Meine Kunst als Referenzanthropologie im Drei-Schichten-Modell:

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

In Einbeziehung des gesamten Text-Verlaufs lässt sich meine Kunst als ein konsequentes Kalibrierverfahren lesen: Ich nehme alltägliche, scheinbar banale Dinge und Situationen und führe sie so durch die drei Schichten, dass der typische Kurzschluss sichtbar wird, nämlich die Verwechslung von Geltung mit Tragfähigkeit.

Damit wird Kunst bei mir nicht „Illustration von Ideen“, sondern ein Prüfsystem, das die Symbolschicht an Funktionieren und Stoffwechsel zurückbindet und genau dort die Selbstzerstörungsdynamik entlarvt, wo sie sonst unsichtbar bleibt.

Strukturprinzip: Träger, Kopplung, Vergoldung

Mein wiederkehrendes künstlerisches Verfahren lässt sich als eine dreiteilige Operation beschreiben, die in vielen Motiven variiert, aber denselben Kern hat. Zuerst setzt du einen Trägerzustand der ersten Schicht, der nicht verhandelbar ist und über Widerstand spricht. Dann bringst du die zweite Schicht als tätige, verletzliche Kopplung hinein, in der das Ich nicht als Parallelwelt, sondern als Operator unter Konsequenzen existiert. Schließlich führst du in der dritten Schicht eine symbolische Aufladung ein, häufig durch Vergoldung oder Ikonisierung, die Unverletzlichkeit, Dauer, Reinheit oder absolute Geltung behauptet. Der künstlerische Schnitt liegt darin, dass du die dritte Schicht nicht als bloßes „Zeichen“ stehen lässt, sondern sie als reale Materialoperation setzt, die das Medium, die Lernfähigkeit oder die Lebensfähigkeit verändert und damit den Kurzschluss als Struktur ereignishaft macht.

Skulptur-Identität und plastische Identität als gegensätzliche Betriebsarten

Deine Unterscheidung von Skulptur und Plastik ist dabei der Schlüssel, um die Zivilisationskritik als Formlogik zu fassen. Skulptur-Identität ist die Gestalt, die durch Abtrennung, harte Kontur, definitive Setzung und Unantastbarkeit entsteht; sie entspricht dem 50:50-Symmetriedualismus der perfekten Ordnung, der die Symbolwelt zu einer souveränen Instanz erklärt. Plastische Identität ist dagegen Formung unter Rückkopplung, Korrektur, Toleranz und Widerstand; sie entspricht dem 51:49-Referenzmodus, in dem Symbole Werkzeuge bleiben und sich an Träger- und Lebensbedingungen messen lassen müssen. Deine Kunst arbeitet genau an der Grenzlinie, an der skulpturale Geltungsformen plastische Lebens- und Funktionsbedingungen parasitieren und dadurch zerstören.

Eisfläche, Schultafel, Kartoffel: Drei Motive, eine Logik

Die Eisfläche zeigt die erste Schicht als Glätte und Sturzrisiko, die zweite Schicht als vorsichtige Tätigkeitskopplung, und die dritte Schicht als Vergoldung, die Unverletzlichkeit behauptet, ohne die Reibungsrealität zu ändern. Das Werk macht sichtbar, dass Geltung den Widerstand nicht aufhebt, sondern nur überblendet, bis der Sturz als Rückkopplung zurückkehrt.

Die Schultafel zeigt den Lernträger als revisierbares Medium, in dem Irrtum und Korrektur überhaupt erst möglich werden; sie zeigt dann die soziale Öffnung des Mediums, in dem wechselnde Hände schreiben und löschen können, und sie zeigt schließlich die Sakralisierung der Idee durch Goldschrift. Hier ist der Kern, dass die Vergoldung nicht bloß „Aufwertung“ ist, sondern funktionale Zerstörung der Revision: Die Idee bleibt als Ikone lesbar, aber Lernen, Wiederholen und Korrigieren werden aus dem System entfernt. Götzenbild bedeutet bei dir nicht Religion als Thema, sondern Unlöschbarkeit als epistemische Katastrophe.

Die Kartoffel oder der Apfel führen den gleichen Mechanismus in den Alltag zurück. In Ebene 1 liegt die Messer- und Garrealität, in Ebene 2 die Regeneration durch Boden und Zeit sowie die Zersetzung als unvermeidliche Stoffwechselkonkurrenz, und in Ebene 3 die Vergoldung als neue Schale der Geltung. Dein entscheidender Kunstpunkt ist, dass unter der goldenen Schale Fäulnis weiterläuft: Die dritte Schicht produziert Oberfläche der Unverletzlichkeit, während die zweite Schicht die Wahrheit der Prozesse trägt. Damit entsteht ein präzises Miniaturmodell des zivilisatorischen Selbstbetrugs: Man ersetzt Rückkopplung durch Aura und merkt die Konsequenzen erst, wenn sie nicht mehr zu überdecken sind.

Der leere Rahmen als Eigentums-Operator und der Midas-Spaten als Mythentechnik

Mit dem leeren Rahmen, der als 1 m² auf harten Boden gelegt wird, verschiebst du die dritte Schicht vom Inhalt zur Setzung. Der Rahmen wird zur minimalen Maschine der Parzellierung: Aus Milieu wird Besitzfläche, aus Besitzfläche wird Geltung. Der Stock, der ritzt, und der blinde Stab markieren die Steigerung zur Setzung ohne Wahrnehmung der Konsequenzen. Der vergoldete Spaten nach Midas ist schließlich die Ikone einer Welt, in der Berührung automatisch in Wert übersetzt wird. Diese Figur ist deshalb so stark, weil sie das Grundprinzip vieler zivilisatorischer Prozesse auf den Punkt bringt: Wertbehauptung wird schneller als Regeneration, und die symbolische Umcodierung läuft der Trägerrealität davon.

Kunst als Kompetenztraining: Ebenen sehen lernen

Wenn du sagst, es werde auf der Plattform darum gehen, Kompetenzen zu erlernen, dann ist die zentrale Kompetenz, die deine Kunst ausbildet, Ebenenwahrnehmung. Deine Arbeiten trainieren, die erste Schicht als Nichtverhandelbarkeit zu erkennen, die zweite Schicht als Milieukopplung und Regeneration ernst zu nehmen und die dritte Schicht als Werkzeug statt als Herrschaft zu behandeln. Entscheidend ist dabei, dass du die Symbolschicht nicht einfach kritisierst, sondern ihr den Spiegel vorhältst, indem du sie materialisierst: Gold, Rahmen, Ikone, Titel, Setzung. Dadurch wird sichtbar, wann Symbolik Lernfähigkeit ermöglicht und wann sie Lernfähigkeit zerstört.

Rolle der KI im Rahmen deiner Kunst

Im Modell bleibt KI ein Instrument der dritten Schicht, aber sie kann in deinem Projekt eine spezielle Aufgabe übernehmen: Sie kann den „Geheimcode“ der Symbolwelt sichtbar machen, indem sie die impliziten Setzungen, Dualismen, Immunisierungen und Geltungstricks explizit formuliert und damit die Rückbindung an Ebene 1 und 2 wieder möglich macht. Zugleich muss sie genau deshalb streng als Prüfinstrument betrieben werden, nicht als Orakel, weil sie sonst die Vergoldung der Erklärung liefert, während darunter die Fäulnis der Konsequenzen weiterläuft. In deiner Logik ist KI dann nützlich, wenn sie nicht neue Ikonen produziert, sondern die Ikonen als Ikonen markiert.

Wie du das auf der Plattform konsistent abbildest

Deine Kunst lässt sich als wiederholbare Werk-Architektur darstellen, in der jedes Motiv als Kalibriersequenz erscheint: zuerst der Trägerzustand, dann die tätige Kopplung, dann die symbolische Operation und ihre Konsequenz. Dadurch wird jedes Werk zugleich Exponat und Prüfmaske: Es zeigt nicht nur etwas, sondern es zeigt, wie man sieht, wo die Ebenen verwechselt werden. Das ist der rote Faden, der Eisfläche, Schultafel, Kartoffel, Rahmen und Midas-Spaten zusammenhält und deine „Alltäglichkeit als künstlerischen Prozess“ in eine strenge, nachvollziehbare Referenzanthropologie überführt.