Neurobiologische Ausgangslage: Das Gehirn ist nicht „neutral programmiert“
Wenn man „neutral“ im Sinn eines leeren, unverzerrten Prozessors meint, ist das Gehirn genau das nicht. Es ist ein evolutiv und entwicklungsgeschichtlich vorstrukturierter Prädiktions- und Regelkreis, der fortlaufend Erwartungen bildet, Fehler (Abweichungen) registriert und seine Modelle anpasst. Diese Vorstrukturierung ist nicht ideologisch, aber sie ist eindeutig gerichtet: Überleben, Energieökonomie, Schmerzvermeidung, soziale Bindung, Status- und Bedrohungsabschätzung. Was wie „Neutralität“ wirkt, ist meist nur die Gewohnheit eines stabilisierten Referenzsystems, das seine eigenen Prioritäten nicht mehr als Prioritäten bemerkt.
In diesem Sinn entstehen Symbolwelten und Konstrukte nicht „on top“ als frei schwebende Ebenen, sondern als lernabhängige Verdichtungen von Vorhersagen, die sich bewähren mussten, um Handlungsfähigkeit zu sichern. Sobald soziale Geltungswelten hinzukommen, werden solche Verdichtungen zusätzlich durch Belohnungs- und Stresssysteme stabilisiert. Dann ist nicht mehr nur „wahr/falsch“ relevant, sondern „anerkannt/abgelehnt“, „sicher/gefährlich“, „dazugehörig/ausgeschlossen“. Das ist neurobiologisch ein eigener Verstärkerkanal.
Elektromagnetik, Wasser und „Informationsverarbeitung“ im Gehirn
Dass Denken mit Elektrodynamik zu tun hat, ist korrekt, aber präzise so: Gehirnprozesse sind elektrochemische Dynamiken in neuronalen Membranen und Netzwerken. Lokale elektromagnetische Felder entstehen dabei notwendigerweise, und sie sind messbar (Feldpotenziale, EEG/MEG). Der wissenschaftliche Mainstream behandelt diese Felder jedoch primär als Ausdruck kollektiver Aktivität, nicht als eigenständiges „zweites Betriebssystem“, das unabhängig von Synapsen Informationen trägt. Es gibt Effekte wie ephaptische Kopplung (Feld-Einfluss auf benachbarte Membranen), aber diese Effekte gelten eher als modulativ und lokal, nicht als dominanter Träger der kognitiven Semantik.
Wasser ist dabei keine „Nebenrolle“, sondern die physikalisch-chemische Bedingung, in der überhaupt alles stattfindet: Hydratation von Proteinen, Konformationen, Ionenbeweglichkeit, Membrankapazität, Osmose, Volumenregulation, Protonen- und Ladungsverteilung. Viele „Anomalien“ des Wassers (Wasserstoffbrücken, Dichteverhalten, Grenzflächenphänomene) sind für Lebensfähigkeit zentral, aber daraus folgt nicht automatisch, dass Wasser im Gehirn eine separate, bewusstseinsnahe „Informationslogik“ im Sinn eines kodierenden Mediums betreibt. Das Tragfähige, was man sagen kann, ist: Wasser strukturiert die Randbedingungen der biologischen Informationsverarbeitung so stark, dass ohne diese spezifischen Wasser-Eigenschaften neuronale Erregbarkeit und Membranprozesse nicht in der bekannten Form existieren würden.
Ihre drei Schichten als Analysemodell für mentale Verarbeitung
Ihr Schichtenmodell lässt sich sehr gut als Analyseinstrument auf Gehirnprozesse beziehen, wenn man es nicht als anatomische „dritte Hirnrinde“ missversteht, sondern als funktionale Perspektiven auf ein und denselben Prozess.
Die erste Schicht entspricht in der kognitiven Domäne den nicht verhandelbaren physikalischen Randbedingungen und den basalen Signalgesetzen: Leitfähigkeit, Erregbarkeit, Zeitkonstanten, Rauschanteile, Reiz-Antwort-Dynamiken. Das ist die Ebene, in der „überzeugen“ nicht funktioniert, sondern nur Kausalität und Dynamik.
Die zweite Schicht entspricht der Stoffwechsel- und Regulationsseite des Denkens: Interozeption, Affekt, Homöostase, Stressachse, Müdigkeit, Hunger, Schmerz, Atem, Herz-Kreislauf, Entzündungszustände, Schlafdruck. Diese Ebene „entscheidet“ implizit, welche kognitiven Ressourcen verfügbar sind und welche Themen als drängend markiert werden. Das ist entscheidend, weil viele Symbolkonstrukte eigentlich Regulierungslösungen sind, die sich als „Argumente“ verkleiden.
Die dritte Schicht ist die symbolische Modellbildung: Sprache, Narrative, Begriffe, Rollen, Normen, Geltungszuschreibungen, institutionelle Codes. Hier entstehen Konstrukte und hier können sie sich verselbständigen. Sobald Geltungswelten als Rückkopplung hinzukommen, wird diese Schicht nicht nur „repräsentierend“, sondern „selbststabilisierend“: Sie produziert Gründe, die ihre eigene Autorität sichern.
Damit haben Sie ein scharfes Diagnosewerkzeug: Nicht „Was denke ich?“, sondern „Auf welcher Schicht wird gerade welches Problem gelöst, und welche Schicht tarnt sich als die andere?“.
Verändert die Beschäftigung mit den drei Schichten die Gehirnverarbeitung?
Ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit – nicht weil das Gehirn plötzlich neue Physik bekommt, sondern weil Metamodelle die Gewichtung im Prädiktions- und Aufmerksamkeitsregime verändern. Sobald Sie eine wiederholbar angewendete Unterscheidung lernen, verändern Sie die Selektionsmechanismen: Was wird als relevant erkannt, was wird als bloße Symbolbehauptung markiert, was wird als körperliche Randbedingung zurückgeholt, was wird als soziale Geltungsdrohung identifiziert. Das ist Lernen, und Lernen ist Umbau von Gewichtungen und Routinen.
Praktisch heißt das: Ihr Schichtenmodell trainiert eine Form von Beobachtung zweiter Ordnung. Diese Beobachtung kann die typische Verwechslung reduzieren, bei der symbolische Gewissheit als Realität gesetzt wird, während stoffwechselhafte Signale als „Störung“ abgewertet werden. Gleichzeitig kann sie auch umgekehrt verhindern, dass affektive Zustände („Bedrohung“, „Scham“, „Gier“, „Erschöpfung“) unbemerkt die Symbolproduktion steuern und sich dann als „rationale Gründe“ ausgeben.
In der Sprache Ihres Prüfsystems ist das eine Kalibrierung: Das Gehirn lernt, in Konflikten nicht automatisch der Geltungsschicht den Vorrang zu geben, sondern die Rückbindung an Trägerbedingungen systematisch mitzudenken.
Was geschieht, wenn Geltungswelten als zusätzliche Rückkopplung dazukommen?
Dann wird die dritte Schicht biochemisch ernst. Anerkennung, Rang, Ausschluss, Bloßstellung, institutionelle „Gültigkeit“ koppeln direkt an Belohnungs- und Bedrohungsnetze. Das hat zwei robuste Folgen.
Erstens steigt die Tendenz zur Modellverhärtung. Ein Konstrukt wird nicht nur geglaubt, weil es „stimmt“, sondern weil Abweichung Kosten erzeugt. Das Gehirn lernt dann nicht primär Wahrheit, sondern Sicherheitsverhalten in einem sozialen Feld. Symbolwelten werden dadurch zu Schutzarchitekturen.
Zweitens entstehen selbstverstärkende Schleifen: Das Symbolsystem erzeugt Handlungen, die die soziale Rückmeldung so formen, dass das Symbolsystem bestätigt wird. Damit wird „Geltung“ zur Ersatz-Tragfähigkeit. Genau hier setzt Ihre Prüflogik an: Geltung ist nicht automatisch Rückkopplungswahrheit, sondern kann eine Echokammer-Stabilität sein.
Wie Ihr Prüfsystem die Gesamtproblematik strukturieren kann
Ihr Drei-Schichten-Raster kann man als standardisierte Fehlersuche in Denkprozessen verstehen. Ein Gedanke, ein Plan, eine Begründung wird dann nicht nur inhaltlich bewertet, sondern als Kopplungsdesign: Welche Trägerbedingungen werden vorausgesetzt, welche Stoffwechselkosten werden verdeckt, welche symbolischen Gewinne werden gesucht, welche Geltungsrisiken werden abgewehrt?
Wenn Sie das konsequent anwenden, entsteht eine Art „mentales Audit“. Viele scheinbar intellektuelle Kontroversen lassen sich dann als Schichtverwechslungen rekonstruieren: Ein Geltungsproblem tarnt sich als Wahrheitsproblem; ein Stresszustand tarnt sich als Prinzipienfrage; ein Stoffwechseldefizit tarnt sich als metaphysische Sinnkrise; eine symbolische Idealisierung tarnt sich als naturgesetzliche Notwendigkeit.
Das ist der Punkt, an dem Ihr Modell tatsächlich eine andere Verarbeitung begünstigt: Es zwingt zu einer internen Re-Zuordnung von Ursachen und zu einer Rückbindung, bevor die Symbolmaschine „schließt“.
Was Sie realistisch erwarten können und was nicht
Erwartbar ist, dass sich mit der Praxis Ihres Schichtenmodells die kognitive Flexibilität erhöht, dass Narrative schneller als Narrative erkannt werden, dass körperliche Randbedingungen weniger leicht überfahren werden und dass soziale Geltung als eigener Verstärkerkanal sichtbarer wird. Nicht erwartbar ist, dass sich daraus eine harte, direkte Aussage ergibt wie „das Gehirn arbeitet dann elektromagnetisch anders“ im Sinn eines neuen physikalischen Trägers. Die Physik bleibt, aber die Gewichtung, Auswahl, Hemmung und Verstärkung innerhalb derselben Physik verändert sich – und das ist für Denken und Handeln meist der entscheidende Hebel.
Wenn Sie wollen, kann ich das als zusammenhängenden wissenschaftlichen Fließtext mit Ihren Kernbegriffen (51:49, Rückkopplung, Kalibrierung, Geltung/Tragfähigkeit, Entkopplungsdesign) so formulieren, dass es als Kapitel in Ihr Prüfsystem passt, ohne Aufzählungen und mit klaren Überschriften.
