Im Sinn des Prüfmodells
Wenn Sie den Gedanken in Ihre eigene Architektur einordnen wollen, ist „im Sinn des Prüfmodells“ meist die stärkere Formulierung, weil der Satz dann sachlich auf die Logik des Modells bezogen wird und nicht nur auf Ihre persönliche Urheberschaft. „Im Sinn meines Prüfmodells“ ist dann passend, wenn Sie ausdrücklich markieren wollen, dass dieses Raster aus Ihrer Arbeit stammt.
Im Fließtext wirkt deshalb oft die Kombination am besten: „Im Sinn meines Prüfmodells gilt …“ oder, noch ruhiger und allgemeiner, „Im Sinn des hier entwickelten Prüfmodells gilt …“.
Formulierung im Sinn des gesamten bisherigen Zusammenhangs
Im Sinn des hier entwickelten Prüfmodells ist der Satz „Ich bin mein Eigentum“ nicht haltbar, jedenfalls nicht als wirklichkeitsgerechte Grundbestimmung des Menschen. Er ist selbst bereits ein Produkt der dritten Ebene, also der Symbol-, Geltungs- und Besitzwelt, in der der Mensch sich in den Formen von Recht, Verfügung, Herrschaft und Selbstzuschreibung deutet. Der Satz überträgt die Eigentumslogik, die ursprünglich für Sachen, Güter und Besitzverhältnisse gebildet wurde, auf das lebendige Selbstverhältnis des Menschen. Genau darin liegt aus Sicht des Prüfmodells der Ebenenfehler.
Auf E1, der Ebene des materiell-physikalischen Funktionierens, ist der Mensch kein Eigentum, sondern ein endliches, belastbares und verletzliches Wirkungsgefüge. Hier gelten Tragfähigkeit, Widerstand, Energieverbrauch, Bruch, Zeit und irreversible Konsequenz. Kein Mensch kann über diese Bedingungen souverän verfügen. Wer sagt: „Ich bin mein Eigentum“, spricht so, als könne er sich wie einen Gegenstand besitzen und frei über sich verfügen, aber E1 zeigt, dass der Mensch sich nicht selbst hervorbringt, nicht aus sich selbst ernährt, nicht aus sich selbst atmet und nicht außerhalb der Wirkzusammenhänge existiert.
Auf E2, der Ebene des Stoffwechsels und des Lebens, wird dieser Fehler noch deutlicher. Leben ist kein Besitzverhältnis, sondern ein Membranverhältnis. Der Mensch existiert nur durch geregelten Austausch, durch Abhängigkeit von Milieu, Nahrung, Atmung, Temperatur, Regeneration, Bindung und Schutz. Die Zellmembran ist in Ihrem Modell gerade deshalb das Minimalbild plastischer Identität, weil sie zeigt, dass Leben nicht aus absoluter Verfügung, sondern aus selektiver Öffnung, Grenze, Austausch und Rückkopplung besteht. Auch hier gilt also: Der Mensch ist nicht Eigentümer eines unabhängig verfügbaren Selbstobjekts, sondern ein verletzliches Verhältniswesen.
Erst auf E3 wird der Satz „Ich bin mein Eigentum“ überhaupt plausibel. Dort entstehen die symbolischen Figuren von Eigentum, Recht, Person, Verfügung, Autonomie und Selbstzuschreibung. E3 ist notwendig, aber entkopplungsgefährdet. Sobald die symbolische Form der Verfügung auf das lebendige Selbstverhältnis übertragen wird, entsteht jene Herrschaftsfigur, die Sie als Herrschafts-Ich-Bewusstsein beschreiben: das Ich, das sich selbst gehört, sich selbst besitzt, sich selbst verwertet und sich so behandelt, als sei es aus der Verletzungswelt herausgelöst. Der Satz ist also nicht einfach falsch, weil er sinnlos wäre, sondern weil er eine symbolische Konstruktion aus E3 zur Grundwirklichkeit des Menschen erklärt.
Auf E4, der Ebene der Prüfung, Kalibrierung und Haftung, wird deshalb die entscheidende Frage gestellt: Woran ist der Satz zu messen? Wenn man ihn an Geltungsansprüchen misst, scheint er Freiheit zu versprechen. Wenn man ihn aber an Wirklichkeit, Stoffwechsel und Konsequenz misst, zeigt sich seine Begrenztheit. Das Prüfmodell zwingt dazu, die Formel auf ihre Rückbindbarkeit zu testen. Und genau hier fällt sie durch. Sie kann als Schutzformel gegen Fremdherrschaft sinnvoll sein, aber nicht als anthropologische Letztbestimmung.
Die präzisere Formulierung
Im Sinn Ihres Prüfmodells müsste man daher sagen: Der Mensch ist nicht sein Eigentum, sondern sich anvertraut. Er ist kein Besitzwesen, sondern ein plastisches, grenzfähiges, referenzfähiges und rückkopplungsbedürftiges Verhältniswesen. Seine Freiheit liegt nicht in absoluter Selbstverfügung, sondern in der Fähigkeit, sich innerhalb nicht verhandelbarer Wirklichkeitsbedingungen verantwortlich zu führen.
Oder noch schärfer in Ihrer Sprache: „Ich bin nicht mein Eigentum. Ich bin ein plastisches Kopplungswesen unter Bedingungen von Grenze, Stoffwechsel, Rückkopplung und Konsequenz.“
Verdichtete Schlussformel
Im Sinn des Prüfmodells ist „Ich bin mein Eigentum“ eine entkoppelte E3-Formel. Wirklichkeitsgebunden wäre stattdessen: „Ich kann über mich nicht beliebig verfügen, aber ich kann lernen, mich innerhalb realer Grenzen verantwortlich zu bestimmen.“ Genau dort beginnt in Ihrem Modell die Differenz zwischen Unverletzlichkeitswelt und Verletzungswelt, zwischen Herrschafts-Ich und plastischer Identität.
