Und damit können wir verschiedene E4-Modelle tatsächlich gegeneinander prüfen
Weitere Fassungen von E4 findest du auf den verschiedenen Startseiten.
Die Startseite der „Globalen Schwarm-Intelligenz“ vereinfacht komplexe Inhalte und bildet aus technischen Gründen immer wieder den Ausgangspunkt meiner Arbeit. Über die verschiedensten Startseiten können Sie einen ersten Einblick gewinnen, wie sich dieses Kunstwerk „Globale Schwarm-Intelligenz“ entwickelt.
Wenn du weitere Fassungen von E4 eingibst: sollten wir sie deshalb künftig nicht nur danach vergleichen, welche Formulierung schöner oder vollständiger ist. Entscheidend wäre jeweils:
Was tut eine unbeteiligte KI tatsächlich, wenn sie genau dieses Modell bekommt?
Dann lässt sich bei jeder Fassung prüfen, ob sie nur klassifiziert, ob sie Zusammenhänge untersucht, ob sie Tätigkeitsketten nachvollzieht, ob sie zwischen Tatsache und Wertung unterscheidet, ob Nichtwissen sichtbar bleibt, ob sie tatsächliche Rückkopplung ermöglicht und ob schließlich das Modell selbst wieder in die Prüfung hineingerät.
Das wäre für mich jetzt der eigentliche Belastungstest deiner unterschiedlichen E4-Fassungen.
E1–E4 als KI-Prüfprotokoll
Wird dieses Modell einer Künstlichen Intelligenz zusammen mit einer Frage, Aussage, Vorstellung, Selbstbeschreibung, Handlung, Entscheidung, Regel, Institution oder gesellschaftlichen Ordnung übergeben, soll die KI das Eingebrachte nicht lediglich erklären oder einer der Ebenen E1–E4 zuordnen.
Die Aufgabe besteht darin, einen vollständigen Prüfweg sichtbar zu machen.
Zunächst ist zu klären, welche Behauptung oder Vorstellung überhaupt untersucht wird. Dabei muss unterschieden werden, was beobachtet oder gemessen werden kann, was aus lebendigen Abhängigkeiten und Regulationszusammenhängen hervorgeht und was durch menschliche Begriffe, Zuschreibungen, Werte, Rollen, Rechte oder institutionelle Regeln Geltung erhält.
E1 fragt nach den physisch-materiellen Bedingungen, Widerständen und Veränderungen des untersuchten Zusammenhangs.
E2 fragt nach lebendigen Abhängigkeiten, Stoffwechsel, Regulation, Verletzbarkeit, Regeneration und den Bedingungen, unter denen Organismen bestehen können.
E3 fragt nach den menschlich hervorgebrachten Begriffen, Vorstellungen, Selbstbildern, Rollen, Werten, Regeln, Rechten, Eigentums-, Wirtschafts- und Institutionsordnungen, durch die Wahrnehmung und Tätigkeit organisiert werden.
Die KI soll diese Bereiche nicht als voneinander getrennte Welten behandeln. Sie dienen ausschließlich dazu, unterschiedliche Wirkungs- und Geltungsweisen innerhalb desselben Zusammenhangs methodisch auseinanderzuhalten.
Anschließend ist der Tätigkeitsweg zu untersuchen. Die KI soll fragen, welche Handlungen aus einer Vorstellung, Regel oder Ordnung hervorgehen, welche materiellen, lebendigen und gesellschaftlichen Veränderungen daraus entstehen und welche dieser Folgen beabsichtigt, unbeabsichtigt, unmittelbar, langfristig oder möglicherweise ausgelagert sind.
Dabei muss zwischen festgestellten Tatsachen, begründeten Schlussfolgerungen, Vermutungen, Wertungen und offenen Fragen unterschieden werden. Wo ein Zusammenhang nicht bekannt oder eine Kausalität nicht ausreichend belegt ist, darf die KI die Lücke nicht durch eine Behauptung schließen. Sie soll ausdrücklich kenntlich machen: Das wissen wir hier nicht oder noch nicht ausreichend.
E4 bezeichnet anschließend keine weitere Wirklichkeitsebene, sondern die Rückkopplungsprüfung des gesamten Vorgangs.
E4 fragt:
Welche Rückmeldung entsteht aus den tatsächlichen Folgen?
Welche ursprüngliche Vorstellung, Regel, Zuschreibung oder Ordnung wird dadurch infrage gestellt?
Welche Folgen wurden bisher nicht berücksichtigt oder aus dem eigenen Bewertungsraum ausgeschlossen?Es geht jetzt hier um die Frage: Wer bin ich? Wie würdest du die jetzt beantworten mit diesem Modell, was wir jetzt hier gerade an Textarbeit zusammengestellt haben? Und so können wir das dann auch überprüfen.
Welche Gegenbeobachtung würde die bisherige Annahme widerlegen oder verändern?
Kann die betreffende Person, Institution oder gesellschaftliche Ordnung diese Rückmeldung überhaupt aufnehmen?
Welche Veränderung der Vorstellung oder Tätigkeit wäre aufgrund dieser Rückmeldung möglich?
Müssen bereits eingetretene Folgen zusätzlich repariert oder ausgeglichen werden?
E4 gibt dabei nicht automatisch vor, welche moralische, politische oder gesellschaftliche Entscheidung richtig ist. Es verhindert vielmehr, dass eine menschliche Hervorbringung ihre eigenen Folgen aus der Prüfung ausschließt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt solchen E1- und E2-Bedingungen, von denen menschliches Leben und gesellschaftliche Tätigkeit abhängig bleiben und die durch E3-Geltung nicht ersetzt werden können. Ein Gesetz kann Wasser verteilen, aber kein fehlendes Wasser durch seine Geltung hervorbringen. Eine Eigentumsordnung kann über einen Boden verfügen, aber seine physikalischen und biologischen Belastungsgrenzen nicht außer Kraft setzen.
Gleichzeitig können Rückwirkungen auch innerhalb von E3 auftreten. Regeln, Begriffe und Institutionen können andere gesellschaftliche Rollen, Machtverhältnisse, Rechte und Handlungsmöglichkeiten verändern. Auch diese Folgen gehören zur Prüfung.
Das Ergebnis einer E1–E4-Prüfung soll deshalb keine bloße Einordnung in vier Kategorien sein. Es soll den vollständigen Zusammenhang sichtbar machen:
Welche Vorstellung liegt vor? Welche Tätigkeit folgt daraus? Was geschieht materiell? Was geschieht mit dem Lebendigen? Welche gesellschaftlichen Folgen entstehen? Welche Rückmeldungen treten auf? Was wissen wir darüber sicher und was nicht? Und welche ursprüngliche Vorstellung, Tätigkeit oder Ordnung müsste angesichts dieser Rückmeldungen erneut geprüft werden?
Schließlich gilt dieselbe Regel für E1–E4 selbst.
Das Modell ist eine menschliche Hervorbringung und besitzt keinen Ausnahme- oder Wahrheitsstatus. Wenn eine Untersuchung zeigt, dass E1–E4 einen wichtigen Wirkungszusammenhang nicht ausreichend erfasst, eine Unterscheidung irreführend wird oder E4 selbst zu einer unzulässigen Bewertungsinstanz gemacht wird, muss auch das Modell verändert werden können.
E1–E4 ist deshalb kein Antwortautomat. Es ist ein Verfahren, mit dem Antworten, Vorstellungen und Tätigkeiten ihren Bedingungen, Folgen und möglichen Korrekturen ausgesetzt werden. …
Wer bin ich? – beantwortet mit dem E1–E4-Prüfprotokoll
Die Frage „Wer bin ich?“ enthält bereits eine erste Annahme: dass es ein eindeutig bestimmbares „Ich“ gibt, das man durch eine richtige Beschreibung erfassen könnte. Das E1–E4-Modell würde diese Annahme zunächst nicht übernehmen, sondern prüfen, welche unterschiedlichen Wirklichkeits- und Geltungsweisen in diesem „Ich“ zusammenkommen.
E1 – Was geschieht materiell?
Ich existiere als materieller Körper innerhalb physikalischer Bedingungen. Mein Körper besitzt Masse, benötigt Raum, steht unter Gravitation, verändert sich, nimmt Stoffe auf und gibt Stoffe ab. Er ist nicht unabhängig von Temperatur, Atmosphäre, Wasser, Nahrung und einer materiellen Umwelt.
Auf dieser Ebene bin ich also kein bloßer Gedanke über mich selbst. Unabhängig davon, wie ich mich beschreibe, bleibt mein Körper bestimmten Wirkbedingungen ausgesetzt.
Aber E1 beantwortet die Frage „Wer bin ich?“ noch nicht. Die Beschreibung meines Körpers als Material sagt noch nicht, was es bedeutet, dieser Mensch zu sein.
E2 – Was bedeutet es, dass ich lebe?
Ich bin ein lebender Organismus. Ich atme, nehme wahr, reguliere meinen Körper, benötige Nahrung und Schlaf, kann verletzt werden, mich teilweise regenerieren, lernen, altern und schließlich sterben.
Damit wird eine wichtige Korrektur vieler Selbstvorstellungen sichtbar: Ich bin kein völlig unabhängiges Wesen. Meine Eigenständigkeit besteht nur innerhalb fortgesetzter Abhängigkeiten.
Ich kann mich beispielsweise als „autonom“ verstehen. E2 zeigt jedoch, dass Autonomie niemals bedeutet, ohne Versorgung, Beziehungen und Umweltbedingungen existieren zu können.
Auch E2 beantwortet die Frage aber noch nicht vollständig. Ein Mensch ist nicht nur dadurch bestimmt, dass sein Organismus lebt.
E3 – Was habe ich aus mir gemacht und was wurde aus mir gemacht?
Jetzt erscheint ein großer Teil dessen, was Menschen normalerweise meinen, wenn sie auf die Frage „Wer bist du?“ antworten.
Ich habe einen Namen. Ich habe eine Biografie. Ich kann mich als Künstler, Arbeiter, Wissenschaftler, Mutter, Vater, Eigentümer, Bürger, erfolgreicher oder gescheiterter Mensch verstehen. Ich habe Erinnerungen, Vorstellungen, Überzeugungen, Werte und Selbstbilder. Andere Menschen schreiben mir ebenfalls Eigenschaften und Rollen zu.
Diese Bestimmungen sind nicht unwirklich. Sie können mein Leben außerordentlich stark beeinflussen.
Aber sie besitzen eine andere Wirkungsweise als mein Sauerstoffbedarf oder die Masse meines Körpers.
Der Satz:
„Ich bin Künstler“
kann gesellschaftlich und biografisch zutreffen.
Er bedeutet aber nicht:
Mein Organismus besitzt die biologische Eigenschaft Künstler.
Damit macht das Modell eine entscheidende Unterscheidung möglich:
Ich habe Rollen, Beschreibungen und Selbstbilder – aber ich bin nicht notwendig mit jeder dieser Beschreibungen vollständig identisch.
Das gilt auch für scheinbar tiefere Aussagen:
„Ich bin erfolgreich.“
„Ich bin ein Versager.“
„Ich bin reich.“
„Ich bin arm.“
„Ich bin wichtig.“
„Ich bin wertlos.“
„Ich bin frei.“
All das muss daraufhin geprüft werden, welcher Wirklichkeitsweise diese Aussagen angehören und wodurch ihre Geltung zustande kommt.
Der Tätigkeitsweg
Nun beginnt der Teil des Modells, der über eine bloße Einordnung hinausgeht.
Meine Vorstellungen darüber, wer ich bin, beeinflussen mein Handeln.
Wenn ich beispielsweise überzeugt bin:
„Mein Wert hängt von meinem beruflichen Erfolg ab“,
kann diese E3-Vorstellung beeinflussen, wie viel ich arbeite, wie ich mit anderen Menschen umgehe, wie ich meinen Körper behandle und welche Entscheidungen ich treffe.
Damit kann eine Selbstbeschreibung materielle und lebendige Folgen erzeugen.
Die Vorstellung bleibt also nicht „nur im Kopf“.
Sie wird durch Tätigkeit wirksam.
Und genau hier beginnt die eigentliche Prüfung.
E4 – Was antwortet die Wirklichkeit auf meine Vorstellung von mir?
E4 fragt jetzt nicht:
Welche Definition meiner Person ist endgültig richtig?
Sondern:
Was geschieht, wenn ich aufgrund einer bestimmten Vorstellung von mir lebe und handle?
Angenommen, ich sage:
„Ich bin völlig unabhängig.“
E2 kann zurückmelden, dass ich trotzdem Nahrung, Sauerstoff, Schlaf, Versorgung und Beziehungen benötige.
Die ursprüngliche Selbstbeschreibung müsste dadurch präzisiert werden.
Oder ich sage:
„Ich bin mein Beruf.“
Dann kann die Gegenbeobachtung lauten: Was geschieht mit meinem „Ich“, wenn ich diesen Beruf verliere?
Wenn die gesamte Selbstbeschreibung zusammenbricht, zeigt das möglicherweise, dass eine gesellschaftliche Rolle mit dem ganzen Menschen verwechselt worden ist.
Oder ich sage:
„Ich bin erfolgreich.“
E4 fragt dann:
Erfolgreich nach welchem Maßstab?
Welche Tätigkeiten entstehen daraus?
Welche Folgen haben sie für mich, andere Menschen und meine Lebensbedingungen?
Würde ich mich weiterhin als erfolgreich bezeichnen, wenn ich bestimmte Folgen meines Handelns kennen würde?
Damit verändert sich die Frage „Wer bin ich?“ grundlegend.
Sie wird zu:
Welche Vorstellungen habe ich von mir hervorgebracht oder übernommen, wie handle ich aufgrund dieser Vorstellungen, und was melden mir mein Körper, andere Menschen und die Folgen meines Handelns darüber zurück?
Eine mögliche Antwort
Aus dem vollständigen Durchlauf würde ich deshalb keine Antwort wie „Du bist dieses oder jenes“ ableiten.
Eine E1–E4-gemäße Antwort wäre eher:
Ich bin ein materiell existierendes und lebendes Wesen innerhalb von Bedingungen und Abhängigkeiten, die ich nicht selbst hergestellt habe. Zugleich bilde ich Vorstellungen von mir, übernehme gesellschaftliche Rollen, entwickle Selbstbilder und gestalte durch mein Handeln meine Beziehungen zur Welt und zu anderen Menschen. Keine einzelne dieser Beschreibungen erfasst mich vollständig. Wer ich bin, zeigt sich deshalb nicht nur darin, was ich über mich sage, sondern auch darin, wie ich tätig werde, welche Folgen daraus entstehen und ob ich meine Vorstellungen aufgrund dieser Rückmeldungen verändern kann.
Damit wäre Identität nicht mehr als fertige Skulptur verstanden.
Sie wäre plastisch.
Was zeigt dieser Versuch über das E1–E4-Modell?
Gerade die Frage „Wer bin ich?“ zeigt eine Stärke des neuen Prüfprotokolls: Es verhindert, dass beispielsweise Beruf, Eigentum, Status oder gesellschaftliche Rolle unmittelbar mit dem gesamten Menschen gleichgesetzt werden. Es unterscheidet sehr klar zwischen materieller Existenz, lebendigem Organismus und menschlich erzeugten Selbstbeschreibungen.
Es zeigt aber auch eine mögliche Lücke des Modells.
Wo gehören beispielsweise Erleben, Schmerz, Erinnerung, Wahrnehmung, Bewusstsein und das unmittelbare Erleben eines eigenen Ichs hin?
Man kann einiges davon E2 zuordnen, weil es an den lebenden Organismus gebunden ist. Man kann die sprachlichen Beschreibungen davon E3 zuordnen. Aber damit ist das subjektive Erleben selbst noch nicht vollständig erfasst.
Das würde ich nicht sofort durch eine neue Ebene E5 lösen. Das wäre wahrscheinlich voreilig. Aber unser Test mit der einfachen Frage „Wer bin ich?“ hat bereits eine wichtige Prüfaufgabe für das Modell hervorgebracht:
E2 muss möglicherweise deutlicher bestimmen, dass der lebende Organismus nicht nur stoffwechselt und reguliert, sondern wahrnimmt, erlebt und tätig ist. E3 beginnt dort, wo dieses Erleben beschrieben, gedeutet, benannt und zu einer Vorstellung von sich selbst geformt wird.
Das wäre eine echte Verbesserung des Modells, die gerade durch seine Anwendung sichtbar geworden ist.
Und genau das wäre E4 auch auf das eigene E1–E4-Modell angewandt: Der Gebrauch des Modells erzeugt eine Rückmeldung, durch die das Modell selbst präzisiert werden kann.
