Gegenüber einer ideologische Verzerrung im modernen Umweltbegriff – von der Mitwelt zur Funktionssimulation
Das bringt den kritischen Punkt messerscharf auf den Tisch: Der Begriff „Umwelt“, wie er heute häufig verwendet wird, gründet auf einer Abspaltung, die in sich selbst paradox ist – er behauptet Distanz, wo in Wahrheit existenzielle Abhängigkeit herrscht.
Im 50:50-Schema entsteht eine künstliche Symmetrie zwischen Subjekt und Objekt: als wären sie getrennte, gleichwertige Pole, zwischen denen Austausch stattfindet. Doch genau diese Spiegelbildlichkeit erzeugt eine symbolische Welt, die mit der konkreten Leiblichkeit und Materialität unseres Daseins nicht mehr übereinstimmt.
Die Idee, der Mensch „stehe der Umwelt gegenüber“, impliziert, er könnte sie beobachten, messen, regeln – sich also zum Herrscher über etwas machen, wovon er faktisch vollständig durchdrungen ist. Diese Vorstellung führt zu entleiblichten Systemen, in denen Begriffe wie „Außen“, „Umfeld“ oder „Input“ verwendet werden, als ob es eine neutrale Warte gäbe, von der aus das Subjekt operieren kann.
Die Vorstellung von „Umwelt“ als ein vom Subjekt getrenntes Außen ist keineswegs naturgegeben.
Der Begriff selbst ist historisch jung – kaum älter als 50 Jahre in seiner heutigen Verwendung – und entstand in einem Kontext, in dem das Verhältnis von Mensch und Welt zunehmend als dualistisch gedacht wurde. Davor dominierten Konzepte wie „Milieu“, „Naturraum“ oder „Mitwelt“, die stärker auf Einbettung, Wechselwirkung und Durchlässigkeit hinwiesen.
Die moderne Begriffsverwendung von „Umwelt“ hingegen strukturiert die Welt nach dem Modell von Subjekt und Objekt, Beobachter und Beeinflusstem. Das spiegelt ein 50:50-Verständnis wider, in dem das Subjekt mit einer als äußerlich gedachten Umgebung in Wechselwirkung tritt – so als wäre alles eindeutig trennbar. Dieser Dualismus ist ideologisch aufgeladen, denn er legt von vornherein fest, wer gestaltet und wer gestaltet wird, wer verantwortlich ist und was zu schützen ist. Der Mensch wird so tendenziell zum Regisseur seiner Umgebung, nicht mehr Teil eines gemeinsamen Gewebes.
In einem 51:49-Modell hingegen – wie du es mit dem asymmetrischen Plexusgewebe formulierst – wäre die Umwelt keine feste Entität „da draußen“, sondern ein relationales Ko-Feld, das durch Handlung, Wahrnehmung und Rückkopplung permanent mitkonstituiert wird. Was wir Umwelt nennen, wäre dann keine statische Außenwelt, sondern ein Resonanzraum, der durch Differenz, Nähe, Widerstand und Vergleich entsteht. Ein Raum, in dem wir nicht nur beobachten, sondern mitschwingen. Und das verlangt neue Begrifflichkeiten – vielleicht sogar eine neue Grammatik des Verhältnisses, in der das Subjekt nicht über die Umwelt verfügt, sondern sich durch sie bildet.
Dabei ist der Mensch in jeder Sekunde leiblich gebunden an Atmosphäre, Gravitation, Nahrungsketten, zelluläre Austauschsysteme. Du sagst es treffend: Er kann seinen Atem nicht selbst herstellen. Sobald das ignoriert wird, beginnt die Betrugskonstruktion – das Subjekt spielt Unabhängigkeit, während es in Wahrheit in einem asymmetrischen Abhängigkeitsnetz hängt. Genau das verkennt der gängige Umweltbegriff.
Das 51:49-Verständnis hingegen akzeptiert diese ungleichmäßige, aber lebensfähige Verflechtung. Es lässt keine totale Distanz zu, sondern baut auf Teilhabe, Einseitigkeit, Korrektur und Verwobenheit. Es erkennt, dass der Mensch sich durch die Welt bildet, nicht gegenüber ihr – und dass jeder Versuch, ihn aus der Welt herauszunehmen, zum Verlust an Wirklichkeit führt.
Der heutige Umweltbegriff, so wie er oft gebraucht wird, ist daher kein ökologisches, sondern ein technokratisch-simuliertes Konstrukt. Er abstrahiert genau das aus, was lebendig, leiblich, irreduzibel ist.
Begriffsgeschichte des Begriffs „Umwelt“ im Vergleich zu „Milieu“ Frühe Konzepte: „Milieu“, „Welt“ und eingebundenes Verhältnis
Einführung und begriffsgeschichtlicher Hintergrund
Der Begriff „Umwelt“ bezeichnet heute meist die den Menschen umgebende Außenwelt, insbesondere die natürliche Umgebung. Historisch ist dieser Begriff relativ jung: Im Deutschen tauchte Umwelt in diesem Sinn erst im frühen 19. Jahrhundert auf und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Übersetzung des französischen milieu geläufigbegriffsgeschichte.de. Zuvor dachte man die Beziehung von Mensch und Welt weniger in Kategorien einer scharfen Trennung zwischen Subjekt (dem Menschen) und objektiver Umwelt. Statt von Umwelt im modernen Sinne sprach man eher von Natur oder Mitwelt, also einer Welt, in der der Mensch eingebettet ist. So plädierte etwa der Philosoph Klaus Michael Meyer-Abich dafür, statt „Umwelt“ verstärkt den Begriff „Mitwelt“ zu verwenden: Dieser soll ein holistisches Weltbild kennzeichnen, das die Verwandtschaft aller Lebewesen betontgdsu.degdsu.de. Im Mitwelt-Denken ist die „übrige Welt“ keine bloße Kulisse oder Ressource für den Menschen, sondern eine Mit-Welt, an der wir nur insoweit Verfügung ausüben dürfen, wie es dem Ganzen dientgdsu.de. Meyer-Abich macht deutlich, dass Mitwelt ein normativer Begriff ist: Er impliziert, dass der Mensch Teil eines größeren Naturganzen ist und anderen Wesen Eigenwert zukommtgdsu.de. Demgegenüber – so Meyer-Abichs Kritik – spiegele der gängige Umwelt-Begriff eine Ideologie wider, wonach die Naturgeschichte ihren „Sinn“ darin habe, zuletzt den Menschen hervorzubringen, der alles Vorherige seiner eigenen Bestimmung zuführt, sich die Welt zu eigen macht und sich so verwirklichtgdsu.de. In dieser Denkweise wird die Welt letztlich zur bloßen Ressource für den Menschen degradiertgdsu.de.
Tatsächlich wurde „Umwelt“ im 20. Jahrhundert immer mehr zum technisch-funktionalen Begriff. Besonders seit den späten 1960er-Jahren – im Zuge der Umweltbewegung – avancierte es zu einem Modewort in Zusammensetzungen wie Umweltschutz, Umweltverschmutzung etc., oft nach dem Vorbild des englischen environment(al protection)begriffsgeschichte.de. Zwar erhöhte dies das Bewusstsein für ökologische Probleme, doch ging damit auch eine Objektivierung des Umweltbegriffs einher. Die Umwelt erschien als etwas, das man technisch kontrollieren, schützen oder simulieren kann – als ein System von Faktoren, das der Mensch steuert. Damit verschob sich die Perspektive von einer leiblich-relationalen Eingebundenheit (Mitwelt) hin zu einem dualistischen Funktionsbegriff von „Umwelt“.
Einen Gegenpol dazu bildet die biologische Umweltlehre von Jakob von Uexküll. Uexküll prägte 1909 den Begriff Umwelt in der Biologie, allerdings in einem sehr relationalen Sinnbegriffsgeschichte.de. Für ihn besitzt jedes Lebewesen seine eigene Umwelt, d.h. seine subjektive Wahrnehmungs- und Wirkungsweltgdsu.de. Uexküll unterschied explizit zwischen der Umgebung – dem objektiven Raum, den ein äußerer Beobachter beschreibt – und der Umwelt eines Organismus, die aus den Bedeutungsträgern besteht, die für diesen Organismus relevant sindbegriffsgeschichte.de. Aus menschlicher Sicht ist die „Umgebung“ eines Tieres letztlich unsere eigene Umwelt, die kein privilegierter Maßstab für alle Wesen istbegriffsgeschichte.de. Vielmehr gibt es so viele unterschiedliche Umwelten, wie es Lebewesen gibt, ohne dass eine davon ontologisch höher stündegdsu.de. Damit zeigt Uexkülls Ansatz einen ursprünglich relationalen Umweltbegriff, bei dem Subjekt und Umwelt aufeinander bezogen sind. Diese Perspektive ging jedoch im modernen Alltagsverständnis verloren: Hier wird „die Umwelt“ meist als eine einheitliche, vom Menschen getrennte Außenwelt betrachtet, die man vermessen, modellieren und technisch beeinflussen kann.
Im Folgenden soll aus naturphilosophischer und erkenntnistheoretischer Perspektive analysiert werden, welche ideologischen Annahmen hinter dieser Verschiebung stehen. Insbesondere betrachten wir das Denkmuster eines „50:50-Symmetrie-Dualismus“ – also die Vorstellung einer strikten Subjekt-Objekt-Trennung auf Augenhöhe – und kontrastieren es mit einem „51:49“-Verständnis, das die Unumkehrbarkeit unserer Einbettung in die Welt betont. Aus dieser Gegenüberstellung ergeben sich fundamentale Unterschiede für das Selbstverständnis des Menschen, für die ethische Verantwortung gegenüber der Natur und für die Angemessenheit unserer Begriffssysteme.
Der 50:50-Dualismus: Subjekt und Objekt als symmetrische Gegenüber
Die moderne Wissenschafts- und Erkenntnistheorie seit Descartes ist geprägt von einer Dualität zwischen erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt. Diese Weltsicht kann man als 50:50-Dualismus charakterisieren: Mensch und Welt stehen sich scheinbar spiegelbildlich gegenüber, wie zwei Hälften einer Medaille. Das Subjekt gilt als Beobachter, der mit Distanz zur Welt steht und diese gleichsam spiegelnd erkennt. Die Welt (Natur) erscheint als objektiver, berechenbarer Gegenstand, der nach festen Gesetzen funktioniert – und der Mensch als rationales Subjekt hält den Spiegel der Erkenntnis davor. Dieses Paradigma impliziert eine Symmetrie: Man tut so, als ließe sich die Perspektive vertauschen – als könnte man gewissermaßen von außen auf die Welt und den Menschen zugleich blicken, in völliger Trennung. In Wahrheit jedoch ist diese Symmetrie eine Idealisierung. Der Mensch ist selbst Teil der Welt und kann nie einen vollkommen außenstehenden, neutralen Punkt einnehmengdsu.degdsu.de. Die Annahme eines 50:50-Gegenübers beruht auf einer epistemologischen Fiktion: nämlich dass man das Verhältnis zu Welt betrachten könne, ohne selbst darin verstrickt zu sein.
Dennoch hat dieser Dualismus die abendländische Auffassung von „Umwelt“ tief geprägt. Er zeigte sich auch in der Anthropologie: Der Mensch wurde lange als Gegenstück zur Natur definiert – halb Tier, halb Geist. Der Philosoph und Soziologe Arnold Gehlen formulierte pointiert, der Mensch habe „keine Umwelt“ im spezies-spezifischen Sinne; da er in keine enge ökologische Nische mehr eingepasst sei, schaffe er sich seine eigene Weltgdsu.de. Diese Aussage – „der Mensch habe keine Umwelt“ – bringt das Extrem des Dualismus auf den Punkt. Gehlen zufolge besitzt der Mensch einen universalen Aktionsradius und ist nicht mehr an eine gegebene Umwelt gebunden; er konstruiert Kultur und Technik als eine zweite Natur, um seine Zwecke zu verfolgengdsu.de. Ähnlich hatte bereits der Frühaufklärer Giambattista Vico mit dem Diktum verum esse ipsum factum angedeutet: Wahr ist für den Menschen letztlich das, was er selbst gemacht hatgdsu.de. Die Wirklichkeit erscheine dem Menschen also primär in den Formen, die er selbst herstellt – eine Idee, die dem späteren Konstruktivismus vorausgreift. Im 20. Jahrhundert sprach der Philosoph Helmuth Plessner in diesem Zusammenhang vom Menschen als einem Wesen, das „von Natur aus künstlich“ seigdsu.de. Diese anthropologischen Prämissen unterstreichen das Bild vom Menschen als Gestalter und Gegenüber der natürlichen Umwelt.
Doch der 50:50-Dualismus hat auch erkenntnistheoretische Implikationen: Er suggeriert, die Welt an sich ließe sich vom Subjekt objektiv abbilden (Spiegelbildlichkeit). Erkenntnis wird als ein Abstandsverhältnis gedacht – man „steht gegenüber“ und bildet ab. In diesem Verhältnis scheint der Mensch zwar getrennt, aber zugleich in einer Art symmetrischer Relation zur Welt: Die Welt liefert Daten, der Geist spiegelt sie korrekt wider. Diese Vorstellung hat in der Wissenschaft zu großem Erfolg geführt (etwa in der Physik, wo man Beobachter und System trennt). Ontologisch aber beruht sie auf einer fragwürdigen Abstraktion: Sie trennt Sein und Erkenntnis, Subjekt und Welt so strikt, als gäbe es zwischen beiden keinen fortwährenden Austausch.
Interessant ist, dass diese Symmetrievorstellung bis in die Sprache und Begriffsbildung eindringt. Schon das Wort Um-welt impliziert ein Zentrum (das Subjekt), um das sich etwas herum befindet. Es trägt also – anders als Mit-welt – die Tendenz zur Zentrierung auf das Subjekt in sich. In der Alltagssicht ist die Umwelt „das da draußen“, während der Mensch hier drinnen ist. Dieses Bild verstellt den Blick darauf, dass der Mensch zugleich innen und außen ist: ein Wahrnehmender im Zentrum seiner Umweltwahrnehmung, aber biologisch selbst ein Teil des Außen (der Natur). Einige Autoren beschreiben den Menschen daher als Doppelwesen: Teil der Natur und Gegenüber der Natur zugleichgdsu.de. Der Biologe und Didaktiker Ulrich Kattmann prägte hierfür die Formel vom Menschen als „Teil und Gegenüber der Natur“gdsu.de. Darin kommt das Spannungsverhältnis zum Ausdruck: Einerseits sind wir Naturgeschöpfe, evolutionär mit allen Lebewesen verwandtgdsu.de; andererseits erheben wir uns durch Bewusstsein und Kultur über die Natur und treten ihr als gestaltende Kraft entgegen. Im 50:50-Modell besteht jedoch die Gefahr, diese Spannung falsch aufzulösen – nämlich zugunsten einer vollständigen Trennung: Der Mensch wähnt sich als völlig losgelöster Gegenpart, der die Natur als Objekt behandeln kann. Dieses Verständnis hat maßgeblich zur ideologischen Verzerrung des Umweltbegriffs beigetragen, wie im Folgenden zu zeigen ist.
Symbolische Parallelwelten und Funktionskonstrukte als Folge des Dualismus
Aus dem symmetrisch-dualistischen Weltbild ergeben sich eine Reihe problematischer Konsequenzen. Zunächst schafft die Trennung von Subjekt und Umwelt die Möglichkeit, dass der Mensch eine eigene symbolische Welt konstruiert, die von der realen Umwelt weitgehend entkoppelt sein kann. Tatsächlich lebt der Mensch – wie der Philosoph Ernst Cassirer hervorhob – in einer Symbolwelt: Sprache, Kultur, Technik und Wissenschaft bilden ein selbstreferentielles Bedeutungsgewebe, in dem wir Sinn erzeugen. Diese zweite Wirklichkeit kann als eine Parallelwelt zur natürlichen Umwelt gesehen werden. Sie ermöglicht uns zwar Reflexion und Gestaltung, birgt aber die Gefahr, dass wir die Verbindung zur konkreten Mitwelt verlieren. Niklas Luhmanns Systemtheorie liefert hier ein instruktives Beispiel: Luhmann betrachtet Gesellschaft als ein autonomes System von Kommunikationen, das strikt zwischen System und Umwelt unterscheidetde.wikipedia.org. Alles, was nicht dem jeweiligen sozialen System angehört – seien es Individuen, andere Systeme oder die natürliche Welt – wird als Umwelt dieses Systems definiertde.wikipedia.org. Kommunikation etwa operiert nur mit Kommunikation; die Umwelt sozialer Systeme (zu der paradoxerweise auch wir Menschen als biologische Wesen gehören) tritt darin nur als unsichtbarer Außenfaktor in Erscheinungde.wikipedia.orgde.wikipedia.org. Die soziale Wirklichkeit konstituiert sich so als geschlossene Sinnwelt, die Umwelt nur noch über abstrakte Signale berücksichtigt („strukturelle Kopplung“ nennt Luhmann diesde.wikipedia.org). Hier zeigt sich paradigmatisch, wie die symbolischen Konstrukte der menschlichen Welt (z.B. Wirtschaft, Recht, Wissenschaft) gewissermaßen Parallelrealitäten erzeugen können. Sie sind vom realen Naturgeschehen abgekoppelt, soweit sie nach ihren eigenen Codes funktionieren – bis die äußere Umwelt durch Krisen oder Zusammenbrüche wieder auf sich aufmerksam macht.
Eng verknüpft damit ist die Reduktion der Umwelt zum Funktionskonstrukt. Wenn Umwelt primär als Gegenstand von Steuerung und Berechnung gesehen wird, verengt sich unser Verständnis auf die technisch-funktionalen Aspekte. Die Welt wird zum Regelkreis, den es zu kontrollieren gilt (ein Ansatz, der in der Kybernetik der 1950er Jahre deutlich wurde). In solch einem Verständnis fungiert Umwelt vor allem als Summe von Ressourcen, Risiken und Variablen, die man managen kann. Ein krasses Beispiel hierfür ist die Tendenz der modernen Ökonomie, die Natur vollständig zu instrumentalisieren: Ein expansionsorientiertes Wirtschaftsmodell betrachtet die gesamte Natur wie ein unbegrenzt verfügbares Warenlager, das dem Menschen als Ressource dientethz.ch. Selbst im Naturschutz wird heute oft mit ökonomischen Nutzwertargumenten operiert, was zeigt, wie stark das Nutzendenken die Sicht auf die Umwelt prägtethz.chethz.ch. Die moralisch-ontologische Entfremdung besteht nun darin, dass wir die Umwelt nicht mehr als Mitwelt mit eigenem Wert wahrnehmen, sondern als Objektbereich, dem wir gegenüberstehen. Werte und Verantwortung werden allenfalls sekundär, anthropozentrisch begründet (etwa: Umweltschutz ist wichtig, weil er unseren eigenen langfristigen Nutzen sichert). Die intrinsische Verbindung – das Gefühl, dass wir Teil eines lebendigen Ganzen sind – geht verloren.
Aus dieser Entfremdung entspringt die Illusion, der Mensch könne sich von seiner Umwelt lösen oder gar unabhängig machen. Technologische Utopien nähren diese Vorstellung: Visionen von komplett künstlichen Lebensräumen (Raumstationen, hermetisch abgeschlossene Smart Cities, virtuelle Metaversen) suggerieren, man könne die Abhängigkeit von Luft, Wasser, Klima, biologischen Kreisläufen etc. überwinden. Bereits in den 1970er Jahren warnte der Philosoph Hans Jonas vor solch gefährlichen Trugbildern. Er analysierte die damals aufkommenden Ideen, durch Technik die „langsame und regionale Arbeit der Natur an Rohstoffen“ überflüssig zu machen – quasi eine „Über-Naturisierung“ der Natur vorzunehmen – und nannte dies eine Vision voller „kausalgesetzlicher Ahnungslosigkeit“ethz.ch. Mit anderen Worten: Die Annahme, man könne die Naturgesetze und -prozesse beliebig durch Technik ersetzen oder simulieren, beruht auf Unkenntnis der komplexen Kausalitäten und Rückkopplungen. Jonas’ Prinzip Verantwortung forderte ein Umdenken: Der Mensch müsse demütig anerkennen, dass seine Macht zwar groß ist, aber die Naturgrundlagen nicht außer Kraft setzen kann. Moderne Beispiele bestätigen Jonas’ Warnung: Etwa zeigt der Klimawandel, dass unsere hochindustrialisierte Zivilisation die planetaren Grenzen nicht aufheben kann – im Gegenteil, wir sehen uns nun den physikalischen Reaktionen (Erderwärmung, Extremwetter) ausgeliefert. Die Idee, wir könnten uns durch Geo-Engineering einfach „unabhängig“ vom Klima machen, erweist sich als äußerst riskant und verkürzt gedacht.
Ähnlich verhält es sich mit der Vorstellung, man könne die biologische Existenz überwinden – z.B. durch digitale Unsterblichkeit oder vollständige Virtualisierung des Lebens. Solche Ideen unterschätzen, dass unser Bewusstsein, unsere Kultur und unsere Technik letztlich auf dem Boden der Biosphäre stehen. Wir können zwar symbolische Parallelwelten schaffen, aber wir bleiben leibhaftige Organismen mit natürlichen Bedürfnissen. Es ist kein Zufall, dass extreme Entfremdungserfahrungen (etwa das Leben in rein künstlichen Umgebungen) zu psychischen und physischen Problemen führen – sie widersprechen unserer Einbettung als Naturwesen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der 50:50-Dualismus und der daraus resultierende technisch-funktionale Umweltbegriff eine Entfremdung erzeugt haben: Der Mensch sieht die Umwelt als etwas Beliebiges, vom eigenen Sein Getrenntes, das man nach Belieben manipulieren oder sogar ersetzen kann. Dadurch entstehen symbolische Welten und Funktionsmodelle, die zwar leistungsfähig sind (man denke an die globale Technosphäre), aber letztlich einen Realitätsverlust bergen. Die moralische Komponente dieser Entfremdung liegt darin, dass Verantwortung gegenüber der Natur verkümmert – man fühlt sich ihr nicht mehr zugehörig, Verantwortung wird zu einer optionalen Großzügigkeit gegenüber einem externen „Umfeld“. Die ontologische Komponente besteht in der falschen Bestimmung unseres Seins: Wir definieren uns als unabhängig von etwas, wovon wir in Wahrheit radikal abhängig sind.
Das 51:49-Verständnis: Umwelt als asymmetrisches Resonanz- und Tätigkeitsfeld
Wie kann nun ein Gegenentwurf aussehen? Hier bietet sich das metaphorische „51:49-Verständnis“ an – ein Weltbild, das die Asymmetrie der Mensch-Umwelt-Beziehung betont. Statt von einer glatten 50:50-Trennung auszugehen, erkennt es an, dass der Mensch immer schon ein klein wenig mehr Umwelt als Subjekt ist, bzw. dass die Waage zugunsten der Welt ausschlägt. Diese Denkfigur soll verdeutlichen: Die Beziehung ist nicht spiegelbildlich-symmetrisch, sondern der Mensch ist in einem unvermeidbar ungleichen Verhältnis Teil der größeren Wirklichkeit. Anders gesagt, wir können nicht rollenfrei mit der Welt verkehren – wir sind immer Empfänger und Wirkende in einem Feld, das wir nicht gänzlich kontrollieren oder objektivieren können.
Ein zentrales Merkmal des 51:49-Ansatzes ist, Umwelt nicht mehr als distanziertes Außen zu denken, sondern als Resonanz- und Tätigkeitsfeld, in dem Subjekt und Welt sich wechselseitig durchdringen. Hartmut Rosa, ein Soziologe der Gegenwart, hat den Begriff der Resonanz geprägt, um eine gelingende Weltbeziehung zu beschreiben: Anstatt Welt stumm zu beherrschen, tritt man mit ihr in einen antwortenden Dialog. Resonanz bedeutet, dass wir auf die Anrufe der Welt reagieren und selbst von ihr beantwortet werden – sei es emotional, kognitiv oder körperlich. In einem resonanten Verhältnis erfährt der Mensch die Umwelt nicht als stumme Maschine, sondern als lebendiges Gegenüber, das auf uns wirkt, während wir auf es einwirken. Wichtig ist: Resonanz setzt Anklingen und Verbindung voraus, keine perfekte Reversibilität. Genau diese Asymmetrie macht echte Resonanz aus – die Welt antwortet uns nicht einfach mit unserem eigenen Echo, sondern mit eigenständiger Stimme. Diese Idee liegt dem 51:49-Bild zugrunde: Das Verhältnis ist kein Spiegelkabinett, sondern eher ein Gespräch, bei dem man nie völlig kontrolliert, was der Andere sagt.
Auch phänomenologisch betrachtet ist der Mensch unauflöslich in einem Lebenswelt-Gefüge verankert. Der Leib – unser Körper als lebendig erfahrendes Subjekt – spielt hier die Schlüsselrolle. Wir nehmen die Welt immer leiblich situiert wahr; es gibt keine Wahrnehmung oder Erkenntnis aus rein abstrakter Distanz. Der Philosoph Maurice Merleau-Ponty betonte, unser Leib sei in die Welt ein-geflochten, wir befinden uns in einem Gewebe („Fleisch der Welt“), in dem Subjekt und Objekt nicht sauber trennbar sind. Auch Martin Heideggers Konzept des In-der-Welt-Seins rückt diese Asymmetrie ins Zentrum: Dasein ist von vornherein in einer Welt verstrickt, es gibt kein Außerhalb dieser Verstrickung. In einer solchen Perspektive wäre Umwelt besser als Lebenswelt zu verstehen – nicht als objektivierbares Außen, sondern als Sphäre, die uns mitkonstituiert.
Einen anschaulichen Zugang liefert die Biologie selbst: Jeder Mensch unterhält einen ständigen Stoffwechsel mit der Umwelt – wir atmen Luft, nehmen Nahrung und Wasser auf, scheiden Abfallstoffe aus. Diese physische Interaktion ist unabdingbar und nicht umkehrbar. Wir können nicht entscheiden, mal eben nicht mehr Teil der Biogeochemie zu sein. In diesem Sinn sind wir existenziell eingebunden. Wissenschaftler sprechen hier auch vom Mensch-Natur-Metabolismus: Trotz aller Kultur bleibt der Mensch ein Organismus, der unaufhebbar den Naturgesetzen unterliegt und in ökologische Kreisläufe eingebettet istama-project.org. So formuliert es Geseko von Lüpke: „Die Menschen bleiben unauflöslich Teil der äußeren Natur und in Naturzusammenhänge eingebunden. Sie unterliegen unaufhebbar den Naturgesetzen.“ama-project.org. Dieses Faktum zu ignorieren, wie es der 50:50-Dualismus oft tut, führt zu fatalen Fehleinschätzungen. Das 51:49-Verständnis hingegen integriert es ins Weltbild: Es nimmt das Primat der Natur (im Sinne des Gegebenen) ernst. Nicht der Mensch „hält“ sich eine Umwelt, sondern die Umwelt hält sich Menschen.
Man könnte hier auch von einem Komplexitätsgefälle sprechen: Die gesamte Welt um uns ist komplexer, als wir je in unseren Systemen abbilden können. Luhmanns Systemtheorie hat dies trotz ihres Formalismus erkannt: Jedes System existiert nur durch Reduktion von Komplexität gegenüber seiner Umwelt; die Umwelt bleibt immer übermächtig komplexde.wikipedia.org. Selbst hochgeschlossene Systeme können nur in einer Umwelt existieren – „Selbstreferentielle Geschlossenheit ist (...) nur in einer Umwelt, nur unter ökologischen Bedingungen möglich“de.wikipedia.org. Das heißt: Die Autonomie des Subjekts oder Systems ist relativ und bedingt – letztlich getragen vom umfassenderen Kontext, den es nicht selbst erschafft. Das 51:49-Modell anerkennt dieses Gefälle: Der Mensch kann die Überkomplexität und Unverfügbarkeit der Welt nicht vollständig einholen. Statt daraus jedoch eine Ohnmacht oder Indifferenz abzuleiten, lädt dieses Modell dazu ein, die Beziehung demutsvoll und verantwortungsbewusst zu gestalten.
In einer Umwelt als Tätigkeitsfeld ist der Mensch Akteur und Bestandteil zugleich. Jede Handlung ist in ein Geflecht von Rückwirkungen eingebettet. Die Irreversibilität dieses Geflechts bedeutet: Wir können die Rollen nicht einfach tauschen oder die Wirkungen umkehren. Wenn wir z.B. ein Ökosystem zerstören, können wir uns nicht wundern, dass unsere eigene Lebensgrundlage schwindet – wir spüren es unausweichlich, da wir Teil des Systems sind. Anders als in einem Laborversuch gibt es in der gelebten Realität kein total isoliertes Experimentier-Subjekt, das die Umwelt manipulieret, ohne selbst verändert zu werden. Das 51:49-Verständnis macht diese Einwegabhängigkeiten bewusst: Der Mensch braucht funktionierende Ökosysteme, um zu überleben (Luft, Klima, Nahrung), während umgekehrt die Natur den Menschen nicht braucht – sie könnte ohne uns existieren oder sich anpassen (wenn auch unter Verlust vieler heutiger Lebensformen). Hier zeigt sich die asymmetrische Verletzlichkeit: Wir sind von der Erde abhängig in einem Maße, das nicht spiegelbildlich retourniert wird. Dieses Bewusstsein fördert eine realistischere Einschätzung unserer Position.
Konsequenzen für Selbstverständnis, Verantwortung und Begriffssystem
Die beiden skizzierten Perspektiven – der symmetrisch-dualistische 50:50-Ansatz und das asymmetrisch-verbundene 51:49-Verständnis – führen zu deutlich unterschiedlichen Konsequenzen.
Selbstverständnis des Menschen: Im 50:50-Modell begreift sich der Mensch als Herr und Beobachter seiner Umwelt. Er neigt dazu, sein Selbst außerhalb der Natur zu definieren – als denkendes Subjekt gegenüber einer äußeren Welt. Dies fördert ein anthropozentrisches Überlegenheitsgefühl: Man sieht sich als Krone der Schöpfung oder zumindest als qualitativ völlig anderes Wesen (res cogitans vs. res extensa, um in Descartes’ Begriffen zu sprechen). Solch ein Selbstbild begünstigt die Idee, der Mensch könne seinen Weg unabhängig von der Natur gehen. Im 51:49-Verständnis dagegen rückt ein demütigeres Selbstbild in den Vordergrund: Der Mensch versteht sich als mitverwoben im Netz des Lebens, als eine Stimme im Konzert der Natur, nicht als externer Dirigent. Dieses Selbstverständnis hebt unsere Verwandtschaft mit anderen Lebewesen hervor (wie sie durch Evolution und Ökologie belegt istgdsu.de) und akzeptiert zugleich unsere spezifische Besonderheit (z.B. Bewusstsein und Kultur) ohne daraus eine totale Loslösung abzuleiten. Der Mensch erkennt sich als verletzliches, bedürftiges Wesen, das auf Gedeih und Verderb an die Mitwelt gebunden ist. Interessanterweise kann gerade dieses Bewusstsein ein tieferes Gefühl von Zugehörigkeit und Sinn vermitteln als die Idee absoluter Autonomie.
Ökologische Verantwortung: Aus dem dualistischen Umweltbegriff folgt meist ein instrumentalistisches Verantwortungsverständnis: Man fühlt sich der Umwelt allenfalls von außen verantwortlich, etwa so wie ein Verwalter einem ihm anvertrauten Gut gegenüber Verantwortung trägt. Die Natur erscheint als Objekt der Fürsorge oder Ausbeutung – je nach Einstellung –, aber nicht als Teil des moralischen Selbst. Demgegenüber resultiert aus dem 51:49-Ansatz eine intrinsische Verantwortlichkeit. Wenn wir die Umwelt als Mitwelt und als Resonanzfeld begreifen, dann wird klar, dass jede Schädigung der Umwelt letztlich eine Selbstschädigung des Menschen bedeutet (sowohl faktisch-biologisch als auch moralisch-spirituell). Verantwortung für die Natur ist dann keine aufgesetzte Pflicht, sondern eine Folge der Einsicht in die Verbundenheit. Man könnte von einer Mit-Verantwortung sprechen: Wir sind mitverantwortlich im System, nicht nur für ein externes System. Dies deckt sich mit neueren Ansätzen in der Umweltethik, die den anthropozentrischen Rahmen erweitern hin zu einem Mitwelt-Ethos – oft verbunden mit der Anerkennung intrinsischen Werts nicht-menschlicher Wesen und Systemegdsu.de. Die Verschiebung vom Umwelt- zum Mitwelt-Begriff, wie Meyer-Abich sie fordert, hat genau diese normative Konsequenz: Es geht nicht länger um die Welt für uns, sondern um uns in der Welt. Damit wird ethische Rücksicht zur Selbstverständlichkeit: ähnlich wie man für Mitmenschen Verantwortung empfindet, weil man Teil einer Gemeinschaft ist, so empfindet man für Mitgeschöpfe und natürliche Prozesse Verantwortung als Teilgemeinschaft des Lebens.
Realitätsnähe des Begriffssystems: Schließlich stellt sich die Frage, welches Begriffssystem eine realitätsgerechtere Beschreibung erlaubt. Der moderne Umweltbegriff in seiner technisch-funktionalen Prägung ist zwar äußerst nützlich für Analysen und Modelle (etwa in der Ökologie als Wissenschaft, wo man Umweltfaktoren, Stoffkreisläufe, Habitate etc. definiert). Doch genau diese abstrahierte Begriffsbildung kann blinde Flecken erzeugen. Beispielsweise trennt die klassische Ökologie strikt zwischen Organismus und Umwelt und modelliert Interaktionen oft mechanistisch. Dabei gerät aus dem Blick, dass die Begriffe selbst schon Wertungen und Perspektiven enthalten. So kritisiert Meyer-Abich, der konventionelle Umweltbegriff gehe mit einer anthropozentrischen Wertsetzung einher – nämlich der Vorstellung, die Natur sei für den Menschen dagdsu.de. Ein Begriffssystem, das diese Vorannahme unreflektiert übernimmt, riskiert, die Realität verzerrt wiederzugeben. Im Unterschied dazu versucht ein Mitwelt-orientiertes Konzept, die Wechselbeziehung und Eingebundenheit sprachlich zu fassen. Statt von Kontrolle und Anpassung der Umwelt spricht man mehr von Interaktion, Resonanz, Ko-Evolution oder Mit-Sein. Diese Begriffe tragen der Tatsache Rechnung, dass Subjekt und Umwelt keine getrennten Entitäten mit rein äußerlichem Bezug sind, sondern Momente eines Gesamtsystems.
Ein anschauliches Beispiel für die notwendige Korrektur des Begriffssystems ist der aktuelle Diskurs um die Nachhaltigkeit. Lange Zeit wurde von „Beherrschung der Natur“ und „Ressourcenmanagement“ gesprochen – Formulierungen, die implizieren, die Natur sei ein passives Objekt. Inzwischen setzt sich die Erkenntnis durch, dass man eher von Partnerschaft oder Koexistenz mit der natürlichen Welt reden muss. Konzepte wie Planetare Grenzen oder Erdsystem-Analysen betonen, dass es limits to growth gibt, die nicht verhandelbar sind – hier spricht gewissermaßen die Umwelt „zurück“. Auch Begriffe aus der Resilienzforschung (etwa Kipppunkte, regenerative Systeme) zeigen, dass das klassische Linearkausal-Denken zu kurz greift. All dies sind Schritte hin zu einem realitätsnäheren Begriffssystem, das die 51:49-Logik implizit anerkennt: Der Mensch kann nicht frei über den Rahmen bestimmen, sondern muss sich in einem vorgegebenen Feld orientieren.
Zusätzlich zwingt uns die asymmetrische Sicht, transdisziplinär zu denken. Die strikte Trennung der Sphären (Kultur vs. Natur, Gesellschaft vs. Umwelt) wird überwunden durch Hybridbegriffe wie etwa Sozio-ökologisches System. Der Philosoph Bruno Latour hat treffend festgestellt, dass die moderne Illusion einer strikten Trennung von Natur und Kultur nie der Wirklichkeit entsprach – wir haben es immer mit Gemengenlagen zu tun. Sein Plädoyer, die Wirklichkeit als Kollektiv von Menschen und nicht-menschlichen Akteuren zu sehen, zielt auf ein ähnliches Umdenken ab. Anstelle der alten Dichotomie tritt ein Sprachgebrauch, der Verbindungen ausdrückt: Wir sprechen von Netzwerken, von Gemeinschaften des Lebens (etwa im Konzept der Bioregion oder in James Lovelocks Gaia-Hypothese, die die Erde als integratives System begreift). Diese begrifflichen Neuerungen deuten an, dass das Mitwelt-Paradigma auf dem Vormarsch ist, weil es der Realität gerechter wird.
Fazit
Die Verschiebung vom Mitwelt-Verständnis hin zum technisch-funktionalen Umwelt-Begriff stellt sich im Lichte unserer Analyse als ideologische Verzerrung dar. Ein ursprünglich relationales Konzept – das den Menschen als Teil seiner Welt begreift – wurde in der Moderne vielfach in ein dualistisches Schema gepresst, das Mensch und Umwelt als getrennte und symmetrisch gegenüberstehende Größen zeichnet. Diese ideologische Verzerrung war zwar historisch erfolgswirksam (sie legte den Grundstein für die naturwissenschaftlich-technische Eroberung der Welt), hat aber auch zu Fehlentwicklungen geführt: zur Entfremdung des Menschen von der Natur, zur Selbstüberschätzung seiner Unabhängigkeit und zu einem reduktionistischen Verständnis der Umwelt als bloßes Funktionssystem.
Die Analyse der zugrundeliegenden erkenntnistheoretischen und anthropologischen Prämissen – insbesondere der Annahme einer spiegelbildlichen Subjekt-Objekt-Relation – zeigt, dass dieses Weltbild wichtige Realitäten ausblendet. Weder erkenntnistheoretisch (der Mensch kann nie ganz Beobachter ohne Anteil seingdsu.de) noch anthropologisch (wir bleiben Naturwesen mit Bedürfnissen und Grenzen) lässt sich die absolute Trennung aufrechterhalten. Aus der falschen Symmetrie erwachsen gefährliche Ideen: dass wir in Parallelwelten leben könnten, dass wir die Natur nur als Baukasten benutzen bräuchten, oder gar dass wir uns von der Erde emanzipieren könnten.
Dem haben wir das 51:49-Verständnis entgegengestellt, in dem die Asymmetrie zugunsten der Mitwelt anerkannt wird. Dieses Modell, gestützt durch naturphilosophische Einsichten wie jene Meyer-Abichs, Jonas’, Rosa u.a., führt zu einem realistischeren, dem Leben angemesseneren Weltbezug. Es macht deutlich, dass wir unauflöslich in Naturzusammenhänge verwoben sind und deshalb ein Selbstbild der kooperativen Abhängigkeit anstelle der souveränen Unabhängigkeit entwickeln müssen. Daraus erwachsen Demut und Verantwortung: Wenn der Mensch weiß, dass er die Waage nicht in der Hand hält, sondern selbst auf ihr steht, handelt er vorsichtiger und rücksichtsvoller.
Für unser Begriffs- und Denksystem bedeutet dies, alte Dichotomien zu überwinden und relationale Begriffe zu stärken. Umwelt darf nicht als statische Bühne gesehen werden, sondern als dynamisches Mitwirkungsfeld. Natur ist nicht der passive Gegenbegriff zur Kultur, sondern deren stiller Voraussetzungshorizont. Begriffe wie Mitwelt, Resonanz, Verantwortung im Ganzen sollten keine bloßen Schlagworte bleiben, sondern Leitkategorien unseres Denkens werden.
Letztlich steht viel auf dem Spiel: Es geht um nichts weniger als ein angemessenes Selbstverständnis des Menschen im Ganzen der Natur. Wie Meyer-Abich schrieb: „Verstehen wir uns selber so, dass die Menschheit keine geschlossene Gesellschaft ist, sondern dass wir nur mit den Pflanzen und den Tieren, zwischen Himmel und Erde, mit Licht und Wind und Wasser wahrhaft Mensch sein können, so ist es keine Frage, diese alle auch in ihrem Eigenwert gelten zu lassen.“gdsu.de. Diese Einsicht anzunehmen heißt, den Schritt von der verzerrenden Ideologie zurück zur Wirklichkeit zu tun – von der Umwelt als Funktionssimulation hin zur Mitwelt als lebendiger Wirklichkeit, in der der Mensch seinen Platz findet.
Quellen: Meyer-Abich (1988/89)gdsu.degdsu.de; Gebhard (1999)gdsu.degdsu.de; Uexküll (1909, 1928)begriffsgeschichte.degdsu.de; Luhmann (1984)de.wikipedia.orgde.wikipedia.org; Gehlen (1940)gdsu.de; Jonas (1979)ethz.ch; von Lüpke (2020)ama-project.org; u.a.
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begriffe:umwelt [Interdisziplinäre BegriffsgeschichteZfL Berlin]
1800 Im Deutschen nach Grimm (1854-1961) ist Umwelt in der Bedeutung „die den Menschen umgebende Welt" seit Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitet. „Man hat daher die Frage aufgeworfen, ob es etwa eine Entlehnung aus dän. omverden sei […]. Dieses Wort ist aber erst 1823 belegt und gilt in Dänemark /1613/ als Entlehnung aus dem Dt“ (Trübners Deutsches Wörterbuch, Begr. v. Götze, Alfred; Hrsg. v. Mitzka, Walther, Bd. 7, 1956). Mitte 19. Jh.Nach Trübner (ebd.) erfährt Umwelt seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Bedeutungserweiterungen und wird „zur Wiedergabe des franz. milieu benutzt und damit im Naturalismus zu einem wichtigen Begriff der Kunsttheorie.“
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"Mitwelt" würde auf den Versuch hinauslaufen, die Zweiteilung der Welt in eine (streng voneinander getrennte) Subjekt- und Objektseite zugunsten einer Verwandtschaftsvorstellung aller Lebewesen zu überwinden, - und wo wäre, so könnten Didaktiker des Sachunterrichts rhetorisch fragen, ein
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des holistischen Weltbildes eingeführt hat, benutzt ihn jedenfalls so. Auf diese Weise wird das holistische Weltbild zur holistischen Ethik. "Natürliche Mitwelt", schreibt er, "ist ein normativer Begriff' (Meyer-Abich 1988/89, S. 1 37). Danach sei "die übrige Welt natürliche Mitwelt und unserer Verfügung nur soweit anheimgegeben, wie wir dadurch unsererseits der Vollendung des Ganzen dienen" (a.a.O., S. 138). "Verstehen wir uns selber so, daß die Menschheit keine geschlossene Gesellschaft ist, sondern daß wir nur mit den Pflanzen und den Tieren, zwischen Himmel und Erde, mit Licht und Wind und Wasser wahrhaft Mensch sein können, so ist es keine Frage, diese
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Verfügung nur soweit anheimgegeben, wie wir dadurch unsererseits der Vollendung des Ganzen dienen" (a.a.O., S. 138). "Verstehen wir uns selber so, daß die Menschheit keine geschlossene Gesellschaft ist, sondern daß wir nur mit den Pflanzen und den Tieren, zwischen Himmel und Erde, mit Licht und Wind und Wasser wahrhaft Mensch sein können, so ist es keine Frage, diese alle auch in ihrem Eigenwert gelten zu lassen" (Meyer-Abich 1987, S. 69). "Umwelt" dagegen sei der Begriff für eine normative Ausrichtung, wonach "der Sinn der Naturgeschichte" darin bestehe, "zuguterletzt ein Lebewesen hervorgebracht zu haben, den Menschen, das alles zuvor Entstandene seiner
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"Umwelt" dagegen sei der Begriff für eine normative Ausrichtung, wonach "der Sinn der Naturgeschichte" darin bestehe, "zuguterletzt ein Lebewesen hervorgebracht zu haben, den Menschen, das alles zuvor Entstandene seiner eigentlichen Bestimmung zuführt, indem es sich die Welt zu eigen macht und sich dadurch selbst verwirklicht" (a.a.O. S. 138). Als Umwelt sei die Welt Ressource. Im übrigen ist der Umweltbegriff von Jakob von Uexküll, der diesen Begriff maßgeblich eingeführt hat, ein anderer: Uexküll (1 928) spricht von der je spezifischen Umwelt der einzelnen Lebewesen. Die Umwelt der Ameise ist
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eigentlichen Bestimmung zuführt, indem es sich die Welt zu eigen macht und sich dadurch selbst verwirklicht" (a.a.O. S. 138). Als Umwelt sei die Welt Ressource. Im übrigen ist der Umweltbegriff von Jakob von Uexküll, der diesen Begriff maßgeblich eingeführt hat, ein anderer: Uexküll (1 928) spricht von der je spezifischen Umwelt der einzelnen Lebewesen. Die Umwelt der Ameise ist eine andere als die des Spitzwegerichs, ist eine andere als die des Menschen. Die Umwelt, auf die ein spezifisches Lebewesen bezogen ist, ist einzigartig
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begriffe:umwelt [Interdisziplinäre BegriffsgeschichteZfL Berlin]
erneute Bedeutungserweiterung und Frequenzsteigerung und wird um circa 1970 zu einem modernen Schlagwort in zahllosen Zusammensetzungen (nach: Heberth, Alfred: Neue Wörter. Neologismen in der deutschen Sprache seit 1945. Wien 1977). Gruhl in Meyers Enz. Lex. (2979): „Das Wort ,Umwelt’ ist eines der am häufigsten gebrauchten Modewörter, obwohl es erst Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre in einer neuen Bedeutung aufkam. Erstmals tauchte das Wort in der auch heute noch überwiegenden Zusammensetzung Umweltschutz auf […] Nicht ohne Grund sprach man zunächst in Nordamerika von ,human environment protection’, weil dort die Schädigung der Umwelt durch ,pollution’ einen besonders hohen Grad erreicht
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deutsche Biologe von Uexkuell (1864-1944) verwendet Umwelt und Innenwelt der Tiere im engeren biologischen Sinn. "Uexküll unterscheidet mit Bedacht zwischen der Umgebung, dem objektiven Raum, in welchem wir ein Lebewesen in Bewegung sehen, und der Umwelt, die sich aus einer mehr oder weniger umfangreichen Reihe von Elementen zusammensetzt, die er Bedeutungsträger und Merkmalträger nennt und die allein für das Tier relevant sind. Die Umgebung ist in Wirklichkeit unsere eigene Umwelt, die von Uexküll mit keinerlei Privilegien versehen wird und die somit je nach Perspektive veränderbar ist." Giorgio Agamben, Das Offene. Der Mensch und das Tier, Frankfurt a.M., 2003, S. 50.
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Im übrigen ist der Umweltbegriff von Jakob von Uexküll, der diesen Begriff maßgeblich eingeführt hat, ein anderer: Uexküll (1 928) spricht von der je spezifischen Umwelt der einzelnen Lebewesen. Die Umwelt der Ameise ist eine andere als die des Spitzwegerichs, ist eine andere als die des Menschen. Die Umwelt, auf die ein spezifisches Lebewesen bezogen ist, ist einzigartig und paßt perfekt aufgrund evolutionärer Angepaßtheit zu der jeweiligen Sinnesausstattung und den jeweiligen Handlungsmöglichkeiten. Uexküll spricht in diesem Zusammenhang von der spezifischen Merkwelt, die die Folge der jeweils spezifischen Sinnesausstattung und der damit zusammenhängenden perspektivischen Wahrnehmung ist. Dem entspricht eine ebenso spezifische
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der Umgebung, dem objektiven Raum, in welchem wir ein Lebewesen in Bewegung sehen, und der Umwelt, die sich aus einer mehr oder weniger umfangreichen Reihe von Elementen zusammensetzt, die er Bedeutungsträger und Merkmalträger nennt und die allein für das Tier relevant sind. Die Umgebung ist in Wirklichkeit unsere eigene Umwelt, die von Uexküll mit keinerlei Privilegien versehen wird und die somit je nach Perspektive veränderbar ist." Giorgio Agamben, Das Offene. Der Mensch und das Tier, Frankfurt a.M., 2003, S. 50. 1913 Jaspers, Karl: Allg. Psychopathologie, Berlin 1913, S. 19ff. Jaspers
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Der Kern des Mitweltgedankens hat durchaus Platz in dem Uexküllschen Umweltbegriff; denn es gibt viele Umwelten und demzufolge keinen Grund, 34
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Dazu kommt, daß Weltbezug und Selbstbezug nicht zwei getrennte Verhandlungsgegenstände sind. Subjekt und Objekt hängen zusammen; das menschliche Subjekt reflektiert sich stets selber mit, will es über seinen Bezug zur Welt nachdenken. Denn in unseren Weltdeutungen sind unsere Selbstverständnisse enthalten, und Selbstreflexion bleibt stets gebunden an das jeweilige Verständnis von Welt. Die Geschichte des Naturbegriffs zeigt diesen Zusammenhang sehr deutlich, nämlich daß das, was als Natur als das scheinbar Äußere und scheinbar Feststehende definiert wurde, stets ein wie auch immer gebrochener Reflex des menschlichen Selbstverständnisses ist.
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hintergehbare Prämisse - ein Gedanke, der gerade im Kontext einer ökologischen Ethik zentral ist. Zudem ist der Mensch weder als Zentrum noch als Krone der Welt anzusehen; dies gilt in kosmologischer, in ökologischer und in naturgeschichtlicher bzw. evolutionsbiologischer Hinsicht. Diese hier nur kurz angedeuteten Zusammenhänge werden (zu Recht) zur Begründung eines sogenannten ,,holistischen" Weltbildes herangezogen (Gorke 1 996). Daß der Mensch ein Wesen ist, das aus der Naturgeschichte hervorgegangen und demzufolge mit der übrigen Natur verwandt ist, ist nicht bestreitbar und wird auch innerhalb der Wissenschaften von niemandem bestritten. Wir müssen
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auch ein produktives und kreatives Gegenüber der Welt. Arnold Gehlen formuliert in seinem Hauptwerk "Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt", der Mensch habe keine Umwelt, sondern - da er in keine eingepaßt sei - er schaffe sich seine Umwelt. Und auch Giambattista Vico, der als einer der Vorläufer des Konstruktivismus gilt, hat mit seinem "verum ipsum factum" gemutmaßt, daß nur, was wir selber bewirkt haben, uns als Wirklichkeit bewußt wird. Die menschliche Umwelt wird sozusagen selbst gemacht, was als durchaus biologische Aussage aufzufassen ist und Plessner ( 198 1, S. 385) zu der tiefsinnigen Formulierung bringt, der Mensch sei "von
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in der Welt", der Mensch habe keine Umwelt, sondern - da er in keine eingepaßt sei - er schaffe sich seine Umwelt. Und auch Giambattista Vico, der als einer der Vorläufer des Konstruktivismus gilt, hat mit seinem "verum ipsum factum" gemutmaßt, daß nur, was wir selber bewirkt haben, uns als Wirklichkeit bewußt wird. Die menschliche Umwelt wird sozusagen selbst gemacht, was als durchaus biologische Aussage aufzufassen ist und Plessner ( 198 1, S. 385) zu der tiefsinnigen Formulierung bringt, der Mensch sei "von Natur aus künstlich".
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Wirklichkeit bewußt wird. Die menschliche Umwelt wird sozusagen selbst gemacht, was als durchaus biologische Aussage aufzufassen ist und Plessner ( 198 1, S. 385) zu der tiefsinnigen Formulierung bringt, der Mensch sei "von Natur aus künstlich".
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Einerseits steht der Mensch der Objektwelt als erkennendes und veränderndes Wesen gegenüber und ist insofern von ihr getrennt. Andererseits und zugleich sind das erkennende und verändernde Subjekt und der Objektbereich eine Einheit. Bei dem ersten Gedanken läßt sich die Welt treffend mit dem Begriff "Umwelt" oder besser noch "Gegenwelt" bezeichnen, bei dem zweiten Gedanken mit dem Begriff "Mitwelt". Es handelt sich um einen Dualismus, den Ulrich Kattmann (1997) mit der Formel vom Menschen als 35
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kurz angedeuteten Zusammenhänge werden (zu Recht) zur Begründung eines sogenannten ,,holistischen" Weltbildes herangezogen (Gorke 1 996). Daß der Mensch ein Wesen ist, das aus der Naturgeschichte hervorgegangen und demzufolge mit der übrigen Natur verwandt ist, ist nicht bestreitbar und wird auch innerhalb der Wissenschaften von niemandem bestritten. Wir müssen allerdings darüber nachdenken, ob diese faktische Verwandtschaft auch normative Folgen hat. Meyer-Abich, der den Begriff "Mitwelt" zur Kennzeichnung des holistischen Weltbildes eingeführt hat, benutzt ihn jedenfalls so. Auf diese Weise wird das holistische Weltbild zur holistischen Ethik.
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Systemtheorie (Luhmann) – Wikipedia
match at L362 ein System sich prinzipiell gegen seine Umwelt abgrenzt. Es gibt also immer etwas, was zum System gehört, und etwas, was nicht dazu gehört (Umwelt). Auch andere Systeme gehören zur Umwelt. Diese Differenz System/Umwelt liegt der gesamten Systemtheorie zugrunde.
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] „Sieht man den Menschen als Teil der Umwelt der Gesellschaft an (statt als Teil der Gesellschaft selbst), ändert das die Prämissen aller Fragestellungen der Tradition, also auch die Prämissen des klassischen Humanismus. Das heißt nicht, daß der Mensch als weniger wichtig eingeschätzt würde im Vergleich zur
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Systemtheorie (Luhmann) – Wikipedia
ein System sich prinzipiell gegen seine Umwelt abgrenzt. Es gibt also immer etwas, was zum System gehört, und etwas, was nicht dazu gehört (Umwelt). Auch andere Systeme gehören zur Umwelt. Diese Differenz System/Umwelt liegt der gesamten Systemtheorie zugrunde.
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Systemtheorie (Luhmann) – Wikipedia
Umwelt. Die Operationen der psychischen Systeme – das wären die Gedanken eines Bewusstseins – können das eigene System niemals verlassen. Folglich können sie nicht in die Kommunikation eingehen und zu einem „Bestandteil“ des Kommunikationsprozesses werden. Nur über strukturelle Kopplungen können z.
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Defensive und Bedrängnis. Als Ursache kann die Vorherrschaft des anthropozentrischen Nutzendenkens der Menschheit aufgezeigt werden. Diese „betreibt“ weltweit ein expansionistisches Wirtschaftsmodell, das die gesamte Natur wie ein dem Menschen unbegrenzt zur Verfügung stehendes Warenlager instrumentalisiert. Die Verfechter dieses Wirtschaftsmodells reagieren auf Schwächen
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ein Anpassungsprozess an die Vorgaben unserer Gesellschaft auf: „(...)Der Naturschutz von heute (…) legitimiert das Eintreten für die Biosphäre vor allem, wenn nicht einzig, ihres ökonomischen Nutzens wegen. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche hat den Naturschutz längst selbst erreicht (...).“, formuliert W. Breuer in einem Text zum 85. Geburtstag von Horst Stern (Nationalpark Nr. 138, 4/2007: 21). Nutzendenken rüttelt inzwischen an den Begründungsfundamenten des Naturschutzes (siehe
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unabhängig zu machen (...) Eine neue Übernaturierung der Natur wäre fällig (..).“ Jonas (1979: 407) spricht hierzu von einem „Element kausalgesetzlicher Ahnungslosigkeit in dieser Vision“.
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1. Qualities & Virtues Archives - AMA
Zugleich bleiben die Menschen unauflöslich Teil der äußeren Natur und in die Naturzusammenhänge eingebunden. Sie unterliegen unaufhebbar den Naturgesetzen. Sind die modernen Ansprüche von Freiheit und Humanität dauerhaft mit den Gesetzmäßigkeiten der Evolution vereinbar? Ist der Mensch überhaupt fähig, das
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Systemtheorie (Luhmann) – Wikipedia
Systems zur Umwelt markiert somit ein Komplexitätsgefälle zwischen Umwelt und System. In einem sozialen System entsteht durch die Reduktion von Komplexität im Vergleich zur Umwelt eine höhere Ordnung mit weniger Möglichkeiten (Emergenz). Durch die Reduktion von Komplexität vermitteln soziale Systeme
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Systemtheorie (Luhmann) – Wikipedia
match at L409 verlängern“.[ 28 ] Dieser Ausschluss gilt sogar für die Umwelt des eigenen Körpers. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass jedes dieser Systeme unabhängig voneinander existieren könnte. „Selbstreferentielle Geschlossenheit ist (…) nur in einer Umwelt, ist nur unter ökologischen Bedingungen möglich.“[ 29 ] Aufgabe
