diese Zusammenhänge in eine bildnerisch-plastische Versuchsanordnung.

Sie soll nicht lediglich erklären, was Plexus, E1–E4, Eigentum, Skulpturidentität, Tätigkeitskonsequenz oder Lochprozess bedeuten. Sie soll den Benutzer etwas tun lassen, wodurch diese Unterschiede sichtbar und körperlich nachvollziehbar werden.

Eine Folie kann aufgelegt werden.

Sie kann etwas verdecken.

Sie kann etwas hinzufügen.

Sie kann einen Zusammenhang hervorheben.

Sie kann verschoben werden.

Sie kann mit einer anderen Folie kollidieren.

Und vor allem kann sie wieder abgenommen werden.

Gerade darin liegt ihre besondere erkenntniskünstlerische Qualität.

Warum von einer „Grammatik“ gesprochen werden kann

Der Begriff Foliengrammatik bezeichnet mehr als eine Sammlung einzelner Bilder.

Eine Sprache besteht nicht nur aus Wörtern. Entscheidend ist auch, wie diese Wörter miteinander verbunden werden können und wie sich ihre Bedeutung durch ihre Stellung verändert.

Ähnlich verhält es sich mit den Folien.

Eine einzelne Folie kann ein bestimmtes Bild oder eine bestimmte Aussage enthalten. Ihre eigentliche Forschungsfunktion entsteht jedoch erst durch das Verhältnis zu anderen Folien und zu einem darunterliegenden Bildträger.

Die Foliengrammatik besteht deshalb nicht nur aus Bildinhalten, sondern aus Operationen.

Ein Bild kann auf ein anderes gelegt werden. Eine Zuschreibung kann sichtbar hinzugefügt werden. Ein Bereich kann ausgeschnitten werden. Eine Grenze kann eingezeichnet werden. Eine Rolle kann einem Körper überlagert werden. Eine gesellschaftliche Ordnung kann über eine Landschaft gelegt werden. Eine Tätigkeitsfolge kann nachträglich ergänzt werden. Eine Folie kann entfernt werden, um zu prüfen, was auch ohne diese menschliche Konstruktion bestehen bleibt.

Die Grammatik liegt somit in der Beziehung zwischen Träger, Folie, Überlagerung, Gegenüberstellung, Verschiebung, Ausschnitt, Entfernung und Rückprüfung.

Die Folie ist kein fertiger Satz über die Welt.

Sie ist ein bewegliches Satzglied der Wirklichkeitsprüfung.

Die Folie als sichtbar gemachter Ausschnitt

Jede menschliche Erkenntnis benötigt einen Ausschnitt.

Genau deshalb ist die Folie für meine Forschungskunst so geeignet.

Sie tut nicht so, als zeige sie alles.

Ihre materielle Begrenzung ist sichtbar.

Der Benutzer kann ihre Kanten sehen und anfassen. Damit wird etwas offengelegt, was bei Begriffen, wissenschaftlichen Modellen und gesellschaftlichen Kategorien häufig vergessen wird: Eine Darstellung besitzt eine Grenze.

Wenn ich auf einer Folie eine Grundstücksgrenze einzeichne, wird unmittelbar sichtbar, dass diese Linie auf einen darunterliegenden Boden gelegt wird.

Wenn ich die Folie entferne, verschwindet die gezeichnete Eigentumsgrenze, der dargestellte Boden jedoch nicht.

Damit erzeugt die Folie keine Behauptung, Eigentum sei „unwirklich“. Eigentumsordnungen können das Verhalten von Menschen und damit den Boden tiefgreifend verändern.

Sie macht vielmehr einen Unterschied der Wirklichkeitsweise sichtbar:

Die gesellschaftliche Grenze wird auf einen vorausliegenden materiellen und lebendigen Zusammenhang gelegt.

Die Folie materialisiert damit den Vorgang der Dingselektion, Benennung und Zuschreibung.

Der transparente Träger

Die Transparenz besitzt dabei nicht nur eine technische, sondern eine erkenntniskünstlerische Funktion.

Wäre jede neue Darstellung vollständig undurchsichtig, würde die vorherige Ebene verschwinden.

Die transparente Folie ermöglicht dagegen, dass mehrere Wirklichkeitslagen gleichzeitig erkennbar bleiben.

Der Körper bleibt sichtbar, während eine gesellschaftliche Rolle darübergelegt wird.

Die Landschaft bleibt sichtbar, während eine Eigentumsgrenze erscheint.

Das Abhängigkeitsnetz bleibt sichtbar, während darüber der Satz „Ich bin frei“ gelegt wird.

Damit wird keine der Darstellungen automatisch aufgehoben.

Sie werden gleichzeitig miteinander konfrontiert.

Gerade diese Gleichzeitigkeit ist entscheidend.

Der Benutzer muss nicht erst eine lange sprachliche Argumentation verstehen. Er kann sehen, dass zwei Aussagen gleichzeitig vorhanden sind und möglicherweise in Spannung zueinander stehen.

Die Folien kommentieren sich dadurch nicht nur gegenseitig. Sie können sich durch ihr tatsächliches Übereinanderliegen widersprechen. Genau diese Funktion ist im bisherigen Foliensystem bereits herausgearbeitet worden.

Die Grundfolie: vorausliegende Wirklichkeit

Jedes Foliensystem benötigt einen Ausgangsträger.

Dieser Träger darf jedoch nicht als „die Wirklichkeit selbst“ bezeichnet werden.

Auch eine fotografierte Landschaft, eine Zeichnung des Kosmos oder ein Körperschema ist bereits eine menschliche Darstellung.

Die Grundfolie beziehungsweise das Grundbild besitzt deshalb eine bescheidenere Funktion.

Sie stellt den Versuch dar, zunächst möglichst wenig gesellschaftliche Zuschreibungen einzutragen und die vorausliegenden materiellen und lebendigen Abhängigkeiten sichtbar zu machen.

Eine solche Grunddarstellung könnte kosmische und physikalische Bedingungen enthalten: Gravitation, Atmosphäre, Sonnenenergie, Wasser, Temperatur, Stoffe und Bewegung.

Darüber beziehungsweise darin können lebendige Zusammenhänge erscheinen: Organismen, Pflanzen, Mikroorganismen, Nahrung, Stoffwechsel, Atmung und gegenseitige Abhängigkeiten.

Entscheidend ist, dass der Mensch darin nicht als isolierter Mittelpunkt erscheint.

Er ist ein Vorgang innerhalb dieses Zusammenhangs.

Das Grundbild wird damit nicht zur Darstellung einer menschenfreien „absoluten Realität“, sondern zu einer Arbeitsgrundlage, auf der weitere menschliche Schnitte sichtbar gemacht werden können.

Das Plexusbild als Beziehungsfolie

Die Plexusfolie ergänzt die Grunddarstellung um Beziehungen.

Sie verhindert, dass die sichtbaren Körper bereits wieder als voneinander unabhängige Dinge verstanden werden.

Verbindungslinien, Durchdringungen oder andere bildnerische Mittel können zeigen, dass Sauerstoff, Wasser, Nahrung, Temperatur, Gravitation, Mikroorganismen, technische Voraussetzungen und andere Menschen am Fortbestehen eines menschlichen Organismus beteiligt sind.

Dabei muss sorgfältig vermieden werden, aus dem Plexus ein dekoratives Netz zu machen, in dem scheinbar „alles mit allem“ verbunden ist.

Die Folie soll konkrete Abhängigkeiten sichtbar machen.

Ihre Aussage lautet nicht:

Alles ist eins.

Sondern:

Dasjenige, was als eigenständige Form erscheint, besitzt Bedingungen und Beziehungen, ohne die es in dieser Form nicht bestehen könnte.

Damit wird die Plexusfolie zum bildnerischen Gegenmittel gegen die voreilige Dingselektion.

Der Mensch als membranvermittelte Form

Eine weitere Folie muss den menschlichen Körper nicht nur als geschlossene Silhouette darstellen, sondern als membranvermittelten Prozess.

Atmung, Wärmeaustausch, Nahrungsaufnahme, Ausscheidung und weitere Stoffwechselvorgänge können sichtbar machen, dass Innen und Außen funktional unterschieden werden und gleichzeitig permanent miteinander verbunden bleiben.

Die Haut ist eine Grenze.

Aber sie ist keine absolute Mauer.

Dadurch lässt sich die spätere Innen-Außen-Problematik unmittelbar bildlich untersuchen.

Wenn anschließend eine Folie über den Menschen gelegt wird, auf der er sich als vollständig unabhängiges, abgeschlossenes Individuum versteht, entsteht eine sichtbare Differenz zwischen körperlicher Wirklichkeit und vorgestellter Autonomie.

„Ich bin frei“ als Zuschreibungsfolie

Eine der stärksten Folien innerhalb dieser Grammatik kann deshalb die einfache Aussage sein:

„Ich bin frei.“

Die Folie darf diese Aussage nicht moralisch widerlegen.

Sie wird auf den bereits sichtbaren Abhängigkeitszusammenhang gelegt.

Unter der Aussage bleiben Körper, Atmosphäre, Nahrung, Wasser, Temperatur, Gravitation, Sprache, andere Menschen und technische Infrastrukturen sichtbar.

Dadurch entsteht eine produktive Spannung.

Die Frage lautet nicht:

Ist Freiheit falsch?

Sondern:

Welche Art von Freiheit kann innerhalb dieser Abhängigkeiten überhaupt gemeint sein?

Damit wird aus einer philosophischen Behauptung eine bildnerische Prüfung.

Die Folie verändert den Freiheitsbegriff nicht durch Gegenpropaganda, sondern durch Gegenüberstellung mit seinen Voraussetzungen.

Der Astronaut als Abhängigkeitsfolie

Der Astronaut beziehungsweise der Raumanzug kann diesen Zusammenhang extrem verdichten.

Auf den ersten Blick erscheint der Astronaut als maximal autonomes Individuum.

Er kann eine Umgebung betreten, in der ein ungeschützter Mensch nicht überleben würde.

Gerade der Raumanzug macht jedoch sichtbar, dass diese Autonomie technisch vermittelte Abhängigkeit ist.

Luft, Druck, Temperatur, Energie und weitere Bedingungen müssen künstlich organisiert werden.

Der Raumanzug wird dadurch zu einer besonders geeigneten Folie für die Frage:

Was verstehen wir unter Selbstständigkeit, wenn sämtliche Möglichkeiten des Handelns von vorausliegenden und technisch vermittelten Tragbedingungen abhängen?

Auch die Thermosflasche beziehungsweise ihre Schnittdarstellung kann hier eine erkenntniskünstlerische Funktion erhalten. Sie kann Isolation als technisch hergestellte Reduktion bestimmter Austauschbeziehungen zeigen.

Damit wird sichtbar, dass Isolation selbst eine Tätigkeit und Konstruktion ist.

Flasche, Thermosflasche und Isolationsraum

Die Flaschen- und Thermosflaschenbilder gehören deshalb nicht nur in eine technische Nebenreihe.

Sie können eine grundlegende Frage der Foliengrammatik darstellen:

Wie wird aus einer membranartigen Grenze ein Isolationsraum?

Eine Thermosflasche versucht den Austausch mit ihrer Umgebung stark zu reduzieren.

Überträgt man dieses Modell auf Begriffe, wissenschaftliche Disziplinen oder gesellschaftliche Rollen, entsteht eine wichtige Vergleichsmöglichkeit.

Auch dort können Isolationsräume hergestellt werden.

Ein Fachgebiet grenzt bestimmte Fragen aus.

Eine Rolle definiert einen begrenzten Zuständigkeitsbereich.

Eine Eigentumsordnung zieht eine Grenze.

Ein Begriff schneidet einen Gegenstand aus seinem größeren Zusammenhang heraus.

Die Folie darf jedoch nicht behaupten, diese Bereiche seien identisch mit einer Thermosflasche.

Sie nutzt das technische Modell als vergleichendes Gegenüber, um über unterschiedliche Formen der Abschließung nachdenken zu können.

Die russische Puppe und verschachtelte Isolationsräume

Die Vorstellung verschachtelter Räume kann durch das Bild der russischen Puppe weiterentwickelt werden.

Ein Mensch befindet sich in einem Körper, innerhalb eines Hauses, einer Rolle, einer Institution, eines Staates, einer Wirtschaftsordnung oder eines Weltbildes.

Jede dieser Formen kann eigene Grenzen erzeugen.

Die Foliengrammatik kann diese Grenzen nacheinander sichtbar machen.

Dabei darf jedoch nicht der Eindruck entstehen, die Wirklichkeit bestehe tatsächlich aus vollständig ineinandergesteckten Behältern.

Die entscheidende Prüfung lautet gerade:

Welche dieser Grenzen sind materiell, welche lebendig, welche technisch hergestellt und welche gesellschaftlich zugeschrieben?

Die Folien ermöglichen dadurch eine Untersuchung der verschiedenen Arten von Innen und Außen.

Eigentum als Folienoperation

Eigentum eignet sich besonders gut, um die Stärke der Foliengrammatik zu demonstrieren.

Eine Landschaft kann zunächst ohne eingezeichnete Grundstücksgrenzen dargestellt werden.

Dann wird eine transparente Eigentumsfolie aufgelegt.

Plötzlich entstehen Parzellen.

Namen oder Besitzverhältnisse können hinzugefügt werden.

Dadurch verändert sich das menschliche Handlungsrecht erheblich.

Der Boden selbst hat jedoch nicht durch den bloßen Folienwechsel seine chemische Zusammensetzung geändert.

Das bedeutet nicht, Eigentum sei unwirklich.

Im nächsten Schritt kann gerade sichtbar gemacht werden, dass die Eigentumsfolie bestimmte Tätigkeiten ermöglicht.

Ein Eigentümer darf möglicherweise bauen, roden, verkaufen oder andere Menschen ausschließen.

Damit wirkt die E3-Folie über menschliche Tätigkeit auf E1 und E2 zurück.

Genau hier darf die Foliengrammatik nicht stehenbleiben.

Die nächste Folie muss die Tätigkeitskonsequenz zeigen.

Der Mensch mit dem Spaten als Tätigkeitsfolie

Der Mensch mit dem Spaten erhält deshalb innerhalb des Foliensystems eine zentrale Stellung.

Bis zu diesem Punkt können unterschiedliche Vorstellungen auf dem Bild liegen.

Mit dem Spaten tritt Tätigkeit hinzu.

Aus der Frage:

Was denke ich über den Boden?

wird:

Was tue ich mit diesem Boden?

Die Tätigkeitsfolie stellt damit den Übergang vom Begriff zur Konsequenz dar.

Sie fragt nicht mehr nur:

Was ist es?

Sie fragt:

Was bewirkt es?

Und noch genauer:

Was bewirke ich dadurch, dass ich es hier, jetzt und auf diese Weise tue?

Gerade dieser Übergang ist im bisherigen Foliensystem bereits als Gegenposition zur Skulpturfolie formuliert worden.

Der Spaten verbindet dabei Hand, Werkzeug, Kraft, Boden und Veränderung.

Damit wird die Folie selbst zum Bild des Ereignishorizontes.

Die Tätigkeitskonsequenz muss als eigene Lage erscheinen

Eine wesentliche Erweiterung der Foliengrammatik besteht darin, die Folge nicht im Tätigkeitsbild verschwinden zu lassen.

Zwischen Tätigkeit und Konsequenz muss bildnerisch unterschieden werden können.

Eine Folie zeigt die Ausgangssituation.

Eine weitere die Tätigkeit.

Eine weitere den veränderten Zustand.

Dadurch kann sichtbar werden, dass eine Absicht und eine Folge nicht dasselbe sind.

Die zeitliche Struktur wird plastisch.

Auch verzögerte Folgen können auf diese Weise dargestellt werden. Ein Eingriff muss nicht sofort alle seine Konsequenzen zeigen.

Die Foliengrammatik wird dadurch zugleich zu einer Zeitgrammatik.

Zeitfolien

Zeit kann nicht selbst wie ein Gegenstand auf eine Folie gedruckt werden. Wohl aber können unterschiedliche Zustände eines Zusammenhangs zu verschiedenen Zeitpunkten vergleichbar gemacht werden.

Ein Grundbild kann einen Ausgangszustand darstellen.

Eine spätere Folie zeigt eine Tätigkeit.

Eine weitere Folie zeigt eine beobachtete Folge.

Eine Zukunftsfolie könnte eine mögliche weitere Entwicklung darstellen.

Dabei muss streng erkennbar bleiben, was dokumentierter Zustand, gegenwärtige Beobachtung, Prognose oder bloße Hypothese ist.

Die Foliengrammatik verhindert dadurch, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bildlich gleichbehandelt werden.

Sie ermöglicht chronologische Gegenüberstellung, ohne zukünftige Möglichkeiten als bereits eingetretene Wirklichkeit auszugeben.

Wellenbecken und Ausbreitung der Wirkung

Das Wellenbecken kann innerhalb der Foliengrammatik den Übergang von der lokalen Tätigkeit zur räumlich fortgesetzten Konsequenz zeigen.

Der Eingriff findet an einer Stelle statt.

Die Wirkung bewegt sich jedoch durch das gemeinsame Medium.

Eine transparente Folgenfolie könnte zeigen, wie sich der Wirkungsbereich über die ursprüngliche Handlungsstelle hinaus erweitert.

Dies ist insbesondere für Eigentum, Produktion, Konsum und technische Eingriffe wichtig.

Eine gesellschaftliche Grenze kann auf einer Folie sichtbar sein.

Eine physikalische oder biologische Wirkung kann eine andere Folie benutzen und diese Grenze überschreiten.

Dadurch wird die Differenz nicht nur erklärt, sondern gesehen:

Eine E3-Grenze muss keine Grenze des E1- oder E2-Wirkungszusammenhangs sein.

Der Sandtrichter als Prozessfolie

Der Sandtrichter gehört zu den besonders geeigneten Operatoren der Foliengrammatik, weil er nicht nach einer unveränderlichen Identität fragt, sondern nach Lage, Einwirkung, Bewegung, Verteilung und Folge.

Eine Figur steht nicht einfach „im Sand“.

Je nachdem, wo sie sich befindet, wie Sand zugeführt wird, welche Bewegung stattfindet und welche Schutz- oder Ausweichmöglichkeiten bestehen, verändert sich ihre Situation.

Damit wird aus dem Standbild ein Prozessbild.

Die Folie fragt nicht:

Was ist dieser Mensch?

Sondern:

Was geschieht mit ihm unter diesen Bedingungen?

Der Sandtrichter bildet dadurch ein Gegenmodell zur Skulpturidentität.

Saftpresse und Umwandlung

Auch die Saftpresse kann als Prozessoperator eingesetzt werden.

Ein Material tritt in eine technische Vorrichtung ein und verlässt sie in veränderter Form.

Dabei kann sichtbar gemacht werden, dass menschliche Tätigkeit nicht nur Dinge „benutzt“, sondern Stoffe, Lebenszusammenhänge und Wertordnungen transformiert.

Besonders interessant wird die Presse, wenn die materielle Umwandlung mit einer gesellschaftlichen Wertumwandlung überlagert wird.

Was wird als wertvoller Teil herausgezogen?

Was wird als Rest behandelt?

Welche Teile des Ausgangszusammenhangs verschwinden aus der Bewertung?

Die Presse kann damit zu einem Bild für Selektion durch Verwertung werden.

Gold und Vergoldung als Wertfolie

Die Vergoldung besitzt eine ähnliche Funktion.

Ein Gegenstand erhält eine dünne materielle Schicht und kann dadurch innerhalb einer gesellschaftlichen Ordnung einen erheblich veränderten Wert bekommen.

Die Folie kann hier die Differenz zwischen materieller Veränderung und gesellschaftlicher Aufwertung sichtbar machen.

Wiederum lautet die Aussage nicht, gesellschaftlicher Wert sei unwirklich.

Die Frage lautet:

Welche Art von Wirklichkeit wird hier hinzugefügt?

Und anschließend:

Welche Tätigkeiten entstehen aufgrund dieser Wertzuschreibung?

Damit verbindet die Vergoldungsfolie E1 und E3 mit dem Tätigkeitskonsequenzanker.

Theaterfolie und Rollenidentität

Die Foliengrammatik muss neben der bildnerischen auch die darstellerische Kunst aufnehmen.

Die Theaterfolie kann zeigen, dass ein Mensch unterschiedliche Rollen übernimmt.

Eigentümer, Arbeitnehmer, Professor, Künstler, Bürger, Gewinner oder Verlierer können als Rollenbilder über denselben lebendigen Körper gelegt werden.

Im Theater ist zunächst selbstverständlich, dass Darsteller und Rolle nicht identisch sind.

Die entscheidende Frage entsteht erst beim Übergang in die gesellschaftliche Wirklichkeit:

Wann hört der Mensch auf zu wissen, dass er eine Rolle spielt?

Damit wird Skulpturidentität nicht nur als festes Standbild, sondern als erstarrte Rollenidentität verständlich. Das bisherige Foliensystem verbindet diese darstellerische Ebene ausdrücklich mit der Unterscheidung zwischen Skulpturidentität und plastischem Ich.

Das plastische Ich als Veränderungsfolie

Dem Rollenbild muss deshalb das plastische Ich gegenübergestellt werden.

Das plastische Ich besitzt keine Folie mit der endgültigen Aufschrift:

„Das bin ich.“

Seine Darstellung müsste Veränderung enthalten.

Atmung, Wachstum, Altern, Verletzung, Lernen, Erinnerung, Regeneration und Wechselwirkungen mit anderen Menschen gehören dazu.

Die zentrale Aussage lautet:

Ich bin nicht nur das, als was ich mich bezeichne. Ich bin ein sich fortlaufend verändernder Vorgang innerhalb von Beziehungen.

Die Foliengrammatik kann diese Differenz sichtbar machen, indem gesellschaftliche Rollen abgenommen werden, während der lebendige Körper und seine Abhängigkeiten bestehen bleiben.

Molekulare und stoffliche Durchdringung

Auch die Folie des molekularen beziehungsweise stofflichen Menschen besitzt eine wichtige Aufgabe.

Sie soll nicht behaupten, der Mensch sei „nur Moleküle“.

Sie stellt lediglich eine Wirklichkeitslage sichtbar, die in gesellschaftlichen Selbstbildern leicht verschwindet.

Der Mensch besteht aus Stoffen, nimmt Stoffe auf und gibt Stoffe ab.

Dadurch kann die Vorstellung eines unveränderlich abgegrenzten Körpers relativiert werden.

Diese Folie gehört deshalb in den Zusammenhang von Plexus, Membran und plastischem Ich.

Mensch im Wasser, Fisch und Schlange

Die Wasserfolie mit Mensch, Fisch beziehungsweise anderen Lebewesen kann eine weitere Grundfrage visualisieren: Was bedeutet Umgebung für unterschiedliche Organismen?

Ein Medium, das für den einen Organismus existenziell notwendig ist, kann für einen anderen unter bestimmten Bedingungen zur Gefahr werden.

Damit lässt sich zeigen, dass Tragbedingungen relational sind.

„Wasser“ besitzt nicht abstrakt die Eigenschaft, Lebensraum oder Gefahr zu sein.

Die konkrete Wirkungsweise hängt von Organismus, Situation, Zeit und weiteren Bedingungen ab.

Diese Folie kann damit das dreifache Optimum und die Toleranzproblematik bildlich vorbereiten, ohne diese Begriffe zunächst erklären zu müssen.

Die theoretischen Folien als historische Wirklichkeitsmodelle

Eine besondere Gruppe innerhalb der Foliengrammatik bilden historische Denkmodelle.

Hier ist größte Vorsicht erforderlich.

Eine Platonfolie, Aristotelesfolie, Christentumsfolie oder Physikfolie darf nicht behaupten, eine gesamte philosophische, religiöse oder wissenschaftliche Tradition vollständig abzubilden.

Sie muss ausdrücklich als reduzierte künstlerische Prüfskizze bestimmter historisch wirksamer Ordnungsformen erkennbar bleiben.

Ihre Funktion besteht darin, unterschiedliche Arten der Wirklichkeitsorganisation vergleichbar zu machen.

Die Platonfolie

Die Platonfolie kann beispielsweise einen körperlich beweglichen Bereich, einen Bereich von Schatten oder Abbildern und einen darüberliegenden geometrisch beziehungsweise golden dargestellten Ideenbereich zeigen.

Ihre Prüfoperation bestünde darin, sichtbar zu machen, was geschieht, wenn dem Unveränderlichen ein höherer Wirklichkeitsrang zugesprochen wird als dem Veränderlichen.

Die Folie wäre deshalb keine kunsthistorische Behauptung „Platon ist so“.

Sie wäre eine Versuchsanordnung:

Welche Konsequenzen entstehen, wenn unveränderliche Form gegenüber veränderlichem Prozess bevorzugt wird?

Damit kann die Folie zur Untersuchung der späteren Skulpturidentität beitragen.

Die Aristotelesfolie

Die Aristotelesfolie könnte dagegen stärker Prozess, Material, Form, Bewegung und Zielrichtung zusammenführen.

An einer wachsenden Pflanze lässt sich zeigen, dass Form nicht notwendigerweise als außerhalb des Prozesses liegende unveränderliche Vorlage gedacht werden muss.

Damit entsteht kein einfacher Gegensatz „Platon falsch – Aristoteles richtig“.

Beide Folien werden zu Gegenübern.

Der Benutzer kann untersuchen, welche Wirklichkeitsaspekte jeweils sichtbar werden und welche möglicherweise ausgeblendet bleiben.

Die Christentumsfolie

Eine christliche Folie kann untersuchen, wie Leib, Seele, Schöpfung, jenseitige Ordnung und menschliche Sonderstellung in bestimmten historischen Bildtraditionen angeordnet werden.

Auch hier darf keine gesamte Religion auf ein einziges Diagramm reduziert werden.

Die Folie untersucht eine bestimmte vertikale Wirklichkeitsanordnung: Körper beziehungsweise irdische Welt unten, Seele oder jenseitiger Geltungsbereich darüber.

Die Frage lautet dann:

Was verändert sich im Verhältnis zum lebendigen Körper, wenn sein wesentlicher Wert in einen von ihm unterschiedenen Bereich verlagert wird?

Die Folie liefert keine Antwort.

Sie stellt eine historische Wirklichkeitskonstruktion prüfbar neben andere.

Die Physikfolie

Die Physikfolie kann Größen wie Masse, Kraft, Temperatur, Druck, Bewegung und mathematische Messung sichtbar machen.

Entscheidend ist jedoch, auch hier die Grenze der Folie zu zeigen.

Physikalische Messung kann bestimmte Wirkungszusammenhänge mit außerordentlicher Präzision erfassen.

Die Folie darf daraus nicht die Behauptung machen, alles Wirkliche sei auf diejenigen Größen reduziert, die sie gerade darstellt.

Deshalb kann außerhalb des Messrasters sichtbar bleiben, was in anderen Untersuchungsweisen relevant wird: Organismus, Verletzbarkeit, gesellschaftliche Bedeutung, Tätigkeit und Verantwortung.

Das Ziel besteht nicht darin, Physik zu kritisieren, sondern den methodischen Ausschnitt sichtbar zu halten.

Die wissenschaftlichen Disziplinen als Folienausschnitte

Von hier aus lässt sich ein weiterer zentraler Gedanke entwickeln.

Auch einzelne wissenschaftliche Disziplinen können als Folien verstanden werden.

Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Ökonomie, Recht oder Philosophie legen unterschiedliche methodische Raster über denselben Vorgang.

Jedes Raster kann außerordentlich leistungsfähig sein.

Das Problem entsteht erst, wenn vergessen wird, dass es sich um einen Ausschnitt handelt.

Die Foliengrammatik kann deshalb einen gemeinsamen Vorgang unter verschiedenen wissenschaftlichen Darstellungen zeigen.

Der Vorteil besteht gerade darin, dass keine dieser Folien verschwinden muss.

Sie können übereinandergelegt werden.

Dadurch wird sichtbar, dass beispielsweise eine Handlung gleichzeitig physikalische, biologische, ökonomische, rechtliche und gesellschaftliche Dimensionen besitzen kann.

Die moderne wissenschaftliche Arbeitsteilung wird dadurch nicht aufgehoben.

Ihre Übergänge werden wieder sichtbar.

E1 bis E4 als Foliengrammatik, nicht als Schubladensystem

Das Vier-Ebenen-Modell eignet sich besonders gut für die Folienarbeit, birgt aber auch eine Gefahr.

Wenn E1, E2, E3 und E4 als vier übereinandergelegte farbliche Schichten dargestellt werden, könnte der Eindruck entstehen, die Wirklichkeit bestehe tatsächlich aus vier voneinander getrennten Stockwerken.

Genau das wäre falsch.

E1 bis E3 bezeichnen unterschiedliche Wirklichkeits- und Untersuchungsweisen, die in konkreter menschlicher Tätigkeit ineinandergreifen. E4 bezeichnet keine vierte Substanz, sondern die Rückkopplung, durch die Tätigkeitsfolgen wieder auf menschlich erzeugte Ordnungen zurückwirken können. Im bisherigen Arbeitsmaterial wird ausdrücklich davor gewarnt, die Ebenen als vier Schubladen nebeneinanderzustellen.

Die Foliengrammatik muss deshalb gerade die Durchdringung zeigen.

Ein Eigentumsvertrag auf E3 kann dazu führen, dass auf E1 eine Maschine einen Boden verändert. Diese Tätigkeit kann E2-Organismen verletzen. Wissenschaftliche Beobachtungen dieser Veränderungen können anschließend über E4 auf die ursprüngliche Eigentums-, Produktions- oder Rechtsordnung zurückwirken.

E4 müsste deshalb weniger als zusätzliche Folie denn als Rückbewegung durch die Folien sichtbar werden.

E4 als Rückkopplungsbewegung

Dies ist ein entscheidender Punkt für das gesamte Foliensystem.

E4 sollte bildnerisch nicht einfach „oben“ liegen.

E4 ist vielmehr die Bewegung zurück.

Eine Tätigkeitsfolge wird beobachtet.

Dann wird gefragt:

Welche frühere Folie hat diese Tätigkeit mitorganisiert?

War es ein Eigentumsbegriff?

Ein Freiheitsbegriff?

Eine Rollenordnung?

Eine technische Vorstellung?

Eine religiöse oder philosophische Annahme?

Ein wirtschaftlicher Wertmaßstab?

Dann wird die entsprechende Folie wieder hervorgeholt.

Sie kann verändert, ergänzt oder entfernt werden.

E4 ist damit nicht die letzte Folie. E4 ist das erneute Arbeiten an den bereits aufgelegten Folien.

Das entspricht dem eigentlichen plastischen Charakter der Forschungskunst.

Folie und Lochprozess

Die Folie besitzt dabei eine Doppelrolle.

Sie kann ein Loch sichtbar machen.

Sie kann aber selbst ein Loch erzeugen.

Indem eine Folie einen bestimmten Ausschnitt hervorhebt, kann anderes unsichtbarer werden.

Genau deshalb muss sie beweglich bleiben.

Das Problem liegt nicht darin, eine Folie zu verwenden.

Das Problem beginnt, wenn eine Folie dauerhaft auf dem Bild liegenbleibt und vergessen wird, dass sie aufgelegt wurde.

Damit erhält der Lochprozess eine unmittelbar sichtbare Form.

Die Folie wird zum Loch, wenn der Benutzer sie mit dem darunterliegenden Wirklichkeitszusammenhang verwechselt.

Der entscheidende methodische Vorgang besteht deshalb im Auflegen und Abnehmen.

Das Abnehmen der Folien

Das Abnehmen besitzt möglicherweise dieselbe Bedeutung wie das Auflegen.

Zu Beginn kann ein komplexer Wirkungszusammenhang sichtbar sein.

Dann legt der Mensch zunehmend Vorstellungen darüber: Dinggrenzen, Eigentum, Status, Rolle, Freiheit, Wert, Gut und Böse, wissenschaftliche Kategorien, politische Grenzen oder andere Ordnungen.

Diese Folien sind nicht grundsätzlich falsch.

Sie ermöglichen menschliche Orientierung.

Problematisch wird der Vorgang dort, wo die darunterliegenden Beziehungen vollständig verschwinden.

Die bisherige Foliendramaturgie bringt dies bereits auf eine sehr klare Formel: Am Anfang steht ein komplexer Wirkungszusammenhang, dann legt der Mensch zunehmend Folien darüber, bis er sie teilweise wieder abnehmen muss, um zu erkennen, worauf seine Vorstellungen überhaupt beruhen.

Daraus ergibt sich ein zentraler Satz des Foliengrammatikankers:

Forschungskunst besteht nicht darin, dem Menschen die richtige Folie zu geben. Sie ermöglicht ihm, seine Folien wieder als Folien zu erkennen.

Das ausgeschnittene Gehirn als Bildträger

Das bereits entwickelte Bild des menschlichen Kopfes beziehungsweise Gehirns mit einer Öffnung kann hierfür zum übergeordneten Bildträger werden.

Die Öffnung besitzt gerade deshalb Bedeutung, weil nicht ein einziges Bild dauerhaft hineingesetzt wird.

Kosmische Wirklichkeit, Plexus, Seele, Skulptur, Eigentum, Geld, Freiheit, Rolle, Tätigkeit oder Prüfoperator können nacheinander eingesetzt werden.

Damit wird eine elementare Erkenntnis sichtbar:

Der Mensch hat nicht einfach die Wirklichkeit im Kopf. Er besitzt Darstellungen von Wirklichkeit.

Die wechselbaren Folien machen diese Darstellungen austauschbar.

Noch wichtiger ist jedoch der nächste Schritt:

Der Mensch handelt aufgrund solcher Darstellungen.

Damit verbindet das Gehirnloch Foliengrammatik und Tätigkeitskonsequenzanker. Das bisherige Material fasst die Aussage entsprechend dahin zusammen, dass dieselbe Öffnung mit verschiedenen Wirklichkeitsbildern gefüllt werden kann und der Mensch anschließend Gefahr läuft, die ausgewählte Darstellung für die Welt selbst zu halten.

Das künstlerische Dreieck als Meta-Folie

Das künstlerische Dreieck kann über das gesamte Foliensystem gelegt werden und damit eine Metaebene bilden.

Der Kopf steht für Vorstellung, Modell, Erinnerung, Inspiration und Planung.

Die Hände stehen für Tätigkeit, Materialkontakt, Versuch, Widerstand und handwerkliche Bearbeitung.

Die hervorgebrachte Plastik beziehungsweise das Werkstück steht für das tatsächlich entstandene Ergebnis.

Damit lässt sich jede andere Folie prüfen.

Was hatte ich im Kopf?

Was habe ich tatsächlich getan?

Was ist daraus geworden?

Wo unterscheidet sich das Ergebnis von meiner Vorstellung?

Das künstlerische Dreieck übersetzt die gesamte Foliengrammatik damit zurück in die Grundbewegung des Werkankers:

Vorstellung – Tätigkeit – Gegenüber – Differenz – Korrektur.

Foliengrammatik und Urteilskraft

Die Folie kann keine Urteilskraft ersetzen.

Sie kann sie jedoch trainieren.

Ein Benutzer erhält nicht eine endgültige Tafel, auf der ihm erklärt wird, welcher Bereich E1, E2 oder E3 ist.

Er muss selbst vergleichen.

Passt diese Zuschreibung tatsächlich?

Welche Folie hilft?

Welche stört?

Welche Beziehung fehlt?

Muss eine Folie verschoben oder entfernt werden?

Dadurch entsteht Abstand zur eigenen ersten Vorstellung.

Gerade diese Distanz ist eine Voraussetzung von Urteilskraft.

Die Foliengrammatik stellt deshalb keine Maschine bereit, die richtige Urteile produziert.

Sie schafft Situationen, in denen das eigene Urteil einem Gegenüber ausgesetzt wird.

Foliengrammatik und Begriffshandwerk

Damit besitzt die Foliengrammatik eine enge strukturelle Verwandtschaft mit dem Begriffshandwerk.

Ein Begriff nimmt etwas heraus.

Eine Folie zeigt einen Ausschnitt.

Ein Begriff unterscheidet.

Eine Folie zieht eine sichtbare Grenze.

Ein Begriff schreibt Eigenschaften zu.

Eine Folie kann diese Zuschreibung bildlich auf einen Träger legen.

Ein Begriff kann institutionell stabilisiert werden.

Eine Folie kann dauerhaft auf dem Bild liegenbleiben.

Der Prüfanker fragt anschließend, was ausgeblendet wurde und welche Tätigkeitsfolgen entstehen.

Die Foliengrammatik führt denselben Vorgang bildnerisch und haptisch durch.

Sie ist deshalb nicht die Illustration des Begriffshandwerks.

Sie ist seine bildnerisch-plastische Schwester.

Schablone und Folie

Folie und Schablone müssen dabei unterschieden werden.

Eine Folie bringt einen bestimmten sichtbaren Inhalt in eine Versuchsanordnung.

Eine Schablone stabilisiert dagegen einen wiederholbaren Prüfweg.

Die Schablone kann beispielsweise dazu dienen, unterschiedliche Folien immer wieder auf dieselben Fragen zurückzuführen: Was wurde ausgewählt? Was wurde zugeschrieben? Was wird verdeckt? Welche Tätigkeit folgt daraus? Wo tritt die Konsequenz auf? Was kann zurückwirken?

Die Schablone legt keine richtige Antwort fest.

Sie hält nur die Prüfbewegung wiederholbar.

Das bisherige Arbeitsmaterial unterscheidet entsprechend die überlagernde Funktion der Folie von der verfahrensstabilisierenden Funktion der Schablone.

Mitmachbuch als Träger der Foliengrammatik

Das Mitmachbuch ist der geeignete mobile Träger dieses Systems.

Die Folien können dort auf Bilder gelegt, entfernt, kopiert und miteinander verglichen werden.

Dadurch wird das Buch nicht linear gelesen.

Der Benutzer kann zurückgehen.

Er kann eine frühere Folie erneut auflegen.

Er kann zwei Zustände vergleichen.

Er kann eigene Folien hinzufügen.

Das Mitmachbuch wird dadurch zu einer beweglichen Bildwerkstatt.

Seine entscheidende Qualität besteht darin, dass der Benutzer nicht nur Informationen betrachtet.

Er verändert die Darstellung selbst.

Genau dadurch wird er vom Betrachter zum Mitprüfenden.

Die Folie als kopierbares Forschungswerkzeug

Für das So-Heits-Atelier ist außerdem wesentlich, dass die Folien prinzipiell einfach reproduzierbar bleiben.

Eine Folie muss kein einzigartiges museales Original sein.

Sie kann kopiert, gedruckt, mitgenommen und verändert werden.

Damit unterscheidet sie sich von einem klassischen einmaligen Kunstobjekt.

Ihre künstlerische Qualität liegt nicht nur in ihrer Gestaltung, sondern im Gebrauch ihrer Beziehungen.

Dasselbe Foliensystem kann im Atelier, im Mitmachbuch, in einer Schule, in einer Werkstatt oder auf der digitalen Plattform unterschiedliche Untersuchungen ermöglichen.

Die Foliengrammatik wird dadurch zu einer übertragbaren Methodik.

Eigene Folien des Besuchers

Entscheidend ist deshalb, dass das System nicht mit den von mir vorbereiteten Folien endet.

Wenn ausschließlich meine Bilder verwendet werden dürften, würde aus der Foliengrammatik ein geschlossenes Erklärungssystem meiner eigenen Wirklichkeitsvorstellung.

Der Besucher muss eigene Zuschreibungen, Rollen, Begriffe, Bilder oder Grenzen hinzufügen können.

Eine leere transparente Folie kann deshalb ebenso wichtig sein wie eine fertig gestaltete.

Sie stellt die Frage:

Welche Folie legst du selbst über die Wirklichkeit?

Damit wird der Besucher vom Benutzer eines Systems zum Mitentwickler der Foliengrammatik.

KI und digitale Folien

Auch die KI beziehungsweise die Globale Schwarm-Intelligenz kann diese Grammatik erweitern.

Eine digitale Version könnte ermöglichen, dieselbe Ausgangssituation mit unterschiedlichen Begriffen, Zeitständen, wissenschaftlichen Perspektiven oder Tätigkeitsfolgen zu überlagern.

Die KI sollte dabei nicht entscheiden, welche Folie die richtige ist.

Sie könnte helfen, fehlende Beziehungen sichtbar zu machen oder nach einer Folie zu fragen, die der Benutzer bisher nicht berücksichtigt hat.

Wenn beispielsweise nur Eigentum und wirtschaftlicher Wert dargestellt werden, könnte sie fragen, ob materielle Veränderungen, lebendige Abhängigkeiten oder langfristige Konsequenzen fehlen.

Damit würde KI dieselbe Funktion übernehmen wie im Begriffshandwerk:

Sie erweitert den Prüfbereich, ohne sich selbst zum endgültigen Wirklichkeitsbild zu erklären.

Die Folien selbst müssen prüfbar bleiben

Dieser Punkt ist für den wissenschaftlichen Standard des Foliengrammatikankers entscheidend.

Auch meine Folien sind menschliche Hervorbringungen.

Auch sie schneiden aus.

Auch sie vereinfachen.

Auch sie enthalten meine Begriffe und meine gegenwärtigen Vorstellungen.

Eine Plexusfolie kann Beziehungen falsch darstellen.

Eine historische Folie kann vereinfachen.

Eine E1–E4-Darstellung kann Unterschiede zu stark trennen.

Eine Folie über Freiheit kann bereits durch ihre Gestaltung eine bestimmte Antwort nahelegen.

Deshalb müssen die Folien selbst zum Gegenstand des Prüfankers werden.

Die Frage lautet:

Was macht diese Folie sichtbar – und was macht gerade sie unsichtbar?

Das verhindert, dass aus der Foliengrammatik ein neues ikonografisches Dogma entsteht.

Wissenschaftlicher Standard und Bildaussage

Daraus folgt eine weitere wichtige Forderung.

Wo eine Folie wissenschaftliche Zusammenhänge darstellt, muss unterscheidbar sein, ob sie einen wissenschaftlich belegten Befund, eine künstlerische Analogie, ein historisches Denkmodell, eine Hypothese oder eine offene Frage visualisiert.

Diese verschiedenen Aussageformen dürfen nicht unbemerkt ineinander übergehen.

Gerade weil Bilder sehr überzeugend wirken können, benötigen sie diese erkenntniskritische Kennzeichnung.

Die Foliengrammatik ist Forschungskunst nicht deshalb, weil ihre Bilder wissenschaftliche Autorität beanspruchen.

Sie wird Forschungskunst dadurch, dass auch die Bedingungen ihrer eigenen Bildproduktion sichtbar und korrigierbar bleiben.

Die Folien als Gegenmodell zur einzigen richtigen Darstellung

Damit besitzt das transparente Foliensystem auch eine grundlegende erkenntniskünstlerische Bedeutung.

Eine traditionelle Lehrtafel stellt häufig einen fertigen Zusammenhang dar.

Der Betrachter sieht das Endergebnis.

Die Foliengrammatik zeigt dagegen, wie ein Bild hergestellt wird.

Der Benutzer erlebt, dass unterschiedliche Darstellungen möglich sind.

Das bedeutet nicht, dass alle Darstellungen gleich richtig wären.

Eine Folie kann nachweislich falsche Informationen enthalten.

Eine andere kann bestimmte Zusammenhänge wesentlich besser erklären.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass ihre Prüfbarkeit erhalten bleibt.

Pluralität bedeutet innerhalb der Foliengrammatik deshalb nicht Beliebigkeit.

Sie bedeutet vergleichbare und korrigierbare Darstellung.

Vom Bild zur Tätigkeit

Die Foliengrammatik darf schließlich nicht in einer rein visuellen Welt verbleiben.

Der entscheidende Übergang besteht immer wieder vom Bild zur Tätigkeit.

Wenn eine Eigentumsfolie aufgelegt wird, muss gefragt werden, was Menschen aufgrund dieser Ordnung tun.

Wenn die Freiheitsfolie erscheint, muss gefragt werden, welche Handlungen mit dem Freiheitsverständnis gerechtfertigt werden.

Wenn eine technische Folie eine Maschine zeigt, muss nach ihrer materiellen Wirkung gefragt werden.

Wenn eine historische Denkfolie eine bestimmte Ordnung von Geist und Körper darstellt, muss geprüft werden, welche Tätigkeiten und Institutionen durch entsprechende Vorstellungen begünstigt wurden oder werden können.

Damit bleibt die Foliengrammatik an den Tätigkeitskonsequenzanker gekoppelt.

Eine Folie wird für die Forschungskunst erst vollständig interessant, wenn sichtbar wird, was geschieht, sobald Menschen nach dem dargestellten Wirklichkeitsbild handeln.

Vom Auflegen zum Rückkopplungskreis

Damit ergibt sich aus dem gesamten Foliensystem eine wiederkehrende Bewegung.

Zunächst liegt ein Ausgangsbild vor.

Eine Folie wird aufgelegt und macht einen bestimmten Ausschnitt oder eine bestimmte Zuschreibung sichtbar.

Eine zweite Folie erzeugt eine Gegenüberstellung.

Eine Tätigkeit wird sichtbar.

Eine Konsequenz tritt hinzu.

Dann beginnt die Rückbewegung.

Welche der vorherigen Folien muss aufgrund der beobachteten Konsequenz erneut untersucht werden?

Welche Zuschreibung trägt noch?

Welche Grenze muss geöffnet werden?

Welche Darstellung war zu eng?

Welche Folie muss korrigiert werden?

Damit schließt sich der Kreis nicht endgültig.

Das veränderte Bild wird wiederum Ausgangspunkt einer neuen Prüfung.

Das So-Heits-Atelier als begehbare Foliengrammatik

Die Foliengrammatik muss nicht auf transparente DIN-Blätter beschränkt bleiben.

Das gesamte So-Heits-Atelier kann nach demselben Prinzip organisiert werden.

Räume, Objekte, historische Arbeiten, Texte, Projektionen, Rollen, Handlungen und Besucherbeiträge können wie räumliche Folien übereinandergelegt werden.

Eine historische Arbeit erhält eine gegenwärtige Prüfebene.

Eine Schultafel erhält eine Besucherfrage.

Der Spaten trifft auf Eigentum, Boden und Tätigkeitskonsequenz.

Der Astronaut trifft auf Freiheit und Abhängigkeit.

Ein documenta-Dokument trifft auf seine heutige historische Situation.

Damit kann das Atelier selbst zu einer dreidimensionalen, begehbaren Foliengrammatik werden.

Der Besucher bewegt sich nicht nur zwischen Objekten.

Er bewegt sich zwischen Wirklichkeitslagen.

Das Gehirnloch als zentrale Bildmaschine des Ateliers

Innerhalb einer solchen räumlichen Grammatik könnte das große ausgeschnittene Gehirn eine besonders starke Stellung erhalten.

Es wäre kein Bild des anatomischen Gehirns.

Es wäre eine Bildmaschine der Wirklichkeitskonstruktion.

Der Besucher kann sehen, dass derselbe Mensch unterschiedliche Bilder in diese Öffnung einsetzen kann.

Er kann Platon im Kopf haben.

Er kann Eigentum im Kopf haben.

Er kann einen Astronauten im Kopf haben.

Er kann „Ich bin frei“ im Kopf haben.

Er kann eine naturwissenschaftliche Messwelt im Kopf haben.

Er kann eine Rolle im Kopf haben.

Und er kann schließlich den Prüfoperator selbst im Kopf haben.

Der entscheidende Vorgang besteht darin, dass kein eingesetztes Bild mit der Wirklichkeit selbst verwechselt werden darf.

Die dramaturgische Grundbewegung

Aus der Foliengrammatik ergibt sich eine mögliche dramaturgische Bewegung des So-Heits-Ateliers.

Sie beginnt nicht mit der Erklärung meiner Begriffe.

Sie beginnt mit einem komplexen vorausliegenden Geschehen.

Dann tritt der Mensch auf.

Er nimmt wahr.

Er schneidet aus.

Er benennt.

Er legt Grenzen.

Er schreibt Eigenschaften zu.

Er bildet Rollen und Wertordnungen.

Er handelt nach diesen Konstruktionen.

Folgen werden sichtbar.

Dann setzt die Forschung ein.

Folien werden gegeneinander geprüft.

Einige müssen ergänzt werden.

Andere werden verändert.

Manche werden vorübergehend abgenommen.

Der Besucher erkennt dadurch nicht, dass menschliche Begriffe überflüssig wären.

Er erkennt etwas Schwierigeres:

Der Mensch braucht Folien, um sich zu orientieren – aber er muss wissen, dass es Folien sind.

Verhältnis zu den bisherigen Ankern

Damit erhält der Foliengrammatikanker innerhalb der bisherigen Architektur eine eindeutige Stellung.

Der Werkanker beantwortet:

Woher kommt die Forschung?

Der Plexus-/Wirklichkeitsanker beantwortet:

Worin findet alles statt?

Der Prüfanker des Begriffshandwerks beantwortet:

Wie wird geprüft?

Der Tätigkeitskonsequenzanker beantwortet:

Wann wird Vorstellung zur wirklichen Folge?

Der Verortungs-/Zeitanker beantwortet:

Wann, wo und unter welchen Bedingungen wird geprüft?

Der Foliengrammatikanker beantwortet:

Wie können diese unterschiedlichen Wirklichkeitsweisen, Ausschnitte, Zuschreibungen, Tätigkeiten und zeitlichen Veränderungen so dargestellt werden, dass ihre Beziehungen und Unterschiede sichtbar und bearbeitbar bleiben?

Damit ist die Foliengrammatik nicht ein weiteres theoretisches Modell neben den anderen Ankern.

Sie ist deren bildnerisch-plastische Übersetzungs- und Prüfmethodik.

Verdichtung des Foliengrammatikankers

Der Foliengrammatikanker lässt sich schließlich in einer grundlegenden Aussage zusammenfassen:

Der Mensch kann die vorausliegende Wirklichkeit niemals vollständig in einem einzigen Bild erfassen. Er muss auswählen, unterscheiden und darstellen. Jede Darstellung funktioniert deshalb wie eine Folie: Sie macht bestimmte Beziehungen sichtbar und lässt andere in den Hintergrund treten. Problematisch wird dieser notwendige Vorgang erst dort, wo der Mensch vergisst, dass er eine Folie hergestellt hat, und die Darstellung mit der Wirklichkeit selbst verwechselt. Die Forschungskunst macht deshalb die menschlichen Wirklichkeitsfolien sichtbar, legt sie über materielle und lebendige Zusammenhänge, stellt sie gegeneinander, verfolgt die Tätigkeiten, die aus ihnen entstehen, und nimmt sie wieder ab, sobald ihre Grenzen die Rückmeldung der Wirklichkeit verdecken.

Die Grundbewegung der Foliengrammatik lautet damit:

Wahrnehmen → auswählen → darstellen → überlagern → gegenüberstellen → tätig werden → Konsequenz sichtbar machen → zurückblättern beziehungsweise Folien abnehmen → Darstellung korrigieren → erneut prüfen.

Das Entscheidende ist dabei nicht die Anzahl der Folien.

Es ist ihre Beweglichkeit.

Eine festgeklebte Folie wird zur Skulptur.

Eine abnehmbare Folie bleibt Prüfwerkzeug.

Die kürzeste Formel dieses Ankers lautet deshalb:

Die Folie zeigt nicht, wie die Wirklichkeit endgültig ist. Sie zeigt, wie wir sie gerade sehen – und erlaubt uns, diese Sicht wieder abzunehmen.

Für die Forschungskunst ergibt sich daraus eine weiterführende Formel:

Der Mensch erzeugt Wirklichkeitsbilder, um handeln zu können. Zivilisationsfähigkeit beginnt dort, wo er seine eigenen Bilder noch von dem Wirkungszusammenhang unterscheiden kann, in den er aufgrund dieser Bilder eingreift.

Und für das So-Heits-Atelier:

Die Foliengrammatik macht das Unsichtbare nicht dadurch sichtbar, dass sie ein letztes richtiges Bild herstellt. Sie macht sichtbar, dass jede menschliche Wirklichkeitsdarstellung hergestellt, aufgelegt, wirksam und deshalb auch wieder prüfbar und veränderbar ist.

Damit bekommt der Foliengrammatikanker eine klar andere Funktion als E1–E4 oder der Prüfanker: Er ist die bildnerisch-plastische Grammatik, mit der deren Unterschiede überhaupt erfahrbar gemacht werden können.