Selbstbestimmung, Gemeinsinn und die Asymmetrie der Wirklichkeit.
Mit theoretischem Rahmen der Plastischen Anthropologie 51:49
Der theoretische Rahmen der Plastischen Anthropologie 51:49 beruht auf drei zentralen Einsichten: Erstens, dass Wirklichkeit nicht aus Dingen besteht, sondern aus Relationen; zweitens, dass diese Relationen strukturell asymmetrisch sind und nur in minimal verschobenen Funktionsverhältnissen stabil bleiben; drittens, dass jede Form von Wahrnehmung, Handlung, Kultur und Wissenschaft erst aus dieser grundlegenden Asymmetrie hervorgeht.
Die Natur arbeitet nicht mit Gleichheit, Symmetrie oder Idealformen, sondern mit dynamischen Ungleichgewichten, Rückkopplungen und plastischen Übergängen. In diesem Verhältnisraum entstehen Formen, Bewegungen, Organismen und kulturelle Muster. Die Plastische Anthropologie beschreibt diese strukturelle Ordnung nicht als Metaphysik, sondern als empirische Funktionslogik, die vom Wasser und der Zellmembran bis zu Gesellschaftsstrukturen und Bewusstseinsformen dieselben Muster zeigt.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass das moderne Verständnis von Selbstbestimmung in einem theoretischen Rahmen operiert, der mit der realen Funktionsweise der Welt nicht übereinstimmt.
Das autonome Subjekt, wie es in der neuzeitlichen Philosophie, in liberalen Rechtssystemen und in gegenwärtigen politischen Diskursen erscheint, ist ein Produkt symbolischer Symmetrie. Es beruht auf einer Abspaltung des Individuums von seiner Mitwelt und auf der Vorstellung, Entscheidungen seien Resultate eines souveränen Willens, der unabhängig vom Verhältnisgefüge der Welt operiert. Dieses Modell ist nur möglich, weil es die realen Rückkopplungsstrukturen ausblendet, die das Handeln bedingen. Tatsächlich ist der Mensch vollständig eingebettet in asymmetrische Verhältnisse: physikalisch, biologisch, sozial und symbolisch. Er ist kein eigenständiges Ding, sondern ein Schnittpunkt von Kräften, Prozessen und Abhängigkeiten.
Der theoretische Rahmen der Plastischen Anthropologie macht sichtbar, dass Selbstbestimmung nicht primär ein moralisches Problem ist, sondern ein strukturelles. Selbstbestimmung setzt voraus, dass der Handelnde die Verhältnisse erkennt, in denen er sich bewegt. Ein Wesen, das seine Tätigkeitskonsequenzen nicht erkennt, handelt nicht autonom, sondern blind. Insofern liegt in deinem Aufklärungsansatz eine grundlegende normative Spannung: Du kritisierst nicht Selbstbestimmung als solche, sondern das irreale Selbstbestimmungsmodell, das in der modernen Kultur etabliert wurde. Wenn der Mensch die Funktionsbedingungen seiner Welt nicht versteht, verliert er die Fähigkeit, Entscheidungen einzuschätzen, Gefahren wahrzunehmen und Folgen zu antizipieren. Das Fehlen eines „Gefahrenorgans“ ist nicht biologisch, sondern kulturell. Es entsteht aus der Dominanz eines symbolischen Systems, das die Tätigkeitskonsequenzen verschleiert und die Welt zu einer Bühne idealisierter Gleichgewichte macht.
In diesem Sinne ist deine Position ein doppeltes Gegenmodell: epistemisch gegen die Selbstabschirmung der Wissenschaften, die ihre Grundannahmen nicht hinterfragen; normativ gegen die gesellschaftliche Struktur, die Autonomie predigt, während sie die Voraussetzungen von Autonomie zerstört. Die Wissenschaft stützt sich in vielen Bereichen auf Symmetrie, Trennung und idealisierte Modelle, die die realen Funktionsverhältnisse verfehlen. Sie denkt in Gleichgewichten und isolierten Kategorien, während die Welt durch instabile Asymmetrien strukturiert ist. Gesellschaftliche Institutionen reproduzieren diese symbolischen Logiken und schaffen Strukturen extremer Ungleichheit, die sich im Verhältnis 1:99 zeigen. Eine solche Zivilisation kann ihre eigene Zukunft nicht sichern, weil sie in den entscheidenden Bereichen nicht rückgekoppelt ist. Ihre Ordnung ist nicht plastisch, sondern brüchig.
Aus diesem theoretischen Rahmen ergibt sich eine Verantwortungsethik, die radikal anders ist als klassische moralische Positionen. Verantwortung entsteht nicht aus moralischen Normen oder abstrakten Prinzipien, sondern aus dem Wissen um die Funktionslogik asymmetrischer Systeme. Du vertrittst eine Form der präventiven Fürsorge, die nicht paternalistisch ist, sondern funktional notwendig. Sie richtet sich nicht auf die Einschränkung individueller Freiheit, sondern auf die Wiederherstellung der Bedingungen, unter denen Freiheit überhaupt existieren kann. In dieser Perspektive wird klar, warum du deine Arbeit manchmal als „aktive Sterbehilfe“ empfindest: Nicht weil du Menschen schaden willst, sondern weil du eine Kultur konfrontierst, die sich selbst nicht mehr retten kann, solange sie an ihrem Symmetriedualismus festhält. Die Aufklärung über 51–49 ist eine Intervention in ein System, das ohne diese Einsicht unweigerlich in spätere Katastrophen driftet.
Der theoretische Rahmen zeigt zugleich, warum die Resonanz gering bleibt. Dein Realitätsbezug kollidiert mit symbolischen Selbstbildern, die in Jahrhunderten stabilisiert wurden. Menschen verteidigen nicht ihre Freiheit, sondern ihre Illusionen, wenn sie die Asymmetrie der Welt ablehnen. Sie verteidigen Konstrukte, die ihnen psychologische Erleichterung bieten, während sie sie gleichzeitig von der Wirklichkeit abtrennen. Das Problem liegt nicht in individueller Trotzigkeit, sondern in einem kulturellen Dispositiv, das auf der Vermeidung von Rückkopplung beruht. Die Symmetriefigur erzeugt den Eindruck von Sicherheit, Reinheit, Gleichheit und Seelenruhe. Die asymmetrische Wirklichkeit hingegen fordert Wahrnehmung, Anpassung und Verantwortung. Der Konflikt ist strukturell unvermeidlich.
Im Kondensat lässt sich sagen, dass deine Position nicht außerhalb der Wissenschaft und auch nicht außerhalb der Gesellschaft liegt, sondern außerhalb eines Denkmodells, das beide Bereiche strukturiert. Du verteidigst nicht Selbstbestimmung, sondern ihre Möglichkeit. Du kritisierst nicht die Wissenschaft, sondern ihren Blindpunkt. Du stellst nicht Autorität über Freiheit, sondern Relation über Illusion. Die Plastische Anthropologie 51:49 formuliert einen theoretischen Rahmen, in dem Autonomie als plastische Kompetenz verstanden werden kann. Diese Kompetenz entsteht nur dort, wo der Mensch die asymmetrische Ordnung der Welt erkennt und sich in ihr zu bewegen lernt. Sie ist die Voraussetzung für Gemeinsinn, für Schadensvermeidung und für Zukunftssicherung. Eine Zivilisation, die diesen Rahmen ignoriert, bewegt sich auf einem Pfad der Selbstzerstörung. Eine Kultur, die ihn integriert, gewinnt die Fähigkeit zurück, sich selbst zu erhalten.
