Referenzwissenschaft als öffentliche Prüfkompetenz:

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Eine Natur als Existenzbedingung

Es gibt nur eine Natur, und diese eine Natur ist die einzige Existenzbedingung. Daraus folgt, dass es nicht „zwei Existenzwelten“ geben kann, die nebeneinander stehen und nach getrennten Regeln funktionieren. Alles, was geschieht, geschieht innerhalb derselben Wirklichkeitsbedingungen. Genau hier liegt der Kern des Problems: Die Zivilisationsgeschichte hat immer wieder versucht, eine zweite Sphäre zu etablieren, in der Handlungen, Entscheidungen und Selbstbeschreibungen so behandelt werden, als könnten sie sich von den Rückwirkungen der Natur abkoppeln. Diese zweite Sphäre ist keine wirkliche Welt, sondern eine symbolische Konstruktion aus Ordnung, Geltung, Norm und Selbstlegitimation. Sie entsteht, sobald der Mensch die Gegenüberstellung von Modell und Herstellung, von Begriff und Wirklichkeit, von System und Leben so behandelt, als wären das zwei ontologisch getrennte Bereiche, zwischen denen man frei wechseln kann. Tatsächlich bleibt jedoch jede Modellbildung, jede Institution und jede technische Herstellung an dieselbe Natur rückgebunden, weil jede Tätigkeit in Widerstand läuft und Konsequenzen erzeugt.

Spiegelbildlicher 50:50-Symmetriedualismus als Ordnungsphantasie

Der spiegelbildliche 50:50-Symmetriedualismus ist in dieser Perspektive das zentrale Ordnungsprogramm, das diese Scheinverdopplung stabilisiert. Er organisiert Weltwahrnehmung über perfekte Gegenüberstellungen, über saubere Trennungen und über die Vorstellung, dass Ordnung dann „richtig“ ist, wenn sie spiegelgleich, vollständig und symmetrisch erscheint. Von Platons Idealismus her lässt sich diese Neigung als Drang verstehen, die wechselhafte, widerständige, „wilde“ Natur in eine reine Form zu überführen, die als Maßstab über der Erfahrung steht. In der Moderne wird das nicht mehr vorrangig metaphysisch, sondern technisch und institutionell realisiert: Die perfekte Ordnung wird zum Programm der Beherrschbarkeit. Der Mensch versucht, sich vor der Unverfügbarkeit der Natur zu isolieren, indem er normierte, abstrakte, rechnerische, juristische oder organisatorische Gegenwelten baut. Dadurch entsteht die Illusion, man könne Natur „im Griff“ haben, weil man ihre Repräsentationen und ihre Apparate beherrscht. Genau hier liegt die operative Falle: Man verwechselt die Steuerbarkeit des Modells mit der Steuerbarkeit der Wirklichkeit und hält die Stabilität der symbolischen Ordnung für einen Beleg ihrer Wahrheit.

Kritik als Selbststabilisierung: die Zivilisationsroutine der Selbstlegitimation

Im Verlauf der Wissenschafts- und Ideengeschichte wird Kritik häufig als Fortschrittserzählung vorgeführt, während sie zugleich eine Systemfunktion erfüllt: Sie bestätigt das Grundprogramm, indem sie Abweichungen repariert, ohne den Kern zu berühren. Philosophen, Forscher und Wissenschaftler erscheinen dann als Kritiker, aber ihre Kritik bleibt innerhalb des Rahmens, der die zweite Scheinwelt der Geltung schützt. Wo sich die Naturwissenschaften ausdifferenzieren, werden Probleme zerlegt, methodisch isoliert und disziplinär verteilt. Diese Arbeitsteilung ist leistungsfähig, erzeugt aber zugleich eine Struktur, in der die Rückbindung an die Gesamtkonsequenzen leicht verloren geht. Der Eindruck gemeinsamer Ziele – „Menschsein verstehen“, „Natur erklären“, „Fortschritt sichern“ – bleibt als Rhetorik erhalten, während die praktische Dynamik oft darin besteht, das bestehende Selbstverständnis des Menschen auf dem Planeten Erde zu stabilisieren: als autonomer Akteur, der die Bedingungen seiner Existenz nicht als bindend, sondern als gestaltbares Außen behandelt.

Geltung, Wettbewerb und der „Bastelladen“ der Unübersichtlichkeit

Der Antrieb dafür ist nicht nur Neugier, sondern auch Geltung. Der Mensch will seine Position verankern, Standards setzen, Anerkennung gewinnen und sich gegenüber anderen behaupten, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinweg. Geltung wird zum Wettbewerb, und dieser Wettbewerb produziert eine immer größere Apparatur aus Begriffen, Zuständigkeiten, Spezialsprachen, Methoden, Institutionen, Daten, Metriken und Legitimationen. So entsteht ein „Bastelladen“ aus Geheimnissen und Zuordnungen, der kaum noch zu durchdringen ist, nicht zuletzt deshalb, weil er für viele Beteiligte auch eine Schutzfunktion hat: Wer die Komplexität kontrolliert oder verwaltet, kontrolliert zugleich, was als relevant gilt. In einer solchen Ordnung kann sich der Mensch immer wieder neu positionieren, ohne den harten Prüfstein der Naturbedingungen vollständig anerkennen zu müssen. Die Folge ist eine Kultur der Selbstverführung, in der Tricks der Rechtfertigung, der Verschiebung und der symbolischen Reinigung so normal werden, dass man sie nicht mehr als Tricks erkennt, sondern als „vernünftige“ Verfahren. Damit ignoriert der Mensch zunehmend jene Ansprüche, die aus seiner eigenen Natur folgen: eingepasst zu sein in funktionierende oder nicht funktionierende Rückkopplungen, also lernen zu müssen, wo Widerstand Konsequenzen erzwingt.

51:49 als plastisches Referenzsystem statt Scheinverdopplung

Das Verhältnisprinzip 51:49 setzt genau an dieser Stelle an, nicht als neue Gegenwelt, sondern als plastisches Referenzsystem, das die Scheinverdopplung unterbricht. Plastisch bedeutet hier, dass Ordnung nicht als perfekte Form über der Wirklichkeit steht, sondern als prozessuale, widerstandsgebundene Korrekturfähigkeit im selben Existenzraum. 51:49 ist keine symmetrische Dialektik, die Gegensätze beruhigt, sondern minimale Asymmetrie als dauerhafte Rückkopplungsbedingung: Es bleibt immer ein Überschuss an Widerstand, an Differenz, an Nicht-Deckungsgleichheit, der Lernen erzwingt. Damit wird „Geltung“ an Bewährung gebunden. Bewährung heißt: Tätigkeit erzeugt Konsequenzen, Abhängigkeiten erzeugen Konsequenzen, und diese Konsequenzen sind nicht verhandelbar, sondern nur bearbeitbar. In diesem Sinn ist 51:49 kein bloßes Interpretationsschema, sondern ein Prüf- und Ordnungsprinzip, das Modell, Herstellung und Wirkung in eine einzige Kette zwingt, statt sie als getrennte Sphären zu behandeln.

Warum das Prinzip ignoriert, zerlegt oder totgeschwiegen wird

Dass ein solches Referenzsystem von Wissenschaft, Presse oder einzelnen Akteuren ignoriert, totgeschwiegen oder in Teile zerlegt wird, folgt aus der Logik der Selbstlegitimation. Ein Prüfprinzip, das die Rückbindung an Konsequenzen zentral stellt, gefährdet jene Zonen, in denen Geltung ohne Betroffenheit organisiert wird. Zerlegung wird dann zur Abwehrform: Man akzeptiert Teilaspekte als „interessant“, aber neutralisiert den Anspruch, ein übergreifender Maßstab zu sein. Ignorieren ist ebenfalls funktional, weil es die Notwendigkeit verhindert, die eigenen Legitimationsketten auf Konsequenzen umzustellen. In der Zeit betrachtet wird das Prinzip deshalb immer wieder als Thema erscheinen, aber als Systemmaßstab immer wieder zurückgewiesen werden, solange die symbolische Ordnung noch ausreichend Stabilität simulieren kann.

Eskalierende Katastrophen als Rückkopplungsdruck, nicht als „Meinung“ der Natur

Wenn von einer „Bestätigung“ durch die Natur die Rede ist, muss das präzise verstanden werden: Natur hat keine Intention und gibt keine Zustimmung. „Bestätigung“ meint hier allein, dass Rückkopplungen sich verdichten und Ausweichräume schrumpfen. Wo der Symmetriedualismus eine zweite Welt der Beherrschbarkeit behauptet, steigt mit eskalierenden Katastrophen der Druck jener einen Naturbedingungen, die diese Behauptung widerlegen. Das Wirkungsprinzip zeigt sich dann nicht als Argument, sondern als Ereignisfolge: Tätigkeit-Konsequenzen und Abhängigkeit-Konsequenzen treten stärker hervor, zeitlich dichter, räumlich weniger auslagerbar, politisch weniger beschönigbar. In diesem Sinn wird das 51:49-Betriebssystem der Natur nicht „bewiesen“, sondern es wird spürbar, weil die Entkopplungskosten steigen und die Korrekturschleifen härter werden.

Schlussfolgerung: Aufklärung als Rückbindung, nicht als zweite Welt

Das erneuerte Aufklärungskonzept, das in der Plastischen Anthropologie als Referenzwissenschaft angelegt ist, richtet sich nicht gegen Wissenschaft, sondern gegen die Entkopplung der wissenschaftlich-technischen Symbol- und Artefaktwelten von den naturhaften Konsequenzräumen. Es insistiert darauf, dass es nur eine Natur gibt und dass jede Ordnung, jedes Modell und jede Herstellung an derselben Realität zu messen ist: an Rückkopplung. Der Symmetriedualismus 50:50 ist dabei nicht bloß ein Denkfehler, sondern ein Zivilisationsprogramm der perfekten Form, das die Scheinwelt der Selbstlegitimation stabilisiert. 51:49 ist demgegenüber das plastische Gegenprogramm, das die Scheinverdopplung beendet, weil es Ordnung nicht als Spiegel, sondern als lernfähige Kette von Tätigkeit, Widerstand und Konsequenz versteht.

Ausgangslage: Aufklärung, Methode und die systematische Repräsentation der Welt

Das Erkenntnisprogramm der Aufklärung hat die neuzeitlichen Wissenschaften auf eine bis dahin unerreichte Leistungsfähigkeit gebracht, indem es Beobachtung, Experiment, Instrumentierung, Messbarkeit, Nomenklaturen und Klassifikationen zur Leitform von Verlässlichkeit gemacht hat.

Diese Methodik erzeugte eine neue Art von Ordnung: Wissen wurde nicht mehr primär als überlieferte Autorität, sondern als reproduzierbare, intersubjektiv stabilisierbare Operation behandelt.

Zugleich entstand aus genau dieser Stärke ein strukturelles Risiko. Je erfolgreicher die Repräsentations- und Instrumentenwelten wurden, desto leichter konnte der Eindruck entstehen, als bilde sich neben der einen Natur eine zweite Sphäre aus, in der Geltung, Kontrolle und Machbarkeit unabhängig von den realen Rückwirkungen verhandelt werden können.

Damit geriet die Wissenschaft nicht automatisch in Irrtum, aber sie lief Gefahr, ihre eigenen Mittel – Modell, Begriff, Messregime, Apparatur, Institution – als eigenständige „Welt“ zu behandeln, deren Legitimation sich aus sich selbst speist.

Das blinde Feld: 50:50-Symmetriedualismus als Zivilisationsroutine

Dieses Muster spiegelbildlicher 50:50-Symmetriedualismus: die Neigung, Welt in gleichrangige Gegenüber aufzuteilen und die Spannung zwischen ihnen durch eine „perfekte Form“ zu beruhigen. In dieser Logik entstehen Doppelungen wie Natur versus Kultur, Sein versus Sollen, Objekt versus Subjekt, Fakt versus Norm, Theorie versus Praxis, Modell versus Herstellung.

Solche Unterscheidungen sind analytisch nützlich, werden jedoch zivilisatorisch gefährlich, sobald sie ontologisch missverstanden werden, als könne man sich aus dem Konsequenzraum „Natur“ herauslösen und eine eigene Geltungswelt konstruieren.

Genau an diesem Punkt kippt Ordnung in Selbstlegitimation: Das System schützt sich gegen Korrektur, indem es Kritik ritualisiert, Zuständigkeiten verschiebt, Indikatoren an die Stelle von Folgen setzt und Komplexität als Unangreifbarkeit organisiert. Dann arbeitet man scheinbar fortwährend „kritisch“, stabilisiert aber faktisch das bestehende Selbstverständnis des Menschen als abgrenzbarer, souveräner Mittelpunkt.

Eine Natur, keine zwei Existenzwelten: der Maßstab der Rückkopplung

Der zentrale Prüfstein, der im gesamten Links-Verlauf immer wieder auftaucht, lautet: Es gibt nur eine Natur als Existenzbedingung, und es kann keine zweite Existenzwelt geben, in der Handlungen folgenlos bleiben.

Natur hat dabei keine Intention. Sie verfolgt kein Programm, sie „will“ nichts, sie ist kein Subjekt.

Gerade deshalb wirkt sie als unerbittlicher Maßstab: Tätigkeit trifft auf Widerstand, und aus dieser Kollision entstehen Konsequenzen. Diese Konsequenzen können zeitlich verzögert, räumlich ausgelagert oder symbolisch umgedeutet werden, aber sie verschwinden nicht. In diesem Sinn ist Natur kein Sinnangebot, sondern ein Wirkungsraum, der jede Selbstbeschreibung des Menschen früher oder später auf ihren Rückkopplungsgehalt prüft.

51:49 als plastisches Prüf- und Ordnungsprinzip

Vor diesem Hintergrund positioniert sich das Verhältnis-Prinzip 51:49 als Gegenform zum spiegelbildlichen 50:50-Dualismus. 51:49 ist keine neue „Welt“, keine Ersatzmetaphysik und kein harmonistisches Gleichgewicht, sondern ein plastisches Referenzsystem, das minimale Asymmetrie als Bedingung von Rückkopplung fasst.

Wo 50:50 die Welt beruhigt, indem es Gegensätze spiegelgleich ordnet, hält 51:49 die Differenz so offen, dass Lernen erzwungen wird. Plastisch heißt dabei: nicht statisch-formal, sondern prozessual, widerstandsgebunden und konsequenzsensibel.

„Prüfen“ bedeutet dann nicht primär logische Konsistenz oder institutionelle Anerkennung, sondern Bewährung im Tätigkeits-Widerstands-Konsequenz-Zusammenhang sowie in Abhängigkeits-Konsequenzen, die nicht verhandelt werden können. Ein Referenzsystem ist hier nicht bloß ein Koordinatennetz für Begriffe, sondern eine methodische Bindung an den einen Existenzraum, in dem Handeln Folgen erzeugt.

Plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft: vom Begriff zur Wirkungsgrammatik

Wenn „Plastische Anthropologie“ als Referenzwissenschaft beansprucht wird, dann nicht als Konkurrenzdisziplin neben bestehenden Fächern, sondern als übergeordnetes Prüf- und Ordnungsregime, das die Frage nach Geltung wieder an Rückkopplung bindet.

Damit verschiebt sich der Fokus von symbolischer Richtigkeit auf Wirkungsrichtigkeit. Der Mensch erscheint nicht zuerst als Träger von Selbstbildern, Rechten oder kulturellen Erzählungen, sondern als verletzliches, stoffwechselgebundenes, technisch tätiges Wesen, das in der Natur existiert und deshalb an Folgen gebunden bleibt.

Die in den Linksverlauf wiederkehrende Differenz zwischen Verletzungswelt und Unverletzlichkeitswelt markiert genau diesen Punkt: In der Verletzungswelt wird Wahrheit durch Konsequenz sichtbar, in der Unverletzlichkeitswelt wird Wahrheit behauptet, ohne dass der Behauptende selbst betroffen sein muss. Plastische Anthropologie zielt darauf, diese Entkopplung nicht moralisch zu beklagen, sondern methodisch zu schließen.

Aufklärung reloaded: vom Primat der Beobachtung zur Pflicht der Rückbindung

Das Aufklärungsprogramm war stark, wo es Beobachtung, Experiment und Reproduzierbarkeit gegen Autorität setzte. Es wird schwach, wo es seine eigenen Artefakte, Modelle und Institutionen als autonom behandelt und damit eine zweite Sphäre der Geltung etabliert. Eine erneuerte Aufklärung im Sinne des plastischen Referenzsystems würde den methodischen Kern nicht verwerfen, sondern verschärfen: Nicht nur die Messung, auch die gesellschaftliche und technologische Wirkungskette muss prüfbar werden. Wo Technoscience Naturzustände künstlich erzeugt, wird der Artefaktcharakter der Befunde selbst zur Erkenntnisbedingung; dann genügt es nicht, dass Daten vorliegen, sondern es muss sichtbar werden, welche Herstellungsweise welche Wirklichkeit überhaupt erst erzeugt und welche Konsequenzen sie freisetzt. Der Maßstab ist nicht „Theorieästhetik“ oder Selbstkonsistenz, sondern Rückkopplungsfähigkeit über die gesamte Kette von Modell, Herstellung, Anwendung und Folgewirkung.

Warum Ignorieren, Tot-Schweigen und Zerlegen strukturell naheliegen

Dass ein solches Referenzsystem von Wissenschaftsbetrieb, Presse und Einzelakteuren ignoriert, verkürzt oder in Teile zerlegt wird, ist weniger eine Frage individueller Bosheit als eine Folge von Geltungsökonomie. In einem Wettbewerb um Positionen, Ressourcen, Aufmerksamkeit und Deutungshoheit funktionieren Anerkennung und Karriere über kompatible Problemformate, über anschlussfähige Begriffe, über institutionelle Zuständigkeiten und über die Fähigkeit, Komplexität zu verwalten. Ein Prüfprinzip, das Geltung an Konsequenz zurückbindet, bedroht diese Schutzräume, weil es die bequeme Trennung zwischen „richtig begründet“ und „real wirksam“ auflöst. Zerlegung ist dann eine Abwehrtechnik: Man akzeptiert Teilaspekte als interessante Perspektive, entzieht ihnen aber die Rolle eines Maßstabs, der Systemlegitimation unterbrechen könnte.

Die Natur „bestätigt“ nicht, sie setzt Grenzen: Katastrophen als Rückkopplungsereignisse

Wenn im Gespräch davon die Rede ist, dass eskalierende Katastrophen das Naturprinzip 51:49 „bestätigen“ werden, dann lässt sich das präzise so formulieren: Nicht die Natur liefert Zustimmung, sondern sie erhöht den Rückkopplungsdruck. Je weiter sich Systeme in Unverletzlichkeitswelten stabilisieren, desto größer wird die Differenz zwischen symbolischer Ordnung und realen Folgen. Klimatische, ökologische, infrastrukturelle und soziale Kippprozesse wirken dann wie Verdichtungen von Konsequenzen, die nicht mehr durch Verschiebung, Externalisierung oder Semantik neutralisiert werden können. In solchen Lagen wird sichtbar, dass die entscheidende Instanz nicht die perfekte Form der Ordnung ist, sondern die Fähigkeit, Abhängigkeiten zu erkennen und Tätigkeiten so zu verändern, dass sie im Widerstand lernen. Genau hier liegt der operative Sinn des 51:49-Betriebssystems: minimale Asymmetrie als dauerhafte Korrekturschleife statt spiegelbildlicher Beruhigung.

Referenzwissenschaft als öffentliche Prüfkompetenz

Der Anspruch eines plastischen Referenzsystems ist damit nicht, eine weitere Theorie zu „haben“, sondern eine öffentliche Prüfkompetenz zu etablieren, die den Wettbewerb um Geltung wieder an Wirkungszusammenhänge bindet. Das zielt auf eine Re-Integration dessen, was im Verlauf der Moderne auseinandergetrieben wurde: Technik als tätige Weltbeziehung, Wissenschaft als methodische Bewährung, Politik und Recht als Folgenverantwortung, Kultur als Sinnarbeit unter Naturbedingungen. Eine Referenzwissenschaft in diesem Sinn ist kein neues Dogma, sondern ein Verfahren, das die Entkopplungsmaschine unterbricht, indem es jede Ordnung an die eine Natur zurückverweist, in der es keine zweite Existenzwelt gibt und in der „Wahrheit“ letztlich nur dort Substanz gewinnt, wo Folgen nicht ausweichbar sind.