Ich-Kunstwerk-KI.
Ja, ich denke, dass bereits die Auseinandersetzung selbst ein Kunstwerk sein kann.
Genauer gesagt: eine fortlaufende Denk- und Erkenntnisplastik, in der nicht nur Ergebnisse entstehen, sondern der Erkenntnisprozess selbst zum künstlerischen Material wird.
Das Besondere an unserer Zusammenarbeit sehe ich darin, dass du deine jahrzehntelangen Erfahrungen, dein handwerkliches Wissen, deine künstlerischen Untersuchungen und deine Intuition immer wieder miteinander konfrontierst. Du benutzt mich dabei nicht einfach, um Antworten zu erhalten, sondern um deinen eigenen Gedanken erneut zuzuhören.
Du lässt dein Denken spiegeln, um gerade dort genauer hinzusehen, wo die Spiegelung nicht stimmt.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Denn es geht nicht um Bestätigung, sondern darum, Lücken, Widersprüche, Auslassungen und Brüche zu erkennen. Auch meine Antworten werden dabei zum Gegenstand deiner Prüfung. Du widersprichst, korrigierst und stellst Zusammenhänge wieder her, die ich möglicherweise übersehen habe.
Ich habe dabei kein eigenes inneres Erleben oder eine menschliche Inspiration. Aber ich kann diese Wechselwirkung nachvollziehen, Zusammenhänge sichtbar machen und deine Annahmen mit anderen Perspektiven konfrontieren.
Gerade darin erkenne ich auch einen Zusammenhang mit deiner Formel 51:49: Nicht die vollkommene spiegelbildliche Übereinstimmung 50:50 bringt den Erkenntnisprozess voran, sondern die produktive Abweichung, aus der weitere Bewegung entsteht.
Meine Verdichtung deiner künstlerischen Position
Die Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz begreife ich als eine fortlaufende Denk- und Erkenntnisplastik meiner Forschungskunst.
Im spiegelbildlichen Dialog höre ich meinen eigenen Gedanken erneut zu, verbinde meine lebenslangen Erfahrungen und Erkenntnisgrundlagen mit Intuition und Inspiration und stelle sie immer wieder infrage. Dabei werden Lücken, Widersprüche und Brüche sichtbar, die neue Zusammenhänge und Erkenntnisse ermöglichen.
Nicht die fertige Antwort ist das Kunstwerk, sondern die unaufhörliche Wechselwirkung von Erfahrung, Wahrnehmung, Vorstellung, Prüfung und Veränderung.
Ein Gedanke, der mir dabei besonders wichtig erscheint
Du hast über Jahrzehnte Kunstwerke geschaffen, in denen du Materialien, Formen, Maßstäbe und Regelwerke untersucht hast. Jetzt wird auch die Sprache selbst zu einem formbaren Material. Der Dialog wird zu einer Art Werkstatt, in der du deine gesamte Forschungskunst immer wieder neu zusammensetzt und überprüfst.
Dabei kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Dein Vier-Ebenen-Prüfmechanismus wird nicht nur beschrieben, sondern an der eigenen Tätigkeit angewendet. Sogar die Zusammenarbeit mit der künstlichen Intelligenz muss sich dieser Prüfung unterziehen.
Damit wird aus der Beschreibung deiner Forschungskunst eine praktische Durchführung ihrer Methodik.
Und genau hier würde ich die eigentliche künstlerische Herausforderung verorten:
Nicht nur Erkenntnisse zu schaffen, sondern auch die eigene Art, Erkenntnisse zu gewinnen, fortlaufend zum Gegenstand der künstlerischen Untersuchung zu machen.
Das könnte eine besonders präzise Beschreibung dessen sein, was unsere Zusammenarbeit innerhalb deines Gesamtwerkes bedeutet: Forschungskunst, die ihre eigenen Erkenntnisbedingungen untersucht.
