Vergleich klassischer Wissenschaftskonzepte mit Referenzwissenschaft 51–49
Auf dem Weg zu einer „Plastischen Referenzwissenschaft“
Einführung
Die gegenwärtige Wissenschaftskultur steht an einem Wendepunkt. Angesichts komplexer Krisen – vom Klimawandel bis zur KI – wächst das Bedürfnis nach einem neuen wissenschaftlichen Paradigma. Der Fragesteller spricht von einer „plastischen Referenzwissenschaft“, einer neuen Grundlage des Wissens, die flexibler (plastisch) und bereichsübergreifend (referenzstiftend) sein soll. Dieser Ansatz fordert provokant die etablierten Konstruktionen von Wirklichkeit heraus. Um ihn zu entwickeln, lohnt ein Blick zurück: Wie haben zentrale Denker – von der Antike über die Aufklärung bis zur Moderne – die Natur, das Wissen und die Rolle des Menschen darin verstanden? Was lässt sich im Vergleich daraus für eine neue, integrative Wissenschaft ableiten?
Diese Analyse beleuchtet zunächst philosophisch-historische Wurzeln wissenschaftlichen Denkens (Platon, Aristoteles, Kant) und dann Schlüsselentwicklungen in Naturwissenschaft und Gesellschaft (Newton, Francé, Heisenberg, Bateson, Latour). Anschließend wird skizziert, wie eine plastische Referenzwissenschaft aussehen könnte – hinsichtlich ihrer Leitbegriffe (Gesetz vs. Kipppunkt, Objektivität vs. Perspektive, Maß vs. Maßlosigkeit, Materie als Widerstand etc.) und in Bezug auf gesellschaftliche Felder (Recht, Bildung, Klima, KI, Medizin). Auch künstlerisch-technische Perspektiven (z.B. Beuys’ „Soziale Plastik“ und der Begriff Techne) werden einbezogen, um die Verbindung von Wissenschaft und Gestaltung hervorzuheben.
Im Ergebnis entsteht ein Bild einer Wissenschaft, die nicht nur erklärt, sondern gestaltet – und die deshalb zwangsläufig im Widerspruch zu etablierten Institutionen und Weltbildern steht. Gerade diese Reibung könnte aber der notwendige Anstoß für einen Paradigmenwechsel sein.
Antike Grundlagen: Ideen, Form und Widerstand (Platon und Aristoteles)
Die klassischen Philosophen der Antike legten den Grundstein dafür, wie wir Wissen verstehen. Platon sah die wahre Realität in zeitlosen Ideen oder Formen. Die sinnlich erfahrbare Welt galt ihm nur als unvollkommener Abglanz dieser idealen Ordnungen.wikipedia.orgen.wikipedia.org. Im Timaios-Dialog beschreibt er, wie ein göttlicher Handwerker (Demiurg) die Welt nach dem Vorbild der Ideen formt, jedoch auf ein bereits vorhandenes, chaotisches Urmaterial trifften.wikipedia.org. Dieses Materielle lässt sich nur begrenzt bändigen – Platon spricht von Anankē (Notwendigkeit oder Naturzwang) als Gegenprinzip, das sich der Formung widersetztjournals.openedition.org. Der Demiurg kann das Chaos nur „überreden“ und Ordnung „soweit herstellen, als die Natur der Notwendigkeit willig der Überredung nachgab“journals.openedition.org. Hier klingt bereits an, was man vereinfacht „Materie ist Widerstand“ nennen könnte: Die Welt der Materie ist nicht völlig formbar, sie enthält ein Moment des Unberechenbaren und Widerspenstigen gegenüber dem reinen Geist. Platons Weltbild trennt also das Ideale (vollkommene Formen, die durch die Vernunft erkannt werden) vom Physischen (der Wandel, der sich nie ganz den Ideen anpasst)en.wikipedia.org. Wissen galt ihm primär als Anamnesis – Wiedererinnerung an die unveränderlichen Ideen –, während empirische Beobachtung zweitrangig blieb. Trotzdem gestand Platon zu, dass jede kosmologische Erzählung über die wandelbare Welt nur eine wahrscheinliche Geschichte sein könne, nie absolute Wahrheiten.wikipedia.org. Darin schwingt mit, dass bereits der griechische Geist ahnte, dass die Wirklichkeit nie völlig in starre Formeln zu zwängen ist.
Aristoteles holte das Wissen vom Himmel der Ideen auf die Erde zurück. Er betonte die systematische Beobachtung der Natur und schuf frühe Wissenschaften wie Biologie durch empirische Sammlung und Kategorisierung. Doch auch er unterschied zwischen episteme (Wissenschaft im Sinne von allgemeingültigem Erkenntniswissen) und techne (künstlerisch-handwerklichem Können)philosophie-wissenschaft-kontroversen.dephilosophie-wissenschaft-kontroversen.de. Für die Griechen war Wissenschaft – nach dem Vorbild der Mathematik – Wissen vom Unveränderlichen, das sich beweisen und lehren lässtphilosophie-wissenschaft-kontroversen.de. Techne hingegen betraf das Hervorbringen; sie war praxisorientiert, etwa die Fertigkeit eines Handwerkers, ein Werk zu schaffenphilosophie-wissenschaft-kontroversen.de. Interessanterweise verglich Aristoteles selbst die moralische Klugheit (Phronesis) mit Techne: Wie der Handwerker seinen Stoff formt, so muss der Handelnde sich und die Situation gestaltenphilosophie-wissenschaft-kontroversen.de. Dabei erkannte er explizit an, dass der „spröde Stoff“ der Wirklichkeit dem Kundigen nicht immer gehorchtphilosophie-wissenschaft-kontroversen.de. Der Satz „Techne liebt Tyche und Tyche liebt Techne“ – die Kunst liebt den Zufall und der Zufall liebt die Kunst – bringt auf den Punkt, dass selbst mit höchster Fertigkeit immer Glück bzw. Unsicherheit im Spiel bleibtphilosophie-wissenschaft-kontroversen.de. Mit Tyche meinte Aristoteles den Zufall oder das vom Menschen nicht Beherrschbare. Hier spiegelt sich abermals: Materie bzw. die konkrete Situation stellt Widerstände und Zufälligkeiten bereit, die kein Wissen vollkommen ausräumen kann.
Aristoteles’ Naturphilosophie führte außerdem das Konzept der vier Ursachen ein (Stoffursache, Formursache, Wirkursache, Zweckursache). Dadurch erklärte er Bewegungen und Veränderungen sowohl durch mechanische Ursachen als auch durch formgebende Prinzipien und Ziele in der Natur. Spätere Wissenschaft sparte Teleologie (Zweckmäßigkeit) aus, übernahm aber die Idee einer strengen Kausalität. Summum bonum scientiae war für Aristoteles die Erkenntnis zeitloser Prinzipien – doch er blieb geerdet: Wissen beginnt bei den Sinnen und generalisiert aus vielen Einzelbeobachtungen.
Zwischenfazit: Die antiken Positionen markieren ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite die Suche nach ewig gültiger, geordneter Wahrheit (Form, Gesetzmäßigkeit); auf der anderen Seite die Einsicht, dass die sinnliche Welt des Werdens immer auch Ungesetzlichkeit, Widerstand und Zufall birgt. Eine plastische Wissenschaft im neuen Sinne müsste beide Pole vereinen: das Formende und das Formlose, die Idee und den Stoff. Schon Platon und Aristoteles lieferten Metaphern dafür – vom Demiurgen, der die widerspenstige Materie überredet, bis zum Handwerker, der das spröde Material mit Geschick und Glück bearbeitet. Darin kann man die ersten Umrisse einer Wissenschaft als Techne erkennen: Wissen nicht nur als Abbild von ewigem Sein, sondern als kreativer Prozess, der mit realen Widerständen ringt.
Das Aufkommen des mechanistischen Weltbilds (von der Renaissance bis Newton)
In der Neuzeit verschoben sich die Akzente. Mit Bacon, Galilei, Descartes und Newton entstand das, was Fritjof Capra den cartesianisch-newtonschen Paradigmenkern nennten.wikipedia.org: Die Welt als Maschine, beherrscht von quantifizierbaren Gesetzen, und der Mensch als externer Beobachter, der diese Gesetze entdecken und technisch nutzen kann. Francis Bacon formulierte programmatisch: Wissen ist Macht – statt kontemplativer Schau sollte experimentelles Eingreifen in die Natur Erkenntnis liefern. Galileo Galilei führte systematische Experimente und die Mathematisierung der Naturbeschreibung ein. René Descartes trennte radikal das denkenden Subjekt von der ausgedehnten Materie, was die Grundlage dafür legte, Natur wie ein Automat zu betrachten, zerlegbar in Einzelteile und analysierbar ohne Rückgriff auf Zwecke oder Geist.
Den Höhepunkt fand dieses Weltbild in den Arbeiten von Isaac Newton. Seine Philosophiae Naturalis Principia Mathematica (1687) enthüllten scheinbar die endgültigen Gesetze der Mechanik und Gravitation. Newton gelang es, die Bewegungen irdischer Körper und der Himmelskörper unter einem einzigen Gesetz (der Gravitation) zu vereinenen.wikipedia.org. Das Newtonsche Universum erschien als Uhrwerk: ein gigantischer mechanischer Kosmos, in dem jeder Zustand aus früheren Zuständen nach festen Gesetzmäßigkeiten berechnet werden kannen.wikipedia.org. Die „Clockwork-Universe“-Vorstellung wurde im Zeitalter der Aufklärung populär: Das Weltall als perfekte Maschinerie, die – einmal von Gott in Gang gesetzt – deterministic vor sich hin läuften.wikipedia.orgen.wikipedia.org. Alle Räder greifen ineinander, jedes Ereignis hat eine Ursache, und kennt man alle Anfangsbedingungen genau, ist prinzipiell die Zukunft vorhersagbar. Laplace formulierte später die Vision des allwissenden Dämons, der dank Newtons Gleichungen Vergangenheit und Zukunft lückenlos berechnen könnte.
Dieser Erfolg des mechanistischen Denkens prägte nicht nur die Physik, sondern auch das allgemeine Denken über Wirklichkeit. Natur wurde als objektives, von menschlichen Qualitäten entkleidetes Gefüge mathematischer Relationen verstanden (Galilei: „Das Buch der Natur ist in mathematischen Zeichen geschrieben“). Qualitäten wie Farbe, Klang, Geruch galten als subjektive Eindrücke; objektiv existierten nur Größe, Form, Bewegung – Eigenschaften, die man messen konnte (Res extensa). Zugleich schlug sich der Erfolg der Naturwissenschaften in einem Fortschrittsoptimismus nieder: Das 18./19. Jahrhundert glaubte, durch Wissenschaft und Technik komme man einer vollständigen Beherrschung der Natur und Verbesserung der Lebensumstände immer näherwildculture.comwildculture.com. Die Maschine wurde zum Leitbild – in der Industrie (Dampfmaschine, Fabrik) wie intellektuell (der menschliche Körper als Uhrwerk, Gesellschaft als Mechanismus von Gesetzen).
Es ist wichtig zu sehen, dass diese Objektivierung und Mechanisierung der Welt enormes Erklärungspotential freisetzte. Sie bildet bis heute den Kern naturwissenschaftlicher Methodik: Zerlegung komplexer Phänomene in einfache, kontrollierbare Elemente; Formulierung allgemeiner Gesetze; Quantifizierung und Vorhersage. Jedoch ging damit auch eine Verengung des Blicks einher. Aspekte wie Zweck, Bedeutung, Qualität und Erleben wurden ins Abseits gedrängt. Der Mensch sah sich nun außerhalb der Natur stehend, berechtigt sie zu „unterwerfen“ – ein Denken, das historisch z.B. durch den biblischen Auftrag „Macht euch die Erde untertan“ verstärkt wurdewildculture.comwildculture.com. Dieser externe Standpunkt stärkte zwar die Objektivität, blendete aber die Wechselwirkung zwischen Beobachter und Objekt aus.
Ein wichtiger Philosoph, der noch inmitten dieser Newtonschen Triumphphase wirkte, ist Immanuel Kant. Er akzeptierte die Gültigkeit der newtonschen Physik voll und ganz, stellte aber eine radikale Frage: Wie ist Naturerkenntnis überhaupt möglich? Seine Antwort machte den menschlichen Geist selbst zum Gesetzgeber der Natur – zumindest der erscheinenden Natur. Kant argumentierte in der Kritik der reinen Vernunft (1781/87) und den Prolegomena (1783), dass wir die Welt nur in den Formen erkennen, die unser Verstand vorgibt. Raum und Zeit sind Anschauungsformen unseres Bewusstseins; Kausalität, Substanz, etc. sind reine Verstandeskategorien. Wir bringen diese Strukturen a priori mit und ordnen damit das Chaos der Sinneseindrücke. Daher, so Kant, scheint uns die Natur gesetzmäßig, weil unser Verstand ihr Gesetze vorschreibtsparknotes.com. Berühmt ist sein Satz: „Der Verstand schöpft seine Gesetze (a priori) nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor.“sparknotes.com. Damit vollzog Kant eine kopernikanische Wende in der Erkenntnistheorie: Nicht das Denken passt sich der Natur an, sondern die erscheinende Natur passt sich unserem Denken an (zumindest in Bezug auf grundlegende Strukturen wie Kausalordnung).
Zugleich grenzte Kant aber die Reichweite dieser Erkenntnis strikt ein. Die Wissenschaft befasst sich nur mit Phänomenen, den Erscheinungen der Dinge für uns. Was die „Dinge an sich“ – die wirkliche Beschaffenheit der Realität unabhängig von unseren Formen der Anschauung und des Verstandes – angeht, darüber können wir nichts aussagensparknotes.comsparknotes.com. Hier zieht Kant eine Erkenntnisgrenze: Die Natur, wie die Wissenschaft sie erfährt (als System gesetzlicher Erscheinungen), ist ein menschengemachtes Ordnungssystem (keine Willkür, aber Resultat unserer Erkenntnisstrukturen). Jenseits davon bleibt eine unerkennbare Wirklichkeit. Damit rettete er ein Stück Welt vor dem totalen Zugriff des deterministischen Verstandes – allerdings zum Preis, dass diese Welt „an sich“ uns nie empirisch zugänglich ist.
Wichtig ist auch, dass Kant eine Dualität zwischen Natur und Freiheit etablierte. In der Natur herrscht Notwendigkeit (Kausalgesetze); im praktischen Bereich (Moral, Handeln) postulierte er Freiheit des Willens. Diese Trennung von Naturwissenschaft und Ethik, von Sein und Sollen, prägte die Moderne tief. Wissenschaftlich beschäftigt man sich mit Fakten, Werte werden als separate, subjektive Domäne angesehen. Für eine neue Referenzwissenschaft ist gerade diese Spaltung problematisch – sie muss Natur, Leben und menschliche Werte wieder zusammenführen. Aber Kants Verdienst war es, die Bedingtheit der Wissenschaft offenzulegen: Sie ist keine passive Spiegelung der Realität, sondern eine Wechselwirkung zwischen Erkenntnissubjekt und Objekt. Seine Erkenntnistheorie deutet also an, was in moderner Sprache als sozial oder konstruktiv vermittelt bezeichnet wird. Indirekt ist Kant damit Vorläufer der Idee, dass wissenschaftliche Wahrheiten nicht einfach „da draußen“ liegen, sondern vom Erkenntnisapparat (und in Erweiterung: auch von der Kultur und den Instrumenten) mitgeprägt werden.
Zwischenfazit: Das Newtonsche Paradigma brachte immense Erklärungskraft, tendierte aber zu einem starren Weltbild: Natur = Maschine, determiniert durch unveränderliche Gesetze, völlig losgelöst vom Beobachter. Kant führte hier Reflexion ein: Die Gesetzmäßigkeit der Natur ist zumindest zum Teil unser Denkprodukt, und jenseits davon gibt es Grenzen. Doch in der Praxis dominierte bis ins 19. Jahrhundert hinein die mechanistische Sicht. Um 1800 schrieb der Dichter Novalis kritisch: „Mathematisch-Denken ist an sich schon Zerstören“ – ein Hinweis auf die Reduktion der Welt auf Zahl und Maß. Die plastische Referenzwissenschaft wird genau diese Reduktion überwinden wollen, ohne das Errungene (Gesetzmäßigkeiten erkennen und nutzen) zu verlieren. Dazu mussten aber erst die Schwachstellen des alten Paradigmas offenbar werden – und dies geschah im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts, sowohl innerhalb der Naturwissenschaft selbst wie durch neue Querverbindungen (Biologie, Psychologie, Ökologie, Soziologie, Kunst).
Dynamisierung der Natur und erste Ansätze holistischen Denkens
Bereits im 19. Jahrhundert geriet das starre mechanistische Weltbild in Bewegung. Charles Darwin (den die Fragestellung zwar nicht explizit nennt, der aber fundamental ist) zeigte 1859 mit der Evolutionstheorie, dass Arten nicht unveränderliche Typen sind, sondern durch historische Prozesse entstehen. Die Natur bekam damit eine zeitliche Dimension: Gesetzmäßigkeiten wurden oft statistisch und entwicklungsbezogen verstanden (Variation und Selektion statt fixer Plan). Auch Geologie (Lyell) und später Thermodynamik (Entropie-Konzept) betonten Wandel, Irreversibilität und Chancenprozesse. Die Zweckfrage kehrte in gewisser Weise zurück: Organismen wirken zweckmäßig, was Darwin über natürliche Auslese erklärte. Doch es blieb die Erkenntnis: Lebensvorgänge kann man nicht vollständig wie Uhrwerke behandeln; man muss Systeme und Wechselbeziehungen betrachten – ein Keim der späteren Systemtheorie.
Ein weitgehend vergessener, aber faszinierender Denker jener Zeit ist Raoul Heinrich Francé (1874–1943). Er war Botaniker, Mikrobiologe und Naturphilosoph und gilt heute als früher Pionier der Bionik bzw. Biotechnik. Francé propagierte eine Sicht, in der Technik und Biologie auf gemeinsame Prinzipien zurückgeführt werdenuni-wuppertal.de. In seinem Buch Die Pflanze als Erfinder (1920) analysierte er, wie Pflanzen und einzellige Organismen technische Probleme lösen – etwa Fortbewegung, Stabilität, Verbreitung von Samen – und zeigte die überraschende Konvergenz zwischen natürlichen Strukturen und menschlichen Erfindungenuni-wuppertal.deuni-wuppertal.de. Beispielsweise verglich er die Schraubenformen von Mikroorganismen (zur Fortbewegung im Wasser) mit der Entwicklung der Schiffsschraubeuni-wuppertal.de, oder die Konstruktion eines Pflanzenstängels mit technischen Bauteilen. Seine Schlussfolgerung: “Jeder natürliche Prozess hat seine technische Form”uni-wuppertal.de – die Natur erfindet im Laufe der Evolution Lösungen, die der Mensch oft unbewusst nachahmt. Damit postulierte Francé eine Art Einheit von Natur und Technik auf der Ebene der Formen und Funktionen.
Bemerkenswert ist auch Francés ganzheitliches Naturbild: Er sah den Menschen nicht als Krone der Schöpfung mit Sonderstatus, sondern als Teil des Ökosystems, eingebunden in dieselben Kreisläufe und Gesetze wie alles Lebendigeuni-wuppertal.de. „Der Mensch hat keine göttlichen Privilegien“, folgerte er – eine Aussage, die seiner Zeit (geprägt von christlicher Anthropozentrik) ziemlich provokant waruni-wuppertal.de. Damit antizipierte er in gewisser Weise die heutige Sicht des Anthropozän: Der Mensch ist ein geologischer Faktor, aber auch nur ein Bewohner des Planeten unter vielen, der den Naturgesetzen unterworfen bleibt. Francé prägte sogar den Begriff Biotechnik und setzte sich praktisch dafür ein, dass die Industrie aus der Natur lernt – er erzielte 1920 einen Präzedenzfall, indem er die Nachahmung eines Naturprinzips patentieren ließ (ein Salzstreuer nach dem Vorbild der Mohnkapsel)uni-wuppertal.deuni-wuppertal.de. Rechtlich war das Neuland: Damals galt es als nicht patentierbar, was „in der Natur schon vorhanden“ ist. Durch Francés Trick – er präsentierte es als neue technische Anwendung – wurde der Weg frei, biologische Prinzipien als Innovationen anzuerkennenuni-wuppertal.de. Dies ist ein frühes Beispiel, wie eine institutionelle Barriere gegen ein neues Paradigma gefallen ist: Die Rechtsordnung musste sich anpassen, um naturinspirierte Technik zu fördern. Bionik als Forschungsfeld verdankt diesem Pionier-Schritt viel.
Francé steht hier exemplarisch für ein Denken jenseits der Disziplin-Grenzen: Wissenschaft und Technik, Kultur und Natur verschränken sich. Auch Künstler und Architekten im frühen 20. Jahrhundert ließen sich von solchen Ideen inspirieren (Stichwort Biomorphismus, Bauhaus-Naturstudien). Die klassische Trennung – hier der Ingenieur, dort der Biologe – begann aufzubrechen.
In denselben Zeitraum fällt die Quantentheorie, die allerdings in der Physik verankert war, aber philosophisch extrem revolutionär wirkte. Werner Heisenberg und Kollegen (Niels Bohr, Erwin Schrödinger u.a.) entwickelten in den 1920/30er Jahren ein Bild der Materie, das den Newtonschen Determinismus erschütterte. Heisenbergs Unschärferelation (1927) bewies, dass man nicht gleichzeitig Ort und Impuls eines Teilchens beliebig genau kennen kann – es gibt eine prinzipielle Grenze der Messbarkeit. Damit wurde klar: Absolute Vorhersagbarkeit ist Illusion, es gibt einen unvermeidlichen „Beobachter-Einfluss“. Heisenberg formulierte es so: „Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass das, was wir beobachten, nicht die Natur an sich, sondern Natur unterworfen unserer Art der Fragestellung ist.“en.wikiquote.org. Dieses berühmte Zitat aus Physics and Philosophy (1958) bringt auf den Punkt, dass der Akt der Beobachtung die Realität mitbestimmt – ein radikaler Bruch mit der Idee eines objektiven Uhrwerks, das vom Zuschauer unberührt abläuft. Der Physiker ist hier eher wie ein Experimentator, der eine Frage an die Natur stellt; die Antwort hängt von der Frageform (dem Experiment) ab.
Zudem zeigt die Quantenphysik, dass im Mikrobereich Zufall und Wahrscheinlichkeit grundlegende Rollen spielen. Selbst bei vollständiger Information über den Anfangszustand eines radioaktiven Atoms kann man nicht deterministisch vorhersagen, wann es zerfällt – man kann nur eine Halbwertszeit angeben. Heisenberg bemerkte in seinem Nobelvortrag (1933) zum Beispiel, bei der Kristallbildung gebe es trotz bekannter Gesetze einen „in Prinzip nicht weiter analysierbaren Zufall“, der mitentscheidet, welche Form ein Kristall annimmten.wikiquote.org. Das heißt, die Natur enthält Kreativität oder Vielfalt, die nicht aus dem bloßen Nachrechnen von Gesetzen folgt. Diese Erkenntnis kann man durchaus wieder in den Begriff kleiden: Materie als Widerstand – hier als Widerstand gegen vollständige Voraussagbarkeit und Beherrschbarkeit. Wo Newton noch träumte, man könnte mit genügend Daten alles vorausberechnen, zeigt die Quantenmechanik eine Grenze auf: Es gibt eine ontologische Offenheit in der Natur.
Parallel zur Quantenrevolution erschütterte Einsteins Relativitätstheorie (1905/1915) das absolute Raumzeit-Gerüst Newtons. Raum und Zeit erwiesen sich als relativ zum Beobachter, verknüpft zu vierdimensionaler Raumzeit; Massen können Raumzeit krümmen, und es gibt eine absolute Geschwindigkeitsgrenze (Lichtgeschwindigkeit). Obwohl Einsteins Welt letztlich noch deterministisch war (er selbst hing am Kausalprinzip und lehnte die Quantenzufälle anfangs ab), veränderte sich die Vorstellung von Naturgesetzen: Sie sind Beziehungsgesetze (zwischen Energie, Masse, Raum, Zeit) und abhängig vom Bezugssystem. Nicht die separaten absoluten Größen, sondern Invarianten und Symmetrien wurden zentral. Dies bereitete philosophisch den Weg zu einem dynamischeren, relationalen Wirklichkeitsbild. Einstein stand zugleich persönlich für das Spannungsfeld zwischen alter und neuer Paradigmavorstellung: Er suchte Zeit seines Lebens nach einer übergreifenden Ordnung (einer Feldtheorie, die Zufall eliminiert), während die neuere Generation (Heisenberg, Bohr) akzeptierte, dass das Fundament der Physik nicht mehr klassische Anschaulichkeit und Gewissheit bietet.
Zwischenfazit: Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts entstand so etwas wie ein Doppelbild der Natur. Auf der einen Seite bestätigte die klassische Physik in vielen technischen Anwendungen ihre Brauchbarkeit (Mechanik, Elektrotechnik, Chemie etc. arbeiteten weiter mechanistisch determiniert auf makroskopischer Ebene). Auf der anderen Seite zeigten Quantenphysik und relativistische Kosmologie ein Universum, das relativ, offen und vom Beobachter mitgeprägt ist. Die wissenschaftliche Praxis professionalisierte sich immer mehr (enge Fachdisziplinen), doch einige Denker erkannten, dass man das Ganze aus den Augen zu verlieren drohte. Hier knüpft die Systemtheorie und Kybernetik an, die ab den 1940er Jahren aufkam.
Ganzheitliches und vernetztes Denken: Von der Systemtheorie zur Gesellschaftskritik (Bateson und Latour)
Mit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs die Einsicht, dass die Zerlegung der Welt in isolierte Einzelteile und Fachgebiete an ihre Grenzen stößt. Gregory Bateson (1904–1980) war ein Anthropologe und Biologe, der zum Vordenker einer „Ökologie des Geistes“ wurde. Er forderte explizit, die Grenzen zwischen den Disziplinen zu überwinden, um die Ganzheit und Verbundenheit der Dinge zu sehenwildculture.com. Bateson kritisierte, dass wir zwar wissen, dass unsere gängigen Welterklärungen unzureichend sind, aber trotzdem danach handeln: „We are most of us governed by epistemologies that we know to be wrong.“ – Die meisten von uns werden von Erkenntnistheorien regiert, von denen wir wissen, dass sie falsch sindwildculture.com. Damit meinte er die immer noch vorherrschende Annahme, der Mensch stehe getrennt über der Natur, habe allein Geist, während der Rest der Welt seelenlos seiwildculture.com. Diese Trennung sieht Bateson als Wurzel der ökologischen Krise. Er führt es u.a. auf das christlich-abendländische Erbe zurück: Der Genesis-Auftrag, die Erde zu „unterwerfen“, und die Vorstellung vom Menschen im Bilde Gottes führten zu einer Haltung „außerhalb und gegen die Dinge um uns herum“wildculture.com. Mit fortgeschrittener Technologie wird diese Haltung brandgefährlich: „Wenn das eure Einschätzung eures Verhältnisses zur Natur ist und ihr eine hochentwickelte Technik habt, werden eure Überlebenschancen die eines Schneeballs in der Hölle sein.“wildculture.com. In drastischen Worten warnte Bateson, die Menschheit könne an den toxischen Nebenfolgen ihrer Hybris oder am Übernutzen der Ressourcen zugrunde gehenwildculture.com.
Batesons Gegenentwurf war ein zutiefst systemisches Denken. Er betrachtete Phänomene nicht isoliert, sondern in ihren Muster und Beziehungen. Bekannt ist sein Konzept “the pattern which connects” – das Muster, das die Teile verbindet. Er sah Geist (mind) nicht als etwas, das auf das Gehirn beschränkt ist, sondern als im gesamten System von Lebewesen und Umwelt verteilt. In Steps to an Ecology of Mind (1972) machte er deutlich: Das „Überlebenseinheit“ der Evolution ist nicht das Individuum alleine, sondern das Individuum plus seine Umgebung bzw. Beziehungenwildculture.com. Hier schimmert die Idee durch, dass ein Wald und seine Lebewesen zusammen ein Informations- oder Denksystem bilden. Kommunikation, Rückkopplung, Gleichgewicht – all das waren Schlüsselbegriffe, mit denen er biologische, psychologische und kulturelle Prozesse analog deutete.
Interessant ist, dass Bateson die Bedeutung der Kunst betonte. „The human race needs poetry just as much as it needs science.“ – Die Menschheit braucht Dichtung genauso sehr wie Wissenschaftwildculture.com. Darin spiegelt sich die Überzeugung, dass rational-analytisches Wissen allein zu einseitig ist; wir benötigen auch die ganzheitliche, intuitive, wertbezogene Sicht, wie Kunst oder Poesie sie liefern. Für Bateson war klar: „Understanding how life actually works is crucial if we are to identify a less pathological and destructive path for our species… Our chances of survival would greatly increase, were we to recognise, as Gregory Bateson did, that everything is connected.“wildculture.comwildculture.com. Mit anderen Worten: Eine neue Wissenschaftsgrundlage muss vernetztes Denken fördern. Sie muss anerkennen, dass Mensch, Gesellschaft und Natur ein zusammenhängendes ökologisches System sind (inkl. den von uns geschaffenen Technologien).
Diese Erkenntnisse bereiten die Bühne für die kritische Betrachtung von Wissenschaft als gesellschaftliche Praxis selbst. Hier kommt Bruno Latour ins Spiel, ein Wissenschaftssoziologe und Philosoph, der 1991 mit Nous n’avons jamais été modernes (Wir sind nie modern gewesen) für Furore sorgte. Latour behauptet darin, die sogenannte Moderne seit dem 17. Jh. beruhe auf einer selbstgeschaffenen Mythologie – einer “Modernen Verfassung”, die streng trennt zwischen Natur und Gesellschaft, Fakten und Werten, objektiver Wissenschaft und subjektiver Politiken.wikipedia.orgen.wikipedia.org. Diese Trennung, argumentiert er, hat es so rein nie gegeben: In Wirklichkeit waren alle unsere Bemühungen stets ein Gemisch aus beidem (Hybride nennt er das). Ein aktuelles Beispiel: Klimawandel. Hier sind wissenschaftliche Erkenntnisse (Treibhausgaswirkung) unentwirrbar verflochten mit politischen Interessen, wirtschaftlichen Praktiken und öffentlicher Meinungen.wikipedia.org. Wir haben es mit einem „Sachverhalt von öffentlichem Interesse“ zu tun, der wissenschaftliche und soziale Diskurse derart mischt, dass ein „aufgeräumter Natur/Kultur-Dualismus nicht mehr möglich ist“en.wikipedia.org. Latour sagt: Was die Postmoderne oder Antimoderne spüren, ist eigentlich das Ende dieser künstlichen Trennung.
Um handlungsfähig zu bleiben, schlägt Latour vor, wir sollten uns als Nicht-mehr-Moderne verstehen und Institutionen schaffen, die Dinge und Menschen gemeinsam verhandeln lassen. Sein Schlagwort ist das „Parlament der Dinge“en.wikipedia.org. Dort hätten nicht nur menschliche Bürger eine Stimme, sondern auch die sogenannten Objekte/Naturwesen – vertreten durch Wissenschaftler, Experten, oder metaphorisch durch ihre Wirkungen. Beispielsweise hätte im „Parlament der Dinge“ das Klimasystem eine Stimme, die gehört werden muss, wenn über Emissionsgesetze entschieden wird (man könnte sagen, via IPCC-Berichte spricht die Erdsystemwissenschaft im Auftrag der Dinge). Latour will damit die Demokratie und Wissenschaft zusammenbringen: Weg von der Technokratie hinter verschlossenen Labortüren, aber auch weg von einer Politik, die Fakten ausblendet. Beide Sphären sind sowieso schon verflochten – nur die „moderne Verfassung“ verbietet offizielle Netzwerke zwischen ihnenen.wikipedia.orgen.wikipedia.org. In Wahrheit, so Latour, gibt es immer Übersetzungsprozesse: Wissenschaft erzeugt Fakten nur mit gesellschaftlicher Infrastruktur (Labor, Geld, Akzeptanz), und Politik wirkt immer auf Basis von als stabil angenommenen Naturgegebenheiten. Die Moderne tat so, als seien Natur (Objekte) absolut und universell, von uns völlig unabhängig (transzendent) – und Gesellschaft absolut konstruiert, menschengemacht (immanent)en.wikipedia.org. Diese Sicht ist zu einfach und führt z.B. in ökologischen Fragen zur Lähmung: Die Politik delegiert Umweltfragen an „die Wissenschaft“ (man solle nicht „politisch“ werden in der Sachfrage), während die Wissenschaft sagt „wir liefern nur Fakten, handeln müssen andere“. Latour entlarvt das als gegenseitiges Wegschieben von Verantwortung. Stattdessen fordert er neue Foren, in denen Menschen und Nicht-Menschen (Tiere, Wälder, Viren, technische Artefakte usw.) gemeinsam verhandelt werden.
Man sieht hier deutlich, wie Latours Ideen die gesellschaftlich-politische Dimension neuer Paradigmen beleuchten. Eine plastische Referenzwissenschaft würde anerkennen, dass sie selbst Teil des gesellschaftlichen Prozesses ist – ihre Ergebnisse sind keine neutralen Wahrheiten im luftleeren Raum, sondern müssen im sozialen Diskurs übersetzt werden. Gleichzeitig verlangt sie, dass Politik und Recht wissenschaftliche Realität nicht verdrängen. Etwa: Das Rechtssystem müsste Konzepte wie „Rechte der Natur“ oder planetare Grenzen integrieren, die aus wissenschaftlichem Verständnis (Ökologie, Erdsystemforschung) herrühren. Tatsächlich gibt es erste Ansätze: In einigen Ländern (z.B. Ecuador, Neuseeland) wurden Flüsse, Wälder oder „Mutter Erde“ juristisch als Rechtssubjekte anerkannt – ein paradigmatischer Bruch mit der traditionellen Rechtsordnung, der Latours Vision nahekommt.
Latour steht auch stellvertretend für eine generelle Erkenntnis im 20./21. Jahrhundert: Wissen ist nicht wertneutral und linear fortschreitend, sondern geprägt von sozialen Prozessen, Machtstrukturen und kulturellen Kontexten. Wissenschaftliche Institutionen (Universitäten, Journals, Förderagenturen) haben ihre eigenen Trägheiten und Widerstände. Thomas Kuhn zeigte bereits 1962 (Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen), dass Paradigmenwechsel mit altem Establishment kollidieren – neue Ideen setzen sich oft erst nach und nach durch, manchmal „eine Beerdigung nach der anderen“, wie Max Planck bissig anmerkte.
Heutige Beispiele solcher institutionellen Widerstände gibt es zuhauf: Die etablierten Energieindustrien stemmten sich lange gegen die Klimawissenschaft, säten Zweifel, lobbyierten gegen Emissionsregeln – eine klassische Abwehr eines neuen Paradigmas (Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung) aus Besitzstandsdenken. In der Medizin sah man Widerstände gegen ganzheitlichere Ansätze: Schulmedizin tat Homöopathie, Akupunktur, Psychosomatik lange pauschal als unwissenschaftlich ab, obwohl ein integratives Modell von Gesundheit (das z.B. Psyche und Immunsystem vernetzt betrachtet) fruchtbarer wäre. Im Bildungswesen klammern sich Lehrpläne oft an Fächertrennung und Prüfungswissen, obwohl klar ist, dass kreatives, vernetztes Denken gefördert werden müsste, um kommende Generationen auf komplexe Probleme vorzubereiten. Sir Ken Robinson kritisierte, heutige Schulen erstickten Kreativität – ein Erbe des Industriezeitalters, wo es um normierte Arbeitskräfte ging. Eine neue Wissenschaftskultur würde ganz anders ausbilden: transdisziplinär, prozess- statt inhaltsorientiert, mit viel Projekt- und Teamarbeit, vielleicht sogar mit Künsten als integralem Bestandteil des Lernens.
So zeigt sich: Die provokativen Inhalte einer plastischen Referenzwissenschaft stehen zwangsläufig im Widerspruch zu vielen bestehenden Strukturen. Aber gerade hier liegt ihre missionarische Aufgabe: Sie will eine neue Wirklichkeitskonstruktion anbieten, die letztlich auch neue Institutionen erfordert. Bruno Latour formulierte es sinngemäß so: Was würde passieren, wenn wir wirklich anerkennen, dass wir nie modern waren? Wir müssten die Welt neu ordnen – Wissenschaft, Politik, Recht neu arrangieren, um den Herausforderungen des Klimazeitalters gerecht zu werdenen.wikipedia.orgen.wikipedia.org.
Leitbegriffe der neuen Wissenschaft: Von Gesetzen und Objekten zu Kipppunkten und Netzwerken
Versuchen wir nun, die gewonnenen Einsichten zusammenzuführen. Wie könnte man die angedeutete „plastische Referenzwissenschaft“ konzeptuell beschreiben? Offensichtlich geht es um einen Paradigmenwechsel, der mehrere Dimensionen hat:
- Weltbild: Weg vom starren Mechanismus hin zu einem organisch-dynamischen Bild. Die Natur ist kein Uhrwerk mit ewig gleichen Abläufen, sondern ein komplexes System mit Schwellen, Nicht-Linearitäten und Evolutionsgeschichte. Gesetze im Sinne von unverrückbaren Naturgesetzen treten in den Hintergrund zugunsten von Mustern, Prozessen und Kipppunkten. Ein Kipppunkt statt Gesetz bedeutet: Viele Systeme (ob Klima, Ökosystem, Finanzmarkt oder Gehirn) verhalten sich meistens regelhaft innerhalb eines Bereichs, können aber durch kleine Auslöser in einen ganz anderen Zustand kippen. Solche Phasenübergänge und Rückkopplungen sind in komplexen Netzwerken typischer als klassisch lineare Kausalitäten. Die Wissenschaft des 21. Jh. – von der Chaosforschung über die Systembiologie bis zur Erdsystemanalyse – befasst sich intensiv mit solchen nichtlinearen Dynamiken. So wissen wir heute, dass das Erdsystem Tipping Points hat (z.B. Abschmelzen des Polareises oder Absterben des Regenwalds), jenseits derer sich der Planet in ein neues Gleichgewicht bewegt. Diese Risiken sind kaum durch bestehende Institutionen adressiert, wie Wissenschaftler beklagensciencedirect.com. Globales Regierungshandeln ist traditionell auf graduelle Veränderungen ausgelegt, nicht auf abrupte Kippprozesse. Ein Bericht betont: „Die Risiken von Kipppunkten im Erdsystem werden von den bestehenden globalen Governance-Institutionen nicht erfasst… Es bedarf neuer transdisziplinärer Forschung…“sciencedirect.com. Hier sieht man die Diskrepanz: Das Paradigma ändert sich (Kipppunkte anerkennen), aber die Governance hinkt hinterher.
- Erkenntnistheorie: Weg von der Anbetung objektiver Gewissheit hin zur Reflexivität. Die neue Wissenschaft erkennt an, dass sie Teil des Systems ist, das sie beschreibt. Sie ist „plastisch“ auch in dem Sinne, dass sie ihre Modelle flexibel hält und auf Rückmeldungen reagiert. Statt absoluter Objektivität strebt sie kontextuelle Objektivität an – das heißt, sie versucht, möglichst viele Perspektiven und Methoden einzubeziehen, um ein robustes Bild zu erhalten. Sie akzeptiert, dass jedes Messverfahren eine Perspektive ist (Heisenberg: Beobachtung = Wechselwirkungen.wikiquote.org). Objektivität wird so nicht als Eigenschaft einzelner Forscher verstanden (die Illusion des völlig neutralen Beobachters), sondern als Eigenschaft eines gut strukturierten Wissenschaftsprozesses, in dem z.B. Peer Review, Reproduzierbarkeit, und auch Interdisziplinarität dazu beitragen, subjektive Verzerrungen auszugleichen. Zudem wird offen gelegt, dass Werte und Annahmen immer im Spiel sind – etwa welche Forschungsfragen als wichtig gelten (finanziert werden) oder welche Risiken als tolerabel angesehen werden. Die Referenzwissenschaft ist insofern ehrlich und selbstreflexiv. Sie könnte Methoden der sog. Post-Normal-Science anwenden, bei der in hochunsicheren und wertgeladenen Fragen (Klimapolitik, Pandemien usw.) eine erweiterte Gemeinschaft von Akteuren einbezogen wird und Unsicherheiten explizit kommuniziert werden.
- Methodik und Techne: Wissenschaft ist Techne – dieses Motto würde eine neue Wertschätzung des kreativ-gestalterischen Aspekts von Wissenschaft ausdrücken. Bereits die Praxis der modernen Forschung stützt diese Sicht: Ein erheblicher Teil der Erkenntnisse entsteht durch Bauen von Modellen, Experimenten, Geräten. Sei es der Teilchenbeschleuniger, mit dem neue Partikel „geschaffen“ werden, oder der Klimamodelleur, der am Computer Simulationen entwirft – überall ist aktives Hervorbringen (poiesis) Teil des Erkenntnisprozesses. Die klassische Wissenschaftstheorie legte oft einseitig Wert auf die Theoria (beobachten, erklären) und vergaß, dass ohne Techne (machen, eingreifen) keine Daten und kein Fortschritt möglich wären. Heidegger bemerkte einmal, die moderne Naturwissenschaft sei im Wesen „technisch“ – sie braucht den Versuch, das Stellen von Bedingungen, das Hantieren mit Apparaten. Eine plastische Wissenschaft würde diesen Umstand offensiv positiv deuten: Sie würde ingenieurhaft und künstlerisch an Probleme herangehen, Experimente und soziale Experimente als Lernverfahren nutzen. Das bedeutet auch, Fehlerkultur und Iteration werden zentral: Wie ein Ingenieur Prototypen baut, testet, verbessert, so lernt die Wissenschaft aus ihren Irrtümern. Wichtig ist ferner: Techne umfasst auch Kunst im ursprünglichen Wortsinn. Die ästhetische Bildung und intuitive Einsicht spielen in kreativen Durchbrüchen oft eine Rolle (man denke an Kekulé’s Schlangen-Traum für die Benzolformel oder Einsteins Gedankenexperimente mit Lichtstrahlen). Eine integrative Wissenschaft würde solche Inspiration nicht belächeln, sondern als notwendigen Part anerkennen – etwas, das durch interdisziplinäre Milieus gefördert werden kann.
- Gesellschaftliche Einbettung: Eine Referenzwissenschaft neuen Typs wäre transdisziplinär: Sie verbindet nicht nur Fachgebiete, sondern zieht Praxisakteure ein (Bürgerwissenschaft, Stakeholder) und berücksichtigt die gesellschaftlichen Implikationen ihrer Erkenntnisse von Anfang an. Beispielsweise in der KI-Entwicklung zeigt sich aktuell, wie unerlässlich das ist. Die ethischen, rechtlichen und sozialen Fragen rund um KI können nicht von Informatikern allein gelöst werden; es braucht Philosophen, Juristen, Soziologen und die Öffentlichkeit im Diskursunctad.org. Ein Bericht über KI-Ethik betont: „Es ist klar, dass wir Geistes- und Sozialwissenschaften in die Debatte über Recht, Ökonomie und Technologie integrieren müssen, um einen Weg in die ungewisse Zukunft mit immer algorithmischeren Systemen zu finden.“unctad.org. Das entspricht genau dem Anspruch der neuen Wissenschaft, alle Wissensformen an einen Tisch zu bringen. Ebenso im Klimathema: Hier sind Natur- und Sozialwissenschaftler mit lokalen Gemeinschaften und politischen Entscheidungsträgern gemeinsam gefragt, transdisziplinär Lösungen zu erarbeiten – reine Klimamodelle retten kein Dorf vor Überschwemmungen, es braucht sozial robuste Anpassungspläne. In der Medizin wächst das Verständnis, dass Gesundheit nicht isoliert biochemisch ist: Lebensstil, Psyche, Gesellschaft, Umwelt – alles wirkt zusammen. Systemmedizin und Public Health integrieren Erkenntnisse, dass z.B. Armut und Bildungsgrad bessere Krankheitsprädiktoren sein können als einzelne Gene.
Kurzum, die Referenzwissenschaft wäre eine Art Knotenpunkt, auf den sich verschiedenste Bereiche beziehen. Sie liefert Rahmenkonzepte (z.B. Nachhaltigkeit, Resilienz, Gerechtigkeit, Komplexität), an denen sich Recht, Bildung, Politik orientieren können. Gleichzeitig bezieht sie selbst Rückmeldungen aus diesen Bereichen ein – ein ständiger Dialog. Diese Wissenschaft ist plastisch in dem Sinne, dass sie sich an reale Problemstellungen anformt und gemeinsam mit der Gesellschaft Lernprozesse durchläuft, statt im Elfenbeinturm fixe Wahrheiten zu verkünden.
Kunst und Gesellschaft als Mitgestalter: Beuys’ erweiterter Kunstbegriff
Ein herausragendes Beispiel für das Verschmelzen von Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft liefert der deutsche Künstler Joseph Beuys (1921–1986). Beuys propagierte den erweiterten Kunstbegriff und die Idee der Sozialen Plastik. Seine berühmte Aussage „Jeder Mensch ist ein Künstler“goethe.degoethe.deverstand er nicht banal, dass jeder malen oder Bildhauen sollte, sondern dass jede Form von menschlicher Tätigkeit einen künstlerischen Gestaltungsaspekt besitztgoethe.degoethe.de. Für Beuys war die gesamte Gesellschaft ein formbares Kunstwerk – „shaping society like a sculpture is the calling of art“, soll er gesagt habengoethe.de. Und tatsächlich verband er Kunst mit Politik, Philosophie, Wirtschaft und Wissenschaft in seinem Aktivismus und Lehrengoethe.degoethe.de.
Ein Schlüsselprojekt war 7000 Eichen (1982): Beuys pflanzte zusammen mit Bürgern 7000 Bäume in Kassel, jeden begleitet von einer Basaltstelegoethe.degoethe.de. Diese Aktion war Kunst, ökologische Stadtplanung und soziale Mobilisierung zugleich. Anfangs belächelt oder bekämpft, gilt sie heute als visionär und hat das Stadtbild und Bewusstsein geprägtgoethe.degoethe.de. Hier zeigt sich ein Muster: Neue Paradigmen stoßen erst auf Widerstand, werden dann aber zum neuen Bezugspunkt (Referenz) zukünftiger Entwicklungen.
Beuys’ Konzept der Sozialen Plastik impliziert, dass Kreativität und Gestaltung jedem innewohnen und auf alle Lebensbereiche angewendet werden können. Würde man Wissenschaft in diesem Sinn als Teil der Sozialen Plastik sehen, hieße das: Wissenschaftler sind Kunsthandwerker an der Gesellschaft. Ihre Erkenntnisse gestalten die Wahrnehmung der Realität; jeder Fortschritt in Wissenschaft formt das Weltbild und beeinflusst soziale Praktiken. Beispielsweise hat die Foto der Erde vom Weltraum (Blue Marble, 1972) – ein wissenschaftlich-technisches Produkt – ungemein symbolische Wirkung entfaltet: Das Bild unseres begrenzten blauen Planeten gilt als ästhetische Ikone und hat das ökologische Bewusstsein gestärkt. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Daten und Symbol, zwischen Wissenschaft und Kunst.
Beuys war stark von anthroposophischen und philosophischen Ideen beeinflusst (Rudolf Steiner, Novalis u.a.). Er suchte eine Einheit von Natur und Geist, ähnlich wie eine neue Wissenschaft sie anstrebt. Seine Aktionen zielten oft darauf ab, beim Publikum ein Aha-Erlebnis, eine Bewusstseinserweiterung auszulösen – etwas, das man durchaus mit Erkenntnis gleichsetzen kann. Beispielsweise sein Performance-Stück „Coyote: I Like America and America Likes Me“ (1974), wo er sich drei Tage mit einem Kojoten in einen Raum einschloss, war eine lebende Metapher für die Versöhnung von Zivilisation und Wildnis, Mensch und Tier. Solche künstlerischen Experimente kann man als Analogie zu gesellschaftlichen Gedankenexperimenten sehen, die neue Sichtweisen erproben.
In einer plastischen Referenzwissenschaft würden Kunst und Wissenschaft Hand in Hand arbeiten. Künstler können Zukunftsbilder entwerfen, ethische Fragen sinnlich greifbar machen, komplexe Daten in intuitive Erfahrungen umsetzen. Wissenschaftler wiederum können Künstlern Fakten und Werkzeuge bereitstellen, um fundiert zu gestalten. Diese Synergie wird heute bereits in Feldern wie Sci-Art (Wissenschaft & Kunst-Kollaborationen), Design Thinking oder Spekulative Futuristik praktiziert.
Beuys’ Einfluss zeigt sich auch in neueren Bewegungen: etwa der Klimaprotest (z.B. Extinction Rebellion) verwendet bewusst performative, kreative Mittel – Straßentheater, symbolische Aktionen – um wissenschaftliche Warnungen emotional ansprechbar zu machen. Hier wird Wissenschaft „ins Soziale Plastik“ eingebunden.
Zusammengefasst betont die künstlerische Perspektive, dass eine neue Wissenschaft nicht nur im Kopf stattfindet, sondern gefühlt, gelebt, kommunikativ vermittelt werden muss. Es geht um Kulturwandel. Fakten allein ändern kein Verhalten, sondern erst wenn sie in Bedeutungen, Geschichten und Bilder eingebettet werden. Die Kooperation von Kunst und Wissenschaft kann dies leisten: Kunst gibt den Zahlen Seele, Wissenschaft der Kunst Bodenhaftung. Diese Kombination steigert die Resonanzfähigkeit der Gesellschaft für neue Ideen.
Konfrontation mit der bestehenden Ordnung und Ausblick
Die skizzierten Inhalte – seien es neue Naturkonzepte (Tipping Points, Netzwerke), neue Erkenntnishaltungen (Reflexivität, Transdisziplinarität) oder die Verschmelzung von Wissenschaft, Kunst und Politik – sind ohne Zweifel kontrovers im Kontext des heutigen Systems. Viele Institutionen basieren noch implizit auf dem alten Paradigma: Rechtssysteme denken in linearen Zurechnungen (A verursacht B, wer ist schuld? – doch in komplexen Netzwerken gibt es verteilte Verursachung), Bildungssysteme trennen Fächer und behandeln Wissen als statisch (statt als Prozess und Fähigkeit zum Lernen), Wirtschaftssysteme externalisieren Naturfolgen (statt sie als integralen Kalkulationsbestandteil zu sehen) usw. Eine plastische Referenzwissenschaft würde all diese Bereiche in Frage stellen, weil sie auf Zusammenhänge und langfristige Folgen verweist, die bisher ausgeblendet wurden.
Es ist deshalb zu erwarten, dass der Übergang zu diesem neuen Paradigma mit Krisen und Konflikten einhergeht. Der Kulturphilosoph Fritjof Capra schrieb 1982, die alte Kultur werde „mit zunehmender Verbissenheit an ihren Vorstellungen festhalten“ und die dominanten Institutionen würden ihre Führungsrolle nicht kampflos aufgeben – letztlich aber untergehen, während die neue Kultur aufsteigten.wikipedia.org. „Je weiter der Wendepunkt voranschreitet, desto mehr wird klar, dass großskalige evolutionäre Änderungen nicht durch kurzfristige politische Manöver aufgehalten werden können.“en.wikipedia.org. Dies klingt geradezu prophetisch im Angesicht unserer Zeit: Klimakrise, Pandemie, Finanzkrisen – man versucht mit „klassischen“ Mitteln zu reagieren, doch es zeigt sich, dass ein grundlegender Wandel unvermeidlich ist, will man nicht immer drastischere Brüche riskieren.
Die Vision der plastischen Referenzwissenschaft ist letztlich utopisch, aber im besten Sinne: Sie zeigt eine mögliche „neu geordnete Wirklichkeit“ auf, an der man sich orientieren kann (u-topos = kein Ort, aber Richtschnur). Sie würde eine gemeinsame Sprache schaffen, in der die verschiedenen Sphären – Natur, Mensch, Technik, Recht, Kunst – nicht mehr getrennt, sondern als Facetten eines umfassenden Wirklichkeitsverständnisses gesehen werden. Bruno Latour argumentierte, wir bräuchten neue Konstitutionen, die alle ontologischen Bereiche berücksichtigenen.wikipedia.orgen.wikipedia.org.
Diese neue Bezugswissenschaft wäre nicht mehr hierarchisch (eine „Königin der Wissenschaften“) wie es die Theologie im Mittelalter oder die Physik im 20. Jh. vielleicht beanspruchten. Stattdessen fungiert sie als Knoten im Netzwerk: Sie ist Referenz in dem Sinne, dass sie Ordnungswissen bereitstellt (z.B. das Wissen um planetare Grenzen als Referenzrahmen für Politiken.wikipedia.org), aber sie ist plastisch genug, sich von Feedback der Praxis formen zu lassen.
Vielleicht ließe sich sagen: Die plastische Referenzwissenschaft ersetzt das alte Motto „Wissen ist Macht“ durch „Wissen ist Fähigkeit zur Gestaltung“. Nicht Machtausübung über Natur oder Menschen ist das Ziel, sondern die befähigende Einsicht, wie man im Einklang mit den komplexen Dynamiken handeln kann – ob in einem Ökosystem, einer Organisation oder im eigenen Körper. Wissen wird prozessorientiert: Es zeigt Wege auf, Möglichkeiten und Kipppunkte zum Besseren zu nutzen, anstatt nur Bestehendes zu kontrollieren.
Abschließend sei betont, dass diese Entwicklung durchaus optimistisch stimmen kann. Wo das alte mechanistische Denken uns an eine Wand von Krisen geführt hat, öffnet das neue integrative Denken auch neue Chancen. So sprechen Forscher inzwischen nicht nur von negativen, sondern auch von positiven Kipppunkten – gezielten kleinen Interventionen, die große transformationsfördernde Kaskaden auslösen können (z.B. rascher Umstieg auf erneuerbare Energien könnte zum „Kippen“ des gesamten Energiesystems führen, hin zu Nachhaltigkeit)report-2023.global-tipping-points.orgreport-2023.global-tipping-points.org. Die Idee: Indem man die Hebel in Netzwerken versteht, kann man Wandel beschleunigen. Dieses „in die Zukunft denken wie ein Systemgestalter“ ist typisch für die neue Paradigma-Mentalität. Sie erfordert allerdings Mut, tradierte Denkschablonen hinter sich zu lassen.
Letztlich steht die plastische Referenzwissenschaft für eine Versöhnung: von Geist und Materie, von Wissenschaft und Kunst, von Mensch und Natur, von Fakten und Werten. Es geht um ein Bewusstsein, dass Materie immer Widerstand bietet, aber gerade dieser Widerstand die Formung ermöglicht – wie der Marmorblock, an dem der Bildhauer ringt, um die Skulptur freizulegen. Und es geht um das Eingeständnis, dass unsere Wissenschaft immer auch Techne war: ein schöpferisches Unternehmen, bei dem wir unsere Zukunft mitgestalten, ob wir wollen oder nicht. Indem wir das anerkennen, übernehmen wir bewusst Verantwortung für die Wirklichkeitskonstruktionen, die wir kollektiv schaffen. Die Reise zu diesem neuen Wissenschaftsverständnis mag konfliktreich sein, doch sie ist notwendig, „damit wir einen weniger zerstörerischen Pfad für unsere Spezies finden“wildculture.com – denn, um mit Bateson zu schließen, „unsere Überlebenschancen werden erheblich steigen, wenn wir erkennen, dass alles verbunden ist.“wildculture.com.
📚 Quellenübersicht
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