Tätigkeitskonsequenzanker

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Wann wird Vorstellung zur wirklichen Folge?

Der Tätigkeitskonsequenzanker untersucht die Schwelle, an der eine menschliche Vorstellung durch Tätigkeit in einen vorausliegenden Wirkungszusammenhang eingreift. Eine Vorstellung besitzt bereits Wirklichkeit als Gedanke, Plan oder gesellschaftliche Geltung. Sie verändert ihr materielles oder lebendiges Gegenüber jedoch erst dadurch, dass Menschen aufgrund dieser Vorstellung handeln.

Darin liegt der Ereignishorizont der Tätigkeit. Vor dem Eingriff besteht eine Möglichkeit. Mit dem Vollzug beginnt eine tatsächliche Konsequenzgeschichte. Der Mensch kann sich vorstellen, mit einem Spaten in den Boden einzugreifen. Sobald die Schneide tatsächlich auf den Boden trifft, treten Material, Feuchtigkeit, Organismen, Werkzeug, Körperkraft, Ort und Zeitpunkt in die konkrete Folge ein. Das Ergebnis entsteht nicht allein aus der Absicht.

Die wirkliche Folge ist deshalb das Ergebnis einer Begegnung zwischen Tätigkeit und vorausliegender Wirklichkeit.

Absicht, Wirkung und Konsequenzspur

Der Tätigkeitskonsequenzanker trennt Absicht und Folge. Eine gute Absicht garantiert keine gute Wirkung, und eine problematische Wirkung beweist nicht automatisch eine problematische Absicht. Für die Forschung muss deshalb zunächst untersucht werden, was tatsächlich geschehen ist.

Dabei genügt die unmittelbare Wirkung häufig nicht. Folgen können räumlich verlagert, zeitlich verzögert oder durch viele wiederholte Tätigkeiten kumuliert werden. Eine Handlung kann Beziehungen verändern, die im ursprünglichen Tätigkeitsausschnitt nicht sichtbar waren. Deshalb spricht die Forschungskunst von einer Konsequenzspur.

Der Mensch erscheint damit als Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzenwesen. Er erzeugt Folgen und lebt zugleich innerhalb der Folgen eigener und fremder Tätigkeiten. Seine heutige Handlungssituation ist selbst bereits durch frühere menschliche Hervorbringungen geprägt.

Diese Betrachtung vermeidet jedoch eine undifferenzierte Totalverantwortung. Handlungsmacht, Wissen, Einfluss und institutionelle Stellung sind unterschiedlich verteilt. Verantwortung muss deshalb konkret an der tatsächlichen Möglichkeit zur Entscheidung und Korrektur geprüft werden.

Von der Funktionsprüfung zur Tragprüfung

Der handwerkliche Maßstab des Funktionierens bildet einen wichtigen Ausgangspunkt. Eine Verbindung trägt oder nicht. Bei komplexen gesellschaftlichen und technischen Formen reicht dieser Maßstab jedoch nicht aus. Ein System kann seine definierte Funktion erfüllen und gleichzeitig Bedingungen beschädigen, von denen seine weitere Existenz abhängt.

Der Tätigkeitskonsequenzanker erweitert deshalb die Funktionsprüfung zur Tragfähigkeitsprüfung. Gefragt wird nicht nur, ob eine Tätigkeit das beabsichtigte Ergebnis erzeugt, sondern welche weiteren relevanten Folgen daraus hervorgehen.

Hier erhält E4 seine praktische Bedeutung. Eine Konsequenz wird erst dann zur Rückkopplung, wenn sie die Ausgangsform erreichen und verändern kann. Bleibt die Folge zwar bekannt, aber institutionell folgenlos, liegt kein Wissens-, sondern ein Rückkopplungsproblem vor.

Korrektur und Reparatur

Nicht jede Folge ist reversibel. Begriffe können korrigiert, eingetretene Schäden aber nicht immer vollständig rückgängig gemacht werden. Deshalb unterscheidet die Forschungskunst zwischen Korrektur und Reparatur. Korrektur verändert die Ausgangsvorstellung oder Regel; Reparatur bezieht sich auf bereits eingetretene Folgen.

Gerade bei weitreichenden oder schwer reversiblen Tätigkeiten wird dadurch die Bedeutung frühzeitiger Prüfung sichtbar. Forschungskunst versucht nicht, sämtliche zukünftigen Folgen vorauszusagen. Sie organisiert vielmehr eine Aufmerksamkeit für mögliche Konsequenzen und einen Rückweg, wenn neue Wirklichkeit sichtbar wird.

Die zentrale Formel lautet:

Eine Vorstellung wird dort zur wirklichen Folge, wo sie durch Tätigkeit in einen vorausliegenden Wirkungszusammenhang eingreift.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, was beabsichtigt war, sondern was durch die Tätigkeit tatsächlich entstand und was davon die weitere Tätigkeit verändern muss.

Der Anker sollte besonders Ereignishorizont, Tätigkeit, vorausliegende Bedingungen, unmittelbare und verzögerte Folgen, Abhängigkeitsketten, Absicht und tatsächliche Wirkung, Verantwortungsreichweite, Rückkopplung, Verletzung, Korrektur und Reparatur miteinander verbinden. Wichtig ist dabei, Konsequenz nicht als lineares „Handlung A verursacht Folge B“ zu vereinfachen, sondern als Ergebnis des Zusammentreffens von Tätigkeit und Plexuswirklichkeit.

Tätigkeitskonsequenzanker

Wann wird Vorstellung zur wirklichen Folge?

Vom Möglichkeitsraum über die Tätigkeit zur eingetretenen Wirklichkeit

Funktion des Tätigkeitskonsequenzankers

Der Tätigkeitskonsequenzanker beantwortet innerhalb meiner Forschungskunst die Frage, wann und wodurch eine menschliche Vorstellung den Bereich des Gedachten verlässt und zu einem wirklichen Vorgang mit Folgen wird. Damit befindet sich dieser Anker an einer entscheidenden Übergangsstelle zwischen Plexus-/Wirklichkeitsanker und Prüfanker des Begriffshandwerks.

Der Plexus-/Wirklichkeitsanker macht deutlich, dass jede menschliche Tätigkeit innerhalb eines bereits vorausliegenden Zusammenhangs von Materialien, Organismen, Abhängigkeiten, Widerständen, zeitlichen Entwicklungen und gesellschaftlichen Ordnungen stattfindet. Der Prüfanker untersucht, wie Vorstellungen, Begriffe und Zuschreibungen hergestellt und korrigierbar gehalten werden können. Der Tätigkeitskonsequenzanker richtet den Blick nun auf den Moment, in dem eine solche Vorstellung handlungswirksam wird.

Dieser Übergang ist für meine Forschungskunst zentral. Denn Vorstellungen, Begriffe, Weltanschauungen, wissenschaftliche Modelle, gesellschaftliche Regeln oder Eigentumsordnungen besitzen ihre größte Wirklichkeit nicht allein dadurch, dass Menschen an sie glauben. Sie erhalten zusätzliche Wirklichkeit dadurch, dass Menschen nach ihnen tätig werden.

Aus diesem Grund reicht es nicht aus, eine Vorstellung nur daraufhin zu untersuchen, ob sie logisch widerspruchsfrei, gesellschaftlich anerkannt oder subjektiv überzeugend ist. Die weiterführende Frage lautet:

Was geschieht, wenn aufgrund dieser Vorstellung tatsächlich gehandelt wird?

Der Tätigkeitskonsequenzanker verschiebt damit die Prüfung von der bloßen Bedeutung einer Vorstellung auf ihre Verwirklichungsfolgen.

Vorstellung als Möglichkeitsraum

Eine Vorstellung ist zunächst noch keine materielle Veränderung desjenigen Gegenstandes, auf den sie sich richtet.

Ein Mensch kann sich vorstellen, ein Loch in einen Boden zu graben. Solange er diese Vorstellung nicht ausführt, befindet sich der Boden dadurch nicht bereits in demselben veränderten Zustand, den das tatsächliche Graben hervorbringen würde.

Er kann sich ein Haus vorstellen, eine Grenze planen, einen Baum fällen wollen, einen Vertrag entwerfen oder eine neue Maschine konzipieren. Die Vorstellung eröffnet Möglichkeiten. Sie kann Entscheidungen vorbereiten, Tätigkeiten strukturieren und zukünftige Zustände antizipieren.

Gerade darin liegt eine außergewöhnliche menschliche Fähigkeit.

Der Mensch muss nicht jede Handlung unmittelbar ausprobieren. Er kann mögliche Folgen vorausdenken, Modelle herstellen, zeichnen, rechnen, vergleichen, simulieren und Alternativen entwickeln.

Die Vorstellung besitzt deshalb eine wichtige Schutz- und Entwicklungsfunktion.

Sie ermöglicht einen Proberaum des Möglichen.

Problematisch wird die Vorstellung nicht dadurch, dass sie sich von der unmittelbaren Wirklichkeit zeitweilig entfernt. Gerade diese Distanz ermöglicht Planung, Kunst, Wissenschaft und Technik.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob die Vorstellung beim Übergang zur Tätigkeit weiterhin an die Wirklichkeit rückgebunden bleibt.

Entscheidung als Übergangszone

Zwischen Vorstellung und Tätigkeit liegt die Entscheidung.

Eine Vorstellung kann vorhanden sein, ohne dass sie verwirklicht wird. Erst wenn sie in eine Handlungsabsicht übergeht und die dazu erforderlichen Bedingungen hergestellt werden, nähert sie sich dem Ereignis.

Die Entscheidung ist deshalb selbst noch nicht mit der vollständigen Folge identisch. Sie verändert jedoch den Möglichkeitsraum.

Wenn ein Mensch entscheidet, einen Spaten aufzunehmen, einen Vertrag zu unterschreiben, eine Maschine einzuschalten oder einen Wald roden zu lassen, werden bestimmte Möglichkeiten wahrscheinlicher und andere ausgeschlossen.

Die Entscheidung besitzt damit eine besondere Zwischenstellung.

Sie gehört noch zur symbolischen und planerischen Seite menschlicher Tätigkeit, beginnt aber bereits, materielle, gesellschaftliche und technische Prozesse zu organisieren.

Im Menschenkunstwerk können Entscheidungen weitreichende Folgen vorbereiten, lange bevor die eigentliche materielle Veränderung sichtbar wird.

Eine staatliche Genehmigung, ein Eigentumsübergang, eine Investitionsentscheidung oder ein technischer Auftrag können Tätigkeitsketten auslösen, die später an vollkommen anderen Orten materielle und lebendige Konsequenzen erzeugen.

Damit wird deutlich, dass der Ereignishorizont einer Tätigkeit nicht immer mit dem sichtbaren körperlichen Handgriff zusammenfällt.

Der Ereignishorizont der Tätigkeit

Der Begriff Ereignishorizont erhält innerhalb meiner Forschungskunst eine besondere Bedeutung.

Er bezeichnet nicht den astrophysikalischen Ereignishorizont eines Schwarzen Loches, sondern die Schwelle, an der eine Möglichkeit in einen tatsächlich eingetretenen Vorgang übergeht.

Die Kugelschreiberspitze kann dafür ein elementares Modell bilden.

Vor der Spitze liegt das noch unbeschriebene Papier. Unterschiedliche Zeichen wären möglich. An der Spitze findet die konkrete Tätigkeit des Schreibens statt. Hinter der Spitze liegt das bereits Geschriebene.

Die Vergangenheit des Schreibvorganges lässt sich nicht dadurch ungeschehen machen, dass unmittelbar danach etwas anderes gedacht wird.

Das Geschriebene kann vielleicht durchgestrichen, radiert oder überklebt werden. Aber auch diese Korrektur ist bereits eine neue Tätigkeit und damit ein neues Ereignis.

Der Ereignishorizont bezeichnet deshalb jene Schwelle, an der Möglichkeit zu Geschichte wird.

Dasselbe gilt für den Spaten.

Bevor er in den Boden eindringt, bestehen unterschiedliche Möglichkeiten. Sobald Kraft über Hand, Stiel und Blatt auf den Boden übertragen wird, verändert sich dessen Zustand.

Damit ist etwas eingetreten.

Der Vorgang kann weitergeführt, abgebrochen oder teilweise rückgängig gemacht werden. Er kann jedoch nicht mehr in den vollständig ungeschehenen Zustand vor dem ersten Eingriff zurückkehren.

Der Ereignishorizont macht deshalb die Zeitlichkeit von Verantwortung sichtbar.

Tätigkeit als Begegnung mit Wirklichkeit

Eine Tätigkeit verwirklicht eine Vorstellung niemals allein.

Sie trifft auf einen bereits vorhandenen Zusammenhang.

Wenn ein Mensch mit einem Spaten in einen Boden eingreift, entscheidet nicht die Vorstellung allein darüber, was geschieht. Die Form des Spatens, die ausgeübte Kraft, die Feuchtigkeit und Zusammensetzung des Bodens, vorhandene Steine, Pflanzenwurzeln, Organismen, Leitungen, Temperatur und zahlreiche weitere Bedingungen bestimmen mit, welche Konsequenz tatsächlich entsteht.

Das bedeutet:

Die wirkliche Folge ist das Ergebnis einer Begegnung zwischen Tätigkeit und vorausliegender Wirklichkeit.

Diese Formulierung ist für den Tätigkeitskonsequenzanker zentral.

Die Folge ist nicht vollständig Eigentum des Handelnden.

Der Mensch bringt die Tätigkeit hervor, aber nicht sämtliche Bedingungen, innerhalb derer diese Tätigkeit wirkt.

Damit besitzt Wirklichkeit ein tatsächliches Gegenüberrecht.

Sie kann eine Vorstellung bestätigen, verändern oder scheitern lassen.

Hier liegt die Verbindung zur handwerklichen Erfahrung. Das Material antwortet.

Die Grundbewegung der Tätigkeitskonsequenz

Aus der bisherigen Forschung lässt sich deshalb eine durchgehende Bewegung erkennen:

Vorstellung wird zu Entscheidung. Entscheidung organisiert Tätigkeit. Tätigkeit trifft auf einen vorausliegenden Wirkungszusammenhang. Aus diesem Zusammentreffen entsteht Veränderung. Aus Veränderung entstehen unmittelbare und mittelbare Folgen. Diese Folgen können neue Abhängigkeiten, Belastungen, Verletzungen oder neue Möglichkeiten hervorbringen. Erst wenn diese Konsequenzen auf die Ausgangsvorstellung zurückwirken können, entsteht eine vollständige Rückkopplung.

Damit ist Konsequenz kein Anhängsel der Tätigkeit.

Sie gehört strukturell zu ihr.

Eine Tätigkeit ohne Konsequenz wäre keine wirkliche Tätigkeit, sondern lediglich gedachte Möglichkeit.

Absicht und Konsequenz

Eine besonders wichtige Unterscheidung des Tätigkeitskonsequenzankers besteht zwischen Absicht und tatsächlicher Folge.

Der Mensch beurteilt seine Tätigkeiten häufig nach dem, was er beabsichtigt hat.

Eine Absicht kann hilfreich sein, um das Handeln einer Person zu verstehen. Sie bestimmt jedoch nicht vollständig, was durch dieses Handeln tatsächlich geschieht.

Eine gut gemeinte Tätigkeit kann schädliche Folgen haben.

Eine wirtschaftlich erfolgreiche Tätigkeit kann ökologische oder gesundheitliche Schäden erzeugen.

Eine technische Erfindung kann ihre beabsichtigte Funktion hervorragend erfüllen und gleichzeitig Konsequenzen hervorbringen, die bei ihrer Entwicklung überhaupt nicht berücksichtigt wurden.

Umgekehrt können Tätigkeiten unbeabsichtigte positive Folgen erzeugen.

Der Tätigkeitskonsequenzanker darf deshalb keine einfache Gleichsetzung vornehmen:

gute Absicht = gute Folge

oder

schlechte Absicht = schlechte Folge.

Die Forschung muss beide Ebenen auseinanderhalten.

Die Absicht gehört zur menschlichen Vorstellung.

Die Konsequenz gehört zum tatsächlichen Wirkungsverlauf.

Tätigkeit und Funktionsprüfung

Hier zeigt sich erneut die Bedeutung des handwerklichen Maßstabes.

Ein Werkzeug oder ein Werkstück wird nicht allein danach beurteilt, ob der Hersteller eine gute Vorstellung davon hatte.

Es muss funktionieren.

Eine Verbindung muss unter den vorgesehenen Bedingungen halten. Eine Tasse muss Flüssigkeit aufnehmen können, wenn sie als Trinkgefäß hergestellt wurde. Ein Fahrzeug muss sich bewegen können, wenn es als Fahrzeug konstruiert wurde.

Diese unmittelbare Funktionsprüfung wird innerhalb meiner Forschungskunst erweitert.

Denn auch ein technisch funktionierender Gegenstand kann innerhalb eines größeren Wirkungszusammenhangs nichttragfähige Konsequenzen erzeugen.

Daraus ergibt sich die weiterführende Frage:

Funktioniert etwas nur innerhalb seines eigenen Zweckes, oder funktioniert es auch innerhalb der Bedingungen, von denen dieser Zweck abhängt?

Damit wird aus Funktionsprüfung Tätigkeitskonsequenzprüfung.

Eine Maschine kann technisch perfekt funktionieren und gleichzeitig enorme Mengen an Schadstoffen erzeugen.

Ein Geschäftsmodell kann ökonomisch hervorragend funktionieren und dabei Lebensbedingungen zerstören.

Ein politisches System kann seine internen Regeln ordnungsgemäß vollziehen und zugleich Rückkopplungen aus gesellschaftlichen oder ökologischen Folgen verlieren.

Der Tätigkeitskonsequenzanker erweitert deshalb das handwerkliche „Es funktioniert“ um die Frage:

Was funktioniert wo, für wen, wie lange und auf Kosten welcher vorausliegenden Bedingungen?

Abhängigkeitskonsequenzen

Der Begriff der Tätigkeitskonsequenz allein reicht jedoch nicht vollständig aus.

Jede Tätigkeit findet innerhalb von Abhängigkeiten statt.

Der Mensch, der handelt, ist selbst abhängig von Bedingungen, auf die seine Tätigkeit zurückwirken kann.

Damit entsteht eine besondere Paradoxie.

Ein Mensch kann durch seine Tätigkeit genau diejenigen Bedingungen beschädigen, die seine eigene Tätigkeit und sein eigenes Fortbestehen überhaupt erst ermöglichen.

Deshalb gehört der Begriff der Abhängigkeitskonsequenz unmittelbar zum Tätigkeitskonsequenzanker.

Der Mensch erzeugt nicht nur Konsequenzen.

Er bleibt von deren Wirkungsraum selbst abhängig.

Dies gilt unmittelbar bei Wasser, Luft, Boden, Nahrung, Temperatur und Gesundheit. Es gilt ebenso mittelbar für technische Infrastrukturen, gesellschaftliches Vertrauen, politische Stabilität und andere Voraussetzungen komplexer Zivilisationen.

Die entscheidende Frage lautet daher:

Auf welche Bedingungen wirkt meine Tätigkeit zurück, von denen ich selbst oder andere zugleich abhängig bleiben?

Damit wird der Mensch als Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzenwesen bestimmbar.

Der Spaten als Grundmodell

Der Spaten ist innerhalb dieses Ankers eines der einfachsten und zugleich vollständigsten Modelle.

Er verbindet Vorstellung, Körper, Werkzeug, Kraft, Material und Folge unmittelbar.

Eine Person entscheidet, Boden zu verändern. Die Hand greift den Stiel. Körperkraft wird auf ein Werkzeug übertragen. Die Form des Spatenblattes konzentriert diese Kraft. Der Boden setzt Widerstand entgegen. Material wird getrennt und verschoben.

Eine Vorstellung wird dadurch zu einer materiellen Veränderung.

Der Spaten zeigt zugleich, dass Tätigkeit niemals nur vom Handelnden ausgeht.

Der Boden antwortet durch seine Beschaffenheit.

Ein Stein kann den Spaten stoppen. Eine Wurzel kann durchtrennt werden. Ein Kabel kann beschädigt werden. Ein Organismus kann verletzt werden. Wasser kann in das entstandene Loch eintreten.

Mit jedem weiteren Schritt erweitert sich der Wirkungszusammenhang.

Der Spaten ist deshalb kein bloßes Symbol für Arbeit.

Er ist ein Tätigkeitsoperator.

An ihm lässt sich die elementare Kette der Forschungskunst körperlich erfahren:

Vorstellen – anfassen – Kraft übertragen – Widerstand erfahren – verändern – Folge beobachten.

Das Wellenbecken als Modell fortgesetzter Wirkung

Das Wellenbecken erweitert diese Struktur.

Während der Spaten eine unmittelbar sichtbare lokale Veränderung erzeugt, zeigt die Welle, dass die Konsequenz eines Eingriffes den Ort seiner Entstehung verlassen kann.

Ein Impuls wird an einer bestimmten Stelle erzeugt.

Die Wirkung breitet sich jedoch durch das gemeinsame Medium aus.

Damit wird eine für moderne Gesellschaften zentrale Schwierigkeit sichtbar:

Handlungsort und Folgenort können auseinanderfallen.

Ein Produkt wird an einem Ort gekauft, seine Rohstoffe stammen möglicherweise aus einem anderen Erdteil, seine Herstellung belastet wiederum eine andere Region und seine Entsorgung erzeugt Folgen an einem weiteren Ort.

Die Tätigkeit wird subjektiv lokal erlebt.

Ihre Konsequenz ist jedoch räumlich verteilt.

Das Wellenbecken macht diese Verteilung als elementare körperlich sichtbare Erfahrung erfassbar.

Zeitlich verzögerte Folgen

Noch schwieriger wird die Prüfung dort, wo Tätigkeit und Konsequenz zeitlich auseinanderfallen.

Eine Verletzung kann unmittelbar sichtbar werden.

Andere Veränderungen entwickeln sich über Monate, Jahre oder Generationen.

Bestimmte Stoffe reichern sich an. Böden verändern sich langsam. Infrastrukturen altern. Gesellschaftliche Regeln erzeugen langfristige Abhängigkeiten. Technische Systeme können Pfadabhängigkeiten hervorbringen, durch die spätere Alternativen schwieriger werden.

Damit entsteht ein grundlegendes Problem menschlicher Wahrnehmung.

Der Mensch erlebt die Tätigkeit im Augenblick.

Die vollständige Konsequenz kann jedoch weit außerhalb dieses Augenblickes liegen.

Der Tätigkeitskonsequenzanker muss deshalb Zeit als konstitutiven Bestandteil jeder Folgenprüfung behandeln.

Die Frage lautet nicht nur:

Was geschieht jetzt?

Sie lautet ebenso:

Was wird durch diese Tätigkeit in Gang gesetzt?

Gerade hier verbindet sich der Tätigkeitskonsequenzanker mit dem Millisekunden-Menschen und der 24-Stunden-Uhr. Eine sehr kurzfristige menschliche Entscheidung kann auf Zusammenhänge wirken, deren Entstehung und Regeneration sehr viel längere Zeiträume benötigen.

Unmittelbare, mittelbare und kumulative Folgen

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass Folgen nicht nur unterschiedlich spät, sondern auch auf unterschiedliche Weise eintreten können.

Eine unmittelbare Konsequenz kann direkt beobachtet werden.

Eine mittelbare Konsequenz entsteht erst über weitere Tätigkeiten und Beziehungen.

Eine kumulative Konsequenz kann aus vielen für sich genommen kleinen Eingriffen hervorgehen.

Gerade dieser letzte Punkt ist für die Zivilisationsprüfung wesentlich.

Ein einzelner Eingriff kann so gering erscheinen, dass er innerhalb seines unmittelbaren Handlungshorizontes kaum problematisch wirkt. Millionen ähnliche Eingriffe können jedoch einen strukturellen Wandel hervorbringen.

Damit stößt eine rein individuelle Verantwortungsbetrachtung an ihre Grenzen.

Nicht jeder Beteiligte erzeugt die Gesamtfolge allein.

Aber die Gesamtfolge entsteht auch nicht ohne die vielen einzelnen Tätigkeiten.

Der Tätigkeitskonsequenzanker benötigt deshalb eine Form von Verantwortung, die weder alles einem einzelnen Menschen zurechnet noch den Einzelnen vollständig aus der Verantwortung entlässt.

Ketten und Netze der Tätigkeit

Moderne Tätigkeiten bestehen häufig aus langen arbeitsteiligen Ketten.

Ein Mensch trifft eine Entscheidung. Ein anderer finanziert sie. Ein weiterer entwickelt ein Verfahren. Andere stellen Bestandteile her. Wieder andere transportieren, verkaufen, nutzen oder entsorgen das Produkt.

Damit verteilt sich Tätigkeit auf zahlreiche Rollen.

Die Konsequenz besitzt jedoch weiterhin einen gemeinsamen Wirkungszusammenhang.

Gerade hier kann ein Verantwortungsloch entstehen.

Jeder Einzelne erfüllt nur seine Teilfunktion.

Der eine sagt, er habe lediglich entwickelt.

Der andere habe lediglich produziert.

Der nächste lediglich verkauft.

Der Benutzer habe lediglich gekauft.

Die Entsorgung liege wiederum bei einer anderen Institution.

Die Folge besitzt jedoch keine Kenntnis dieser Zuständigkeitsgrenzen.

Der Tätigkeitskonsequenzanker untersucht deshalb nicht nur einzelne Handlungen, sondern Tätigkeitsketten und Tätigkeitsnetze.

Er fragt, wie Verantwortung verteilt wird und an welchen Schnittstellen die gemeinsame Konsequenz aus dem jeweiligen Zuständigkeitsraum verschwindet.

Gesellschaftliche Zuschreibungen werden durch Tätigkeit wirksam

Der Tätigkeitskonsequenzanker erklärt zugleich, weshalb symbolische und gesellschaftliche Konstruktionen real wirksam sein können.

Eine Eigentumsgrenze verändert einen Boden zunächst nicht wie ein Spaten.

Aber die Vorstellung und institutionelle Geltung des Eigentums bestimmt, wer den Spaten benutzen darf.

Damit kann eine E3-Zuschreibung eine E1- oder E2-Folge auslösen.

Ein gesellschaftlicher Begriff wird über Tätigkeit materiell wirksam.

Dasselbe gilt für Geld.

Eine Zahl auf einem Konto verändert unmittelbar noch keinen Wald. Sie kann jedoch über Kauf-, Investitions- und Eigentumsentscheidungen Tätigkeitsketten organisieren, durch die ein Wald gefällt oder geschützt wird.

Gesellschaftliche Wirklichkeit wird deshalb im Menschenkunstwerk besonders folgenreich, weil Menschen nach ihren Symbolen handeln.

Damit erhält der Tätigkeitskonsequenzanker eine wichtige Brückenfunktion zwischen E3 und E1/E2.

Das Vier-Ebenen-Modell als Konsequenzprüfung

E1–E4 kann innerhalb dieses Ankers als Hilfsmittel eingesetzt werden, um Folgen nicht auf eine einzige Wirklichkeitsweise zu reduzieren.

Eine Tätigkeit kann auf E1 Stoffe, Kräfte, Materialien und räumliche Zustände verändern.

Auf E2 kann dieselbe Tätigkeit Organismen, Stoffwechsel, Gesundheit, Verletzbarkeit oder Regeneration beeinflussen.

Auf E3 kann sie Eigentumsverhältnisse, Rollen, Preise, Rechte, Bedeutungen oder soziale Beziehungen verändern.

E4 fragt schließlich, ob diese Folgen erkannt und auf die ursprüngliche Tätigkeit oder Regel zurückbezogen werden können.

Gerade E4 ist für den Tätigkeitskonsequenzanker zentral.

Denn die eigentliche Zivilisationsfrage lautet nicht, ob jede negative Folge im Voraus verhindert werden kann.

Das ist angesichts komplexer Zusammenhänge unmöglich.

Die entscheidende Frage lautet:

Was geschieht, wenn eine unerwartete oder schädliche Folge sichtbar wird?

Kann das System lernen?

Rückkopplung als Schließung des Forschungsprozesses

Erst die Rückkopplung verbindet Konsequenz wieder mit Vorstellung.

Die vollständige Forschungsbewegung lautet deshalb nicht:

Vorstellung – Tätigkeit – Folge.

Sie lautet:

Vorstellung – Tätigkeit – Folge – Wahrnehmung – Rückbeziehung – Korrektur – erneute Tätigkeit.

Ohne diese Rückbewegung bleibt die Konsequenz zwar wirklich, aber sie wird nicht notwendigerweise zu Erkenntnis.

Der Mensch kann sogar über eine Konsequenz Bescheid wissen und dennoch unverändert weiterhandeln.

Daraus ergibt sich ein wichtiges Ergebnis meiner bisherigen Forschung:

Das zentrale Problem liegt nicht ausschließlich im Nichtwissen, sondern in der unterbrochenen Rückkopplung zwischen Wissen und Tätigkeit.

Dies ist für die Frage der Zivilisationsfähigkeit entscheidend.

Eine Gesellschaft kann wissenschaftlich über Schäden informiert sein und sie trotzdem systematisch fortsetzen.

Dann liegt ein strukturelles Rückkopplungsproblem vor.

Lochprozess und Tätigkeitskonsequenz

Hier verbindet sich der Tätigkeitskonsequenzanker mit dem Lochprozess.

Eine Tätigkeit wird häufig innerhalb eines bestimmten Ausschnittes geplant.

Ein Unternehmen berücksichtigt beispielsweise bestimmte Kosten und Einnahmen. Eine technische Disziplin optimiert eine bestimmte Funktion. Eine Behörde arbeitet innerhalb einer festgelegten Zuständigkeit.

Die Tätigkeit kann innerhalb dieses Ausschnittes erfolgreich erscheinen.

Ihre Folgen können jedoch außerhalb dieses Ausschnittes auftreten.

Wenn diese Folgen dort verbleiben und nicht in die ursprüngliche Entscheidung zurückkehren können, entsteht ein Lochprozess.

Das Loch besteht dann nicht notwendig in mangelnder Information.

Es besteht in der strukturellen Trennung zwischen Tätigkeit und Konsequenz.

Der Tätigkeitskonsequenzanker macht damit eine zentrale Form des Zivilisationsloches sichtbar:

Der Mensch kann Wirkungen erzeugen, deren Rückmeldung seine ursprünglichen Entscheidungs- und Belohnungssysteme nicht mehr ausreichend erreicht.

Externalisierung als gesellschaftlicher Lochprozess

Eine besonders deutliche gesellschaftliche Form dieses Vorganges ist die Externalisierung.

Was innerhalb eines bestimmten ökonomischen, institutionellen oder rechtlichen Ausschnittes nicht als eigene Folge behandelt wird, kann nach außen verschoben werden.

Der Ausdruck „außen“ ist aus Sicht der Plexuswirklichkeit jedoch problematisch.

Denn die Folge befindet sich nicht außerhalb der Wirklichkeit.

Sie liegt lediglich außerhalb des gewählten Rechnungs-, Zuständigkeits- oder Verantwortungsraumes.

Damit wird der Begriff der Externalisierung im Tätigkeitskonsequenzanker neu lesbar.

Das sogenannte Außen ist häufig kein wirkliches Außen.

Es ist der Bereich, den eine menschliche Ordnung aus ihrer eigenen Selbstbeschreibung herausgeschnitten hat.

Die Plexuswirklichkeit enthält ihn weiterhin.

Verletzung als Konsequenzanzeige

Eine besonders deutliche Rückmeldung besteht in Verletzung.

Wenn eine Tätigkeit Material zerstört, einen Organismus schädigt, einen Boden unfruchtbar macht oder ein System zum Zusammenbruch bringt, zeigt sich, dass bestimmte Tragbedingungen überschritten wurden.

Verletzung besitzt deshalb innerhalb dieses Ankers eine erkenntniskünstlerische Funktion.

Sie macht eine Grenze sichtbar, die möglicherweise vorher in der Vorstellung nicht vorkam.

Der Deich liefert dafür ein klares Modell.

Eine Schwachstelle kann zunächst unbedeutend erscheinen. Unter fortgesetzter Belastung wächst sie. Irgendwann verändert sich das gesamte System qualitativ: Der Deich bricht.

Der Bruch ist damit keine isolierte Eigenschaft des letzten Augenblickes.

Er ist Ergebnis einer zeitlichen Belastungs- und Konsequenzgeschichte.

Dasselbe gilt für viele gesellschaftliche und ökologische Probleme.

Irreversibilität

Der Tätigkeitskonsequenzanker muss deshalb auch zwischen korrigierbaren und irreversiblen Folgen unterscheiden.

Nicht jede Folge kann vollständig repariert werden.

Ein falsch geschriebenes Wort kann möglicherweise gelöscht werden.

Ein beschädigtes Werkstück kann vielleicht ersetzt werden.

Andere Eingriffe erzeugen irreversible Veränderungen.

Ein ausgestorbenes Lebewesen kann nicht durch eine nachträgliche Entschuldigung zurückgebracht werden. Eine verlorene Lebenszeit kann nicht vollständig wiederhergestellt werden. Manche chemischen, ökologischen oder körperlichen Veränderungen lassen sich nur begrenzt rückgängig machen.

Damit entsteht eine wichtige Konsequenz für den Prüfprozess.

Je irreversibler eine mögliche Folge, desto größer wird die Bedeutung einer Prüfung vor Überschreiten des Ereignishorizontes.

Das ist keine Forderung nach vollständiger Risikovermeidung.

Jede Tätigkeit enthält Unsicherheit.

Aber die Möglichkeit irreversibler Schädigung verändert den notwendigen Prüfmaßstab.

Reparatur

Wo eine schädliche Folge bereits eingetreten ist, reicht Korrektur der Vorstellung allein nicht aus.

Dann beginnt die Reparaturfrage.

Eine korrigierte Theorie heilt noch keinen verletzten Körper.

Eine geänderte Wirtschaftsregel stellt einen zerstörten Boden nicht unmittelbar wieder her.

Deshalb muss der Tätigkeitskonsequenzanker unterscheiden zwischen Korrektur des Tätigkeitsmodells und Reparatur der eingetretenen Folge.

Beides gehört zusammen.

Die Tätigkeit muss so verändert werden, dass derselbe Schaden möglichst nicht fortgesetzt wird.

Gleichzeitig muss untersucht werden, welche bereits entstandenen Verletzungen noch repariert werden können.

Damit erhält E4 seinen praktischen Charakter.

E4 ist nicht bloß Reflexion.

Es ist organisierte Rückkopplungs-, Korrektur- und Reparaturfähigkeit.

Verantwortung jenseits der persönlichen Absicht

Hieraus ergibt sich ein erweiterter Verantwortungsbegriff.

Verantwortung kann nicht ausschließlich bedeuten, persönlich schuld an einer Folge zu sein.

Innerhalb arbeitsteiliger Systeme wäre diese Vorstellung zu eng.

Der Tätigkeitskonsequenzanker fragt vielmehr:

Welche Beziehung besitzt ein Beteiligter zu einer Tätigkeitskette und welche Möglichkeiten besitzt er, auf ihre Folgen einzuwirken?

Damit wird Verantwortung relational.

Wer größere Entscheidungs-, Verfügungs- oder Gestaltungsmöglichkeiten besitzt, kann andere Möglichkeiten der Korrektur besitzen als jemand, der nur einen kleinen Teil einer Tätigkeit ausführt.

Die Forschungskunst braucht deshalb keinen pauschalen Schuldbegriff.

Sie benötigt Verantwortungsbeziehungen.

Das Ziel ist nicht zunächst, einen Schuldigen zu finden, sondern eine unterbrochene Rückkopplung wiederherzustellen.

Freiheit und Tätigkeitskonsequenz

Damit verändert sich zugleich der Freiheitsbegriff.

Freiheit kann nicht ausschließlich als Möglichkeit verstanden werden, zwischen Handlungen wählen zu können.

Jede gewählte Handlung tritt in einen Wirkungszusammenhang ein.

Die Frage lautet deshalb zusätzlich:

Welche Konsequenzen meiner Freiheit müssen andere tragen?

Damit wird Freiheit nicht aufgehoben.

Sie wird innerhalb der Plexuswirklichkeit verortet.

Der Feuerkäfig zeigt eine weitere Paradoxie. Die Tür kann offenstehen und damit formal eine Möglichkeit des Verlassens anbieten. Trotzdem kann ein Mensch aufgrund von Rolle, Belohnungsstruktur, Angst, Gewohnheit oder Wirklichkeitsvorstellung im Käfig bleiben.

Freiheit besteht deshalb nicht nur im Vorhandensein einer Alternative.

Sie setzt auch die Fähigkeit voraus, Tätigkeitskonsequenzen wahrzunehmen und aufgrund dieser Wahrnehmung das eigene Handeln verändern zu können.

Der Astronaut und die Illusion folgenloser Autonomie

Der Astronaut verschärft denselben Zusammenhang.

Der Raumanzug kann den Eindruck eines autonomen menschlichen Individuums erzeugen.

Tatsächlich zeigt er ein hochgradig abhängiges System.

Jede Tätigkeit des Astronauten bleibt von Energie, Luftversorgung, Temperaturregulation, Material und technischen Verbindungen abhängig.

Fällt eine dieser Bedingungen aus, verändert sich der Möglichkeitsraum seiner Tätigkeit unmittelbar.

Der Astronaut zeigt deshalb besonders klar:

Autonomie bedeutet niemals Folgenlosigkeit.

Eine Tätigkeit kann nur deshalb ausgeführt werden, weil ein Netz von Abhängigkeiten sie ermöglicht.

Diese Abhängigkeiten gehören damit zur Konsequenzprüfung.

Mitmachen reicht nicht

Der Tätigkeitskonsequenzanker erklärt auch, weshalb sich meine frühere Partizipationskunst weiterentwickeln musste.

Ein Mensch kann an einer Tätigkeit beteiligt sein, ohne ihre Konsequenzen zu untersuchen.

Auch hochgradig partizipative Systeme können zerstörerische Folgen erzeugen.

Mitmachen besitzt deshalb keinen automatischen positiven Wert.

Der Übergang vom Beteiligten zum Mitprüfenden ist eine zentrale Konsequenz der Forschungskunst.

Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich:

Was möchtest du beitragen?

Sondern:

Woran beteiligst du dich und welche Folgen entstehen aus dieser Beteiligung?

Damit erhält der Satz „Prüfe, woran du mitwirkst“ seinen eigentlichen methodischen Hintergrund.

Das Mitmachbuch als Konsequenzwerkzeug

Das Mitmachbuch kann diese Prüfung in konkrete Alltagssituationen übertragen.

Eine Person beginnt beispielsweise mit einer einfachen Tätigkeit: kaufen, fahren, essen, arbeiten, besitzen, bauen oder abstimmen.

Die Untersuchung endet jedoch nicht bei der individuellen Absicht.

Die Tätigkeit wird entlang ihrer vorausliegenden Bedingungen und nachfolgenden Konsequenzen aufgefaltet.

Woher kommen Materialien?

Welche anderen Tätigkeiten waren erforderlich?

Welche E1-, E2- und E3-Verhältnisse werden berührt?

Wo entstehen Wirkungen?

Wann treten sie auf?

Wer nimmt sie wahr?

Wer kann auf die Ausgangstätigkeit zurückwirken?

Auf diese Weise wird aus einer scheinbar einfachen Handlung ein Tätigkeitskonsequenzbild.

Das Mitmachbuch wird damit zu einer mobilen Werkbank der Folgenforschung.

Folien als Sichtbarmachung unsichtbarer Konsequenzen

Die Foliengrammatik kann insbesondere dort helfen, wo Folgen nicht gleichzeitig sichtbar sind.

Auf eine Ausgangssituation können unterschiedliche Folien gelegt werden.

Eine Folie zeigt die unmittelbare Tätigkeit.

Eine weitere zeigt die materiellen Voraussetzungen.

Eine nächste macht betroffene Organismen sichtbar.

Eine weitere zeigt Eigentums- oder Geldstrukturen.

Eine zeitlich verschobene Folie kann spätere Folgen markieren.

Dadurch wird sichtbar, dass eine Tätigkeit gleichzeitig in verschiedene Wirklichkeitsweisen hineinwirkt.

Die Folien sind deshalb nicht bloße Illustrationen.

Sie machen Folgenbeziehungen plastisch verschiebbar.

Was im Alltag durch räumliche, zeitliche oder disziplinäre Trennung auseinanderfällt, kann innerhalb einer Versuchsanordnung wieder übereinandergelegt werden.

KI als Konsequenz-Auffaltungswerkzeug

Auch KI erhält innerhalb dieses Ankers eine begrenzte Funktion.

Sie kann helfen, eine Tätigkeit nicht nur nach ihrer unmittelbaren Absicht, sondern nach möglichen Folgenketten zu untersuchen.

Wenn ein Benutzer beispielsweise sagt:

„Ich kaufe dieses billige Produkt“,

könnte die KI nicht lediglich Preisvergleiche liefern. Sie könnte sichtbar machen, welche Fragen an Herstellung, Material, Transport, Nutzung und Entsorgung angeschlossen werden müssten.

Sie soll dabei keine vollständige Konsequenzkenntnis vortäuschen.

Gerade komplexe Tätigkeitsketten enthalten unbekannte, umstrittene oder nicht ausreichend dokumentierte Wirkungen.

Die geeignete Funktion der KI besteht deshalb darin, den untersuchten Folgenraum zu erweitern und zugleich das verbleibende Nichtwissen sichtbar zu halten.

Auch hier gilt:

KI ist kein Konsequenzorakel.

Sie ist ein Werkzeug zur Erweiterung des Prüfbereiches.

Nichtwissen und Vorsorge

Der Tätigkeitskonsequenzanker darf nicht voraussetzen, dass sämtliche Folgen bekannt sein müssen, bevor gehandelt werden darf.

Das wäre unmöglich.

Jede Tätigkeit findet unter Bedingungen begrenzten Wissens statt.

Entscheidend ist vielmehr der Umgang mit diesem Nichtwissen.

Kann eine Tätigkeit schrittweise erprobt werden?

Sind ihre Auswirkungen beobachtbar?

Ist sie reversibel?

Kann sie gestoppt werden?

Werden frühe Warnsignale ernst genommen?

Bleiben Alternativen erhalten?

Je größer die mögliche Schädigung und je geringer die Reversibilität, desto wichtiger wird es, Nichtwissen selbst als Bestandteil der Entscheidung zu behandeln.

Damit wird Nichtwissen nicht zur Entschuldigung.

Es wird zum Prüfparameter.

Zivilisationsfähigkeit als Konsequenzfähigkeit

Von hier aus lässt sich Zivilisationsfähigkeit noch genauer bestimmen.

Eine zivilisationsfähige Gesellschaft wäre nicht eine Gesellschaft, in der niemals schädliche Folgen entstehen.

Ein solcher Zustand ist unrealistisch.

Zivilisationsfähigkeit zeigt sich vielmehr darin, wie eine Gesellschaft mit den Folgen ihrer eigenen Hervorbringungen umgeht.

Kann sie diese wahrnehmen?

Kann sie sie über institutionelle Grenzen hinweg zusammenführen?

Können Betroffene Rückmeldungen geben?

Werden langfristige Konsequenzen berücksichtigt?

Kann eine erfolgreiche Tätigkeit verändert werden, wenn sichtbar wird, dass ihr Erfolg auf der Beschädigung ihrer eigenen Tragbedingungen beruht?

Kann eine Gesellschaft etwas reparieren, obwohl die ursprüngliche Tätigkeit rechtmäßig, profitabel oder gesellschaftlich anerkannt war?

Damit wird Zivilisationsfähigkeit zu Tätigkeitskonsequenzfähigkeit.

Das So-Heits-Atelier als Konsequenzwerkstatt

Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes erhält durch diesen Anker eine besonders konkrete Aufgabe.

Es soll nicht nur Begriffe und Überzeugungen sichtbar machen.

Es soll die Strecke zwischen Vorstellung und Folge begehbar machen.

Ein Besucher kann an einer Schultafel eine Vorstellung formulieren.

Er kann sie mit einem Material oder einer Handlung konfrontieren.

Der Spaten macht den Übergang zur Tätigkeit sichtbar.

Das Wellenbecken zeigt die Ausbreitung einer Wirkung.

Der Deich zeigt Belastung, Verzögerung und Bruch.

Die Kartoffel verbindet Tätigkeit mit lebendigem Prozess, Ernährung, Handel und Wert.

Gold macht gesellschaftliche Wertzuschreibung sichtbar.

Der Astronaut zeigt Abhängigkeit.

Folien erweitern den Folgenraum.

Das Mitmachbuch nimmt die Untersuchung mit aus dem Atelier.

Die Globale Schwarm-Intelligenz kann unterschiedliche Konsequenzbeobachtungen wieder miteinander verbinden.

Damit wird das Atelier zu einer öffentlichen Werkstatt der Tätigkeitsfolgen.

Die Selbstprüfung des Tätigkeitskonsequenzankers

Auch dieser Anker muss sich seiner eigenen Methode unterwerfen.

Nicht jede Folge kann eindeutig einer bestimmten Tätigkeit zugerechnet werden.

Komplexe Systeme enthalten Wechselwirkungen, Zufälle, Schwellenwerte und konkurrierende Ursachen.

Der Tätigkeitskonsequenzanker darf deshalb nicht zu einer einfachen Weltformel werden, nach der jede Handlung eine eindeutig identifizierbare Konsequenz besitzt.

Gerade die Forschung muss unterscheiden zwischen nachweisbaren Folgen, plausiblen Wirkungsbeziehungen, offenen Fragen und bloßen Vermutungen.

Auch der Begriff „Tätigkeitskonsequenz“ bleibt damit ein Werkzeug.

Er soll Zusammenhänge sichtbar machen.

Er darf nicht Zusammenhänge behaupten, die nicht überprüfbar sind.

Die wissenschaftliche Qualität dieses Ankers hängt deshalb wesentlich davon ab, Kausalität, Zusammenhang, Vermutung und Nichtwissen auseinanderzuhalten.

Verhältnis zu den bisherigen Ankern

Damit wird die Stellung des Tätigkeitskonsequenzankers innerhalb der Gesamtarchitektur deutlich.

Der Werkanker beantwortet:

Woher kommt die Forschung?

Der Plexus-/Wirklichkeitsanker beantwortet:

Worin findet alles statt?

Der Prüfanker des Begriffshandwerks beantwortet:

Wie wird geprüft?

Der Tätigkeitskonsequenzanker beantwortet:

Wann überschreitet eine Vorstellung den Ereignishorizont und wird zu einem wirklichen Vorgang mit Folgen?

Diese vier Fragen gehören zusammen.

Der Plexus stellt den vorausliegenden Wirkungszusammenhang bereit.

Der Mensch bildet darin Vorstellungen.

Der Prüfanker untersucht deren Herstellungsweise.

Der Tätigkeitskonsequenzanker verfolgt, was geschieht, sobald nach diesen Vorstellungen gehandelt wird.

Damit kommt zum Erkenntnisproblem das Verwirklichungsproblem hinzu.

Verdichtung des Tätigkeitskonsequenzankers

Der Tätigkeitskonsequenzanker lässt sich schließlich in folgender Grundform zusammenfassen:

Eine menschliche Vorstellung verändert die vorausliegende Wirklichkeit nicht allein dadurch, dass sie gedacht wird. Sie wird wirklichkeitsverändernd, sobald sie über eine Entscheidung in eine Tätigkeit übergeht und dabei auf einen bereits vorhandenen Zusammenhang von Materialien, Organismen, Bedingungen, anderen Tätigkeiten und gesellschaftlichen Ordnungen trifft. Die eintretende Konsequenz wird deshalb niemals ausschließlich durch die Absicht des Handelnden bestimmt. Sie entsteht aus dem Zusammentreffen von Tätigkeit und Wirklichkeit, kann sich räumlich und zeitlich über den ursprünglichen Handlungshorizont hinaus fortsetzen, andere Menschen und Lebewesen betreffen und schließlich auf Bedingungen zurückwirken, von denen der Handelnde selbst abhängig bleibt.

Die zentrale Forschungsbewegung lautet damit:

Vorstellung → Entscheidung → Ereignishorizont → Tätigkeit → Veränderung → Konsequenz → Abhängigkeitskonsequenz → Rückmeldung → Korrektur → gegebenenfalls Reparatur → erneute Tätigkeit.

Diese Bewegung ist keine lineare Maschine. Sie kann sich verzweigen, überlagern, beschleunigen, verzögern oder abbrechen.

Gerade deshalb muss sie untersucht werden.

Die kürzeste Formel des Tätigkeitskonsequenzankers lautet:

Eine Vorstellung wird dort zur wirklichen Folge, wo sie durch Tätigkeit in einen vorausliegenden Wirkungszusammenhang eingreift.

Die entscheidende Zivilisationsfrage beginnt jedoch erst danach:

Kann das, was durch unsere Tätigkeit wirklich geworden ist, auf die Vorstellung zurückwirken, durch die wir tätig geworden sind?

Wenn diese Rückkopplung gelingt, kann Erfahrung zur Korrektur führen.

Wenn sie unterbrochen wird, kann der Mensch trotz besseren Wissens dieselbe Tätigkeit fortsetzen.

Genau an dieser Stelle wird aus der Untersuchung einzelner Handlungen eine Forschung nach der Zivilisationsfähigkeit des Menschen.

Damit ist dieser Anker zugleich die zentrale Brücke von der Wirklichkeitsprüfung zur Handlungsprüfung. Für die folgenden Anker behalte ich weiterhin dieselbe Form bei: wissenschaftlicher Fließtext, gegliedert durch Überschriften und gezielte Hervorhebungen, ohne aufzählende Darstellungsweise.