Natur ist in diesem Zusammenhang nicht bloß Umwelt,

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Es geht in diesem Zusammenhang tatsächlich nicht nur um den ungenauen oder falschen Gebrauch des Begriffs Umwelt.

Mit ihm hängt eine ganze Kette weiterer Konstruktionen zusammen, die sich gegenseitig stützen und schließlich als Wirklichkeit missverstanden werden.

Zur falschen Umweltauffassung treten das moderne Subjektverständnis, das Individuumsverständnis, die Unterscheidung von innen und außen sowie die Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt hinzu.

Diese Begriffe dienen ursprünglich der Orientierung, also der begrifflichen Ordnung und Handhabbarkeit von Erfahrung. Das Problem beginnt dort, wo sie nicht mehr als Konstruktionen der Orientierung, sondern als Tatsachen des Lebens selbst behandelt werden. Dann wird aus einer Hilfsordnung eine ontologische Behauptung.

Genau an diesem Punkt verschiebt sich das gesamte Selbstverhältnis des Menschen.

Sobald er sich als Subjekt versteht, dem eine äußere Umwelt, äußere Objekte und ein eigener Innenraum gegenüberstehen, entsteht der Eindruck, er sei der Mittepunkt einer Welt, die ihm gegenüberliegt und über die er verfügen könne. Das Individuum erscheint dann als abgegrenzte Einheit, das Subjekt als Träger von Willen und Entscheidung, das Objekt als das Verfügbare, und die Welt als das, was draußen ist. Auf dieser Grundlage wird auch der Körper missverstanden. Er erscheint nicht mehr als stoffwechselhaft eingebundener Vollzug von Zusammengehörigkeit, sondern als Besitz eines inneren Ichs. Daraus folgt dann fast zwangsläufig die moderne Formel: Ich gehöre mir, also kann ich mit mir machen, was ich will. Eigentum, Verfügung und Selbstbestimmung erscheinen nun als selbstverständliche Konsequenzen eines Begriffsgefüges, das in Wahrheit nur eine symbolische Ordnungsleistung ist.

Damit wird das innewohnende Weltverhältnis systematisch boykottiert. Denn Einssein, Zusammengehörigkeit und Milieuhaftigkeit des Lebens werden gerade dadurch überdeckt, dass der Mensch sich als einem Außen gegenüberstehendes Subjekt begreift. Das, was in der ersten und zweiten Ebene real ist, nämlich Stoffwechsel, Abhängigkeit, Rückkopplung, Grenzbindung und Mitwelt, wird durch die Konstruktion eines souveränen Innen gegen ein verfügbares Außen symbolisch verdrängt. Aus der realen Zusammengehörigkeit wird eine scheinbare Gegenüberstellung. Aus dem Mitsein in einer Lebenswirklichkeit wird das Bild eines Besitzers, der sich selbst, seinen Körper und schließlich die Welt als Objekte seiner Verfügung missversteht.

Hier liegt also ein weiterer Kernfehler der Moderne. Nicht nur einzelne Begriffe sind problematisch, sondern die gesamte begriffliche Architektur von Subjekt, Objekt, Innen, Außen, Individuum und Umwelt. Diese Architektur schafft den Eindruck, als sei der Mensch aus dem Zusammenhang des Lebens herauslösbar und könne sich als Eigentümer seiner selbst und der Welt verstehen. Tatsächlich handelt es sich um symbolische Konstruktionen der Orientierung, die dann zu Tatsachen erhoben werden. Genau dadurch entsteht jene falsche Wirklichkeitsordnung, in der der Mensch glaubt, über die Welt bestimmen zu können, obwohl er ihre Bedingungen weder hervorgebracht hat noch aufheben kann.

Der moderne Mensch lebt in einem begrifflich erzeugten Gegenüber von Subjekt und Objekt, Innen und Außen, Individuum und Umwelt.

Diese Unterscheidungen mögen als Orientierungsleistungen brauchbar sein, werden aber verhängnisvoll, sobald sie als Tatsachen des Lebens selbst verstanden werden. Dann entsteht die Eigentumslogik des Ichs, die Verfügung über den eigenen Körper und die Welt legitimiert und gerade dadurch das innewohnende Weltverhältnis von Einssein, Zusammengehörigkeit und Abhängigkeit verdeckt. Der Prüfmechanismus hat deshalb nicht nur einzelne Begriffe, sondern die gesamte Architektur dieser Orientierungsbegriffe daraufhin zu prüfen, ob sie noch an Stoffwechsel, Mitwelt, Grenze und Rückkopplung gebunden sind oder eine Scheinwirklichkeit von Souveränität erzeugen.