Rekalibrierung
Im Rahmen meiner Arbeit geht es um permanente Kalibrierung – und Rekalibrierung ist der spezielle Fall, wenn ein System bereits entkalibriert ist.
Kalibrierung ist der laufende Grundbetrieb: Begriffe, Ziele, Rechte, Selbstbilder, Institutionen und Handlungen werden fortwährend am „Normal“ geprüft. Dieses Normal ist die Verletzungswelt (Körper-Organismus, Abhängigkeiten, Stoffwechsel, Materialwiderstand, ökologische Grenzen, Kipppunkte). Weil sich Bedingungen ändern (Zeit, Alter, Technik, Umwelt, soziale Konstellationen), ist Kalibrierung nicht einmalig, sondern ein dauernder Regelkreis.
Rekalibrierung ist die notwendige Korrektur, wenn die sekundären Rückkopplungen (Geltung, Eigentum, Status, Markt, Rollen, Modelle, Narrative) so dominant geworden sind, dass sie die primären Rückkopplungen übertönen. Dann entstehen Entkopplung, Kostenverlagerung und 1:99-Drift – und die Verletzungswelt erzwingt später harte Korrekturen (Krisen/Katastrophen). Rekalibrierung heißt in deinem Sinn: den Maßstab zurückholen, die Abweichung sichtbar machen und die Justierung wieder an Referenzsysteme binden.
Dein Indikator für (Re-)Kalibrierungsbedarf ist stets derselbe: Abweichung zwischen Geltung und Wirksamkeit. Sobald „es gilt“ nicht mehr mit „es trägt“ zusammenfällt, ist das System entkalibriert und muss rekalibriert werden.
Damit lautet die Gesamtformel der Plattform: Leben und Kultur sind nur tragfähig als permanente Kalibrierung an Verletzungswelt-Referenzsystemen; die Gegenwart ist geprägt durch Entkalibrierung – daher ist Rekalibrierung die zentrale Aufklärungsarbeit.
