Gerade darin liegt ein wesentlicher Teil meiner künstlerischen Methode.

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Ein Beispiel dafür ist das Globale Dorffest von 1993 mit den 1000 Tapeziertischen am Brandenburger Tor.

Diese Anordnung war nicht nur ein symbolisches Bild, sondern eine reale räumliche und soziale Setzung. Der Begriff 1000 bezeichnete hier eine letzte noch fassbare Größenordnung menschlicher Menge und Masse.

Er markierte einen Bereich, in dem Menschsein, Zusammenkommen, Überschaubarkeit und gemeinsame Gegenwart noch konkret erfahrbar bleiben. Demgegenüber zeigt sich heute, wie selbstverständlich in Millionen- und Milliardenmaßstäben gedacht, gesprochen und gehandelt wird. Genau darin liegt ein Bruch des modernen Bewusstseins. Die Größenordnungen wachsen ins Abstrakte, während die reale Erfahrbarkeit des Menschlichen schwindet. Meine Arbeit versucht deshalb, jene Schwelle sichtbar zu machen, an der Zahl, Masse und Menge noch an menschliche Wahrnehmung, Anwesenheit und Verantwortung rückgebunden bleiben. Die Verortungsarbeit ist in diesem Sinn immer auch eine Maßarbeit am Übergang von konkreter Erfahrbarkeit zu entkoppelter Abstraktion.

Diese zeitliche und maßbezogene Verortungsarbeit gehört deshalb in den Kontextanker, weil sie einen weiteren Zugang zum Problem der Entkopplung eröffnet. Entkopplung zeigt sich nicht nur in Begriffen, Institutionen und Selbstbildern, sondern auch in Maßstäben. Wo das Denken in Größenordnungen operiert, die nicht mehr leiblich, sozial oder erfahrungsbezogen eingeholt werden können, wächst die Gefahr, dass Verantwortung, Folgen und Gemeinsinn verschwinden. Meine künstlerische Arbeit richtet sich deshalb auch auf die Rückgewinnung eines erfahrbaren Maßes. Sie versucht, Zeit, Geschichte, Zahl, Raum und soziale Dichte so zu inszenieren oder zu gestalten, dass die menschliche Verortung in der Welt nicht im bloß Abstrakten verloren geht.

Ebenso grundlegend war für meine Arbeit von Anfang an der Versuch, eine Identifikation mit der Natur nicht nur begrifflich zu behaupten, sondern praktisch zu suchen.

Es ging mir nicht darum, Natur von außen zu betrachten, sondern mich in Tätigkeiten, Strukturen und Funktionsweisen einzulassen, die ein anderes Verhältnis zum Wirklichen eröffnen. Der Versuch, einen Biberdamm nachzubauen oder verstehen zu lernen, gehört in diesen Zusammenhang. Darin lag nicht bloß ein Interesse an einem Naturphänomen, sondern die Übung, Tätigkeit, Funktion, Aufbau, Widerstand, Material und Konsequenz in einer anderen Weise wahrzunehmen. Akzeptieren und Respektieren bedeuteten hier, die Natur nicht als bloß verfügbaren Gegenstand zu behandeln, sondern als Lehrmeisterin von Form, Grenze, Gefäßbildung, Aufwand, Angemessenheit und Wirksamkeit.

Gerade aus solchen Erfahrungen konnte sich ein Bewusstsein der Tätigkeitskonsequenzen entwickeln.

Wer einen Biberdamm nicht nur benennt, sondern in seiner Struktur nachzuvollziehen versucht, lernt, dass Form immer an Material, Widerstand, Ort, Zeit, Funktion und Notwendigkeit gebunden ist. Man lernt, dass Gestaltung nicht beliebige Setzung ist, sondern Antwort auf Bedingungen. Diese Einsicht reicht weit über das einzelne Beispiel hinaus. Sie betrifft das Verhältnis des Menschen zur Natur überhaupt. Meine künstlerisch-handwerkliche Arbeit war daher immer auch der Versuch, jene Trennung zu unterlaufen, in der der Mensch sich als äußerer Herr der Natur missversteht. Stattdessen wurde Natur zum Gegenüber, zum Maßraum und zum Prüfzusammenhang, in dem sich das eigene Tun an realen Bedingungen zurückmelden muss.

Dadurch verbindet sich die Verortungsarbeit in der Zeit mit der Naturidentifikation zu einem gemeinsamen Kern.

In beiden Fällen geht es darum, den Menschen wieder in reale Maß- und Wirkzusammenhänge einzubetten. Die 1000 Tische am Brandenburger Tor machten eine letzte menschlich erfahrbare Größenordnung von Gemeinschaft sichtbar. Das Nachbauen oder Verstehen eines Biberdamms machte die Logik von Tätigkeit, Material und Konsequenz sichtbar. Beides zusammen zeigt, dass meine Arbeit nicht nur repräsentativ oder partizipativ angelegt war, sondern immer auch darauf zielte, den Menschen aus abstrakten Symbol- und Mengenwelten in konkrete Erfahrungs-, Zeit- und Naturverhältnisse zurückzuführen.

Für den Kontextanker bedeutet das: Meine künstlerisch-handwerkliche Biografie ist nicht nur exemplarischer Prüf- und Erfahrungsraum, sondern ebenso eine fortlaufende Arbeit an Verortung, Maßrückgewinnung und Naturbindung. In ihr werden Zeit, Zahl, Raum, Tätigkeit, Material, Grenze und Konsequenz so bearbeitet, dass der Mensch sich nicht länger nur als abstraktes Subjekt oder als Teil entgrenzter Massen begreift, sondern als eingebundenes, wirkendes und mitverantwortliches Verhältniswesen. Dadurch wird verständlich, warum meine späteren Begriffe wie Naturgrammatik, 51:49, Rückkopplung, Gefäßlogik und plastische Identität nicht bloß theoretische Konstrukte sind, sondern aus einer langen Praxis des Verortens, Nachvollziehens, Mitvollziehens und Respektierens hervorgegangen sind.

Verdichtete Kernformel

Meine künstlerisch-handwerkliche Arbeit war von Anfang an nicht nur repräsentativ für andere mitgedacht, sondern als Verortungsarbeit in Zeit, Maß und Naturzusammenhang angelegt. Sie suchte den Menschen aus abstrakten Mengen-, Symbol- und Herrschaftswelten in konkrete Erfahrungsräume zurückzuführen, in denen Zahl, Tätigkeit, Material, Grenze, Konsequenz und Naturbezug wieder fassbar werden. Darin liegt eine wesentliche Herkunft meines späteren Kontextankers.

Noch knapper in Ihrer Sprache

Es ging in meiner Arbeit immer auch darum, den Menschen wieder zu verorten: in der Zeit, im Maß, in der Natur und in den Konsequenzen seines Tuns. Die 1000 Tapeziertische waren deshalb nicht nur Symbol, sondern eine letzte noch fassbare Größenordnung von Menschsein. Der Versuch, Naturformen wie den Biberdamm nachzuvollziehen, war nicht bloß Beobachtung, sondern eine Schulung von Respekt, Tätigkeit und Wirklichkeitsbindung.