Status und Anspruch der Theorie:
Ich schreibe jetzt die Theorie als zusammenhängenden wissenschaftlichen Fließtext mit Überschriften: vom Zielanker über Rückkopplungswelt/Imago-Sphäre und E1–E4 bis zum Minimal-Loop, inklusive Bewusstseinsprozess, Kunst-Prüfständen und Plattform-Grundgesetz als Betriebskern.
Status und Anspruch der Theorie
Die hier formulierte Theorie ist keine „Weltanschauung“, sondern eine Prüfarchitektur: ein Verfahren, das Symbolbildung und Koordination ermöglicht, ohne die Träger- und Lebensbedingungen zu überblenden. Sie ist als Kontextanker gebaut, damit weitere Texte nicht nur „passend klingen“, sondern in einem konsistenten Filterstandard verarbeitet, verglichen und revidiert werden können. „Vollständig“ meint in diesem Sinn nicht „abschließend“, sondern „betrieblich geschlossen“: Jeder zentrale Begriff ist so definiert, dass er auf E1/E2 rückbindbar bleibt, und jede normative Stoßrichtung wird als überprüfbare Praxis (E4) übersetzt.
Leitfrage und Zielanker
Die Leitfrage lautet: Warum zerstört der Mensch seine Existenz- und Lebensbedingungen, obwohl er kognitiv und technisch immer leistungsfähiger wird, und wie lässt sich Urteil so organisieren, dass Korrektur als Normalbetrieb möglich bleibt, bevor Kipppunkte Korrektur erzwingen. Das Ziel ist nicht primär Wissensvermehrung, sondern Wiederherstellung von Rückkopplungsfähigkeit: Verantwortung als personale Fähigkeit, Konsequenzpfade zu lesen und zu tragen, sowie Gemeinsinn als öffentliche Kalibrierpraxis, in der Revision institutionalisiert und gegen Status- und Lagerlogiken durchsetzbar bleibt. Gemeinsinn ist damit keine moralische Gesinnung, sondern die soziale Form einer funktionierenden Korrekturökonomie.
Grundsatz der Prüfungsrichtung
Der Grundsatz lautet: Geltung ersetzt keine Tragfähigkeit. Geltung bezeichnet Wirksamkeit durch Zeichen, Rollen, Narrative, Anerkennung, Verfahren, Institutionen und Interfaces. Tragfähigkeit bezeichnet Tragen im Widerstand über Zeit, einschließlich Kosten, Verzögerungen, Nichtlinearitäten, Schwellen und möglicher Irreversibilität. Beide gehören derselben Welt an, aber sie sind nicht gleichrangig: Tragfähigkeit ist die Prüfseite, Geltung ist die Entwurfs- und Koordinationsseite. Wo diese Richtung kippt, entsteht Drift.
Rückkopplungswelt und Imago-Sphäre als begriffliche Grundtrennung
Die Theorie unterscheidet nicht zwei Realitäten, sondern zwei Betriebsweisen derselben Welt. Rückkopplungswelt ist der nicht verhandelbare Konsequenzraum: Tätigkeit trifft auf Widerstand; es entstehen Kosten; Zeitverhalten zählt; Reparatur wird erforderlich; Erschöpfung, Bruch und Irreversibilität verändern reale Zukunftsmöglichkeiten. In der Rückkopplungswelt ist Identität prozessual und verletzlich, weil jeder Vollzug eine Spur hinterlässt.
Imago-Sphäre ist der verhandelbare Koordinationsraum: Bilder, Zeichen, Rollen, Narrative, Anerkennung, Verfahren, Institutionen und Interfaces erzeugen reale soziale Wirksamkeit, ohne dass diese Wirksamkeit bereits Tragfähigkeit wäre. Die Imago-Sphäre ist notwendig, weil Koordination ohne symbolische und institutionelle Formen nicht skaliert. Ihr Risiko beginnt dort, wo sie sich als Trägerwelt ausgibt und die Richtung der Prüfung invertiert.
Für den Driftmodus innerhalb der Imago-Sphäre, in dem Geltung Tragfähigkeit behauptet und Korrekturwege blockiert werden, kann der Begriff „Gegen-Materie“ als Arbeitsname stehen, sofern er nicht physikalisch missverstanden wird. Terminologisch robuster ist „Entkopplungsmodus“, weil damit sofort klar ist, dass es um eine Folgenarchitektur geht und nicht um eine zweite Ontologie. In der Theorie gilt deshalb: Gegen-Materie meint Entkopplungsmodus, also den Inversionszustand der Imago-Sphäre.
Requisitenwelt und Unverletzlichkeitswelt werden nicht als gleichrangige Weltbegriffe geführt, sondern als Spezialbegriffe innerhalb der Imago-Sphäre. Requisitenwelt bezeichnet die didaktische Extremform des Als-ob, wie sie Theater bereitstellt: Handlungen erscheinen vollständig, bleiben aber absichtlich folgenarm. Unverletzlichkeitswelt bezeichnet die immunisierende Erlebnisform, in der Korrektur als Kränkung codiert wird und daher sozial-psychisch und institutionell abgewehrt werden muss.
„Wirklichkeit“ und „Realität“ als festgeschriebene Zuordnung
Um die Doppelbelegung der Alltagssprache zu entschärfen, werden die Containerwörter „Wirklichkeit“ und „Realität“ nicht als Grundbegriffe verwendet, sondern nur in einer festgeschriebenen Zuordnung. „Wirklichkeit“ wird als Wirkungs- und Konsequenzwelt verstanden, also als Name für die Rückkopplungswelt der Ebenen E1 und E2. „Realität“ wird als Selektions- und Ausschnittprodukt verstanden: als das, was die Imago-Sphäre aus Wirklichkeit herausgreift, stabilisiert, benennt und als „Ding“ oder „Modell“ handhabbar macht. Damit bleibt klar: Realität ist eine operative Auswahl- und Handhabungsform; Wirklichkeit ist der Träger- und Lebensvollzug, der über Zeit urteilt. Wo „Realität“ wie „Wirklichkeit“ behandelt wird, beginnt die Inversion.
Ebenenlandkarte E1–E4 als Betriebsachsen
Die Theorie operationalisiert ihre Begriffe über eine Ebenenlandkarte, die nicht metaphysisch, sondern betrieblich zu lesen ist. E1 beschreibt Funktionieren und Existenz als Tragfähigkeit über Zeit: Widerstand, Energie- und Materialgrenzen, Stabilität im Toleranzfeld. Wahr im Sinn von E1 heißt: Es trägt; wenn nicht, bricht es.
E2 beschreibt Stoffwechsel und Leben als Organismus-Milieu-Kopplung: Versorgung, Regeneration, Rhythmusfenster, Verletzbarkeit, Wiederherstellbarkeit. Bewusstsein erscheint hier als leibgebundene, versorgungsabhängige und störanfällige Prozessform; Handeln ist Konsequenzvollzug in Abhängigkeitspfaden. Wahr im Sinn von E2 heißt: Es erhält sich, repariert sich, regeneriert sich; wenn nicht, kippt es.
E3 beschreibt die Imago-Sphäre: Begriffe, Rollen, Recht, Eigentum, Identität, Narrative, Werte, Status, Institutionen und kulturelle Deutungsordnungen. E3 ist verhandelbar und notwendig, kann aber Tragfähigkeit simulieren, wenn Rückbindung nicht erzwungen wird.
E4 beschreibt Kopplungsdesign und Prüfbetrieb: Protokolle, Zuständigkeiten, Haftung, Prüfpfade, Interfaces, Infrastrukturen, Metriken, Versionierung und Revisionswege. E4 entscheidet, ob E3 als revisionspflichtiger Entwurf betrieben wird oder als Entkopplungsmodus driftet. E4 ist damit der Übergang von Diagnose zu Praxis.
Minimal-Loop als kleinster geschlossener Prüfbetrieb
Der Minimal-Loop ist die kleinste geschlossene Schleife, die einen Entwurf aus E3 in einen revisionsfähigen Rückkopplungsbetrieb überführt und damit E4 konkret macht. Er startet mit einer handlungsrelevanten These, die so präzise ist, dass sie später revidierbar bleibt. Er fordert dann zwingend einen Referenzrahmen, der benennt, welche E1- und E2-Randbedingungen betroffen sind und welches Zeitfenster, welche Grenzen und welche möglichen Irreversibilitäten gelten. Ohne Referenzrahmen bleibt jede Aussage Imago-Plausibilität.
Der Loop erzwingt anschließend Ebenentrennung: Was ist Setzung, was ist behaupteter Wirkzusammenhang, und unter welchen Bedingungen müsste die Behauptung revidiert werden. Eine These ohne Widerlegungs- oder Revisionsbedingung ist nicht „falsch“, sondern „nicht prüffähig“ und kippt damit bereits in Richtung Immunisierung.
Darauf folgt der Konsequenzpfad: Tätigkeit, Kosten, Trägerschaft und Rücklaufkanal der Korrektur werden über Zeit geführt. Der Pfad ist kein erzählerischer Lebenslauf, sondern eine explizite Spurführung, die Externalisierung, Zeitverzug und Zurechnungsflucht sichtbar macht. Der Zeit- und Schwellencheck behandelt Verzögerung, Nichtlinearität, Pfadabhängigkeit und Hysterese als Standard, nicht als Sonderfall; Kipppunkte sind nicht Ausnahme, sondern typische Form verspäteter Rückmeldung.
Der Loop wird erst geschlossen, wenn Zurechnung und Durchsetzung benannt sind: Wer ist revisionspflichtig, wer besitzt den Revisionshebel, und wie werden Fehlerkosten zurückgebucht. Damit wird Verantwortung nicht moralisiert, sondern als Rückkopplungsmechanik betrieben. Abschließend prüft der Immunisierungscheck, ob die Rücklaufkanäle blockiert werden, etwa durch fehlende Widerlegungsbedingungen, fehlende Kostenträgerschaft, fehlende Zuständigkeit oder identitätsbasierte Unkorrigierbarkeit. Das Ergebnis ist ein Betriebsstatus: prüffähig oder nicht prüffähig, einschließlich des konkreten Blockers.
Driftlogik: 50:50, 51:49 und 1:99
Der spiegelbildliche 50:50-Symmetriedualismus ist in dieser Theorie kein bloßes Ideenproblem, sondern ein Driftverstärker: Er macht perfekte Form, perfekte Ordnung und scheinbar perfekte Gerechtigkeit zur Primärrealität und wertet Rückmeldung als Störung ab. Die Minimalasymmetrie 51:49 bezeichnet dagegen die betriebliche Vorrangregel der Korrektur: Rückmeldung muss leicht überwiegen, damit Korrektur möglich bleibt, ohne dass Stillstand oder Zerstörung dominiert. Die Drift-Endform 1:99 beschreibt den Zustand, in dem Macht- und Kostenasymmetrien Korrektur blockieren, weil Externalisierung dauerhaft gelingt und Fehlerkosten nicht dorthin zurückkehren, wo entschieden wird.
Diese Drift stabilisiert sich typischerweise nicht durch „Lügen“, sondern durch eine Architektur von Folgen: räumliche Auslagerung, zeitliche Verzögerung, institutionelle Zerlegung, metrische Überblendung und psychische Immunisierung. Genau deshalb greift eine reine Aufklärungs- oder Argumentationsstrategie zu kurz: Sie operiert im Raum der Plausibilität, während Drift im Raum der Durchsetzung und Rücklaufkanäle entschieden wird.
Ich-Register, Genealogie und Selektionsproblem
Die Theorie fasst das Selbst nicht als zeitlose Instanz, sondern als Betriebsform, die in Rückkopplung entsteht und in Imago-Strukturen verformbar ist. Das Kopplungs-Ich ist leiblich, abhängig und verletzlich; es existiert im Vollzug von Versorgung, Rhythmusfenstern, Widerstand, Kosten und Regeneration. Das Geltungs-Ich ist imagobasiert; es stabilisiert sich über Zuschreibungen, Rollen, Titel, Rechtfertigungen, Gruppenkohärenz und Sichtbarkeit.
Der Driftgenerator entsteht dort, wo das Geltungs-Ich Trägerfunktion beansprucht: Korrektur wird als Identitätsangriff erlebt, nicht als Betriebsbedingung. In modernen, stark institutionalisierten und mediengetriebenen Milieus verstärken Vergleichs-Interfaces, Rankings, Profile und rechtlich-ökonomische Zurechnungsformen diese Drift, weil sie Zugehörigkeit und Wert über Imago-Signale organisieren können, während Träger- und Lebensfolgen ausgelagert bleiben. Die Genealogie des Ich wird in dieser Theorie daher nicht als romantische „Ursprungsstory“ gebraucht, sondern als Prüffrage: Unter welchen Selektions- und Zurechnungsregimen wird Korrektur billig oder teuer, normal oder gesichtsbedrohlich, möglich oder blockiert.
Eigentum, Verfügung und Schattenhaushalte als Kernfall der Entkopplung
Eigentum ist in dieser Architektur nicht primär ein moralisches Thema, sondern ein Zurechnungs- und Externalisierungsapparat. Es kann Träger- und Lebensfolgen unsichtbar machen, wenn Entnahme- und Abfallpfade als Schattenhaushalte außerhalb des Entscheidungsraums geführt werden. Die Theorie verlangt deshalb, Eigentum nur dann als tragfähige Institution zu behandeln, wenn der Konsequenzpfad die Entnahme-, Nutzungs-, Reparatur- und Abfallspuren verpflichtend mitführt und wenn Revisionshebel existieren, die Fehlkalibrierungen zurückbuchen. Ohne diese Kopplung wird Eigentum zur Entkopplungsmaschine, die 1:99-Drift nicht nur ermöglicht, sondern prämiiert.
Schichtenmodell als Tiefenkarte und Querarchitektur
Das Schichtenmodell dient als Tiefenkarte, um stillschweigende Gleichsetzungen auszuschließen, etwa „Begriff = Welt“, „Norm = Tragfähigkeit“ oder „Darstellung = Konsequenz“. Es beschreibt eine historische und funktionale Staffelung, in der sich Oberflächenlogik und Gegen-Materie-Effekte verdichten können, ohne die Rückkopplungswelt jemals aufzuheben. Innerhalb dieser Schichten fungiert E1–E4 als Querarchitektur: Sie zwingt jede Aussage zur Entscheidung, wo Tragfähigkeit tatsächlich entschieden wird, wo Geltung erzeugt wird und wie Rückmeldung als Revision zurückkehrt.
Wassergrammatik als anthropologischer Primäranker
Die Wassergrammatik ist nicht bloß Metapher, sondern eine anthropologische Setzung der Trägerseite: Der Mensch ist ein flüssigkeitsgebundenes Kopplungswesen. Stoffwechsel, Versorgung, Rhythmusfenster, Regeneration und Grenzverletzbarkeit sind konstitutiv. Das macht zwei Dinge prüfbar. Erstens wird deutlich, dass Bewusstsein keine ablösbare Parallelwelt ist, sondern eine Prozessform unter Versorgungsbedingungen; jede Überlastung, Schlaf- und Rhythmusstörung, jeder Entzug und jede chronische Stressarchitektur ist ein Eingriff in E2. Zweitens wird die Bildseite der Imago-Sphäre kritisch: Spiegel, Oberfläche, Glanz und Szene sind wirksam, aber sie dürfen nicht als Ersatz der Spur, der Regeneration und der Grenzwerte fungieren.
Homöostase, Schutzrichtungen des Gehirns und Kopplungsschutz
Homöostase bezeichnet die Tendenz lebender Systeme, interne Zustände in einem lebensfähigen Bereich zu stabilisieren. In deiner Architektur ist Homöostase der Name einer E2-Logik, die sowohl Korrekturfenster öffnen als auch Drift verstärken kann. Sie öffnet Korrekturfenster, weil lebende Systeme empfindlich auf Abweichungen reagieren und frühzeitig Signale liefern, wenn Versorgung, Rhythmus oder Belastung kippen. Sie verstärkt Drift, wenn psychische Schutzrichtungen – etwa Kränkungsvermeidung, Angstregulation, Zugehörigkeitsschutz und Statussicherung – in der Imago-Sphäre so codiert werden, dass Rückmeldung als Angriff erlebt wird und daher nicht mehr als Korrekturinformation verarbeitet werden darf.
Der entscheidende Punkt ist die Übersetzung in E4: Schutzrichtungen sind nicht als Entschuldung zu behandeln, sondern als Designparameter. Wenn Interfaces, Metriken und soziale Protokolle Korrektur systematisch als Gesichtsverlust auslösen, wird Homöostase zum Driftverstärker, weil das System dann nicht „lernen“ kann, ohne sein Selbstmodell zu bedrohen. Ein prüfbarer Korrekturmodus erfordert daher Protokolle, die Irrtum normalisieren, Revisionswege entkriminalisieren und Fehlerkosten sichtbar halten, ohne Personen als Träger der Schamökonomie zu instrumentalisieren. Das ist der präzise Sinn von „Entpsychologisierung ohne Entschuldung“: nicht Motive bewerten, sondern Rücklaufkanäle sichern.
Naturkundliche Nebenpfade als Metapher, Hypothese oder Belegpfad
Nebenpfade wie elektromagnetische Felder, Orientierung oder neurobiologische Spezialhypothesen sind in dieser Theorie nur dann zulässig, wenn ihr Status im Prüfbetrieb explizit markiert ist. Als Metapher dürfen sie die Begriffsarbeit schärfen, dürfen aber keine Trägerbehauptung ersetzen. Als Hypothese dürfen sie formuliert werden, müssen aber Widerlegungsbedingungen, Referenzrahmen und Beleganforderungen tragen. Als Belegpfad dürfen sie erst gelten, wenn E4 eine nachvollziehbare Evidenzspur organisiert, die Replizierbarkeit, Grenzen und Alternativerklärungen mitführt. Damit wird verhindert, dass poetische Evidenz, Plausibilität und Nachweisformat in der Imago-Sphäre verschmelzen.
Téchnē, μέτρον, συμμετρία als Maß- und Könnerschaftsoperatoren
Die griechischen Operatoren dienen nicht als Bildungssignal, sondern als Driftbremse der Begrifflichkeit. Téchnē bezeichnet prüfbare Könnerschaft im Vollzug, die scheitern kann und gerade dadurch kalibrierbar wird. Métron bezeichnet Angemessenheit unter Randbedingungen, also das Einpendeln ins Toleranzfeld statt das Streben nach Perfektionsbildern. Symmetría bezeichnet Maß-Beziehung und Kommensurabilität: Passung ist kein Dekor, sondern ein prüffähiges Verhältnis, das nur durch Rückmeldung stabil bleibt. Damit wird sichtbar, dass „Gemeinsinn“ technisch-anthropologisch lesbar ist: als geteilte Könnerschaft, Maßpraxis und Revision, nicht als moralische Erhöhung.
Kunst, Theater und Vergoldung als Prüfstand der Entkopplung
Kunst ist in dieser Theorie kein Illustrationsmedium von Werten, sondern ein Trainings- und Prüfmedium, in dem Imago an Materialwiderstand gebunden wird. Der Prüfcharakter entsteht dort, wo Zeit, Bruch, Unumkehrbarkeit und Oberflächenlogik nicht verhandelbar sind. Theater liefert das Modell der Requisitenwelt: eine kontrollierte Entkopplung, die sichtbar macht, wie Darstellung ohne Wunde funktioniert und warum diese Form didaktisch so stark ist.
Vergoldung ist der Kult-Operator deiner Architektur: ein Verfahren, das Wertbehauptung von Substanz trennt und die Überblendung der Konsequenzspur selbst zur kulturellen Leistung macht. Gold steht dabei nicht als Edelmetallmetaphysik, sondern als Name der Trägerseite: das, was über Zeit im Widerstand bestehen muss. Vergoldung steht als Name der Oberflächenleistung, die Unverletzlichkeit behauptet, obwohl die Rückkopplungswelt Kosten schreibt. Die Nähe zu René Magritte ist operativ: Nicht als Zitat, sondern als Grenzsatzlogik, die Darstellung und Träger trennt. Auch die Fallfigur von The Purple Rose of Cairo bei Woody Allen ist in dieser Theorie kein Kulturbeweis, sondern eine Schnittstellen-Parabel: Sie exponiert, wie Imago-Sphäre und Rückkopplungswelt kollidieren, wenn Darstellbarkeit als Trägerwirklichkeit missverstanden wird.
Plattform als skalierter Prüfbetrieb und Rolle des „spielerischen Wissenschaftlers ohne Status“
Die Plattform Globale Schwarmintelligenz ist die Skalierungsform des Kunst-Prüfstands. Sie macht die Prüfarchitektur öffentlich und kumulierbar, damit Korrektur nicht privat bleibt, sondern als gemeinsame Maßpraxis betrieben werden kann. Die Rolle des „spielerischen Wissenschaftlers ohne Status“ ist dabei keine romantische Figur, sondern eine Betriebsrolle: eine Person, die nicht durch Autorität zählt, sondern durch die Bereitschaft, Thesen in den Minimal-Loop zu geben, Konsequenzpfade zu führen und Revision zu akzeptieren.
KI ist in dieser Architektur kein Wahrheitsorakel, sondern ein Differenzinstrument: ein systematischer Generator von Varianten, Verschiebungen und Gegenprüfungen, der besonders dort nützlich ist, wo symbolische Systeme sich selbst stabilisieren. Ihre Funktion ist, die Stellen sichtbar zu machen, an denen Begriffe kippen, an denen Geltung in Entscheidung übergeht und an denen Rückkopplungsdaten fehlen oder blockiert werden. Autorität entsteht nicht aus der KI-Ausgabe, sondern aus dem durchgesetzten Prüfbetrieb.
E4-Grundgesetz der Plattform als Selbstschutz gegen Entkopplungsmodus
Das E4-Grundgesetz ist die knappe Betriebskonstitution, die verhindert, dass die Plattform selbst zur Imago-Maschine wird. Es fixiert, dass jede Kalibrierantwort einen Referenzrahmen, Ebenentrennung, Konsequenzpfad, Zeit- und Schwellenformat, Zurechnung/Haftung, Revision/Versionierung und Immunisierungsstatus trägt. Es fixiert außerdem, dass jede Behauptung ohne Widerlegungsbedingungen als „Entwurf“ markiert bleibt und dass Revisionswege nicht optional, sondern verpflichtend sind. Schließlich fixiert es, dass Sichtbarkeit nicht als Statuswährung betrieben werden darf, sondern als Fehlerkosten- und Korrekturkanal-Sichtbarkeit: Anerkennung folgt der Qualität der Rückbindung, nicht der Rhetorik, nicht der Lagerzugehörigkeit, nicht der Reichweite.
Damit wird die zentrale normative Intention – „Menschen sollen sich ändern können“ – in eine nicht-moralische Praxis übersetzt: Änderung ist nicht gefordert, sondern ermöglicht. Wer den Prüfbetrieb nutzt, kann entscheiden, ob und was er ändert; die Plattform liefert nicht „das richtige Leben“, sondern die Fähigkeit, Konsequenzen, Kosten und Revisionsfenster so zu sehen, dass Selbsttäuschung weniger stabil wird.
Bewusstseinsprozess als prüfbare Praxis statt als Therapieangebot
Der Bewusstseinsprozess ist in dieser Theorie kein psychologisches Heilsversprechen, sondern ein wiederholter Wechsel des Betriebsmodus: vom Imago-Primat zur Rückkopplungs-Primatsetzung. Er besteht minimal darin, dass Menschen ihre eigenen Fragen, Entscheidungen und Selbstbeschreibungen in den Minimal-Loop geben und lernen, zwischen Geltungspfaden und Konsequenzpfaden zu unterscheiden. Bewusstwerdung heißt hier nicht „mehr über sich denken“, sondern „besser rückkoppeln“: Widerlegungsbedingungen akzeptieren, Kostenpfade sehen, Zeitverzug einkalkulieren, Zuständigkeiten klären, Revision zulassen. Das ist eine praktische Kompetenz, die sich über viele Themenfelder erstrecken kann, etwa Berufswahl, Konsum, Selbstinszenierung, Eigentumsverhältnisse, Angstregime oder Statuszwänge, ohne dass sie in Moral oder Therapie kippen muss.
Offene Schließpunkte als Bestandteil der Vollständigkeit
Die Theorie ist betrieblich geschlossen, aber an mehreren Stellen noch nicht standardisiert. Der Immunisierungs-Grenztest muss als minimaler Kriterienkern operationalisiert werden, damit „prüffähig“ versus „immunisiert“ nicht nur diagnostisch, sondern als harte Schwelle entscheidbar wird. Ein einheitliches Zeitformat für Konsequenzpfade muss als Pflichtstruktur festgelegt werden, damit Verzögerung, Nichtlinearität, Schwellen, Pfadabhängigkeit, Hysterese und Irreversibilität themenübergreifend vergleichbar werden. Psychische Verstärker müssen als E4-Designregeln übersetzt werden, damit Korrektur nicht durch Gesichts- und Statusmechanik blockiert wird. Skalierung muss so gelöst werden, dass öffentliche Kalibrierpraxis möglich ist, ohne technokratische Datensouveränität zu erzeugen. Eigentum muss als vollständiger Pfad mit Entnahme- und Abfallspurpflicht standardisiert werden, damit Schattenhaushalte nicht außerhalb des Entscheidungsraums bleiben. Die Redaktionsregel der asymmetrischen Paarlogik muss als harte Schreibpflicht fixiert werden, damit die Sprache nicht in 50:50-Symmetrie zurückfällt. Die Unterscheidung von Kunst als Abbild und Kunst als Prüfinstrument muss als Übergangslogik explizit werden, damit der Prüfstandcharakter nicht in Metapher zerläuft. Die naturkundlichen Nebenpfade müssen konsequent als Metapher, Hypothese oder Belegpfad markiert werden, damit die Imago-Sphäre nicht unbemerkt Trägerbehauptungen übernimmt.
