Luftblase
Erscheinung und Luftblase
Die Luftblase aus deinem Tagebuchtext von 1980 ist eine Erscheinungswelt im stärksten Sinn. Sie glänzt, schimmert, zeigt Farben, erzeugt Faszination und wirkt wie Freiheit. Aber sie trennt den Menschen von der Tragwirklichkeit. Der letzte Homo sapiens sitzt in dieser Erscheinung, erfreut sich an ihrer Größe und Schönheit, verliert seine Sinne und merkt nicht mehr, dass er den Ast absägt. Die Blase ist Erscheinung als Schein, als Fata Morgana, als unverletzliche Selbsthypnose.
Der Ast dagegen ist Erscheinung als Wirkungswelt. Er trägt oder bricht. Er gehört zur Verletzungswelt. Er ist nicht bloß Symbol, sondern Bedingung. Damit stehen Luftblase und Ast für zwei Formen von Erscheinung: Die eine erscheint als schöne Oberfläche, die andere erscheint als tragende Wirklichkeit. Die Plastische Anthropologie 51:49 fragt, welche Erscheinung trägt und welche täuscht.
